Finanzielle Probleme des Partners - wie damit umgehen?

    Hallo,


    ich bin seit 4 Jahre mit meinem Partner liiert. Nun soll eine gemeinsame Wohnung her, da wir beide in WG's leben. Mein Partner ist nur schwer in der Lage, seine Finanzen zu managen. Briefe werden nicht geöffnet, Mahnungen bis zum Äußersten ausgesessen, Kontopfändungen, mietrückstand. Er hat zudem kein geregeltes Einkommen aufgrund seines Jobs. Insgesamt ist er unzuverlässig und schiebt seine Situation darauf, dass er aktuell keine großen Verpflichtungen hat.


    Mittlerweile weiß ich nicht weiter. Wie soll ich damit umgehen? Ich möchte unbedingt mit ihm zusammen leben, habe aber große Angst, selber finanzielle Probleme durch ihn zu bekommen. Hat jemand einen Tipp?

  • 45 Antworten

    Eure Problematik ist aus zweierlei Gründen schwierig zu lösen. Regelmäßige Einkünfte aus seiner beruflichen Tätigkeit fehlen. Ansonsten könnte man mittels Dauerauftrag bei der Bank alle regelmäßigen Fixkosten pünktlich abbuchen lassen. Dies kann aber nur erfolgen, wenn das Konto genügend Deckung aufweist.


    Zudem könnte es nach der neusten gesetzlichen Regelung schwer für Deinen Partner werden, eine Wohnung mit anzumieten, wenn der Vermieter Auskünfte über die Bonität des künftigen Mieters einholt. So bliebe euch nur der Weg, dass Du allein im Mietvertrag stehst und somit für alle Verbindlichkeiten in Bezug auf das Mietverhältnis allein haftest.


    Außer, Dein Freund und Partner bemüht sich umgehend um eine berufliche Tätigkeit, die ihm ermöglicht über ein regelmäßiges Einkommen zu verfügen, Dir alle Kosten in Bezug auf die gemeinsame Wohnung nach Geldeingang übergibt oder wie oben erwähnt abbuchen lässt.

    Zitat

    Insgesamt ist er unzuverlässig und schiebt seine Situation darauf, dass er aktuell keine großen Verpflichtungen hat.

    Diese Einschätzung Deines Partners zeigt, dass Dir diese Problematik sehr bewusst ist.

    Zitat

    Mein Partner ist nur schwer in der Lage, seine Finanzen zu managen. Briefe werden nicht geöffnet, Mahnungen bis zum Äußersten ausgesessen, Kontopfändungen, mietrückstand.

    Dies bedeutet, dass Dein Freund nicht in der Lage ist für sein Leben genügend Verantwortung zu übernehmen. Du solltest Dir selbst die Frage stellen, ob Du gewillt bist die hohen Risiken mitzutragen, die aus dieser inneren Verweigerungshaltung Deines Partners entstehen.


    Umerziehen wie die Super-Nanni halte ich für unangemessen, und würde auf Dauer eure Beziehung in eine Schieflage bringen. Der Wille sein Leben stressfrei verantwortungsvoll zu leben muss aus ihm selbst kommen. Welchen Grund gibt es für ihn an einem Job festzuhalten, der es ihm unmöglich macht regelmäßiges Einkommen zu erzielen?

    Ohne eine vernünftige und zuverlässige finanzielle Basis kann die Beziehung schnell in Schieflage geraten.


    Wenn er so unzuverlässig ist bzw nur unregelmässig verdient, wie soll die Fianzierung der Wohnung laufen ??


    Willst Du das allein stemmen, und wenn ja, wie lange soll das gut gehen ?


    Was ist mit Altlasten seinerseits ? Die können eine gemeinsame Wohnungsmiete schwierig gestalten, ein neuer Vermieter wird Lohnnachweise wollen, Schufa-Auszüge etc. Oder willst Du alleinige Mieterin sein ? Bei einem Wohnungskauf wird sich das ähnlich gestalten.


    Wenn ich mir Deine Aussagen bzgl der finanziellen Situation und des "finanziellen Verhaltens" Deines Freundes so durchlese.. solltest Du nochmal genau darüber nachdenken, ob Du eine gemeinsame Wohnung wirklich willst... mit all ihren Konsequenzen.

    Fakt ist: Ziehst du mit ihm zusammen trägst einzig und allein du das volle Risiko. Sicher, offiziell wäre er auch haftbar, da er aber wohl Pleite ist, Schulden hat und kein geregeltes Einkommen besitzt bleibt doch alles an dir hängen. Und seien es nur die wöchentlichen Einkäufe oder die neue Waschmaschine wenn die alte mal den Geist aufgibt.


