Entscheidung zur Trennung - Unterstützer gesucht

    Ich hatte große Probleme einen passenden Titel für diesen Faden zu finden und hoffe, dass der jetzige irgendwie passt.


    Ich möchte mich trennen und habe viele Ängste diesbezüglich. Angefangen vom emotionalen Teil, weiterführend über den finanziellen und natürlich wie es als Alleinerziehende werden kann. Ich möchte mir hier einfach meine Sorgen von der Seele schreiben und hoffe auf Austausch. Mir darf natürlich auch "der Kopf gewaschen werden", aber in erster Linie brauche ich Unterstützung, wenn ich mit meinem Latein am Ende bin.


    Zur Situation:


    Ich bin mit meinem Mann schon 24 Jahre zusammen, wir haben einen 7jährigen Sohn. Seit Geburt unseres Sohnes ging die Beziehung bergab. Während sich mein Leben komplett verändert hat, hat mein Mann seins weitergelebt. Aus meiner Sicht tritt er auf der Stelle und ich entwickle mich weiter. Für unseren Sohn bin ich die Hauptansprechpartnerin, da mein Mann sich nicht so stark einbringt. Alles in allem haben wir uns auseinandergelebt und ich plane mich mittelfristig zu trennen. Die ganze häusliche Situation ist schon lange nicht mehr schön und auch für unseren Sohn ist sie nicht gut. Wir sind schon lange kein Paar mehr, eigentlich nur noch WG-Partner. Das bin ich in Schuld. Als unser Sohn ganz klein war, war noch alles okay und dann fing mein Mann an, dass wir "ein zweites Kind machen sollen". Ich konnte mir das damals aber überhaupt nicht vorstellen und habe ihn dann auf Abstand gehalten. Habe ihm irgendwann auch klar gesagt, dass ich keinen Sex mehr mit ihm möchte. So ist das jetzt seit 5 Jahren. Ich vermisse übrigens nichts! Er wohl schon... aber da er früher immer der Sexmuffel in der Beziehung war und es teilweise 6 Monate nur Körbe von ihm gab, war mir das egal. Die 2mal im Jahr Sex fehlen mir echt nicht. Ich kann ihn inzwischen auch nicht mehr "riechen". Und da ist ehrlich gemeint. Mir missfällt sein Geruch... sein Parfum... sein Deo... sein Körpergeruch... alles. Kumpelmäßig verstehen wir uns gut, bei gemeinsamen Projekten (Umbau im Haus, Renovierung etc.) ziehen wir an einem Strang. Sein Verhalten anderen/fremden Menschen gegenüber gefiel mir noch nie so richtig, aber ich habe damit gelebt. Heute mag ich da einfach nicht mehr mit in Verbindung gebracht werden. Es gibt viele Situationen in denen ich mich fremd schäme. Meine Freunde/Familie sind auch keine großen Fans von ihm, aber das ist nicht ausschlaggebend. Wir streiten deshalb auch häufig.


    So, jetzt habe ich dargelegt, wie ich dazu gekommen bin, mich zu trennen. Schwierig wird das natürlich. Unserem Sohn würde ich eine intakte Familie wünschen. Aber selbst von ihm kommen schon Aussagen wie "wieso küsst ihr euch nicht". Er merkt also auch, dass das alles nicht normal ist. Wobei ich noch nie der Typ war, der öffentlich rumgeknutscht hat. Aber das ist natürlich nochmal was anderes. Psychisch bin ich angeschlagen, mich belastet das alles sehr und da ich die größte Verantwortung in unserer kleinen Familie trage, habe ich bald meine Grenzen erreicht. Ende des Jahres fahre ich zur Mutter-Kind-Kur und hoffe, dass ich da Abstand gewinne. Im Anschluss will ich die Trennung einleiten, aber gedanklich befasse ich mich damit schon eine Weile. Ich habe Schlafstörungen und selbst im Urlaub ist es nicht toll. Streit gibts dort auch.


    So, jetzt habe ich mir erstmal eine Menge von der Seele geschrieben. Danke fürs lesen!

  • 35 Antworten

    so wie du das beschreibst, ist eure Ehe reine Formalität, da eure Paarbeziehung schon lange nicht mehr besteht. Warum willst du bis nach der Mutter-Kind Kur warten? Was versprichst du dir davon?


