Mir fehlt zwar (gottlob) die Erfahrung mit der Ehe, aber in so einer Situation, solange man sich als Eltern einen freundschaftlich-liebevollen Umgang miteinander und zu den Kindern bewahrt, fände ich eine WG (und daneben außereheliche Liebesbeziehungen) nicht die schlechteste Lösung.


    Mit wem meine Eltern Sex haben hätte mich als Kind nicht gejuckt. Wenn plötzlich einer von beiden weg gewesen, und ich ihn nur noch ab und zu Besuchszeit gesehen hätte, dagegen sehr.

    Sinnestäter

    Dazu habe ich mich ja auch schon geäußert. Das Problem an diesem "Modell" ist, dass es meist nur so lange klappt, wie man sich emotional nicht auf eine andere Person einlässt. Sprich: Geht es nur um den sexuellen Part, funktioniert es sicher super. Verliebe ich mich, möchte ich die Person auch an meinem Leben teilhaben lassen und muss klare Fronten schaffen. Dann kann man in den seltensten Fällen "einfach nur so" noch mit dem Ex zusammenleben.

    Das funktioniert dann, wenn man eine gute menschliche Basis hat, als nicht nur reine WG, sondern auch andere Bindungsfaktoren, die einander unersetzlich machen. Dann ist auch Fremdverliebtheit, die ohnehin wieder abflaut, nicht wirklich ein Problem.

    Emma_Peel

    Wäre es nach der Logik nicht einem Studenten in einer WG auch unmöglich, sich zu verlieben und den anderen an seinem Leben teilhaben zu lassen?


    Ich behaupte ja nicht, daß es einfach ist, gerade wenn da Gefühle im Weg stehen, die man zu einem "normalen" WG-Mitbewohner nicht hat. Aber soweit sollte man sich doch zusammenreißen können, als Vater oder Mutter. Entweder man will seinen Ehemann/seine Ehefrau noch, oder nicht. Will man ihn/sie nicht, dann begrüßt man seine/ihre Neue/n in der WG, wie man es in einer Studenten-WG tun würde...das muß doch zu machen sein ":/

    Bärchen80

    Zitat

    Ich habe einfach das Gefühl das sich die Frau des TE so wie sie lebt ganz wohlfühlt und seien wir mal ehrlich es gibt nicht nur 1 Frau die Sexualität dafür benutzt um zu bekommen was sie möchte und sich dann ganz überraschend dafür entscheidet keusch zu leben nachdem sie ihr Ziel erreicht hat.

    Ich finde diese Sichtweise etwas eindimensional. Für sehr viel wahrscheinlicher halte ich es, dass Kinder nunmal eine ganz andere Komponente in die Beziehung bringen, die tendenziell lusttötend ist.


    So ist es zum Beispiel bei vielen Frauen so, dass in den Monaten nach der Geburt der Bedarf nach körperlichem Kontakt komplett über die Versorgung des Kindes gedeckt ist. Viele mögen nicht mal gestreichelt werden, weil sie froh sind, wenn sie ihren Körper mal fünf Minuten für sich haben. Dazu dann die neue Mutterrolle, andere Verantwortung, finanzielle Umbrüche, klassische Rollenvorstellungen, Unabhängigkeit aufgeben, Stress, Schlaflosigkeit, Streitigkeiten zwischen den Partnern... Das alles ist trotz bester Planung einfach nicht vorhersehbar und fällt oft heftig aus. Da kann schon mal die Anziehungskraft auf der Strecke bleiben und Männer können das tendenziell besser ausblenden.


    Wir haben letztens gerade mit Freunden zusammengesessen und darüber gewitzelt, wie oft es wohl vorkommt, dass ein Mann nach einem Streit keinen Sex will, "weil er nicht einfach umschalten kann". ]:D Von Freundinnen und auch von mir kenne ich dieses Problem, den Alltag auszublenden, durchaus – Männern fällt das meist leichter. Dazu kommen dann natürlich noch andere persönliche Faktoren wie generelles Lustempfinden und die Vergangenheit beider Partner.


    Und nicht zu vergessen: Es gibt auch viele Männer, die lustlos werden. Da schreibt nie jemand "der hätte ja sein Ziel erreicht", denn so etwas wird nur den Frauen vorgeworfen. Sicherlich, es gibt solche Fälle, aber ich halte das für einen ganz geringen Prozentsatz. Auch Frauen macht ein sex- und liebloses Leben nicht glücklich. ;-)

    Sinnestäter

    Ähm, wenn die Beziehung ernster wird, will ich den neuen Partner sehen, der kein Problem damit hat, dass der andere mit dem Ex zusammenlebt und den Kindern heile Welt vorspielt. Übernachtungen? Familienfeiern? Urlaube? Das alles fordert dann ja ein äußerst hohes Maß an Toleranz von allen Beteiligten und die wird wohl eher die Ausnahme denn die Regel sein.


