Die Explosion mit meinem Vater

    "Halt die Schnauze, sonst hau ich Dir gleich eine rein"


    So schrie mich mein Papa, fast 70, vergangenen Freitag bei einem gemeinsamen Mittagessen an.


    Wir leben in zwei Häusern nebeneinander, sehen uns beinahe jeden Tag. Ich bin 33, habe einen 2jährigen Sohn und Freitags lädt uns meine Mama oft zum Essen ein.


    Diesen Freitag platzte die Bombe... mein Kleiner war mit irgendetwas beim Mittagessen nicht zufrieden, er wollte Butter pur essen und grabbelte in der Butter herum - er war müde und bockig und überreizt und fing an, Besteck zu werfen, ich versuche es dann auch nicht ewig, wollte dem Kind eine Pause gönnen und ihn zur Ruhe kommen lassen und die Situation beruhigen, wollte ihn gerade aus seinem Stuhl heraus nehmen und sagte "Schatz, ich weiß, Du stehst auf Butter, aber ich mag nicht, wenn Du die Butter in der Form angrabbelst............", aber weiter kam ich nicht, da wurde mein Papa plötzlich sehr passiv aggressiv und stänkerte herum.


    Ich frage also "Papa, was ist los? Was stört Dich denn so?" Die Antwort "Das geht Dich einen Scheißdreck an!"


    Und dann brach das Feuer los.


    "Halt die Schnauze, sonst hau ich Dir gleich eine rein. Du bist eine Zumutung für alle um Dich herum, Du zwingst Deinem Kind Deinen Willen auf, ich kann es nicht ertragen, wenn man Schwächere gängelt............" und so weiter.


    Er drohte mir Schläge an, beschimpfte mich ganz mies, mein Kleiner saß in seinem Kinderstuhl dabei, meine Mama machte sich klein und schwieg, ich war total überfordert und fassungslos.


    Wir haben unterschiedliche Ansichten, was die Kindererziehung angeht, das ist wohl so, aber das rechtfertigt keine solche Aggression.


    Nachdem er seine Wut herausgelassen hatte, brach es aus mir heraus:


    Jahrelange Demütigungen, Herabsetzungen, passive Aggression, Abwesenheit und emotionale Brutalität... und nie hatten wir über etwas geredet. Ich sehe seit 33 Jahren zu, wie er meine Mutter abwertet und mit Verachtung straft.


    Ich konnte ihm nie etwas recht machen und was ich tat, fand nie ein Lob, kein Abi, keine Ausbildung und kein 1er Diplom waren je auch nur der Erwähnung wert, Fehler werden mit maximaler Verachtung der Person quittiert. Er hat meinen großen Bruder noch als Kleinkind verprügelt, mich nicht mehr, aber seine Ablehnung habe ich beinahe täglich gespürt. Seit ich denken kann strömt eine unglaubliche Negativität aus meinem Vater heraus, die ganze Familie wusste schon morgens, ob es ein guter oder schlechter Tag werden würde und manövrierte um ihn herum....


    und das Schlimmste daran ist, dass uns das nie nie nie ein Außenstehender glauben würde, der unsere Familie kennt. Alle finden ihn toll, so ein fleißiger, lustiger und christlicher Mann!


    Ich wollte mir diese unglaubliche Aggression nicht mehr gefallen lassen. Mir reicht es damit.


    Ich wurde sehr gemein, verletzend und sagte ihm, dass er nicht in der Position sei, mir Erziehungstipps zu geben.


    Es gelang mir nicht, ruhig zu bleiben, ich weinte und schrie, ich nannte ihn einen schlechten Menschen und ich meinte es auch so.


    Als wir gingen sagte er dann in aller Ruhe "ich komme dann später rüber und montiere Deine Rauchmelder".


    und auch das war symptomatisch für mein Leben mit meinem Vater: der brutalste Angriff, um sofort zur Tagesordnung über zu gehen - wer verletzt ist, ist weich und... ach komm schon, es ist doch alles gut, nichts ist passiert. Verletzungen werden in Humor verpackt - komm schon, verstehst Du keinen Spaß? Seine Ausbrüche gehören einfach dazu, keiner Rede wert.


    "Nein, wirst Du nicht, ich montiere meine Rauchmelder selbst. Auf Wiedersehen." Seit drei Tagen haben wir nicht gesprochen, meine Mutter spricht jetzt auch nicht mit mir, das tut mir sehr weh. Meine Mama ist depressiv und ich fühle mich schuldig, weil unser Streit sicher nicht zu ihrer Stabilität beiträgt.


