Fremdgehen? Ich? Niemals!

    Doch. Ich habe es getan. Anfangs war ich ein bisschen erschrocken über mich selbst, denn ich hatte früher kein Verständnis dafür (ist ja auch leicht, wenn bei einem selbst alles gut läuft). Ich weiß, dass es Menschen gibt, die da eisern sind und nie fremdgehen könnten. Niemalsnie. Ich habe es nun aber getan und werde es wohl auch wieder tun, obwohl ich auch mal der Überzeugung war.


    Was mich beschäftigt: Ein schlechtes Gewissen will sich nicht so recht einstellen. Ich finde mein Verhalten in Ordnung. Im Grunde könnte der Titel auch lauten "Ich habe meine Meinung geändert". Keine große Sache, oder doch? Für mich ist es eine neue Erfahrung. Wahrscheinlich möchte ich mich deshalb darüber austauschen.


    Es ist alles neu und irgendwie ver-rückt im wahrsten Sinne des Wortes. Und trotzdem bin ich mir so sicher. Es ist richtig, was ich tue. Daran habe ich keinen Zweifel. Das sage ich heute mit der gleichen Überzeugung, wie ich noch vor einigen Jahren meinte, ich könnte das nie.


    Sag niemals nie - darauf läuft es wohl hinaus :-/


    Wem ging es ähnlich?

  • 169 Antworten
    Zitat

    Und was findest du daran in Ordnung?

    Es ist in meinen Augen aktuell einfach der beste Weg für alle Beteiligten. Es genauer darzulegen, würde wahrscheinlich zu weit weg führen und in ellenlanges Pro und Contra ausarten. Habe solche theoretischen Diskussionen früher selbst geführt |-o


    Jedenfalls tue ich es, weil ich es in dieser individuellen Situation ok und richtig finde. Dass es das geben kann, hätte ich früher nicht für möglich gehalten, eben bis ich mich selbst in so einer Situation vorgefunden habe. Totale Plattitüde, genau wie "Sag niemals nie", aber: Ich habe erst da gemerkt, dass es tatsächlich nicht nur Schwarz und Weiß gibt. Ich schäme mich fast ein bisschen, dass ich mal so gedacht habe.

    Zitat

    Es ist in meinen Augen aktuell einfach der beste Weg für alle Beteiligten. Es genauer darzulegen, würde wahrscheinlich zu weit weg führen und in ellenlanges Pro und Contra ausarten.

    Vermutlich, aber ohne genauere Infos gibt es da einfach nichts, über das man diskutieren könnte. Dann laden nämlich am allerehesten Leute, die es aus Prinzip scheiße finden, ihre Standardphrasen ab, ein paar sagen, ohne irgendwas Näheres zu wissen, "gut so!", und die meisten sagen, so wie ich es auch tu: "Na, dann mal alles Gute allen Beteiligten", denn mehr lässt sich ja sonst nicht dazu sagen.

    Vermutlich habe ich mich dann nicht klar ausgedrückt, denn es geht mir nicht um Absolution oder überhaupt um eine Bewertung meiner konkreten Situation. Mit der bin ich wie gesagt im Reinen und ich weiß, dass es viele gibt, die da ganz kategorisch denken und entsprechend urteilen. Ich hatte früher ja einen ähnlichen Standpunkt. Mich interessiert deshalb, wer eine ähnliche Entwicklung durchgemacht hat. Also wer im Laufe seines Lebens seine Meinung/Einstellung zu dieser Thematik geändert hat - ok, das Warum ist sicher auch interessant.


    Ich kann deshalb gerne darlegen, warum ich es heute in Ordnung finde. Ich weiß nur nicht, ob das wirklich weiterführt, denn solche Diskussionen gibt es ja zuhauf. Dann wird es hauptsächlich eine Auseinandersetzung mit jenen, die sagen, nee, geht gar nicht und wie kannst du nur und pfui und überhaupt. Brauch ich eigentlich nicht. Nicht, weil ich die Diskussion scheuen würde, ich kann mein Handeln durchaus begründen.


    Aber mir geht es eigentlich mehr um den inneren Prozess. Die (Selbst)-Erkenntnis, das Ändern der eigenen Meinung aufgrund einer veränderter Lebenssituation oder womit auch immer es zusammenhängt. Im Grunde wohl ein ganz banaler Vorgang, der wahrscheinlich zum Erwachsenwerden und Leben allgemein gehört. Vielleicht will ich etwas besprechen, was für viele das Normalste der Welt ist, keine Ahnung. Für mich ist es neu, (m)eine Überzeugung zu ändern.


    (War es dann davor überhaupt eine richtige Überzeugung?)

    Die meisten Fremdgeh- und Affairenthemen werden hier unter Alias eröffnet. Ich bin gespannt, wieviele (außer den üblichen Verdächtigen, die damit offen umgehen) sich wirklich dazu äußern werden.


    Ich kann leider auch nichts dazu beitragen, auch wenn mein Interesse an zwischenmenschlichen Themen stets groß ist. Seit 30 Jahren nehme ich mir vor, nicht fremdzugehen, und es fällt mir auch gar nicht schwer.

