Bis ans Ende der Welt, aber dann keinen Schritt weiter

    Liebe Forenmitglieder!


    Ich schreibe hier, um mich auszuheulen, um klare Gedanken zu fassen und um die Zeit rumzukriegen bis ich morgen Früh wieder zur Arbeit gehen kann ;-).


    Mein Freund hat sich heute - nach 6 Jahren Beziehung - von mir getrennt. Diese Entscheidung kam für mich in der derzeitigen Situation so ziemlich aus dem Nichts. Also wir waren beide in den letzten Wochen mistig drauf und vermutlich hat das Fass zum Überlaufen gebracht, aber dennoch war ich der Meinung und guter Hoffnung, dass sich alles wieder bessern würde.


    Nach unserem gemeinsamen Studienabschluss sind wir 1000km von meiner Heimat weggezogen und stecken gerade inmitten des Berufseinstieges. Für mich war die Entscheidung, so weit weg und ins Ausland zu ziehen, ein Graus. Schlussendlich hat mein/unser Wille, unsere Beziehung fortzuführen und nicht einfach hinzuschmeißen bzw. zuzusehen wie sie durch die Entfernung den Bach runter geht, aber dazu geführt, dass ich mit ihm mitgegangen bin. Diese Entscheidung habe ich auch - bis heute - nicht bereut.


    Jo, nun sind 2 Monate rum. Durch die unmenschlichen Arbeitszeiten ist es mir weder gelungen, hier mal meine Wohnung in Schuss zu kriegen (wir wohnen getrennt) und anständig einzurichten, noch irgendwelche sozialen Kontakte zu knüpfen. Ihm geht es im Grunde gleich. Der Berufseinstieg ist für uns beide heftig und nervenaufreibend. Und jetzt seine Entscheidung - besser gesagt: das Gefühl, eben keine Gefühle mehr für mich zu empfinden. Soweit so schlecht.


    Nun sitze ich hier: teurer Umzug, Probezeit, Wohnung ein Jahr gebunden, Internetvertrag für zwei Jahre, Auto gekauft, Versicherungen abgeschlossen und ??scheiß?? einsam. Normalerweise komme ich auch mal ein paar Tage alleine zurecht, aber gerade erschlägt mich die Einsamkeit mit dem Vorschlaghammer.


    Meine Familie und Freunde will ich telefonisch erstmal nicht damit beglücken denn - es bleibt diese verfluchte Hoffnung, dass man entweder aus dem schlechten Traum aufwacht und alles wieder supertoll ist, oder aber, er sich doch noch "umentscheidet" (ich weiß - 1. Phase der Trauer...).


    Gibt es das? Die Option, dass man doch wieder Gefühle entwickelt, sobald der Stress nachlässt und man mit sich selbst wieder ein bisschen klar kommt? Oder haben Beziehungen, nach so einer "Pause" ohnehin auf ewig einen Knacks weg?


    Ich weiß einfach nicht, wo ich hin soll mit dem ganzen Mist :(.


    Wäre ich meine beste Freundin, würde ich mir sagen, dass es keinen Sinn hat, eine Beziehung weiterzuführen, in der die Liebe nur einseitig ist.

  • 62 Antworten

    Ähhhmmm, nix gegen zwei Wohnungen. Aber ihr seid zusammen, bzw. wart zusammen als ihr ins Ausland gegangen seid. Mich macht das stutzig wie es dazu kam, dass ihr zwei Wohnungen gemietet habt? Was war der Grund?

    Doch, es besteht immer Hoffnung. Weist du manchmal rettet sich einer aus einer Beziehung, wenn ihm einfach alles zu viel wird..auf Arbeit zu viel zu tun und dann _Mühen der Ebenen in der Beziehung.


    Wenn sich die äußeren Bedingungen ändern, man mehr Kraft hat kann es schon sein, dass deinem Freund auffällt, dass ihm etwas fehlt und er doch mit dir zusammen sein will, sich der Zuneigung erinnert.


