Ein sehr früher Partner von mir war auch von Anfang an nicht für Monogamie gebaut.


    Badebär


    Das sagt sich so einfach, aber man ein Partner möchte nicht das die Beziehung endet, hat aber kein Interesse an Sex mehr und möchte dennoch nicht wissen, dass der oder die andere dann Sex woanders hat. Da finde ich es eher großzügig die ganze Verantwortung alleine zu schultern, in dem man fremdgeht. Da hat man dann nämlich die Arschkarte, ein Bedürfnis konnte/wollte nicht gestillt werden, andere Lösungen werden auch ausgeschloßen, aber Trennung auch nicht... Da lässt man dann den anderen alleine mit seinem ungestillten Hunger nach Körperlichkeit. Aber wenn es raus kommt, dann ist der Andere der Arsch...


    Stand heute ist es genau DAS was ich an so einer Konstruktion nicht wollte und könnte, alleine die Verantwortung tragen alles geheim zu halten, gut zu lügen und so, damit mein Partner seine Komfortzone nicht um einen Meter verlassen muss.

    Wenn ein Partner kein Interesse an Sex mehr hat, sich also an den Voraussetzungen für die Beziehung etwas geändert hat, sollte man das doch thematisieren, oder? Wenn man keine gemeinsame Sexualität in für beide befriedigendem Ausmaß mehr leben kann, sexuelle Treue für einen oder beide aber wichtig ist, muss man eben die Konsequenzen ziehen.

    Zitat

    Da lässt man dann den anderen alleine mit seinem ungestillten Hunger nach Körperlichkeit

    Wenn man von seinem Partner bei einer so wichtigen Sache allein gelassen wird, kann die Konsequenz doch nicht sein, fremdzugehen? Das ändert doch an der miesen Beziehungskonstellation nichts ":/

    Na ja, aber es könnte doch sein, und scheint ja auch bei der Te gegeben zu sein, dass man darüber gesprochen hat, beide wissen, dass da nichts mehr geht und der unaktive Part dennoch, so ganz egoistisch und einfach auf einer emotionalen Basis sagt:"Du ich würd dich gern lassen können, aber allein die Vorstellung du könntest mit wem anders... Ich kanns nicht." Das mag irrational sein, aber auch ziemlich menschlich und deshalb ist ja nicht gleich eine ganze Beziehungsbasis scheiße und damit alles obsolet. Mir würde das etwas abverlangen was ich stand jetzt nicht schultern könnte, aber wer ich wer anders, oder wann anders, ginge es vielleicht und wäre mir dann die Verantwortung des Fremdgehens lieber als das Ende einer vielleicht schon sehr langen und auf allen anderen Ebenen intensiven und tiefen Beziehung.

    Ich verstehe deinen Ansatz. Für mich wäre die tiefe und intensive Beziehung sehr zu hinterfragen, wenn der gewählte Ausweg aus der Situation im Fremdgehen bestünde. Aber da sind Menschen natürlich sehr unterschiedlich. Mich stört an der ganzen Geschichte nur etwas, dass eben heimlich etwas getan wird, also sich herausgenommen wird für den Partner mitzubestimmen und das womöglich noch als dem "gemeinsamen Wohl" dienlich zu definieren.


    Beziehungen sind höchst individuell, keine Frage. Wenn man für sich "Ehrlichkeit" als etwas wichtiges erachtet, schließt sich Fremdgehen aber mE aus. Wer aus so einer Perspektive versucht, Argumente zu finden, die das eigene Verhalten relativieren, tut wahrscheinlich gut daran, sich mal ehrlich ( 8-) ) zu fragen was wirklich im Argen liegt.

    Also es gibt **für mich ** durchaus Situationen, in denen ich meinem Mann "Untreue" zugestehen würde, ohne davon aber etwas wissen zu wollen. Sei es, weil ich wirklich gar keinen Sex mehr wollen würde, ich nicht mehr könnte, weil ich krank wäre oder oder. Da wäre ich dann sogar ziemlich sauer, wenn er es mir trotzdem sagt nur um sein Gewissen zu erleichtern. Ich kenne meinen Mann, der kann echt nix für sich behalten. Also muss er wohl treu bleiben. ;-D

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    Mich stört an der ganzen Geschichte nur etwas, dass eben heimlich etwas getan wird, also sich herausgenommen wird für den Partner mitzubestimmen und das womöglich noch als dem "gemeinsamen Wohl" dienlich zu definieren.

