Freundin und Heimlichtuerei

    Hallo zusammen,


    Ich bin mit meiner Freundin seit 2,5 Jahren zusammen. Seit gut einem Jahr wohnen wir auch gemeinsam. An sich läuft es in der Beziehung ganz gut.


    Mein Problem ist einfach, dass meine Freundin alles so lange wie möglich geheim hält. Gegenüber ihren Eltern ist das ganz extrem. Als wir letztes Jahr zusammengezogen sind, haben wir schon einen Monat in der Wohnung gelebt, bis sie es mal ihren Eltern erzählt hat. Bei ihrem Studium war sie schon im 2. Semester, als sie es ihnen erzählt hat. Im Oktober hat sie sich ein neues Auto bestellt, welches jetzt demnächst geliefert wird - ich bin der einzige der davon weiß. Zu allen anderen wird nur gesagt „Nein, es gibt nichts neues“. Vorletztes Weihnachten haben wir zusammen in New York verbracht. Ihre Familie hatte uns für Weihnachten schon zum Besuch und Essen eingeplant, am 21.12. hat meine Freundin dann mal kommuniziert, dass wir gar nicht da sein werden.


    Sowas kann mir ja prinzipiell egal sein. Das Problem besteht einfach darin, dass sie mir auch häufiger Sachen verheimlicht hat. Beispielsweise waren wir im Januar an einem Wochenende bei Freunden eingeladen. Sie hat schon die ganze Zeit rumgedruckst und wollte es sehr gerne verschieben. Habe ich nicht verstanden, weil wir eigentlich Zeit gehabt hätten. Mittwochs hatte sie mir dann Bescheid gesagt, dass sie Freitags übers Wochenende zu ihrer Tante nach Berlin fährt. Die Zugtickets hatte sie da schon 3 Monate. Oder gestern habe ich Unterlagen gefunden, dass sie sich wohl für eine berufliche Weiterbildung angemeldet hat. Habe da vorher noch nie etwas zu gehört.


    Mich belastet sowas extrem. Man muss ja nicht erzählen, was man von morgens bis abends gegessen hat, aber wenigstens mal seinem Partner bescheid geben „Hey ich fahre in 2 Monaten zu meiner Tante nach Berlin“ oder „Ich überlege, ob ich die nächsten 3 Jahre einer beruflichen Fortbildung nachgehe“ fände ich schon mal angebracht.


    Ich weiß nicht, ob das schon mangelndes Vertrauen ist. Aber mittlerweile denke ich ständig „Hmm, sagt sie mir jetzt die Wahrheit oder ist da im Hintergrund vielleicht doch mehr?“. Habe ich auch natürlich schon mal angesprochen, da kommt aber auch nur „Ja achte ich drauf“, aber im Endeffekt ändert sich nicht viel.


    Weiß nicht, wie ich damit umgehen soll..

  • 12 Antworten

    Oh weia, mit so einem wandelnden Fragezeichen könnte ich nicht zusammenleben. Vielleicht ist sie ja in Wirklichkeit eine Doppelagentin von CIA und FSB?

    Hey IT-Sky12,


    vollstes Verständnis, dass es dich verunsichert und belastet. Mir würde es gar nicht anders ergehen. Dass sie einsieht, dass es wirklich ein schon ernstes Problem ist, könnte eventuell schwierig werden. Von daher würde ich noch einmal und diesmal in aller Deutlichkeit mit ihr reden. Nicht zwischen Tür und Angel, sondern direkt eine Stunde, oder welchen Zeitraum auch immer, mit ihr vereinbaren. Sag ihr alles, wie es dich im Detail fühlen lässt und was du dir konkrekt wünschst und dir von ihr fehlt. Frag sie, WARUM sie all das stets vor euch verschweigt, was ihre konkreten Ängste sind (da muss etwas hinterstecken). Mach ihr deutlich, dass du dadurch an eurer Beziehung zweifelst, da du ihr nicht vertrauen kannst. Sie muss begreifen, dass das nicht nur nicht normal, sondern ungesund und auf Dauer schädlich (!) für eure Beziehung ist. Dass ein saloppes "Achte ich drauf" ganz und gar nicht ausreicht, sondern Taten folgen müssen.