    Aber was tut man bis dahin (und ob es so sein wird, weist du ja auch nicht)....keine Ahnung. Versuche soziale Kontakte aufzubauen in deiner neuen Heimat, sonst wird dich die Einsamkeit belasten.

    Ohje :°_


    Jetzt hast du zum Trennungsschmerz noch zusätzlich mit der Einsamkeit in einem neuen Umfeld zu kämpfen. Gibt es Kollegen oder neue Nachbarn mit denen du Kontakte knüpfen könntest?


    Ich finde schon, dass du zumindest einer Vertrauensperson von deinem Kummer erzählen solltest. :)z

    Zitat

    Mich macht das stutzig wie es dazu kam, dass ihr zwei Wohnungen gemietet habt? Was war der Grund?

    Genau das dachte ich mir auch.


    Kann es sein, dass schon VOR dem Umzug vieles im Argen bei euch lag und du das nur nicht so klar erkannt hast?

    Danke für eure Antworten! Es tut echt gut, sich das von der Seele zu schreiben.


    Ich habe jetzt mal eine Stunde mit einer guten Freundin telefoniert und bin etwas klarer. Zum Wochenende wollen wir (die Freundin und ich) uns außerdem auf halber Strecke mal treffen. Ein totaler Lichtblick für mich.


    Wir hätten uns auch jetzt gerne wieder eine gemeinsame Wohnung gesucht. Allerdings sind unsere Arbeitsplätze gut 50km voneinander entfernt. Aufgrund der Tatsache, dass wir beide zukünftig auch im Notdienst arbeiten, war es von Arbeitgeberseite her nicht möglich, da einen Kompromiss zu finden.


    Anfangs bin ich fast jeden Tag die ganze Strecke zu ihm gependelt. Ich habe in Relation wesentlich bessere Arbeitszeiten. In den zwei Wochen hat sich das etwas reduziert, weil das doch recht anstrengend war. Da hieß es von ihm noch "wir müssen echt zusehen, wie wir das vernünftig eingeteilt bekommen".


    Jou.

    Gut, dass du deine Freundin eingeweiht hast. irgendwie braucht man in solchen Situationen Jemand zum reden. Sie kennt euch beide und kann dir jetzt am besten mit Rat oder einfach Zuhören zur Seite stehen.

    Zitat

    Zum Wochenende wollen wir (die Freundin und ich) uns außerdem auf halber Strecke mal treffen. Ein totaler Lichtblick für mich.

    Das klingt doch schon erheblich besser.


    Ich war gerade am überlegen. Wenn du deine Wohnung einigermaßen im Griff hast, könntest du für ein paar Kollegen und die direkten Nachbarn eine Einweihungsparty geben. dabei lernt man sich dann doch näher kennen. Was meinst du?

    Die Idee finde ich grundsätzlich gut. Zumindest du Kaffee+Kuchen wollte ich gerne einladen - hier wohnen vorwiegend Familien mit (Klein)kindern.


    Ich habe jetzt so lange in der Großstadt gewohnt und während des Studiums lernt man ja ohnehin ständig Leute kennen...Da fehlt mir momentan total die Vorstellung, WIE man eigentlich sonst so Kontakte knüpft. Bin nicht besonders "outgoing".


    Meine Arbeitskollegen erzählen mir auch alle nur, dass sie kaum soziale Kontakte außerhalb der Arbeit und der eigenen Familie pflegen. Das ermuntert mich nicht gerade.


    Bleibt immer noch meine Hauptfrage, ob man eine Beziehung noch retten kann, wenn ein Part beschlossen hat, komplett das Handtuch zu werfen? Wir haben nie eine Vorzeigebeziehung geführt, aber schlussendlich ist es für UNS immer gut und schön gelaufen - dachte ich zumindest. Was macht man in meiner Situation? Abwarten und Tee trinken? Das eigene Selbstwertgefühl wieder geraderichten? Auf den (Ex-)partner zugehen?


    Oh Mann, ich kann es einfach nicht fassen...

