@ Emotron

    Ich danke Dir nun für Deine Ehrlichkeit.


    Auch wenn das für mich gerade sehr schwierig ist.


    Du hattest in Deinem Eingangspost ja etwas anderes geschrieben. Da war zumindest für mich Dein Anliegen insgesamt sehr unverständlich, denn es fühlte sich für mich immer so an, als ob Du Deiner Freundin nicht glaubst. Dadurch aber hatte ich das Gefühl, dass Du hier nur schreiben würdest, um Tips zu bekommen, wie Du Deine Freundin am Besten ins Bett bekommst.


    Du schreibst, dass Du oft verarscht wurdest. Das ist sicherlich der Grund, warum Du hier nicht ehrlich schreiben konntest, was Dein eigentliches Anliegen ist. Nämlich, dass Du Deiner Freundin nicht glauben kannst, dass sie jahrelang von ihrem Onkel mißbraucht wurde. Du hast selber eine Biografie, eine Biografie die Dich hindert, das zu glauben. Du bist sicherlich nie mit MB so nah dran in Berührung gekommen. Da hat man Vorurteile, wie eine mißbrauchte Person reagiert. Oder zu reagieren hat.


    Dass ein junger Mann im besten Alter mit seiner Freundin schlafen möchte, ist das Natürlichste der Welt. Nur, wenn Du halt so gerne möchtest, dann kommt es sehr drängend rüber. Da kannst Du gar nichts machen, das ist nunmal so.


    Jedoch kann Deine Freundin das nicht. Für Dich unverständlich, weil sie (sicherlich nicht mit 100 Kerlen) Erfahrung hat. Und schon gar nicht glauben kannst Du den MB. Was aber sollte sonst der Grund für das Desinteresse Deiner Freundin an Sex sein??


    Also, Du fragst im Anfangspost, was Du nun machen könntest:


    Mein Rat: Da Dich Deine eigenen schlechten Erfahrungen (Verarschen) selber so belasten, und damit auch Deiner Beziehung hinderlich sind, gebe ich Dir den Rat, daran selber zu arbeiten. Mit anderen Worten, mein Rat ist, suche für Dich einen Psychologen, mit welchem Du einen gesunden Umgang mit Deiner Skepsis lernen kannst. Denn Deine Skepsis ist es, die Dich daran hinderte, hier gleich im Eingangspost die richtige Frage zu stellen. Oder anders, Deine Skepsis scheint es zu sein, oder ein anderer Teil Deiner Biografie. Mit so einem Psychologen könntest Du auch besprechen, ob und wie Du eine Beziehung zu der jungen Frau führen könntest.


    Alles Gute


    P

    Sorry, ich musste gerade über diesen kleinen aber feinen Fehler schmunzeln

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    Ok, wenn mein bester Freund, mit dem ich seit vielen Jahren befreundet bin, sagen würde "Hey ich hab da deinen Freund gesehen Arm in Arm mit nem andren".

    ....würde das bedeuten, das Dein Freund bi ist, und außer Dir auch einen Freund hat.

    Zitat

    Fehlende Möglichkeit, eine erfüllende Sexualität zu erleben ist überhaupt eine der wichtigsten Ursachen seelischer Erkrankungen

    So sagen es gerne die unbefriedigten Männer in der Opferrolle, nicht wahr? Total lächerlich. Wirklich nichts weiter als gequirlte sch**sse. Fehlender Sex führt sicherlich zu Frust und mag die Beziehung schädigen, aber mit absoluter Sicherheit nicht zu seelischen Erkrankungen. Das ist wirklich vollkommen indiskutabel.

    Zitat

    Fehlender Sex führt sicherlich zu Frust und mag die Beziehung schädigen, aber mit absoluter Sicherheit nicht zu seelischen Erkrankungen. Das ist wirklich vollkommen indiskutabel.

