Die Priorisierung der Liebe

    Vorneweg möchte ich anmerken das ich langjähriger Mitleser dieses Forums bin, und ich es sehr schätze, auch wenn ich bis dato nur selten selber etwas geschrieben habe, doch geht mir dieses Thema nicht aus dem Kopf. Ich beginne mit ein paar fragen:


    Wie wichtig ist Liebe für das Leben als Mensch eigentlich?


    Ist die eigene Fähigkeit zu lieben Selbstbestimmung?


    Ab wann kann man überhaupt von Liebe sprechen?


    Und: ??der Attitüde wegen?? Was ist Liebe überhaupt?


    Ich selber bin schon mein ganzes Leben lang ein überzeugter hoffnungsloser/voller Romantiker. Ich hatte auch schon einige Beziehungen in die ich mal mehr und mal weniger verschossen war. Es hat sich anfänglich nie falsch angefühlt (und wenn der Tag kam, habe ich es beendet, jedes mal.) Es waren gute, liebe, langweilige aber auch aufregende und interessante Menschen dabei, mit denen ich zweifelsohne wunderbar zusammengepasst hätte, hätte ich nur wollen/können. ??häufig habe ich das Gefühl das ich zu so gut wie jedem menschen passen würde, aber nur sehr wenige Menschen zu mir passen??


    Zum ersten mal hat es mich erwischt als ich 15 war, auf den ersten blick. Ich lernte ihn dann auch kennen, und mit jedem Wort das er sagte, mit jeder Geste wurden meine Gefühle stärker. Hier frage ich mich ob es tatsächlich an meiner instinktiven Liebe lag das ich ihn als so perfekt für mich empfand, oder ob er es einfach war, und ich das auch hätte später herausfinden hätte können. Wir waren nie zusammen, auch wenn uns einiges Verband bis zu seinem Tod drei Jahre später. ??Kann man jemanden überhaupt wirklich lieben den man nie so umfassend wie in einer Beziehung kennengelernt hat?? Ich schließe das scheitern meiner Teenagerbeziehungen definitiv aus diesen Gefühlen. Aber darum soll es ja auch nicht gehen.


    Danach war ich davon übezeugt das ich meine Liebe gefunden und verloren, nie aber gewonnen habe und das dies meine einzige Chance war. Etwas nicht vergleichbares. Später suchte ich mir einen Mann den ich interessant und schön fand, und der unkonventionell genug war mich glücklich machen zu können. Ich war ehrlich, ich liebte ihn nicht, er liebte mich sehr. Ich war glücklich mit ihm. Bildete mir zeitweise auch ein ihn zu lieben


    Bis ich erneut auf einen Mann traf der mir, auf den ersten Blick, mein Herz gestohlen hat. Ich beendete meine Beziehung augenblicklich und stürzte in eine Identitätskrise, doch auch mit diesem Mann sollte es nicht mehr sein als tiefe liebende Blicke, vielsagende Kommentare und demütige Liebesbekundungen beiderseits.


    Mittlerweile weiß ich, dass ich mich wohl noch öfters verlieben kann, und das unvergleichlich auch dann unvergleichlich bleibt. Aber es gibt keine Sicherheit, keinen Fahrplan. (Das es passiert, das es funktioniert)


    Leute meinten das sie der Liebe keinen so hohen Stellenwert (mehr) einrichten würden und bleiben alleine. Andere verrennen sich in Fantasie und behaupten glücklich zu sein mit irgendeinem Partner.


    ??hört Selbstverleugnung nicht erst da auf wo Liebe beginnt??


    Ich bin nun ein Jahr alleine und bemerke zunehmends das Leben für mich ohne Liebe ziemlich.. witzlos ist. Wie kann ich es schaffen meine innersten Prioritäten zu verschieben? Ich bin offener geworden, wobei ich nicht wage behaupten zu können ob das an meiner Sehnsucht nach Nähe liegt oder an meiner verlorenen Verbissenheit.


    Danke fürs lesen, ich freue mich eure Gedanken zu hören und bitte spart euch Kommentare über meine unglaubliche pathetik, ich weiß das eh.

  • 18 Antworten
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    Wie wichtig ist Liebe für das Leben als Mensch eigentlich?

    ich denke das Bedürfnis geliebt zu werden, die Sehnsucht nach gegenseitiger erfüllender Liebe hat jeder tief in sich drin "programmiert". Dabei meine ich nicht allein die romantische Liebe und schon gar nicht das Verliebtsein. Liebe ist vielfältig.