    Was für eine Nacht. Und am Morgen die Erkenntnis: es ist aus. Der gestrige Tag war kein grausamer Traum, nein. Keine Gute-Nacht-SMS, keine nach dem Aufstehen. Gähnende Leere. Was bleibt, sind die Zweifel an mir und die haarkleine Analyse der vergangenen Wochen. Ich war in der Zeit ein ziemlicher Brocken. Freitags hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass es beruflich besser wird. Und jetzt das. "Ich bin immer für dich da", hat er noch zum Abschied gesagt. Pustekuchen.


    Ich hätte einfach niemals geglaubt, dass uns das dahinrafft. Wir haben echt schon mehr Mist miteinander durchgestanden.

    Hey, du darfst nicht an dir zweifeln, nicht du hast aufgegeben weil es schwierig war, sondern er. Jede Trennung ist unendlich schmerzhaft und deine Situation machts noch extra grausam. Doch du schaffst das, weil du eine starke Frau bist. Es ist ganz normal dass du jetzt noch hoffst er kommt wieder zur Besinnung und zu dir zurück, doch da darfst du dich nicht reinsteigern, weil du dich damit selber blockierst, dich dran hinderst diesen Schmerz zu verarbeiten und dann neue Wege zu sehn. Entweder einen zurück in deeine Heimat oder mit Menschen die du dort triffst. Wo genau bist du denn eigentlich? Ich las nur was von Ausland.

    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob eure Beziehung vor dem Umzug ins Ausland noch so sicher und stabil war, wie ihr zwei es vielleicht von euch geglaubt habt.


    Knapp 2 Monate und 50 km Entfernung sollen eine Liebe die vorher noch ohne Einschränkungen intakt war in seiner Liebe zu Dir zum erliegen bringen?


    Kann Dein Freund sich von jetzt auf gleich fremdverliebt haben? Eigentlich möchte man fast vermuten, dass euch dieses neue amspruchsvolle Projekt, wenn es gut geplant und vorbereitet war mehr zusammen schweißt als binnen kürzester Zeit zu getrennten Leuten macht.


    Ob es eine gute Entscheidung war Arbeits- und Wohnort getrennt voneinander zu wählen? Aber es lässt sich im Nachhinein nicht mehr ändern. Wie lange habt ihr an dem Entschluss zusammen gearbeitet eure ursprüngliche Heimat zu verlassen?


    Könnte es sein, dass Dein Ex-Freund (unbemerkt von Dir) schon vor dem Umzug einen Trennungsgedanken verfolgt hat und nicht damit gerechnet hat, dass Du trotz Deiner Abneigung so weit entfernt von der Familie/Freunde zu leben mit gehen würdest?


    Warum habt ihr euch überhaupt darauf eingelassen gleich von Anfang Arbeits/Wohnort getrennt anzutreten? Gab es einen besonderen Grund gerade diese Gegend als Zukunftsort für euch zu wählen, obwohl die Startbedingungen alles andere als optimal für Berufeinsteiger sein würde?


    Habt ihr vor dem Umzug die Vor-Ort-Bedingungen für eine Praktika-Zeit genutzt oder seid ihr gleich ins kalte Wasser des Berufsalltags gesprungen?


    Es ist nicht auszuschließen, dass ihr beide zu unterschiedliche Vorstellungen hattet, euch fehlender Realitätssinn in Bezug auf die Arbeits- und Lebensbedingungen als Paar um die Ohren geflogen ist.

    Zitat

    Wir haben nie eine Vorzeigebeziehung geführt, aber schlussendlich ist es für UNS immer gut und schön gelaufen - dachte ich zumindest.

    Was verbirgt sich inhaltlich hinter dem Ausdruck "Vorzeigebeziehung" führen? Was hat euch von den Vorstellungen dazu unterschieden von anderen Paaren?

    Zitat

    Wir haben echt schon mehr Mist miteinander durchgestanden.

    Was für schwierige Phasen waren das und wie lange hielten diese an? Es ist in meinen Augen ein großer Unterschied etwas irgendwie miteinander durchgestanden zu haben oder eine schwierige Phase als Partner zusammen gemeistert zu haben.


