Das der Ende Beziehung(?) - bin ratlos und traurig

    Hallo zusammen,


    ich eröffne diesen Faden, um mir einiges von der Seele zu schreiben. Kurzum: ich bin seit 2 Jahren mit einem depressiven Mann zusammen und gerade hatte ich ein sehr aufwühlendes Telefonat und das hat mich eben etwas zerstört. :°(


    Das Ganze ist sozusagen jetzt das zweite Mal in zwei Monaten eskaliert, um es mal so zu beschreiben. Ich muss noch dazu sagen, dass ich schon länger als 3 Jahre erkrankt bin mit teilweise Depression, aber überwiegend köperlichen Beschwerden. Also keine ganz 'normale' Beziehung.


    Wir hatten das Pfingstwochenende gemeinsam bei mir verbracht und die Tage waren wirklich entspannt. Die Stimmung war harmonisch und liebevoll. Leider ging es mir dann am Montagabend mental sehr schlecht aus zwei Gründen: 1. Wir hatten uns über schlimme Dinge aus meiner Vergangenheit unterhalten, was mich (unterbewusst) sehr mitgenommen hat und 2. Ich bin es nicht gewohnt, über mehrere Tage "aufeinander zu kleben", da ich alleine wohne und es hat mich doch sehr angestrengt.


    Beides führte dazu, dass ich Montagabend so fertig war, dass ich heulend in der Küche stand und nicht wusste warum. Nachdem ich mich beruhigt hatte, fragte ich ihn, ob es ihm was ausmacht, wenn er den Abend schon heimfährt, statt wie geplant am nächsten Morgen. Wäre kein Problem, ich soll mir keine Sorgen machen, alles in Ordnung. (1/2 Stunde Fahrzeit mit dem Auto.)


    So, nun telefonierten wir vorhin das erste Mal seitdem wieder und ich bekam die volle Breitseite. Ich hoffe, man kann's einigermaßen verstehen ohne die ellenlange Vorgeschichte....


    Er fand das scheisse, das ich ihn heimgeschickt habe, nachdem was er alles für mich getan hat. Das muss er sich nicht mehr bieten lassen in seinem Leben, sich so scheisse zu fühlen.


    Ich würde ihm das Essen missgönnen und ihm dauernd auf den Teller gucken (wie seine Ex; was so nicht stimmt, hatten wir eigentlich geklärt), ich würde mich sowieso lieber in der 'feinen' Gesellschaft bewegen wollen und nichtmal mit ihm (o-ton "Unterschicht") Essengehen wollen (wir haben Essen geholt am Montag, weil es mir zum im Restaurant sitzen zu laut war...). Er hat mir so viel geholfen und ich bin undankbar, weil ich ein Teil, welches ich zum Verschenken aussortiert habe nun doch nicht an ihn hergeben will obwohl er sich schon gefreut hatte (habe festgestellt, dass ich emotional extrem dran hänge). Wahrscheinlich will ich's nun doch in ebay verkaufen, weil es da doch noch ein paar Euro bringt (stimmt nicht, hänge sehr dran).


    - Sämtliche negativen, verletzenden Erlebnisse aus seiner Vergangenheit wurden aus der Kiste geholt und mit der aktuellen Situation verknüpft; nach meinem Empfinden. -


    Weiter: Wir hätten eh keine richtige Beziehung, weil wir uns aktuell nur ca. alle zwei Wochen sehen. (Ich kann krankheitsbedingt nicht so oft fahren und bei ihm ist es ähnlich. Aber wir telefonieren seit zwei Jahren fast täglich abends immer mehr als 1 Stunde und schreiben über WhatsApp.) Ob ich ihm denn die Renovierungshilfe bezahlen würde - damit er sich nicht ausgenutzt fühlen muss? (Er hat mir viel geholfen in der Wohnung.) ...


    Achje, ich könnte noch so viel schreiben... mache ich vielleicht noch. Bin grade müde, traurig und weiß nicht, wie es weitergehen soll... wenigstens muss ich nicht mehr heulen. :°( :-( Musste mir das grade von der Seele schreiben, damit ich nicht alles in mich reinfresse.

  • 12 Antworten

    Will noch kurz ergänzen, dass ich durchaus einige Erfahrung habe darin, wie Depressive denken (können) und wie man damit zurecht kommen kann. Es kann sehr bereichernd sein, mit jemandem zusammen zu sein, der das Ganze selbst kennt. Solche Erlebnisse bringen mich allerdings an meine Grenzen. %:|

    Guten Morgen liebe TE,

    Zitat

    Solche Erlebnisse bringen mich allerdings an meine Grenzen.

