Die Beziehung zwischen meinen Eltern und mir

    Hallo liebes Forum,


    ich muss mir mal etwas von der Seele schreiben, was mich in letzter Zeit immer mehr und immer öfter beschäftigt.


    In meinem Umfeld haben in letzter Zeit sehr viele Frauen Babys bekommen und das hat mich irgendwie an meine eigene Kindheit zurück erinnert. Ich weiß gar nicht so recht wie ich anfangen soll...


    Also meine Eltern waren schon relativ "alt" als ich geboren wurde. Meine Mama war 38 und mein Papa 42. Heutzutage ist es ja schon fast normal in diesem Alter Eltern zu werden und im Grunde genommen soll das jetzt auch kein Vorwurf sein, aber ihr kennt das ja sicher, dass manche Menschen sich mit Mitte 30 noch fühlen wie mit 20 und sich auch so benehmen und dass andere wiederum eher altbacken sind. Meine Eltern gehörten eher zu der 2. Kategorie. Jetzt mit fast 27 bin ich der Meinung, dass meine Mama mit mir schlichtweg überfordert war. Wenn ich krank war zum Beispiel, wurde ich zu Oma & Opa gebracht (die nebenan wohnten). Meine Mama war meistens mit der Situation überfordert und mein Papa war als Selbstständiger zwar räumlich vor Ort, aber gefühlt doch ganz weit weg.


    Außerdem haben meine Eltern nie das mit mir gemacht, was Eltern eben so mit ihren Kinder machen, zum Spielplatz gehen oder ins Schwimmbad, ihnen "die Welt zeigen". Kinder müssen sich doch auch mal dreckig machen dürfen und Erfahrungen machen. Meine Mama hat mir stattdessen (sicher nicht absichtlich) immer nur Angst vor Dingen gemacht.


    Als Kind hatte ich zu funktionieren. Ich sollte ruhig in meinem Zimmer spielen, keinen Lärm machen, keine Ansprüche stellen. Leider war es wohl immer ein Theater mich abends ins Bett zu bringen, aber dann kam eben der Papa und es gab "was auf'n Popo" oder der Kochlöffel wurde rausgeholt.


    Heutzutage denke ich mir, dass ich so etwas NIE mit meinem Kind machen würde. Ein Kind braucht Kontakt zu Gleichaltrigen und muss gefördert und gefordert werden, Erfahrungen machen, auch mal hinfallen dürfen, einfach Kind sein.


    Ich musste als Kind schon eine kleine Erwachsene sein, zumindest fühlt es sich so für mich an.


    Heute ist es so, dass ich leider die einzige Bezugsperson für meine Mutter bin. Sie geht außer zum Einkaufen oder zum Friseur nicht vor die Tür und hat keinerlei soziale Kontakte. Wenn ich sie auf die Vergangenheit anspreche oder auch mal Kritik übe, dann wehrt sie das ab, will davon nichts hören und denkt, ich würde ihr vorwerfen eine schlechte Kindheit gehabt zu haben. Natürlich hatte ich immer genug zu essen und saubere Kleidung, aber das ist eben nicht alles.


    Vielleicht steigere ich ich da auch zu sehr rein und sehe mich zu sehr in der Opfer-Rolle. Dennoch beschäftigt es mich und ich musste mir diesen ganzen Mist den ich mit mir rumtrage einfach mal von der Seele schreiben.


    Danke an alle, die das bis hierher gelesen haben ;-D


    Ein klein wenig besser geht es mir jetzt schon mal, wobei ich noch endlos weiter schreiben könnte, aber ich möchte euch auch nicht mit meinem Seelen-Müll zuballern.


    Habt noch einen sonnigen Tag...


    Ahoi 8-)

  • 101 Antworten

    Aus Deinem Text geht nich klar hervor, ob sie "nur überfordert" waren, Du überhaupt ein Wunschkind oder ein Unfall warst, oder gar ein narzisstischer Missbrauch vorliegt (so nach dem Motto, das Kind ist dazu da, die Eltern froh und glücklich zu machen). Es klingt ein bisschen so, aber auch nicht so 100%ig.

    Also laut meiner Eltern war ich ein Wunschkind. Sie haben sich kennengelernt, 1 Jahr später geheiratet und widerum 1 Jahr später kam ich auf die Welt. Allerdings wohnen wir sehr ländlich und da ist es ja schon ein Klischee, dass die Frau kurz nach der Hochzeit schwanger wird (werden muss) :(v

    Ganz ehrlich?


    Das war halt so....meine Kindheit sah auch nicht anders aus, vielleicht abgesehen von vor Dingen Angst machen. Das ging eher in die Richtung "fall selber auf die Nase....dann merkst du es dir!"


    Es ist erst ein Phänomen der letzten Jahre das eigene Kind als persönliches Prestigeprojekt zu behandeln und von vorne bis hinten zu betreuen und zu bespassen....

    @ mini_789

    Ich würde das alles nicht überbewerten. Anscheinend konnte deiner Mutter nicht anders.