    Sie muss ja auch nicht im Detail ihre Psyche mit dir oder ihrer Familie ergründen, wenn sie das nicht möchte, dafür gibt es Psychotherapeuten. Und genau zu so einem würde ich ihr raten. Man muss nicht erst in absoluter Not sein, um stark von einer Psychotherapie zu profitieren. Überhaupt nicht. Das denken aber leider viele.


    Ich wünsche dir von ganzem Herzen alles Gute!

    IT-Sky12 schrieb:

    Ich weiß nicht, ob das schon mangelndes Vertrauen ist.

    Auch wenn die Situation unschön für Dich ist und unbedingt zwishcen Euch geklärt werden sollte: Von dem was Du schreibst würde ich mir jetzt keine Sorgen machen, dass sie Dir gegenüber Mistrauisch wäre oder absichtlich Dir etwas verheimlicht. Schließlich ist sie offensichtlich jedem gegenüber so.


    Versuch es nicht so sehr auf Dich zu beziehen, das macht Dich offener für ein Gespräch.


    Vielleicht hat sie generell wenig Vertrauen zu anderen. Aber es kann genausogut sein, dass sie einfach keinen Grund sieht, warum sie diese Sachen früher kommunizieren sollte. Oder mal schlechte Erfahrungen durch eine zu frühe Ankündigung gemacht hat.


    Vielleicht hat sie auch Angst um Ihre Selbstständigkeit, wenn sie Dir, ihren Eltern oder sonstwem "alles erzählen soll", fühlt sich dadurch bevormundet und eingeschränkt.


    Wenn Ihr sprecht, vielleicht auch mal vergangene oder fiktive Beispiele durchgeht, kann sie erklären warum sie es nicht notwendig sieht Dir da Bescheid zu geben und Du kannst erklären, warum die Information für Dich hilfreich wäre, ohne, dass Du sie gegen Sie verwenden willst. Ihr müsst sprechen, reden, kommunizieren.


    Ich denke, Ihr könnt das selbst lösen, aber wenns arg schwierig ist, kann man auch mal nen einzelnen Termin bei einem Beziehungscoach, Paartherapeut, was auch immer machen, der einem Tipps gibt wie man so ein Gespräch führt. Ist aber für viele abschreckend, weil sie meinen, dass eine "Paartherapie" für kaputte Beziehungen ist. Paarberatungen sind aber nicht dazu da Beziehungen zu retten, das können sie nicht, wenns kaputt ist ists kaputt. Sie ist eigentlich genau für sowas.

    mininix3 schrieb:

    Sie muss ja auch nicht im Detail ihre Psyche mit dir oder ihrer Familie ergründen, wenn sie das nicht möchte, dafür gibt es Psychotherapeuten. Und genau zu so einem würde ich ihr raten. Man muss nicht erst in absoluter Not sein, um stark von einer Psychotherapie zu profitieren. Überhaupt nicht. Das denken aber leider viele.

    Trotzdem würde ich nicht so ein Gespräch anfangen und gleich sagen "ich denke Du solltest eine Therapie machen". Ich lese hier auch nichts "krankhaftes", daher wäre das schon sehr anmaßend.


    Wenn in dem Gespräch nach und nach rauskommt, dass da was im Hintergrund sein könnte, kommt sie vermutlcih selbst auf die Idee oder er kann es immernoch anraten.


    Aber jenach Grund liegt hier vielleicht auch gar nichts psychisch relevantes vor. Da kann bereits ein simples Gespräch für absolute klarheit sorgen. Kann natürlich auch sein, dass irgendein Schicksalserlebnis dahintersteckt. Man weiß es nicht, ich finds aber nicht richtig, das gleich zu Unterstellen nur weil jemand anders ist als man selbst.

    Ich habe nirgendwo erwähnt, dass sie krank sei oder dass er direkt mit der Empfehlung das Gespräch beginnen sollte. Und aus seinem Eingangspost ist deutlich ersichtlich, dass er schon mehrmals mit ihr gesprochen hatte und nichts dabei herumgekommen ist. Interessant, dass du gleich starke Krankheit mit Psychotherapie gleichsetzt. ^^ Auch Menschen, die "nicht krank" sind, sondern schlichtweg mit was auch immer Schwierigkeiten haben, können sehr von einer Psychotherapie profitieren. Und danach klang für mich nun mal der Eingangspost. Musst du mich ja nicht gleich anspringen ^^ sagt aber viel über dich aus.