    Waren die Ergebnisse schwieriger Phasen oder geschlossenen Kompromisse für euch realistisch rein positiv? Oder gab es im Details vielleicht doch öfter ein reines Festhalten aneinander, weil man bereits 6 Jahre Beziehungszeit vorzuweisen hat?


    Wie verliefen die Treffen und gemeinsamen Gespräche der letzten Wochen/Tage zwischen euch? Gab es noch harmonische Momente oder vordergründig Frust über die schwierigen Startbedingungen nach dem Umzug?


    Gab es einen Plan B für euch, wenn sich abzeichnen würde, dass euch der berufliche/geografische Neuanfang nicht gefallen und funktionieren würde?


    Wünsche Dir trotz des Trennungsschocks und der nicht einfachen Situation, dass Du Dir Möglichkeiten für neue Kontakte im Berufs- und sozialen Nachbarschaftsumfeld suchen kannst. Es hilft Dir gerade in dieser schmerzlichen Situation, positive Lichtpunkte zu finden, damit die Einsamkeit Dich nicht zusätzlich erdrückt im Berufsstress. :)* :)*

    Ich kenne einige, die weit mehr als 50km täglich zur Arbeit pendeln. DAs ist kein Grund für getrennte Wohnungen. Mal ehrlich, wer nach 6 Jahren Beziehung GEMEINSAM ins Ausland geht, der sucht sich eine gemeinsame Wohnung. Wenn nicht beiden auf biegen und brechen daran gelegen ist, nun endlich zusammen zu wohnen, dann ist das mit der Beziehung nicht so richtig im Lot. Und dann ist die stressige Zeit des Berufseinstieges sicher nicht eine, die so eine fragile Beziehung dann auch noch verkraftet.

    Ich glaube, es war eine gute Entscheidung von Dir, hier Deine Probleme ab zu laden. Ich kann gut nachvollziehen, wie Du Dich fühlst.


    Als ich von zu Hause ausgezogen bin, um in der Ferne zu arbeiten sass ich die ersten 14 Tage ohne Telefon in einer neuen Wohnung in einer fremden Stadt, in der ich kaum jemanden kannte. Das war in einer Zeit, als Mobiltelefone noch nicht sehr verbreitet waren - nach der Arbeit kam ich nach Hause und die Decke ist mir auf den Kopf gefallen. Es war kein schönes Gefühl.


    Kopf hoch. Es wird besser. Und weine Deinem Freund nicht nach. Meiner Meinung nach verhält er sich unmöglich - das ist unterste Schublade. Dafür gibt es keine Ausrede.

    @ Ralph_HH,

    das mit den Wohnungen hat sie doch erklärt:

    Zitat

    Aufgrund der Tatsache, dass wir beide zukünftig auch im Notdienst arbeiten, war es von Arbeitgeberseite her nicht möglich, da einen Kompromiss zu finden.

    Notdienst heißt vermutlich, sie müssen beide schnell am Arbeitsplatz sein. Vielleicht sind sie Ärzte. Wenn sie eine Wohnung in der Mitte nehmen, dann sind's immer noch 25 km zu fahren. Das kann zu lange Dauern für ihren Notdienst.

    Zitat

    Wäre ich meine beste Freundin, würde ich mir sagen, dass es keinen Sinn hat, eine Beziehung weiterzuführen, in der die Liebe nur einseitig ist.

    Deine "beste Freundin" wird schon zum Vorschein kommen, wenn die "1. Phase der Trauer" um ist. Natürlich macht es keinen Sinn, so eine Beziehung weiterzuführen, aber es dauert etwas, bis man das realisiert hat.

    Zitat

    Durch die unmenschlichen Arbeitszeiten ist es mir weder gelungen, hier mal meine Wohnung in Schuss zu kriegen (wir wohnen getrennt) und anständig einzurichten, noch irgendwelche sozialen Kontakte zu knüpfen.

    Na dann nimm das doch in Angriff, wenn du grade eh nichts Besseres mit dir anzufangen weißt. Zumindest mal die Wohnung in Schuss bringen. Dass du auf soziale Kontakte momentan evtl. keinen Bock hast, wäre ja auch erstmal normal. Kannst du auch später machen.