    Ich war die Älteste und hatte noch zwei Brüder - wäre lieber Einzelkind gewesen. Meine beste Freundin war Einzelkind und war sehr gerne bei uns, weil SIE nicht alleine sein wollte.


    Meine Mutter war Hausfrau, mein Vater Lehrer. Ich wäre nach der Schule gerne alleine gewesen und hätte meine Ruhe gehabt. Meine Freundin kam oft nach der Schule mir zu uns, weil SIE nicht alleine sein wollte.


    Was hatten meine Eltern alles für Ideen, die ich dann schon sehr früh boykottiert habe. ;-)


    Es ist, wie es ist und du kannst die Vergangenheit nicht ändern - aber du kannst dich mit ihr aussöhnen.

    Sehr richtig, Antigone. Zu der Erkenntnis bin ich schon vor langer Zeit gekommen: unsere Eltern haben alle Fehler gemacht, viele auch besonders grobe, aber damit müssen wir alle irgendwie klarkommen. TE, was du erzählst, klingt nicht außergewöhnlich missbräuchlich oder dramatisch.


    Meine Mutter z.B. war gerade erst 20, als sie mich bekam, ich war völlig ungeplant und meine Eltern "mussten" damals noch heiraten, geliebt haben sie sich erst viel später (aber immerhin taten sie es, gottseidank!). Das hieß für die ersten Jahre der Ehe, dass mein Vater tagelang feiern ging, meine Mutter alleine war - und ja, sie war definitiv mit mir überfordert. Auch ich wurde wochenlang bei meiner Oma abgegeben, was tatsächlich zu meinen glücklichsten Kindheitserinnerungen gehört.


    Und klar habe ich mir vorgenommen, bei meinen eigenen Kindern alles gaaanz anders zu machen. Habe ich auch. Anders falsch, vermute ich. ;-D

    Vergessen: schon in meinem Eltenhaus wurde kaum bis gar nicht geschlagen - das habe ich selbstverständlich übernommen.


    mini_789, Schlagen geht natürlich überhaupt nicht. Aber sogar hier: wenn ihr sehr ländlich wohntet, deine Eltern eher traditionell eingestellt sind, dann gehörte der Kochlöffel wahrscheinlich dazu. Das macht es nicht besser, aber für dich vielleicht eher verständlich, wenn du diese Aktionen im Kontext siehst. Verzeih ihnen, wie gesagt, du kannst deine Vergangenheit nicht ändern.

    ich find diesen "alles nicht so schlimm, alles normal"-Tenor problematisch. Wir haben viel zu wenige Informationen um daraus ableiten zu können, wie schlimm oder normal das nun tatsächlich ist. Falls es doch ein ziemlicher Mist war, finde ich es nicht gerade hilfreich, der TE zu suggerieren "macht Dir nix draus, so schlimm wars nun auch nicht". Offenbar besteht durchaus ein gewisser Leidensdruck.

    Zitat

    Es ist, wie es ist und du kannst die Vergangenheit nicht ändern - aber du kannst dich mit ihr aussöhnen.


    (Antigone)

    Diesen Satz unterstreiche ich mal.


    Und wenn das heutige Verhältnis zur Mutter störend ist (zu vereinnahmend), gilt es daran etwas zu ändern.

    LaRucola, hier suggeriert niemand, es wird nur versucht, ein bisschen zu relativieren. Und natürlich können wir nur auf die Informationen reagieren, die gegeben wurden, alles andere wäre Schwarzmalerei und Interpretation. Wie das hier

    Zitat

    narzisstischer Missbrauch

    zum Beispiel.

    Auch die Aussage, dass das Schwarzmalerei wäre, beinhaltet die Interpretation "war doch gar nicht so schlimm". Alle derartigen Aussagen sind Interpretationen, die lediglich auf Vermutugen frei von jeglicher Grundlage basieren.


    Ich finde, man kann die TE erstmal nur dazu ermutigen, mehr zu erzählen, bevor man irgendeine Wertung abgibt. Aus dem was sie bisher geschrieben hat kann man m.M. nach noch gar nix ableiten (weder weiss noch schwarz), ausser dass da offenbar der Bedarf ist, das irgendwie aufzuarbeiten und zu diskutieren.

    Direkt nach dem im Eingangsbeitrag Beschriebenen den Begriff "narzisstischer Missbrauch" ins Spiel zu bringen, finde ich aber auch sehr gewagt. Für mich deutet aufgrund der bisherigen Informationen nichts darauf hin. Nur weil es bei einem selbst so war, muss das ja nun nicht bei jedem, der sich mal über seine Eltern beschwert, so gewesen sein…

    Zitat

    Es ist erst ein Phänomen der letzten Jahre das eigene Kind als persönliches Prestigeprojekt zu behandeln und von vorne bis hinten zu betreuen und zu bespassen....

