ehemalige misshandelte Pflege-/Adoptivkinder

    (Urspr. Titel "ehemalige Pflege / Adoptivkinder " auf Wunsch des FS geändert.)




    Hallo miteinander


    Möchte einen Faden eröffnen für alle betroffenen, einfach um sich auszutauschen.


    Wie ging es euch? Erlebnisse? Gute oder schlechte?


    Seid ihr als volles Familienmitglied akzeptiert worden - oder nicht?


    Mögliche Spätfolgen?


    Mit mir selbst fange ich mal an.


    Ich wuchs bei Pflegeeltern auf, zu denen ich im Kleinkindalter kam, kurz vor Volljährigkeit raus geworfen wurde, zudem wurde nie akzeptiert, sondern eher als Mittel zum Zweck angenommen (erst kürzlich eingestanden). Gab auch Aussagen wie, das sie eigentlich nie ein Pflegekind wollten sondern nur eins in Tagespflege.......tja den Zorn das ich ganz blieb bekam ich in Form von Schlägen zu spüren aber auch so wuchs ich ohne Zuneigung auf, es wurde sich einfach nicht um mich gekümmert. Eigene Meinung? Kannte ich nie, durfte ich nie haben. So war ich im jugentlichen Alter ein Mädl, unterdrückt, Angst vor allem und jedem. Meine Persönlichkeit entwickelte sich erst .....hm nachdenken, spät - sehr spät (bin heute über 40)


    Zu der womöglich auftauchenden Frage wo das Jugendamt war kann ich sagen, nicht da. Und wenn die Dame kam, kam sie vormittags Kaffee trinken wo ich in der Schule war bzw. gerade von der Schule heim kam, mit mir redete sie nie.


    Meine Spätfolgen, posttraumatische Belastung und Depressionen und vieles mehr. :°(


    Mich interessiert einfach ob es ehemalige Pflege oder Adoptivkinder gibt, denen es vielleicht auch wirklich gut ging, wie in einer richtigen Familie? Und durftet ihr Kontakt zur Herkunftsfamilie haben?


    Ich nicht, was mich heute noch belastet.


    So nun freue ich mich was von euch zu lesen. :)D

  • 15 Antworten

    Es tut mir leid, dass es Dir so schlecht erging :)*. Und dass es Dich noch immer beschäftigt ist sehr verständlich. Ich finde es ganz schlimm wenn Jemand Kinder aufnimmt um für sich selbst etwas dabei herauszuschlagen und nicht, weil das Kind im Vordergrund steht. Dieses Kind das dann auch noch so massiv spüren zu lassen - Das ist eine Art Mißhandlung, Mißbrauch, was empfindlich bestraft gehört.


    Verstehe ich Dich richtig, dass es für Dich ein Trost ist wenn Du von glücklichen Adoptiv oder Pflegekindern hörst?


    In meinem nahen Umfeld ist so Jemand. Heute auch weit über 40. Als Säugling adoptiert, von den Adoptiveltern geliebt. Hatte ein schönes Leben bei ihnen. Auch wurde die Person mit 6 Jahren darüber aufgeklärt, durfte Kontakt haben. Und sie hat diesen Kontakt bis heute, vor allem zu ihren leiblichen Geschwistern, aber auch weiteren (leiblichen) Verwandten.

    Hallo Tante Adelheid


    Naja Trost, weniger, eher, hm wie soll ich sagen mich beschäftigt ob Pflegekinder tatsächlich geliebt werden, ob es das wirklich gibt? Darum die Frage nach den Erfahrungen von anderen.


    Tja eigentlich gehört das bestraft - ja es war Misshandlung - eindeutig.


    Und doch werde ich sogar heute noch niedergemacht, gefragt, für was ich Reha's brauch, wieso ich Berufsunfähig bin.


    Die große Abrechnung steht noch aus. Dafür fühlte ich mich noch nicht bereit. Ich will das der noch lebende Pflegeelternteil sich dessen bewusst wird, das sie mein Leben auf dem Gewissen haben. Mein Leben zerstört haben, darüber denke ich oft nach. Was wäre wenn, ich geliebt worden wäre wie ein eigenes Kind? Gefördert und unterstützt worden wäre wie man es für leibliche Kinder selbstverständlich ist, das sind so Fragen die mich beschäftigen, auch wenn das nichts bringt.