    Schon das Weinen eines Babys enthält die Frage "Liebst du mich? Liebst du mich so sehr, dass du meine Windel wechselst, mich an die Brust legst und mich beruhigst, obwohl du unter Schlaflosigkeit leidest?


    Schon an diesem Beispiel kannst du erkennen, wie wichtig Liebe für das Leben/Überleben der Menschen ist.

    Zitat

    Ist die eigene Fähigkeit zu lieben Selbstbestimmung?

    So wie ich Liebe verstehe, ganz eindeutig JA. Liebe bedeutet für mich, eine Entscheidung. Nämlich die Entscheidung einen Menschen "anzunehmen", so wie er ist.

    Zitat

    Bis ich erneut auf einen Mann traf der mir, auf den ersten Blick, mein Herz gestohlen hat.

    Sowas ist in meinen Augen (noch) KEINE Liebe, sondern (erst mal) reine Chemie. Ein Hormon-Cocktail der durch deine Adern rauschte, weil ihr vermehrungstechnisch gut zusammengepasst habt.

    Zitat

    Ab wann kann man überhaupt von Liebe sprechen?

    Wie weiter oben schon geschrieben, ist für mich Liebe eine Entscheidung FÜR einen Menschen, die mein Kopf im Einklang mit meinen Emotionen trifft. Liebe zeigt sich im gelebten Alltag an vielen Kleinigkeiten. Darüber muss man nicht groß sprechen.

    Zitat

    Leute meinten das sie der Liebe keinen so hohen Stellenwert (mehr) einrichten würden und bleiben alleine.

    Liebe und Beziehung/Ehe müssen nicht deckungsgleich sein. Ich behaupte, dass für viele Paare, die Liebe, so wie ich sie verstehe, in der Beziehung fehlt.


    Wie alt bist du denn? Möchtest du Familie?

    Zitat

    Ab wann kann man überhaupt von Liebe sprechen?

    Wenn ich den Menschen gut genug kenne - was nicht in kurzer Zeit möglich ist - und ihn trotz seiner Ecken und Kanten, die nun mal jeder hat, nah bei mir haben möchte. Ihn als Gesamtpaket annehmen und lieben kann.


    Ein Verknalltsein auf den ersten Blick sagt doch nur etwas über die allererste Anziehungskraft aus. Und auch mehr über unser eigenes Wunschbild, das wir in den anderen projizieren, weil ein paar Eckdaten ihn für uns eben erst mal anziehend machen. Liebe wird es m.E. erst viel später und wächst mit gemeinsam gemachten positiven wie negativen Erfahrungen.

    Zitat

    Wie kann ich es schaffen meine innersten Prioritäten zu verschieben?

    Wohin möchtest Du sie denn verschieben?


    Zur Inspiration was alles unter Liebe subsummiert wird:

    Zitat

    Liebe (über mhd. liep, "Gutes, Angenehmes, Wertes" von idg. *leubh- gern, lieb haben, begehren[1]) ist im Allgemeinen die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung und Wertschätzung, die ein Mensch einem anderen entgegenzubringen in der Lage ist. Das Gefühl der Liebe kann unabhängig davon entstehen, ob es erwidert wird oder nicht.

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    Ist die eigene Fähigkeit zu lieben Selbstbestimmung?

    Nein, das passiert einem irgendwie und hängt von den Erfahrungen die man gemacht hat ab. Ich denke wenn man jung ist, verliebt man sich schnell, aber echte Liebe wird es eher selten. Bei mir würde ich nur meine zweite Beziehung als echte Liebe bezeichnen. Sie war auch die einzige Beziehung die lange hielt und wo wir wirklich durch dick und dünn gegangen sind, mit allem drum und dran. Danach war ich zwar auch nochmal verliebt, aber das ging schnell vorbei. Einen festen Freund hatte ich auch, in den ich sehr verliebt war und ich denke dass daraus echte Liebe hätte werden können, doch das wurde von ihm regelrecht sabotiert durch seine Bindungsängste, bis nur noch Enttäuschung übrig war. Mittlerweile habe ich schon lange keine Lust mehr auf unglückliche Geschichten und merke auch, dass ich mich nicht mehr verlieben kann und will. Wenn ich mir aussuchen könnte, wäre ich gerne so offenherzig wie noch vor einigen Jahren und würde mich unkompliziert verlieben, aber das ist eben keine bewusste Entscheidung.