    Absolut. Ich habe glaube ich gerade gestern eine Sendung zu diesem Thema gesehen und dass dieser neuer Trend sich erst die letzten Jahrzehnte herauskristallisiert hat. Mütter, die berufstätig sind verbringen mehr Zeit mit ihren Kindern als Mütter in den 60ern, als die Hausfrauen waren. Warum, weil sie die Kinder auch Kinder sein ließen, anstatt ihnen ständig auf der Pelle zu sitzen, sie von einem Kurs zum anderen zu jagen und sie eben als Projekt zu betrachten.

    ** mini_789

    Zitat

    Vielleicht steigere ich ich da auch zu sehr rein und sehe mich zu sehr in der Opfer-Rolle. Dennoch beschäftigt es mich und ich musste mir diesen ganzen Mist den ich mit mir rumtrage einfach mal von der Seele schreiben.

    Zu welchem Zweck. Du scheinst ja Deinen Eltern sehr wohl eine Schuld zuzuschreiben, nur worin und fühlst Du Dich denn tatsächlich als Opfer? Deine Eltern wirst Du ja nicht mehr ändern können, sehr wohl aber kannst Du etwas ändern, womit Du heute nicht klar kommst, weil die Erziehung da nicht darauf ausgerichtet war. Je nachdem wie schlimm Du das für Dich empfindest könnte eine Therapie eine Möglichkeit sein. Dass Deine Mutter auf Kritik nicht sonderlich gut reagiert wird Dich wahrscheinlich nicht wundern. Du kennst sie ja sehr gut und weißt wie sie ist. Wir bekommen halt Menschen als Eltern und das ist manchmal eine Hürde das als Kind zu akzeptieren. Eltern machen Fehler in der Erziehung.

    was sehr wohl auf sowas hindeutet, ist die bloße Tatsache, dass die TE den Beitrag verfasst hat (insofern da ja irgendein Leidensdruck ist). Und in Frageform, so wie ich das formuliert hab, ist daran auch absolut nichts gewagt.


    Letztlich aber alles irrelevant. Ohne weitere Infos kann man auch nix konstruktives dazu sagen.


    Und was das "Prestigeobjekt" angeht.. die Kinder als Prestigeobjekt zu betüdeln, oder dieses nicht zu tun, sind ja zwei Gegensätze auf einer Skala wo das, was mir hier eher vorzuliegen scheint (nämlich emotionale Vernachlässigung) gar nicht auftaucht. Was hat das miteinander zu tun?

    Und ich finde auch nicht, dass die Tatsache, dass man die Vergangenheit nicht ändern kann, also man sich auf Zukunft und Gegenwart konzentrieren sollte, hier voll und ganz hilfreich ist (obwohl natürlich insgesamt wichtig und zutreffend). Ein Verständnis dessen, was in der Vergangenheit passiert ist, kann durchaus sehr wichtig sein, um sich in der Gegenwart und Zukunft sinnvoll ggü der besagten Person zu positionieren (und zB mit neu erlangtem Selbstbewussten Grenzen zu ziehen).

    Zitat

    Danke an alle, die das bis hierher gelesen haben ;-D


    Ein klein wenig besser geht es mir jetzt schon mal, wobei ich noch endlos weiter schreiben könnte, aber ich möchte euch auch nicht mit meinem Seelen-Müll zuballern.

    Ich lese hier freiwillig, und ich würde gerne mehr von Deinem "Seelen-Müll" lesen.


    Wenn Du uns zuballerst, wird natürlich auch zurückgeballert. Willst Du Dir das antun?

    Zitat

    Habt noch einen sonnigen Tag...

    Bei mir ist die Sonne schon untergegangen. ;-D Aber danke trotzdem. :-)



    @ gauloise

    Zitat

    es wird nur versucht, ein bisschen zu relativieren.

    Warum relativierst Du nicht, wenn die TE von Seelen-Müll schreibt.


    Warum relativierst Du nicht, wenn die TE meint, sie könnte sich zu sehr in die Opfer-Rolle hineinsteigern.


    Warum relativierst Du nicht...


    :)D

    @ LaRucola

    Zitat

    was sehr wohl auf sowas hindeutet, ist die bloße Tatsache, dass die TE den Beitrag verfasst hat (insofern da ja irgendein Leidensdruck ist).

    Findest Du? Ich nicht.

    Zitat

    Und in Frageform, so wie ich das formuliert hab, ist daran auch absolut nichts gewagt.

    Ich finde allein die Begriffsnennung gewagt.

    Zitat

    das, was mir hier eher vorzuliegen scheint (nämlich emotionale Vernachlässigung)

    Ich finde Deine Schlüsse sehr voreilig.

    Zitat

    Ein Verständnis dessen, was in der Vergangenheit passiert ist, kann durchaus sehr wichtig sein, um sich in der Gegenwart und Zukunft sinnvoll ggü der besagten Person zu positionieren (und zB mit neu erlangtem Selbstbewussten Grenzen zu ziehen).

    Das klingt für mich nach einer Erwartung an das Umfeld, dieses Verständnis gefälligst zu liefern. Dieser Anspruch besteht aber nicht.