    Ich fange selten in meinen Beiträgen mit dem Ende an. Aber in eurem/Deinen Fall ist gerade Deine letzte eigene Feststellung das was eure Beziehung insgesamt ausmacht. (beziehe mich auf Deinen Beitra)


    So wie Du euch als Einzelpersönlichkeiten geschildert hast, reibt ihr euch aneinander auf. Es mag durchaus auch harmonische Phasen geben, aber die reichen dann nur für die Kraft, die ihr zwei erst einmal für euch selbst und somit für den anderen aufbringen könnt.


    Zwei Menschen, die in ihrer Persönlichkeit instabil sind mögen in Anteilen zwar mehr Verständnis füreinander haben, aber die Dynamik wie Du sie beschreibst, lässt erkennen das ihr zwei sehr häufig am Limit 'miteinander' lebt. Es dreht sich in eurer Beziehung viel um alte Verletztungen, die bisher nicht richtig verarbeitet worden sind. Weil das so ist, gibt es solche Begegnungen wie Du sie vom Pfingstwochenende beschrieben hast.

    Zitat

    Ich bin es nicht gewohnt, über mehrere Tage "aufeinander zu kleben", da ich alleine wohne und es hat mich doch sehr angestrengt.

    Auch an dieser Stelle zeigt sich, wie schnell sich Situaitonen hoch spielen können, wenn Du versuchst gegen Deine Gewohnheiten zu leben.


    Auf beiden Seiten gibt es starke Einschränkungen, sowohl auf mentaler als auf körperlicher Ebene.

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    Wir hätten eh keine richtige Beziehung, weil wir uns aktuell nur ca. alle zwei Wochen sehen. (Ich kann krankheitsbedingt nicht so oft fahren und bei ihm ist es ähnlich.

    Du schätzt es selbst aus Deinem Blickwinkel ein, dass ihr zu sehr eingeschränkt seid, um intensiver miteinander Zeit zu verbringen. Ich sehe euch zu sehr in der Gefahr, dass sich im Umgang miteinander viel um eure nicht verarbeiteten Probleme geht.


    Auch seine von Dir erwähnten Aussagen lassen ein Stück weit erkennen, dass es viel Misstrauen und eine fehlende Augenhöhe zwischen euch gibt.

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    Aber wir telefonieren seit zwei Jahren fast täglich abends immer mehr als 1 Stunde und schreiben über WhatsApp.)

    Wie es scheint, ist das eher die Ebene mit der ihr in Verbindungen bleiben konntet, ohne das es zwischen euch eskaliert. Kann nur vermuten, dass es Situationen wie von Dir beschrieben nicht nur einmalig gab.


    Wenn Dein Partner sich ausgenutzt fühlt, weil er Dir freiwillig Hilfe gegeben hat und bezahlt werden möchte. Geht es zwischen euch öfter um materielle Dinge, fühlt er sich Dir unterlegen finanziell?


    Ich schätze eure Situation im Moment so ein, dass ihr besser in eure eigene innere Stabilität investieren solltet, statt euch an den Verletzungen und der Vergangenheit bei euren Begegnungen aufzureiben.


    Aktuell reichen kleinste Anlässe aus, um aneinander zu geraten, was euren ohnehin schon bestehenden Probleme neuen Auftrieb gibt, und die Depressionsschübe eher nagativ antreibt. Lasst erst einmal genug Abstand in eure beiden Leben einkehren. Die Diskussionen darum, wer an welcher Stelle Fehler gemacht hat, bringen euch beide nicht weiter sondern verstärkt eher die Defizite in Deinen ihr beide gerade feststeckt.


    Pass auf Dich auf, und versuche für Dich selbst zu stabilisieren, und innerlich mehr Zufriedenheit zu erreichen.

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    Es kann sehr bereichernd sein, mit jemandem zusammen zu sein, der das Ganze selbst kennt.

    Ich finde das ehrlich gesagt nur anstrengend, und zwar in dem Fall, in dem beide depressiv und körperlich eingeschränkt sind, für beide. Was du an "Vorfällen" beschrieben hast, würde ich, obwohl ich selber noch nie mit einem depressiven Menschen zusammen war, alles deiner Depression zuordnen, und da war jetzt nichts dabei, was mich fassungslos gemacht hätte (ich kann nur nicht sagen, ob ich dauerhaft darauf Rücksicht nehmen wollte). Ihn hat das alles vermutlich deswegen getriggert, weil er selber krank ist und da wahrscheinlich vieles auf sich bezieht, sich zurückgestoßen fühlt etc. Und dann kommt offenbar noch ein Minderwertigkeitsgefühl von ihm dazu, weil er sich der "Unterschicht" zuordnet (im Unterschied offenbar zu dir).


