• Dominante Männer

    Es gibt da eine Frage, die mich in letzter Zeit ziemlich beschäftigt: Fühlen sich alle Frauen zu dominanten oder sogar machohaften Männern hingezogen? Ich kenne eine Frau, die von sich selber sagt, dass sie einen Macho braucht und dabei auf eine bestimmte Person verweist. Dieser Mann sei ihr jedoch zu machohaft, während alle anderen Männer zu lieb…
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    Zuckerbrot und Peitsche [...]


    bist du für mich, ist es gut für dich, bist du gegen mich, ist es schlecht für dich – mir aber eigentlich auch egal.

    Ja, Lancis hat die üblichen "Werkzeuge" auch schon mal treffend formuliert:

    Zitat

    "Ich brauche dich nicht so sehr, wie du mich brauchst."


    "Ich fürchte dich nicht so sehr, wie du mich fürchtest."


    "Du bist mir nicht so wichtig, wie ich dir wichtig bin.

    Ich denke, mit diesem Handwerkszeug kann man so gut wie jeden Menschen in gewissem Rahmen gefügig machen (egal, ob man sie bewusst oder unbewusst einsetzt) – immer stärker und leichter, je enger die Beziehung ist. Denn je enger die Beziehung, desto schwieriger und eigentlich ja auch unerwünschter wird es, emotionale Distanz aufzubauen.


    Natürlich kann man einwenden, dass das unfein ist und man das nicht macht – aber über Moral reden wir ja gerade nicht. ;-)

    Zitat

    Je kleiner und informeller eine Gruppe ist, desto sinnloser erscheint mir Dominanz.

    "Sinnlos" erscheint mir in diesem Zusammenhang ein merkwürdiges Wort zu sein. Ich glaube ja -weiterhin- dass es Menschen gibt, die o.g. einfach ausdünsten, mit ihrer ganz persönlichen Art und charakterlichen Ausprägung. Für diese stellt sich keine Sinnfrage – die erleben und machen das einfach so, je nach dem, ob und wie stark sie über sich selbst nachdenken, bewusst oder unbewusst.


    Wer diese Werkzeuge bewusst einsetzt, wird das situations- und beziehungsabhängig tun (hier: egal, ob er sowieso die charakterliche Disposition dazu hat oder nicht. Der Mensch ist ja keine programmierte Maschine, sondern verfügt in jeder sozialen Situation über verschiedene Verhaltenschemata). Aber ob dahinter ein klar abgestecktes Ziel steht.. nun, wahrscheinlich das übliche Ziel, nämlich, dass alles irgendwie so läuft, wie man es gerne hätte und am besten noch von einem selber kontrolliert.


    Ich hatte mal eine Stelle als Wortführer einer kleinere sozialen Gruppe inne. Das war ganz interessant. Und hatte sicher nichts mit meinem unerschöpflichen Vorrat an "natürlicher Dominanz" zu tun. ;-D Aber ich denke, ich habe ungeplant einiges von dem o.g. "angewandt".


    Ich hatte während des Studiums eine ganze Menge mit mir selbst zu tun und war dementsprechend wenig in der Lage, stabile Beziehungen nach Außen aufzubauen. Komischerweise hat diese Haltung (mal nett und offen sein, mal schroff und abweisend, insgesamt zurückgezogen) nicht zur Isolation geführt, sondern dazu, dass sich ein ganzer Haufen Leute um mich geschaart hat, die ganz wild auf meine Aufmerksamkeit waren. ":/ Damit meine ich nicht, dass die mich alle mochten – aber meine Meinung hatte plötzlich ein Gewicht. Meine Art, Konflikten aus dem Weg zu gehen, wurde als unbeeindruckte Unnahbarkeit missverstanden. Meine Menschenscheu mit einer Art elitären Auswahlverfahren, wer meine Gesellschaft genießen durfte, verwechselt. Meiner Schweigsamkeit wurde irgendetwas Bedeutsames angedichtet.


    Bei einigen hat es mich nicht gewundert. Das waren Menschen mit unsicherem sozialen Stand (also solche wie ich), die sich gern an jemanden hängen. Andere waren zwar anderswo ebenfalls wortführend, bei genauerer Betrachtung aber noch wenig gefestigt und haben in mir irgendetwas gesehen. Aber andere, genauer gesagt zwei, das habe ich nicht verstanden. Das waren populäre, selbstsichere Persönlichkeiten – und dennoch konnte ich ihnen praktisch aufdiktieren, was ich wollte (nicht so plump, aber eben doch). Ich kam mir zeitweise vor wie so eine Art Graue Eminenz. ;-D Nie an der Front vertreten, aber hintenrum die Entscheidungen bestimmen. Abgefahren.