    Ich versuche im Moment, dass wir uns nicht begegnen, denn ich muss erst wieder zur Ruhe kommen, ich bin so aufgewühlt.


    Am liebsten würde ich ihm sagen:


    "Papa, ich bin Deine Tochter und ich liebe Dich, denn Du bist mein Papa. ich werde Dich immer lieben und ich werde immer Deine Liebe brauchen, aber dass Du mich so angehst, wieder und wieder, tut mir weh und deshalb tut es mir weh, Dich zu lieben."


    Ich weiß aber, dass ich so nicht mit ihm sprechen kann.


    ich weiß, dass er nicht bereit ist, zu zu hören, wirklich zu zu hören.


    Es ist einfach, mit meinem Papa Mitleid zu haben, zu verstehen, warum er nach seiner eigenen Kindheit so geworden ist.


    Mein Papa macht viele Dinge an meinem Haus und hilft mir viel mit seiner Arbeit, dafür bin ich ihm dankbar, ich weiß auch, dass das seine Art ist, seine Zuneigung zu zeigen.


    Aber es ist nicht, was ich brauche, es ist nicht, was ich gebraucht hätte als Kind und mit seiner Arbeit darf er sich nicht das Recht erkaufen, so mit mir umzugehen.


    Für mich ist es Zeit, bei allem Verständnis und aller Liebe, eine ganz ganz dicke Grenze zu ziehen.


    Ich weiß nur nicht, wie sie aussehen wird.


    Ich bin gerade so aufgewühlt, dass ich kaum schlafen, essen oder arbeiten kann, ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Ich weine und weine und weine.


    Ich bin mir auch nicht mehr sicher, ob er vielleicht Recht hat mit allem, ob ich eine schlechte Mutter bin, ob ich ein schlechter Mensch bin, ob ich wirklich so eine Enttäuschung bin, ob ich vielleicht zu viel von ihm erwarte, ich fühle mich so schuldig, dass ich ihn auch angeschrien habe, vor allem auch, weil mein Kleiner dabei saß.


    Lange Geschichte .... danke an alle, die bis hier hin gelesen haben.


    Habt Ihr einen Tipp, was ich tun kann?


    Wie komme ich aus dieser unglaublichen Emotionalität heraus? Wie aus dieser Wut und Verachtung, diesem überstarken Wunsch nach Abgrenzung und diesem Gefühlschaos?


    Wie komme ich zu einer Lösung des Problems und wie zurück zum Positiven?

  • 15 Antworten
    Zitat

    Wie komme ich aus dieser unglaublichen Emotionalität heraus? Wie aus dieser Wut und Verachtung, diesem überstarken Wunsch nach Abgrenzung und diesem Gefühlschaos?

    Wenn ich ehrlich sein darf ist dieser Wunsch nach Abgrenzung in meinen Augen das beste was dir passieren kann. Ja, er ist dein Vater, schön und gut, das heißt aber nicht das er sich wie ne Wildsau benehmen darf und du dich dann wieder unterwerfen und anpassen musst damit alles "gut" ist.


    Bei euch scheint ein enormes Abhängigkeitsverhältnis zu bestehen, du brauchst seine Zuneigung und sein Lob offenbar mehr als es in ner normalen Vater/Kind Beziehung normal ist. Arbeite daran. Arbeite nicht daran dich zu verbiegen um ihm zu gefallen sondern arbeite daran das du ein eigener Mensch bist, ein eigenes Leben führst und es dir egal ist ob er das gut findet oder nicht.

    Du bist erwachsen, hast ein Kind, Du hast erkannt, was Dein Vater alles in Deiner Kindheit angerichtet hat. Warum in aller Welt pflegst Du einen derart engen Kontakt? Warum wohnst Du neben an?


    Schon in normalen, liebevollen Eltern-Kind Beziehungen halte ich es für ratsam, im Alter von 20 oder so irgendwann mal auszuziehen und dann ein gehöriges Stück Abstand zu den Eltern zu halten. Nur so kann man sich selber gesund eigenständig entwickeln. Der Abstand kann so klein sein, dass man sich ohne große Aufwände so oft sehen kann, wie man mag, aber er sollte auch so groß sein, dass es reicht, damit keine Erwartungshaltung entsteht, man könnte ja täglich vorbei kommen.


