Ich wollte dir schon ganz lange schreiben, jetzt mache ich es einfach mal, obwohl Danae im Grunde schon alles wichtige geschrieben hat, was ich dir auch schreiben kann.


    In gewisser Art und Weise kann ich dein Handeln verstehen, weil ich es in Ansätzen von mir selber kenne. Und wie hier auch schon geschrieben wurde, glaube ich auch, dass es an deiner Kindheit liegt.

    Zitat

    Ist ja eine Schutzfunktion und wenn man als Kind den Gedanken bekommt, dass die eigenen Eltern einen nicht lieben, dann kann das im Kinderhirn schon den totalen Notstand auslösen und zum "Schotten dicht" Befehl führen.

    Ich habe öfter gelesen, dass schon kleine Babys seltsam abgeschottet und leer reagieren, wenn sie die Erfahrung machen, dass ihre Bezugsperson (ist in der Regel in dem Alter ja die Mutter) nicht zuverlässig reagiert, es also Angst haben muss zu sterben, weil es keine Nahrung bekommt oder keine Liebe. Dann wird es zwar äußerlich versorgt, aber nicht mit Zuneigung genährt. Vor dieser Todesangst muss es sich schützen. Deine Lücken deuten für mich daraufhin, dass du etwas abspalten musstest, damit du überlebst, was wie gesagt auch rein auf die Psyche bezogen sein kann.


    Kennst du das Konzept vom "inneren Kind"? Das hat mir letztlich geholfen. Der Teil von dir, der immer noch Kind ist, sucht verzweifelt jemanden, der sich kümmert, der es lieb hat, der zuverlässig da ist... Den wirst du aber nie in der Form bekommen wie du ihn benötigst. Alles klammern an andere wird dich also immer wieder in irgendeiner Form an den Punkt bringen, an dem du bist. Sich bedürftig nach außen zu orientieren hilft dir in dieser Logik also nicht, im Gegenteil, die wiederholten Verlusterfahrungen schädigen dich immer weiter.


    Was du aber tun kannst, ist das innere Kind in dir zu heilen und quasi dir selbst gute Eltern zu sein. Das klingt vielleicht erstmal alles etwas verrückt, falls man es vorher nie gehört hat. Aber wie gesagt, mir hat es geholfen, nachhaltig Wunden zu schließen und in gewisser Art und Weise nachzureifen.

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    Kennst du das Konzept vom "inneren Kind"? Das hat mir letztlich geholfen. Der Teil von dir, der immer noch Kind ist, sucht verzweifelt jemanden, der sich kümmert, der es lieb hat, der zuverlässig da ist... Den wirst du aber nie in der Form bekommen wie du ihn benötigst. Alles klammern an andere wird dich also immer wieder in irgendeiner Form an den Punkt bringen, an dem du bist. Sich bedürftig nach außen zu orientieren hilft dir in dieser Logik also nicht, im Gegenteil, die wiederholten Verlusterfahrungen schädigen dich immer weiter.


    Was du aber tun kannst, ist das innere Kind in dir zu heilen und quasi dir selbst gute Eltern zu sein. Das klingt vielleicht erstmal alles etwas verrückt, falls man es vorher nie gehört hat. Aber wie gesagt, mir hat es geholfen, nachhaltig Wunden zu schließen und in gewisser Art und Weise nachzureifen.

    Dicke Zustimmung!


    Wobei ich diesen Zugang zum inneren Kind erst zu einem gewissen Zeitpunkt gefunden habe:


    Ich habe ja selber keine Kinder, bin aber vielfache Tante. Mit der Zeit (und räumlichen Gegebenheiten) habe ich eine enge Bindung zu meinen Nichten und Neffen aufgebaut. Das hat mir einerseits geholfen, wieder die kindliche Sichtweise (und meine vergangenen Verhaltensstrategien) zu verstehen und mich gleichzeitig in die Position des verantwortlichen Erwachsenen gehoben. Der Gedanke kommt mir spontan zum ersten Mal: Vielleicht habe ich durch die Kleinen ja das Eltern-Sein eingeübt? So, dass ich dann auch für mein inneres Kind überhaupt die Voraussetzungen des Sorgens und Hütens übernehmen konnte?


