Freundschaften über Distanz aufrecht erhalten?

    Hey zusammen,


    jemand hier, der auch weit(er) weg gezogen ist

    ?Wie schafft ihr es, enge Freundschaften über die Distanz aufrecht zu erhalten? Was hat sich verändert? Haben sich auch die Prioritäten geändert in Form von einer neuen "Rangfolge" oder so? Hoffe ihr wisst, was ich meine :-)


    Bin ja vor 1 1/4 Jahren 650km von daheim weg gezogen und mit eben diesem Thema konfrontiert. Zwei Freundschaften gehen langsam kaputt, was ich aber so nicht hinnehmen möchte daher dachte ich, ich schreib hier mal.


    Theresia

  • 20 Antworten

    Ich glaube schon, dass das schwer ist, eine Patentlösung gibt es da sicher nicht. Du kannst Dich nur regelmäßig melden, hinfahren etc. Wenn allerdings von der "Gegenseite" nicht das gleiche Interesse da ist, ist das schwer. Dann kann es schnell "aus den Augen, aus dem Sinn" sein.


    Ich habe seit 37 Jahren eine Freundin, die ich mal über den Sport kennengelernt habe. Wir haben schon immer 300 KM auseinander gewohnt (oder sind es 350?). Wir sehen uns mehrmals im Jahr und haben regelmäßig Kontakt, sie war auch Taufpatin meines Kindes und war präsenter als der Taufpate, der keine 5 KM entfernt wohnt.


    Ich bin mir sicher, dass wir als 80jährige noch zusammen treffen. Allerdings ist die Ausgangssituation auch anders, weil wir es nie anders hatten. Trotzdem würde ich sie als eine meiner engsten Freundinnen bezeichnen. :)_

    Woran merkst du denn, dass sie kaputt gehen?


    Ich führe seit Jahren mit einigen Leuten eine "Fernfreundschaft", weil man sich aus der Schule oder dem Bachelor/Master kennt und dann durch Umzüge nicht mehr in der gleichen Stadt wohnt.


    Mit manchen schon seit 10 Jahren :-D


    Aber klar, nicht alle Freundschaften verkraften eine Distanz. Aber das muss ja nicht mal an den km liegen, sondern daran, dass man in einer anderen Lebensphase nicht mehr zueinander passt oder das Dinge, die einen mal verbunden haben, wegfallen und nicht durch andere gemeinsame Interessen kompensiert werden.


    Wie ich es schaffe? Hm.. ehrliches Interesse am anderen, sich einerseits auch "reinhängen", sprich mal ein Wochenende zusammen wohin zu fahren / sich gegenseitig besuchen anstatt es mit meinem Freund zu verbringen (ebenfalls Fernbeziehung). Telefonieren/schreiben und sich auch über "kleine Dinge" im Alltag austauschen. Ich schreib auch gern mal ne Postkarte....


    Andererseits aber auch akzeptieren, dass man vielleicht nicht mehr die "Nummer 1" beim anderen ist und manches erst später erfährt als Freunde vor Ort - sowie ein gemeinsames Maß an "richtigem Kontakt" zu finden (eine ehemalige Freundin wollte ständig telefonieren und so gern ich das auch tue, sie hat am Ende einfach nicht begriffen, dass ich nicht so viel kann wie sie gern wollte. Sowas verursacht Unzufriedenheit auf beiden Seiten).


    Hoffe, dass du deine Freundschaften aufrecht erhalten kannst *:)

    Warum/ woran gehen deine einst engen Freundschaften denn kaputt?


    Ich finde es kommt darauf an, wie man (diese oder generell) Freundschaften führt. Ich brauche mit meinen Freunden nichts zu unternehmen, um sie als Freunde zu behalten. Für mich ist sich Unterhalten am Wichtigsten, und das kann man ja ganz archaisch übers Telefon, egal wo man gerade ist.


