Der Glaube an für immer

    Hallo liebes Forum,


    da ich all meine Freunde mit dieser Thematik nun schon zur Genüge gelangweilt und ihre Meinung dazu kenne, möchte ich gern eine kleine Diskussion in diesem Rahmen starten, da mich wirklich interessiert, welche Meinungen und Erfahrung andere mit der Frage nach dem "Für immer" einer Partnerschaft gemacht haben.


    Für meinen Fall sieht es wie folgt aus: Ich bin mit 15 mit meinem Exfreund zusammen gekommen. Vorher hatte ich ein paar kürzere Jugendbeziehungen, aber nichts richtig ernstes, er war der erste und verbleibt seither der einzige, mit dem ich mein Leben in allen nur erdenklichen Facetten geteilt habe. Wir hatten eine sehr intensive Anfangszeit, mit der Zeit wurden wir älter und ruhiger, es wurde "langweilig" und dann habe ich mich nach knapp 8 Jahren getrennt, weil ich nicht mehr konnte. Das ist mittlerweile schon fast ein Jahr her, ich habe am Anfang extrem gelitten, es war SO schwer zu gehen... Letztlich hat sich das ganze eingependelt, ich bin jetzt allein und gewöhne mich daran, aber eine Sache ist geblieben: Ich habe den Glauben an ein "Für immer" verloren. Wenn man so lange so viel Zeit mit jemandem verbracht hat, dann hat man eine tiefe emotionale Verbindung zu ihm und ich kann mir auch jetzt noch nicht vorstellen so etwas wieder mit jemand anderem aufzubauen. Wenn ich jemanden kennen lerne, kommt es mir so "unfertig" vor. Klar, es ist aufregend, aber ich habe den Eindruck, dass ich diese Verbindung nie wieder mit jemandem haben werde. Ich bereue die Trennung nicht, aber ich trauere um diese Verbindung, die wir hatten, die ich abgerissen habe, die sich aber doch nicht abreißen lässt, zumindest nicht einfach so. Wir haben nur wenig Kontakt, aber ich weiß, dass er mich immer noch liebt und er sagt, er hat das Gefühl, es wird nie aufhören.


    Gleichzeitig belächle und beneide ich die Paare, die in meinem Umfeld zur Zeit heiraten und ihre Zukunft mit Kindern und Hausbau planen. Ich hatte diesen Plan auch. Und dann ging es so schnell und der Plan war weg. Ich bin einerseits erleichtert, diesem festen und langweiligen "Standardplan" entkommen zu sein, andererseits ist das das einzige, was mir als Zukunftsplanung vorschwebt. Es ist so paradox.


    Wie seht ihr das? Kann es dieses "Für immer" wirklich geben oder kommt man mit jedem Partner an den Punkt, wo es nicht mehr geht und man ist irgendwann nur zu bequem, zu gehen, weil man denkt da wartet sowieso nichts anderes mehr? Wie viel von sich selbst sollte man aufgeben, um eine Paarbeziehung zu erhalten, die einen nicht zufrieden stellt, aber doch ein festes Fundament bietet? Wann gewinnt man, wenn überhaupt den Glauben an "Für immer" wieder, wenn es gescheitert ist? Ist das gar tatsächlich nur eine Erfindung von Hollywood und wir sind einfach nicht dafür gemacht? Mich interessieren alle Meinungen und Erfahrungen zu diesem Thema!

  • 25 Antworten
    Zitat

    Ist das gar tatsächlich nur eine Erfindung von Hollywood und wir sind einfach nicht dafür gemacht?

    Frustrierte Leute behaupten das. Aber es stimmt nicht. Auch wenn das "für immer" nicht so rosig ist wie in Hollywood; Beziehungsarbeit, Kompromisse und das Durchwurschteln in schlechten Zeiten erfordert, halte ich es doch für möglich.