    **Chance007


    Das mit dem Hormoncocktail war mir ja klar, aber dennoch waren diese beiden Männer die einzigen mit denen ich mir jemals vorstellen hätte können "wirklich" zusammenzusein. Ich habe sie ja auch kennengelernt und war inkl. Ecken und Kanten absolut von ihnen überzeugt.


    Mehr als ich mir jemals bei jedem anderen hätte vorstellen können, daher auch die frage ob das bloß ein Umkehrschluss war, wegen meiner starken Gefühle oder ob ich tatsächlich intuitiv wusste das mich auch der Charakter dieser Männer so einnehmen würde.


    **NotMichaelCaine


    Na dahingehend das ich nichtmehr so rumsieche nur weil ich niemanden habe in den ich verliebt sein kann.


    Das ich mein eigenes Leben (das sehr erfüllt ist, bis auf diese Sache) in sich genießen kann, auch ohne es zu teilen.


    Das ich mich nichtmehr so stark danach sehne lieben zu dürfen.


    (Andersherum hatte ich nie Probleme, so gut wie jeder Mann den ich geküsst habe hat sich in mich verliebt.)


    **Ktefan


    Ich weiß nicht, inwiefern das von belang sein sollte.

    Bambine

    ich stimme dir zu, das in vielen Beziehungen die Liebe, so wie ich sie sehe fehlt.


    Aber meinst du nicht, das der antrieb jemanden so anzunehmen wie er ist nur gegeben ist durch eine starke (meinetwegen chemische) anziehung? In meiner Beziehung war der Wille da, und wir waren auch sehr glücklich. Nur sobald ich mich wieder "richtig" verliebte erschien alles an meinem Freund so blass und uninteressant, ich sah in seine Augen und sie erzählten nichts.


    Ich mochte ihn wirklich sehr, aber es war nunmal keine Liebe.


    Ich bin noch jung, aber ja, ich möchte Familie haben. Und hier ist romantische Liebe wohl der Grundstein und ich habe Angst sie niemals zu finden.


    Unlängst hatte ich ein rendez-vous das wirklich schön war, romantisch, ich hab mit ihm geklickt. Jetzt wage ich es nicht zu behaupten das ich verliebt in ihn bin, aber ich bin sicher ich hätte mich verlieben können, jedoch hat der junge Mann beschlossen sich einfach nichtmehr zu melden. Und das zieht mich doch sehr runter, obwohl wir nur eine Nacht miteinander verbracht haben.


    Ich habe echt das gefühl das Liebe bei mir ein ganz oder garnicht Ding ist, und das scheint mit unserer modernen Welt auch nicht ganz vereinbar zu sein, ich denke ich MUSS lernen ein wenig Distanz zu halten.

    Zitat

    Ich weiß nicht, inwiefern das von belang sein sollte.

    Insofern, als dass ich bei Homosexuellen wesentlich öfter ein Hadern mit dem Begriff "Liebe" festgestellt habe und dass es für einen schwulen Mann schwieriger ist, einen Partner mit ähnlich romantischen Ansichten über die Liebe zu finden. Ganz konkret: Viele Schwule, zumindest hier bei uns (und ich habe einen guten Einblick in die Szene) halten es nicht so mit der Treue zum Partner. Und da wäre es natürlich ungleich schwieriger, auf einen Gleichgesinnten zu treffen. Verstehst Du?

    Ja, stimmt auch wieder, hab meine erfahrungen mit der schwulenszene aber irgendwie nicht miteinbezogen.


    Bin nämlich weiblich und heterosexuell, aber auch erst anfang 20 vielleicht legt sich das alles wieder, falls ich endlich mal einen Mann finde der mich überzeugt von sich und mich auch tatsächlich haben will ;-)

    Hm, für Anfang zwanzig sind deine Gedanken aber schon ziemlich reflektiert, und sogar logisch. Ganz untypisch für eine junge Frau ;-D :-q


    Dann also zum Thema:


    Natürlich sind wir alle soziale Wesen und benötigen ein gewisses soziales Feedback. Zum Einen, um uns unserer Selbst bewusst zu sein (kein Ich ohne das Andere), zum anderen sind wir von kleinster Kindheit an in eine soziale Gruppe (Familie) eingebunden und erfahren dort die Zuneigung, die wir zum Überleben brauchen. Nicht nur die reine Versorgung, sondern auch Nähe, Geborgenheit, Zärtlichkeit. Das ist etwas, was mit zunehmendem Alter abnimmt. Das Bedürfnis danach aber zunächst nicht. Daher empfinden wir erste Lieben und Romanzen auch als besonders intensiv, es ist eine Erinnerung an die absolute Geborgenheit, die wir von Mutters Arm kennen.


