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    Leider ist dieses Denken heutzutage weit verbreitet, nicht nur in Bezug auf die Kinder, sondern auch auf den/die Ehepartner/-in. Man erhebt - wie gesagt, oft wohl unbewusst - den Anspruch, andere Menschen zu besitzen. Und während sich eine erwachsene Person dagegen wehren kann, kann ein Kind das nicht. Es wird zur Geisel des symbiotischen Anspruchs der Mutter. Sehr bedenklich, wie ich finde.

    Ich finde das Thema sehr spannend und hatte dazu mal ein Seminar in der Uni. Tatsächlich stammt dieses "Rabenmütter-Denken" und "Hausfrauenideal" mit unendlicher mütterlicher Liebe aus dem dritten Reich und wird vermehrt in den alten Bundesländern gelebt. Hier gabs keinen Sozialismus, der das Denken reformiert hat wie in der ehemaligen DDR.


    Viele Frauen adaptieren diese Normen und Ideale unreflektiert.


    In anderen Ländern der EU ist es völlig normal, Babys und Kleinkinder schon früh Fremdbetreuen zu lassen. Auch der aktuelle Forschungsstand der frühkindlichen Pädagogik unterstützt das.


    Mütter, die das Kind Zuhause über mehrere Jahre betreuen, schaden eher, als dass sie der Entwicklung nützen.


    Das Dumme ist, dass sich solche Frauen meist nie mit Forschungsliteratur auseinandersetzen, sondern ja "fühlen", was vermeintlich gut und richtig für das Kind ist und dabei nur selbstsüchtig und besitztergreifend handeln.

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    [...] als die Kollegin mit ihrem neugeborenen Kind kam (ich glaube, es ist 4 Wochen alt oder so), um uns zu besuchen. Die begeisterten Kolleginnen hatten das Kind wohl alle mal kurz auf dem Arm und saßen stolz wie Oskar damit herum. [...]

    Und wie ist die Geschichte ausgegangen?


    Bei meinem 5 monatigen Baby wäre die Geschichte so ausgegangen, dass es bei so vielen Unbekannten zunächst gute Miene zum bösen Spiel gemacht und anschließend zu Hause den restlichen Tag geweint hätte und sich nur schwer hätte beruhigen lassen.


    Ich tue mir und meinem Kind überhaupt keinen Gefallen, wenn ich es viel herumreiche.

    Bei unserem wäre es so ab fünf, sechs Monaten prima gegangen, aber nicht, als er noch ganz klein war, da hätte ich das auch nicht gemacht - da haben sich allzu viele neue Eindrücke auch ganz schnell in Überreizung niedergeschlagen. Das erste Baby einer Freundin hätte das nicht weiter gejuckt, das war die Ruhe in (sehr kleiner) Person, die kleine Schwester dieses Babys hingegen wäre vermutlich richtig durchgedreht, und das nicht danach, sondern schon dabei, die hat einen ganz festen Ablauf gebraucht. Sehr unterschiedliche Wesen, diese ganz kleinen Leute.

    @ Fialle

    Das ist aber eine ziemlich eigenwillige Überinterpretation von Attachment Parenting. ":/ Da geht es eigentlich eher darum Neugeborenen und Babys möglichst viel Nähe zu geben, mit Tragetuch, Co-Sleeping usw. Im Prinzip eine Gegenbewegung zum eher distanzierten Umgang mit Babys mit Kinderwagen, Stubenwagen, eigenem Bett oder eigenem Zimmer. Halt mit fancy Bezeichnung auf Englisch. ;-D


    Das ist doch weit entfernt davon ein Kind zur "Geisel des symbiotischen Anspruchs der Mutter" (ernsthaft?) zu machen. Attachment Parenting untersagt auch nicht das Baby anderen Leuten auf den Arm zu geben. Macht die TE, die das erwähnt hat, ja auch nicht.

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    Würde Alias öfter schreiben und sich einbringen, könnte sie den Faden ja in die Richtung lenken, die sie haben will...

    Ich kann leider nicht ständig ans Laptop, habe ja ein 6 Wochen altes Baby ;-D und noch eine große Wohnung und einen Hund zu versorgen. Gerade schläft der Kleine das erste Mal länger als 10 min seit heute morgen 5 Uhr, ich habe tatsächlich geschafft was warmes zu essen und jetzt habe ich alles nachgelesen.


    Ich verstehe nicht so richtig, wieso mir hier inzwischen unterstellt wird ich gebe mein Kind niemandem auf den Arm! Das ist absolut falsch, es geht darum dass ich mein Kind nicht weg von mir geben möchte, jedenfalls noch nicht (ja, mir 1 Jahr soll er in die Kita, da ich wieder arbeiten gehen muss - aber 1 Jahr und 6 Wochen ist, finde ich, ein Unterschied).


    Jeder Besucher der wollte durfte es halten, meine Mama und eine Freundin wollten gerne mal wickeln, auch das kein Thema. Ich war in der Zeit auch nicht im Raum, sondern hab schnell die Wäsche aus dem Keller geholt.