    Mit genug Abstand kann man dann reflektieren was in der Kindheit so gelaufen ist. Das ist Dir offenbar gelungen. Ob man mit dieser Erkenntnis den Kontakt abbricht bzw. deutlich verringert oder ihn eng weiter führt, muss man sehen. Die Eltern wird man nicht mehr ändern. In dem Alter braucht man nicht mehr auf Einsicht hoffen oder darauf, dass sich seine Vorstellungen von Gewalt, Erziehung, Respekt und Achtung grundlegend ändern. Also zieht man die Konsequenzen selbst.

    Danke für Eure Antworten.


    Der enge Kontakt hat sich so ergeben - wir haben ein Haus gebaut nebenan das bot sich damals so an, ich war damals in meiner Entwicklung noch nicht so weit, so klar zu sehen wie heute.


    In mittlerer Zukunft werden wir das Haus verkaufen und weg ziehen. So schnell geht das nur gerade nicht. Also muss eine Zwischenlösung her. Wie die aussieht, mag ich aber nur aus mehr Ruhe heraus entscheiden, sonst arten die Verletzungen und Kurzschlussaktionen womöglich aus.


    "Bei euch scheint ein enormes Abhängigkeitsverhältnis zu bestehen, du brauchst seine Zuneigung und sein Lob offenbar mehr als es in ner normalen Vater/Kind Beziehung normal ist."


    Das finde ich interessant und es kann gut wahr sein.


    Offen gesagt weiß ich nicht, wieviel Wunsch nach Anerkennung in einer "normalen Vater/Kind Beziehung" denn angebracht und normal ist.


    Ich muss ehrlich sagen, dass ich es für sehr normal halte, dass ein Kind auch mit 33 noch den Wunsch nach Liebe und Anerkennung der Eltern hat - und wenn sie nicht kommt (und das wird sie nicht) - muss ich damit lernen, produktiv umzugehen.


    Aber der Wunsch wird bestehen bleiben, was fehlt, fehlt nun einmal und wird immer fehlen.


    Ich weiß einfach nicht, wie ich es schaffe, dass es mir nicht mehr so weh tut.


    Was tut man denn da?


    8-(

    Kinder verlangen immer nach Anerkennung und Lob durch die Eltern und wenn das nicht kommt, wird ein Kind immer mehr anstellen, sich immer mehr Mühe geben und ggf. daran zerbrechen, den Eltern nie genug sein zu können. Und davon kann man sich auch als Erwachsener nie ganz frei machen. Die Entwicklung eines eigenen Selbstwertgefühls hängt nicht ganz unerheblich von diesem Lob ab, nicht wenige Menschen mit Geschichten wie dieser liegen früher oder später auf der Couch beim Psychologen.


    Bleib standhaft, sei Du selbst und mache Dir klar, dass Du Deinem Vater nichts schuldig bist. Wenn Du den Kontakt nicht möchtest, ist das legitim.

    Ich glaube, das Wichtigste bzw. die einzige Lösung für dich besteht darin zu verinnerlichen, dass du weder Verantwortung für die Depressionen deiner Mutter trägst, noch für die Aggressionen des Vaters.


    Schlechte Kindheit hin oder her, du bist auch ein fühlendes Wesen und hast es nicht verdient so behandelt zu werden.


    Wenn jemand ein schlechtes Gewissen haben sollte dann deine Eltern, es wäre ihre Aufgabe gewesen für dich da zu sein und dich zu ermutigen.


    Ich glaube, seine Eltern wird man immer lieben aber du musst auf dich selbst und dein Kind schauen. Wenn es dir zu viel wird, steht es dir zu dich zurück zu ziehen ohne Gewissensbisse haben zu müssen.

    Zitat

    Wie komme ich aus dieser unglaublichen Emotionalität heraus? Wie aus dieser Wut und Verachtung, diesem überstarken Wunsch nach Abgrenzung

    Warum möchtest du aus dieser Wut, Verachtung und Emotionalität herauskommen? Gönne es dir! Du hast allen Grund dazu! Das ist es, was dir bisher gefehlt hat.

    Zitat

    "Halt die Schnauze, sonst hau ich Dir gleich eine rein. Du bist eine Zumutung für alle um Dich herum, Du zwingst Deinem Kind Deinen Willen auf, ich kann es nicht ertragen, wenn man Schwächere gängelt............" und so weiter.