    Mit zunehmender Erfahrung in diesem Bereich kristallisiert sich dann heraus, was von unserem Bedürfnis nach Nähe übrig bleibt, Erlebnisse, Enttäuschungen und Erfolge prägen uns. Am Ende stehen unendlich viele Ausprägungen von Bedürfnissen und Wünschen. Und je nachdem, ob wir ein zu unseren Bedürfnissen passendes Pendant finden (was nicht immer offensichtlich sein muss), empfinden wir Liebe oder eben nicht. Oder mehr oder weniger.


    Dass Liebe jedes mal aufs Neue unvergleichlich und irre toll ist, hast Du ja schon erlebt. Insofern musst Du dir auch nicht so viele Gedanken darüber machen, wie das nächste mal wird: Unvergleichlich und irre toll. Vielleicht.


    Was ich auch schon festgestellt habe, und das geht wohl jedem/jeder so: Liebe (oder besser Verliebtheit) wird mit der Zeit weniger unvoreingenommen. Man wählt besser aus, man lässt sich weniger schnell ein. Je nach Vorerfahrung können Manche das auch gar nicht mehr. Ich selbst würde mich z.B. eher als jemanden beschreiben, der den emotionalen Rückzug der möglichen Verletzung vorzieht. Mir sagt man dann nach, ich sei kalt, unnahbar, dickköpfig und wenig kompromissbereit. Stimmt auch alles, aber trotzdem fühlt sich Liebe weiterhin unvergleichlich und irre toll an. Ich wähle nur besser aus, wem gegenüber ich so empfinde.


    Und da kommt noch etwas hinzu. Mit den Jahren lernst Du, Gefühle zu kontrollieren. Auch ich als junger (also vor vielleicht zwanzig Jahren) Romantiker hätte dazu gesagt, es sei Quatsch und wer das täte, wäre ein Eisklotz und hätte keine Ahnung von "wahrer" Liebe. Tja, Ätsch, es geht aber doch. Bei Manchen sehr bewusst, bei anderen eher instinktiv. Diejenigen, die selbst im fortgeschrittenen Alter noch "jugendlich verliebt" sind oder sich jedes mal aufs Neue voll reinstürzen...das sind dann eher diejenigen, die nicht lernfähig sind, zumindest bei diesem Thema. Soll heißen, es ist kein Vorteil, ein Leben lang romantisch und idealistisch an dieses Thema heranzugehen, es ist eher eine ständige Retraumatisierung.


    Klingt natürlich alles sehr sachlich. Und zu deinem letzten Absatz: Das Verschieben von Prioritäten verstehe ich bei dir dahingehend, dass Du nicht mehr bei jedem Schmetterling von DER großen Liebe ausgehen willst, sondern weniger verkrampft nimmst, was kommt und nicht mehr ALLES hineinlegst. Und das ist gar nicht schlimm, denn das ist genau das, was ich oben beschrieben habe.

    Zitat

    Ich habe echt das gefühl das Liebe bei mir ein ganz oder garnicht Ding ist,

    Naja, ich brauchte auch viele Anläufe, um wirklich meine Liebe zu finden- und ich hätte sie beinahe gar nicht bewusst wahrgenommen, wenn sie nicht so auf sich aufmerksam gemacht hätte


    Ich kann mir vorstellen, dass man öfter an seiner Liebe vorbeirennt, weil man seine Sinne nicht immer genug wahrnimmt ...

    Zitat

    Ganz untypisch für eine junge Frau

    ...man könnte das ganze natürlich auch weniger sexistisch formulieren und behaupten das es generell untypisch für junge Menschen ist.

    Zitat

    Klingt natürlich alles sehr sachlich. Und zu deinem letzten Absatz: Das Verschieben von Prioritäten verstehe ich bei dir dahingehend, dass Du nicht mehr bei jedem Schmetterling von DER großen Liebe ausgehen willst, sondern weniger verkrampft nimmst, was kommt und nicht mehr ALLES hineinlegst. Und das ist gar nicht schlimm, denn das ist genau das, was ich oben beschrieben habe.