    Kannst / willst du das Risiko tragen ? Und welche Perspektive bietet diese Beziehung dann in 10 oder 20 Jahren ? Gemeinsame Urlaube ? Gemeinsame größere Anschaffungen wie ne Wohnung oder ein Haus ? Kinder ?

    Ich würde dir schwerstens davon abraten. Es ist nicht zu erwarten, dass er sich diesbezüglich sich plötzlich um 180° wendet. Am Ende wirst du dafür geradestehen müssen. Er hat ja bereits jetzt in seiner WG Mietrückstände. Da sehe ich die große Gefahr und vor allem die große Wahrscheinlichkeit, dass er seine Zahlungsmoral bei dir nicht verbessern wird.

    Vielen Dank für Eure wirklich sehr sachlichen Anregungen. Leider gibt es neben dem Verstand in dieser Sachlage, auch die emotionale Seite. Tatsächlich liebe ich diesen Mann sehr, was in mir einen großen drang auslöst ihn förmlich zu "retten". Dies zieht leider aber auch nach sich, dass ich dazu neige, ihn zu erziehen, kritisieren, zu ermahnen - soviel zu der schieflage, welche sich einschleicht.


    Ich würde gern nochmal ein völlig sachliches Gespräch mit ihm suchen. Habt ihr Ideen, wie ich das am geschicktesten anstelle? Und, kann ich von ihm verlangen zu erfahren, wieviel er tatsächlich verdient?


    Ich danke euch für Anregungen!

    Zitat

    Tatsächlich liebe ich diesen Mann sehr, was in mir einen großen drang auslöst ihn förmlich zu "retten".

    Helfersyndrom... ist ja grundsätzlich nichts schlechtes.. muss Du halt aufpassen, dass Du Dich beim Helfen nicht verlierst... und manch einer will auch gar nicht gerettet werden, das gilt es zu bedenken.

    Zitat

    Habt ihr Ideen, wie ich das am geschicktesten anstelle?

    Bei einem Spaziergang auf neutralem Gebiet.. dann kann negative Gesprächsenergie gleich in Bewegeung abfließen. Lass Dich nicht von Deinen Gefühlen" einlullen" ... äussere Deine Bedenken, Deine Vorstellungen, Deine Bedürfnisse.

    Zitat

    Und, kann ich von ihm verlangen zu erfahren, wieviel er tatsächlich verdient?

    ICH würde es definitv verlangen.. schliesslich wollt ihr eine gemeinsame ! Zukunft in einer gemeinsamen! Wohnung aufbauen .. dazu gehört sein Beitrag, und der kann nicht nur darin bestehen, dass er schmückendes Beiwerk ist und zu Hause das Sofa bewacht (um es mal überspitzt darzustellen).


    Also frag ihn direkt, was er gedenkt, zur Miete/KaufPreis, NK, laufende Kosten beizutragen. Wer füllt den Kühlschrank auf, wie sieht es aus mit Courtage, Kaution, Renovierungskosten, Versicherungen etc Und frag ihn auch, wie er gedenkt, seinen Beitrag zu verdienen.

    Die Gefühle und der Helfer-Drang bringen dich aber am Ende nicht weiter und sorgen nur dafür das du in dein Unglück rennst. Du musst an der Stelle extrem sachlich und nüchtern bleiben denn was nutzt es wenn du ihn jetzt "rettest", in zwei Jahren in der Privatinsolvenz bist und die Beziehung dann zerbricht ? Garnix. Und die Wahrscheinlichkeit das was in dieser Richtung passiert ist in eurem Fall sehr sehr hoch.


    Und ja, in meinen Augen hat man in einer Beziehung absolut das Recht zu wissen wieviel der Partner verdient. Warum auch nicht ? Erstens ist es nur Geld, zweitens ist sowas wichtig um eine gemeinsame Zukunft zu planen und zu wissen was man sich erlauben kann (an Wohnung, Hobbies, Freizeit usw.) und was nicht. Dazu kommt das bei den meisten Menschen in einer ernsthaften Beziehung (und davon gehe ich nach vier Jahren aus) auch irgendwann die Familienplanung ansteht und sowas auch sehr ins Geld gehen kann bzw. man prüfen muss ob der aktuelle Lebensstandard mit einem Gehalt noch zu halten ist.


    Was nutzt dir das jetzt aber ? Wenn er es dir nicht sagt (möglicherweise aus Scham weil es so wenig ist oder auch aus Scham weil es so viel ist und er trotzdem Pleite ist) dann sagt er es dir nicht.