    Beinahe wäre es komisch, wenn es nicht so tragisch wäre: Dein Vater kann es nicht ertragen, wenn du Schwächere gängelst. Aber was macht er? Er gängelt schwächere, nämlich seine Tochter!! Weit mehr, als so wie du dein Kind sehr angemessen erziehen möchtest! Es ist buchstäblich irre: Genau das was er dir vorwirft, macht er selbst in verschärfter Form!


    Du suchst nach Verständnis zu deinem Vater, aber dich denke, dass es durchaus auch erlaubt ist, nicht für alles Verständnis zu haben. Es kann auch erlaubt sein, seinen Vater (oder auch insgesamt seine Eltern) nicht mehr zu lieben! Es sind deine Gefühle und dann ist das eben so. Basta!


    Du wirst einen 70-jährigen Mann nicht mehr ändern können, jedenfalls solange er nicht selbst diesen Wunsch zur Änderung hat. Deine Mutter ist schon lange mit ihm verheiratet und sie muss selbst schauen, wie sie damit zurecht kommt. Jedenfalls ist es nicht deine Verantwortung, was und wie die Mutter mit dem Ehemann handelt.


    Das Einzige, was du machen kannst, ist zu gucken, wie es dir geht. Da sehe ich nur die Möglichkeit der grösstmöglichen Abgrenzung, sonst werden die Situationen immer wieder katastrophal entgleisen. Du bist auf dem richtigen Weg: Halte Abstand soweit es geht und gönne dir deine Gefühle, denn sie sind ein Teil von dir!


    Ich wünsche dir viel Kraft dabei.

    Ja, ich sehe es auch so, dass diese Gefühle sich jetzt und genau jetzt ihren Weg bahnen müssen.


    ich habe eine Familie, einen tollen Ehemann, ein tolles Kind und lerne als Mama jeden Tag dazu.


    Diese Gefühle meinem Vater gegenüber tun mir aber nicht gut.


    Ich muss jetzt ein paar Wochen schreien und weinen und extrem wütend sein, das will ich mir auch zugestehen.


    Aber irgendwann muss ich da raus. Die Wut bringt keinen weiter und sie macht mich empfindlich.


    Ich will meinem Kind eine gute Mutter sein und meinem Ehemann eine gute Ehefrau - meine Erziehung macht mir das manchmal ganz schön schwer und die Reflexion ist ein schmerzhafter Prozess. Mit 33 ist es spät aber nun an der Zeit, ganz erwachsen zu werden.


    Ich danke Euch für Eure Kommentare - innerlich weiß ich, dass ich allen Grund habe, mich abzugrenzen.


    Es tut gut zu hören, dass ich nicht spinne, wenn ich das unerträglich finde.

    HEy!


    Ganz egal wie du deine Grenze zu ziehst. Wichtig ist das du dich nicht vor deinem Sohn so nieder machen lässt. Er schaut auf dich Hoch. Liebt dich. Und dich vor ihm so fertig machen zu lassen ist nicht gesund.


    Da wäre auch meine absolute Grenze. Ich würde auch nie In meiner Familie besser behandelt. Aber als meine Mutter mich anging vor meinem Baby hab ich den Abflug gemacht und ihr gesagt das ich mich NICHTso abwertend behandeln lasse. Hat sie nie wieder getan.

    Zitat

    hab ich den Abflug gemacht und ihr gesagt das ich mich NICHTso abwertend behandeln lasse. Hat sie nie wieder getan.

    genau das ist der schlüssel. ich hab ähnliches hinter mir. nicht mit ganz so viel aggression, aber doch auch dieses abwertende verhalten von meinem vater mir gegenüber vor meiner familie (ehemann und meine kinder, die dann irgendwann auch groß genug waren, zu verstehen, was der da abzieht)


    auch ich habe dann in einem moment, als er mich wieder runtermachen wollte, bzw macht ausüben das erste mal anders reagiert, als sonst. nämlich nicht wie sein kind, sondern wie eine erwachsene frau. seine tochter


    das muss in deinen schädel. du bist seine tochter, du bist nicht mehr sein kind.


    und wenn du das begriffen hast und nach außen transportieren kannst, hört das auf


    was sagt denn dein ehemann dazu?

