Frust beiderseitig überwinden

    Hallo,


    Unsere Beziehung war jahrelang ein wenig in Schieflage, ich habe mehr im Haushalt übernommen, war ja auch zuhause. Nun bin ich arbeitstechnisch eingespannt und wir machen wieder 50/50 im Haushalt.


    Das eigentliche Problem ist, dass sich das ganze irgendwo auch auf unser Sexualleben auswirkt. Früher habe ich gelegentlich das Schlafzimmer aufgeräumt, obwohl es schon damals nicht meine Aufgabe gewesen wäre. Nun räume ich dort gar nicht mehr auf und leider sieht es auch dementsprechend aus. Beim Gedanken, mich in dem Durcheinander zu vergnügen kommt bei mir ziemlich viel Frust hoch und da geht dann leider schnell die Libido flöten.


    Das Problem ist, dass wir über diese ganze Thematik kaum reden können. Einerseits ist diese Zeit, in der ich den Haushalt alleine geschmissen habe nun auch schon eine ganze Weile her und ich möchte ja auch nicht immer wieder Dinge aufbringen, die 3, 4, 5 oder mehr Jahre her sind. Andererseits hat sich unser Leben seitdem ja verändert, wir teilen den Haushalt gerechter auf und machen eben beide, so gut und viel, wie wir können und wie es passt. Also sollte man eigentlich meinen, ich müsste auch mal vergeben und vergessen und in die Zukunft blicken können.


    Ich merke aber, dass es mich damals doch mehr gefrustet hat, als ich dachte. Ja, ich war zuhause und daher war es grundsätzlich möglich, dass ich den Haushalt ganz übernehme. Aber ich habe nun meinen Job und bin dort eingespannt und das gibt mir Selbstwertgefühl. Und ich merke eben, wie sehr mich die Rolle im Haushalt klein gemacht hat.

    Gleichzeitig habe ich in letzter Zeit die Empfindung, dass sich unsere Beziehung etwas weniger um mich und meine Bedürfnisse dreht, als sie das vielleicht sollte.

    Ich würde mir wünschen, dass man mir auch mal zuhört, wirklich aktiv zuhört. Dass ich das Schlafzimmer unordentlich finde und dass mich das abturnt hab ich schon kommuniziert, aber das gerät irgendwie oft wieder in Vergessenheit. ":/


    Und ja, ich weiß: Wenn ich wirklich Sex wollen würde, würde ich noch heute her gehen und das Zimmer selbst aufräumen. Aber irgendwo geht es mir da auch ums Prinzip. Ich hab heute gearbeitet, muss übers Wochenende viel für die Arbeit erledigen und meine bessere Hälfte muss zwar einige wichtige berufliche Entscheidungen treffen, muss dazu aber nicht stundenlang im Homeoffice ackern. Da wird schon ein Besuch im Zoo geplant, während ich Deadlines im Kopf habe und möglicherweise gar nicht mit in den Zoo kann.


    Mir ist klar, dass dieses Problem über kurz oder lang der Beziehung schaden kann und wird und das möchte ich nicht. Denn bei all dem Frust liebe ich meine bessere Hälfte doch. Grade deshalb ertrage ich den gelegentlichen Frust ja auch, den eine Beziehung eben auch mit sich bringt.

    Was ich mich nun nur frage ist, was ich tun kann, um diesen meinen Frust auch endlich mal zu überwinden. Denn meine Bereitschaft, sowas immer wieder in mich rein zu fressen hält sich in Grenzen. Ich will aber auch nicht wegen jedem herum liegenden Zahnpastadeckel eine Szene machen - Ich bin selbst ja auch mitunter unordentlich und habe auch absolut Verständnis dafür, dass meine bessere Hälfte auf der Arbeit oft auch einfach zu viel um den Kopf hat.