    Als zweiter Aha-Moment: Ich habe mein Kinderalbum durchgeblättert und bin an einem zuckersüßen Bild einer Dreijährigen hängen geblieben. Diese Dreijährige war zwar ich, aber ich habe gleichzeitig den Distanz-Spagat geschafft und mir gedacht: "Dieses kleine Mädchen, das muss ich beschützen. Das ist so unbeschwert und niedlich und wehrlos."


    Dieser optische Eindruck und die Selbst-Distanzierung hat mir dann den Weg dazu geöffnet, dieses Kind zu umarmen, zu halten, zu trösten. Weil es eben kein dreijähriges Kind verdient, Gewalt oder Überforderung in jeglicher Richtung zu erleben. Das ist jetzt vielleicht ziemlich konfus, und ich bin mir nicht sicher, ob man den zweiten Punkt inhaltlich versteht, aber besser kann ich es leider nicht ausdrücken. |-o

    Zitat

    Das ist ja keine Sache von ein paar Sitzungen, dh das wird nichts vor meiner Entlassung. Also muss ich da zwangsläufig wieder durch, aber kann hoffen, dass es beim nächsten Abschied, wenn ich da weiter arbeite, schon nicht mehr der Fall sein wird?

    Ja. Also, es wird dann schon ziehen, weh tun, je nachdem wie gern du die Leute hast, aber es ist nicht so riesig und verzehrend. Das Bewusstsein für die Endlichkeit ist ein ganz wichtiger Schritt. Überhaupt hast du riesen Schritte gemacht, in der Klinik. Du hast ganz viel Grundlagen dafür gelegt mal eine Beziehung zu führen, eine Leben in relativem Frieden mit dir selbst zu führen, weil du die Basis gelegt hast, um den ganzen dreckigen Rest zu bearbeiten.


    Und wenn es weh tut, vielleicht kannst du dir das vor Augen halten. War er da nicht wert, also all diese Schritte?

    Ja, es wird weh tun, aber mich zieht es auch so nach draußen!


    Hier ist ja jetzt auch noch viel schief gegangen am Ende und vielleicht ist das nicht schlecht, zumindest für den Abschiedsprozess, weil ich in gewissen Punkten so genervt bin und spüre, dass ich raus muss.


    Würde ich noch so bei meinen Leuten sein können, dann würde es mir viel schwerer fallen...


    Mich tröstet der Gedanke, dass ich ja irgendwann nochmal wieder kommen kann, dann wirklich zur Traumatherapie. Mir sagen manche, dass ich vielleicht dazu nochmal in eine andere Klinik, speziell dazu soll, aber ich glaube, wenn ich die Traumastabilisierungsübungen kann, dann reicht der Rahmen dort aus?


    Und vielleicht arbeiten dann ja immernoch die Menschen da, die mir gerade so wichtig sind.


    Ich bin viel weiter als vor der Klinik, das stimmt und vielleicht kann das den Schmerz wirklich aufwiegen, aber, ich glaube, ich bin noch nicht am Ende?

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    Ich bin viel weiter als vor der Klinik, das stimmt und vielleicht kann das den Schmerz wirklich aufwiegen, aber, ich glaube, ich bin noch nicht am Ende?

    Neee, aber du hast die Grundlegen gelegt. Du kannst reden, auch wenn es noch schwer fällt und damit hast du erstmal die Chance in Kontakt zu treten und nicht mehr alleine in deinem eigenen Sud zu köcheln. Wenn sich das festigt, dann hast du eine ganz andere Arbeitsbasis.

    Ich habe bei meiner bevorstehenden Entlassung aus der (geschützt - seligen) Psychiatrie zwei Tage geweint. Geweint, geweint, geweint.


    Aber ich wusste - so ähnlich wie du - dass ich wieder raus ins Leben muss.


    Vielleicht sind das bei dir so ähnliche Emotionen? ???


    Einerseits das Wissen, dass man selber verantwortlich und erwachsen ist, andererseits das Gefühl des verlassenen Kindes; das der '"'Familie" entrissen wird?

    Ja, irgendwie schon.


    Ich bin gerade am Diskutieren, dass ich nächste Woche schon gehe. Klar, einerseits Abschiedsvermeidung, aber andererseits auch einfach aus organisatorischen Gründen, weil ich dann noch in die Uni gehen kann und sogar zwei Veranstaltungen besuchen kann!


