letztlich ist jede Beziehung, so ganz sachlich betrachtet, ein Vertrag - man will etwas von dem anderen, und gibt ihm etwas zurück. Dass man also eine Beziehung führt, weil man bestimmte Wunschvorstellungen vom eigenen Leben hat und mittels dieser Beziehung realisieren will, ist noch nicht per se pathologisch.


    Hart gesagt könnte hier ein Muttersöhnchen (Elternsöhnchen?) vorliegen, das darauf gepolt ist, so zu Leben wie die Eltern es ihm beigebracht haben (damit er vor ihnen gut, als guter erfolgreicht Sohn) da steht, und die Freundin eigentlich nur missbraucht, um diese Ziel zu erreichen. Wenn sie nicht mitspielt, wird sie subtil (mit ihrem Mitgefühl für ihn, ihrem Mitleiden mit seiner Trauer) versucht zu erpressen.


    Auch wenns nicht so hart sein sollte, klingts zumindest nach jemandem der immer sehr um sich kreist. Der Zen-Buddhist weiss, je mehr man sein "Ich" in den Vordergrund stellt, umso leidvoller wirds. Größe kommt durch "Ritterlichkeit" - die eigenen Bedürfnisse hintenan stellen und lieber anderen helfen. Er tut hier quasi das Gegenteil. Er schadet letztlich beiden damit.


    Es wird auch immer davor gewarnt, als Laie Dinge zu pathologisieren. Man möge nicht als Laie die "Diagnose" "Narzisst" stellen (man ist schließlich nicht Psychologe oder Psychiater). Hat dann die Folge dass in der Praxis bestimmte charakteristische Verhaltensmerkmale nicht im "Kontext der krankhaften Struktur" betrachtet werden, weswegen notwendiger Erkenntnisgewinn ausbleibt und das Leiden hinausgezögert wird.


    Also letztlich gibts hier diverse Interpretationsmöglichkeiten - mir scheint der einzige sinnvolle Ratschlag an die TE zu sein, dass sie sich umfassender informieren soll über narzisstische und sonstige egozentrische und missbräuchliche Verhaltensweisen, um ihren Liebsten da besser einschätzen zu können (und dann die richtigen Konseuqenzen ziehen kann).

    Zitat

    Eigentlich ist es doch total schön, dass er mich so gerne bei sich hat, aber ich bin undankbar und unzufrieden.

    Nein, Du bist nicht undankbar. Du fühlst dich von ihm vereinnahmt und erdrückt. Liebt er dich, oder betrachtet er dich als Besitz?


    Anhand deiner Schilderung kann ich nicht erkennen, dass ihr besonders gut zusammenpasst


    Ich selbst halte mir andere Menschen gern auf Distanz. Zu meinem Mann habe ich jedoch ein ganz anderes Nähebedürfnis. Wir würden freiwillig (dienstlich lässt sich das natürlich nicht vermeiden) niemals längere Zeiten oder nur Tage getrennt verbringen. Unsere Freunde sind auch gemeinsame Freunde, bei Feiern gibt es uns tatsächlich im Doppelpack.


    Aber das bedeutet noch lange nicht, dass mein Mann mich verplant und wir alle Aktivitäten und Hobbys teilen müssen. Und selbst im gemeinsamen Urlaub macht jeder über Stunden seins. Alles andere würde einem ja die Luft zum Atmen nehmen.


    Ich sehe bei Euch zumindest einen ziemlich großen Klärungsbedarf.