Freundin, die alles bestimmen will und mich einengt

    Hallo,


    ich bin 23 Jahre alt und bin seit 3 Jahren mit meiner Freundin zusammen. Seit gut einem Jahr wohnen wir offiziell zusammen, und zwar im Elternhaus meiner Freundin, wo wir oben leben. Dieses befindet sich 1 Autostunde von meinem Elternhaus, und 50 Minuten von meinem Arbeitsplatz entfernt.


    Da mein Arbeitsplatz in der Nähe meines Elternhauses liegt, bevorzuge ich es, zumindest 1-2 Mal in der Woche zu meinem Elternhaus zu fahren, wo ich auch noch mein eigenes Zimmer habe. Mein gesamter Familien- und Freundeskreis befindet sich noch in meiner ursprünglichen Heimat. Meine Freundin drängt aber, dies möglichst zu unterlassen. Am liebsten wäre es ihr, wenn ich immer zu ihr komme. Sie beharrt immer darauf, dass wir "zusammenwohnen" und dies kein gemeinsames Wohnen sei, wenn ich 2 Mal in der Woche woanders schlafe. Man kann doch auch zusammenwohnen, wenn man nicht jede Nacht im selben Bett schläft, oder?


    Wenn wir an Wochenenden runterfahren, will sie meistens am selben Tag wieder heimfahren, um möglichst wenig Zeit unten zu verbringen. Sage ich, dass ich einmal ein Wochenende bei meinen Eltern verbringe, artet es zum Megastreit aus.


    Ich möchte mir nicht sagen lassen, wie oft ich meine Eltern besuche. Sie meint, sie hätte nichts gegen einen "normalen Besuch", man könne dann aber wieder heimfahren. Ich finde, man könne eher seltener runterfahren, dafür aber ein ganzes Wochenende auskosten (mit Freundschaftsunternehmungen und Verwandtschaftsbesuchen) um Sprit zu fahren. Eine Stunde ist nicht wenig, wenn man dies verdoppelt.


    Letztlich hat sie mir schon vorgeworfen, ich soll endlich ein Mann werden, da sie kein Kind möchte. Dabei verhält sie sich doch wie ein Kind. Oder etwa nicht?

  • 37 Antworten

    ein wenig klingt es für mich schon danach, dass ihr unterschiedlich weit im "loslösungsprozess" seid - wobei sie ja dadurch, dass sie quasi noch im elternhaus wohnt, ja kaum ungewöhnung hat.


    an deiner stelle würde ich gar nicht so sehr das ganze pragmatische in den vordergrund stellen, sondern einfach dazu stehen, dass ich mich "daheim" einfach noch sauwohl fühle und um verständnis bitten, dass der abschied von der kindheit halt anders passiert, als bei ihr.

    Danke für deine Antwort! Ja, ich werde einfach gedrängt, schneller "loszulassen" als ich es mir vorstelle. Und da ich mich dagegen "wehre", fühlt es sich für sie so an als wolle ich gar nicht von "daheim" weg.

    ein wenig ist das doch auch so, oder? also, dass du zwar schon mit ihr zusammenleben willst, auch kein problem mit ihrem elternhaus hast, aber dein eigenes tempo gehen willst, oder?


    all diese sprit- und arbeitsweggründe sind zwar auch ein thema, aber halt nur so sachlich am rande?

    Ich bin 47, mein Elternhaus ist nur 40min entfernt, bin verheiratet und habe Kinder. Und trotzdem bin ich noch hin und wieder gerne mal ein Wochenende bei meinen Eltern, Übernachtung inklusive. Die Bindung zu den Eltern muss man nicht aufgeben, nur weil man auszieht. Wenn die mal als Babysitter fungieren, ist man froh über ein enges Verhältnis und wenn die Eltern mal in einem Alter sind, wo der Tod nicht mehr unendlich weit weg erscheint, ist man dankbar für die Zeit, die man noch gemeinsam verbringen durfte.


    Idealerweise nimmt man diese Gelegenheiten als Paar war oder später mit Kindern als Familie. Sowohl meine Frau als auch die Kinder genießen es, nach einem langen Abend bei Oma und Opa nicht mehr heimfahren zu müssen. Ein Glas Wein mehr geht dann auch.