    Ich habe eine sehr gute "alte" Freundin. Wir gingen in dieselbe Schule und haben an derselben Uni studiert. Wir hingen trotzdem nicht ständig zusammen ab und haben uns auch erst später gezielt getroffen, weil wir uns ja sowieso zwangsläufig oft gesehen haben. Dann fing sie an, beruflich in der Welt herumzureisen. Da habe ich sie manchmal besucht. Jetzt ist sie gerade wieder ganz in der Nähe. Wir sehen uns aber auch nicht öfter. Seit ein paar Jahren verreisen wir manchmal ein paar Tage zusammen. Das ist eine ganz enge wichtige Freundschaft für uns beide. Ich kann mir nicht vorstellen dass die an irgendwas zerbricht.

    Ich lebe seit 11 Jahren ca. 1.000 km von meiner Heimat entfernt, grenzüberschreitend.


    Meine Erfahrung ist sehr unterschiedlich. Einige Freundschaften und Bekanntschaften verliefen sich recht schnell. Anfangs bin ich zwar noch 4x pro Jahr in die Heimat gereist, allerdings immer nur für 3-4 Tage. Es ist unmöglich, in dieser Zeit jedes Mal alle Leute abzuklappern, zumindest für mich war es so schon genug Stress, den engsten Freunden gerecht zu werden. Natürlich wurde ich auch besucht, aber eben auch max. 1x pro Jahr.


    Andere Freundschaften verliefen sich nach einigen Jahren weitgehend, leider darunter zwei bis dahin sehr enge Freundschaften. Da kamen jeweils zur Entfernung noch deren Familiengründung und unterschiedliche Lebensentwicklungen hinzu.


    Mit meiner besten Freundin hatte ich sehr stabilen Kontakt und die Entfernung hatte unserer Freundschaft nicht geschadet. Leider haben wir uns vor etwas mehr als einem Jahr verkracht, dies hatte allerdings nichts mit der Entfernung zu tun. Außer, dass es bei räumlicher Nähe vielleicht wahrscheinlicher/einfacher wäre, sich wieder anzunähern.


    Mein einziger stabiler Kontakt in die Heimat besteht zu meinem besten Freund und seiner Lebensgefährtin. Mein Partner und ich besuchen die beiden regelmäßig und umgekehrt. Darüber hinaus telefonieren wir alle paar Wochen und halten Kontakt per WhatsApp.


    Ich denke, es ist nicht einfach, Freundschaften über eine länger andauernde Distanz intensiv aufrecht zu erhalten, stimme aber CoteSauvage zu, dass es darauf ankommt, was verbindet. Ich z.B. telefoniere nicht besonders gerne, das ist für mich sehr anstrengend (habe einen Job, bei dem ich viel reden und mich auf unterschiedliche Menschen einstellen muss - da habe ich in der Freizeit auch gerne einfach meine Ruhe) .

    Ich habe auch langjährige Freundschaften, die garnicht weit weg wohnen, aber durch die geänderten Lebenssituationen und mangelnde Zeit, fühlen sie sich an wie "Fernfreundschaften". Und wenn wir uns dann 2mal im Jahr treffen, dann ist es als wenn wir uns täglich gesehen hätten. Und selbst telefonieren klappt nicht. HÖchstens mal eine SMS alle paar Wochen... Aber dafür muss das Interesse von beidenSeiten gleich sein. Ich habe auch eine Freundin, mit der es bis vor einem Jahr auch so war wie von mir beschrieben und jetzt habe ich gemerkt, dass bei ihr das Interesse langsam erlischt. Sie sagt Treffen ab, mit doofen Begründungen... aber so ist das dann eben. Erzwingen kann man nix.




    Du solltest dich einfach regelmäßig melden und ob die Gegenseite sich auch regelmäßig von selbst meldet, wirst du dann ja merken.

    Tut mir leid, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Ich war bis eben im Urlaub und vorher ging es drunter und drüber.


    Danke für eure Antworten @:)

    @ Schmidti

    Zitat

    Ich glaube schon, dass das schwer ist, eine Patentlösung gibt es da sicher nicht. Du kannst Dich nur regelmäßig melden, hinfahren etc. Wenn allerdings von der "Gegenseite" nicht das gleiche Interesse da ist, ist das schwer. Dann kann es schnell "aus den Augen, aus dem Sinn" sein.