    Meine letzte Beziehung sah so aus, dass mein Ex nicht mit Geld umgehen konnte. Dass er immer bis zum Anschlag im Dispo dringehangen ist, das war Normalzustand. Ebenso der Fakt, dass er sich ab dem 20. des Monats rum von Freunden Geld borgen musste, weil er sich sonst nichts mehr zu Essen hätte kaufen können. Wir sind dennoch zusammengezogen und im groben und ganzen hat es, zumindest finanziell, ganz gut funktioniert. Weil ich die Finanzministerin war. Ich habe ein gemeinsames Haushaltskonto eingeführt: Von diesem sind Miete, Strom , Gas, Internet, Haushaltsversicherung, gemeinsame Anschaffungen für die Wohnung und Essen und Kosmetikkrams abgegangen. So sind wir prima über die Runden gekommen, weil alle gemeinsamen Rechnungen pünktlich von mir (vom gemeinsamen Geld) bezahlt wurden. Und weil vom Haushaltsgeld wirklich kein Geld verschleudert werden durfte. Dafür hat jeder von uns sein eigenes Konto behalten.


    Mit dem Ergebnis, dass ich mir Rücklagen bilden konnte und mein Ex quasi immer alles mit vollen Händen zum Fenster rausgeworfen hat.


    Wo wir dann zu dem Punkt kommen, den Nordi angesprochen hat:

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    Und welche Perspektive bietet diese Beziehung dann in 10 oder 20 Jahren ? Gemeinsame Urlaube ? Gemeinsame größere Anschaffungen wie ne Wohnung oder ein Haus ? Kinder ?

    Einen richtigen gemeinsamen Urlaub mit meinem Ex hatte ich nur einen. Ich hatte Urlaub gebucht, nachdem er sich nicht entscheiden konnte ob er mit will. Er kam dann nach. Gezahlt war ja schon.


    Größere Anschaffungen wie Möbel, Spülmaschine und so beim Zusammenzug habe ich alleine bezahlt. Er meinte ich würde die Hälfte von ihm zurückbekommen, aber Pustekuchen.


    Beim Auszug habe ich dann einfach alles, was "meins" war mitgenommen. Ich habe jetzt zwei Sofas, eines davon ist jetzt das Hundesofa ;-D x:)

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    Dies zieht leider aber auch nach sich, dass ich dazu neige, ihn zu erziehen, kritisieren, zu ermahnen - soviel zu der schieflage, welche sich einschleicht.

    Mach das bloß nicht. Damit geht die partnerschaftliche Ebene und die Augenhöhe ganz schleichend verloren. Und es ist enorm kräftezehrend und frustrierend. In meiner letzten Beziehung kamen noch andere Probleme dazu und ich habe mich irgendwann nicht mehr wiedererkannt. Ich war eine dauernörgelnde und unzufriedene Meckerliese geworden :-/


    Liebe alleine ist für eine stabile und zufriedene Beziehung nicht genug.


    Mich hat man auch vor dem Zusammezug "gewarnt" und ich wusste auch, dass das Risiko dass es nicht klappt sehr hoch ist. Ich wollte es dennoch ausprobieren und habe gehofft, dass wir es hinbekommen hätten. Haben wir nicht, aber wir haben es wenigstens versucht.


    Wenn du mit deinem Freund zusammenziehen willst, dann macht einen gemeinsamen Plan, auch einen Finanzplan. Dazu musst du nicht wissen wieviel er verdient, aber du musst wissen wieviel er monatlich zur Haushaltskasse beitragen kann und will. Zuverlässig und dauerhaft.

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    ...kann ich von ihm verlangen zu erfahren, wieviel er tatsächlich verdient?

    Das solltest Du m.E. nach sogar. Wie soll das denn sonst funktionieren ???


    Wie sieht er das denn eigentlich? Will er auch unbedingt die gemeinsame Wohnung? Wenn ja müsste ihm ja a) bewusst sein, dass er an seinem Umgang mit den Finanzen deutlich etwas ändern muss oder b) seine Intention ist, dass Du das dann quasi für ihn mitmanagst (um nicht zu sagen ihn mit durchfütterst)! Das wäre zumindest meine Befürchtung nach dem was Du hier über ihn schreibst. :-/ Von daher würde ich mir das auch ganz genau überlegen...Gefühle hin oder her. Ich sehe hier ganz klar das Risiko dass er Dich da mit hineinziehen könnte...

    Nun, da kann man nicht viel raten:


    entweder du hörst auf deinen Bauch und gerätst in bald Schieflage oder du schaltest den Verstand ein und ziehst mit diesem Mann erst zusammen, wenn er sich (falls möglich) geändert hat.