    Es hat also nichts mit einem fehlenden Abnabelungsprozess zu tun, wenn man seine Eltern besucht. Diesen Mangel könnte man eher ihr vorhalten, wenn sie noch mit den Eltern im Haus wohnt.


    Es ist vielmehr eine Frage, die in jeder Beziehung immer wieder mal zu klären ist: Wieviel Zeit braucht in der Beziehung jeder für sich, wieviel braucht man als Paar für gemeinsame Freunde und Familie und wieviel braucht man als Paar für sich allein?


    Da setzt jeder unterschiedliche Maßstäbe und da muss man sich einigen. Der Wunsch, Deine Eltern zu sehen ist ebenso legitim, wie ihr Wunsch, mit Dir allein zu sein. Vorwürfe sind da fehl am Platz. Die kann man mit einem souverän lächelnden "Das sehe ich anders Schatz" kontern.

    Ich gehöre einer Generation an, welche denen Deiner Eltern in etwa entspricht. (damit Du leichter zuordnen kann, wer Dir etwas schreibt)


    Aus meiner doch schon etwas gelebten Erfahrung des Lebens kann ich Dir nur empfehlen bei Dir und Deinen Bedürfnissen zu bleiben. Wenn sie Dir mit 23 Jahren sagen, ich möchte regelmäßig Kontakt zum eigenen Elternhaus und den gewachsenen Freundschaften (der Kinder/Teenagerzeit) weiter pflegen, ist das richtig und gesund.


    Aus der Position, alles für sich selbst zu haben, hier das eigene Elternhaus mit regelmäßig täglichem Umgang (gemeinsame Zeit abrufbar verbringend) ist es leicht, dem Partner selbige Bedürfnisse abzusprechen. Deine Freundin führt ihr Leben, dass sie als Kind und Jugendliche hatte (in der Nähe zu den Eltern weiter) ohne große Veränderung weiter.


    Hier würde ich mal provokant die Frage stellen, wer hier wirklich mehr das Kind seiner bzw. ihrer Eltern geblieben ist. Warum will sie denn weiterhin "Zuhause" leben, während sie von Dir erwartet, den Rückzug von der Herkunftsfamilie anzutreten.


    Meine Empfehlung, 'wehret den Anfängen'. Ich halte es für wichtig, auch über das Pubertätsalter hinaus mit dem Elternhaus gute Kontaktpflege zu betreiben. Außerdem kann es immer Gründe geben, mit den Eltern ein Gespräch zu suchen, dass Dich und Deine Gedankenwelt betrifft, die Deine Partnerin nicht abdeckt oder die privatere Dinge eurer eigenen Familie betreffen.


    Eine Beziehung, die zu einer Partnerschaft heran reifen will, verbietet nichts im Übermaß, stellt einseitig Bedürfnisse des Partners infrage, wenn es nicht die Beziehungstiefe oder direkt die Liebe in Gefahr bringt.


    Warum sollst Du nicht zweimal in der Woche den "Luxus" einfach nur einmal Sohn und Freund zu sein für Dich beanspruchen dürfen? Mal später aufstehen, statt den stressigen Arbeitsweg einer Stunde Fahrzeit einsparen, alles Dinge, die Deine Freundin selbstverständlich für sich behalten darf, während Du einseitig alles einzustellen hast.


    Hier fehlt mir die Balance und Ausgewogenheit und nur dagegen wehrst Du Dich und in meinen Augen zurecht. Mit 23 Jahren darf Mann auch Zeiten nur für sich und eigene Interessen ausleben. Ihr seid weder verheiratet, noch existieren sehr junge Kinder, die am besten im Team versorgt werden.


    Schlag Deiner Süßen doch den Kompromiss vor, euch eine Wohnung zu suchen, die zwischen beiden Elternhäusern liegt, sodass ein guter Status quo für die Beziehung erreicht werden könnte.


    Nur befürchte ich, dass Deine Freundin darauf angesäuert bis zickig reagieren wird. ;-) ]:D


    Es meist leichter anderen Menschen Ratschläge und Bedürfniseinschränkungen aufgeben zu können, die man selbst weder beherzigen noch für sich selbst bevorzugen würde.