    Wäre es nicht sinnvoll umgehnd mit deinem Mann ein Gespräch zu führen und ihn mit deinen Trennungsgedanken zu konfrontieren? Ich meine er kann ja auch nicht glücklich mit der jetzigen Situation sein. So habt ihr beide die Chance euch anderen Partnern zuzuwenden, die besser zu euch passen.

    In was für Situationen schämst du dich fremd?


    Wenn ihr euch zwar nicht mehr liebt, aber freundschaftlich versteht. wäre es da vielleicht eine Option,


    dass ihr euer Haus in 2 Wohnungen, bzw. Wohnbereiche unterteilt?


    Dann hätte dein Sohn beide Elternteile in seiner Nähe und könnte sie nach Belieben jederzeit sehen.

    Bambiene


    Mein Mann weiß natürlich wie es um uns steht. Ich fühle mich nicht stark genug zur azeit, deshalb warte ich bis nach der Kur mit der Umsetzung. Und an einen neuen Partner denke ich ganz sicher nicht.


    Plüschbiest


    Mein Mann kann Konflikte nicht vernünftig klären. Dazu kommt, dass er andere Menschen herablassend behandelt. Da schäme ich mich dann sehr für ihn. Ich werde von Freunden teilweise bemitleidet...


    Eine Trennung innerhalb des Hauses wäre keine Option für mich. Ich will meine Freiheit! Ich fühle mich schon eingeengt, wenn wir gleichzeitig frei haben und zu Hause sind. Ich kann mich dann einfach nicht frei bewegen. Ich möchte spontane Unternehmungen machen, ohne ihn! Ich möchte nicht jedesmal sagen müssen was ich mache. Ich will ich sein!!!

    Ich kann dich in vielen Bereichen sehr gut verstehen, leider.


    Wie sieht es denn finanziell aus bzw wie sähe es aus, wenn du dich trennen würdest. Theoretisch sollte das natürlich keine Rolle spielen, aber ich weiß dass man als Mutter so weit denkt.


    Wenn deine Familie ihn nicht besonders mag, wird dir von der Seite sicherlich Unterstützung im Galle der Trennung sicher sein oder? Auch das finde ich wichtig.


    Was meinst du, wie du er auf die Trennung reagiert?

    Wenn ihr 2 sepratet Wohnungen habt mit abschließbarer Wohnungstür müsstest du doch jederzeit gehen können, wie es dir beliebt ohne ihm Rechenschaft abgeben zu müsssen. ":/


    Oder würde er dir immer im Hausflur auflauern?

    Zitat

    Mein Mann kann Konflikte nicht vernünftig klären. Dazu kommt, dass er andere Menschen herablassend behandelt.

    Bedeutet das, dass es ernsthafteProbleme geben würde, wenn du deine Trennungsabsichten aussprichst? Verstehe ich dich richtig, dass du es in seiner Gegenwart beklemmend findest?


    Ich finde wenn du fest überzeugt bist dich zu trennen, dann solltest du das sobald wie möglich tun. Dieser Zustand ist für deine Gesundheit nicht gut. Du kannst schon jetzt zumindest mental, mit der "Vorbereitung" anfangen. Wo kannst du in Zukunft leben. Gibt es eventuell eine Übergangslösung? Kannst du vorübergehend den Lebensunterhalt für dich und Sohnemann bestreiten? Wer von der Familie und Freunden wird dich unterstützen? Hast du ein bisschen was Gespartes für unvorhergesehene Ausgaben? Muss dein Sohn den Kindergarten/die Schule wechseln? Hast du schon einen Anwalt? Denn der kann dich über deine Rechte und Ansprüche aufklären. Und wenn du mal konkrete Antworten hast, kannst du für dich auch eine Perspektive sehen.


    Alles Gute für dich und dein Kind. @:) :)*

    hatschipu


    Finanziell wird es schwer, das ist mir klar. Aber ich bin ja berufstätig und er müsste Unterhalt für unseren Sohn zahlen, so dass das sicher irgendwie machbar ist. Unterstützung hätte ich auf jeden Fall. Er wird mit der Trennung fertig werden. Und es wird auch keinen Rosenkrieg geben. Es wird für ihn schwerer als für mich, da er keine Familie/Freunde hat, die ihm Rückhalt geben würden. Aber da bin ich nicht für verantwortlich.