    2 Fragen, an denen sich dein Verhalten messen lassen muss (und zwar völlig unanhängig davon, was irgendein dritter hier oder sonstwo darüber denkt):


    1. Würde dein Partner wissen wollen, dass du da gerade tust / neu entschieden hast?


    2. Würde er deine Entscheidung zumutbar finden (= dich auch noch wollen, wenn er die Wahrheit wüsste)?

    Zitat

    Bringt dich das jetzt irgendwie weiter? ":/

    Nö, deshalb frage ich im Eingangsbeitrag ja:

    Zitat

    Wem ging es ähnlich?

    Und nicht:


    Wer kennt das nicht?


    ;-)


    Aber trotzdem danke für deine Antwort.


    Meine Geschichte in der Kurzform: Sehr jung verliebt und gleich fest gebunden. Überzeugt, dass es bis in alle Ewigkeit hält und die Liebe ist auch bis heute geblieben. Knapp 20 Jahre zusammen und dieses Jahr fremd gegangen, weil ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe, nachdem Sex in der Partnerschaft aus gesundheitlichen Gründen seit mehreren Jahren leider nicht mehr möglich ist. Davor viel geredet, viel probiert, aber nichts hat geholfen und seit wir das Thema zwischen uns nun ruhen lassen und uns auf das konzentrieren, was unsere Beziehung sonst noch ausmacht, geht es uns beiden wieder gut. Die Chancen stehen gut, dass ich mit der Liebe meines Lebens alt werde, nur Sex ist eben kein Thema mehr. Sie vermisst nichts und ich habe einen Weg gefunden, es zu kompensieren. Niemandem wird weh getan, alles gut also - aus meiner heutigen Sicht jedenfalls. Früher dachte ich wie gesagt anders. Da dachte ich, "solche Leute" lügen sich selbst in die Tasche. Heute spüre ich, dass ich mich geirrt und viel zu absolut gedacht (geurteilt) habe.

    Jeder wie er meint. Für mich ist Treue wichtig. Für mich wäre es unmöglich, den Partner anzulügen oder ihm noch mit gutem Gewissen in die Augen zu schauen.


    Mein Partner ist fremdgegangen und hat gelogen. Also ich konnte ihm nicht mehr vertrauen.

    Also geht es um eine lesbische Beziehung?


    Nicht falsch verstehen: Das ist natürlich für das Thema selbst völlig irrelevant ;-) @:). Ich war nur kurz irritiert wegen den "gesundheitlichen Gründen".


    Also alles ok soweit ;-).


    Trotzdem noch so ein paar Verständnisfragen:


    Dir geht es also hier so wie Du sagst nicht darum, dass Deine Situation komplett durchleuchtet wird, Du willst keinen Ratschlag was Du nun tun willst - sondern Du willst als Diskussionsgrundlage die Frage in den Raum stellen, ob Andere auch schon ihre Einstellung so um 180 Grad gedreht haben wie Du?


    Verstehe ich das richtig?

    Mich würden die Fragen von Lola auch interessieren. Du sagst es ist für dich ok, ist es für deine Freundin auch ok?


    Eigentlich ist das eine spannende Frage. Was wenn der Sex aus irgendwelchen Gründen nicht mehr möglich ist? Oder der Partner sich gänzlich sperrt.

    Fremdgehen ist ja auch nicht gleich Fremdgehen. Deine Partnerin könnte ja wissen, dass du den Sex woanders lebst, wenn es mit ihr nicht mehr geht. War das auch eine Option, die du mal angesprochen hattest?


    Die Moral ist ja nicht der Sex mit jemand anderem (da könnte es tatsächlich ein Dutzend Gründe geben, warum man das tut). Die Moral steckt im Betrug.

    Zitat

    nachdem Sex in der Partnerschaft aus gesundheitlichen Gründen seit mehreren Jahren leider nicht mehr möglich ist. Davor viel geredet, viel probiert, aber nichts hat geholfen und seit wir das Thema zwischen uns nun ruhen lassen und uns auf das konzentrieren, was unsere Beziehung sonst noch ausmacht, geht es uns beiden wieder gut. Die Chancen stehen gut, dass ich mit der Liebe meines Lebens alt werde, nur Sex ist eben kein Thema mehr. Sie vermisst nichts und ich habe einen Weg gefunden, es zu kompensieren.

    Wenn das Thema zwischen euch komplett abgehakt ist, dann ist das ja fast sowas wie ein stilles Einverständnis, dass du das Thema Sex mit dir selbst ausmachen kannst.


    Und wenn du mit ihr keinen Sex mehr hast, gibt es durch das Fremdgehen auch keine Gefahr für ihre Gesundheit.


    Für mich zwei wichtige Punkte, wann ich Fremdgehen eher verstehen kann /akzeptabel finde (wobei ich mich dann immer eher über den Wunsch des Aufrechterhaltens der Beziehung wundere...).