    Finde ich schon toll und beneide ich wenn von Pflege oder Adoptiveltern her, der Kontakt zu Herkunftsfamilie akzeptiert wird. Hätte ich mir auch gewünscht. Vielleicht aber auch lief es damals anders als heute?


    Möglich.


    Darum eröffnete ich diesen Faden, denn es gibt ja viele Adoptiv und Pflegekinder oder auch Eltern. Einfach um sich....auszutauschen. Vielleicht beschäftigt andere es auch nicht so wie mich, kann auch sein. Klar wenn man dort glücklich ist oder war und einem an nichts fehlte, denkt man auch nicht darüber nach.

    Zitat

    Mich interessiert einfach ob es ehemalige Pflege oder Adoptivkinder gibt, denen es vielleicht auch wirklich gut ging, wie in einer richtigen Familie?

    Vor kurzem ist ein Bekannter aus meiner Jugend mit 55 gestorben. Auf seiner Beerdigung habe ich mitbekommen dass sich die beiden Pflegekinder von damals öfters um seine Mutter kümmern die immer noch lebt. Und das die Pflegekinder wohl ein ganz gutes Verhältnis haben und sie fast wie ihre eigene Mutter sehen. Im meine dass er zwei Türkinnen waren. Ich kann mich noch etwas erinnern an damals als die beiden Kinder noch klein waren.

    Zitat

    Was wäre wenn, ich geliebt worden wäre wie ein eigenes Kind? Gefördert und unterstützt worden wäre wie man es für leibliche Kinder selbstverständlich ist,

    Nur so als Ansatzpunkt: auch das ist leider nicht in allen Familien so, trotz Blutsverwandschaft. Ich glaube, da hängst Du einer Illusion nach. Überhaupt sagt die Liebesfähigkeit der Eltern ja eher etwas über die Eltern selbst aus, als über das Kind. Das ist dann unabhängig davon ob leiblich verwandt oder Pflege- oder Adoptiveltern.


    Ich wünsche Dir, dass Du einen guten Weg findest, mit dieser traurigen Erfahrung umzugehen :)* .

    Hallo Frühlingskind5,


    Es tut mir sehr leid zu lesen wie deine Jugendzeit aussah! Obwohl ein Kind niemals eine ausnahme sein darf, hoff ich jedoch dass die meiste Pflege Eltern ihre Pflegekinder richtig lieben!


    Ich schreibe aus die Niederlanden und bin selbst Pflegevater zusammen mit meine Frau haben wir ein Pflegekind, ein Mädchen und ab und zu zwei weitere Pflegekinder. Wir lieben ihr als wäre Sie ein eigenes Kind.


    Sie sieht ihre leibliche Mutter und Vater auch. Wir haben sehr guten Kontakt und verhältnisse zu ihre Herkunftsfamilie. Dafür sind wir auch sehr dankbar, es ist nicht immer so gut möglich.


    Ich habe keine Ahnung warum diese Kontakt für dich nicht möglich, erlaubt oder einfach ignoriert wurde. Hier wird dies durch unsere Judendamt schon bevorzugt aber es ist nicht immer "einfach".


    Kanntest, oder kennst du Heute deine Herkunfstfamilie? Und wie geht es dir selber in sachen Liebe und Beziehung? Brauchst nicht zu antworten, es ist nur Interesse.


    Liebe Grüsse,


    Edwin

    Mein Bruder hat 2 Pflegekinder. Eines seit 10 Jahren der wird bald 12. Das ist sein Sohn sein ein und alles..


    Die kleine ist 1 Jahr dort die wird bald 5 Jahre.


    Und man merkt sie ist nun angekommen.. Es hat gedauert aber es geht aufwärts.

