1)

    Zitat

    Also wir sind beide Mitte 20


    [...]


    seit der Pubertät ist sie nun in Therapie

    sie ist also grob gesagt seit etwa 10 Jahren in Therapie. Ich denke, es ist kein rocket science zu behaupten, dass das, was in 10 Jahren nicht erreicht werden konnte, nicht nun in drei Monaten erreicht werden kann. Ich wage die These, dass sie noch viele Jahre brauchen wird, vielleicht nochmal 10 Jahre oder vielleicht auch nie Sexualität wird zulassen können!


    2)


    In einer partnerschaftlichen Beziehung intim werden zu wollen, ist das normalste von der Welt. Mich erstaunt, mit welcher ungerührten Selbstverständlichkeit hier einige von dem TE verlangen, aus Rücksichtnahme auf seine Freundin seine eignenen Bedürfnisse auf Jahre hinaus zurückzustellen.


    Eine Aussage wie "Wenn Du sie wirklich liebst, würdest Du es akzeptieren, auf Jahre hinaus ohne Sex zu leben" ist genauso blödsinnig und herzlos wie es umgekehrt blödsinnig und herzlos wäre, von ihr zu verlangen, dass sie in ranlässt nach dem Motto "Wenn Du ihn wirklich liebst, würdest Du ihn trotz Trauma ranlassen"...


    3)


    ich finde es normalerweise nicht gut, dass in so vielen Threads hier bei durchaus überwindbaren Problemen immer sehr schnell zur Trennung geraten wird, aber hier halte ich eine baldige Trennung für beide Seiten für den besten, einen verantwortungsvollen Schritt.


    Auch wenn sie sich gegenseitig lieben, es sind jeweils nicht die Partner, die jeder der beiden braucht und verdient hat.


    4)


    auch wenn es kalt und herzlos klingen mag: die Freundin ist traumatisiert und geschädigt und kann deshalb kein schönes Intimleben haben. Der TE hingegen ist gesund, "normal" und hat ein natürliches Verlangen nach einem und auch ein Recht auf ein erfüllendes Intimleben.


    Warum soll das vorhandene und leider nicht so einfach, vielleicht sogar niemals zu heilende Leid der Freundin nun auch noch Leid bei einem unschuldigen, gesunden, nicht betroffenen Dritten begründen? Es ist schlimm genug, dass da ein Mensch kein schönes Sexualleben haben kann, warum soll deshalb nun ein Dritter deshalb auch kein schönes Sexualleben haben dürfen?

    über einen satz bin ich irgendwie gestolpert:

    Zitat

    nur Nähe schafft sie einfach nicht zuzulassen.

    irgendeine nähe muss zwischen euch ja aber da sein, denn sonst würdet ihr ja wohl nicht von beziehung reden, oder?


    ich meine, drei monate "beziehung" ist noch keine lange zeit, nichtmal wenn man mitbedenkt, daß ihr erst mitte 20 seid.


    es ist also eine kennenlernphase, die dadurch erschwert wird, daß ihr keine unbeschwerte körperlichkeit habt. aber... was habt ihr dann? also was ist es, was zwischen euch die beziehung ausmacht, die nähe herstellt?


    du hast formuliert, was dir fehlt, aber ich lese wenig raus, was DA ist. erst wenn man sich einigermaßen drüber im klaren ist, was da ist (welche nähe usw.) kann man halbwegs realistisch feststellen, ob das was da ist, mehr bindung erzeugt, als das hemmnis (das, was fehlt) den prozess der bindung irgendwie aufhält.


    du hast das gefühl, es müsste schon irgendwie "weiter" gehen. wenn es aber auf dem punkt, wo ihr jetzt seid, erstmal "stehnbleibt"- ist dann das, wo ihr euch befindet auf dauer etwas, was du als beziehung wahrnehmen könntest?


    also sprich: ist die nähe, die da ist, nahe genug, um für dich beziehung zu sein? wenn du das mit ja beantwortest, dann bleib bei ihr. wenn nicht, und du nur wartend drauf hoffst, daß sich "endlich" irgendwas bewegt, dann lass es lieber bleiben.


    hat sie eigentlich vor dir schon mal eine beziehung gehabt? also war zwischen dem missbrauch und der beziehung mit dir für sie schon mal die gelegenheit da, sexualität auch als etwas schönes zu erleben?