    Die Schwiegermutter möchte allein, ohne mich, spazieren gehen und unbedingt ALLEIN mit dem Baby, ich soll nicht dabei sein. DAS ist mein Problem. Ich finde es zu früh und während einige zustimmen, tun es andere nicht - war klar. Aber ich bin froh, dass nicht alle sagen ich übertreibe...denn das suggeriert mir mein Mann momentan.

    PS: ich war auch letzte Woche und heute abend allein zum Rückbildungskurs...in der Zeit passt meine Mutter zuhause auf ihn auf, es sind 1,5 Stunden und abgepumpte Milch steht bereit. Wie gesagt, für mich ist es aber was anderes wenn ich weiß er ist hier zuhause mit meiner Mama, bei der ich weiß dass sie alles genau so macht wie ich möchte, als dass er sonstwo mit der Schwiegermutter unterwegs ist, ich nicht einmal genau weiß wo sie jetzt lang geht und ob sie ihn schreien lässt.

    Ich möchte an der Stelle nochmal Shojos Beitrag wiederholen:

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    Bei der TE sehe ichs übrigens auch noch mal anders - das verhältnis zur Schwiegermutter scheint tatsächlich sehr schwierig zu sein. Aber da würde ich auch sehr genau überlegen: Würde sie dem Kind schaden, befürchte ich wirklich einen Schaden fürs Kind? Oder spielt da unter Umständen auch so ein "Du magst mich nicht, darum kriegst du jetzt nicht mein Baby, nänänä?" mit rein?

    Du magst deine Schwiegermutter nicht, das ist okay, aber auch ich möchte dir raten: Denke darüber nach, aus welchen Gründen du deiner Schwiegermutter nicht dieselben Rechte zugestehst wie deiner Mutter. Darf deine Mutter denn alleine mit deinem Sohn raus? Wenn ja, finde ich das tatsächlich reichlich unfair, wenn nein, würde ich das so der Schwiegermutter auch mitteilen und ihr mal eine halbe Stunde mit dem Enkel alleine in eurer Wohnung gewähren, während du kurz einkaufst oder so. Sie ist immerhin die Mutter deines Mannes, der der Vater des Kindes ist. Führe ein Gespräch mit ihr, sprich an, was dir wichtig im Umgang mit dem Baby ist, damit sie das auch weiß. Gib ihr eine Chance sich zu beweisen.


    Meine Geschwister und ich hatten immer ein schwieriges Verhältnis zu unserer Oma väterlicherseits, sie war eine Oma zweiter Klasse, weil wir nicht die Bindung zu ihr aufbauen konnten, wie zur geliebten Oma mütterlicherseits. Hier hatte es aber tatsächlich einen Grund: Die Oma väterlicherseits war in ihren Ansichten sehr altmodisch und sie ließ sich von meiner Mutter nichts sagen und hat ihr Ding durchgezogen. Als meine Mutter das mitbekam, hat sie uns nicht mehr alleine mit dieser Oma gelassen. Aber trotzdem sage ich jetzt als Erwachsene: Es tut mir sehr leid, ich denke tatsächlich häufig darüber nach, wie schwer es für diese Oma war und wie traurig und verletzt sie auch von unserem eher ablehnendem Verhalten, das sich entwickelt hat, gewesen sein muss. Als die Oma mütterlicherseits früh starb waren ihre Worte (habe ich nur zufällig mitbekommen) einige Zeit später "Vielleicht haben mich meine Enkel dann auch mal so lieb wie sie.". Darüber habe ich als Zehnjährige sehr viel nachdenken müssen - leider hatte sie danach auch nicht mehr sehr viel Zeit.


    ??Ich bin übrigens Mutter zweier Söhne und hoffe für den Fall, dass wir irgendwann vielleicht mal Enkelkinder bekommen, ich genauso willkommen sein werde, wie die Mutter der zukünftigen Partnerin meiner Söhne. Du wirst vielleicht auch mal eine Schwiegermutter sein...??

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    Die Oma väterlicherseits war in ihren Ansichten sehr altmodisch und sie ließ sich von meiner Mutter nichts sagen und hat ihr Ding durchgezogen. Als meine Mutter das mitbekam, hat sie uns nicht mehr alleine mit dieser Oma gelassen.

    Je nachdem was die Oma da veranstaltet hat, finde ich das völlig verständlich.

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    Ich verstehe nicht so richtig, wieso mir hier inzwischen unterstellt wird ich gebe mein Kind niemandem auf den Arm!

    ich denke nicht, dass dir das unterstellt wurde, im Laufe des Fadens haben aber andere junge Mütter genau das gesagt und damit wohl viel Unverständnis ausgelöst.


