Also geht es um eine lesbische Beziehung?


    Nicht falsch verstehen: Das ist natürlich für das Thema selbst völlig irrelevant ;-) @:). Ich war nur kurz irritiert wegen den "gesundheitlichen Gründen".


    Also alles ok soweit ;-).


    Trotzdem noch so ein paar Verständnisfragen:


    Dir geht es also hier so wie Du sagst nicht darum, dass Deine Situation komplett durchleuchtet wird, Du willst keinen Ratschlag was Du nun tun willst - sondern Du willst als Diskussionsgrundlage die Frage in den Raum stellen, ob Andere auch schon ihre Einstellung so um 180 Grad gedreht haben wie Du?


    Verstehe ich das richtig?

    Mich würden die Fragen von Lola auch interessieren. Du sagst es ist für dich ok, ist es für deine Freundin auch ok?


    Eigentlich ist das eine spannende Frage. Was wenn der Sex aus irgendwelchen Gründen nicht mehr möglich ist? Oder der Partner sich gänzlich sperrt.

    Fremdgehen ist ja auch nicht gleich Fremdgehen. Deine Partnerin könnte ja wissen, dass du den Sex woanders lebst, wenn es mit ihr nicht mehr geht. War das auch eine Option, die du mal angesprochen hattest?


    Die Moral ist ja nicht der Sex mit jemand anderem (da könnte es tatsächlich ein Dutzend Gründe geben, warum man das tut). Die Moral steckt im Betrug.

    Zitat

    nachdem Sex in der Partnerschaft aus gesundheitlichen Gründen seit mehreren Jahren leider nicht mehr möglich ist. Davor viel geredet, viel probiert, aber nichts hat geholfen und seit wir das Thema zwischen uns nun ruhen lassen und uns auf das konzentrieren, was unsere Beziehung sonst noch ausmacht, geht es uns beiden wieder gut. Die Chancen stehen gut, dass ich mit der Liebe meines Lebens alt werde, nur Sex ist eben kein Thema mehr. Sie vermisst nichts und ich habe einen Weg gefunden, es zu kompensieren.

    Wenn das Thema zwischen euch komplett abgehakt ist, dann ist das ja fast sowas wie ein stilles Einverständnis, dass du das Thema Sex mit dir selbst ausmachen kannst.


    Und wenn du mit ihr keinen Sex mehr hast, gibt es durch das Fremdgehen auch keine Gefahr für ihre Gesundheit.


    Für mich zwei wichtige Punkte, wann ich Fremdgehen eher verstehen kann /akzeptabel finde (wobei ich mich dann immer eher über den Wunsch des Aufrechterhaltens der Beziehung wundere...).

    Zitat

    Du willst keinen Ratschlag was Du nun tun willst

    Nicht "willst", sondern "sollst" - sollte es natürlich heißen ;-).


    Ansonsten kann ich da nicht viel zu beitragen. Es wäre gelogen wenn ich sagen würde ich hätte mich noch nie in diesbezüglich gefährlichen Situationen befunden - aber ich habe bisher meine Überzeugung nicht geändert (heißt, auch nicht um 180 Grad entgegen dieser gehandelt und sie gändert).

    Ich find das auch durchaus plausibel und u.U. ist es das beste, die unerfüllten Begierden ausserhalb der Beziehung auszuleben und drüber zu schweigen - der andere erfährt es nicht und der eigene Frust ist abgebaut.


    Ich halte das in der Tat für ein großes "Lebensdilemma". Die Sehnsucht nach festen langen bindungen und auch die Möglichkeit, solche zu finden, mit Menschen, mit denen einen viel verbindet, und trotzdem die Sehnsucht nach dem sexuellen Kick, der dann fehlt. Möglicherweise ist das was hier beschrieben wird in der Tat nicht die allerschlechteste "Lösung" für das Problem.


    Ich glaube, das ist einer der Gründe, warum internet-sex (chat, tel, webcam..) so beliebt ist.. weil es ein Stück weit hilft, die Bedürfnisse zu erfüllen, und noch nicht "so richtig untreu" ist.

    Also ich bin jetzt nicht fremdgegangen aber meine Affäre befand sich in einer Beziehung .


    Auch ich dachte früher dass ich niemals eine Verbindung mit einem gebundenen Mann eingehen würde.


    Ich hatte grosse Moralvorstellungen und konnte die Menschen die fremdgingen nicht verstehen ..


    Tja und dann habe ich IHN kennengelernt und er hat mich umgehauen .


    Anfangs habe ich mich noch gewehrt gegen meine Gefühle hatte ziemliche Bedenken wegen seiner Freundin


    aber je länger ich ihn kannte um so weniger konnte ich die Finger von ihm lassen


    Es gab zwischen uns eine ziemliche sexuelle Anziehung .


    Und ich kann heute besser verstehen wie schnell man in so eine Sache hineinrutschen kann .