    Naja, letztendlich war das aber für mich vor allem Stress. Ich musste ja ständig Angst vor der Guillotine haben. Das ist bestimmt ein Unterschied zu Menschen, denen so ein Verhalten in der Natur liegt.


    Und ich denke, es hat auch nur funktioniert, weil mir diese Menschen wirklich nicht viel bedeutet haben – was schade war, denn einige mochte ich und hätte es gerne gehabt, dass sie mir mehr bedeuten, aber es ging nicht. Wirklich nahe habe ich mich keinem davon gefühlt. Und auch das sehe ich als Unterschied zu echten Könnern – die nämlich solche Verhaltensweisen auch bei Menschen zeigen (können), die ihnen wirklich nahe stehen und etwas oder auch viel bedeuten.

    a.fish


    Vielleicht hattest du den Leuten aber auch bloss den Umstand voraus, dass du eine Meinung ueberhaupt hattest.


    Ich bin mal in einer Gruppe in eine sehr dominierende Position geraten, indem ich den Leuten einfach glaubhaft gemacht habe (und zwar realistischerweise), dass, wenn man nicht meinen Vorschlaegen folgt, ich anfangen werde, zu diskutieren. Und da den Leuten wichtiger war, dass irgendwas ohne Diskussion gemacht wird als das, was sie angeblich selber wollten, wurde halt gemacht, was ich wollte. (Das war mir gar nicht so lieb; ich haette lieber eine Diskussion gehabt, um meine Vorschlaege noch besser "abzuklopfen", aber bitte...)


    Ich denke, es ist einfach so, dass ueberraschend viele Leute recht haeufig dominiert werden wollen, und das ist natuerlich der beste Naehrboden fuer Dominanz. Und manchmal geraet man schwuppdiwupp da rein, bloss weil man der einzige ist, der nicht genau weiss, dass er nicht dominieren will.

    Zitat

    Ich kam mir zeitweise vor wie so eine Art Graue Eminenz. ;-D Nie an der Front vertreten, aber hintenrum die Entscheidungen bestimmen. Abgefahren.

    ;-D


    Ich hab auch mal aus Versehen für einen Abend einen kleinen Hofstaat geleitet. Ich war mit einer Reisegruppe in Russland und wir waren abends auf einer öffentlichen Feier, wo sich erstmal irgendwie alle ziemlich gelangweilt haben. Aus purer Langeweile hab ich mich allein zu ein paar fremden Russen an den Tisch gesetzt und angefangen, mit denen zu plaudern. Nach und nach kamen die anderen aus der Reisegruppe auch und setzten sich dazu. Plötzlich war ich der Wortführer der ganzen Crew, der den Russen die Welt erklären muss, die sich hinter deutschen Exportschlagern von Gina Wild bis Weißbier verbirgt, obwohl ich mich nicht mal bemüht habe, kulturell bewandert zu wirken ;-) Und die anderen aus der Reisgruppe, die zum Thema teilweise deutlich mehr zu sagen gehabt hätten, haben, wenn überhaupt, mir vorgeschlagen, dochmal dieses und jenes zu erzählen oder zu fragen. Abgefahren. Gruselig. Vom Thema keine Ahnung, aber der Hofstaat liefert noch die richtigen Informationen, um als Sprachrohr für deutsche Kultur durchzugehen ]:D

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    "Sinnlos" erscheint mir in diesem Zusammenhang ein merkwürdiges Wort zu sein. Ich glaube ja -weiterhin- dass es Menschen gibt, die o.g. einfach ausdünsten, mit ihrer ganz persönlichen Art und charakterlichen Ausprägung.

    Wer dominiert, hängt ja immer von dem betrachteten Personenkreis ab. Ein Mensch mit anscheinend dominanten Eigenschaften wirkt im falschen Umfeld wie ein deplazierter Kleinstadtgangster, der nichts zu sagen hat. Offenbar ist es also möglich, die Dominanz mal an den Nagel zu hängen und mal eben nicht. Vielleicht rauft sich der Möchtegern-Dominante in dieser Situation die Haare, aber zur Not kann der sich ja immer noch an Amnesty International wenden ":/


    Das Wort dominant schließt für mich jedenfalls schon aus, dass sich noch herausstellen müsste, ob sich das Umfeld dominieren lässt, denn diese Unsicherheit ist ja bereits ein Einknicken vor der Umwelt, das sich schlecht mit der Dominanz verträgt. Dominant ist, wer gerade dominiert ;-)

    @ Lewian

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    Vielleicht hattest du den Leuten aber auch bloss den Umstand voraus, dass du eine Meinung ueberhaupt hattest.

    Mag sein. Oder es lag wirklich daran, dass sie mir ganz ehrlich relativ egal waren, ich ihnen aber nicht. Das erscheint mir die effektivste Art zu sein, jemanden zu bestimmen.

