Du hast Psychologie studiert. Für "Psychologin sein" bedarf es dann doch ein wenig mehr. Wie ja deine Frage zeigt.


    Ich an deiner stelle würde da mit jemandem vom Fach Kontakt halten, damit das nicht zu einem ungünstigen emotionalem Selbstläufer wird.

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    Ich bin Psychologin, also Anfangs 2017 mit dem Studium fertig. Aus diesem Grund haben wir mit Kommilitonen öfter schon Prozesse besucht, da wir die Vertiefung Rechtspsychologie haben. Diesen Fall habe ich von Anfang an mitverfolgt und er hatte mich nie losgelassen,

    Da dich der Fall von Anfang an beschäftigt hat, hast Du dich denn darüber mal mit den anderen Komilitonen ausgetauscht?

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    Da hat sich mir die Frage gestellt: Darf jemand, der Kinder auf dem Gewissen hat, überhaupt jammern? Klar, man soll nicht alles mit der Tat verbinden, aber moralisch ist es eine sehr neue und sehr ungewohnte Situation für mich.

    Worüber jammert er denn? Über das Essen, das er keinen Freigang hat oder, oder, oder?


    Was treibt dich denn an ihm zu schreiben?

    Ja, meine Kommilitonen und ich waren zweimal da. Wir sprechen heute noch ab und an über den Fall, eben, weil er sehr emotional war und eben Kinder involviert waren. Eine Kommilitonin brachte mich dann, wohl unfreiwillig, auf die Idee mit dem Brief.


    Ich schreibe ihm, weil ich denke, dass so jemand auch so etwas wie Unterstützung und Zuspruch braucht, auch wenn er etwas gemacht hat, was ich ganz schlimm finde. Auch möchte ich wissen, wieso Menschen so handeln, was muss passieren, dass man jegliche Empathie ablegt. Es ist hauptsächlich das Interesse an den Motiven dieses Menschen.


    Er jammert, dass man das, war er nun hat, kaum Leben nennen darf. Da entsteht bei mir eine Art Diskrepanz: Einerseits kommt etwas wie Mitgefühl auf. Kaum kommt dieses auf sagt mein Verstand "Hey! Jemand der fähig war so etwas zu tun, der verdient doch kein Mitleid". Und genau das ist der Knackpunkt. Verdient jemand, der so schreckliches getan hat, in Situationen Mitgefühl?

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    Ich bin Psychologin, also Anfangs 2017 mit dem Studium fertig.

    Wenn du mit dem Studium noch nicht fertig bist, bist du keine "Psychologin" ;-) , und Berufserfahrung hast du auch keine.


    Ich würde meine Frage, warum es ausgerechnet ein Mann sein muss, gern nochmal wiederholen. Er scheint dich zu faszinieren, und wenn du dich in ihn verknallst bzw verknallt hast, dann hast du gleich ein fettes, mit deinem künftigen Beruf kollidierendes Problem.

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    Ich schreibe ihm, weil ich denke, dass so jemand auch so etwas wie Unterstützung und Zuspruch braucht, auch wenn er etwas gemacht hat, was ich ganz schlimm finde.

    Das leuchtet mir nicht ein. Jemand, der etwas gemacht hat, das ich ganz schlimm findet, braucht doch keine Unterstützung und Zuspruch von mir :|N Wir leben in einem Rechtsstaat, das reicht in so einem Fall doch aus - falls das das einzige wäre das dich antreibt.

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    Auch möchte ich wissen, wieso Menschen so handeln, was muss passieren, dass man jegliche Empathie ablegt.

    Deswegen hast du wahrscheinlich Psychologie studiert. An deiner Stelle würde ich mich künftig professionell Patienten zuwenden und das nicht mit persönlicher Anteilnahme vermischen. Lernt ihr in eurer Ausbildung eigentlich nicht, sowas zu trennen?

    @ CoteSauvage

    Das stimmt, bin keine Psychologin, arbeite jedoch im gutachterlichen Bereich seit 2 Jahren circa neben dem Studium.


    Verknallt bin ich nicht, auch finde ich nicht attraktiv oder sonderlich intelligent. Bin auch erst am Anfang und habe seit paar Monaten einen Freund.

    Nun, Art. 1 Abs. 1 GG lautet: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." Das gilt auch für Straftäter. Diejenigen wurden im Namen des Volkes nach Regeln und Gesetzen zu einer Strafe verurteilt.


