Das Andere anders sein lassen?

    Angeregt durch eine "Mini-Diskussion" mit liq in einem anderen Faden möchte ich ein Thema in den Raum stellen:


    Warum können (die meisten) Menschen andere, die anders sind als sie, nicht einfach so stehen lassen? Warum werden anders Denkende und Handelnde so oft be- und meistens damit auch abgewertet?


    Nur mal ein paar Beispiele:


    Dicke vs. Dünne


    Berufstätige Mütter vs. "Nur-Hausfrauen"


    Raucher vs. Nichtraucher


    usw. usf.


    Ich würde mich über vielfältige Denkanstöße freuen!

  • 394 Antworten

    das ist eigentlich ganz einfach :


    Diese ganzen Sachen stellen einen Angriffspunkt für Menschen da und der wird auch gnadenlos ausgenutzt ....hinzukommend sucht in einer Leistungsgesellschaft jeder nach vermeintlichen Fehlern von anderen, aus "seiner Sicht " und findet das dann natürlich auch und dann greifen die Menschen an


    ..

    hmm ich weiß nicht ich sag mal so, dass ich viele leute in eine schublade stopfe...


    dick-->tut nichts für ihren Körper(es sei denn ich weiß, dass es krankheitsbedingt ist) , wobei dick bei mir erst ab 80kg bei 160 beginnt.


    ''nur hausfrauen'' finde ich nicht schön , da ich finde, das beide partner was verdienen sollten und beide sich gleichberechtigt um kinder/haushalt oder um arbeit/haushalt kümmern sollten.


    raucher - sind meiner meinung nach rücksichtslos gegenüber leuten , die nicht an lungenkrebs sterben wollen mit 45 und in der selben disco tanzen müssen...

    Schwimmerin

    @:)

    ich könnte mir vorstellen, dass jeder einfach meint, seine Art zu leben wäre die richtige. Oder es sich zumindest selber einredet. Wäre dem nicht so, müsste derjenige ja sein Leben ändern um vor sich selber bestehen zu können.


    Beispiel "Dicke". Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass jemand "gerne" dick ist. Viele, nicht alle, probieren alles mögliche aus um diesen Zustand zu ändern. Viele, nicht alle, können es aber einfach nicht. Sei es aus genetischen, sei es aus gewohnheitsmässigen, sei es aus charakterschwachen Gesichtspunkten. Irgendwann kommt man an den Punkt, wo man sich mit sich selber arrangieren muss um sich nicht selber zu zerfleischen. Man nimmt diesen "Zustand" hin. Sagt sich irgendwann: "Ach, mir gehts doch gut. Ich fühle mich wohl, so wie ich bin (obwohl man es eigentlich nicht ist. Man redet es sich ein). Gegenüber anderen verteidigt man seinen Standpunkt natürlich vehement. Aus Selbstschutz.


    Wie gesagt, gibt man dem anderen bei wichtigen Dingen, die die Lebenseinstellung betreffen recht, so müsste man sie ja konsequenterweise bei sich selber dann auch ändern. Das wollen nunmal die Wenigsten.

    Xcibit

    Aber was meinst du, warum sie das tun?


    Wird denn irgendeiner besser dadurch, dass er einen anderen abwertet?

    Schwimmerin

    ob man besser wird ist die Frage , wohl nicht.


    Aber in ihrem Denken fühlen sie sich besser , sie fühlen sich diesen Menschen, die sie eben angreifen deutlich überlegen und das gibt ihnen ein erhöhtes Selbstwertgefühl, mit dem sie glauben, mehr erreichen zu können. Du musst dich nur mal umsehen in der Welt, völlig egal wo , wo man hinsieht ist dieses procedere vorhanden, auch in fast allen Bereichen und es wird überall , wo es eben möglich ist ,angegriffen

    tigawood

    Wie ist es denn mit deinen "Schubladen".


    Denkst du dir einfach nur: "Ich will einfach nicht dick sein", "ich will keine Beziehung mit einer "Nur-Hausfrau"", "ich will nicht rauchen".


    oder denkst du


    "Die sollte abnehmen, die ist ja viel zu dick!"


    "Alle 'Nur-Hausfrauen' machen sich einen schönen Lenz und lassen den Mann das Geld ranschaffen!"


    "Wer raucht, ist doch wohl nicht ganz richtig im Kopf!"


    oder so ähnlich...

    Xcibit

    Zitat

    Du musst dich nur mal umsehen in der Welt, völlig egal wo, wo man hinsieht ist dieses procedere vorhanden, auch in fast allen Bereichen und es wird überall, wo es eben möglich ist, angegriffen

    Ja, das weiß ich! ;-D Ich frage mich nur, welche Beweggründe die Menschen haben, sich so zu verhalten.


    Dein Ansatz ist sicher eine mögliche Begründung:


    sich selbst "überlegen" fühlen, indem man andere "klein macht".

    Benetton

    *:)

    Zitat

    ich könnte mir vorstellen, dass jeder einfach meint, seine Art zu leben wäre die richtige. Oder es sich zumindest selber einredet. Wäre dem nicht so, müsste derjenige ja sein Leben ändern um vor sich selber bestehen zu können.