    Ich bin adoptiert und wurde direkt als Baby zu meinen Adoptiveltern gegeben, meine Schwester und mein Bruder waren erst Pflegekinder in ihrer Familie und wurden dann auch adoptiert. Wir alle haben sehr liebevolle und fürsorgliche Familien und es hat nie einen Unterschied zwischen uns und anderen Verwandten gegeben ( Cousinen/Cousins o.ä.). Wir Geschwister haben unter einander Kontakt, unsere leibliche Familie will nichts mit uns zu tun haben, also besteht da nichts zwischen uns, was mir aber auch vollkommen egal ist. Für mich haben die eh nichts mit meiner 'Familie' zu tun, denn die habe ich bei meinen Adoptiveltern und der Familie schon immer gehabt. Es tut mir sehr leid, dass du so schlechte Erfahrungen gemacht hast und hoffe, dass du das irgendwann verarbeiten kannst. Aber ja, ich denke dass man Pflege- und Adoptivkinder wie die eigenen Kinder lieben und groß ziehen kann. Das hängt wohl - wie sonst auch so einiges - von der Familie ab.

    Vielleicht fehlt es hier an Betroffenen, wo neben den Pflegekindern auch noch leibliche Kinder vorhanden waren/sind.


    Mir scheint, die Ungleichbehandlung von eigenen Kindern zu Pflegekindern ist hier das eigentlich Dilemma ... und wohl auch das Versagen des Jugendamtes, denn die hätten das mitbekommen und die TE aus der Familie wieder herausnehmen müssen.


    Mich stört auch immer die Formulierung "lieben, wie ein eigenes" ... für mich gäbe es da keinen Unterschied, wenn ein Kind wirklich über lange Zeit in der Familie ist ... dann ist es nicht "wie ein eigenes" ... dann ist es ein "eigenes".


    Ich selber habe zwei "eigene" Kinder ... auch wenn ich weiß, dass sie nicht meine Gene haben, sind es doch meine "eigenen".

    Ich habe in meiner Arbeit eine Familie kennengelernt - die Eltern können selbst keine Kinder bekommen. Ein Kind ist ein Pflegekind, das andere ist adoptiert.


    Ich habe selten eine Familie erlebt, wo die Kinder so wertgeschätzt und gefördert, geliebt wurden. Diese zwei Eltern sind sehr liebesfähig und empathisch, davon hngt es ab - aber niemals vom Kind.


    Es tut mir leid, was du erfahren hast. :)_

    Hallo Edwin68


    Mir selbst geht in Sachen Liebe und Beziehung JETZT gut, dem war nicht immer so, meine erste Ehe war ebenso geprägt von Gewalt, wobei am Anfang diese Gewalt für mich sogar normal war, und ich vor lauter Angst vor dem allein sein bzw. verlassen zu werden mir alles gefallen ließ - Hauptsache ich werde geliebt nach diesem Motto ging s bzw geht's - wohl auch weil ich so aufgewachsen bin und hier starke Defizite habe, das habe ich mittlerweile durch die Therapie schon verstanden.


    Nein ich kenne meine Herkunftsfamilie nicht. Auch hier ist ein ständiges zerissen sein, nicht zu wissen auf welche Seite man eigentlich gehört - und die Neugier.


    Zwar habe ich im Alter von 17 oder 18 mal gesucht, das "Ergebnis" war aber nicht von Erfolg gekrönt. Mein leiblicher Vater wollte, da ich noch minderjährig war, keinen Kontakt und keine Schwierigkeiten mit meinen Pflegeeltern damals die alles dafür taten um eben jeglichen Kontakt zu unterbinden - erfolgreich!


    Diese Überlegung ihn nochmals zu suchen - habe ich noch immer. Aber auch Zweifel - das ist das typische Merkmal von diesem Zerissenheits Gefühl.


    An alle anderen


    danke für euer Mitgefühl und eure aufbauenden Worte @:) es ist schön zu lesen das es durchaus auch "normale" Pflege oder Adoptiveltern gibt.

    Zitat

    Was wäre wenn, ich geliebt worden wäre wie ein eigenes Kind? Gefördert und unterstützt worden wäre wie man es für leibliche Kinder selbstverständlich ist,

    ich hoffe das ist nicht dein Ernst!


    Damit verhöhnst du fast schon alle Kinder, die unter ihren leiblichen Eltern leiden mussten oder von den Eltern zu tode misshandelt wurden.


    Das wäre ja laut deiner Definition Förderung und Unterstützung, denn das waren ja dann die leiblichen Eltern...