    Plüschbiest


    Erstens ist unser Haus nicht so gebaut, dass wir daraus 2 Wohnungen machen könnten und zweitens gehört mir das Haus eh allein - habe es schon vor der Ehe gekauft, so dass er ausziehen sollte. Und selbst wenn das möglich wäre, dann ist das keine schöne Lösung. Man schaut dann doch automatisch immer was der andere macht...


    katercharlie


    Wir sind Mitte 40.


    Bambiene


    Mit der mentalen Vorbereitung habe ich schon begonnen. Ich war vor 2 Jahren auch schon beim Anwalt und habe mich beraten lassen, weil unser Eigentum eigentlich nur mein Eigentum ist. Insofern weiß ich, was auf mich zukommt. Das macht mir auch Angst, weil das schon schwer wird. Im schlimmsten Fall müsste ich mein Auto verkaufen und mir ein "altes" zulegen... Er hat mal gesagt, dass er kein Geld von mir will im Falle einer Trennung. Er würde nur die Dinge haben wollen, die ihm eh gehören... Das sind dann eher so Sachen wie TV-Gerät, sein Auto, sein Motorrad, ein paar Möbel, Waschmaschine... also eher Sachen, die nicht an meine Existenz gehen.

    Ich weiß genau wie du dich fühlst, ich war in einer ähnlichen Situation. Nur dass das Haus Ihm gehörte u das Kind nur meines war.


    Bei uns herrscht ein zusätzlich häusliche gewalt. Ich habe dennoch sehr sehe lange gebraucht bis ich Die Kraft hatte zu gehen.


    Ich habe damals in einem anderen Bundesland neu angefangen u schon wenige tage nach Auszug ??den ich wirklich heimlich gemachte habe ?? Ging es mir und meinem Kind deutlich besser. Nun habe ich seit wenige Wochen einen neuen Mann an meiner Seite.


    Auch wenn es schwer ist u man denkt man schafft es nicht, Man ist öfter stärker als man vermutet.


    Ich wünsche dir und deinem Kind viel Kraft @:)

    Ich versuche mal, auf deinen Eingangsbeitrag detailliert einzugehen und ihn "abzuarbeiten". Die anderen Antworten habe ich aber auch gelesen.

    Zitat

    Ich möchte mich trennen und habe viele Ängste diesbezüglich.

    Das ist verständlich, denn man begibt sich mit einer Trennung "außerhalb der Norm". Man beendet einen Lebensplan und man verletzt den Partner. Man erzeugt bei Außenstehenden den Eindruck, gescheitert zu sein. All das erzeugt Ängste. Also keine Angst vor der Angst. Sie kann kommen und sie wird auch wieder kleiner werden, wenn du erst einmal Schritt für Schritt deinen Weg weiter gehst.

    Zitat

    Angefangen vom emotionalen Teil, weiterführend über den finanziellen und natürlich wie es als Alleinerziehende werden kann.

    Was sich emotional in der Zeit der Trennung bei dir tun wird, ist nicht vorhersehbar. Aber du hast dich schon außergewöhnlich lange und intensiv darauf vorbereitet, innerlich bist du längst weg, körperlich sogar schon seit 5 Jahren. Finanziell ist zumindest aus deiner Sicht alles geklärt, juristisch hast du dich beraten lassen.


    Du hast nun also zwei Wege vor dir, die dir realistisch offen stehen:


    1. den Weg zusammen mit deinem Mann und dem Familiengefühl, da kennst du alles, was dich erwartet


    2. das Ungewisse, das dir jeden Tag neue Erkenntnis bescheren wird und in dem du dich erst einmal zusammen mit deinem Kind zurecht finden musst.