    Das "für immer" ergibt sich wohl eher in der Rückschau. Wenn etwas frisch und neu ist, ist es natürlich noch nicht fertig. Aber irgendwann kommt man schon an den Punkt, an dem einfach andere Dinge im Vordergrund stehen als Aufregung und Neues erleben. Dann kann man sich drauf einlassen und ein "für immer" wagen, z.B. mit einer Heirat. Wir haben allerdings vor der Hochzeit durchaus darüber gesprochen, dass man nie wissen kann, ob es tatsächlich so kommt, wie man es sich jetzt wünscht und vorstellt. Wir wollten es aber versuchen und gehen diesen Weg nun schon seit einiger Zeit und ich würde sagen: glücklich :-D . Für sehr wichtig erachte ich es, den gemeinsamen Weg als lebendigen Prozess zu betrachten, sodass sich hier auch immer wieder etwas ändern, etwas wachsen darf...

    Natürlich gibt es ein immer!


    Ich bzw. wir hatten auch ganz, ganz schwere Zeiten. Aber ich wusste immer, wenn ich gehe, dann wird mir diese Verbindung mein ganzes Leben lang fehlen. Wir haben gestritten, gekämpft, geweint, aber sind jetzt so glücklich wie noch nie! Und fest entschlossen, dass es für uns ein IMMER geben wird.

    PS: Die Hollywoodfilme enden genau dann, wenn die eigentliche Beziehung erst los geht. Immer heißt nämlich nicht, dass es immer leicht ist, manchmal ist es sogar sauschwer. Wenn es beide wollen, dann kann man aber fast alles bewältigen, gerade wenn das Grundgefühl (oder das, was du Verbundenheit nennst) stimmt.


    Eine Frau wurde an ihrer goldenen Hochzeit interviewt.


    Der Reporter fragte sie dann, ob sie nie an Scheidung gedacht hätte? Die Dame hat kurz geschaut, dann hat sie geantwortet: "An Scheidung hab' ich nie gedacht, aber an Mord oft!".


    Ich finde, das beschreibt es ganz gut, wie sich langjährige Beziehungen anfühlen können, und wie man doch gemeinsam durchgeht.

    Eine 8-jährige Beziehung in so einem jungen Alter ist sehr, sehr lange, und dieses eine Jahr, das seit eurer Trennung erst vergangen ist, dagegen nicht viel. Umso mehr Zeit noch vergeht, desto leichter wirst Du Dich bestimmt wieder auf Neues einlassen können und das Nachtrauern um die Vertrautheit Deiner alten Liebe wird immer mehr in den Hintergrund treten. Und natürlich ist keine Beziehung wie die andere, und aus jeder vergangenen Beziehung geht ein anderes Gefühl hervor, an das man sich entweder gern oder nicht so gern erinnert. Jede kann auf ihre eigene Art schön gewesen sein und man vermisst entweder mal dies oder jenes mehr. Das kannst Du vielleicht so noch nicht sehen, da Du erst diese einzige richtige Beziehung hattest, und dann auch noch in dem Alter und so lange.


    Bei mir persönlich ist es so, dass die Frage nach einem "für immer" mit jeder Beziehung, die kam und ging, unwichtiger wurde. Eine Beziehung kann noch so schön sein und man denkt sich sowas wie "DAS wird nun sicher für immer halten." und doch kann es selbst, nachdem man 40 Jahre Ehe "geschafft" hat, immer noch enden. Deshalb ist es denke ich sinnvoller, einfach das Jetzt zu genießen, anstatt sich ständig diese für immer-Versprechungen zu geben, Klar kann es das geben, aber wie hier schon erwähnt wurde, weiß man das erst ganz am Ende. :-)

    Da sagst du was schnecke85, wenn das Grundgefühl stimmt. Ich liebe ihn aber nicht mehr. Es ist nicht so, als wenn etwas passiert wäre oder er mich wegen Verhalten XY in den Wahnsinn treiben würde, ich habe aufgehört ihn zu lieben, weil viele viele Dinge vorgefallen sind. Schleichend, leise und langsam, sodass ich selbst erst merkte, als ich schon mitten drin steckte in der Misere. Ich habe lange gehofft, dass sich etwas ändert und wir haben es versucht, aber ich finde nicht zurück zu der Gewissheit, dass er ES ist... Er fehlt mir als Mensch, als Konversationspartner, als Freund, aber nicht als Partner, weshalb gehen der richtige, wenn auch traurige Weg war und ich nicht weiß, wann ich wieder in solch eine Richtung gehen kann und ob überhaupt jemals wieder, obwohl doch schon so viel Zeit vergangen ist...

