Er hat psychische Probleme bekommen, ich fühle mich mitschuldig

    Ich weiss nicht recht wie ich anfangen soll... Bin mir auch nicht sicher, ob es unter Beziehung passt...


    Letzte Woche ruft mich mein Partner völlig aufgelöst von der Arbeit an, er komme nachhause, er möge nicht mehr. Das war jetzt nicht etwas, dass völlig aus dem nichts kam. Es zeichnete sich schon seit langem ab, dass es irgendwann mal so kommen könnte. Er war schon lange immer wieder unglücklich mit seiner Arbeit aus unterschiedlichsten Gründen. Von ausen betrachtet, kann man sagen, dass er die letzten 6 Jahren nach dem Studium eine tolle Karriere hingelegt hat. Er verdient für seine jungen 32 Jahren sehr gut, man hat ihm in Geschäft gefördert, hat ihm letztes Jahr im Sommer intern sogar eine neue Stelle angeboten, weil er seine Unzufriedenheit offensichtlich auch kund tat. Das war der letzte Hoffnungsschimmer und zuerst sah es auch so aus, als wäre das die Lösung. Der Stress und die Verantwortung wurden geriger, das Betätigungsumfeld entsprach mehr seiner Selbst... Und doch wurden die Fehltage immer mehr. Überdurchschnittlich mehr und trozdem bekam er weiterhin gute Beurteilungen. Also da hat man ihn doch recht in den Schutz genommen...


    Und so vermute ich mehr, dass nicht die Arbeit das Hauptproblem ist, sondern unsere Beziehung, besonders ich... Wir haben eine gemeinsame Tochter (5Jahre alt) und unser ewig währender Streitpunkt war und ist der Haushalt. Dazu kommt, dass ich selber nach der Geburt unserer Tochter psychisch schwer zu kämpfen hatte. Ich bin eine Chaotin, war es schon immer und doch konnte ich mich in den letzten Jahren in dem Bereich stark verbessern, zuliebe von ihm und meiner Tochter, weil es natürlich was anderes ist, wenn ich als Jungesellin alleine in einem Chaos lebe. Doch seinen Ansprüchen kann ich nicht gerecht werden. Da kann ich machen, was ich will. Es wird nie reichen. Er kommt von einem extrem gepflegtem Elternhaus, ich kann/will ihm das nicht bieten. Nun das weiss er und meine Hoffnung war, dass wenn ich dann im Vollzeitstudium bin (in einem Jahr wäre es soweit) und später 100% arbeite, dass ich sowiso nicht mehr für den Haushalt hauptverantwortlich wäre und dass sich dann der ganze Konflikt bessern würde. (zB wenn er selber mehr zum Hausmann wird, was eigentlich auch unser Plan war)


    Ja, und nun ist er am zerbrechen und ich habe Angst um ihn und um unsere Familie, das diese zerbricht, vielleicht sogar zerbrechen muss, damit es ihm wieder besser geht... :(


    Ja, vielleicht bin ich nicht ganz an allem Schuld, er hatte bevor wir uns kennen lernten auch schon eine schlimme depressive Phase. Er sagte mir auch immer, dass unsere Beziehung ihn da rausgeholt hätte... Aber nun habe ich das Gefühl, dass ich aktuell genau das Gegenteil für ihn bewirke. Er fühlt sich zuhause nicht wohl. Da ist ein rieser Wäscheberg, der seit ewigkeiten in seiner Grösse stagniert. Die Fenster habe ich letztes Jahr im Frühling mal geputzt, die Vorhänge irgendwann nach dem Sommer mal gewaschen. Da hängen Spinnweben von den Decken, im Regal mit meinen Schulsachen ist das reinste Chaos, der Kühlschrank müsste auch mal wieder gereinigt werden und die Kissenbezüge vom Sofa gewaschen... ect...


    Für ihn ist das alles eine enorme Belastung und für mich die reinste Reinlichkeit. Die Küche wird immer gemacht, ich staubsauge regelmässig, die Tische sind frei von irgendwelchem Zeug auch die Böden in den Zimmer sind frei von unrat und sogar saubere Kleider schaffen es immer schön regelmässig in den Schrank... Nur eben nicht alle. Aber im Gegensatz zu früher, bin ich damit für mich die reinlichkeit in Person. Und das ist ein riessen Problem, dass wir uns darin so krass unterscheiden.