    Mit mir passiert hier auch nichts mehr, mich zieht es so raus!

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    Abschiedsvermeidung

    Was genau meinst du denn damit? Wenn es für dich gute Gründe gibt und du meinst, dass da aktuell ganz sicher nicht mehr viel gehen wird, finde ich es vollkommen legitim, eine Woche früher zu gehen. Tschüss sagen wirst du doch so oder so, oder nicht? ;-)

    Naja, man sagt eben, dass die letzte Zeit in der Klinik die Abschiedsphase ist und man alles zusammenträgt für sich, sich langsam loslöst, usw. und das würde sich bei mir ganz arg verkürzen, aber ich stecke ja schon ziemlich lange in dieser Phase eigentlich und sehe da weniger Probleme.


    Ich hab jetzt eine Nacht drüber geschlafen und ich bin immer mehr dafür, dass ich jetzt gehen will.


    Das wäre einfach so perfekt mit der Uni, dass ich dieses Semester doch noch was abschließen kann und die eine Woche will ich nicht auch noch verpassen, zumal das dann eben schwer werden würde damit, die Veranstaltung gut machen zu können, weil ich direkt eine Deadline für eine Aufgabe verpassen würde.

    So! Diesmal wurde ich nicht verlassen, sondern habe es selbst getan und ich weiß nicht, wie es sich anfühlt. Noch ziemlich surreal, aber ich weiß, dass ich die Menschen, die ich jetzt zurückgelassen habe vermissen und teilweise nie wieder sehen werde und das tut weh.


    Das wird in den nächsten Tagen aber kommen.


    Ich habe aber für eine ganz wichtige Person in der Klinik noch ein Geschenk, was ich per Post schicke.


    Ich habe Angst vor dem Moment, indem ich die reale Angst wirklich realisiere. Darauf konnte man mich einfach nicht vorbereiten.


    Ich darf mich immerhin noch manchmal telefonisch melden...

    Warte doch erstmal ab. Vielleicht bist du am Ende nur traurig, ohne Angst, jedenfalls wenn du dich nun icht schon wie ein Kaninchen auf die Angst fixierst. ;-) Vielleicht mischt sich sogar etwas stolz mit rein und das Gefühl selbstbestimmt und stark gewesen zu sein. ;-)

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    So! Diesmal wurde ich nicht verlassen, sondern habe es selbst getan

    Herzlichen Glückwunsch :)^

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    Ich habe Angst vor dem Moment, indem ich die reale Angst wirklich realisiere

    Nein, diese Angst ist nicht real. Sie entspringt deiner Neurose. Diese Angst ist zutiefst irreal. Weil diese Angst nicht wählt. Sondern jeden, der ansatzweise in das neurotische Schema passt mit ins Boot holt.


    Es sind nur wenigen Menschen mit denen man tatsächliche eine tiefe Bindung hat. und bei diesen wäre eine Angst sie zu verlieren berechtigt. Aber soweit ich gelesen habe vermeidest du diese tiefen Bindungen und kannst Beziehung nur auf Abstand leben.

    Hm, nein...


    Ich habe schon tiefe Bindungen. Es geht speziell um die Therapeuten-Patienten-Bindung (meistens, aber immer mir helfende Menschen, denen ich meine dunkelsten Gedanken anvertraue) und die ist ja schon tief?

    ich denke auch die Angst ist in jedem Fall real, nur dem Anlass vielleicht nicht immer angemessen. Das liegt aber eventuell eher daran das schon die Art der Bindung nicht ganz den Gegebenheiten und Umständen entspricht.

    hm, eine tiefe Bindung zum Therapeuten. .. Der Therapeut schafft einen "künstlichen" Raum , in diesen Raum kann man authentisch sein. Im normalen Leben ist das nicht immer möglich. Ich würde bei Therapeuten nicht von tiefen Bindungen sprechen nur bei Menschen die ich liebe oder bei Familie bzw. sehr emotionalen Bindungen. Bei Therapeuten sehe ich ehr eine Beziehung.


    - Kann Haarspalterei meinerseits sein. -


    Dennoch wäre genau das die Übertragung- zu tiefe Bindung an einen nicht dafür geeigneten Menschen und die Angst verlassen zu werden. Diese Angst war einmal real, jetzt ist sie eine Wiederholung .