    Um im Bild zu bleiben: Du stehst nun also seit geraumer Zeit an diesem Abzweig. Und weil du beide Wege nicht gehst, sondern stehen geblieben bist, kam es zu diesem Festhalten und zum Aushalten der negativen Gefühle. Das Negastive wurde also dadurch mehr, dass du in die bestehende Beziehung nicht mehr weiter investiert hast, Problemlösungen aufgeschoben oder resigniert hast und den innerlichen Abstand zu deinem Mann hast größer werden lassen


    Würdest du also beschließen, den Weg mit deinem Mann weiter zu gehen, so müsste da eine durchgreifende Änderung stattfinden, denn sonst leidest du von Tag zu Tag mehr, dein Mann leidet ebenfalls und der Sohn sowieso (nur leiser). Und weil du stehen geblieben bist, erhöht sich auch der Leidensdruck bei dir, nun wirklich bald etwas Durchgreifendes zu verändern. Du siehst die Lebenszeit, die verrinnt, und das gilt natürlich auch für deinen Mann. Dabei geht es nicht um gestern und vorgestern sondern um Morgen und Übermorgen. Und die Frage, warum du den entscheidenden Schritt nicht heute gehen kannst, sollte gestellt werden.

    Zitat

    Ich bin mit meinem Mann schon 24 Jahre zusammen, wir haben einen 7jährigen Sohn. Seit Geburt unseres Sohnes ging die Beziehung bergab. Während sich mein Leben komplett verändert hat, hat mein Mann seins weitergelebt. Aus meiner Sicht tritt er auf der Stelle und ich entwickle mich weiter.

    Das ist übrigens der weitaus häufigste Grund für Trennungen, die fehlende gemeinsame Weiterentwicklung. Und die wird von beiden mitgetragen: von dem, der sich dieser Entwicklung verweigert und von dem, der das toleriert.

    Zitat

    Für unseren Sohn bin ich die Hauptansprechpartnerin, da mein Mann sich nicht so stark einbringt. Alles in allem haben wir uns auseinandergelebt und ich plane mich mittelfristig zu trennen. Die ganze häusliche Situation ist schon lange nicht mehr schön und auch für unseren Sohn ist sie nicht gut. Wir sind schon lange kein Paar mehr, eigentlich nur noch WG-Partner. Das bin ich in Schuld.

    Interessant. Hilft dir dieses Schuldanerkenntnis weiter? Warum meinst du, die Schuld dafür auf dich nehmen zu müssen? Ist es einfacher, deinem Mann zu sagen: "Ich bin zwar Schuld, aber ich gehe trotzdem!"?

    Zitat

    Als unser Sohn ganz klein war, war noch alles okay und dann fing mein Mann an, dass wir "ein zweites Kind machen sollen". Ich konnte mir das damals aber überhaupt nicht vorstellen und habe ihn dann auf Abstand gehalten.

    Ja, da hast du so gehandelt, dass es der Intimität der Beziehung geschadet hat. Wurde darüber nicht gesprochen? Gab es nicht Versuche das zu ändern?

    Zitat

    Habe ihm irgendwann auch klar gesagt, dass ich keinen Sex mehr mit ihm möchte. So ist das jetzt seit 5 Jahren. Ich vermisse übrigens nichts! Er wohl schon... aber da er früher immer der Sexmuffel in der Beziehung war und es teilweise 6 Monate nur Körbe von ihm gab, war mir das egal. Die 2mal im Jahr Sex fehlen mir echt nicht. Ich kann ihn inzwischen auch nicht mehr "riechen".

    Du wurdest also lange Zeit körperlich vernachlässigt und zurück gewiesen. Das führte dazu, dass du einen Punkt gemacht hast und es damit verhindert hast, dich weiterhin zurückweisen zu lassen. Du wolltest nicht mehr Opfer sein, sondern lieber selber handeln. Dadurch dass er es dann angenommen hat, wurde das zu einer Abmachung zwischen euch. Der Zustand der nichtkörperlichen Beziehung wurde festgelegt. Das tun übrigens viele und es schadet der Beziehung nicht mal, wenn beide einverstanden sind und die freundschaftliche und partnerschaftliche Ebene funktioniert. Siehe hier:

    Zitat

    Und da ist ehrlich gemeint. Mir missfällt sein Geruch... sein Parfum... sein Deo... sein Körpergeruch... alles. Kumpelmäßig verstehen wir uns gut, bei gemeinsamen Projekten (Umbau im Haus, Renovierung etc.) ziehen wir an einem Strang.