    Also eigentlich ist eine unbefriedigende Auslebung der eigenen Sexualität ein nicht zu verachtender Faktor beim Entstehen von Depressionen und weiteren seelischen Leiden.

    Zitat

    Fehlender Sex führt sicherlich zu Frust und mag die Beziehung schädigen, aber mit absoluter Sicherheit nicht zu seelischen Erkrankungen. Das ist wirklich vollkommen indiskutabel.

    Das trifft vielleicht auf Alkoholkranke zu, die eh nicht mehr können und deshalb auch keinen Drang mehr haben. Aber "normale", gesunde Männer? Da könnte ich Dir aus dem hiesigen Umfeld schon einige Namen nennen ...

    Zitat

    Und sie selbst hilft mir da auch nicht wirklich weiter, weil sie scheinbar noch immer kaum darüber reden kann oder möchte.

    Zitat

    Das kann ich sehr gut verstehen. Ich beschreib's mal bildlich:


    Scheiße stinkt wenn man immer wieder darin wühlt. Sprich: für sie ist es jedesmal "unangenehm", wenn sie daran denken und darüber reden muß. Das ist der Grund warum ich selber für mich auch jede Therapie ablehne. Und ich würde nie, nie, nie einem Mann darüber erzählen.

    Aus meiner bescheidenen Kenntnis im Umgang mit einer Parnerin mit entsprechender "Vorgeschichte" würde ich eher zum reden raten. Die Vergewaltigung bedeutet ja immer einen Macht- bzw. Kontrollverlust. Der dauert in gewisser Weise an, solange man sich einem Schweigegebot unterworfen sieht. Indem man bzw. frau aber anfängt darüber zu reden und eine Sprache für das Unsägliche zu finden, gewinnt sie auch ein Stück Kontrolle zurück.


    ceterum censeo: Ich finde es immer wieder sonderbar, wie in diesem Forum Menschen zuweilen angemacht werden, weil sie ein sexuelles Verlangen haben und - hört, hört - dieses gern mit ihrer Parnerin/ ihrem Partner auszuleben gedenken. Das Höchste schlechthin ist dann, wenn zwischen "reinen" Motiven für Sex (Liebe) und "unreinen" Motiven (Druck abbauen) unterschieden wird. Da wird der Papst (Sex bitte bloß zum Kindermachen und nicht zum Lustausleben) glatt noch übertroffen.


    Ich danke meinem Herrgott dafür, dass er mir eine Frau gegeben hat, die mir keine Vorwürfe wegen meiner sexuellen Bedürfnisse macht und die mir gern die Befriedigung gibt, die ich brauche. Dem TE wünsche ich, dass seine Partnerin sich schrittweise für Intimitäten öffnen kann und Sex als den vielleicht schönsten Bereich des menschlichen Lebens entdeckt.

    Zitat

    Entstehen von Depressionen

    auf "kein Sex verstärkt/verursacht phasenweise depressive Verstimmungen" lasse ich mich ein. Klar frustriert das.


    Aber nicht auf "verursacht seelische Krankheiten". Das ist definitiv ein anderes Paar Schuhe.

    Ich behaupte, dass die Auswirkungen fehlender sexueller Erfüllung sowohl bei Männern als auch Frauen, auf die Gesellschaft, völlig unterschätzt werden. Und dabei ist die Annahme, reichliche, häufige, mit verschiedenen Partnern praktizierte Sexualität, DIE sei in irgendein"st"er Weise gleichbedeutend mit "sexueller Erfüllung" ein ganz gewaltiger Irrtum.


    Ich behaupte, dass unser gesellschaftliches System darauf angelegt ist, sexuelle Nicht-Erfüllung zu gewährleisten, DAMIT ein fortlaufender geschäftlicher Geld-Fluss zur Beschaffung von allerlei Objekten zwecks ERSATZ-Befriedung der unerfüllten sexuellen Bedürfnisse generiert wird.

