• Dominante Männer

    Es gibt da eine Frage, die mich in letzter Zeit ziemlich beschäftigt: Fühlen sich alle Frauen zu dominanten oder sogar machohaften Männern hingezogen? Ich kenne eine Frau, die von sich selber sagt, dass sie einen Macho braucht und dabei auf eine bestimmte Person verweist. Dieser Mann sei ihr jedoch zu machohaft, während alle anderen Männer zu lieb…
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    Ein König kann herrschen, ohne zu beherschen. Sprich er kann eine Autorität sein, ohne autoritär zu sein.


    Und dafür muss er oder sie nicht König sein. Er kann ein erbärmliches Würstchen sein und zB seine Kinder zwingen sich so zu verhalten wie er es will.

    Das finde ich widersprüchlich – ein Würstchen ist keine Autorität. Ein Würstchen, dass irgendjemand mit Gewalt zu etwas zwingt, ist immer noch ein Würstchen, aber vielleicht ein gefährliches. Eine Autorität hat Macht – diese kann sie einsetzen, aber ich sehe da einen Unterschied zu Gewalt und Zwang.


    Heute gibt es keine Könige mehr – wer einer sein möchte, kann sich nicht auf seine Krone und sein Blut berufen. Natürlich ist es eine "Abmachung" zwischen Menschen. Wenn der ungekrönte König von seinen Untertanen nur gähnend abgewunken wird, dann kann er nichts dagegen tun. Und da trennt sich eben der Möchtegern vom echten Alphatier ;-) Es gibt zweifelsohne Menschen, die (scheinbar?) ohne besonderes Zutun ihrerseits in beliebigen Menschengruppe immer wieder als dominante Spezies ausgemacht werden und die sich durchsetzen können, oder von der anderen Seite ausgedrückt: denen andere sich unterordnen. Ohne Zwang – das ist ja der definierende Faktor. Zwingen kann jeder – einfach sein nur die wenigen Glücklichen.

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    Ohne Zwang – das ist ja der definierende Faktor.

    Ich denke, in dem Fall würde ich nicht mehr von Dominanz sprechen. Eine dominante Person hat etwas, womit sie Zwang ausüben kann, auch wenn sie das nicht notwendigerweise tut.

    Der "gute Koenig" ist eine Maerchenfigur. Ein echter Demokrat rebelliert gegen jeden Koenig, und ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemals einen Koenig gegeben haette, der aufgrund natuerlicher Autoritaet von allen akzeptiert worden waere. Allenfalls weil man ihn fuer gottgegeben gehalten haette, und Gott/den Goettern die Autoritaet zusprach, die man dem Koenig als Mensch nicht eingeraeumt haette.


    Und so ist es auch mit Leuten, denen man "Dominanz" als Natur oder Charakterzug zuspricht, denke ich. Es wird immer welche geben, die dagegen trotzdem rebellieren (was einen zutiefst demokratischen Zug hat), fuer die "natuerliche Autoritaet" nicht zaehlt oder nicht wirkt, und bei denen, die sich vor der Autoritaet verbeugen, wird man nicht bloss Anerkennung fuer "wahre Dominanz" finden, sondern auch den ganz persoenlichen Willen, regiert zu werden.

    @ Lancis

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    Ich denke, in dem Fall würde ich nicht mehr von Dominanz sprechen.

    Wie würdest Du es nennen?

    @ Lewian

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    ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemals einen Koenig gegeben haette, der aufgrund natuerlicher Autoritaet von allen akzeptiert worden waere.

    Könige wurden ja auch gekrönt, ohne Rücksicht auf tatsächliche Eignung. Und ja, irgendwelche Querschläger gibt es natürlich immer. :-P Meine natürliche Meinungsdominanz wird hier ja auch permanent ignoriert! :°(


    Aber hast Du das noch nie erlebt – diese Menschen, auf die sich ganz automatisch und fast unmerklich alle Augen richten, sobald eine Entscheidung ansteht? Ohne, dass sie vorher jedem irgendwann einma Prügel angedroht hätten.