    In der Tat: Er wirft Dir vor schwächere zu gängeln (Was ich in beschriebener Situation absolut nicht erkennen kann, im Gegenteil, Du hast Deinem Sohn gegenüber doch noch Verständnis gezeigt und lediglich erklärt, dass man in der Butter nicht so rumwühlen sollte - also alles richtig gemacht) und tut es selbst. Vielleicht hat ihn diese Situation getriggert, weil er unterbewusst weiß, er hätte nicht so souverän reagiert sondern wäre ausgerastet und es hätte für den Butter-Fauxpas richtig Ärger gegeben. Vielleicht ist er überfordert damit, wie gut Du Deine Erziehung hinbekommst und hat dabei vor Augen, wie wenig gut er sich selbst in seiner Erziehung im Griff hatte.


    Die Kontaktstille und dass Du die Rauchmelder selbst montierst ist ein erster Schritt in die Abgrenzung. Er muss merken, dass er eine Grenze überschritten hat.

    @ Freudentanz

    Zitat

    Ja, ich sehe es auch so, dass diese Gefühle sich jetzt und genau jetzt ihren Weg bahnen müssen.

    Gut. Dann verurteile dich nicht, sondern lass es einfach mal zu wütend zu sein. Wut ist ein "verkanntes Gefühl", es wird oft viel zu negativ gesehen. Und verdrängte Wut kann in Hass münden. Das wäre dann schlecht für dich und alle Beteiligten. Denn Hass bindet ebenso wie Liebe und Schuld. Hier geht es aber darum, das Gegenteil von Bindung zu erreichen: Distanz, FREIHEIT.


    Ich weiß wie schwierig es ist, sich in einer erzwungenen räumlichen Nähe von den Eltern zu distanzieren, denn ich habe es selber nicht geschafft, bis ich 50 war, weil ich auf Grund rechtlicher Umstände nicht ausziehen konnte. Es gab wohl die Sehnsucht nach Freiheit, aber der Weg war versperrt. Das ist bei dir anders. Gott sei Dank.

    Zitat

    ich habe eine Familie, einen tollen Ehemann, ein tolles Kind und lerne als Mama jeden Tag dazu.

    Diese Bestandsaufnahme positiver Aspekte ist gut und heilsam. Denn das alles bleibt dir ja. Es fehlt nur die FREIHEIT.

    Zitat

    Diese Gefühle meinem Vater gegenüber tun mir aber nicht gut.

    Ja, aber jetzt sind sie erst einmal DA. Und wenn Gefühle da sind, wollen sie beachtet werden. Sie zu verdrängen ist die schlechteste Lösung, oder überhaupt keine Lösung.


    Es gibt sehr wichtige Gründe für diese Gefühle, aber all diese Gründe liegen in der Vergangenheit. Und die Vergangenheit hört HEUTE auf. Also kannst du heute beginnen, deine Zukunft so zu planen, dass die Gründe für deine Gefühle unwichtiger werden. Dein Vater hat sich offensichtlich seiner Familie gegenüber unangemessen verhalten. Es wurde ihm offensichtlich nicht klar gemacht, dass er das hätte ändern müssen, also ist er nach wie vor der Meinung, das alles tun zu dürfen.


    Da du ihn also nicht ändern kannst, wirst du dein eigenes Verhalten ihm gegenüber verändern müssen. Und das hat ja schon begonnen, indem du dir mehrere Tage FREIHEIT von ihm gegönnt hast. Diese Freiheit müsste also umfassender werden und das beginnt nicht beim Verkauf des Hauses, sondern es beginnt in dir. Der Verkauf des Hauses ist dann, wenn du deine innere Freiheit von deinen Eltern finden konntest, der nächste und logische Schritt. Es ist aber auch nicht ganz auszuschließen, dass das dann gar nicht mehr notwendig ist. Dann müsste sich allerdings sehr viel in dir verändern.

    Zitat

    Ich muss jetzt ein paar Wochen schreien und weinen und extrem wütend sein, das will ich mir auch zugestehen.

    Wunderbar und sehr klug formuliert. Das ist allerdings nur die eine Seite, die andere ist, deinen Eltern gegenüber zu klären, dass du zu der gegenwärtige Distanz erst einmal stehst, sie nicht bereust und sie brauchst. Was später kommt, weißt du noch nicht, du denkst darüber nach. Auch das wäre ein kleiner Schritt in die FREIHEIT.

    Zitat

    Aber irgendwann muss ich da raus. Die Wut bringt keinen weiter und sie macht mich empfindlich.