    Ihr Verhalten ist eben unnormal und offenbar sehr ungesund, sonst würde ihr Freund nicht darunter leiden und ihr Verhalten so merkwürdige, unnötige Konflikte verursachen würde, siehe deren Weihnachten mit der Familie.

    mininix3 schrieb:

    sagt aber viel über dich aus.

    Ich wollte auch nur dem TE eine zweite Sichtweise nennen, da ich es für wenig hilfreich und sogar anmaßend halte, jemandem, nur weil er anders ist als ich, eine Psychotherapie nahezulegen. Zumindest solange nicht mehr Informationen vorliegen.


    Das hatte jetzt auch gar nichts mit irgendeinem pro/contra Psychotherapie zu tun. Wenn mir von jemandem die Haare nicht gefallen, sag ich auch nicht proaktiv "geh mal zum Friseur". Wenn derjenige mich fragt oder im Gespräch herauskommt, dass er unzufrieden mit seinen Haaren ist und nicht weiß was er dagegen tun kann, dann kann ich aber gerne diesen hilfreichen Tipp geben. Ist genauso wie Ernährungs- oder Sporttipps auszuteilen.


    Man kann jemandem schon ohne explizite Anfrage etwas nahelegen, aber erst, wenn man merkt, dass derjenige damit auch unzufrieden ist und gerne etwas ändern würde. Nicht einfach so weil mir sein Verhalten nicht passt. Ansonsten geht so ein gut gemeinter Tipp häufig nach hinten los (und nein, ich gehöre nicht zu den Personen, die einem "Ratschläge" übel nehmen, aber ich kenne doch nicht wenige die das überhaupt nicht abkönnen).

    IT-Sky12 schrieb:

    Weiß nicht, wie ich damit umgehen soll..

    Feste Paar-Redezeit vereinbaren. Z.B. einmal die Woche für 45 min. Und dort kein Geplänkel, sondern die basalen Themen: Beziehung, eigene Freizeitplanung, eigene Lebensplanung, eigene Berufsplanung, eigene große Anschaffungen, geplante Besuche zuhause oder auswärts, Urlaubsplanung. Und das von beiden Seiten.


    Und der andere Teil wird sicherlich sein, sich auch mal mit 80% oder 90% zufrieden zu geben. Das erhält den Partner spannend. Anstatt in den restlichen 10-20% jetzt mit einem neuen Wahrnehmungsfilter wieder jede Menge Heimlichkeiten zu vermuten oder reinzudeuten.

    Habe gestern das Thema nochmal gegenüber meiner Freundin in Ruhe angesprochen, ihr vermittelt, wie ich mich dabei fühle, dass es für die Beziehung auf Dauer schädlich ist usw.


    Sie sagte, dass es sie innerlich verletzt, wenn sie eine Entscheidung oder Ähnliches kommuniziert und jemand daran etwas auszusetzen hat bzw kritisiert. Wenn sie beispielsweise ihren Eltern jetzt vom neuen Auto erzählen würde, würde eh nur kommen „Wieso denn ein neues Auto? Du brauchst doch gar kein neues, dein altes war doch noch in Ordnung bla bla“. Und deswegen verheimlicht sie immer und immer mehr.


    Sie möchte sich das gerne zu Herzen nehmen und würde mir das auch gerne beweisen. Ich hatte jetzt so adhoc aber auch keine Idee, wie man so etwas beweisen soll..

    IT-Sky12 schrieb:

    Habe ich auch natürlich schon mal angesprochen, da kommt aber auch nur „Ja achte ich drauf“

    Äh, wasn das für ne Antwort? Wie lautete die Frage dazu? Fällt für mich in die Kategorie "unbrauchbare Antworten". Auf was genau will sie denn (wann?) achten?

    So wie ich das lese, wie sie erst mal gar nichts tun und auch nichts anders machen.

    Woher ich das weiß? Diese "Heimlichtuerei" hat eine Funktion für sie, das ist ihre Strategie, die sie sich über Jahre zugelegt hat, um an Dinge zu kommen und andere Dinge zu erreichen. Vielleicht haben ihr früher immer die Eltern zu sehr dazwischen gequatscht, oder sie musste sich ständig erklären und und und...