    Ich war mal in derselben Situation. Leider muss ich sagen, dass ich damals jung, hormonell unausgelastet und ungeduldig war. Kurzum, wir haben uns gegenseitig nicht gut getan, und es hat viel zu lange gedauert bis wir uns das eingestanden und die Sache beendet haben.

    Ich hab nicht alles gelesen, aber: Ich war schon in der gleichen Position wie der TE, und kann deswegen nachempfinden was "auch" er mitmacht.


    Es ist ja so, das Sex durchaus Spaß machen kann, und man dem Partner dadurch auch sehr gut/gerne zeigen kann/möchte, wie sehr man ihn liebt und an ihm hängt.


    Diese Möglichkeit hat der TE nicht. Er kann sich nicht an die Partnerin kuscheln, sie liebevoll verwöhnen und auch sich selbst dadurch in Fahrt bringen.


    Und genau dieses unbändige Verlangen, das endlich tun zu können, nagt am TE.


    Auch ich habe mich damals täglich gefragt, wann ich es ihr endlich zeigen kann/darf, was Sie mir bedeutet, und wie sehr ich sie liebe. Das hat nicht unbedingt etwas mit Egoismus zutun, das es einem nur darum geht Sex zu haben und Druck abzulassen!!


    Es geht um *das zärtlich sein zu dürfen, den Partner verwöhnen zu dürfen, das kuscheln, den anderen spüren, und ihm intim ganz nah zu sein und mit ihm regelrecht zu verschmelzen*.


    Ich bin damals daran regelrecht kaputt gegangen, weil es eine *Neverending Story* war. Es wurde und wurde nichts besser. Es war für mich ein Kampf gegen Windmühlen. Sie tat mir unendlich leid, aber man selber leidet auch von Tag zu Tag mehr darunter. Für mich war es leider eine nicht endende Einbahnstraße.

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    Zitat

    Nachtrag: Der Missbrauch hat über mehrere Jahre in ihrer Kindheit stattgefunden und seit der Pubertät ist sie nun in Therapie

    seh der Realität ins Gesicht, vermutlich wirst du mit ihr nie eine ganz normale Beziehung incl. Sex führen können.


    Sie ist seit Jahren in Therapie und ein Erfolg oder eine Änderung hat sich nicht eingestellt, das ist Stand der Dinge


    im Grunde stellt sich damit für dich nur die eine Frage:


    Kannst oder willst du damit dauerhaft umgehen oder nicht ?

    Ich glaube ich kann es nicht. So leid mir das auch tut mit ihr und ihrer Geschichte... aber ich glaube auch irgendwie, dass sie insgeheim nicht will oder kann. Ich weiß, dass ich sie damit wieder sehr verletzen werde und ich habe auch ein wenig Angst vor ihrer Reaktion, wenn ich Schluss machen würde...


    Jedenfalls existiert zwischen uns schon Nähe, wir halten Händchen und sie küsst mich auch, aber das wars eben schon. Manchmal ist sie auch schon bei mir im Arm eingeschlafen

    Zitat

    Sie ist seit Jahren in Therapie und ein Erfolg oder eine Änderung hat sich nicht eingestellt, das ist Stand der Dinge

    Das können wir doch gar nicht beurteilen. Ich könnte mir vorstellen, dass es bereits ein riesiger Schritt für sie war, sich (emotional) überhaupt auf einen Mann einzulassen. Der nächste Schritt ist es, einen positiven körperlichen Umgang mit einem Partner zu erlernen und dafür hatte sie bislang genau 3 Monate Zeit. Das ist in meinen Augen ein sehr kurzer Zeitraum, wenn man bedenkt, dass manche Frauen auch ohne Trauma nach 12 Wochen nicht bereit sind, mit einem neuen Partner zu schlafen. Es geht doch im Grunde um ihr "erstes Mal", auch wenn sie bereits Mitte 20 ist. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist er ihr erster Partner. Würde man von einer 15jährigen Jungfrau auch erwarten, dass sie nach 3 Monaten mit ihrem ersten Freund schläft? Und hier handelt es sich eben um einen Menschen, der zu allem Überfluss in seiner Prägungsphase auch noch sehr negative Erfahrungen mit Sexualität machen musste. Deshalb: ja, es kann Jahre dauern, so ein Trauma zu überwinden. Aber zwischen 3 Monaten und "bis in alle Ewigkeit" gibt es schon noch ein bisschen was.