    Ich verstehe, wenn du sagst, bei deiner Mutter läuft es so, wie du willst, deshalb gehst du guten Gefühles zur Rückbildung. Ich hätte meine Kinder auch nicht mehrere Stunden bei meiner Schwiegermutter gelassen als sie noch klein waren, sie war nämlich der Meinung, wenn sie schreien sollte man sie schön weit weg stellen, damit man sie nicht hört. Das ging für mich auch gar nicht.


    Aber was kann die Oma beim Spazierenfahren denn alles falsch machen? Was befürchtest du da? Ich meine, ein sattes Baby wird etwa eine Stunde spazieren gefahren, was glaubst du passiert dann?

    Ja, ich hätte genauso gehandelt wie meine Mutter damals - der Unterschied hier ist aber, dass sich die Schwiegermutter der TE ja noch nichts zu Schulden kommen ließ, aber trotzdem nicht alleine mit dem Enkel sein darf, so wie die Mutter der TE. Da wird mit zweierlei Maß gemessen und es wäre schade, wenn sich das weiter fortsetzt, sowohl für die betroffene Oma, als auch für das Kind.


    Meine Schwester ist mit ihrer Schwiegermutter auch eher auf Abstand, aber sie hat ihre ganzen subjektiven Gefühle zur Seite geschoben und ihre Tochter auch mal von ihr alleine betreuen lassen, denn unsere Mutter durfte das ja auch. Sie hat auch immer noch kein super Gefühl dabei (das Kind ist mittlerweile 1,5), aber es ist genauso die Oma der Kleinen wie unsere Mutter.


    Mein Vater hat bei all seinen Enkeln übrigens auch das Bedürfnis, sie ganz alleine mit dem Kinderwagen durch die Gegend zu schieben. Ich habe ihn mal gefragt warum, er meinte, dass ihm das einfach Spaß macht und er es schön findet. In den ersten 3-4 Monaten bin ich immer mit und habe ihn schieben lassen, während ich den Hund gehalten habe und mit meiner Mutter gequatscht habe. Als sich dann feste Schlafenszeiten einstellten, habe ich ihn alleine mit den Kindern losziehen lassen. Er ist dann immer so lange mit ihnen draußen rumgerannt, bis sie wach wurden, dann kam er direkt nach Hause. Geschrien haben sie nicht ein einziges Mal.

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    Ich hätte meine Kinder auch nicht mehrere Stunden bei meiner Schwiegermutter gelassen als sie noch klein waren, sie war nämlich der Meinung, wenn sie schreien sollte man sie schön weit weg stellen, damit man sie nicht hört. Das ging für mich auch gar nicht.

    So hätte ich in diesem Fall auch reagiert, wenn da von vornherein feststeht, dass sie mein Kind schreien lassen würde. Aber bisher konnte ich nicht rauslesen, dass es bei der Schwiegermutter der TE der Fall wäre.

    Ich denke es geht nicht um das falsch machen sondern diesen extremen Wunsch alleine mit dem Baby zu sein! Das war bei meiner Schwiegermutter und Schwiegervater ebenso. Warum nicht mit uns zusammen? Woher kommt das? Was ist daran so schlimm /falsch?


    Ich finde das befremdlich.

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    Die Schwiegermutter möchte allein, ohne mich, spazieren gehen und unbedingt ALLEIN mit dem Baby, ich soll nicht dabei sein.

    na ganz ehrlich , so ein Anspruchverhalten seitens von sonstwem, würde mir auch nicht gefallen.... vorallem nicht bei einem 6 Wochen altem Kind.


    Die Schwiegermutter kann doch versuchen ganz langsam eine gute Beziehung zu dir aufzubauen .... du gib ihr aber auch bitte eine Chance.


    Mit Vorderungen macht sie doch eher etwas kaputt, bisschen Geduld ihrerseits ist schon angesagt.


    Und ein Baby ist kein Gegenstand, das man einfach so mal mitnehmen kann. Jedes Baby ist anders und wenn du es momentan noch nicht möchtest ist es o.k. , aber sperre dich nicht gar so sehr gegenüber der Schwiegermutter, vielleicht wird sie für dein Baby eine tolle Oma.

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    Warum nicht mit uns zusammen? Woher kommt das? Was ist daran so schlimm /falsch?

    In deinem Fall ist es aber doch so, dass auch deine Eltern nicht alleine mit dem Baby sein durften/ raus gehen durften - gleiches Recht für alle. Ist hier ja nicht so, die Mutter der TE war ja schon mehrfach alleine mit dem Baby. Vielleicht steckt das ja dahinter? Warum darf die Mutter der TE mit dem Baby alleine sein, die Schwiegermutter aber nicht? Vielleicht fühlt sie sich zurückgesetzt? Ich finde es tatsächlich befremdlich, dass die Schwiegermutter, also die Mutter des Kindesvaters, anscheinend weniger darf als die eigene Mutter. Gefühlsmäßig durchaus nachvollziehbar, aber objektiv, sorry, total fürn Arsch. Der Kindesvater ist mit dieser Situation ja offensichtlich auch unglücklich.