    Nun kann und darf man persönlich eine Meinung dazu haben. Er wurde nicht umsonst verurteilt. Er hat sich schuldig gemacht. Seine Strafe sitzt er nun ab. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn danach verlässt er das Gefängnis als freier Mensch. (Sofern keine Sicherheitsverwahrung angeordnet ist.)


    Solange du selber ehrlich bist dir und ihm gegenüber was deine Motive ihm zu schreiben bzw. dauerhaft in Kontakt zu bleiben angeht ist der Spielball jetzt in seinen Händen. Er muss jetzt entscheiden wie er damit umgeht, ob er dein Angebot annimmt und ob er genauso erhrlich ist wie du.


    Und natürlich darf er über die Haftbedingungen jammern. Es ist immerhin eine Strafe und keine Jugendherberge. Ob du dafür Verständnis aufbringst oder nicht ist dann wieder deine alleinige Entscheidung.


    Wir leben in einem Rechtsstaat. Hier gibt es keine Lynchjustiz. Hier gibt es ordentliche Verfahren und die Meinung Einzelner zählt zum Glück nicht. Ob er nicht nur Strafe sondern auch Nutzen aus seiner Haft zieht ist seine Sache. Ihm steht es frei über das Geschehene nachzudenken, es zu bewerten, sein Handeln zu hinterfragen, Reue zu zeigen, Schuld einzusehen, um Verzeihung zu bitten. Aber weder bist du es der ihm verzeihen muss, noch bist du es der ihn auf diesen Weg geleiten muss.


    HX2T6's Meinung finde ich übrigens nicht gut. Denn sie urteilt ohne den Menschen zu kennen. Pauschal. Weil alle so sind. Weil sie glaubt alle Frauen - also das schwache Geschlecht - vor diesen kaltblütigen Massenmördern beschützen zu müssen. Gleichzeitig unterstellt sie dir eine naive Faszination diesem Menschen gegenüber und befürchtet das du ihm wie einst Clarice Starling diesem ‎Hannibal Lecter‎ verfällst und zu einer willfährigen Marionette seiner perversen Gelüste verkommst.

    Und genau das fällt mir schwer @ElafRemich0815 Mein Verstand sagt mir, dass unser Rechtsstaat gewisse Prinzipien hat, dennoch bin ich momentan sehr hin-und her gerissen, was ich denken soll. Er hat mir in seinem letzten Brief geschrieben, ich könne ihn gerne alles fragen, ich denke ich werde zunächst ein bisschen mehr über mich erzählen, da es ja eine Ausgeglichenheit haben soll - ich möchte ihn nicht ausquetschen, ohne etwas über mich preiszugeben.


    Mein freund war anfangs skeptisch, kennt mich aber auch schon 3 Jahre und wusste schon immer, dass der Bereich Kriminalpsychologie mich fasziniert. Er kann auch gerne die Briefe lesen, ich mache da kein Geheimnis draus. Was mir wichtig ist, ist mein anonymes Postfach, in dem mein Name nicht auftaucht.

    ich an Deiner stelle würde es nicht machen. ist es für den Angeschriebenen ein Hobby, ist es für Ihn Zeitvertrieb, weisst du es


    und du bist erst Anfänger in Psychologie, du bekommst sicher später noch Gelegenheit dich in dieses Thema zu vertiefen. Zur Zeit hast du zu wenig Erfahrung und kannst nicht abwiegen ob dich der Angeschriebene nicht in einen Sog hineinzieht aus dem du wenn du auch Fachkraft bist nicht mehr herauskommst. Du hast dann keine Gedankenfreiheit mehr weil Dich seine Strafe zu fest belastet. Deine Freiheit kann dann sehr wohl darunter leiden, es könnte sein das du dann mit bekannten nur noch darüber sprichst, und das mögen einige nicht. es muss nicht sein könnte aber. mein Typ nütze Deine Freizeit @:) mit freudigeren Themen.


    Dir noch schöne Rest Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr besonders einen Erfolgreichen Abschluss des Studiums.

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    Er jammert, dass man das, war er nun hat, kaum Leben nennen darf.

    Nun er hat sein Leben noch. Und sein Gejammer zeugt in meinen Augen nicht davon, dass er irgendwas verändert hätte. Mitgefühl habe ich mit diesen Menschen nicht. Und Mit-Leiden würde ich schon gar nicht wollen. Mein Mitgefühl würde sich immer auf das der Menschen beziehen, die wohl immer - mehr oder weniger - unter dieser Tat zu leiden haben.