    Laut Michael Mary gibt es drei verschiedene Liebesformen: 1. Die partnerschaftliche projektbezogene Liebe, 2. Die leidenschaftliche körperliche Liebe und 3. Die freundschaftliche Liebe. Und selten sind alle drei gleich stark vertreten.


    Ihr lebt also zwei dieser Leibesformen, kannst du darin denn noch "Liebe" erkennen? Oder ist das einfach nur Gemeinschaft? Was fehlt dir so sehr, dass du jetzt aufhören willst so zu leben?

    Zitat

    Sein Verhalten anderen/fremden Menschen gegenüber gefiel mir noch nie so richtig, aber ich habe damit gelebt. Heute mag ich da einfach nicht mehr mit in Verbindung gebracht werden. Es gibt viele Situationen in denen ich mich fremd schäme. ….. Wir streiten deshalb auch häufig.

    Da scheint also ein Bruch stattgefunden zu haben, der nicht einfach so zu reparieren ist. Du bist nicht mehr solidarisch mit ihm, dich stößt das ab, ihr streitet darüber.

    Zitat

    So, jetzt habe ich dargelegt, wie ich dazu gekommen bin, mich zu trennen. Schwierig wird das natürlich.

    Du sprichst schon in der Vergangenheit, du "bist dazu gekommen dich zu trennen". Das ist längst geschehen. Warum tust du es dann nicht, worauf wartest du?

    Zitat

    Psychisch bin ich angeschlagen, mich belastet das alles sehr und da ich die größte Verantwortung in unserer kleinen Familie trage, habe ich bald meine Grenzen erreicht. Ende des Jahres fahre ich zur Mutter-Kind-Kur und hoffe, dass ich da Abstand gewinne. Im Anschluss will ich die Trennung einleiten, aber gedanklich befasse ich mich damit schon eine Weile. Ich habe Schlafstörungen und selbst im Urlaub ist es nicht toll.

    Gut, du hast eine Deadline gesetzt. Ende des Jahres, nach der Kur. Das kann man so machen. Findest du es leichter, diese Deadline nur alleine zu kennen oder wäre es nicht ebenso gut möglich, die deinem Mann auch schon mitzuteilen? Dann hat er die Möglichkeit, selber tätig zu werden (oder auch nicht) und muss sich nicht so sehr als Opfer deiner Trennungsabsichten fühlen?


    Habt ihr die eine potentielle Trennung überhaupt schon mal thematisiert? Oder wird er damit aus heiterem Himmel überfallen?


    Vielleicht beschäftigst du dich mal ein wenig mit diesen Fragen und Gedanken. Vielleicht bringen sie dich etwas weiter. Ich habe gern noch mehr davon, wenn du möchtest.

    oldie


    Vielen Dank für deine ausführliche Analyse. Ich gehe jetzt mal auf die Fragen ein.

    Zitat

    Wurde darüber nicht gesprochen?

    Doch, darüber wurde gesprochen. Aber mein Mann hat immer wieder diesen Spruch gebracht und da wurde ich dann immer saurer und ablehnender ihm gegenüber, weil er mich da einfach nicht ernst genommen hat.

    Zitat

    Interessant. Hilft dir dieses Schuldanerkenntnis weiter? Warum meinst du, die Schuld dafür auf dich nehmen zu müssen? Ist es einfacher, deinem Mann zu sagen: "Ich bin zwar Schuld, aber ich gehe trotzdem!"?

    Mein Mann war mit dem Zustand der Beziehung zufrieden. Meine Aussage bzgl. der Schuld bezieht sich auf die Einstellung des Sexlebens vor 5 Jahren. Ich habe das klar gesagt und er musste die Kröte schlucken... Ich habe ihm keine Wahl gelassen.

    Zitat

    Warum tust du es dann nicht, worauf wartest du?

