Fremdgehen krankhaft?

    Wie ihr vielleicht gelesen habt, hatte ich eine recht lange Affäre. Dieser Mann behauptet von sich, daß er nicht treu sein kann.


    Er glaubt, es gebe Menschen die dafür geschaffen seien treu zu sein und andere, die niemals treu sein könnten, egal was sie auch tun. "Es würde eben immer irgendwann wieder etwas passieren". Seht ihr das auch so? Erlebt ihr Euch auch so? Oder ist das vielleicht nur eine billige Ausrede eines Menschen, der wenn ich es ihm erlauben würde, seiner Freundin noch immer fremd ginge, und einfach zu faul ist sich mit dem Thema "Partnerschaft/Was ist mir wichtig" auseinanderzusetzen?

  • 34 Antworten
    Zitat

    "Es würde eben immer irgendwann wieder etwas passieren"

    Dieser Satz sagt schon alles. "Es" "passiert" einfach, so sehen viel Fremdgänger das. Aber das stimmt nicht, es muß heißen: "Ich tue bewußt etwas".


    Es gibt sicher Ausnahmen bei Leuten, die in irgendeiner Weise psychisch krank sind und die ihr Verhalten wirklich nicht unter Kontrolle haben. Aber das sind die Wenigsten.

    Das hängt mit Bindungsschwäche zusammen, solche Menschen haben generell eine Heidenangst davor, irgendwo festgenagelt zu sein, bzw. erleben Bindungen nicht als beruhigend und sichernd, sondern als einengend. Die meisten Menschen bewegen sich zwischen den Extremen, aber manche sind eben am Ende der Latte. Dein Lover ist sozusagen das Gegenstück des Klammernden.


    Mit dieser Haltung nimmt er allerdings etwas weg, je nachdem, mit dem er es zu tun hat. So einfach ist es nun auch wieder nicht.

    Wenigstens ist er ehrlich

    Viel schlimmer finde ich die hinterhältigen Fremdgeher, die immer versichern sie würden das "niiieee tun" und hintenrum tun sie es doch. Sowas finde ich ekelhaft.

    Zitat

    Er glaubt, es gebe Menschen die dafür geschaffen seien treu zu sein und andere, die niemals treu sein könnten, egal was sie auch tun.

    Diese Rechtfertigung ist aber auch zu simpel. Es ist nicht einfach so, sondern es gibt Gründe dafür. Vielleicht ist diese "Theorie" für ihn eine billige Ausrede, weil er sein Verhalten gar nicht ändern will. Vielleicht will er nicht darüber nachdenken, warum gerade er nicht treu sein kann.

    Zitat

    Er glaubt, es gebe Menschen die dafür geschaffen seien treu zu sein und andere, die niemals treu sein könnten, egal was sie auch tun. "Es würde eben immer irgendwann wieder etwas passieren".

    Ich denke auch, daß es Menschen gibt, die einfach treu sind und welche, die das nicht können.


    Aber zu behaupten, es passiere einfach bedeutet für mich nicht, daß er nicht treu sein kann, sondern nicht treu sein will.


    Natürlich passiert es einfach, wenn man sich verliebt, aber ob man dann treu bleibt oder nicht, steht immer noch auf einem anderen Blatt.


    Wenn man das allerdings gar nicht erst will, dann passiert natürlich auch immer was.


    Du mußt nur wissen, ob Du damit leben kannst und willst, oder nicht.

    ja es gibt Menschen die immer "Fremdgehen"

    hallo, ich kann dir nur sagen, dass dein Freund/Affaire sich nie ändern wird und eben ständig die "Bestätigung" von Frauen sucht. Ob du mit so einem Mann leben kannst musst du entscheiden. Ich finde auch, dass er wenigstens mit offenen Karten spielt. Man muss als Frau das Spiel ja nicht mitspielen.

    ich glaube auch

    dass es männer und auch frauen gibt, die nicht treu sein können, besser gesagt wollen (denn sowas ist immer eine sache des nicht wirklich Wollens und nicht Könnens) oder zumindest ist er zum jetztigen zeitpunkt halt nicht daran interessiert treu zu sein.


    ich kann das durchaus auch nachvollziehn, gehn mir nämlich zur zeit genaus so. in einer ernsthaften beziehung würde ich mich eingeengt fühlen, treu sein würde für mich verlust von freiheit bedeuten und wenn ich dran denke bekomm ich panik- kann man nun bindungsangst, beziehungunfähigkeit oder nicht zu bändigender drang nach freiheit nennen. wie auch immer- du wirst ihn, zumindest zur zeit, nicht ändern können. also entweder ihn akzeptieren so wie er ist oder das ganze vergessen!


    lg

    Ich stimme da Monika65 zu

    Zitat

    Das hängt mit Bindungsschwäche zusammen, solche Menschen haben generell eine Heidenangst davor, irgendwo festgenagelt zu sein, bzw. erleben Bindungen nicht als beruhigend und sichernd, sondern als einengend. Die meisten Menschen bewegen sich zwischen den Extremen, aber manche sind eben am Ende der Latte. Dein Lover ist sozusagen das Gegenstück des Klammernden.

    Dazu noch:


    Diese Menschen haben Angst vor wirklicher Nähe, sich wirklich einzulassen, fallenzulassen, verlassen zu werden. Sie empfinden die Beziehung als einengend, weil sie bei Verlust dieser meinen in ein tiefes Loch zu fallen.