    Es gibt häufig ein Dilemma, wenn man in seiner Jugend gleich an den Richtigen gerät. Denn einerseits möchte man sich nicht trennen, weil es der Richtige ist. Andererseits möchte man auch nicht ein Leben lang nur mit dem Einen zusammen sein.


    Ich wähne Dich in diesem Dilemma. Du musst noch ein paar andere Männer ausprobieren, um eventuell später festzustellen, dass er der Richtige war. :°(


    Was mich nur etwas wundert: In Deinem Eingangspost klingt es so, als wenn in Deinem Leben einfach nur Stillstand herrscht. Warum suchst Du Dir keinen anderen Freund? Warum begibst Du Dich nicht auf einen Selbstfindungstrip?


    Gibt es irgendeine Alternative als aus rein pragmatischen Überlegungen heraus Dich wieder auf eine Beziehung einzulassen mit einem Mann, der Dich liebt?

    Der "Richtige", falls es so etwas überhaupt gibt, war es in ihrem Fall aber ja anscheinend nicht, sonst hätte sie ja nicht den Entschluss gefasst, die Beziehung zu beenden. Sie schrieb ja auch, dass es viele Dinge gab, die sie zu ihrem Entschluss bewogen haben.


    Vielleicht war er der "Richtige" für genau diesen vergangenen Lebensabschnitt, ist es nun aber nicht mehr. Man verändert sich ja auch und entwickelt sich weiter, gerade in dem Alter.

    Puhh, ich finde es gar nicht wichtig über "für immer" nachzudenken. Ich mach das jetzt und hier und heute weil ich es jetzt und hier und heute will. Vielleicht werde ich irgendwann total überrascht im Schaukelstuhl neben ihm sitzen und feststellen das es schon ein ganzes Leben war oder ist, aber vielleicht auch nicht. Völlig wurscht. Heute und hier ist er der Mann mit dem ich sein will und alles andere ist völlig irrelevant.

    Ich glaube das "für immer" ergibt sich meist erst nach mehreren gescheiterten Beziehungen, wenn man am Ende der Entwicklung weiß was man wirklich will. Dann findet man jemanden, der wirklich zu einem passt und dann vergeht die Liebe auch nicht nach ein paar Jahren. Aber ein bisschen Glück gehört auch dazu :-) Wenn man so jung zusammen kommt,entwickelt man sich noch sehr stark weiter und ist nach ein paar Jahren wie ein anderer Mensch. Meist passt es dann in der Beziehung auch nicht mehr.

    @ mond+sterne

    Ich dachte lange, dass es den Richtigen gibt und dass er es ist, dass wir zusammen alt werden, dass ich nicht mehr suchen muss, aber es hat sich langsam aber sicher manifestiert, dass ich dieses Leben nicht möchte, weil ich so nicht glücklich werde. Ich glaube nicht, dass es bei mir "der Klassiker" a la: Ich muss mich jetzt mal ausleben! Ist. Ich habe weder das Bedürfnis, mich jetzt sexuell auszutoben, noch unbedingt eine neue Beziehung zu beginnen, nur um zu sehen, wie es mit jemand anderem ist, wozu auch, wenn ich noch voll damit beschäftigt bin, die alte zu verarbeiten. Mit dem Stillstand hast du allerdings recht, ich konzentriere mich derzeit auf meine beruflichen Ziele, alles andere ergibt sich von selbst, denke ich.


    Vielen Dank für eure Beiträge, ich finde es interessant die Sicht von anderen zu diesem Thema zu erfahren!

    Ich glaube schon, dass es ein "für immer" geben kann. Nur ein "für immer gleich", das gibt es nicht, und wenn einer der Partner nicht dazu bereit ist, das zu akzeptieren, sich selbst und den Partner immer wieder neu zu entdecken, dann wird irgendwann der Bruch kommen. Und das ist auch gut so, denn er muss kommen.


    Meistens ist es der Mann, für den "alles okay ist, wie es ist", während die Frau sich weiterentwickelt, irgendwann mehr will, sich entdeckt. Daran gebe ich aber eher der Gesellschaft als Gesamtheit die "Schuld", als den Männern als Individuen. Und es gibt ja auch genügend Gegenbeispiele.