    Im Idealfall wäre ich nicht so gefrustet, denn ich weiß ja, dass viel von diesem Frust eben auch vom Stress auf der Arbeit kommt. Es ist ja nichts Undurchführbares, aber es ist eben mit Arbeit und Anstrengung zu tun. Dann irgendwo auch noch immer die Schulter für jemand anderen anzubieten und für jemanden da zu sein ist anstrengend, zumal sich dann ja auch nichts daran ändert, dass ich selbst ja auch Sorgen oder Gefühle habe.


    Irgendwo hab ich das Gefühl, haben sich da bei mir eine ganze Reihe von negativen Assoziationen verbunden. Wenn ich an Sex denke, dann kommt bei mir als erstes der Gedanke, in dem Schlafzimmer Sex zu haben, das unordentlich ist, weil ich es nicht aufgeräumt habe. Zugleich kommt bei mir die Erinnerung hoch an die Zeit, in der ich mich ziemlich klein und unbedeutend gefühlt habe, weil ich mich um den Haushalt gekümmert habe und sonst keine anderen Lebensinhalte hatte. Und dann dazu noch das subjektive (!) Gefühl, dass es meiner besseren Hälfte irgendwie gepasst hat, dass ich damals so "klein" war und dass es irgendwo auch erwünscht wäre, dass ich jetzt neben meinem Job nach wie vor den Haushalt übernehme. Denn sonst könnte man mir doch auch mal was abnehmen oder zumindest das Schlafzimmer schön herrichten, wenn man vögeln will. Das kommt dann irgendwo alles ganz schnell hoch und dann ist meine Libido erstmal futsch. ":/


    Ich weiß jetzt nicht, ob hier jemand seinen Senf dazu geben kann oder möchte. Es hat auf jeden Fall schon mal gut getan, die Gedanken zu ordnen und einiges zu formulieren.

  • 9 Antworten

    Sex in einem aufgeräumten Raum? Küche?Wohnzimmer? Sex ist ein Kommunikationsmittel in Beziehungen. Es ist nie 'nur' Sex, es ist gegenseitige Freudenbeschaffungsmaßnahme.

    Und gesondert das Aufräumthema klären. Du bist unglücklich, das muss besprochen werden. Aber besser wirds nicht mit Sexentzug.

    Alias 974240 schrieb:

    Unsere Beziehung war jahrelang ein wenig in Schieflage, ich habe mehr im Haushalt übernommen, war ja auch zuhause. Nun bin ich arbeitstechnisch eingespannt und wir machen wieder 50/50 im Haushalt.

    Habt ihr darüber geredet, dass das damals nicht so gut war? Gab es eine Entschuldigung oder Wiedergutmachung? Und heute ist es wieder besser?



    Alias 974240 schrieb:

    Das eigentliche Problem ist, dass sich das ganze irgendwo auch auf unser Sexualleben auswirkt. Früher habe ich gelegentlich das Schlafzimmer aufgeräumt, obwohl es schon damals nicht meine Aufgabe gewesen wäre. Nun räume ich dort gar nicht mehr auf und leider sieht es auch dementsprechend aus. Beim Gedanken, mich in dem Durcheinander zu vergnügen kommt bei mir ziemlich viel Frust hoch und da geht dann leider schnell die Libido flöten.

    Hast du das schon mal gesagt und aktiv Vorschläge gemacht, was anders sein sollte oder bei der Umsetzung zumindest geholfen? Vielleicht hat deine bessere Hälfte einfach andere Vorstellungen als du?



    Alias 974240 schrieb:

    Das Problem ist, dass wir über diese ganze Thematik kaum reden können. Einerseits ist diese Zeit, in der ich den Haushalt alleine geschmissen habe nun auch schon eine ganze Weile her und ich möchte ja auch nicht immer wieder Dinge aufbringen, die 3, 4, 5 oder mehr Jahre her sind. Andererseits hat sich unser Leben seitdem ja verändert, wir teilen den Haushalt gerechter auf und machen eben beide, so gut und viel, wie wir können und wie es passt. Also sollte man eigentlich meinen, ich müsste auch mal vergeben und vergessen und in die Zukunft blicken können.