    Aber was nützt Dir das?


    Er hat seine 'Ausrede' für seine Ängste schon gefunden ("es gibt Menschen die nicht treu sein können"), diese benutzt er wahrscheinlich am meisten für sich selbst, um sich zu schützen. Von daher hast Du (zumindest zur Zeit) keine Chance etwas dagegen zu tun. Akzeptiere es - oder lasse es. Aber ich kann Dich nur warnen: Wenn Du Ersteres tust ohne eigentlich wirklich dahinter zu stehen bereitet es Dir mehr Schmerz auf Dauer, als jetzt den Schlußstrich zu ziehen.


    Viel Glück!!!


    LG

    LaChicita

    Zitat

    treu sein würde für mich verlust von freiheit bedeuten

    Vielleicht trifft es besonders diejenigen und in einem Moment, wo sie sich ihrer eigenen Autonomie und Freiheit nicht sicher sind und sie sich durch das Fremdgehen selber "beweisen" müssen. Wer sich hingegen seiner eigenen Freiheit und Eigenständigkeit so sicher ist, dass er nicht das Gefühl hat, irgendetwas auf der Welt könne sie ihm grundsätzlich streitig machen, er kann sie jederzeit haben, wenn er will, der kann sich auch fallen lassen und sich auf eine emotionale Abhängigkeit einlassen, ohne sie als Einengung zu empfinden.


    Ich empfinde mich selber in meiner Autonomie so, dass mir es nichts gibt, was den Verlust meiner inneren Freiheit bedeutet. Man kann mich einsperren, aber das betrifft nur meine äußere Freiheit. Ich habe keine Angst, meine Freiheit zu verlieren, weil ich das Gefühl habe, dass sie mir so selbstverständlich gehört, dass ich sie immer haben kann. Ich muss ihr nicht nachlaufen, denn sie läuft gar nicht weg, sondern wartet auf mich.


    Ich denke, was man sich selber dadurch nimmt, ist die Intensität, seine Energien ganz intim nur auf einen Menschen zu konzentrieren. Dafür hat man mehr Abwechslung und weniger emotionale Abhängigkeit

    Zitat

    Vielleicht trifft es besonders diejenigen und in einem Moment, wo sie sich ihrer eigenen Autonomie und Freiheit nicht sicher sind und sie sich durch das Fremdgehen selber "beweisen" müssen.

    also ich bin mir meiner freiheit sehr sicher, und es ist ja sicher sehr wohl auch möglich dass man in einer beziehung seine freiheiten haben kann (und dabei trotzdem dem anderen treu ist) abgesehn davon, dass ich nicht fremdgehe sondern mich von vornherein auf keine beziehung einlasse, muss ich mich dadurch auch nicht beweisen- was sollt ich denn bitte beweisen? gerade als frau ist es ja nicht gerade eine kunst einen mann für einen ons zu bekommen und beweist gar nichts.


    bei mir liegt es viel mehr daran dass ich mich nicht auf eine person fixiern will, zumindest jetzt noch nicht. ich bin jung und will erfahrungen sammeln, abwechslung haben (und eben die freiheit dies zu tun hab ich in einer beziehung nicht)


    was ich damit sagen will, es muss nicht immer einen grund, wie "ich muss mich beweisen" geben, wenn jemand nicht treu sein will/kann, sondern für manche, so wie für mich, ist die konventionelle form einer beziehung nicht das was sie wollen.


    und das heißt jetzt nicht dass sich die einstellung nicht eines tages ändern kann. nur das muss dann aus innerer überzeugung geschehn und kann von außen nicht beeinflusst werden.


    lg

    LaChicita

    Zitat

    bei mir liegt es viel mehr daran dass ich mich nicht auf eine person fixiern will, zumindest jetzt noch nicht. ich bin jung und will erfahrungen sammeln, abwechslung haben

    Ja, aber dann läßt du dich doch sicher auch nicht auf eine intensive Beziehung ein, sondern pflegst von vornherein nur "lockere" Liebschaften. Dann ist es ja auch völlig in Ordnung. Was ich aber nicht in Ordnung finde: Eine feste, auf eine Person fixierte Beziehung gibt einem viel Geborgenheit. Viele heimliche Fremdgänger möchten auf diese intensive Geborgenheit nicht verzichten und gehen "fixierte" Beziehungen ein. Sie fürchten aber gleichzeitig um ihre Autonomie und nehmen sich diese, indem sie durch die Affairen immer heimlich aus der intensiven Zweisamkeit ausbrechen.


    Das ist m.E. eine ambivalente Persönlichkeitsstruktur. Das heisst: Sie sind weder von einem Leben ohne diese Geborgenheit einer Beziehung, noch von einem Leben, wo man sich auf einen Partner fixiert, überzeugt, sondern wollen am liebsten irgendwie beides gleichzeitig leben.

    alex

    Keine Sorge, habe seit über einem Jahr einen anderen, lieben, treuen Freund. Der Thread war die Antwort auf den anderen zum Thema fremdgehen, da stand das drin. Aktuell ist es nur, weil 1. er trotz meines Freundes die Affäre weiter haben will, die er 2. seit 4 Jahren mit mir geführt hat obwohl er seit 3 Jahren ne Freundin hat. Toll, nicht wahr? Im Moment streiten wir uns nur, weil er nicht einsieht daß ich meinem Liebsten treu sein will!


    LG, Rebecca