    So gesehen finde ich es schon bemerkenswert, dass ihr das nun 2 Jahre lang ohne Krise gelebt habt.

    Meine Frau war eine Weile depressiv - vermutlich, es wurde nie diagnostiziert, weil sie nie damit zum Psychologen gegangen ist. Es ist eine schwere Zeit als Partner. Es erfordert eine Menge Rücksicht, Verständnis für die Launen und Mühe, um viel davon aufzufangen, was man alles nicht schafft, nicht machen kann. Das sind Anforderungen, die jemand, der schwer mit eigenen Problemen zu kämpfen hat nicht leisten kann. Und in Eurem Fall seid ihr beide jeweils gegenseitig voneinander überfordert, wie es scheint.

    Vielen Dank, dass Ihr Euch die Mühe gemacht habt, das Ganze zu lesen und Eure Gedanken dazu zu schreiben.

    Zitat

    Auch seine von Dir erwähnten Aussagen lassen ein Stück weit erkennen, dass es viel Misstrauen und eine fehlende Augenhöhe zwischen euch gibt.

    Das ist ein großes Thema, das er hat aufgrund seiner letzten Beziehung und auch seiner Kindheit erworben. Ich habe uneingeschränktes Vertrauen zu ihm - er sagte das zu mir auch; allerdings kommen bei ihm immer wieder die alten Verletzungen hoch, die Geringschätzung und Missachtung, die er u.a. durch den Expartner erfahren musste. Dadurch schleppt er auch Bindungsängste mit sich herum.

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    Wie es scheint, ist das eher die Ebene mit der ihr in Verbindungen bleiben konntet, ohne das es zwischen euch eskaliert. Kann nur vermuten, dass es Situationen wie von Dir beschrieben nicht nur einmalig gab.

    Die Ebene mit täglich telefonieren und ab und zu sehen hat gut geklappt. Zwar kamen auch da die obigen Themen hoch, aber nicht in dem Sinne, dass sie agressiv gegen mich gerichtet waren. Solch heftige Situationen gab es bisher nur zwei Mal - gestern und die Woche vor Ostern. Das erste Mal fühlte ich mich, als würde ein komplett anderer Mensch mit mir sprechen. Es war von komplettem Kontaktabbruch die Rede und mir schien, als hätte jemand verbal ein reissendes Monster auf mich losgelassen. Ich war am Boden zerstört - danach folgten vorsichtige Gespräche, der Versuch, eine neue Ebene zu finden und es wurde vereinbart, dass er wenn etwas 'brodelt' sofort was sagt, statt es in sich reinzufressen. Wir haben auch ausführlich über die Gründe, die dazu geführt haben gesprochen.


    Die Zeit seit dem war wirklich toll und es sah so aus, als ob es bei uns beiden bergauf geht. ... bis gestern. Dass ich meine Ruhe brauchte am Montagabend hat eine wahre Bombe an Triggern gezündet bei ihm.


    Er glaubt, dass er weiter ist bezüglich Depressionsbewältigung als es der Realität entspricht - in meinen Augen. Strikte Vermeidung von Triggern und sämtlichen negativen Emotionen ist seine Strategie und im Zweifel, sich total einzuigeln um das zu erreichen. Er redet sich seine Situation schön und glaubt, so seinen inneren Frieden finden zu können. Allerdings können diese Triggerpunkte (ich hab nicht alle reingeschrieben) jederzeit getroffen werden, wenn er sich auch nur in Kommunikation mit Menschen begibt.


    Finanzen, ja, das ist ebenfalls ein Thema. Allerdings nicht, weil ich mehr Geld habe, sondern weil er mir durch das wenige, das er hat nichts bieten kann. Das muss er nicht, ich habe dahingehend "mein Leben" und versorge mich selber, aber es nagt an ihm und füttert die Minderwertigkeitsgefühle.

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    Pass auf Dich auf, und versuche für Dich selbst zu stabilisieren, und innerlich mehr Zufriedenheit zu erreichen.

    Danke für Deine Worte; Du hast Recht, dass ich mehr für mich tun muss.


    Ich bin im Prinzip sehr dankbar, wenn ich bei mir auf Triggerpunkte stoße - damit kann ich arbeiten und schauen, was an der Stelle bei mir im Argen liegt. Etwas dagegen tun und alte Lasten abschütteln.