    Wut bringt dich insofern weiter, als dass sie beim Abbau der negativen Gefühle hilfreich sein kann. Empfindlich bist du sowieso. Was dich weiter bringt, ist eine sorgfältige Planung zusammen mit deinem Mann, was deine und eure Zukunft betrifft. Und parallel dazu dein Weg in die innere Freiheit deinen Eltern gegenüber.

    Zitat

    Ich will meinem Kind eine gute Mutter sein und meinem Ehemann eine gute Ehefrau -

    Ich sehe bisher nicht, wieso du das nicht bist. Es könnte aber sein, dass sich die fehlende Distanz zu deinen Eltern dabei beeinträchtigt. Bei mir war das so und es war sehr schwer das zu ändern.

    Zitat

    meine Erziehung macht mir das manchmal ganz schön schwer und die Reflexion ist ein schmerzhafter Prozess. Mit 33 ist es spät aber nun an der Zeit, ganz erwachsen zu werden.

    Allerdings. Dazu braucht es dann schon mal einen gehörigen Leidensdruck. Und insofern kannst du deinem Vater sogar etwas "dankbar sein". Denn durch seinen Wutausbruch hat er diesen Leidensdruck bei dir erzeugt. "Weiter so" funktioniert nicht mehr und das ist gut so.

    Zitat

    Ich danke Euch für Eure Kommentare - innerlich weiß ich, dass ich allen Grund habe, mich abzugrenzen. Es tut gut zu hören, dass ich nicht spinne, wenn ich das unerträglich finde.

    Natürlich spinnst du nicht, trotzdem fühlt es sich für dich so ähnlich an, denn du musst ja deine bisherige Herangehensweise in Frage stellen und ändern. Das sind schmerzhafte und mühsame Schritte, die man nur nachempfinden kann, wenn man Vergleichbares erlebt hat.


    Es fühlt sich nämlich erst einmal "falsch" an, das zu ändern. Und die Eltern werden alles dafür tun, dass es sich auch weiterhin falsch anfühlt. Denn sie behalten ja ihre alte Sichtweise. Du musst also in kleinen Schritte lernen, das für richtig zu halten, was bisher falsch war. So kann Distanz entstehen. Und das solltest du ganz konkret ausprobieren.


    Es ist nicht schlecht, dass du die Formulierung oben für dich gefunden hast (in der du deinem Vater deine Liebe versicherst). Aber sie ist in dieser Form nicht kommunikationsgeeignet. Wohl aber ist sie geeignet, deine eigene Position für dich zu finden. Und von der aus kannst du dann wieder handlungsfähig den Eltern gegenüber werden.

    Ich weiß es ist schwer, aber lass dich nicht von deinem Weg abbringen.


    Gefühle und Erlösung sucht/suchen sich den richtigen Zeitpunkt.


    Und der ist nun scheinbar da @:)


    Nimm die Gefühle und deine Vergangenheit an.


    Dann wirst du dich im Endeffekt selbst erlösen.


    Ich mache geraden den gleichen Prozess durch.


    Und es ist ab und zu so schwer. Fast zu schwer um es zu tragen.


    Aber gewinnen wirst am Ende nur du.


    Die Konstellation meiner Eltern ist die Selbe.


    Aber du bist nur für dein eigenes Glück zuständig, nicht für das deiner Mutter, so sehr sie dir auch leid tut.


    Sie hat es so gewählt.


    Stark bleiben! *:)

    Danke nochmals für Eure Antworten, die helfen mir sehr.


    Was sagt mein Mann dazu?


    Wir sprechen gerade viel darüber. Er sieht das wie ich, er bestärkt mich, dass ich das Richtige tue und ist für mich da.


    Er ist auch wütend, schließlich hat da jemand seiner Frau Schläge angedroht, hält sich aber gerade mir zuliebe zurück.

    ... und ich wieder.... mit einem Update.


    Zu meinem Vater herrscht weiterhin Funkstille.


    Aber meine Mama war gestern Abend bei mir.


    Sie findet das alles ganz furchtbar - ist es ja auch - kann mich aber sehr gut verstehen und respektiert meine Entscheidung und sagt, sie bewundert meine Stärke.


    Mein Vater hat ihr im Vorbeigehen gesagt, dass er sich von ihr trennen will. Eigentlich ohne Gespräch, einfach hingerotzt hat er es ihr.