    Es ist sogar sehr schwer. Im Endeffekt versuche ich wirklich sehr, den Kontakt zu halten. Im ersten Jahr war ich so alle 4 Wochen daheim.. phasenweise auch zweimal im Monat, dafür mal 1,5 Monate nicht. Neben genügend Zeit mit meiner Familie, versuche ich auch immer, Treffen mit meinen Freunden einigermaßen gerecht aufzuteilen. Aber gerade bei den beiden (wir waren immer ein Dreiergespann) habe ich mir JEDES Mal Zeit genommen und ein Treffen reingequetscht, weils mir einfach total wichtig war.

    @ Lucy

    Woran ich merke, dass sie kaputt gehen?


    An der Mauer, die sich irgendwie bildet. Es fing schleichend im Herbst an. Es kam viel mehr von mir als von den beiden. Immer musste ich mich melden und Bescheid sagen, wann ich komme und Termine organisieren. Ich bekam bei den Treffen mit, dass ich bei den alltäglichen Dingen, die man so erlebt, außen vor war. Ist ja auch normal, anders geht's nicht, wenn man nicht gerade regelmäßig telefoniert oder skyped. Ich hab angefangen, mich leise zu ärgern, dass immer ich anfragen musste oder dann zum Treffpunkt kommen musste. Ich meine, ich komme meist Freitag Nacht an und muss Sonntag gegen 16:00 wieder fahren, da bleibt nicht viel Zeit und ich sitze mindestens 12 Stunden im Auto. Irgendwie find ich es doof, dass ich mir dann noch ein Autoorganisieren muss, um zu den beiden zu fahren. Gut, ich hab auch nix gesagt, also selbst Schuld, aber die wenige Zeit möchte ich eben auch nicht mit lächerlichen Befindlichkeiten füllen. Meine Freundin hatte 2017 ihr Trennungsjahr, was sie sehr gut weggesteckt hat aber sie hat in den letzten Monaten auch ganz stark ihre Prioritäten verändert - es zählen tatsächlich fast nur noch ihr Hund sowie ihr Pferd. Das hat ganz extreme Züge angenommen, welche Treffen noch schwieriger gemacht haben. Im Herbst haben wir tatsächlich dann das letzte Mal über wirklich persönliche Dinge gesprochen und seither ist der Ofen irgendwie aus. Wir reden nur noch über Geplänkel, Wetter, Arbeit.. ich frage persönliche Dinge nach, aber mich fragt keiner mehr. zB wie es mir geht, ob ich mich eingelebt habe, wie es in der Beziehung läuft. Ich weiß nicht, wie das passiert ist, wirklich nicht. In unserer WhatsApp-Gruppe habe ich die ganze Zeit das Gefühl, die beiden wären sauer auf mich, kann das schlecht erklären, wahrscheinlich interpretiere ich das einfach rein, weil ich mittlerweile so empfindlich bin.


    Danke für Deine Wünsche... die beiden sind mir sehr wichtig, kosten mich derzeit aber mehr Bauchweh als positive Gefühle.

    @ Cote Sauvage

    Zitat

    Warum/ woran gehen deine einst engen Freundschaften denn kaputt?

    Das weiß ich eben nicht. Ich denke, der Kontakt zwischen den Treffen fehlt. Nur sind wir alle keine Telefonierer, ganz im Gegenteil.

    Zitat

    Ich finde es kommt darauf an, wie man (diese oder generell) Freundschaften führt. Ich brauche mit meinen Freunden nichts zu unternehmen, um sie als Freunde zu behalten. Für mich ist sich Unterhalten am Wichtigsten, und das kann man ja ganz archaisch übers Telefon, egal wo man gerade ist.

    Mit meinen anderen Mädels ist alles super. Die melden sich genau so regelmäßig wie ich mich bei denen und dann telefonieren wir halt mal 20 Minuten in der Mittagspause oder so. Ich glaube, der Unterschied ist, dass die anderen sich auch bei mir melden. Ja, das ist es.. da ist es ausgewogen, sehr entspannt und teilweise haben wir mehr Kontakt also noch vorher.

