Ehefrau möchte Polygam (Polyamorie) leben

    Hallo liebes Forum


    Befinde mich aktuell in einer verzwickten Lage.

    Hoffe jemand hat Erfahrung oder kann mir einen guten Tipp geben.


    Kurze Info über uns:

    Ich 33 und meine Frau 30, gemeinsames Kind (1).

    Zusammen seit 13 Jahren, verheiratet seit 2.5 Jahren.


    Vor ca. 2 Jahren hat meine Frau einen Mann kennengelernt, den Sie sehr interessant fand während der Schwangerschaft. Ich hatte zu dieser Zeit eine schwere Entzündung der Blase und Harnröhre und musste mich damit fast ein Jahr, also während der gesamten Schwangerschaft rumschlagen. Sex war in dieser Zeit nicht möglich, habe mich Emotional distanziert und geschämt. Während dieser Zeit wurde von Ihr erstmals das Thema Polyamorie angesprochen.


    Nun ca. 2 Jahre später (und vielen Gesprächen) haben wir uns im Dezember letzten Jahres dazu entschlossen, es zu versuchen. Da ich meine Frau sehr liebe und ihr nur das Beste wünsche, möchte ich sie in ihrer Entwicklung nicht stören. Eine Trennung kommt aktuell für beide nicht in Frage. Das Kind soll dabei immer im Mittelpunkt stehen.


    Nun war Sie ein Wochenende lang bei dem besagten Mann zu besuch und hatte zweimal GV. Ich war zu dieser Zeit alleine mit dem Kind zuhause. Obwohl ich damit gerechnet hatte, bin ich am Boden zerstört.

    Habe mit Ihr über das Thema gesprochen, für sie kommt ein Zurück in die Monogamie nicht mehr in Frage. Sie meint, dass sie mich sehr liebt und nicht verlieren will. Ich selbst sehe natürlich auch meine Vorteile darin, da ich jetzt auch 13 Jahre monogam gelebt habe.


    Der Schmerz ist nicht mehr so stark wie vor einigen Tagen und wir können sehr gut darüber reden. Sollte ich auch mal versuchen meine Erfahrungen zu machen (halt sehr dummer Zeitpunkt mit COVID) und sie einfach machen lassen, oder mich halt scheiden lassen?


    Habe mich mit dem Gedanken dazu entschlossen die Beziehung zu öffnen, dass ich es Emotional wegstecken kann und mich für sie freuen kann, was ich auch bis zu einem gewissen Grad tue, jedoch fällt es mir sehr sehr schwer.


    Ich weiss leider nicht mehr weiter %:|

    Vielen Dank fürs lesen und liebe Grüsse

  • 112 Antworten
    PoopdeckPete schrieb:

    Nun war Sie ein Wochenende lang bei dem besagten Mann zu besuch und hatte zweimal GV.

    Habt ihr euch vorher darüber nicht unterhalten, ob du das wissen wollen würdest oder lieber nicht? Habt ihr denn nun wieder GV?

    PoopdeckPete schrieb:

    oder mich halt scheiden lassen?

    Hä? Ich denke eine Trennung kommt für beide nicht in Frage. Sieht eher so aus, als wärst du da doch nicht so sicher.

    PoopdeckPete schrieb:

    Nun ca. 2 Jahre später (und vielen Gesprächen) haben wir uns im Dezember letzten Jahres dazu entschlossen, es zu versuchen. Da ich meine Frau sehr liebe und ihr nur das Beste wünsche, möchte ich sie in ihrer Entwicklung nicht stören

    War das Deine felsenfeste Überzeugung oder hast Du Dich nur darauf eingelassen um sie nicht zu verlieren?

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    PoopdeckPete schrieb:

    Sollte ich auch mal versuchen meine Erfahrungen zu machen

    Ist es denn das, was du willst, also hast du überhaupt Lust auf fremde Haut und andere Frauen oder wäre das nur der Versuch, die negativen Gefühle zu betäuben, während sie Zeit mit dem anderen Mann verbringt?


    PoopdeckPete schrieb:

    Habe mit Ihr über das Thema gesprochen, für sie kommt ein Zurück in die Monogamie nicht mehr in Frage. Sie meint, dass sie mich sehr liebt und nicht verlieren will.