    Leider hatte ich die Kraft und die Stärke nicht um ihm zu widerstehen .


    In meinem Freundeskreis haben die meisten gesagt du bist ja nicht die Betrügerin denn du warst und bist frei - er hat sich falsch benommen .


    Dies sehe ich nicht so, ich war an dem Betrug genauso beteiligt wie er, es gehören immer zwei dazu .


    Und ja es gab Zeiten da habe ich mich geschämt für mein Vorgehen aber leider gab es auch die Zeiten wo ich jede Minute mit ihm genossen habe.


    Heute weiß ich es gibt nicht nur schwarz und weiß sondern auch ganz viel dazwischen .


    Und jeder der von sich behauptet mir wird sowas garantiert nicht passieren könnte irgendwann mal das Gegenteil erleben .


    Ich wünsche es keinem denn es ist wahrlich keine sehr schöne Situation .

    Vielleicht ist es dein Selbstbild, welches ins Wanken gekommen ist. Du hast dich auf etwas eingelassen, was du zuvor mehr oder weniger kategorisch abgelehnt hast. Bist du nun sehr überrascht über dich selbst?


    Was sich da als "richtig" anfühlt ist, dass du einem inneren Bedürfnis nachgegangen bist und du ein positives Erlebnis hattest.


    Wie würdest du dich jetzt fühlen, wenn es ein Date mit grottenschlechtem Sex geworden wäre? Nur mal so als Gedanke zwischendurch. Wärst du dann bei deiner alten Einstellung geblieben?


    Wenn damals dieses No-Go die Funktion hatte, deine Beziehung nicht zu gefährden, vielleicht hat der Sex außerhalb deiner Beziehung jetzt die Funktion diese genau damit zu erhalten.


    Das Selbstbild und die Vorstellungen die man im Kopf hat, decken sich nicht automatisch mit den eigenen Bedürfnissen. Von den eigenen unbewussten Bedürfnissen weiß man oft viel zu wenig. Nur weil das rationale Denken sie nicht auf dem Schirm hat, sind sie nicht auf immer und ewig verschwunden. Sexualität ist ein natürliches Bedürfnis, wegdenken kann man das nicht.


    Für mich hast du einem natürlichen Bedürfnis nachgegeben. Wie du das machst steht auf einem anderen Blatt.


    Wie du mit deinen natürlichen Bedürfnissen umgehst, hast du vorher frei entschieden. Entscheidungen kann man ebenso frei ändern.


    Sich darüber zu wundern, dass man sich selbst und Entscheidungen ändern kann, ist ebenso seltsam, wie eine einmal getroffene Entscheidung als ewig gültig zu betrachten und sich selbst keine Veränderbarkeit einzuräumen.

    Zitat

    Wie du mit deinen natürlichen Bedürfnissen umgehst, hast du vorher frei entschieden. Entscheidungen kann man ebenso frei ändern.


    Sich darüber zu wundern, dass man sich selbst und Entscheidungen ändern kann, ist ebenso seltsam, wie eine einmal getroffene Entscheidung als ewig gültig zu betrachten und sich selbst keine Veränderbarkeit einzuräumen.

    Das ist gut formuliert. Man könnte auch sagen: Nichts ist fix. Damit Entscheidungen "halten" muss man sie in Wirklichkeit ständig erneut treffen. Treue ist da ein gutes Beispiel: Die ist nicht einfach so "da". Man muss sich quasi ständig neu dafür entscheiden. (Und das fällt natürlich umso leichter (auch in schwierigen Situationen), je überzeugter man davon ist, dass man das so will.)

    Man macht ja doch ständig neue Erfahrungen und entwickelt sich (hoffentlich weiter). Das sich während dieses Prozesses Ansichten und dergleichen zu gewisen Themen ändern finde ich nur normal. Oder anders ausgedrückt: es wäre doch traurig wenn nicht, oder?


    Also insofern, ja, kommt mir bekannt vor.

    Zitat

    Aber ich geb dir mal eine faire Antwort: Nein, hab ich nicht durchgemacht, kenn ich nicht.


    Bringt dich das jetzt irgendwie weiter? ":/

    Oh man....dann antworte doch nicht.


    Was ist an dem Faden so schwer zu kapieren?

    Ich kannte mal jemanden, die mit mir genau an so einer Diskussion beteiligt war, in einer Zeit in der ich nicht so genau wusste, wo alles hinführen würde, ich war immer offen, mein Mann genau so, aber da war jemand, der dieses "Leben so nicht führen könnte" und vehement beteuerte "ich werde NIEMALS NIE ABSOLUT nie während meiner Beziehung mit einem anderen Sex haben". Es ging also um offene Beziehungen und die Streitereien darüber waren sehr hitzig und teilweise wirklich böse.


