Er muss sich an meine Liebe gewöhnen

    Hallo liebe Forumsmitglieder,


    Ich bin total durcheinander und hoffe auf euren Rat. Ich bin mit meinem Freund seit 6 Monaten zusammen. Er war vorher lange alleine (die letzten acht Jahre Single), ich in zwei langjährigen Beziehungen (fünf und zwei Jahre).


    Im Grunde ist er sehr anhänglich, legt seinen Kopf auf meinen Schoß, möchte gestreichelt werden…


    Andererseits ist er sehr distanziert, hat ständig was anderes im Kopf, überlegt, was er alles tun könnte, wenn ich nicht da wäre und ist (meiner Meinung nach) ziemlich unsensibel.


    Oft (nicht immer, aber zu oft) komme ich mir einfach unerwünscht und als störendes Objekt vor, mit dem er jetzt Zeit verbringen muss, weil das irgendwelche Normen so vorsehen.


    Wir sehen uns unter der Woche wenn es hoch kommt an einem Abend und am Wochenende Samstagabend bis Sonntag.


    Trotzdem ist er oft unzufrieden, weil er gerne beides hätte, mich sehen und was anderes machen. Das das nicht geht, ist ihm logisch schon klar, ändert aber nichts an der Unzufriedenheit.


    Gestern meinte er, er müsse sich erst an meine Liebe gewöhnen. Die Gefühle würden ihn erdrücken (nicht ich, die Gefühle), weil er es nicht mehr gewohnt ist.


    Er hätte sich all die Jahre eine Partnerin gewünscht, jetzt hat er eine und ist überfordert.


    Für mich ist das so abstrakt.


    Er sagt, er versucht, sich an meine Liebe zu gewöhnen. Ob er es jemals tut, weiß er nicht.


    Und ich bin völlig durcheinander und habe das Gefühl, mit meinen Gefühlen aufzulaufen.


    Kann mir irgendjemand einen Rat geben, wie ich damit umgehen soll?


    Liebe Grüße,

  • 32 Antworten

    Sorry, da kann ich nur Männer sagen!


    Klar, nach langer Einsamkeit wieder mit jemandem ssein Leben teilen, ist eine kleine Umstellung, die man aber dann gerne eingeht. Ich war auch längere Zeit alleine und mein jetztiger Freund blieb vom ersten Tag an bei mir. Ich muss dazu sagen, das ich vorher nie mit jemanden zusammen gewohnt habe!


    Ich muss auch meine alten Angewohnheiten liegen lassen, aber ich tu es gerne!!!


    Von daher, man kann einen Mann in diesem MOment nicht verstehen!


    Ihr seht euch 1x in der Woche, ansonsten am WE!?


    Da hat er doch eichlich Zeit , seine Hobbies nach zugehen! Vielleicht solltet ihr euch mal jeden Tag sehen, damit er sich daran gewöhnen kann, das da noch jemand ist!


    Ich würde mir das ein paar Tage anschauen und dann mal mit ihm Tacheles reden!!!


    Viel Glück

    patience


    Ehrlich? Ich würde da nicht mehr viel Energie investieren, sondern mich zurückziehen. Das wäre mir alles viel zu vage - und das: Im Grunde ist er sehr anhänglich, legt seinen Kopf auf meinen Schoß, möchte gestreichelt werden… wirkt auf mich auch nicht nach einem zärtlichem Austausch von Geben und Nehmen... sorry...

    Also, ich muss jetzt mal eine Lanze für deinen Freund brechen... weil ich dieses Verhalten kenne, von mir selber. Wenn du ein Mensch bist, der vielleicht ohnehin nicht gut Gefühle zeigen kann, der nicht so ein ausgeprägtes Nähebedürfnis hat und der dies alles in den letzten Jahren auch noch verlernt hat, dann hast du mit Sicherheit Probleme, dich plötzlich von Null auf Hundert in eine Partnerschaft einzubringen.


    Das, was du an deinem Freund kritisierst, ist genau das, was mein Freund auch an mir kritisiert. Es liegt aber nicht daran, dass ich ihn nicht mag oder nicht mit ihm zusammen sein will. Es liegt daran, dass ich diese Art von Zusammenleben einfach nicht gewohnt bin (meine letzte Beziehung war sehr distanziert). Und dass mein Nähebedürfnis auch nicht so ausgeprägt ist wie seins. Ich möchte auch manchmal beides - meine Freiheit und mit ihm zusammensein....