    Ich frage mich, was ich nun machen soll... Einfach abwarten und mal schauen was der Gang zum Psychologen für ihn bringt (er hatte heute einen Termin und es sieht so aus, dass er für einige Monaten in die Tagesklinik geht, sobald ein Platz frei wird.) Ich mein, natürlich versuche ich nochmals einen Gang höher zuschrauben, mich nochmals zu verbessern, aber ich habe das jetzt schon so oft versucht und auch wollen und bin immer wieder gescheiter... Ich werd vielleicht nochmals einen kleinen beständigen Schritt weiter machen können, aber der wird nicht reichen. Das weiss ich jetzt schon. Dazu kommt, dass ich auch meine Ausbildung noch habe und meine Tochter soll im Ganzen natürlich als letztes zu kurz kommen! Und ich will auch nicht wieder in die Scheisse zurückfallen. Ich habe mich doch endlich richtig zurückkämpfen können, stehe seit bald 2Jahren mit beiden Beinen wieder voll im Leben, habe Freude, bin beständig und zielstrebig... Aber vielleicht ist auch das ein Grund, warum es ihn jetzt so schlecht geht... So lange musste er es mit mir aushalten und selber stark sein, jetzt schlägt das irgendwie voll zurück. :(


    Ich könnte momentan fluchen, schrien, weinen, alles gelichzeitig... Ja auch fluchen, denn irgendwie bin ich auch verdammt wütend, wütend auf mich, auf ihn auf alles!

  • 41 Antworten

    Ich denke, als jemand der selbst depressiv war, du solltest aufhören Schuld zu suchen.


    Stattdessen versuche deinen partner darin zu unterstützen sich Hilfe zu suchen. Das ist das wichtigste.


    Vermutlich weiß er selbst nichtmal, was genau das ausgelöst hat (oftmals kann man sich zwar ein paar Sachen denken, aber in einer Therapie findet man dann noch viel mehr über sich heraus...)

    Meine ich auch, dass es kein zielführender Ansatz ist, die Schuld zu suchen - weder bei dir noch bei ihm. Es passt in der Hinsicht nicht allzu gut bei euch, das mag bedauerlich sein, aber Liebe überwindet viel, wenn vielleicht auch nicht alles.


    Du kannst ihm als Partnerin, die mit sich selber zu kämpfen hat, auch kaum eine "therapeutische" Hilfe sein. Würde er zu einem professionellen Helfer gehen?

    Vielen Dank für deine Antwort


    Ja, ich versuche momentan vorallem ihm Raum und Zeit zu geben und natürlich unterstütze ich ihn voll und ganz bei den weiteren Gängen zum Psychologen und versuche ihm das Geühl zu geben nicht versagt zu habe . Aber ob das reicht... Ich habe Angst, dass jetzt alles zuspät ist für unsere Beziehung und wir kurz vor dem aus stehen :( und das nicht wegen seinen aktuellen Problemen, sondern wegen unserem ewigen Problem, dass jetzt vielleicht ganz durchschlagen wird :( Ich habe Angst...

    @ Mallag ja,

    er geht zu einem Psychologen und in absehbarere Zeit wird er in eine Tagesklinik gehen können, wenn ein Platz frei wird. Auch wenn er nicht wirklich Fan davon ist und Angst hat, da in eine Psychofalle zu kommen (so wie es seit bald drei Jahren mit seinem Besten Freund läuft) aber er sieht die nötigkeit ein und versucht auch mit guter Hoffnung da ran zu gehen. Ich versuche ihm da auch Mut zu machen...


    Ich denke als Partnerin, generell als Bekannte, kann man nicht therapeutisch wirken. Man kann nur menschlich unterstützend sein. Die frage ist nur, was jetzt kommen wird...

    Maria, dass du Angst hast hast, ist in so einer Krise verständlich und normal. Allerdings lässt sich hier nichts abkürzen, die Entwicklung bleibt abzuwarten. Oder man führt selbst ein schnelles Ende herbei, aber das willst du wohl nicht, und es wäre auch nicht einfacher ...

    Zitat

    er geht zu einem Psychologen und in absehbarere Zeit wird er in eine Tagesklinik gehen können, wenn ein Platz frei wird. Auch wenn er nicht wirklich Fan davon ist und Angst hat, da in eine Psychofalle zu kommen (so wie es seit bald drei Jahren mit seinem Besten Freund läuft) aber er sieht die nötigkeit ein und versucht auch mit guter Hoffnung da ran zu gehen.

    Ich halte die Angst Deines Freundes für berechtigt, und für mich ist nicht nachvollziehbar, warum er in eine Tagesklinik geht.


    Kannst Du das erklären?

    Ich habe nur einen praktischen Tipp, der Dir vielleicht ein bisschen Druck nehmen könnte: warum nehmt ihr euch nichts mal eine Putzfrau, die alle zwei Wochen eine Grundreinigung durchführt? Wenn er gut verdient, dürfte das doch möglich sein, so wahnsinnig teuer ist das nicht.

    das ganze hat doch (mindestens) zwei seiten. zum einen scheint dein freund ja insgesamt sehr hohe ansprüche an sich, seine leistung, sein leben, den haushalt, das familienleben zu haben - und zum anderen, passen eure ansprüche wohl nicht ganz zusammen.


    wahrscheinlich ist es ganz gut, dass er "endlich" zusammen geklappt ist, weil er sich sonst vielleicht nichtg so schnell einer behandlung gestellt hätte.


    und du kannst die zeit nutzen, ihn zu unterstützen, ihm den rücken für seine therapie frei zu halten und auch an dir selber zu arbeiten.