    Das ist nicht ganz was ich gemeint habe. Ich hab durchaus öfters Schmetterlinge, bemerke aber gleichzeitig das diese nur von einer bestimmten Eigenschaft des Menschen ausgelöst werden (nur der Humor den ich attraktiv finde, oft auch einfach das Aussehen oder die Eloquenz) , nicht vom Gesamtbild. Doch bei diesen beiden Männern in die ich bisher verliebt war, hatte ich keinen Anhaltspunkt, es war einfach alles an ihnen das mir imponiert hat. Von ihrer kreativität und Intelligenz bis hin zu den negativen Eigenschaften wie Aufschneidertum/Selbstgefälligkeit oder auch Hoffnungslosigkeit/Unsicherheit. Es schien mir als sei alles an ihnen so eine wunderbare Geschichte und ich sehnte mich nach nichts mehr als mehr von dieser Geschichte zu erfahren.


    In meinen Beziehungen ging ich strategischer ran. Natürlich imponierten mir meine exfreunde in irgendeiner Weise, jedoch nicht in ihrem Gesamtbild. Ich war in teile ihres Charakters verliebt, jedoch nicht in ihre Person.


    Ich würde sogar sagen das es nur mein Ego war das so geschmeichelt war von dieser Liebe zu mir das ich mir kurzzeitig einbilden konnte selber verliebt zu sein.


    Nur diese andere Liebe war so selbstlos, es ging mir nie um mich, nicht um Reaktionen oder ihre Gefühle für mich.


    Ausschließlich um diese andere Person, in all ihrer Schönheit.

    Sensibelman

    Das heißt dass du sie nicht bemerkt hättest, hätte sie dich nicht umworben? Das sie es geschafft hat dich "nachträglich" von sich zu überzeugen, weil du vorher zusehr mit dir selber beschäftigt warst um ihr Potential zu erkennen?


    Und das ihr es geschafft habt dieses anfängliche "Machtgefälle" zu eliminieren?

    Vermischte Gedanken:


    Liebe gibt es auch zwischen Eltern und Kindern oder Geschwistern; es kann auch Liebe zwischen Freunden geben. Man kann auch lieben, ohne von der geliebten Person zurueckgeliebt zu werden. Man kann auch liebevoll leben; das koennte den Wind in den Baeumen einschliessen, eine Gruppe fremder Menschen, die einem zufaellig ueber den Weg laeuft, die Moehre, die man gerade isst.


    Andererseits ist es schwierig, zu lieben, ohne es mit "geliebt werden wollen" und "besitzen wollen" zu verwechseln.


    Ich finde das auch interessant, welchen Stellenwert die Liebe hat, gegeben dass sich so schwer festnageln laesst, was sie eigentlich ist.


    Ich kann mir gut vorstellen, dass Menschen alleine sein koennen und keine Beziehung brauchen. Von den Eltern ungeliebt/ungewollt zu sein, stellt einen im Laufe des Lebens vermutlich vor groessere Probleme als keinen Partner fuer eine Liebesbeziehung zu finden; ein liebender Partner hilft sicherlich mit so einem Hintergrund, aber kann man dann die Liebe ueberhaupt annehmen?


    Es gibt sicherlich Menschen, die wenigstens zeitweise ein groesseres Problem damit haben, Liebe anzunehmen und sich zu oeffnen, also ohne Liebe zu sein.

    Zitat

    Das heißt dass du sie nicht bemerkt hättest, hätte sie dich nicht umworben? Das sie es geschafft hat dich "nachträglich" von sich zu überzeugen, weil du vorher zusehr mit dir selber beschäftigt warst um ihr Potential zu erkennen?

    Naja, das war schon etwas anders. Ich mochte sie sehr gerne, nur glaubte ich nicht daran, dass sie etwas von mir wollte- ich dachte, sie hätte einen Freund und sie war eine sehr schöne Frau, ich sah eher durchschnittlich aus und hatte nicht besonders viel Erfahrungen mit Frauen. Ich war etwas schüchtern und zurückhaltend.


    Nachträglich fiel mir auf, dass ich mich schon recht lange in sie verliebt hatte (aber viel mehr in ihre Art), nur das ich offenbar immer versucht hatte, das zu verdrängen.


    Jedenfalls besuchte ich sie oft und suchte ihre Nähe und kam sehr viel mit ihr ins Gespräch, wir hatten viele gleiche Interessen und Neigungen (wir waren Kommilitonen unterschiedlicher Seminargruppen).


    Irgendwann machte sie mir sehr deutlich, dass sie offenbar deutlich mehr für mich empfand, als nur Freundschaft ... dann nahm ich meine im Unterbewusstsein tief verwurzelte, unterdrückte und schlummernde Liebe schlagartig wahr ... ??Das Liebesgefühl hält jetzt 32 Jahre an und ich finde das wunderschön ... Klingt jetzt vielleicht etwas schmalzig nach Rosamunde Pilcher, ist aber Realität??