    Mit einer gewöhnlichen WG ist das kaum zu vergleichen und selbst da gibt es – gerade in höherem Alter – Menschen, die es eher unangenehm fänden, einen Partner zu haben, der in einer WG lebt.


    Voraussetzung für eine Ex-Partner-WG wäre, dass sich die Ex-Partner wirklich komplett und ausschließlich freundschaftlich gegenüberstehen. Der TE steckt dafür beispielsweise noch viel zu tief emotional in dieser Geschichte, als dass er jetzt locker auf WG umschalten könnte und vermutlich ist genau das auch der Normalfall: Einer entliebt sich und der andere trauert der Beziehung mehr oder weniger stark hinterher. Schlechte Ausgangssituation...

    Bärchen80

    Zitat
    Zitat

    Ich habe einfach das Gefühl das sich die Frau des TE so wie sie lebt ganz wohlfühlt und seien wir mal ehrlich es gibt nicht nur 1 Frau die Sexualität dafür benutzt um zu bekommen was sie möchte und sich dann ganz überraschend dafür entscheidet keusch zu leben nachdem sie ihr Ziel erreicht hat.

    Und ich finde das nicht eindimensional. Ich habe sogar eine Freundin, die so tickt. Sie schläft mit ihrem Mann, damit es keine Trennung gibt und fertig. Und weil sie ihre beiden Kinder haben wollte.


    Übrigens kann man das auch über Männer sagen. Die Erfahrung habe ich gemacht.


    Und ehrlich gesagt, sollte der Frau sehr wohl bewusst sein, WAS sie da von ihrem Mann verlangt. Mit Geständnis hat das doch nichts zu tun. Wenn es für sie sexuell in der Beziehung nicht mehr passt, müsste sie für Lösungen sorgen (es ändern, sich trennen etc.) Statt dessen packt sie es auf den Tisch – und dann kann ihr Mann ja sehen, wie er damit umgeht. Finde ich lieblos und hat für mich nichts mit Partnerschaft zu tun.

    @ Milchmann:

    ich lebe seit etwa der gleichen Zeit so. Bei uns ist es umgedreht. Fakt ist, ich halte das nicht aus. Auf Dauer wird es nicht gehen. Mein Mann hatte jetzt eine Auszeit für sich. Ich habe ihn nicht mal mehr vermisst. Wenn er nicht erstaunlicherweise als anderer Mensch wiederkommt, wird es für mich nur noch die Trennung geben. Übrigens geht es unseren Kinder in der aktuellen Situation (also nur mit mir) besser. Ich denke, wir können gut ein Wechselmodell machen – denn zwischen uns steht kein Hass sondern Freundschaft und Respekt. Mehr aber nicht, also werde ich mich auch nicht in ein Pärchenlebensmodell zwingen.


    Ich wünsche Dir alles Gute!

    Die Diskussion ist ein bisschen aus dem Ruder gelaufen, aber interessant ist es trotzdem, die sehr kontroversen Meinungen zu lesen.


    Weder meine Frau noch ich befinden uns in einem Zustand, in dem wir uns auch nur annähernd wohl fühlen. Wir hätten gerne beide Eheglück anstatt andauerndem Sexfrust, der die ganze Beziehung umhüllt wie eine schwarze Wolke. Es ist nicht mal der Sex, es ist vor allem auch die Sorge vor einer ungewissen Zukunft, weil der nicht mehr mögliche Sex eben die Ehe akut gefährdet.


    Sex um des Sex Willen nach dem Motto "Augen zu und durch" ist übrigens nicht nur für meine Frau undenkbar, sondern auch für mich. Und hoffentlich für jeden einigermaßen anspruchsvollen Menschen.


    Unsere Wohnsituation ist weder für WG noch für ne Trennung so wirklich geeignet. Das Haus gibt keine getrennten Lebensbereiche her. Allenfalls Bad und schlafen könnte man trennen, aber in einer WG-Ehe wären keine Beziehungen drin, die im Haus vorbei kommen. So weit geht meine Toleranz nicht, mit meinem Nachfolger zusammen im Wohnzimmer zu sitzen...


    Würden wir uns trennen, würde meine Frau gerne entweder das Haus halten oder in eine größere Stadt in der Nähe ziehen. Ich würde gerne wieder zurück in meine alte Großstadt, da ich mich dort viel wohler fühle, und mir so auch das 3-stündige Pendeln jeden Tag sparen würde. So wäre ich aber plötzlich über eine Stunde von den Kids entfernt. Schwierig.