    Wenn sie sich entscheiden müsste, dann würde sie sich also wohl gegen dich entscheiden, oder? Also wenn du feststellen würdest, dass du doch nicht polyamor leben kannst/willst?


    PoopdeckPete schrieb:

    Hoffe jemand hat Erfahrung oder kann mir einen guten Tipp geben.

    Erfahrung ja, aber jede Beziehung und Konstellation ist da so individuell, da ist guter Rat wirklich teuer. Ich denke, bevor ihr euch tatsächlich trennt, solltest du wirklich ausprobieren, wie es dir damit geht, wenn du auch aktiv wirst. Also ob das gefühlsmäßig etwas für dich ändert. Denn das muss nicht der Fall sein, zumindest das kann ich dir aus Erfahrung sagen.

    Eine krasse Geschichte ist das. Nach 12 Jahren Ehe kann ich die Lust nach fremder Haut verstehen.

    Schwierig nen Rat zu geben.

    Fürs zusammenleben spricht: Einfacher Weg, gemeinsames Kind, gemeinsames Haus/Besitz.

    Fürs trennen spricht: Schwieriger Weg, Kind lebt mal hier mal da, Neues Leben, Neuer Anfang.

    Für den Ersten Weg brauchst du ein starkes Herz und Nerfen...

    Für den Zweiten Weg brauchst du Mut.

    #LIEBE

    Ihr liebt Euch sehr, offensichtlich führt Ihr auch eine harmonische Beziehung.

    Da sagt so manch Einer wahrscheinlich: Was soll das dann mit Anderen?

    Verstehen kann ich es, da Ihr sehr jung zusammengekommen seit. Wahrscheinlich bist Du auch ihr erster Partner? Verständlich, wenn irgendwann das Gefühl kommt etwas "verpasst" zu haben, sich nicht genug ausgetobt zu haben.


    Was also tun? Vor diesem Problem steht Ihr, bzw. Du. Sie ist im Moment in der günstigeren Position. Denn sie ist verknallt, lebt eine Verliebtheit, die ganze Aufregung die damit verbunden ist mit einem anderen Mann. Du stehst dagegen alleine da, denn auf Befehl geht das nicht. Und wie ich Dich verstehe willst Du 1. auch gar nicht und 2. auch nicht einfach mal so Sex ohne Emotionen.



    Sehr gut ist es schon mal, dass Ihr sehr offen damit umgeht, darüber auch ohne zu streiten reden könnt. Ihr geht aufeinander ein, da ist viel Liebe und Respekt zu spüren.


    Aber mal so ganz unter uns Beiden ;-): Ich kann mir vorstellen, dass sie gar nicht auf Dauer eine solche offene Beziehung mit Dir führen möchte. Dass sie über kurz oder lang wieder in die Monogamie geht. Sie hat somit ganz offensichtlich durchaus lange mit dem Gedanken gehadert mit dem Anderen etwas anzufangen. Ein Mensch der wirklich polygam/polyamor empfindet braucht dafür keine 2 Jahre um zu wissen, dass er so leben will. In den meisten Fällen hat es auch nichts mit einem einzelnen (Anderen) Menschen zu tun, sondern mit einer allgemeinen Lebensart.


    Was mir jetzt so spontan als Lösung (Kompromiss auf Zeit) für Dich einfällt:

    Es tut Dir weh zu wissen, dass sie mit einem Anderen Sex hat. Das teilt, was ansonsten Dir vorbehalten war. Verstehe ich absolut. Wie wäre es dann mit einer körperlichen Trennung? Also solange sie da noch den Anderen hat gibt es zwischen Euch keinen Sex oder sonstige Zärtlichkeiten? Damit eine gewisse Distanz da ist, aber auch keine klare Trennung bezüglich der Nähe. Es mag den Schmerz nicht unbedingt mildern wenn Du weißt, jetzt ist sie bei dem Anderen und....-weißt schon-, aber es hilft Dir vielleicht dabei besser damit umgehen zu können?

    Distanz/Trennung von bestimmten Dingen hilft am meisten bei emotionalen Problemen.

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    Sexualität woanders auszuleben käme für mich zwar nicht infrage, kann aber für einige Paare funktionieren. Was sie da macht ist allerdings ne Hausnummer - direkt ein ganzes Wochenende weg, Kind und Mann bleiben allein zu Hause, trotz deiner Niedergeschlagenheit nicht bereit (erstmal) davon abzusehen. Aus funktionierenden (!) offenen Beziehungen kenne ich die Regel: Ehe geht vor, keiner leidet. Sie verstößt gegen beides.