    Also entweder muss das nochmal auf den Tisch und ihr müsst das echt aufarbeiten, wenn das noch nicht passiert ist, oder du musst das vergessen lernen, sonst werdet ihr nie mehr glücklich. Warum kannst du denn nicht vergessen, dass es mal anders war? Und warum verbindest du Arbeit im Haushalt überhaupt mit niederen Tätigkeiten? Warst du denn ein ordentlicher Mensch, bevor ihr zusammen wart?


    Alias 974240 schrieb:

    Ich merke aber, dass es mich damals doch mehr gefrustet hat, als ich dachte. Ja, ich war zuhause und daher war es grundsätzlich möglich, dass ich den Haushalt ganz übernehme. Aber ich habe nun meinen Job und bin dort eingespannt und das gibt mir Selbstwertgefühl. Und ich merke eben, wie sehr mich die Rolle im Haushalt klein gemacht hat.

    Dich macht die Rolle im Haushalt also klein, aber deine bessere Hälfte soll die Arbeit machen? Deine bessere Hälfte soll sich klein fühlen? Habt ihr denn so eine Aufteilung, dass einer Zuhause bleibt und der andere geht arbeiten oder geht ihr beide arbeiten?


    Alias 974240 schrieb:

    Gleichzeitig habe ich in letzter Zeit die Empfindung, dass sich unsere Beziehung etwas weniger um mich und meine Bedürfnisse dreht, als sie das vielleicht sollte.

    Ich würde mir wünschen, dass man mir auch mal zuhört, wirklich aktiv zuhört. Dass ich das Schlafzimmer unordentlich finde und dass mich das abturnt hab ich schon kommuniziert, aber das gerät irgendwie oft wieder in Vergessenheit. ":/

    Habt ihr denn dann auch was geändert? Hast du genau gesagt, was dich stört? Hast du angeboten, dass ihr vielleicht ein mal zusammen so aufräumt, wie du es willst, und mit deiner besseren Hälfte zusammen dafür gesorgt, dass es so bleibt? Hilfst du mit und denkst daran, dass Bett zu beziehen? Räumst du nach dem Sex mit auf?


    Alias 974240 schrieb:

    Und ja, ich weiß: Wenn ich wirklich Sex wollen würde, würde ich noch heute her gehen und das Zimmer selbst aufräumen. Aber irgendwo geht es mir da auch ums Prinzip. Ich hab heute gearbeitet, muss übers Wochenende viel für die Arbeit erledigen und meine bessere Hälfte muss zwar einige wichtige berufliche Entscheidungen treffen, muss dazu aber nicht stundenlang im Homeoffice ackern. Da wird schon ein Besuch im Zoo geplant, während ich Deadlines im Kopf habe und möglicherweise gar nicht mit in den Zoo kann.

    Wenn es anfängt, einem ums Prinzip zu gehen, ist die Beziehung eigentlich schon vorbei. Bist du sicher, dass du deine bessere Hälfte noch liebst? Es klingt nicht so. Es klingt so, als wäre die Beziehung lange nicht so gelaufen, wie du es dir gewünscht hättest, und als wäre die Liebe mittlerweile weg. Deine bessere Hälfte steht anscheinend gerade vor großen Herausforderungen, möchte sich zwischendurch vielleicht einfach mal ablenken oder etwas Schönes mit dir erleben, und du wertest das komplett negativ. Ignoriert deine bessere Hälfte denn, dass du eine Deadline hast?

    Alias 974240 schrieb:

    Im Idealfall wäre ich nicht so gefrustet, denn ich weiß ja, dass viel von diesem Frust eben auch vom Stress auf der Arbeit kommt. Es ist ja nichts Undurchführbares, aber es ist eben mit Arbeit und Anstrengung zu tun. Dann irgendwo auch noch immer die Schulter für jemand anderen anzubieten und für jemanden da zu sein ist anstrengend, zumal sich dann ja auch nichts daran ändert, dass ich selbst ja auch Sorgen oder Gefühle habe.