    Zitat

    Das ist eine ganz enge wichtige Freundschaft für uns beide. Ich kann mir nicht vorstellen dass die an irgendwas zerbricht.

    Das klingt schön, hoffentlich bleibt das so @:)

    @ wave_seven

    Zitat

    Meine Erfahrung ist sehr unterschiedlich. Einige Freundschaften und Bekanntschaften verliefen sich recht schnell. Anfangs bin ich zwar noch 4x pro Jahr in die Heimat gereist, allerdings immer nur für 3-4 Tage. Es ist unmöglich, in dieser Zeit jedes Mal alle Leute abzuklappern, zumindest für mich war es so schon genug Stress, den engsten Freunden gerecht zu werden. Natürlich wurde ich auch besucht, aber eben auch max. 1x pro Jahr.

    Oh, dann verstehst Du mich sicherlich gut. Bei mir sind es so um die 650km aber nachdem Fliegen sehr teuer ist und mein Elternhaus ziemlich weit vom Flughafen entfernt ist, fahre ich meist mit dem Auto. Bahnfahren ist auch keine Option mehr. Das bisschen Zeit, was man dann hat, ist ruckzuck rum.

    @ Tinka

    Zitat

    Ich habe auch eine Freundin, mit der es bis vor einem Jahr auch so war wie von mir beschrieben und jetzt habe ich gemerkt, dass bei ihr das Interesse langsam erlischt. Sie sagt Treffen ab, mit doofen Begründungen... aber so ist das dann eben. Erzwingen kann man nix.

    Schade.. hast Du sie mal drauf angesprochen?

    Zitat

    Du solltest dich einfach regelmäßig melden und ob die Gegenseite sich auch regelmäßig von selbst meldet, wirst du dann ja merken.

    Das tue ich.


    Mittlerweile ist es nur so, dass ich mir doof vorkomme, einfach mal den Hörer in die Hand zu nehmen und durchzuklingeln. Erstens machen wir das alle 3 nicht gern und zweitens kommt es mir falsch vor. Das hat gar nichts mir falschem Stolz oder so zu tun. Es ist echt schwer zu erklären.. manchmal hab ich mein Handy in der Hand und möchte den beiden schreiben und dann leg ich es wieder weg weil ich nicht weiß, was ich sagen soll und Angst habe, wieder kühl abgefertigt zu werden oder die Antworten nur belanglos sind.

    Bei mir hat sich ehrlicherweise bei allen Freundschaften der Kontakt über die Jahre verringert, wenn jemand weggezogen ist. Selbst bei einem ehemals sehr guten Freund, der "nur" 100km weiter weg gezogen ist, konnten wir das einstige Freundschaftsgefühl nur 6 Jahre aufrechterhalten. Man sieht sich seltener, die Lebensmittelpunkte sind unterschiedlich, man ist in den gegenseitigen verbindenden Themen nicht mehr so drin und es bleibt nur der vertraute Mensch. Und selbst das wird weniger, wenn man sich seltener sieht.

    Zitat

    Ich hab angefangen, mich leise zu ärgern, dass immer ich anfragen musste oder dann zum Treffpunkt kommen musste. Ich meine, ich komme meist Freitag Nacht an und muss Sonntag gegen 16:00 wieder fahren, da bleibt nicht viel Zeit und ich sitze mindestens 12 Stunden im Auto. Irgendwie find ich es doof, dass ich mir dann noch ein Autoorganisieren muss, um zu den beiden zu fahren.

    Ein erzwungenes Festhalten an Freundschaften funktioniert nicht, genausowenig gibt es einen Anspruch auf Gegenleistung, wenn man sich für Treffen schwer ins Zeug legt. Es ist einfach der Lauf der Dinge. Viel mehr sollte man bei den Treffen genießen, wenn die alte Vertrautheit wieder da ist. Aber das Festhalten mit Gewalt und das Ausarbeiten von Strategien wird nicht funktionieren. Entweder es funktioniert und fühlt sich für alle Beteiligten gut an, oder die Verbindungen verkümmern, aber dann ist es so.