    Corona mal ganz aussen vor... Ihr fällt nix besseres ein als zu sagen, dass du es eben auch tun sollst? Glaube aber nicht, dass das allzu viel ändert. Fühlt sich dann vielleicht gerechter an, aber selbst wenn man selbst täglich wen anders hat, findet man die Vorstellung des Partners mit wdm anders nicht plötzlich weniger grausam. Du klingst so, als hättesr du ihr zuliebe zugestimmt und würdest es dir jetzt passend machen wollen. Nicht wie jemand, der wirklich so leben will und nur ein paar Startschwierigkeiten hat.

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    Ich finde nicht, dass das nach einer Frau klingt, die grundsätzlich polyamorös veranlagt ist, sondern nach einer, die sich einfach (auch noch) in jemand anderen verliebt hat.

    mnef schrieb:

    direkt ein ganzes Wochenende weg, Kind und Mann bleiben allein zu Hause, trotz deiner Niedergeschlagenheit nicht bereit (erstmal) davon abzusehen

    Das stimmt, darüber bin ich auch gestolpert.

    Offen damit umgehen ehrt sie zwar - es aber dann gleich so ausreizen..:-/.da ist es allerdings an ihm ebenso klar wie sie es auch tut, seine eigenen Grenzen zu setzen.


    mnef schrieb:

    Aus funktionierenden (!) offenen Beziehungen kenne ich die Regel: Ehe geht vor, keiner leidet.

    Nun ja, die Regeln stellen immer die Paare selbst auf. Egal ob offene oder geschlossene Beziehung.

    Mein Mann z.B. trifft sich ein bis zwei Mal im Jahr (platonisch ;-)) mit seiner Ex, obwohl die Beiden schon seit über 10 Jahren getrennt sind. Sie waren aber auch davor 20 Jahre zusammen...Ich kenne sie nicht, muß ich auch nicht, sie gehörte nie zu meinem Leben warum also da jetzt reinhopsen?

    Eine Freundin von mir kriegt jedes Mal große Augen wenn sie das hört, für sie wäre das ein Trennungsgrund bezüglich ihrer Beziehung.

    Und wir führen Beide (bzw. alle vier) monogame Beziehungen in denen Sex mit Anderen (schon angefangen beim Küssen) nichts zu suchen hat.


    So viel zu den Regeln von Beziehungen. ;-)

    So viel zum Thema "Regeln".

    TimFaber schrieb:

    jetzt zu sagen, ich bin verletzt, ist zu spät.

    Also da möchte ich entschieden widersprechen. Dafür ist es m.E. nie zu spät und manchmal kann man eben erst wissen, wie es sich wirklich anfühlt, wenn man es erlebt. Es heißt ja schließlich nicht umsonst: grau ist alle Theorie.


    Ich finde es nachvollziehbar, dass er sich aus Liebe zu ihr darauf eingelassen hat und ihr die Erfahrung/Entwicklung eigentlich von Herzen gönnen wollte. Wollen heißt aber nicht immer, es dann auch tatsächlich zu können.


    Ich finde, das sollte man als ebenso liebende/r Partner/in dann durchaus anerkennen und versuchen, nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen, mit der es beiden gut geht und dafür ist es essentiell, dass er offen ausspricht, wenn es ihn verletzt.

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    Huch, den letzten Satz wegdenken ;-)



    TimFaber schrieb:

    jetzt zu sagen, ich bin verletzt, ist zu spät.

    Wieso?

    Er wußte am Anfang nicht WIE sehr es ihn verletzt. Er war wahrscheinlich auch erst mal froh, dass sie so offen war.

    Nicht immer erkennt man sofort was Einen wie sehr verletzt.

    hikleines schrieb:

    Ich finde nicht, dass das nach einer Frau klingt, die grundsätzlich polyamorös veranlagt ist, sondern nach einer, die sich einfach (auch noch) in jemand anderen verliebt hat.

    Das meine ich oben.

    Ich denke sie will ihm mit dem Vorschlag der offenen Beziehung ein Türchen aufmachen und zusätzlich ihr eigenes schlechtes Gewissen beruhigen.