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    Was treibt dich denn an ihm zu schreiben?

    Diese Frage hast Du mir noch nicht beantwortet.

    Was ich geschrieben habe soll nicht bedeuten das ich ihn für ein Opfer der Justiz halte! Und es soll auch nicht bedeuten das ich ihn für harmlos halte. Daher wäre ich an deiner Stelle vorsichtig was die Preisgabe persönlicher Informationen angeht. Bitte vermeide es das er dich im Falle des Falles anhand deiner Schilderungen z.B. finden oder erkennen könnte!


    Wenn er dir anbietet Fragen zu beantworten heißt das nicht das du ihm auch was von dir erzählen musst! Sobald er anfangen würde etwas zu "verlangen", würde ich den Kontakt sofort und ohne weitere Handlungen komplett und für immer einstellen.


    Ich bin vorsichtig aber nicht blöde. Und ich bin der Meinung das man auch Straftäter wie "Menschen" behandeln muss. Ich erhoffe mir damit einfach die Erkenntnis doch so langsam aus den steinzeitlichen Höhlen und von den Bäumen herunter zu sein. Ein wenig (naive) Hoffnung in einer Welt die gefühlt immer schlimmer wird.


    Etwas anderes fällt aber auf. Du hast moralische Bedenken einem verurteilten Mörder einen Brief zu schreiben. Ein Stück beschriebenes Papier zukommen zu lassen? Ich finde das sehr harmlos. Wenn du ihn nun regelmäßig besuchen würdest usw. sähe das anders aus, aber so? Und nur weil du ihm schreibst hast du ihm doch nicht verziehen. Was wäre wenn er kein Mörder sondern ein Bankräuber wäre? Oder ein Kinderschänder?

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    Er hat mir in seinem letzten Brief geschrieben, ich könne ihn gerne alles fragen, ich denke ich werde zunächst ein bisschen mehr über mich erzählen, da es ja eine Ausgeglichenheit haben soll - ich möchte ihn nicht ausquetschen, ohne etwas über mich preiszugeben.

    ich möchte ihn nicht ausquetschen, ohne etwas über mich preiszugeben.


    Ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Kein Kriminalpsychologe würde etwas von sich preisgeben. Also so naiv kann man doch nicht sein.

    @ annalida

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    Ich hätte vielleicht noch paar Infos einfügen sollen. Ich bin Psychologin, also Anfangs 2017 mit dem Studium fertig.

    Offensichtlich schützt dich deine ganze Expertise nicht davor, den gleichen Fehler wie die anderen Damen zu begehen. Der nachfolgende Satz ist dafür bezeichnend, wie tief du emotional bereits in diesem Sumpf feststeckst:

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    Ich schreibe ihm, weil ich denke, dass so jemand auch so etwas wie Unterstützung und Zuspruch braucht, auch wenn er etwas gemacht hat, was ich ganz schlimm finde.

    Aus Milliarden von Existenzen pickst du dir ausgerechnet die heraus, auf die du nur aufgrund der Tatsache, dass es sich um einen Mörder handelt, aufmerksam geworden bist? Das lässt, mit Verlaub, auf ein hochgradig pervertiertes Helfersyndrom schließen. Ich bin selbst kein Psychologe, aber du gehst - und darauf Brief und Siegel - den gleichen Weg wie die anderen Frauen.

    Ganz ehrlich, lass es! Dir fehlt es an Menschenkenntnis und einer gesunden Distanz. Von einer therapeutischen Distanz kann man hier gar nicht sprechen. Berufserfahrung hast du keine. Das geht klar in die Hose.


    Auch von mir die Frage, was treibt dich dazu an? Du scheinst keine forensischen Kenntnisse zu haben, wenn du nun auch persönliche Dinge von dir preisgeben möchtest. Auch die Frage von Schuld, Moral und Mitgefühl solltest du dir nicht stellen müssen, wenn du entsprechendes Wissen hättest.


    Wenn dich das Thema so brennend interessiert, mach ein Praktikum in einer Forensik. Dort hättest du angeleitet Kontakt und tappst nicht unwissend in unangenehme oder unangemessene Situationen.


    Und ja, eine Brieffreundschaft mit einem Mörder kann deiner beruflichen Reputation erheblich schaden, gerade wenn du sie nun so "naiv" eingehst.


    Kennst du die Doku "Maske des Bösen"? Da kannst du einen kleinen Einblick bekommen.