    Oder du kannst auch später mal wieder zurückziehen und dir einen neuen Job suchen. Ein Bekannter von mir hat das jetzt gemacht nach seiner Trennung: Job gekündigt, wieder nach Hause gezogen usw. und der dachte auch, das ist Wahnsinn, aber es geht eigentlich, wenn mans mal macht. Aber das würde ich erst machen, wenn du wirklich merkst, dass du nach längerer Zeit immer noch keine sozialen Kontakte hast und wenn du wirklich weißt, wo du sonst lieber leben willst. Wirst du dann sehen. Jetzt nimm dir erstmal Zeit für dich und richte dich in der neuen Situation ein.


    Dass du dich mit alten Freunden triffst, find ich gut. :)^ Du kannst ja ansonsten auch mal wenn du paar Tage frei hast deine Koffer packen und in die Heimat fahren oder fliegen (das geht schnell und ist auch nicht so viel teurer, als Bahn fahren oder mit dem Auto). Dann bist du zumindest zeitweise nicht so einsam.

    Liebe TE,


    es ist sicherlich nicht leicht für Dich. Ich war für ein Exchange-Jahr im Ausland und war trotz Gastfamilie innerlich allein. Nach dem ersten Monat hat mich mein Freund "per Email" verlassen. Das war ein enormer Schock. Gut, ein Austausch ist zeitlich befristet aber ich stand dennoch ganz am Anfang dieser Zeit.


    Auch wenn unsere Situationen nicht vergleichbar sind, kann ich Dir eines versprechen: Du wirst aus dieser Situation gestärkt hervorgehen. Du wirst es schaffen Kontakte zu knüpfen und diese Stärke wird Dir immer bleiben. Jetzt in diesem Moment siehst Du das alles wahrscheinlich nicht so aber Du hast eine neue Chance! Eine neue Chance auf eine gesunde Beziehung, auf ein selbstbestimmtes Leben und einen Neuanfang. :)* :)* :)*

    @ Ralph HH:

    Es gibt auch gut funktionierende Beziehungen in welchen die Partner sich bewußt dafür entscheiden getrennt zu wohnen. Das kann zum Einen an gegebenen Umständen liegen aber auch an einer eigenen Einstellung. Manche Menschen brauchen einfach mehr Freiraum und Zeit für sich.


    Liebe Grüße,


    Eure Maya

    Zitat

    Es gibt auch gut funktionierende Beziehungen in welchen die Partner sich bewußt dafür entscheiden getrennt zu wohnen. Das kann zum Einen an gegebenen Umständen liegen aber auch an einer eigenen Einstellung. Manche Menschen brauchen einfach mehr Freiraum und Zeit für sich.

    Zudem ist Pendeln auch eine Belastung und u.U. kann es für eine Beziehung weitaus erträglicher sein, in getrennten Wohnungen zu leben und bewusst Zeit miteinander zu verbingen als tagtäglich dem Pendelstress ausgesetzt zu sein.

    So, ich kam eben von der Arbeit nachhause (Beginn des Eintrags: 22.00 ;-)) und möchte versuchen, auf eure zahlreichen Antworten auch entsprechend einzugehen.

    @ Sophia-5:

    Danke für deine aufmunternden Worte. Leider mache ich mir selbst große Vorwürfe. So unglaublich gerne würde ich die Zeit zurückdrehen und mich einfach nur mehr zusammenreißen. Ich habe mich in vielerlei Hinsicht gehen lassen, war schlecht gelaunt etc. und war der Meinung, er könnte das vorübergehend ab. Jetzt bleibt dieses bescheidene Gefühl, damit alles ins Verderben gestürzt zu haben, oder das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben. Ganz großer Mist.


    Ich bin jetzt in Deutschland (für die meisten hier vermutlich kein Ausland ;-)).

    @ individuelleMeinung:

    Zitat

    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob eure Beziehung vor dem Umzug ins Ausland noch so sicher und stabil war, wie ihr zwei es vielleicht von euch geglaubt habt.