    Dafür kann es ganz valide Gründe geben, letztlich hat er es aber getan, um uns alle in Sippenhaft zu nehmen... quasi, um es als meine Schuld hinzustellen, dass nun auch die Ehe meiner Eltern zerbricht.


    Soll er doch, ich kann es nicht ändern.


    Meine Mama gibt mir Gott sei Dank keine Schuld.


    Sie ist einfach down.


    Ich habe sie fest gedrückt, ihr gesagt, dass ich sie sehr lieb habe, dass ich finde, dass sie das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben hat, ein Anrecht darauf, dass sie geliebt und geachtet wird und dass sie sich das Recht nehmen darf, wenn sie das möchte. Dass ich sie liebe und achte und respektiere und sie sich sicher sein kann, dass ich immer so mit ihr umgehen werde.


    Ich glaube, sie ist wie paralysiert - aber sie sieht Licht am Ende des Tunnels.


    Es ist einfach ganz schrecklich, die eigene Familie so auseinander brechen zu sehen - und das noch mit so unfairen Methoden.


    Ich hoffe, er zieht es durch und geht.

    Hallo du Arme,


    nach Freudentänzen wird dir zur Zeit kaum sein.


    es sieht tatsächlich so aus, als wolle dein Vater mit einem Rundumschlag seien Wut zum Ausdruck bringen, dass ihr euch seinem Einfluss entziehen wollt. Dann hat er allerdings gar keinen Einfluss mehr und es steht zu befürchten, dass das eher ein Druckmittel als eine echte Absichtserklärung ist.


    Es ist gut für deine Mutter – aber auch für dich – wenn du in dieser schwierigen Zeit für sie da sein kannst. Denn auch du würdest ja leiden, wenn beide Eltern aus deinem leben verschwinden.


    Wie der innere Abschied von deinem Vater weiter gehen wird, muss herausgefunden werden. Zur Zeit geht das noch nicht, denn er macht sich ja gerade wieder wichtig. Und so lange er wichtig ist, kann man mit ihm nicht abschließen.

    Zitat

    Sie findet das alles ganz furchtbar - ist es ja auch - kann mich aber sehr gut verstehen und respektiert meine Entscheidung und sagt, sie bewundert meine Stärke.

    Dann kannst du ihr vielleicht ein wenig davon mitgeben. Aber versuche dich aus dem konkreten Problem zwischen den beiden herauszuhalten. Denn da können Dinge ans Tageslicht kommen, die dich nicht angehen, die du nicht ändern kannst und die du schlimmstenfalls auch nicht wissen willst.


    Für sie da sein, sie trösten und ihr die Zuversicht geben, dass sie auch nach einer Trennung nicht alleine ist - mehr geht jetzt gerade nicht.

    Zitat

    Meine Mama gibt mir Gott sei Dank keine Schuld.

    Das ist gut so. Es wäre aber auch sehr ungeschickt von ihr, denn sie braucht dich jetzt sehr.

    Zitat

    Ich habe sie fest gedrückt, ihr gesagt, dass ich sie sehr lieb habe, dass ich finde, dass sie das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben hat, ein Anrecht darauf, dass sie geliebt und geachtet wird und dass sie sich das Recht nehmen darf, wenn sie das möchte. Dass ich sie liebe und achte und respektiere und sie sich sicher sein kann, dass ich immer so mit ihr umgehen werde.

    Schön, besser kann man es nicht machen.

    Zitat

    Ich glaube, sie ist wie paralysiert - aber sie sieht Licht am Ende des Tunnels.

    Das wäre aber sehr früh. Gibt es denn schon konkrete Trennungspläne mit Datum und Herangehensweise? Wer zieht aus?

    Zitat

    Es ist einfach ganz schrecklich, die eigene Familie so auseinander brechen zu sehen - und das noch mit so unfairen Methoden.

    Ja, aber war sie denn je "zusammen" diese Familie? Bricht da nicht etwas auseinander, was eh nur notdürftig zusammengehämmert war und mehr Schmerz als Freude gebracht hat? Vielleicht ist es gar kein Auseinander"Brechen", sondern dann nur ein Auseinander"Gehen"

    Zitat

    Ich hoffe, er zieht es durch und geht.

    Darauf würde ich noch nicht bauen. Aber daran kann deine Mutter auch mitwirken, indem sie Rückzugsversuche nicht akzeptiert. Dazu kann ich aber nichts sagen.


    Bleibt aufmerksam.