    Selbst wenn es scheitern sollte, solltest du das als Chance begreifen, dich mehr von der alten Heimat abzukoppeln. Klar hast du da noch Familie, aber Familie und Freunde erhöht die gefühlten Verpflichtungen ja auch. Daher mach nur das, was sich für dich wirklich gut anfühlt bei diesen Heimatbesuchen. Verbieg dich nicht, nur weil du Angst vor dem Auslaufen der Freundschaften hast. @:)

    Ich glaube, das kann man nicht allgemein beantworten.


    Ich führe mit 2 sehr, sehr guten Freunden seit über einem Jahrzehnt ohne Probleme eine Fernfreundschaft.


    Die Beziehung zu meiner allerbesten Freudin aus Jugendtagen liegt aber nach ein paar Jahren Fernfreundschaft "auf Eis".


    Das liegt wohl daran, dass ich mit den beiden Erstgenannten viele gemeinsame Interessen und einen ähnlichen Lebensstil teile, weswegen wir und z.B. hin und wieder sehen um z.B. gemeinsam auf ein Konzert zu gehen etc.


    Bei meiner Jugendfreundin dagegen ist unser Lebensweg inzwischen sehr konträr.


    Ich komme von der Arbeit nach Hause, wenn sie aufsteht und zu ihren Pferden geht, ich arbeite am WE, da hat sie frei, wenn ich frei hab, ist sie in der Arbeit....


    Ich denke schon, dass wenn wir noch in einer Stadt wohnen und uns regelmässig sehen könnten das völlig egal wäre, ich bin auch davon überzeugt, dass alles gut wäre, wenn wir uns mal wieder sehen würden, aber das ist einfach alles so schwierig und mühsam, dass es nie klappt. Hinzu kommt noch, dass sie weder in den sozialen Medien aktiv ist, noch wirklich jemals Mails liest aber eben auch nie erreichbar ist, wenn ich mal Zeit hätte. Damit fällt alles weg, wie ich sonst mit Leuten in Kontakt bleibe (FB, WhatsApp etc.). Traurig, aber so ist es eben.

    Manchmal merkt man an den kleinen Dingen, das die gefühlten engsten Freunde einem doch nicht so nahe sind, wie man sich das gedacht oder erhofft hat. Wenn das Verbindende eben nicht die Person sondern andere Gemeinsamkeiten sind.


    Während der Schulzeit hatte ich einen Freund, mit dem ich regelmäßig etwas unternommen hatte. Irgendwann gab er mir das Gefühl, kein Interesse mehr an meiner Person zu haben. Ich habe entsprechend den Kontakt zurückgefahren und nach einem Jahr haben wir uns nicht mehr gesehen. Und wir wohnten nur 2 Strassen auseinander....


    Ich glaube, direkt fragen könnte weiterhelfen . Auch wenn der Kontakt plötzlich ein schnelles Ende findet. Oder die Freunde wachen auf und werden sich ihres Verhaltens und der damit verbundenen Wirkung auf andere bewußt.

    Freundschaften verändern sich im Laufe der Zeit. So und so. Unabhängig vom Wohnort.


    Ich bin vor 6 Jahren 300 km weit weggezogen, war zwischendurch nochmal ein Jahr in der Heimat und lebe seitdem knapp 200 km von der Heimat entfernt. Meine Freundschaften in der Heimat haben das alle ausgehalten. Ich habe sogar neue Freunde dazugewonnen. Menschen, die ich noch gar nicht kannte als ich weggezogen bin. Der Großteil meiner Freunde waren bei meinem Wegzug nur lockere Partybekanntschaften und sind trotz der Distanz mittlerweile enge Freunde geworden. Ich bin auch dann Teil der Clique, wenn ich nicht da bin. Natürlich unternehmen sie auch spontane Sachen ohne mich und ja, ich verpasse Dinge. Und wenn ich da bin und nicht Bescheid sage, dann denkt auch keiner an mich weil alle denken, dass ich eben nicht da bin. Und ich sehe auch nicht jedes Mal, wenn ich in der Heimat bin, alle meine Freunde. Manche sehe ich nur 2-3 x im Jahr. Aber sie sind und bleiben trotzdem Freunde. Vorteilhaft ist vielleicht, dass alle diese Freundschaften noch nie sehr Kontakt- bzw. Telefonbasiert waren. Auch als wir in derselben Stadt gewohnt haben, hatten wir manchmal wochenlang keinen Kontakt. Man meldet sich mal, sieht sich und geht wieder seiner Wege. Bis man das nächste Mal was zusammen macht.