    Wenn WG bleiben die Möglichkeiten, sie enthaltsam zu führen (so lange man das eben schafft), oder sich auf ne offene Ehe zu einigen. Ich denke dass wir beide derzeit zur zweiten Variante tendieren, auch wenn ich noch nicht weiß wie ich damit zurecht kommen würde. Aber auch das kann höchstens so lange funktionieren, bis sich einer neu verliebt...


    Nur macht es für die Kinder Sinn, eine WG-Ehe zu führen, so lange es eben geht? Oder lieber gleich auf ein möglichst gutes Familienleben getrennt hinarbeiten? Kinder brauchen noch mehr als wir Erwachsenen Beständigkeit. Vielleicht werd ich wenn es soweit ist mal die Familienberatungsstelle kontaktieren, bei der wir auch die Eheberatung machen.

    Ich glaube, da gibt es keine pauschale und einzig "richtige" Antwort.


    Sie muss sich wenn dann für Dich richtig anfühlen.


    Dass Ihr beide evtl. dazu bereit wärt, eine offene Ehe zu führen, nimmt schon mal Druck raus.... Denn sexuelles Desinteresse verkünden und zugleich eheliche Treue "verlangen" wäre schon ein starkes Stück (und ist vermutlich gar nicht mal so selten).


    Was die Kinder betrifft, ist es keineswegs so, dass sie sich nur in einem fest definierten Familien-Schema wohlfühlen. Viel entscheidender ist die Atmosphäre, von denen sie täglich umgeben sind. Nicht zu vergessen, dass das vorgelebte Beziehungsverhalten womöglich sehr prägend ist....


    In vielen Fällen habe ich den Eindruck, dass die Kinder als Grund vorgeschoben werden, wenn man selber zu feige für größere Schritte ist.... Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und verharrt tendenziell lieber in einer Situation, die zwar unangenehm ist, aber sich vertraut anfühlt, statt den Schritt ins Unbekannte zu wagen, selbst wenn er eine positive Veränderung verspricht.

    @ Alchemilla29:

    Zitat

    Statt dessen packt sie es auf den Tisch – und dann kann ihr Mann ja sehen, wie er damit umgeht. Finde ich lieblos und hat für mich nichts mit Partnerschaft zu tun.

    Für mich schon. Denn ich habe diese Ehrlichkeit von ihr gefordert. Ich bin ein absoluter Verfechter von Ehrlichkeit, sich selbst und Anderen gegenüber. Nicht um jeden Preis, aber wenn es um mich geht dann lieber Ehrlichkeit die weh tut als in ner Lüge leben.

    Also das alle scheidungskinder schwer traumatisiert sind ist totaler quatsch! Bin selber ein scheidungskind (4 kinder sind wir), keiner von uns hat ein trauma oder sonst etwas schlechtes von der scheidung mitbekommen, im gegenteil! Es war sogar total angenehm das endlich klar war was denn nun sache ist und ein klarer strich gezogen wurde.


    Für mich wäre es aber schrecklich zu erfahren das mir meine eltern jahre vorgelogen haben eine heile glückliche familie zu sein und in wirklichkeit lebt jeder bereits sein eigenes leben mit anderen partnern und daheim machen sie einen auf heile welt... und das vielleicht auch noch mit der begründung weil ICH ja noch so klein gewesen bin und sie mir nicht schaden wollten. UND dann eines tages meinen sie nun bist du alt genug jetzt können wir die karten auf den tisch legen... horror, purer horror. Oder noch schlimmer, ich komme vielleicht selber dahinter...

    Ich weiß, Du wolltest jetzt eigentlich nicht darüber reden, wie ihr eventuell die Lage noch rumreißen könnt, weil ihr so viel versucht habt – aber trotzdem:


    Wenn ich das richtig sehe, geht die Tatsache, dass deine Frau dich nicht mehr sexuell attraktiv findet, auf Verhaltensweisen von dir zurück, nicht aber auf dein optisches Erscheinungsbild?


    Wie kommt es dazu? Hast Du dich charakterlich so verändert? Oder haben sich einfach nur ihre Vorstellungen von einem attraktiven Partner verschoben?

    Zitat

    Ich bin ein absoluter Verfechter von Ehrlichkeit, sich selbst und Anderen gegenüber.

    Wenn Du so bist, machst Du Dich vor Deinen Kindern unglaubwürdig, falls Du eine Ehe-WG startest, oder?