    Als stabil würde ich unsere Beziehung ohnehin nicht bezeichnen. Keiner von uns beiden ist besonders stabil ;-). Aber ich war mir unseres Zusammenbleibens immer sehr sicher. Zu sicher wie es scheint. Ich kann ein Leben ohne diesen Menschen auch nicht visualisieren. Ich dachte, dass sei etwas für die Ewigkeit und habe das wohl als zu selbstverständlich erachtet.

    Zitat

    Knapp 2 Monate und 50 km Entfernung sollen eine Liebe die vorher noch ohne Einschränkungen intakt war in seiner Liebe zu Dir zum erliegen bringen?

    Da gebe ich dir vollkommen recht. Aber in unserem gestrigen Gespräch ging es immer nur um die letzten drei bis vier Wochen. Er meinte, dass er sich davor noch sicher war, sonst hätte er das gerne vorher "geklärt" und mich nicht in die Sch**** geritten. Das kann ich ihm glauben oder nicht.

    Zitat

    Kann Dein Freund sich von jetzt auf gleich fremdverliebt haben? Eigentlich möchte man fast vermuten, dass euch dieses neue amspruchsvolle Projekt, wenn es gut geplant und vorbereitet war mehr zusammen schweißt als binnen kürzester Zeit zu getrennten Leuten macht.

    Fremdverliebt glaube ich nicht. Vielleicht hat er aber seinen "Marktwert" wiedererkannt. Die Frauen laufen ihm hier quasi hinterher.

    Zitat

    Ob es eine gute Entscheidung war Arbeits- und Wohnort getrennt voneinander zu wählen? Aber es lässt sich im Nachhinein nicht mehr ändern. Wie lange habt ihr an dem Entschluss zusammen gearbeitet eure ursprüngliche Heimat zu verlassen?

    Es ist und wäre nicht anders möglich. Ich habe die nahestmögliche Arbeitsstelle zu seiner - die bereits vorgegeben war - gewählt. Die Entscheidung meine Heimat zu verlassen (er ist an seine näher rangezogen) hat sich aus einem Prozess heraus entwickelt, der ca. ein Jahr dauerte.

    Zitat

    Könnte es sein, dass Dein Ex-Freund (unbemerkt von Dir) schon vor dem Umzug einen Trennungsgedanken verfolgt hat und nicht damit gerechnet hat, dass Du trotz Deiner Abneigung so weit entfernt von der Familie/Freunde zu leben mit gehen würdest?

    Ich halte das für möglich, er streitet es ab. Vielleicht war es ihm auch selbst nicht bewusst.

    Zitat

    Warum habt ihr euch überhaupt darauf eingelassen gleich von Anfang Arbeits/Wohnort getrennt anzutreten? Gab es einen besonderen Grund gerade diese Gegend als Zukunftsort für euch zu wählen, obwohl die Startbedingungen alles andere als optimal für Berufeinsteiger sein würde?

    Die schwierigen Startbedingungen nach Studium sind unserem Beruf geschuldet, nicht einer besonderen Gegebenheit dieser Gegend.

    Zitat

    Habt ihr vor dem Umzug die Vor-Ort-Bedingungen für eine Praktika-Zeit genutzt oder seid ihr gleich ins kalte Wasser des Berufsalltags gesprungen?

    Mein Freund hat hier über ein längeres Praktikum die Stelle vermittelt bekommen. Ich habe eine Woche zur Probe gearbeitet.

    Zitat

    Was verbirgt sich inhaltlich hinter dem Ausdruck "Vorzeigebeziehung" führen? Was hat euch von den Vorstellungen dazu unterschieden von anderen Paaren?

    Wir haben oft Entscheidungen getroffen, die Außenstehende nicht nachvollziehen konnten - bestes Beispiel: die derzeitige Wohnsituation. Wir waren auch kein Turtel-Pärchen in der Öffentlichkeit, wie viele andere in unserem Bekanntenkreis. Für uns beide war das so in Ordnung. Joah, oder vielleicht auch nicht.