    Die Freundschaft von mir und meiner besten Freundin hat 2 Jahre lang 300 km Distanz problemlos ausgehalten. Wir waren ein unzertrennliches Team, haben immer zusammengehalten, haben vor meinem Wegzug sogar zusammen gewohnt. Und dennoch ist diese Freundschaft in die Brüche gegangen und hat so viel verbrannte Erde hinterlassen, dass wir Jahre später immer noch kein Wort wechseln. Und zwar während wir in derselben Stadt gewohnt und uns ständig gesehen haben. Weil wir älter geworden sind, weil wir uns verändert haben und plötzlich völlig unterschiedliche Vorstellungen vom Leben und unserer Freundschaft hatten.


    Freundschaften scheitern an vielen Dingen. Weil sich das Leben ändern, die Menschen sich ändern. Manche Freundschaften halten tausende Kilometer aus, manche gehen auch in derselben Stadt kaputt. Und es kommt einfach auch drauf, wie man sich die Freundschaft vorstellt und welche Erwartungen man hat. Musst du jedes Mal alle deine Freunde treffen, wenn du in der Stadt bist? Ist es wichtig, dass sie sich jede Woche bei dir melden und erzählen, was in ihrem Leben los ist?


    Ich weiß, dass meine Freunde hinter mir stehen und da sind, wenn ich sie als Freunde brauche. Und umgekehrt können sie sich bedigungslos auf mich verlassen. Ich muss nicht jede Woche mit ihnen telefonieren und ständig mit ihnen rumhängen.

    @ Comran

    Zitat

    Man sieht sich seltener, die Lebensmittelpunkte sind unterschiedlich, man ist in den gegenseitigen verbindenden Themen nicht mehr so drin und es bleibt nur der vertraute Mensch. Und selbst das wird weniger, wenn man sich seltener sieht.

    Ja, das kann ich gerade auch so bestätigen. Je mehr Erfahrungsberichte ich von Euch lese, desto klarer wird, dass es wohl gar keinen einzelnen Auslöser gab.. eher ist es so, dass die Freundin und ich uns jeder für sich anders entwickelt hat, unser Kumpel dagegen gar nicht. Das scheint nicht mehr so gut zusammen zu passen.

    Zitat

    Selbst wenn es scheitern sollte, solltest du das als Chance begreifen, dich mehr von der alten Heimat abzukoppeln. Klar hast du da noch Familie, aber Familie und Freunde erhöht die gefühlten Verpflichtungen ja auch. Daher mach nur das, was sich für dich wirklich gut anfühlt bei diesen Heimatbesuchen. Verbieg dich nicht, nur weil du Angst vor dem Auslaufen der Freundschaften hast. @:)

    Tatsächlich bin ich hier mittlerweile ein ganzes Stückchen weiter "angekommen" als das noch vor ein paar Monaten war. Mehr dazu schreibe ich demnächst mal im anderen Faden :-)

    @ Mehno

    Zitat

    Ich glaube, direkt fragen könnte weiterhelfen . Auch wenn der Kontakt plötzlich ein schnelles Ende findet. Oder die Freunde wachen auf und werden sich ihres Verhaltens und der damit verbundenen Wirkung auf andere bewußt.

    Ja, darüber habe ich auch schon oft nachgedacht. Immer wieder habe ich an verschiedensten Stellen mitbekommen, dass Freundschaften bei Erwachsenen durch (in meinen Augen) Kinkerlitzchen endeten oder die Parteien sich total verkrachten. Wie oft habe ich mir gedacht: was für ein Kindergarten, redet doch einfach mal miteinander.