    Ich glaube, ihr habt auch ein unterschiedliches Nähe- und Distanzbedürfnis. Da müsst ihr euch entweder arrangieren bzw. Kompromisse eingehen oder es wird auf Dauer nicht gut gehen. Und ich würde sagen, gib ihm die Zeit, sich dran zu gewöhnen!

    Zitat

    Ich glaube, ihr habt auch ein unterschiedliches Nähe- und Distanzbedürfnis.

    So siehts aus. Du wirst dir ueberlegen muessen, ob du eine Beziehung mit einem Mann fuehren moechtest, dem einmal unter der Woche und einmal am Wochenende sehen zu viel ist. Ich persoenlich wuerde es nicht wollen :-/

    Also erstmal Danke für eure schnellen Antworten.

    @ lillefee

    Zitat

    Ich muss auch meine alten Angewohnheiten liegen lassen, aber ich tu es gerne!

    Er vergleicht es mit einem Marathon-Läufer. Das Training ist anstrengend, aber man hat das große Ziel vor Augen. Er kann eben nicht immer so, wie er will (oder es weiss nicht immer, was er will).

    Zitat

    Vielleicht solltet ihr euch mal jeden Tag sehen, damit er sich daran gewöhnen kann, das da noch jemand ist!

    Wir waren schon drei Wochen zusammen im Urlaub, das hat bestens funktioniert. Da waren wir einfach den ganzen Tag beschäftigt und er hat es genossen, dass ich da bin. Im Urlaub ist es aber wohl viel einfacher, andere Dinge (wie Steuererklärung, Versicherungen, Rasen mähen, Rollladen reparieren...) auszublenden.

    @ Sydney

    Im Alltag ist der Austausch von Geben und Nehmen leider wirklich unausgeglichen. Wenn wir spatzieren gehen, nimmt er schon meistens meine Hand, das war's dann aber auch. Wenn ich in den Arm genommen werden möchte, soll ich es doch sagen.


    Im Bett ist er allerdings die Einfühlsamkeit in Person. Ich hab leider ziemliche Schwierigkeiten, weil ich oft Schmerzen habe. Da ist er ein Ausbund an Geduld und Vorsicht, immer darauf bedacht, dass es mir gut geht. Nur im Alltag eben leider nicht.


    Er meint, ich könne mir das gar nicht vorstellen, wie das ist so lange alleine gewesen zu sein. Und damit hat er eindeutig recht, ich kann es mir wirklich nicht vorstellen.

    @ sympathy

    Er sagt, er liebt mich. Glaubt er zumindest, weil woher soll er genau wissen, dass das was er empfindet wirklich Liebe ist.


    Und ich müsste die Dinge sehen, mit denen er mir das zeigt. Auf meine Nachfage kam als Beispiel 'Abendessen kochen'. Er für sich würde Abends einfach ein Brot essen, wenn ich komme, dann kocht er auch mal was. Auf die Idee wäre ich gar nicht gekommen, weil das für mich so normal ist.


    Ich versuche, mich irgendwie zu arrangieren, aber ich weiss nicht so recht wie.


    Wie lange hat es denn bei dir gedauert, sich daran zu gewöhnen? Oder bist du noch in der Gewöhnungsphase?

    @ Flip_Flop

    Das ist ja genau das, was mich so kirre macht. Würde er mich nicht sehen wollen, wäre das eine sehr einfache Entscheidung. Aber er will mich ja sehen. Er ruft auch an und fragt, wann ich komme, oder ob er kommen soll. Und wenn er dann da ist, ist er trotzdem oft unzufrieden.

    Wie auch immer es konkret ist, ueberleg dir, ob du damit leben kannst. So wie er ist und nicht so wie er waere, wenn er nicht so waere, wie er eben ist ;-) Verstehst du, was ich meine?

    Das ist zur Abwechlsung mal was, was ich verstehe ;-)


    Wenn es genau so bleibt, kann ich nicht damit leben. Aber was, wenn er sich doch daran gewöhnt und nur Zeit baucht? Er ist ja selber damit unzufrieden, dass er so unzufrieden ist. Du verstehst? (Arrgh)

    ja, ich verstehe :-)


    Vielleicht setzt du dir selber ein Zeitlimit und wartest das ab. Nochmal 6 Monate? oder 3 Monate?


    Schreib dir jetzt genau auf, wie es ist, was dich stoert etc. und schau es nach der abgelaufenen Zeit nochmal an.. dann wirst du merken, obs besser geworden ist oder nicht.