    Zitat

    Was für schwierige Phasen waren das und wie lange hielten diese an? Es ist in meinen Augen ein großer Unterschied etwas irgendwie miteinander durchgestanden zu haben oder eine schwierige Phase als Partner zusammen gemeistert zu haben.

    Unsere ganze Ausbildung war nervenaufreibend. Immer ein Part von uns in einer angespannten (Prüfungs-)situation. Schlaflose Nächte, Überarbeitung... Eigentlich genau wie jetzt. Das könnte erklären, warum er nun keine Lust mehr hat. Er hat sich einen gemeinsamen Neustart erhofft und sich auf den Berufseinstieg sehr gefreut. Zu schade, dass er (für mich) nun (zu) vorzeitig das Handtuch wirft. Ich habe das Gefühl, dass dieses Durchstarten und gemeinsame Erfolge feiern noch kommt, wenn wir erstmal hier eingearbeitet sind.

    Zitat

    Waren die Ergebnisse schwieriger Phasen oder geschlossenen Kompromisse für euch realistisch rein positiv? Oder gab es im Details vielleicht doch öfter ein reines Festhalten aneinander, weil man bereits 6 Jahre Beziehungszeit vorzuweisen hat?

    Nach solchen "schwierigen Phasen" die auch so manches Mal damit endeten, dass wir aneinandergekracht sind, hat sich für mich die Beziehung immer noch inniger angefühlt. Ganz zu Beginn war das nicht so, da hatte ich zu große Konfliktscheue und dachte, mit jeder Auseinandersetzung geht etwas kaputt. Später habe ich erkannt, dass dem nicht so ist.

    Zitat

    Wie verliefen die Treffen und gemeinsamen Gespräche der letzten Wochen/Tage zwischen euch? Gab es noch harmonische Momente oder vordergründig Frust über die schwierigen Startbedingungen nach dem Umzug?

    Vorwiegend zweiteres.

    Zitat

    Gab es einen Plan B für euch, wenn sich abzeichnen würde, dass euch der berufliche/geografische Neuanfang nicht gefallen und funktionieren würde?

    Wir hätten die Karten neu gemischt, uns neu orientiert. Erstmal hatten wir uns ein Zwei-Jahres-Ziel gesetzt. So lange hält man es fast überall aus, auch wenn es nicht gut läuft.


    Danke für deine guten Wünsche!

    @ Ralph_HH:

    Für uns gab es diese Option nunmal aus arbeitstechnischen Gründen nicht, auch wenn wir uns das gewünscht hätten. Und 50km fand ich besser als 1000.

    @ Mehno:

    Auch dir vielen Dank für deine trostspendenden Worte. Ich finde das Timing auch mehr als unpassend und mir gegenüber sehr unfair. Wenn es aber tatsächlich so ist, dass ihn die Klarheit erst in den letzten Wochen ereilt hat, dann kann ich da nur schwer etwas dagegen sagen. Er ist tatsächlich ein sehr ehrlicher Mensch.

    @ Mann042:

    Gut auf den Punkt gebracht!

    @ Waterli2:

    Derzeit fehlt mir komplett der Antrieb dafür. Ja gut, die Situation ist auch noch sehr frisch. An so vielen Möbelstücken hängen Erinnerungen, seine ganzen Umzugskisten stehen noch bei mir rum. Ich kann das nicht. Ich bin hin und her gerissen zwischen Nostalgie und Zerstörungswut (nur gedanklich).

    @ Blond1982:

    Das ist auch eine ganz schön krasse Geschichte. Schön, dass du im Nachhinein so darüber denken kannst. Mein derzeitiges Problem ist: ich will nicht, dass es vorbei ist. Überhaupt nicht. Ich will auch keine Vergangenheitsform benutzen, oder ihn als meinen "Ex" bezeichnen. Ich kann ihm nicht hinterherweinen, weil mir die Einsicht fehlt. So doof.

    @ a.fish:

    Ja, das wäre langfristig die Idealvorstellung dieser Konstellation gewesen.