    (Ich persönlich finde Menschen, die tatsächlich etwas haben, womit sie Zwang ausüben könnten und dieses auch genau wissen, ja sehr reizvoll, um mal annäherend auf die Ausgangsfrage einzugehen. Ich mag die Ruhe, die der großer Hunde gleicht: weil sie wissen, dass sie jedem mit wenig Mühe den Kopf abbeißen können, machen sie sich gar nicht die Mühe, sich über irgendetwas besonders aufzuregen. Tatsächliche gelegentliche Enthauptungen sind für mich dazu das Salz in der Suppe. ;-D )

    a.fish

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    Aber hast Du das noch nie erlebt – diese Menschen, auf die sich ganz automatisch und fast unmerklich alle Augen richten, sobald eine Entscheidung ansteht? Ohne, dass sie vorher jedem irgendwann einma Prügel angedroht hätten.

    Ich denke, du romantisierst. Ich bin in solchen Situationen eher antiromantisch veranlagt (was natuerlich impliziert, dass ich weiss, wovon du sprichst ;-)). Ich frage: Sind es wirklich alle Augen oder finde ich welche, fuer die dies nicht gilt? Meistens gelingt mir das (selbst abgesehen von meinen eigenen 8-) ). Und ich stelle in Frage, wenn mir auffaellt, dass es kein anderer tut und ich einen Sinn darin sehe, zu pruefen statt ungeprueft zu fressen. Und ich frage mich, wie dieses Phaenomen sozial funktioniert anstatt irgendeine "Natur" dahinter zu sehen. D.h. wie stellt der Dominante im Zusammenspiel mit den Dominierten die Dominanz her. Und gerne auch: Wie kann ich das hintertreiben. Denn wie gesagt, um mitzuspielen braucht man den Wunsch, regiert zu werden, und daran mangelt es mir ganz entschieden.

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    Wie würdest Du es nennen?

    Mir fällt dafür kein spezielles Wort ein. Wenn ich an Dominanz denke, dann denke ich eher an dein Beispiel von den Hunden. Ich würde sagen, die geläufigsten Arten von Daumenschrauben sind:


    "Ich brauche dich nicht so sehr, wie du mich brauchst."


    "Ich fürchte dich nicht so sehr, wie du mich fürchtest."


    "Du bist mir nicht so wichtig, wie ich dir wichtig bin.


    Dominante Personen zeigen diese Haltungen meiner Beobachtung nach besonders oft, ab und zu zeigen sie die meisten Menschen. Ob das nun immer stimmen mag, ist eine andere Frage, aber erfahrungsgemäß erzeugt diese Haltung ein Machtgefälle – wenn der andere innerlich diesen Aussagen zustimmt. In kleineren Gruppen mag das durchaus einstimmig so sein.

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    Ich denke, du romantisierst.

    Ausgeschlossen! Naja, vielleicht nicht gänzlich ausgeschlossen...

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    Und ich frage mich, wie dieses Phaenomen sozial funktioniert anstatt irgendeine "Natur" dahinter zu sehen. D.h. wie stellt der Dominante im Zusammenspiel mit den Dominierten die Dominanz her.

    Das frage ich mich auch. Ich finde aber keine besonders guten Antworten, außer: "Die/die hat es einfach." Selbstbewusstsein spielt sicher eine große Rolle, aber ich kenne genug Menschen, die ich als selbstbewusst einschätzen würde, die aber einfach nicht diese "Präsenz" haben. Es gibt auf jeden Fall irgendeine "Abmachung", die die Menschen intuitiv untereinander treffen, wie sie sich gegenseitig zu behandeln haben. Diese "Codes" und Mechanismen zu erkennen und zu begreifen bereiten mir ja sowieso etwas Mühe und da bildet auch dieser Fall keine Ausnahme.

    Zitat

    Denn wie gesagt, um mitzuspielen braucht man den Wunsch, regiert zu werden, und daran mangelt es mir ganz entschieden.

    :-)


    Ich würde ja gerne sagen, mir auch, aber das wäre glatt gelogen. ;-D Es muss der richtige Regent daherkommen und a.fish steht stramm. Mit Vergnügen. |-o

    Zitat

    Denn wie gesagt, um mitzuspielen braucht man den Wunsch, regiert zu werden, und daran mangelt es mir ganz entschieden.

    Wenn man es genau nimmt, wird jeder von uns irgendwie reagiert. In unserer Gemeinschaft vom Staat bzw. deren politischen Vertretern, im Arbeitsleben von Vorgesetzten oder ist man selbstständig, dann eben von der Bürokratie, etc.