    An dieser Stelle halte ich es mit guten alten I. Kant, dem kategorischen Imperativ, der besagt:

    Zitat

    : "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde." Er ist im System Immanuel Kants das grundlegende Prinzip der Ethik.

    (Grundform)


    In eigenen Worten formuliert, was Du selbst für Dich nicht willst und ertragen kannst, tue und verlange auch von Deinem Gegenüber nicht.


    Sei ein Mann und stehe zu Deinen Bedürfnissen. Bin Mutter von 3 Söhnen, die es nach wie vor genießen Alleinzeit bei mir daheim zu verbringen, sich Rat und Zuwendung zu holen, auch immer mal wieder ohne aktuelle oder Dauerpartnerin. Das wurde noch nie bemängelt oder kritisiert. Ich fände es sehr befremdlich, wenn dies so abverlangt werden würde. Lass Dich nicht einseitig vereinnahmen.


    Gerade Freundschaften aus der eigenen Herkunftsregion sind wichtig und stabilisieren für viele Menschen den Lebensweg positiv, weil man eine gemeinsam gelebte Vergangenheit und Gegenwart hat. Es baut für schlechtere Zeiten im Leben vor, wenn vertraute Leute am Lösungsweg mitwirken können.


    Versucht dieses Thema beide sachlich miteinander zu besprechen. Eure Argumente und Gegenargumente im gegenseitigen Austausch und mit liebevoller Toleranz beim Gegenüber mehr Akzeptanz für eigene Wünsche/Bedürfnisse zu ermöglichen.

    Zitat

    Letztlich hat sie mir schon vorgeworfen, ich soll endlich ein Mann werden, da sie kein Kind möchte. Dabei verhält sie sich doch wie ein Kind. Oder etwa nicht?

    Das kann ich aus der Entfernung nicht beurteilen.


    Grundsätzlich bin ich jedoch ganz Deiner Meinung. Ihr wohnt zusammen. Wenn Du ein- bis zweimal in der Woche woanders übernachtest, ändert das daran nichts.


    Die Frage, die ich stellen würde: Wie kannst Du es schaffen, Dich durchzusetzen, Dich nicht allzusehr einengen zu lassen?

    Das finde ich ja schräg: Sie wohnt in ihrem Elternhaus und will dir verbieten, ab und zu bei deinen Eltern zu übernachten ?? Du sollst bei ihren Eltern wohnen und deine nur kurz und selten besuchen ??

    Nunja, ich würde meinen Freundeskreis auch nicht aufgeben wollen sowie die gute Beziehung zu meinen Eltern auch aufrecht erhalten.


    Wie weit ist denn ihr Arbeitsplatz von ihrem Elternhaus entfernt? Das du täglich 50 Minuten hin- und herfahren mußt, ist auch schon ne Menge.


    Ich würde ihr auch mal vorschlagen, eine Wohnung in der Mitte der Elternhäuser zu suchen. ]:D Dann wird sie erstmal so richtig ausflippen. Aber vielleicht findet auch ein Denkprozess in ihrem Kopf statt.

    Ich denke, ein richtiges "Abnabeln" findet nur und erst statt, wenn die jungen Leute ihr eigenes Lebensfeld erobern, d.h. nicht mehr bei den Eltern wohnen. Das trifft sowohl auf deine Freundin als auch auf dich zu. Abnabeln bedeutet nicht, nichts mehr mit den Eltern zu tun haben zu wollen, sondern weitgehend sein eigenes Leben zu leben und zu gestalten und nicht von den Eltern gestalten zu lassen. Das beinhaltet eine eigenständige Versorgung genauso wie eine eigenständige Gestaltung des Wohnens und der Freizeit. Das kann den Besuch der Eltern ja miteinschließen. Ich halte es für eine Beziehung für günstiger, wenn die jungen Leute eine eigene Wohnung haben und ein eigenes Einkommen aufbauen. Sucht euch eine Wohnung, wo ihr zusammengenommen den kürzesten und einfachsten Arbeitsweg und Besorgungsweg habt.


    Eltern/Schwiegereltern kann man auch gemeinsam besuchen. ??mir kam es nie in den Sinn, meine Eltern ohne meine Freundin/Frau zu besuchen, sofern dies keine größeren Probleme bereitete, da meine Freundin/Frau in der "Prioritätenliste" an die erste Stelle rückte??