    Naja, nicht unbedingt. Es wäre ja auch möglich, zu sagen: "Für den anderen ist diese Art zu leben bestimmt die Richtige - für mich wäre sie das nicht."


    Dann bestünde keine Veranlassung, sich zu ändern, aber man hätte den "anders Denkenden" dennoch nicht abgewertet...

    angst.


    beispiel gruppen mobbing - eine person ist zbsp anders als der rest der klasse.


    dagegen wird gemobbt.


    warum?


    weil das "anders sein" eine art bedrohung für die hruppe darstellt in der man sich selbst befindet.


    vereinfacht erklärt.


    stammtz von meinen psychiatern.


    bei manchen ist es stärker , bei anderen schwächer ausgeprägt.

    Schwimmerin

    Zitat

    Es wäre ja auch möglich, zu sagen: "Für den anderen ist diese Art zu leben bestimmt die Richtige - für mich wäre sie das nicht."


    Dann bestünde keine Veranlassung, sich zu ändern, aber man hätte den "anders Denkenden" dennoch nicht abgewertet...

    In der Theorie sicherlich richtig, Aber findest Du diese Éinstellung in der Praxis oft? Ich glaube nicht. Und ein "sich überlegen fühlen" ist, meiner Ansicht nach nur ein "Nebenprodukt". Es bestärkt einen nur in der Auffassung, das man richtig handelt, richtig lebt.


    Nehme mal das Beispiel "Hausfrau". Der Mann verdient genug Kohle, die Frau liebt es Familie zu haben und sich um die Kinder zu kümmern. Ein hervorragendes Arrangement. Nur irgendwann kommt der Punkt, wo die Hausfrau beginnt sich zu fragen, ob das denn schon alles in ihrem Leben sei... Eigentlich würde sie schon gerne wieder arbeiten. Unter Leute kommen. Aber es ist verdammt schwer aus diesem Schema wieder auszubrechen. Dann kommt doch tatsächlich eine daher und kritisiert sie auch noch. Sagt, also für mich wäre das nichts. Ich könnte unmöglich "nur" Hausfrau sein.


    Ich halte es für menschlich und nachvollziehbar, das die "Hausfrau" nun der anderen Frau gegenüber entschieden den Standpunkt vertritt, dass das Hausfrauendasein das beste für die Kinder und für die Ehe sei. (überspitzt ausgedrückt ;-)) Würde sie das nicht tun, würde sie unter einen noch größeren Zwang geraten ihr Leben selber zu verändern.


    Das gleiche gilt für die andere Frau. Und sollte sie noch keine Kinder haben, müsste sie ihre Einstellung, ihre Lebenseinstellung ändern. Dann kämen Selbstzweifel. Dann käme die Frage: Will ich überhaupt wirklich Kinder.

    holyghost

    Angst... Bedrohung... ja, auch ein interessanter Ansatz. Ich könnte ihn auch nachvollziehen, wenn es um einzelne Menschen geht... wenn z.B. ein Alkoholiker sich die "Entschuldigung" zurecht gelegt hat, dass ja alle Menschen - zumindest gelegentlich - trinken, dann wird er denjenigen, der grundsätzlich keinen Alkohol trinkt, möglicherweise als "spießig", "Spaßbremse" o.ä. versuchen abzuwerten, weil dieser Mensch konkret eine Bedrohung seiner "Entschuldigung" darstellt. Soweit ist es mir klar.


    Das mit dem Gruppen-Mobbing kann ich allerdings nicht nachvollziehen, obwohl ich ja weiß, dass es so etwas gibt.


    Warum z.B. ist ein einzelner Nichtraucher für eine Clique von Rauchern eine "Bedrohung"?

    Ich denke, dass Abwertung oft etwas mit einer Unsicherheit zu tun haben könnte. Damit meine ich Angst, die eigene Sichtweise zu verlassen und Anderes damit zuzulassen. :-/


    Jemand der "anders" ist wird schnell zum Opfer, weil die Masse seiner Art/seinem Aussehen entgegen steht. Damit ist er leichte "Beute" für manche Menschen, die ihre eigenen Schwächen nicht gern zugeben???

    Zitat

    Es wäre ja auch möglich, zu sagen: "Für den anderen ist diese Art zu leben bestimmt die Richtige - für mich wäre sie das nicht."

    :)^

    Schwimmerin

    Zitat

    Warum z.B. ist ein einzelner Nichtraucher für eine Clique von Rauchern eine "Bedrohung"?

    Das glaube ich wiederum nicht. Rauchen ist noch sozial anerkannt. Ist eigentlich keine "Schwäche". Man raucht, gewöhnt es sich ab, raucht wieder. Das ist keine Lebenseinstellung. Es ist auch nichts, was geächtet wird. Deswegen können Raucher gelassen auf die Nichtraucher blicken und Nichtraucher gelassen auf Raucher - insofern sie sich nicht durch sie in ihrer Gesundheit beeinträchtigt fühlen. Dann geht der Raucher halt auf den Balkon und denkt sich: Hach, was bin ich doch so rücksichtsvoll.;-D