    Mein Partner sagte dezidiert, dass er es nicht wissen wollen würde, falls es je soweit wäre, verletzt wäre, aber es verstehen könnte. Er weiß das ich nicht für Monogamie gebaut bin und es für mich einen Verzicht darstellt, er würde es mir gerne leichten Herzens erlauben können, aber er kann nicht. Der einzige denkbare Weg wäre, dass ich es irgendwann einfach heimlich anfange. Ist nichts für mich, stand jetzt, aber für ihn wäre es nur dann denkbar wenn ich es für ihn mit entscheide. Mir zuviel Verantwortung, aber andere mögen da belastbarer sein, als ich es bin.

    @ Puristsaftfastsirup

    Dein Frage ob man schon mal eine getroffene Entscheidung oder Einstellung ändern darf würde ich ganz klar mit ja beantworten. Zum einen gibt es den Spruch "sag niemals nie" und zum anderen, möchte ich mal überspitzt sagen, ist es ja schon fast arrogant zu sagen, dass man alle Entscheidungen so treffen kann, dass sie unter allen vorstellbaren Rahmenbedingungen, für den Rest eines Lebens Bestand haben.


    Allerdings muss ich bei einer Veränderung der Entscheidung auch alle Parteien einbeziehen, die gemeinsam mit mir diese Entscheidung getroffen haben. Das bedeutet, dass ich es für falsch halte, dass du die Entscheidung für eine monogame Beziehung sozusagen einseitigen kündigen kannst ohne die Beziehung ganz aufzugeben.


    Ich habe nicht alle Beiträge von dir gelesen, aber ich habe noch nicht gelesen, ob du deine Freundin in deine Entscheidung eingeweiht hast. Da du von Fremdgehen sprichst, gehe ich mal nicht davon aus.


    Ich bin selbst aus den gleichen Gründen wie du fremdgegangen und habe so argumentiert wie du. Heute weiß ich aber, dass es ein Fehler war, da ich eben meine Frau hätte fragen müssen, ob sie mit Aufhebung der Monogamie einverstanden gewesen wäre. In der Konsequenz ist dadurch meine Ehe gescheitert und ich kann nur sagen, dass ich aus heutiger Sicht mit dieser Begründung ( meine Frau kann keinen Sex mehr haben, deshalb darf ich mir diesen ungefragt außerhalb holen) nicht mehr fremdgehen würde. Ich hoffe ,dass es in meinem Leben keine Gründe mehr geben wird, das ich fremdgehe und ich fühle mich heute, durch die Lehren die ich für mich daraus gezogen habe, weiter davon entfernt als je zuvor.


    Es tut mir leid, aber ich glaube du willst dir mit diesem Faden auch die Bestätigung holen, dass dein Verhalten nachzuvollziehen und richtig ist.


    Es ist aus menschlicher Sicht nachvollziehbar aber es ist niemals richtig. Die Einstellung einer Änderung bezüglich Monogamie können nur die beiden Personen gemeinsam treffen, die sich Monogamie versprochen haben und niemals nur einer von Beiden.


    Falls du es nicht getan hast, solltest du deiner Partnerin durch ein Geständnis die Chance geben zu entscheiden, ob dein Verhalten für sie in Ordnung ist, oder sie die Beziehung lieber beenden würde.

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    Ich hoffe ,dass es in meinem Leben keine Gründe mehr geben wird, das ich fremdgehe und ich fühle mich heute, durch die Lehren die ich für mich daraus gezogen habe, weiter davon entfernt als je zuvor.

    ja, ist für mich ebenso. Ich habe es getan, meine Ehe war da schon kaputt und ich hatte ihm schon gesagt, ich trenne mich, war aber noch verheiratet und habe es ihm nie erzählt. Ich finde auch, das war falsch und glaube, dass ich heute ganz anders reagieren würde.

    Zitat

    Es tut mir leid, aber ich glaube du willst dir mit diesem Faden auch die Bestätigung holen, dass dein Verhalten nachzuvollziehen und richtig ist.