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    da war jetzt nichts dabei, was mich fassungslos gemacht hätte

    Fassungslos hat mich davon im Einzelnen nichts gemacht - ich hab kein Problem mit Konflikten, solange man drüber reden kann und die Basis des Ganzen steht. Was mich erschüttert hat, waren diese insgesamt zwei Vorfälle, die ich vorstehend beschrieben habe und daran nicht unbedingt der Inhalt sondern der Grundtenor, mit dem er kommuniziert hat. Der Hass auf seine Ex kam da durch und das tiefsitzende Mißtrauen, dass er durch die Vorbeziehung erworben hat.

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    Es ist eine schwere Zeit als Partner. Es erfordert eine Menge Rücksicht, Verständnis für die Launen und Mühe, um viel davon aufzufangen, was man alles nicht schafft, nicht machen kann.

    Das ist wahr - man braucht ein breites Kreuz. Das hab ich trotz Erkrankung, sonst hätte es nicht 2 Jahre funktioniert.


    Der Knackpunkt an der Sache ist, dass ich ihn sehr, sehr liebe und er nach Beziehungen vor und während meiner Krankheitszeit ein Mann ist, bei dem ich mich als Mensch und Frau gesehen sowie geborgen, zuhause, endlich angekommen fühle. Ich liebe ihn in einer Tiefe, wie noch keinen Mann vorher und liebe so vieles an ihm - seinen Humor, seine Stimme, seinen Geruch; die Art, wie er mich ansieht, küsst und berührt. Das kannte ich bisher so nicht in diesem Ausmaß. Deshalb ist die Situation unsagbar schwer für mich. Er ist ein liebenswerter, hilfsbereiter Mensch, der so sehr zerstört und hart wurde. Für mich, so wie ich ihn nun kenne, sieht es so aus, dass er das Monster, die Depression, nun gewinnen lässt. Dagegen hab ich keine Chancen. Wenn er sich helfen lassen würde um seinen Wunsch, wirklich glücklich werden zu erfüllen (egal wie und mit wem), wäre mir auch leichter ums Herz.

    Tut gut, das alle hier einmal aufzuschreiben und die Gedanken zu ordnen. Durch die bisherigen Antworten sind mir auch neue Erkenntnisse gekommen. Ich bin heute sehr durch den Wind, habe kaum geschlafen und versuche, durch Meditationsübungen wenigstens ein bisschen Ruhe zu finden. Später telefoniere ich noch mit einer Freundin.

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    Wenn er sich helfen lassen würde um seinen Wunsch, wirklich glücklich werden zu erfüllen (egal wie und mit wem), wäre mir auch leichter ums Herz.

    ?? Das heißt er hat eine bestätigte Diagnose "Depression" und ist nicht in Behandlung?

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    Fassungslos hat mich davon im Einzelnen nichts gemacht - ich hab kein Problem mit Konflikten, solange man drüber reden kann und die Basis des Ganzen steht.

    Ich hatte damit DEIN Verhalten gemeint. Als gesunder Mensch hätte ich da völlig anders reagiert als dein Freund. Mich hätte da gar nichts getriggert, ich hätte das halt deiner Depression zugeschrieben und dich in Ruhe gelassen und das nicht auf mich bezogen.

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    Er war bis vor zwei Jahren in Behandlung. Aktuell ist er komplett ohne.

    Dann sollte er wohl mal wieder eine Behandlung in Erwägung ziehen.


    Eine Bekannte von mir ist seit Jahren mit einem Mann zusammen, den sie sehr liebt (umgekehrt ist es sicher genauso), sie passen beide objektiv sehr gut zusammen. Er war aber durch seine Eltern in seiner Jugend psychisch schwer geschädigt worden, hat diverse Komplexe und immer mal wieder depressive Phasen. Sie muss ständig aufpassen, dass sie ihn nicht mit irgendwas triggert. Wehe ihr geht es mal schlecht, da ist er auch keine große Hilfe, das überfordert ihn eher. Und wenn er dann nicht zur Therapie geht bzw keine Medikamente nimmt, ist es ganz schlimm. Da wär die Beziehung schon paar Mal fast auseinander gegangen. Die Frau sitzt aus meiner Sicht quasi auf einem Pulverfass. Aber es hätte keinen Sinn, ihr eine Trennung einreden zu wollen. Kurz bevor sie die Reißleine zieht, reißt er sich wieder zusammen und dann geht es halt so weiter ...

    @ CoteSauvage

    Zitat

    Dann sollte er wohl mal wieder eine Behandlung in Erwägung ziehen.