    Dem kann man z.B. dadurch aus dem Wege gehen, dass man andere vor vollendete Tatsachen stellt. Das funktioniert durchaus, dass Dumme ist nur, dass all die, die es dann irgendwann spät erfahren, sich ziemlich blöd vorkommen. Das wird von ihr vielleicht in Kauf genommen, oder gar nicht bewußt wahrgenommen. Schließlich lebt sie diese Strategie wohl schon länger, da verselbständigt und automatisiert sich einiges.

    Lange Rede, kurzer Sinn. Ihr werdet da noch mal etwas eingehender darüber reden müssen. Du musst ihr vermitteln, dass du dich dabei nicht wohl fühlst. Falls sie das so gar nicht nachvollziehen kann, wirds allerdings schwierig. Sie sollte auch erklären können, warum sie das so macht, wie sie es macht. Falls sie sich das selber nicht erklären kann, wird es wohl noch mal etwas schwieriger. Viel Erfolg!

    Für mich klingt es, als hätte sie Angst jemand könnte ihre Entscheidungen "anfechten" und wolle sie erst zementieren bevor sie irgendjemandem etwas erzählt. Das kann ich ehrlich gesagt gut verstehen, weil ich auch oft erlebt habe, das mir viel "abgeraten" wurde, und schlecht akzeptiert werden konnte dass ich erwachsen bin und auf ungebetene Ratschläge echt verzichten kann.


    Ich bin eine Quasselstrippe aber eigentlich wäre das etwas, das ich mir auch bei mir vorstellen kann.


    Als Partner wäre das wichtig zu wissen. Manche Dinge die man von Kleinkind an gelernt hat kann man irgendwann nicht mehr einfach abschalten.

    Marcel-Erhaus schrieb:

    Sie möchte sich das gerne zu Herzen nehmen und würde mir das auch gerne beweisen. Ich hatte jetzt so adhoc aber auch keine Idee, wie man so etwas beweisen soll..

    Das sollte auch nicht das Ziel sein. Man muss Gefühle nicht beweisen. Ein Gefühl ist einfach da. Wenn sie das Gefühl hat, es schadet ihr, Dinge zu kommunizieren, dann ist das erstmal so, das muss sie nicht belegen. Genausowenig musst Du belegen, wenn es Dich beispielsweise verletzt wenn sie mal wieder was verheimlicht hat. Das ist dann einfach so.


    Es ist ebenfalls nicht wichtig, dass Du Ihr Gefühl komplett Nachvollziehen kannst, jeder Mensch ist anders, hat anderes erlebt und so weiter. Wichtig ist nur, dass Du dafür Verständnis hast, dass sie so fühlt wie sie fühlt und sie, dass Du fühlst wie Du fühlst, egal ob nachvollziehbar oder nicht.


    Mein Tipp wäre: Erkläre, warum Dir das wichtig ist, solche Infos zu bekommen, damit sie das versteht, selbst wenn das Gründe sind, die Ihr nicht wichtig wären, merkt sie so, dass es für andere wichtig sein könnte. Geht Beispiele durch von vergangengen oder fiktiven Fällen, sie kann dann auch sagen welche Befürchtung sie hätte, wenn sie es erzählt. Vielleicht kannst Du Ihr die Sorgen nehmen. Nur weil Ihre Eltern oder Freunde soundso reagieren, heißt das nicht, dass Du auch so reagierst. Und dann müsst Ihr das nach und nach im Alltag mal ausprobieren. Das wird schon schwierig für sie, sie wird sich da überwinden müssen, sich was trauen und ein Risiko eingehen (da sie ja etwas befürchtet). Wenn sie dann aber merkt, dass Du die Info einfach zur Kenntnis nimmst statt zu kritisieren wie Ihre Eltern, wird sie das öfters tun oder Dich sogar beim ein oder anderen Thema frühzeitig einbeziehen.


    Ich denke das ist recht normal, dass man am Anfang der Beziehung erstmal davon ausgeht, dass sich der Partner ähnlich verhält wie die Familienmitglieder mit denen man sein Leben lang zusammen wohnte. Sowohl was gute wie auch schlechte Eigenschaften betrifft. Das wirst Du genauso machen wie sie. Wenn jetzt eure "Vorerfahrung" zusammenpasst, merkt man davon nicht viel. Wenn es aber weiter auseinander geht, hilft nur reden und dann mal riskieren, Dinge anders anzugehen und zu schauen, ob das mit dieser Person vielleicht doch geht obwohls mit anderen undenkbar war.