    Du solltest dringend von dem Gedanken wegkommen, dass du an seinen psychischen Problemen schuld bist. Insbesondere bekommt man sowas nicht von einer etwas unordentlichen Wohnung.

    Zitat

    Er fühlt sich zuhause nicht wohl. Da ist ein rieser Wäscheberg, der seit ewigkeiten in seiner Grösse stagniert. Die Fenster habe ich letztes Jahr im Frühling mal geputzt, die Vorhänge irgendwann nach dem Sommer mal gewaschen. Da hängen Spinnweben von den Decken, im Regal mit meinen Schulsachen ist das reinste Chaos, der Kühlschrank müsste auch mal wieder gereinigt werden und die Kissenbezüge vom Sofa gewaschen... ect...

    Das sind doch aber alles Sachen, die man mit regelmäßig 1-2 Stunden am Wochenende in den Griff bekommen kann. Auch wenn er Vollzeit arbeitet ist es nicht zuviel verlangt ein wenig mit anzupacken, vor allem bei solchen Ansprüchen. Warum hat er es nicht einfach selbst gemacht? Oder eine Putzhilfe organisiert, er verdient doch gut?


    Wenn er zerbricht wie du schreibst, dann wahrscheinlich eher an seinem selbstauferlegtem Perfektionismus. Im Job ist das bestimmt auch ein Problem. Aber daran bist du nicht schuld.

    Vielen Dank für eure Antworten.

    @ Mond+Sterne

    Ich wahr ehrlich gesagt auch etwas überrascht, dass er jetzt gleich in eine Tagesklinik gehen soll... Heute Nachmittag hat er auch ein Telefon bekommen, dass er bereits nächste Woche gehen kann... Ich habe gehofft, er hätte jetzt etwas mehr Zeit mal nur für sich... Aber er scheint auch froh zu sein, dass jetzt scheinbar etwas geht. Naja ich versuche da neutral zu sein und ihn zu unterstützen.

    @ Andrusch und Lavendelblüte

    Eine Haushälterin wäre super, ja. Aber soo gut sind wir dann leider auch noch nicht dran. Ich verdiene momentan nichts und bin in einer Ausbildung. Dazu ist Haushalten nicht gerade unsere Stärke. (Was mir nicht soviel kummer bereitet ihn aber schon wenn mal ne Rechnung liegen bleibt, aber gleichzeitig will doch er lieber die Finanzen machen, weils dann so schon auf ner Tabbele eingetragen ist... Wenn ers dann mal macht...ach)

    @ Die Seherin

    Ja, das hat er. Das hat ihn aber auch soweit gebracht (so er im positiven Sinne gesagt..) Ich meine jetzt an mich kann er diese Ansprüche bezüglich Haushalt schon stellen, aber es ist schon auch krass, wie er seine eigenen Leistungen derart immer klein redet und dass es ihn stört, dass man ihn für Dinge lobt, die er aus seiner Sicht überhaupt nicht gut gemacht hat... Da liegt sicher einer der grossen Probleme in der ganzen Geschichte und da habe ich ihm auch schon gesagt (schon länger her), dass ihm diese Einstellung nicht gut tut. Hier wird vielleicht eine Psychotherapie helfen können. Ich kann ihn da nicht weiter bringen, dafür stehen wir uns einfach zu nahe. Auf der anderen Seite, hohe Ansprüche zu haben, muss ja nicht generell verkehrt sein. Aber da fehlt ihm manchmal das Mass bei gewissen Dingen.

    Zitat

    Du solltest dringend von dem Gedanken wegkommen, dass du an seinen psychischen Problemen schuld bist. Insbesondere bekommt man sowas nicht von einer etwas unordentlichen Wohnung.

    Ist wohl so, auf der anderen Seite habe ich mich einbisschen an den Gedanken festgeklammert, wenn ich dass jetzt endlich hin bekomme, dann kann ich ihm ev etwas besser helfen. Aber ich glaube, ich darf das alles jetzt nicht zu persönlich nehmen. Auch fokusiere ich so schlussendlich auf ein Problem, dass wohl wirklich nicht im Zentrum steht.


    Es ist nicht so, dass er nichts im Haushalt macht. So ab und zu gehts mit ihm durch und dann putzt er wie ein wilder. (Vorhin hat er den Kaktus abgestaubt... ^^ einfach so, ohne vorwahrnung.. Ehm ja...)


    Er ist sonst ein toller Mensch. Klug, einfühlend und durchaus auch vernünftig, nur manchmal... manchmal verstehe ich ihn einfach nicht.


    Hach... Ich glaub ich muss jetzt einfach abwarten. Wir haben jetzt zwei Tag für uns. Ich bin aber froh, dass ich hier Inputs bekam. Das hat mich jetzt wirklich etwas runter holen können. Danke!