    Ich glaube, es war ein oder zwei Jahre später, da schrieb sie mir, sie hätte ihre Meinung gründlich geändert und sie verstehe den Satz "sag niemals nie" nun, denn es gäbe nicht nur "schwarz und weiß" sondern viele Farben dazwischen. Wir haben damals lange darüber geschrieben, sie meinte, sie sei zu jung gewesen, um das zu verstehen, ich glaube aber nicht, dass es nur daran lag, ich glaube einfach, die Lebensumstände ändern sich und wir uns oft mit ihnen. Ich habe sie sehr bewundert dafür, dass sie ausgerechnet mir das so freiweg mitteilte, obwohl ich hätte "ätschbätsch, hab ich dir gleich gesagt" hätte sagen können. Habe ich nicht, sage ich auch heute nicht, im Gegenteil, sie hat nach wie vor meinen Respekt, weil sie so zu sich und ihrer "Wendung" stand und sich auch für nichts schämte, also auch nicht für ihre Meinung vorher, sie dachte eben so und nun dachte sie anders, weil sie dazugelernt hatte.


    Ich selbst habe mich auch schon gedreht in mancher Hinsicht, ich muss aber auch sagen, dass ich eher nach dem Motto von Forrest Gumps Pralinen lebe (man weiß nie, was man bekommt), was aber nicht heißt, dass ich ein Fähnlein im Wind bin (sonst würde ich keine 30jährige Beziehung führen können).

    Zitat

    Wem ging es ähnlich?

    Mir.


    Ich war früher der Meinung, es gibt eben Treue und solche, die es nicht sein wollen oder können.


    Für mich war ich davon überzeugt, dass ich zu den Treuen gehöre, auch wenn es in den Beziehungen irgendwann mal schlechter (sexuell meist nie wirklich gut) lief.


    Für mich kein Grund auch nur daran zu denken, bzw. immer ehr ein Grund über eine Trennung nachzudenken, trotz noch vorhandener Liebe (was bei mir "normal" ist, denn ich kann mich nicht entlieben)


    In diesem Fall (und eigentlich nur in diesem Fall in ü50 Lebensjahren) habe ich mich über mich selber gründlich geirrt und war auch erst sehr erschrocken (und ein schlechtes Gewissen hatte ich auch)


    Im nachhinein war das aber eigentlich klar (zusammen mit dem nicht entlieben können) ... ich bin einfach anders ... ich empfinde polyamor.


    Heute weiß das eine potentielle Partnerin, noch bevor ich eine Beziehung mit ihr eingehe ... womit ich dann auch kein schlechtes Gewissen haben muss.

    Zitat

    Du hast dich auf etwas eingelassen, was du zuvor mehr oder weniger kategorisch abgelehnt hast. Bist du nun sehr überrascht über dich selbst?

    Gute Frage... Ja, auf der einen Seite schon. Zumindest rückblickend, oder anders gesagt: Mein früheres "Ich" (mit der anderen Einstellung und der theoretischen Annahme, was fremdgehen bedeutet) wäre sehr überrascht. Da die Erfahrung mit dem Erkenntnisgewinn ("Ich habe mich getäuscht/lag falsch") einher ging, ist mein heutiges Ich aber nicht mehr überrascht. Es ist einfach gut so wie es ist.

    Zitat

    Was sich da als "richtig" anfühlt ist, dass du einem inneren Bedürfnis nachgegangen bist und du ein positives Erlebnis hattest.


    Wie würdest du dich jetzt fühlen, wenn es ein Date mit grottenschlechtem Sex geworden wäre? Nur mal so als Gedanke zwischendurch. Wärst du dann bei deiner alten Einstellung geblieben?

    Nein, denn der Sex war gar nicht phänomenal. Aber der Erkenntnisgewinn. Zu erleben, dass die Liebe bleibt und es ihr keinen Abbruch tut, das war das positive Erlebnis. Ich meine, der Sex war gut und ich möchte auch nicht darauf verzichten, aber viel wichtiger ist für mich, dass ich im Grunde jetzt noch deutlicher spüre, wo ich hingehöre. Ich bin sooo froh, dass ich die Beziehung nicht beendet habe, denn der Gedanke stand durchaus im Raum, als ich spürte, dass ich so einfach nicht mehr weiterleben kann bzw. will.

    Zitat

    Wenn damals dieses No-Go die Funktion hatte, deine Beziehung nicht zu gefährden, vielleicht hat der Sex außerhalb deiner Beziehung jetzt die Funktion diese genau damit zu erhalten.

    Richtig.

    Zitat

    Sich darüber zu wundern, dass man sich selbst und Entscheidungen ändern kann, ist ebenso seltsam, wie eine einmal getroffene Entscheidung als ewig gültig zu betrachten und sich selbst keine Veränderbarkeit einzuräumen.

    Ja, da hast du wohl Recht. Früher sah ich das einfach viel kategorischer.