    Zitat

    Eine Verschwörung, ausgehend von der Sex-Toy- und Porno-Industrie?

    ach komm - das kannst du besser ;-)


    diese industrie reagiert schon immer sehr schnell auf gesellschaftliche veränderungen!

    Ich glaube, der TE macht sich vor, dass er, wenn er nur die richtigen Tricks anwendet, seine Freundin zu einer offenen und positiven Haltung zum Thema Sex Sex motiviert. Das hätte sie dann IHM zu verdanken, und mit ihr IHR hat das allein mal gar nichts zu tun. Das ist allein DEIN Film, der sich um die Frage dreht, ob du als Mann was taugst oder nicht. Wenn du die Frage erst mit "ja" ich tauge als Mann was" beantworten kannst, nach dem du deine Freundin ins Bett bekommen hast, dann beende diese Beziehung sofort, sonst verschlimmerst du ihre Probleme.


    3 Monate lang warten, bis, es jetzt aber auch endlich "klappt", ist ein müder Witz! Sex kann das Leben angenehm machen und auch bereichern, aber BRAUCHEN tut mans nicht zum Überleben und auch nicht zum Glücklich- oder Zufriedensein.


    Ich hab keine Gewalt- oder Missbrauchserlebnisse, aber ich war eine sexuelle Spätzünderin. Während alle meine Freundinnen schon erste sexuelle Erfahrungen gemacht hatten, lief bei mir gar nichts. Ich war einfach noch nicht bereit dazu und habe immer auf meinen eigenen Körper und mein eigenes Tempo geachtet. Verschiedenste Männer haben sich an mir vergeblich abgearbeitet.


    Ich fand es eigentlich nur schrecklich aus 2 Gründen: 1., weil ich eben einfach noch nicht bereit dafür war, und 2., weil ich immer dachte: Wenn ichs jetzt nicht mitmache, bin ich diesen Mann auch los! Und dann war da noch das Thema Verhütung, damit kam ich auch nicht klar, ich mochte nicht zur FÄ, das finde ich bis heute scheusslich (bin inzwischen 57) Ich hab dann aber zu mir selber gehalten und habe darüber viele Männer-Kontakte verloren, einen nach dem anderen, es ist nicht schade drum! Denn komplett akzeptiert hat mich ja keiner davon. Irgendwann dachte ich mal wieder darüber nach. Plötzlich war alle Angst weg, wie von allein! Ich dachte: Wenn mir der nächste Mann gefällt: warum nicht ;-) ? und so war es dann auch.


    Heute bin ich froh, mich nicht selbst vergewaltigt zu haben, indem ich mich zu Dingen gezwungen hätte, die ich nicht tun wollte und daher nicht als schön oder bereichernd empfingen konnte. Diese Phase hat allein schon ca 7 Jahre gebraucht! Wenn jemand schlimme Erfahrungen gemacht hat, mag es noch länger dauern.


    Verwechsele Liebe nicht mit Trieb, das sind unterschiedliche Sachen, auch für Männer.


    Ich fürchte, du brauchst eine tolle, lockere Freundin, mit der du dich sexuell super zusammen ausleben kannst. Mit dieser Frau wird das auf keinen Fall klappen, das musst du wirklich wissen. Wenn du sie liebst, musst du sie mit allem Drum und Dran lieben und auch ihre Probleme akzeptieren, du kannst dir dabei nicht die Rosinen aus dieser Bekanntschaft herauspicken.


    Sei einfach nur ehrlich zu dir selbst: Was wünschst du dir wirklich und ist es mit dieser Frau zusammen machbar? Kannst du dir vorstellen, mit dieser Frau langfristig eine Perspektive zu haben, kannst du dir vorstellen, vllt sogar jahrzehntelang keinen Sex mit ihr zu haben?


    Wenn nein, beende die Sache schnellstens!