    Das denke ich auch. Allerdings muss er dafür erst wieder aus dem aktuellen Schub heraus sein um es selbst erkennen zu können. Und nichts anderes war/ist es, als ein Schub. Ich habe viel gelernt die letzten zwei Tage über die Funktionsweise dieser Art von Depression und zwar von jemandem, der selbst betroffen ist. Bin sehr dankbar dafür, da ich das nun für mich bzw. meine Rolle auch besser (ein-)sortieren kann. Das war mir vorher nicht offenbar, da es noch nie 'so' abgegangen ist. Das ist eine aus meiner Sicht sehr schlimme Form von Depression und ich bin froh, dass ich davon nicht betroffen bin. Es ist, als hätte man zwei Personen in einer vor sich. Ich muss mir grundsätzlich Gedanken über die Zukunft machen, denn

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    Sie muss ständig aufpassen, dass sie ihn nicht mit irgendwas triggert.

    sowas auf Dauer zu schultern... Es kommt wirklich drauf an, wie ausgeprägt das ist und wie er da zu Erkenntnissen in der Lage ist. Ohne dass er an sich arbeitet kann und will ich es sicher nicht dauerhaft mittragen. Aktuell ist es so, dass es sich einigermaßen beruhigt hat dadurch, dass ich verstanden habe was abgeht und dahingehend mit ihm wieder eine Verbindung herstellen konnte. Er ist wieder 'da'. Es war schwer und zugleich interessant, was die Psyche anrichten kann und dass auch diese Erkrankungen feste Ablaufmuster haben.

    Ich kann das Dilemma gut nachempfinden. Ich habe selbst mit depressiven Phasen zu kämpfen, die manchmal recht unerwartet kommen, dafür aber schnell wieder wegwischbar sind, manchmal hingegen zäh und lästige Begleiter in einem Alltag, der nun mal weiter geht und nicht fragt, wie gerade das werte Befinden ist.


    Ich habe einen sehr guten Freund, der ebenfalls Depressionen hat, auch schon mal stationär war, Medikamente nahm, nachdem er ganz klischeehaft in der abgedunkelten, vermüllten Wohnung lag und nicht mehr aus eigener Kraft da raus kam.


    Ich mag ihn total gern. Mit ihm verstehe ich mich wie mit keinem Anderen, er versteht mich wie kein Anderer, wir haben eine tolle Chemie, lachen viel, reden über alles, wirklich alles, wir tun uns gegenseitig gut, wenn wir zusammen sind. Allerdings hat er Probleme damit, sich zu melden. Ich warte dann auch schon mal 5 Tage auf eine Antwort, obwohl die Initiative für ein Gespräch ( via WhatsApp) von ihm ausgegangen ist. Dann weiß ich nicht, was los ist, mache mir Sorgen, bin genervt, wütend, traurig. Er entschuldigt sich immer, es ändert sich aber nichts. Klar.


    Therapie möchte er am liebsten keine mehr machen. Nun habe ich den Eindruck, dass es ihn tendenziell schlechter geht, kann aber nichts machen. Das zu akzeptieren ist vermutlich meine Lernaufgabe. Sich Hilfe zu suchen, ist seine.


    Wie dir das jetzt helfen soll, weiß ich auch nicht, liebe Alias, aber zumindest weißt du, dass du nicht allein bist mit dem Dilemma, dass es gleichzeitig so schön und so frustrierend sein kann.

    @ Moppen

    Danke für Deinen Beitrag - es ist gut zu wissen, dass es noch andere Menschen gibt, die sowas kennen und dadurch ja auch ein Erfahrungsaustausch möglich ist. So können sich neue Lösungswege und Gedanken ergeben, wie und ob man damit weiter umgehen möchte/kann. :-)

    Zitat

    Nun habe ich den Eindruck, dass es ihn tendenziell schlechter geht, kann aber nichts machen. Das zu akzeptieren ist vermutlich meine Lernaufgabe. Sich Hilfe zu suchen, ist seine.

    Das stimmt. Du kannst nur etwas für Dich tun, die Dinge/Dein Leben für Dich so gestalten, dass es Dir gut geht; er ist er selbst für sich verantwortlich bzw. er muss sich selbst heraushelfen. Du und ich, wir können höchstens Anstöße geben, bewegen muss der andere sich selbst. Wir sind keine Psychologen oder Psychiater, von daher sind die Möglichkeiten der Hilfe begrenzt.


    Was mir sehr deutlich geworden ist: Im Kontakt mit depressiven Menschen braucht man unbedingt einen gesunden Selbstschutz. Das hat nichts mit überzogenem Egoismus zu tun. Daher habe ich das Wochenende bewusst alleine verbracht.