    Zitat

    Ich bin mal in einer Gruppe in eine sehr dominierende Position geraten, indem ich den Leuten einfach glaubhaft gemacht habe (und zwar realistischerweise), dass, wenn man nicht meinen Vorschlaegen folgt, ich anfangen werde, zu diskutieren.

    ;-D Entschuldige.. das ist aber auch eine üble Drohung! Manchmal kann ich Menschen zwingen, indem ich androhe, sollte man mir nicht gehorchen, ich anfangen werde zu singen – ist das so ähnlich? ;-D

    @ Außendienst

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    Ich hab auch mal aus Versehen für einen Abend einen kleinen Hofstaat geleitet.

    ;-D Sehr schöne Geschichte.

    Zitat

    Das Wort dominant schließt für mich jedenfalls schon aus, dass sich noch herausstellen müsste, ob sich das Umfeld dominieren lässt, denn diese Unsicherheit ist ja bereits ein Einknicken vor der Umwelt, das sich schlecht mit der Dominanz verträgt.

    Ja, das stimmt schon irgendwie. Lewian hat sowas ja auch schon mal über "Alphas" geschrieben: wenn sich jemand fragt, wie man jemand werden kann, der sich nicht fragt, wie er besser sein sollte.. dann stößt man da auf eine gewisse Paradoxie.

    Jetzt dominieren hier die Leute, die lange Artikel schreiben.


    Dafür dominiert jetzt nicht mehr die vermeintliche Begriffsstutzigkeit. Eine Waffe der Dominanz, der ich mich wehrlos ausgesetzt fühlte. Was kann ich machen, um mich nicht davon dominieren zu lassen?

    @ Lewian

    Sinnlose Endlosdiskussionen sind auch eine tolle Waffe für dominante Menschen. Echt klug, dass sie sie Dir nicht in die Hand gegeben haben.

    @ a.fish

    (off topic)


    Wie ist Dir diese Geschlechtsumwandlung gelungen? Ich finde es wirklich interessant, hier im Forum ein Geschlecht zu haben, das es im normalen Leben nicht gibt (ohne Angabe).


    (on topic)

    Zitat

    Wie ist Dir diese Geschlechtsumwandlung gelungen?

    DocSchüller macht auch Geschlechtsumwandlungen.

    Zitat

    Ich finde es wirklich interessant, hier im Forum ein Geschlecht zu haben, das es im normalen Leben nicht gibt (ohne Angabe).

    Ja, leider! Umso schöner, dass man es hier haben kann.

    mond+sterne

    Zitat

    Sinnlose Endlosdiskussionen sind auch eine tolle Waffe für dominante Menschen. Echt klug, dass sie sie Dir nicht in die Hand gegeben haben.

    Du und a.fish haben oberflaechlich gesehen sehr aehnlich auf diese Geschichte reagiert, aber bei Licht betrachtet sehr unterschiedlich. a.fishs Antwort war witzig, deiner enthaelt eine ueberfluessig Unterstellung, an der ich keine Ironie finden kann. Es sollte eigentlich klar sein, dass wenn es unterschiedliche Meinungen gibt und man sich irgendwie einigen muss, man dann vielleicht mal Argumente und Standpunkte austauschen sollte (=diskutieren), um zu sehen, ob man sich nicht einigen kann. Dass das dann notwendigerweise eine "ueberfluessige Endlosdiskussion" wird, entspringt deiner Fantasie.

    @ Lewian

    Zitat

    Du und a.fish haben oberflaechlich gesehen sehr aehnlich auf diese Geschichte reagiert, aber bei Licht betrachtet sehr unterschiedlich.

    Wir haben beide etwas humorvoll auf Deine Geschichte reagiert. Inhaltlich haben wir sehr unterschiedlich auf Deine Geschichte reagiert. Mein Humor gefällt Dir nicht. Das ist Deine Sache. Wie ist Deine Haltung zum Inhalt meines Beitrags?

    Zitat

    deiner enthaelt eine ueberfluessig Unterstellung

    Ich habe Dir nichts unterstellt. Das ist ein Missverständnis.

    Zitat

    Dass das dann notwendigerweise eine "ueberfluessige Endlosdiskussion" wird, ...

    habe ich nicht behauptet. Natürlich ist es nicht so.

    mond +sterne

    In meinem Gehirn bist Du noch unergruendlich, aber, komme ich zum Ende des Denkens, gefaellst Du mir.

    @ Lewian

    Zitat

    Sorry, ich war wohl grad schlecht gelaunt...

    Die Missverständnisse sind ja nachvollziehbar. Von daher, sorry gleichfalls.

    @ eichoernchen

    Du bist mir ebenso unergründlich. Aber ich denk da lieber nicht drüber nach. :-/ ??? ;-D