    Nein, ehrlich nicht, dann hätte ich das alles viel ausführlicher geschildert und auch genauer dargelegt, warum ich meine, (auch) im Sinne meiner Partnerin zu handeln etc. Aber letztlich kann es sowieso niemand beurteilen bzw. ich mache mir nichts aus dem Urteil, weil ich weiß, wie ich früher als "Außenstehende" gedacht habe. Man kann im Grunde nur sagen, ob man es (für sich) falsch oder richtig findet und ich weiß, dass es die meisten falsch finden. Ist völlig ok. Ich denke heute anders und finde es in Ordnung, sonst würde ich nicht so handeln. Wobei das sicherlich ein interessanter Aspekt ist: Tut man es, weil man es richtig findet oder handelt man im vollen Bewusstsein, etwas absolutes Falsches zu tun.

    Ich finde, die Frage, wie es kommt, dass man plötzlich so radikal gegen eigene Prinzipien verstoßen kann und das damach gar nicht mehr so schlimm findet, lässt sich ganz banal beantworten:


    In der (für einen selber: ) Theorie redet es sich leicht. Für bestimmte moralische Standpunkte lassen sich viele gute Argumente finden. Und wenn ein anderer in der Praxis dagegen verstößt, war der eben schwach usw. Wenn man selber dann mal in so eine Situation "reinruscht" (wo man bisher immer gesagt hat "in sowas rutscht man nicht einfach so rein"), schaut die Sache anders aus: 1. kann man selber mal aus nächster Nähe betrachten und beurteilen wie schwierig es ist, immer alle seine Prinzipien zu beachten. Und 2. ist man selber der einzige Mensch, mit dem man sein Leben lang klarkommen muss, da ist man dann gerne ein wenig großzügiger, wenn es einen Fehler/ Fehltritt gegeben hat.

    Zitat

    Tut man es, weil man es richtig findet oder handelt man im vollen Bewusstsein, etwas absolutes Falsches zu tun.

    Ich glaube, Menschen, die behaupten, nur zu tun, was Richtig ist, machen sich was vor. Ich will gar nicht das Fremdgehen verteidigen und finde es auch moralisch nicht richtig, aber menschlich verständlich.


    Aber wie oft tun Menschen wirklich das, was richtig ist? Essen Süßigkeiten, obwohl sie es nicht wollten/sollten? Gehen zu spät ins Bett obwohl es schlauer wäre früh ins Bett zu gehen? Rufen ihre Oma nicht zurück obwohl sie es sollten? Lassen den Sport ausfallen obwohl sie wissen, das es richtig wäre, hinzugehen?


    Surfen im Internet obwohl sie Arbeit zu erledigen haben?


    Ich würde behaupten der Mensch an sich tut ständig Dinge, die nicht seinen eigenen Idealvorstellungen seines Handelns entspricht - weil sie sich gut anfühlen, lecker sind, bequem sind. So ist der Mensch.


    Einige Menschen sind disziplinierter als andere, sie tun weniger Dinge weil sie lecker sind, sich gut anfühlen, bequem sind.


    Aber diejenigen, die angeblich nichts tun, was nach objektiven gesellschaftlichen Regeln "falsch" ist, haben oft die größten Leichen im Keller, bzw. kehren alles unter den Teppich, und irgendwann explodiert es.


    Ich finde es daher besonders spannend mich mit Menschen zu beschäftigen die sich unfehlbar geben, absolute Sichtweisen haben und vehement auf ihrem Standpunkt beharren- da kann man oft ziemlich viel Dreck am Stecken finden, wenn man mal an der Oberfläche kratzt. :-)

    Ist das nicht ein bißchen überheblich für alle Beteiligten zu sprechen, indem man sagt "so wie die Situation jetzt ist, ist es für alle das Beste?" Das weißt du jetzt woher? Eigene Einschätzung? Muss nicht immer richtig sein. Was auch immer der Grund ist, warum es sexuell nicht mehr läuft, hier geht es doch auch um das Thema vertrauen. Wird aber offentsichtlich komplett ausgeklammert. Du bist fremdgegangen, weil dus nicht mehr ausgehalten hast? Weiß deine Partnerin überhaupt, dass du so empfunden hast? Oder warum ist es so schwer seinem Partner davon zu erzählen, wenn alles sonst doch so super ist? Schätzt du deinen Partner überhaupt richtig ein? Warum nicht offene Beziehung? Hinterlistig zu lügen, um Gefühle andere nicht zu verletzten ist meiner Meinung nach nicht gerade ein guter Charakterzug. Aber ist nichts ungewöhnliches sich die Dinge schön zu reden, wenn man Mist baut. Und dass das "Thema ruht", deutet eher darauf hin, dass man einfach nicht mehr über das Thema reden kann oder will. Klingt nicht nach "ansonsten läuft alles super".