    Nowheregirl


    wenn du die Definition von Misshandeln und fördern/unterstützen nicht unterscheiden kannst, dann tust du mir einfach nur leid. :-o


    Und ja natürlich gibt es Missbrauch auch bei leiblichen Eltern, für mich unvorstellbar bei dem eigen Fleisch und Blut - in meinem Thread geht es aber um Pflege/Adoptivkinder!

    @ Frühlingskind5

    Aber der Hinsatz von Nowheregirl ist gar nicht so schlecht.


    Es geht um Misshandlungen und Missbrauch und das egal, ob nun durch leibliche Eltern oder Pflegeeltern, weil es überall passieren kann.


    Pflegeeltern sind nicht "aus Prinzip" schlechter als leibliche Eltern ... es ist ein Klischee und wie in den Märchen ... da gibt es nur die böse Stiefmutter nie die böse Mutter.


    Du gehst davon aus, dass es Dir bei leiblichen Eltern besser gegangen wäre, als wäre das zwangsläufig so, dass es den Kindern bei leiblichen Eltern besser geht, aber es gäbe wohl nicht soviele Pflegekinder, wenn dem so wäre.


    Ja, Deine Wut ist immer noch berechtigt und die Fragen sind immer noch da und betreffen in dem Fall Deine Pflegeeltern, aber eben nicht (klischeemäßig) alle Pflegeeltern, deshalb ist es fraglich, ob es Dir nutzt, wenn Du hier positive Beispiele zu lesen bekommst ... und es betrifft leider auch viele leibliche Eltern.


    Vielleicht würde es Dir mehr helfen hier nach Gleichgesinnten zu suchen, Menschen, die ähnlich schlimmes erlebt haben und sich darüber ausztauschen, wie sie mit der Wut und der Entäuschung sowie den unbeantworteten Fragen umgegangen sind.


    Und zwar unabhängig davon, ob sie nun bei ihren leibelichen oder bei Pflegeeltern aufgewachsen sind.

    Hallo Frühlingskind,


    zuerst einmal, tut es mir sehr leid, was dir widerfahren ist. Fühl dich mal gedrückt :)_


    Ich war eine Pflegeschwester, d.h. meine leiblichen Eltern haben sich früher für 2 Jahre ein Pflegekind ins Haus geholt, da meine Mama gerne Mama ist und meine Schwester und ich schon zur Schule gingen, während sie allein zuhause saß. Ich fand die Zeit damals toll und obwohl sie nur die kurze Zeit bei uns war, haben wir sie ins Herz geschlossen. Ihre leibliche Familie hat sie dann wieder zurückbekommen (die Mama wurde dann 18) und seitdem haben wir nie wieder etwas von ihr gehört. Das ist jetzt gute 20 Jahre her. Wir vermissen sie immer noch und fragen uns, was aus ihr geworden ist. x:)


    Meine beste Freundin aus der Schulzeit war auch ein Pflegekind. Sie war auch das jüngste Kind in der Familie (die Eltern hatten 2 leibliche Söhne und wollten noch ein Mädchen)


    Ich war oft dort zu Besuch und konnte da auch nie Gewalt oder Missbrauch sehen. Sie hat die Eltern auch Mama und Papa genannt und immer von "ihren" Brüdern gesprochen. Sie hat heute noch Kontakt zu ihnen und ist dort ein richtiges Familienmitglied. Zu ihrer leiblichen Mama hatte sie auch Kontakt (bis zu deren Tod, sie war wohl ziemlich alt, als sie meine Freundin bekam)


    Es ist schlimm, dass es Geschichten wie deine gibt, aber ich glaube kaum, dass dir die positiven Erfahrungen der anderen hier im Forum weiterhelfen. Du solltest vielleicht eine Therapie machen und das ganze aufarbeiten. Meine Nachbarin hat eine kleine (leibliche) Tochter und ich weiß leider, dass diese regelmäßig laut wird und ihr Kind auch schlägt (kann es ihr aber nicht nachweisen). Ich glaube, dass das Kind jetzt schon mit 3 Jahren einen psychischen Knacks hat. Misshandlungen der Eltern kann einfach kein Kind ertragen. Das ist verständlich und sollte unbedingt aufgearbeitet werden, damit man im Leben glücklich sein kann.


    Ich wünsche dir alles Gute. :)*