    Ich bin übrigens gar nicht der Meinung, dass man aus Liebe alles ertragen und sich selbst kasteien muss. Liebe(n) kann auch loslassen bedeuten, wie mond+sterne schrieb. Wenn man nicht warten kann oder will, finde ich es völlig legitim, die Sache zu beenden. Wie lange man sich dafür Zeit lässt und was man bis dahin alles versuchen möchte, muss jeder selbst entscheiden. Emotron: Was glaubst du denn, wie lange du bereit wärst zu warten, wenn du dir sicher sein könntest, dass sie "daran arbeitet"? Hast du da eine Vorstellung? Nochmal 3 Monate oder 1 Jahr oder welcher Zeitraum wäre für dich denkbar?

    Wisst ihr, was mich am "sie kann nicht" zweifeln lässt? Ich bin nämlich nicht ihr erster nach dem Missbrauch, ich bin auch nicht der 2te oder 3te neee...


    Sie hat mit Beginn der Pubertät jeden rangelassen, vielleicht Hunderte wer weiß! Das weiß ich von ihren Freundinnen, sie ist zwar bei niemandem geblieben aber Sex hatte sie zu genüge und als ihr Verhalten dann immer merkwürdiger wurde hat das mit Beginn der Therapie aufgehört.


    Ich weiß, dass zu dem Onkel niemand Kontakt hat, es wird auch nicht über ihn gesprochen, aber ob er im Gefängnis ist weiß ich nicht.

    Zitat

    Sie hat mit Beginn der Pubertät jeden rangelassen, vielleicht Hunderte wer weiß! Das weiß ich von ihren Freundinnen

    Und was weißt du von ihr diesbezüglich? Hast du mit ihr darüber gesprochen?

    Zitat

    sie ist zwar bei niemandem geblieben aber Sex hatte sie zu genüge und als ihr Verhalten dann immer merkwürdiger wurde hat das mit Beginn der Therapie aufgehört

    Das ist im Übrigen kein seltenes Verhalten von Missbrauchsopfern.

    Zitat

    Sie hat mit Beginn der Pubertät jeden rangelassen, vielleicht Hunderte wer weiß!

    Das kann infolge eines solchen Traumas passieren, dass statt Ablehnung von Sex praktisch das Gegenteil in exzessiver und selbstschädigender Weise praktiziert wird. Aber ich finde deine Formulierungen über sie und deine Unterstellungen ihr gegenüber mittlerweile nicht mehr als Ausdruck deiner Unerfahrenheit mit Missbrauchsopfern. Ich denke, dass du insgeheim sauer auf sie bist, weil du glaubtest, die Taube in der Hand zu haben, sich diese aber dummerweise als Spatz entpuppt hat. Soweit alles legitim. Aber anstatt zu gehen und die von dir gewünschte Taube zu suchen, wertest du den Spatz ab dafür, dass er keine Taube ist und unterstellst ihm Böswilligkeit dir gegenüber und hast eine Forderungshaltung, bei der ich dem Spatz raten würde, so schnell und so weit wie möglich wegzufliegen.


    Es geht mir nicht darum, dass du eine Partnerschaft mit Sex haben möchtest. Das ist nur verständlich und legitim. Mit ihr geht das in auf absehbare Zeit nicht. Dann in der Kennenlernphase zu ihr zu sagen, sorry passt nicht und dir eine andere Frau zu suchen, ist ebenso legitim. Es ist aber deine zum Ausdruck gebrachte Denke über sie, die ich entlarvend finde.