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    Mich hat man auch vor dem Zusammezug "gewarnt" und ich wusste auch, dass das Risiko dass es nicht klappt sehr hoch ist. Ich wollte es dennoch ausprobieren und habe gehofft, dass wir es hinbekommen hätten. Haben wir nicht, aber wir haben es wenigstens versucht.

    Naja dir ist da aber dann auch ein größerer finanzieller Schaden erspart geblieben weil du den ganzen Kram am Ende mitgenommen hast. Wenn sowas blöd läuft (und sie sich z.B. bequatschen lässt) nimmt der Kerl nach einer Beziehung noch was mit und schlägt Gewinn daraus.


    Und auch das mit dem Gemeinschaftskonto läuft nur wenn sehr sehr viel Disziplin da rein gesteckt wird. Der Dauerauftrag muss jeden Monat bedient werden, was auch wieder kontrolliert und nachgehalten werden muss. Könnte mir vorstellen das an der Stelle auch sehr leicht viel Augenhöhe verloren gehen kann indem einer kontrolliert und der andere kontrolliert wird.

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    Tatsächlich liebe ich diesen Mann sehr, was in mir einen großen drang auslöst ihn förmlich zu "retten". Dies zieht leider aber auch nach sich, dass ich dazu neige, ihn zu erziehen, kritisieren, zu ermahnen - soviel zu der schieflage, welche sich einschleicht.

    Das erinnert mich an meine Schwester, die gerade dabei ist sich zu runinieren, weil ihr Freund mit regelmäßigem Einkommen (sogar höher als ihr Einkommen) nicht mit Geld umgehen kann.


    Sie versucht ihn auch zu erziehen, was dazu geführt hat, dass die Beziehung auf emotionaler Basis runiiert ist und sie trotzdem nicht von ihm loskommt, weil sie nicht allein sein möchte.


    Es ist ganz schlimm und ich rate dir dringend den Kopf einzuschalten, bevor du vor lauter Liebe ins Unglück rennst.


    Meine Lebenserfahrung ist, dass man eine Beziehung nur führen sollte, wenn es eine Übereinstimmung in grundsätzlichen Dingen wie Finanzen, Familienplanung und Werte gibt.


    Einen Erwachsenen kann man nicht erziehen. Entweder er verändert sich von Alleine oder er bleibt wie er ist. Es gelingt dir vielleicht eine Zeit lang, aber dann bricht er wieder aus...und es wird meist noch heftiger als zuvor.


    Viel Glück und ich rate dir; Tue es nicht!


    ...und dennoch weiß ich, dass du es tun wirst!

    Nun, wie ihr lesen könnt, bin ich wirklich verzweifelt. Ich erkenne mich in diesem Punkt auch nicht mehr wirklich, da ich zur meckertante mutiere, welche ständig Geld hortet, da ich Angst vor dem finanziellen Ernstfall durch ihn habe.


    Den Gedanken an Kinder für die gemeinsame Zukunft habe ich bereits abgelegt. Genau so wie eine Immobilie anzuschaffen.


    Ich kann wohl nur naiv hoffen, dass er sich seiner Pflicht bewusst wird, sobald eine Wohnung da ist - um mich abzusichern, werde ich hauptmieterin, lasse ihn jedoch 2/3 der Kaution bezahlen um die Wohnung kündigen zu können, falls er nicht zahlen kann. Die Kaution verwende ich für seinen ggf. Mietrückstand...


    Himmel, ist das traurig.

    Zitat

    Und auch das mit dem Gemeinschaftskonto läuft nur wenn sehr sehr viel Disziplin da rein gesteckt wird. Der Dauerauftrag muss jeden Monat bedient werden, was auch wieder kontrolliert und nachgehalten werden muss. Könnte mir vorstellen das an der Stelle auch sehr leicht viel Augenhöhe verloren gehen kann indem einer kontrolliert und der andere kontrolliert wird.

    Ja, absolut.


    Vor allem gehe ich inzwischen davon aus, dass ein schlechter Umgang mit dem verfügbaren Geld oft (nicht immer, klar) noch mit anderweitigen psychischen Problemen korreliert. Wo man dann wieder beim Helfersyndrom ist. Eine Beziehung, bei der man sich dauerhaft auf Augenhöhe befindet, die sieht anders aus.


    Ich habe nun eine. Und ich bin baff erstaunt wie unkomplizert, reibungslos, rosarot glitzernd und schön so ein Beziehungsleben sein kann. Ohne immer wiederkehrende Baustellen und Tiefschläge. Ich dachte immer, es würde zu Beziehungen dazugehören bei dem ein oder anderen Punkt Abstriche machen zu müssen und Kompromisse eingehen zu müssen. Tut es aber offensichtlich nicht notwendigerweise. Weil es auch "einfach so" gut passen kann.