    Auf den Lottogewinn, der mir alles leichter macht ;-) Ganz ehrlich gesagt, hat mich der finanzielle Aspekt bisher ausgebremst. Ich habe Angst vor dem Einschnitt. Ich habe Angst vor der Verantwortung, die ich dann alleine tragen muss. Ich habe Angst nicht alles zu schaffen. Rein terminlich mache ich jetzt schon alles was erforderlich ist, aber es gibt darüber hinaus natürlich auch noch mehr. Und deshalb möchte ich die Kur nutzen, um Abstand zu gewinnen und danach gestärkt auf meinen Mann zugehen, um meine Trennungsabsicht mit ihm zu besprechen. Er wird sich nicht freuen, aber es hinnehmen.

    Dann schreibe ich auch noch mal.

    Zitat

    Doch, darüber wurde gesprochen. Aber mein Mann hat immer wieder diesen Spruch gebracht und da wurde ich dann immer saurer und ablehnender ihm gegenüber, weil er mich da einfach nicht ernst genommen hat.

    Also hast du dadurch, dass du dich ihm sexuell völlig verweigert hast, dafür gesorgt, dass er dich ernst nehmen musste? Du wolltest – natürlich zu Recht – ernst genommen werden. Und dann hast du etwas getan, das ihn dazu gezwungen hat dich ernst zu nehmen. Ich kann nicht beurteilen, ob es andere, bessere Möglichkeiten gegeben hätte. Aber da er es dann offensichtlich akzeptiert hat, war es eine wirksame und erfolgreiche Methode.

    Zitat

    Mein Mann war mit dem Zustand der Beziehung zufrieden. Meine Aussage bzgl. der Schuld bezieht sich auf die Einstellung des Sexlebens vor 5 Jahren. Ich habe das klar gesagt und er musste die Kröte schlucken... Ich habe ihm keine Wahl gelassen.

    Nun ja, er hätte natürlich eine Wahl gehabt. Er hätte sich trennen können oder mit dir gemeinsam intensiv nach einer Lösung des Problems suchen können. Du wirst nicht viele Männer finden, die das mitgemacht hätten. Er aber war – und ist offensichtlich immer noch – "mit dem Zustand der Beziehung zufrieden". Er nimmt dich also ernst, hat sich mit deiner Forderung arrangiert und will einfach nur, dass du bei ihm bleibst. Ist das richtig?


    Dir reicht das aber nicht, sondern du spürst, dass es nicht das Leben ist, das du eigentlich leben möchtest. Auch richtig? Und es gibt keinen anderen Mann, bei dem du darauf hoffst, das leben zu können, was dir jetzt fehlt?

    Zitat

    "Warum tust du es dann nicht, worauf wartest du?" Auf den Lottogewinn, der mir alles leichter macht. Ganz ehrlich gesagt, hat mich der finanzielle Aspekt bisher ausgebremst. Ich habe Angst vor dem Einschnitt. Ich habe Angst vor der Verantwortung, die ich dann alleine tragen muss. Ich habe Angst nicht alles zu schaffen.

    Was gedenkst du also gegen diese Angst zu tun? Was lässt dich vermuten, dass du nach der Kur mehr Mut hast, die Angst bewältigt hast und dann die Trennung endlich fordern kannst? Die Zeit allein verändert nichts, die Kur sicher auch nicht. Was möchtest du also selber und ganz konkret ändern, um dich dann trennen zu können?

    Zitat

    Rein terminlich mache ich jetzt schon alles was erforderlich ist, aber es gibt darüber hinaus natürlich auch noch mehr. Und deshalb möchte ich die Kur nutzen, um Abstand zu gewinnen und danach gestärkt auf meinen Mann zugehen, um meine Trennungsabsicht mit ihm zu besprechen. Er wird sich nicht freuen, aber es hinnehmen.

    Gut. Das ist ein Plan. Ich kann nicht beurteilen, ob er schlüssig und durchdacht ist. Aber ich rate dazu, letztlich dann auf das zu setzen, was ich immer "Bewältigungsgewissheit" nenne. Die Gewissheit also, dass du in der Lage bist, nach der Trennung all das zu tun, was nötig ist, damit möglichst wenig unter der Trennung gelitten wird. Das gilt vor allem für den Sohn, aber auch für deinen Mann und dich.