    *:) *:)

    Zitat

    aber BRAUCHEN tut mans nicht zum Überleben und auch nicht zum Glücklich- oder Zufriedensein.

    naja, aber doch eigentlich schon. Auf Makroebene, so gäbe es keine Menschen mehr. Und deshalb hat es die Natur auf Mikroebene so eingerichtet, dass es glücklich- und zufrieden macht. Nicht nur, aber auch und der Raum, den man dem einräumt, ist halt individuell.


    Es geht ja nicht nur um körperliche Befriedigung, denn ich gehe eigentilch schon davon aus, dass das Wort "Liebe machen" speziell von Männern wörtlich gesehen wird. Ich liebe sie:


    also schlafe ich mit ihr. Ich schlafe mit ihr: ich liebe sie. Weil ich sie liebe, will ich mit ihr schlafen. Ich schlafe mit ihr und zeige ihr so meine Liebe (weil dass ich sie begehre, ist mein höchstes Kompliment, was ich vergeben kann).


    Klar geht es bei Männern auch ohne Liebe,


    aber das wäre ein anderer, hier nicht passender Kontext. Hier geht es um seine Liebe zu ihr und als Mann gehört Sex für ihn zu Liebe dazu. "Liebe machen". Greifbar.

    auf "kein Sex verstärkt/verursacht phasenweise depressive Verstimmungen" lasse ich mich ein. Klar frustriert das.


    Aber nicht auf "verursacht seelische Krankheiten". Das ist definitiv ein anderes Paar Schuhe.


    Zum einen können depressive Verstimmungen in eine Depression überlaufen, zum anderen wird das wirklich so im ICD als Mitverursacher für diverse seelische Leiden klassifiziert. Psychische Störungen sind komplex, einen alleinigen Übeltäter zu finden ist gar nicht so einfach. Fakt ist es aber definitiv, dass eine nicht befriedigte Libido ein Faktor sein kann. Jetzt nicht so extrem wie bei Freud, aber weiterhin. Wir sind hier in einem Medizinforum, da wollen wir doch wohl bitte fachlich bleiben oder?

    Auch wenn ich denke, dass sich der TE sehr unvorteilhaft präsentiert und somit auch selbstverschuldet nicht besonders empathisch wirkt, würde ich gerne eine Lanze für zwei durchaus berechtigte Anliegen brechen:


    1. Die Freundinnen seiner Freundin scheint er ähnlich lange zu kennen und nach einer dreimonatigen Beziehung ist das Vertrauen zu ihr noch nicht so gewachsen, dass er ihr unbedingt vertraut - was nach einer solch kurzen Zeitspanne absolut natürlich ist. Die Angst belogen oder verletzt zu werden ist in dieser Phase doch durchaus präsent, und daraus sollte man dem TE keinen Strick drehen. Vor allem, sofern die Äußerungen der Freundinnen zutreffen, scheint ihr Verhalten nicht konsistent zu sein und das wirft eben Fragen auf. Ein Misstrauen ist da eben nachvollziehbar. ??Aber auch umso schädlicher, wenn die Geschichte der Freundin eben zutrifft.??


    2. Ohne Sex auszukommen ist außerhalb einer Beziehung deutlich einfacher als innerhalb einer Beziehung. Sex ist eben mehr als nur reiner Triebabbau, sondern auch die Bestätigung, dass man in seiner Körperlichkeit, mit all den kleinen und großen Deformationen liebenswert und liebenswürdig ist. Und wenn dann gerade die Person einen zurückweist, von der man sich das am meisten wünscht, dann ist das eben so viel härter und auch verletzender, als wenn man eh alleine ist. Hier scheint diese Zurückweisung Gründe zu haben, die außerhalb der Kontrolle des TE liegen, aber die Folgen betreffen auch ihn. Einfach zu sagen: "Verzichte auf deine Bedürfnisse!" ist nun mal auch keine konstruktive Art. Von daher finde ich die verurteilenden Beiträge von rr2017 schon arg destruktiv und mindestens genauso unempathisch wie sie es selbst dem TE vorwirft.