    War eure Wohnung denn sauber und ordentlich als du arbeitslos warst? Ist deine bessere Hälfte umgekehrt nicht für dich da? Hilft sie dir nie?



    Alias 974240 schrieb:

    Irgendwo hab ich das Gefühl, haben sich da bei mir eine ganze Reihe von negativen Assoziationen verbunden. Wenn ich an Sex denke, dann kommt bei mir als erstes der Gedanke, in dem Schlafzimmer Sex zu haben, das unordentlich ist, weil ich es nicht aufgeräumt habe.

    Das klingt für mich, ehrlich gesagt, nach einer Schutzbehauptung. Wenn das Schlafzimmer dir zu unordentlich ist, musst du auch keinen Sex haben. Wenn du Sex mit Arbeit verbindest, sind da ganz andere Sachen im Argen. War euer Schlafzimmer zu Beginn eurer Beziehung denn immer perfekt aufgeräumt? Was hast du damals dazu beigetragen? Es klingt wirklich eher so, als suchtest du nach einer Erklärung, warum die Gefühle nicht mehr da sind. Vielleicht habt ihr euch über die Arbeit einfach auseinandergelebt, du hast dich entwickelt, er oder sie hat sich entwickelt... Fühlt deine bessere Hälfte sich denn von dir gesehen?


    Alias 974240 schrieb:

    Zugleich kommt bei mir die Erinnerung hoch an die Zeit, in der ich mich ziemlich klein und unbedeutend gefühlt habe, weil ich mich um den Haushalt gekümmert habe und sonst keine anderen Lebensinhalte hatte.

    Hat deine bessere Hälfte das von dir verlangt?


    Alias 974240 schrieb:

    Und dann dazu noch das subjektive (!) Gefühl, dass es meiner besseren Hälfte irgendwie gepasst hat, dass ich damals so "klein" war und dass es irgendwo auch erwünscht wäre, dass ich jetzt neben meinem Job nach wie vor den Haushalt übernehme.

    Arbeitet deine bessere Hälfte denn bzw. ist der berufliche Umbruch mit Arbeit/Anstrengung verbunden? Wenn du wirklich denkst, dass deine bessere Hälfte will, dass du dich klein fühlst, solltest du dich vielleicht wirklich besser trennen. Ich kann das von außen natürlich nicht beurteilen, aber bisher klingt es nicht so, als wärest du in diese Lage getrieben worden, sondern als würdest du da ziemlich passiv drin verharren.


    Alias 974240 schrieb:

    Denn sonst könnte man mir doch auch mal was abnehmen oder zumindest das Schlafzimmer schön herrichten, wenn man vögeln will. Das kommt dann irgendwo alles ganz schnell hoch und dann ist meine Libido erstmal futsch. ":/

    Deine bessere Hälfte nimmt dir nichts ab? Hilft dir nie irgendwo?

    Das mit dem aufgeräumten Schlafzimmer finde ich auch eigenartig. Die Lust ist ja oft schon da bevor es dann ins Schlafzimmer geht, und ganz ehrlich, wenn nicht gerade das Haus in Flammen steht oder wir von TV würdigem Messieverhalten sprechen, dann stört mich erst Unordnung im Schlafzimmer in der Phase wirklich nicht mehr. Auch wenn die Lust erst nach dem zu Bett gehen kommt, warum sollte der Wäschestapel in der Ecke diese dann aufhalten? Ich bin dabei da auf so manches fixiert, auf Krümel am Boden aber echt nicht.

    Du schreibst unter einem Alias, aber kein Wort wer von euch von welchem Geschlecht ist. Du klingst zwar nach Frau. Aber der Text ist neutral gehalten, so dass ich es nicht wirklich weiß.

    du solltest den angestauten Frust aus der Welt schaffen indem ihr ein langes Gespräch führt


    das Problem scheint ja auch zu sein dass du dich nicht gehört/gesehen fühlst weil er nicht zuhört, das Interesse am Partner sollte spürbar sein