    Es gibt da ein anschauliches Bild, ich verwende es gern bei nahenden Trennungen. Man hängt in einer dunklen Halle an einem langen Seil, das an der Decke befestigt ist. Man sah als einzige Möglichkeit zu überleben, sich an diesem Seil herunter zu lassen. Man tut das langsam und konzentriert. Aber irgendwann ist man am Ende des Seil, die Kräfte lassen nach - man sieht und weiß aber nicht, wie groß der Abstand zum Boden noch ist. "Kann ich jetzt springen, oder breche ich mir alle Knochen?" Man versucht das Dunkel zu durchdringen, manchmal gelingt das. aber letztlich bleibt der Sprung ein Wagnis. Die Alternative wäre aber, das gesamte Seil wieder nach oben zu klettern und einen anderen Weg zu suchen. Das erscheint den meisten Menschen in deiner Situation unmöglich.


    Und darum wirst du bald springen müssen, oder?


    Bei all dem ist das Gefühl wichtig, "alles in meinen Kräften Stehende für den Erhalt der Beziehung getan zu haben". Wenn man dieses Gefühl erzeugen kann, dann kommt auch nicht der Begriff des Scheiterns hoch. Du bist dann nicht gescheitert, auch eure Beziehung ist nicht gescheitert. Sie war am Ende, so wie Beziehungen am Ende sein können, wenn man sich nicht gemeinsam weiter entwickelt. Liebe ist endlich, nicht unendlich. Man kann etwas dafür tun, sie lebenslang zu erhalten, aber das liegt nicht in der Natur der Liebe.

    Zitat

    1. Er nimmt dich also ernst, hat sich mit deiner Forderung arrangiert und will einfach nur, dass du bei ihm bleibst. Ist das richtig? ...


    2. Dir reicht das aber nicht, sondern du spürst, dass es nicht das Leben ist, das du eigentlich leben möchtest. Auch richtig? Und es gibt keinen anderen Mann, bei dem du darauf hoffst, das leben zu können, was dir jetzt fehlt?

    1. Ja, er liebt mich - sagt er - und möchte mit mir zusammen leben.


    2. Ehrlich gesagt, ich kann mir garnicht vorstellen jemals wieder eine Beziehung auf Basis des Zusammenlebens zu führen. Nicht, weil ich so schlechte Erfahrungen gemacht habe, denn das stimmt nicht. Sondern einfach, weil ich niemanden brauche, der mit mir zusammenlebt. Eine neue Beziehung schließt das nicht aus, jedoch mit getrennten Wohnungen. Und - um vorzugreifen - das trotzdem nicht mit meinem Mann. Er ist für mich einfach nur noch ein Mensch, den ich gut kenne und der mir wichtig ist. Aber nicht als Liebesbeziehung. Ich möchte Distanz.




    Ich habe gestern viel über das hier geschriebene nachgedacht. Mir sind da viele Gedanken gekommen, über die ich noch weiter nachdenken muss... hat etwas mit Offenheit meinem Mann gegenüber zu tun... es geht um sein Verhalten in der Öffentlichkeit...


    ich muss nachdenken... dann kann ich erst schreiben, was mir durch den Kopf geht... melde mich... *:)

    Zitat

    Du bist dann nicht gescheitert, auch eure Beziehung ist nicht gescheitert. Sie war am Ende, so wie Beziehungen am Ende sein können, wenn man sich nicht gemeinsam weiter entwickelt. Liebe ist endlich, nicht unendlich. Man kann etwas dafür tun, sie lebenslang zu erhalten, aber das liegt nicht in der Natur der Liebe.

    Ich finde das sehr schön gesagt und gebe Oldie recht. Oldie ist nicht nur alt, sondern auch weise. ;-D

    Zitat

    Tu deinem Mann den Gefallen seines Lebens und trenn dich von ihm. Dann hat er wieder Platz zum leben.

    Das verstehe ich nicht. Er könnte sich ja schließlich auch trennen. Klingt von beiden Seiten betrachtet nicht nach vollkommendem Liebesglück.

    parazellnuss


    Wenn er Platz zum leben braucht, dann kann er sich den nehmen. Ich bin sicher nicht diejenige, die ihn bindet. Wenn er will, kann er den Schlussstrich ziehen. Ich denke nicht, dass ich dafür die alleinige Verantwortung trage.