    Man kann deine Situation verstehen, aber eine egoistische Aktion als die beste Lösung für alle zu bezeichnen ist was anderes und bezweifle ich, wenn andere hintergangen werden. Ich glaube kaum dass deine Partnerin einen Freudensprung machen würde, wenn sie von deiner "besten Lösung" erfährt.


    Und der Post soll dir wobei helfen? Dass du Gleichgesinnte findest, um dich bestätigt zu fühlen, dass das ,was du tust doch nicht mehr so assi ist, sondern normal und sich andere auch gut fühlen damit?

    Danke für deinen Beitrag Endoma.


    Ich habe nicht alles gelesen, aber sein eigenes Betrügen und Belügen des Partners so schönzureden, mir könnte da übel werden.


    Der Betrüger, das gute Wesen. Schon klar.

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    Schätzt du deinen Partner überhaupt richtig ein? Warum nicht offene Beziehung? Hinterlistig zu lügen, um Gefühle andere nicht zu verletzten ist meiner Meinung nach nicht gerade ein guter Charakterzug

    Den Partner durch schonungslose Offenheit zu verletzen aber offenbar schon %:| Das ist genau der Punkt, den ich früher auch nicht auf dem Schirm hatte, als ich dachte, Offenheit sei das A und O. Man setzt sich für Ehrlichkeit und Offenheit ein, weil man es nicht ok findet, wenn die Gefühle anderer verletzt werden. Soweit verständlich. Aber was, wenn die Gefühle genau durch diese Offenheit verletzt werden? Wieso ist das dann ok? Dann hat man selbst ein reines Gewissen, aber trotzdem jemandem weh getan. Kann man gut finden, muss man aber nicht. Mir wurde das auch erst so richtig bewusst, als ich vor der "Wahl" stand.

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    Und dass das "Thema ruht", deutet eher darauf hin, dass man einfach nicht mehr über das Thema reden kann oder will. Klingt nicht nach "ansonsten läuft alles super".

    Ja, man kann oder will nicht mehr darüber reden, weil es zu nichts führt. Ist vielleicht nicht optimal, aber so ist es und damit muss man irgendwie umgehen. Und wenn du meine Partnerin fragen würdest, womit es ihr besser geht: das Thema immer und immer wieder durchkauen oder es - nachdem ja sehr ausführlich darüber gesprochen und nach Lösungen gesucht wurde, nur eben ohne Ergebnis - es ruhen lassen, dann würde sie dir sagen, dass es ihr gut damit geht, es ruhen zu lassen. Dass es keine Lösung gibt und dass sie aber glücklich und zufrieden ist, weil ihr nichts fehlt und dass sie eigentlich nur möchte, dass es mir auch gut geht.

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    Ich glaube kaum dass deine Partnerin einen Freudensprung machen würde, wenn sie von deiner "besten Lösung" erfährt.

    Und ich glaube, wenn du sie am Ende unseres Lebens fragen würdest, ob es ok von mir war, dass sie dann sagen würde: Ja. Danke, dass du das so gemacht hast und wir dadurch zusammen bleiben konnten. Anders wär es nicht gegangen.

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    Und der Post soll dir wobei helfen? Dass du Gleichgesinnte findest, um dich bestätigt zu fühlen, dass das ,was du tust doch nicht mehr so assi ist, sondern normal und sich andere auch gut fühlen damit?

    Du, ich fühl mich ja gar nicht assig. Mir muss das hier bei gar nichts helfen, weil ich das Problem für mich/uns gelöst habe. Mich hat einfach nur interessiert, wie es anderen geht. Ich tausche mich einfach gerne mit meinen Mitmenschen aus. Mit Gleichgesinnten und auch mit solchen, die ganz anderer Meinung sind, wie dir zum Beispiel.