    Denn auch wenn sie für ihre Gefühle nichts kann, es tut ihm ja trotzdem weh. Vor allem wenn sie sie auslebt.


    Aber was ist die Alternative?

    Dass sie still vor sich hinleidet, "es" aussitzt? Davon geht allerdings der Gedanke "habe ich vielleicht was verpasst?" nicht weg. Dann bin ich doch lieber für das Ausleben ihrer jetzigen Gefühle. Klar, es kann der worst case eintreffen, dass sie sich vom TE entliebt und den Neuen mehr will (möchte Dir keine Angst machen, lieber TE, ich bin nur realistisch). Doch das würde in jedem Fall passieren - das Kind ist in den Brunnen gefallen als sie sich verliebt hat.

    Der Weg den sie jetzt eingeschlagen hat (wenn auch mit ein paar vermeidbaren Verletzungen) ist in so einem Fall zumindest einer der Besten.

    mnef schrieb:

    Ihr fällt nix besseres ein als zu sagen, dass du es eben auch tun sollst?

    Guter Punkt. Wenn einer heimlich Fremd ging glauben ja manche auch "ja dann geht der andere auch einmal Fremd und dann ist wieder ausgeglichen". Dieses Argument funktioniert nur unter der Vorraussetzung, dass der andere das überhaupt will. Wenn der andere aber gar kein interesse an "fremder Haut" hat, ist das kein wirklicher ausgleich.


    Allerdings ist das hier ja noch offen, er weiß es ja nicht genau wie er da tickt. Klingt zumindest so. Dann kann er auch nicht beantworten, ob das ein "Deal" für ihn ist oder nicht.


    Egal ob er für sich beschließt er kann und will das auch oder eben nicht, muss beides auch wieder nicht bedeuten, dass die Beziehung scheitert, eine Ehe kann auch einseitig geöffnet sein, oder zweiseitig geöffnet und einer nimmt davon keinen gebrauch. Es gibt keine Regeln für Beziehungen, es sollten nur beide damit zufrieden sein.


    Lieber TE, Du musst mehrere Dinge für Dich durchdenken:

    Willst Du selbst auch Sex mit anderen?

    Wenn ja, würde Dich dann weniger stören, dass Deine Frau das tut?

    Wenn nein, kommst Du trotzdem damit klar wenn sie es tut?


    Wichtig ist nur, dass Du zu Dir selbst ehrlich bist, es bringt nichts, wenn Du jetzt offiziell Zähneknirschend zustimmst und ihr das dann alle paar Monate vorhälst was sie da tut.


    PoopdeckPete schrieb:

    Eine Trennung kommt aktuell für beide nicht in Frage. Das Kind soll dabei immer im Mittelpunkt stehen.

    Das ist allerdings, wie Du hier oft genug im Forum finden wirst und wie Dir die meisten Trennungskinder wohl sagen werden, ein blödes Argument. Ob Ihr Zusammenbleibt oder euch trennt sollte davon abhängen, wie gut Ihr Eure Beziehung führen könnt. Ein Kind profitiert nicht davon, dass die Eltern zusammenbleiben obwohl sie unzufrieden mit Ihrem Leben sind. Denkt an Eure Beziehung, denkt an Euer Miteinander, wie viel Euch das Familienleben gibt und ob alles, was ihr da plant damit vereinbar ist und ihr beide zufrieden seid. Wenn es Euch gut geht, wirkt sich das auch positiv auf das Kind aus, egal ob zusammen oder getrennt.

    Ich habe polymor gelebt, aber was hilft dir das?


    Ich kann nur sagen, dass mein damaliger Partner auch andere Kontakte hatte, ich die anderen Frauen meist gut kannte und mochte, und mich das nicht störte.


    Aber: einmal, ich weiß nicht warum, ich kannte die Frau nicht mal, musste ich spontan weinen als er berichtete. Daraufhin hat er sie nicht wieder getroffen.


    Was ich daraus für mich ziehe: es ist wichtig, niemals zu ignorieren wie es dem Partner damit geht, auch wenn es nicht "verabredungsgemäß" ist.


    Die Frage ist, könnt ihr uber alles sprechen? Was sagt sie zu deinem Schmerz?


    Was du fühlst ist wichtig, und wenn Regeln nicht mehr passen, muss man sie gemeinsam ändern.

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