    Ich glaube, dass es ein "für immer" geben kann. Nur sollte man bedenken, dass man das nur bedingt vorrausschauen kann. Dennoch halte ich es für wichtig, wenn jemanden viel an einer Beziehung liegt, negative Eigenschaften des Partners nicht unter den Teppich zu kehren- irgendwann können diese von großer Bedeutung sein. Man kann die Wahrscheinlichkeit, auf den "falschen Partner" zu treffen verringern, aber nicht ausschließen. Zudem hängt die Dauer der Beziehung ja nicht nur von den momentanen Eigenschaften der Partner ab, sondern auch von der weiteren Persönlichkeitsentwicklung der Partner. Hier können sich in Folge der Partnerschaft die Partner auseinander entwickeln oder sich noch näher kommen. Diese Entwicklung halte ich genausowenig nur für zufällig wie auch die Partnerwahl- da haben Menschen die Möglichkeit, Einfluss darauf zu nehmen- es ist eben nicht ausschließlich mit Glück verbunden, sondern auch mit rationalen Entscheidungen.


    Ich selbst hatte zu Beginn meiner Beziehung nie das primäre Ziel gehabt, mit meiner Frau möglichst lange zusammenbleiben zu wollen, sondern es ging einfach jeden Tag darum, die Partnerschaft schön zu gestalten- nicht immer gelingt das- aber meistens. Meine Frau ist nicht selbstverständlich mit mir zusammen oder weil wir ein langfristiges Ziel des Zusammenbleibens haben. Vielmehr beginnt jeder Tag neu. Ich halte es für wenig sinnvoll, langfristig vorauszuschauen, vielmehr sollte man sich um das Jetzt und Hier zu kümmern und um die kurzfristige Zukunft. Das ist meines Erachtens wirklich wichtig. Langfristig vorausschauen zu wollen halte ich viel zu spekulativ. Letztendlich kann man nur hoffen, dass es schön in der Beziehung bleibt- vorausbestimmen kann man es aber nicht- deswegen lohnt es sich nicht, sich diesbezüglich allzu große Gedanken zu machen.

    Zitat

    Ich habe weder das Bedürfnis, mich jetzt sexuell auszutoben, noch unbedingt eine neue Beziehung zu beginnen, nur um zu sehen, wie es mit jemand anderem ist,

    Ich glaube, dass derartige Gedanken nur dann an Bedeutung gewinnen, wenn die aktuelle Beziehung unbefriedigend ist.


    Warum sollte sich jemand sexuell außerhalb der Beziehung austoben wollen, wenn die sexuelle Komponente innerhalb der Beziehung sehr befriedigend ist und kein weiteres Bedürfnis entwickelt wird, wenn man sich innerhalb der Beziehung voll austoben kann?

    Danke für eure Beiträge.


    Das mit dem temporären Glück ist auch meine Ansicht. Man kann nur für den Moment leben, nichts voraus planen oder über Eventualitäten nachgrübeln. Das ist allerdings auch das, was mich so grübeln lässt. Man kann es nie wissen, und ich bin mom traurig darüber, dass mir diese Gewissheit durch meine Trennung so bewusst geworden ist.

    Ich finde, die Mischung macht's.


    Man kann eine Beziehung mit dem Vorsatz "für immer" führen und dann schauen, was so kommt. Sicherheiten gibt es ja nie. Aber das heißt nicht, dass man den Gedanken an "für immer" aufgeben muss :-)

    Zitat

    ich habe aufgehört ihn zu lieben

    Das reicht für eine Trennung. Das Problem ist, sich das endlich einzugestehen - nach 8 Jahren.

    Zitat

    Das mit dem temporären Glück ist auch meine Ansicht. Man kann nur für den Moment leben, nichts voraus planen oder über Eventualitäten nachgrübeln.

    Das gilt aber nur so lange, bis das erste Kind in der Krippe liegt. Dann kann ich doch nicht den Franz Beckenbauer machen mit "Schau ma mal . . . ". Wer die eigene Brut ernst nimmt, der hat ein gewaltiges Unternehmen und unglaubliche Abenteuer vor sich - -


    1 Vierteljahrhundert lang locker. Dabei lässt sich der Verlauf dieser Jahrzehnte schön mit dem Volksmundspruch zusammen fassen: "Kleine Kinder kleine Sorgen . . . ".