    Tja, nun stecke ich selbst in so einer SItuation.. zwar ohne Krach aber dennoch mit Hemmungen, einfach mal Klartext zu reden. Das hat aber mit den beiden zu tun. Ansonsten halte ich mit meiner Meinung eigentlich nie hinterm Berg.


    Wir hatten letztes Jahr mal eine Situation, in der ich plötzlich keine Antwort mehr von der Freundin bekommen habe. Also sprach ich das an und sie sagte, dass sie es doof findet, dass ich mich ewig nicht auf eine SMS gemeldet habe. Der Inhalt war die Frage, wie es mir geht und wie es in der Arbeit läuft. Das wollte ich nicht nebenbei beantworten sondern, weil wir ja eh so wenig Kontakt haben, mir Zeit nehmen und ausführlich schreiben. Das habe ich aber zeitlich ein paar Tage nicht geschafft und so waren wir beide unzufrieden. Ihr hätte ein "danke, gut, passt alles soweit. Bei Dir?" gereicht. Da sind die Erwartungen an sich und den anderen einfach zu unterschiedlich.

    @ Kleiner_Drachenstern

    Tja, das ist echt bitter aber wie Du schon sagst - da ist es schwierig, eine Lösung zu finden, wenn der Tagesablauf, ja das Leben, so völlig unterschiedlich abläuft. Wie ist es denn, wenn ihr dann mal ein Treffen hin bekommt? ALles wie früher oder hat sich die Distanz eingeschlichen?

    @ Liverpool

    Zitat

    Freundschaften scheitern an vielen Dingen. Weil sich das Leben ändern, die Menschen sich ändern. Manche Freundschaften halten tausende Kilometer aus, manche gehen auch in derselben Stadt kaputt. Und es kommt einfach auch drauf, wie man sich die Freundschaft vorstellt und welche Erwartungen man hat. Musst du jedes Mal alle deine Freunde treffen, wenn du in der Stadt bist? Ist es wichtig, dass sie sich jede Woche bei dir melden und erzählen, was in ihrem Leben los ist?

    Nein, das schaffe ich auch gar nicht. Bisher habe ich versucht, die wichtigsten unterzubringen, oder - wenn ich mal zweimal im Monat da war - das aufzuteilen. Trotzdem fallen andere hinten über, die ich nun seit über 1 1/4 Jahren nicht mehr gesehen habe. Das tut mir richtig weh, ich weiss aber nicht, wie ich das managen soll. Ich brauche auch wahrlich keinen wöchentlichen Kontakt, das habe ich nicht mal mit einen Eltern. Aber mal ne kurze WhatsApp, wenn sich das bahnbrechendes getan hat oder mal 20 Minuten telefonieren fänd ich schon hilfreich. So einmal im Monat, alle 6 Wochen. Also ich bin da wahrlich nicht zu anspruchsvoll. Finde ich zumindest ;-)

    Freundschaften können halten, Freundschaften können kaputtgehen.


    Ob nun in der Nachbarschaft oder mit 10.000 km Entfernung. Wie das Leben eben so spielt. Habe meine Freundin gerade 3 Monate in Südamerika besucht, wir hatten uns 3 Jahre mal wieder nicht gesehen. Wir haben uns unter Tränen wieder verabschiedet, wollen uns in einem Jahr erneut sehen.


    Die Freundschaft war bislang durch nichts zu erschüttern.


    Dagegen habe ich hier schon Freundschaften im nahen Umkreis beendet, weil man sich über die Jahrzehnte hinweg soweit auseinander entwickelt hat, das mußte ich mir nicht mehr antun.


    Trutschig,mit Ende 60 nur noch die Nachbarn aus dem Fenster beobachtend. Wer geht wohin, wer kommt wann wieder, während ich in der Welt rumstromere. Das paßt nicht mehr....


    Freundschaften kann man erhalten, wenn beide Seiten interessant und interessiert bleiben.