    Jeder sozialkompatible Mensch muss in der Lage sein sich situationsgemäß unterordnen zu können. ;-)

    a.fish

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    Das frage ich mich auch. Ich finde aber keine besonders guten Antworten, außer: "Die/die hat es einfach." Selbstbewusstsein spielt sicher eine große Rolle, aber ich kenne genug Menschen, die ich als selbstbewusst einschätzen würde, die aber einfach nicht diese "Präsenz" haben. Es gibt auf jeden Fall irgendeine "Abmachung", die die Menschen intuitiv untereinander treffen, wie sie sich gegenseitig zu behandeln haben.

    Wenn es an einem Ort einen gibt, der herrschen will, und n-1, die beherrscht werden wollen, stellt sich Dominanz ganz rational und nachvollziehbar im Sinne aller her (es sei denn, man stellt sich spektakulaer dilettantisch an). Man mag das fuer intuitiv und mysterioes halten, aber es sollte kaum ueberraschend sein.


    Ein paar "Unentschiedene" schaden auch nicht, die macht der Gruppenprozess reacht einfach platt.


    Wenn es mehrere gibt, die entschieden herrschen wollen, oder so Troublemaker wie mich, wird's schon schwieriger. Es laesst sich aber immer noch ganz gut verstehen. Die beste Methode, die der Moechtegern-Herrscher hat, um z.B. mit Leuten wie mir umzugehen, ist, daran zu appellieren, dass die anderen lieber beherrscht werden wollen, als Trouble zu haben. Ob das funktioniert, ist eine Frage von Mehrheitsverhaeltnissen. Meistens geht's, denn viele Leute wollen gefuehrt werden, und wenige moegen Trouble (und ich bin, weil Demokrat, ein recht zahmer Troublemaker).


    Mehrere Herrschwillige (zu denen ich wiederum normalerweise nicht gehoere), sind frelich noch schwieriger. Dann wird's gerne mal wirklich unschoen. Woran du auch erkennst, dass es "natuerliche Praesenz" nicht tut, wenn die Gruppe die Disposition bietet, jemanden mit einem solchen Anspruch durchzukommen zu lassen.


    Tabris

    Zitat

    Wenn man es genau nimmt, wird jeder von uns irgendwie reagiert. In unserer Gemeinschaft vom Staat bzw. deren politischen Vertretern, im Arbeitsleben von Vorgesetzten oder ist man selbstständig, dann eben von der Bürokratie, etc.


    Jeder sozialkompatible Mensch muss in der Lage sein sich situationsgemäß unterordnen zu können.

    Wenn ich einen Koenig akzeptiere, mache ich ihn damit zum Koenig von meinen Gnaden. Damit laesst sich leben. ;-)

    Zitat

    Woran du auch erkennst, dass es "natuerliche Praesenz" nicht tut, wenn die Gruppe die Disposition bietet, jemanden mit einem solchen Anspruch durchzukommen zu lassen.

    Da fehlt ein weiteres "nicht". Doppelte Verneinungen, nicht bloss zu schwer zum Verstehen, auch zu schwer zum selber Formulieren. {:(

    Nachtrag: Ich sollte vielleicht hinzufügen, dass ich damit emotionale Daumenschrauben meine. Ein Polizist, der einen Demonstranten verdrischt, hat zwar die Überhand, aber ein emotionales Machtgefälle dürfte sich dabei trotzdem eher selten einstellen.

    Zitat

    Wenn ich einen Koenig akzeptiere, mache ich ihn damit zum Koenig von meinen Gnaden. Damit laesst sich leben.

    Was Anderes geht auch nicht. Was mit einem "König" passiert, der vom Volk irgendwann nicht mehr als solcher akzeptiert wird, sah man ja jetzt wunderbar in Nordafrika der letzten Monate. :)z

    Tabris


    In deiner Darstellung erscheint "das Volk" als homogene Masse. Dieses Detail akzeptiere ich nicht. (Siehe oben.)

    Ok, dann eben ein zusammengewürfelter Haufen von Individuen diverser Ansichten, von denen einige (offensichtliche Mehrheit) für einen Putsch waren, einige dagegen, einigen war es egal und einige nahmen was von allem bei sich auf. Besser? :-p