    Das es ihn auch stoert bringt dir ja auch nur begrenzt etwas :-/

    Zitat

    Wie lange hat es denn bei dir gedauert, sich daran zu gewöhnen? Oder bist du noch in der Gewöhnungsphase

    Naja, irgendwie habe ich immer noch so meine Probleme damit. Mein Verhalten hat auch schon dazu geführt, dass es immer mal Trennungsphasen gab, weil er damit (auch mit meiner Unzufriedenheit) nicht klar kam. Aber irgendwie können wir beide nicht ohne einander....


    Ich würde sagen, eine Garantie gibt es nicht. Wenn er dich wirklich liebt (auch ich zeige meine Gefühle nicht immer auf die "normale" Art, und wenn er für dich kocht, obwohl er das normalerweise nicht macht, würde ich das schon als eine Art Liebesbeweis ansehen...) und dich nicht verlieren will, wird er sich bemühen. Wenn allerdings euer Nähe- und Distanzbedürfnis von Haus aus unterschiedlich ist, wird es trotz aller Gefühle auf Dauer vermutlich nicht gutgehen. Denn man kann sich immer nur so weit bemühen, wie es die eigene Persönlichkeit zulässt.

    @ Flip_Flop

    Du hast recht, das bringt mir nicht viel. Aber irgendwie macht es mir auch Hoffnung. Besser, als wenn es ihm egal wäre.


    Das mit dem Aufschreiben werde ich mal machen. Aber ich komme mir jetzt schon etwas kleinlich vor. Auf lange Sicht muss ich mir wohl eine Frist setzen. Aber er hat eben auch gute Seiten. Und ich liebe ihn.

    @ sympathy

    Ich stand auch schon zwei Mal kurz vor der Trennung. Weil er mir eben auch nicht sagen kann, dass es besser wird.


    Das mit den 'Liebesbeweisen' ist natürlich so eine Sache. Ich kann das Kochen z.B. ja nur als solchen erkennen, wenn ich weiss, dass er normalerweise nicht kocht. Das sagt er mir aber nicht. Wenn ich komme dann fragt er, ob ich noch etwas essen will. Sage ich ja, kocht er. Woher soll ich da wissen, dass er das nur für mich tut? Ich koche ja jeden Abend.


    Wenn er nur mal selber wüsste, was er will. Die häufigste Antwort wenn ich ihn frage, was er sich wünscht oder wie er es sich vorstellt ist 'ich weiss es nicht'.

    Zitat

    Aber ich komme mir jetzt schon etwas kleinlich vor.

    Na hoer mal, dass er in der wenigen Zeit, in der ihr euch seht, immer unruhig ist, weil er lieber was anderes machen wuerde ist doch keine Kleinigkeit!

    Das Kleinlich bezog sich auf das Aufschreiben. Listen führen, Dinge gegeneinander aufwiegen... das ist eigentlich nicht so meine Art.


    Deswegen schreckt mich die 'was-mir-an-meinem-Freund-nicht-passt-Liste' etwas.


    Ich versuche ihn irgendwie zu verstehen. Meistens leider erfolglos. Wenn er versucht, mir das zu erklären fühle ich mich oft wie ein Blinder, dem man versucht die Farbe Gelb zu beschreiben.


    Er sagt, wenn er abends aus der Arbeit kommt, dann ist er einfach fertig und kann nichts mehr machen. Dann schmiert er sich noch ein Brot und legt sich auf's Sofa (auf dem er dann oft genug einschläft).


    Damit bleibt ja nur das Wochenende für alles andere was er im Kopf hat. Und die freie Zeit die er hat, verbringt er zu 50% mit mir.


    Und nur weil ich meinen Job, mein Ehrenamt, meinen Sport und ihm unter einen Hut bekomme, muss das bei ihm eben nicht zwangsläufig so sein.


    Ach, ich weiss auch nicht :-(

    patience

    Zitat

    Ich stand auch schon zwei Mal kurz vor der Trennung. Weil er mir eben auch nicht sagen kann, dass es besser wird.

    Die Frage ist ob du ihm glaubst, was er sagt. Nicht ob du ihm glaubst, dass er glaubt was er sagt, sondern ob du anhand deiner Wahrnehmung, deiner Erfahrung, deinem Bauchgefühl etc. glaubst, dass es eine Gewöhnungssache und somit eine Frage der Zeit ist.