Gefühle gestehen oder?

    Es ist eine lange Geschichte. Eine Geschichte lang genug, um Bücher darüber zu schreiben. Also werde ich mich kurz zu halten versuchen.


    Als Freundschaft hat es begonnen, vor nun etwa einandhalb Jahren. Ein guter Freund meinerseits hatte sich von ihr getrennt, wir haben uns auf einer Hausfeier einer Freundin unter vier Augen darüber unterhalten. Nach und nach ist mehr und mehr Kontakt aufgebaut worden – zuerst via Internet, mit der Zeit auch durch Treffen. Es waren keine Dates, es waren zwei Freunde, die gerne Zeit miteinander verbrachten. Mit der Zeit mehrte sich der Kontakt: fast täglich im Internet, 2-3 mal im Monat getroffen, Kurzmitteilungen per Handy...das ganze Zeugs. Langsam bemerkte ich, dass sie für mich Gefühle entwickelt hatte. Diese Gefühle habe ich erwidert, warum auch immer. Sicher war ich mir dennoch nicht, aus diversen Gründen...ich konnte einfach kaum glauben, dass sie ausgerechnet für mich Gefühle entwickelt hatte. Doch das ist eine andere, noch viel längere Geschichte.


    Ich wusste nicht, wie ich es angehen sollte. Hatte keine Erfahrung in solchen Dingen. Mit ihr darüber reden? Abwarten? Ich hatte nur wenig Ahnung.


    Schließlich kamen wir darauf zu sprechen, doch keine "Liebesgeständnisse", eher zwischen den Zeilen. Es hat mich unglaublich viel Mut gekostet, doch ging es darauf aus, dass ich sie eines anderen Tages schließlich direkt auf alles ansprach: Meine Gefühle für sie, das Verlangen mit ihr eine Beziehung einzugehen...so ziemlich alles.


    Das "Nein" hatte mich kaputt gemacht, am selben Abend (nur kurz darauf) habe ich mir beim Vorglühn mit Freunden die Kante gegeben. Der Kummer fraß mich auf. War nicht das erste mal, aber so schlimm war es zuvor noch nie gewesen. Sie wollte für sechs Monate ins Ausland, ich für 15 Monate zur Armee: Diese Pläne waren es, die es wohl scheitern ließen. Oder vielleicht auch nicht. Das frage ich mich seit jeher. Und es ist schon fast ein Jahr her. Die Hoffnung wollte ich nicht aufgeben...noch so eine Geschichte. Nach einem Streit auf einer Jahrgangsstufenfeier ist der Kontakt endgültig abgebrochen. Die Schuldgefühle sind nie fortgegangen.


    Vor einiger Zeit (Wochen? 2-3 Monate?) hat sie begonnen mich online wieder anzuschreiben. Der Kontakt ist wieder aufrecht. Haben uns ein paar mal in Zusammenhang mit diversen Feiern wieder getroffen, erst gestern haben wir gemeinsam einen (ich sag jetzt einfach mal Koch-) Kurs besucht – nur wir beide. Nächste Woche wahrscheinlich wieder.


    Wie ich es hier beschrieben habe, wird es dem Ausmaß dieser Angelegenheit nicht ansatzweise gerecht. Mir fehlen jedoch die Worte, oder ich weiß nicht wie ich es am besten beschreiben könnte. Was ich hier schreibe - sowas habe ich noch nie getan, nicht im Internet. Lange Texte in Foren ignoriere ich oft, so dass ich mich einfach kurz halten wollte. Kann man das überhaupt kurz nennen?


    Ich weiß, dass ich Gefühle für sie habe. Die Natur dieser Gefühle sind mir schon eher ein Rätsel: Ist es das allgemeine Verlangen nach einer Beziehung? Liegt es vielleicht doch an ihr? Daran, welch ein besonderer Mensch sie in so vielen Belangen ist? Ist es Liebe? Noch so eine lange Geschichte, doch spielt die Frage für mich im Moment keine Rolle.


    Eines steht fest: Ich bin verrückt nach ihr. Ob sie das gleiche empfindet weiß ich nicht, kann ich ohne Weiteres auch nicht wissen – denn diese Frau ist nicht wie viele andere: Wenn sie es nicht möchte, wird auch niemand erfahren, was ihr durch den Kopf geht. Und in dieser Hinsicht sind wir ein und dieselbe Person.


    Wie soll ich diese Sache nun angehen? Wir sind gute Freunde. Diese Freundschaft bedeutet mir sehr viel. Doch gebe ich lieber dieser Freundschaft ein Ende, als dass mich all die Gedanken, Schuldgefühle...als dass ich zulasse, dass diese Sache nicht ein für alle mal abgeschlossen ist. Denn es wird mich nicht loslassen, das weiß ich. So kommt es, dass es aus meiner Sicht rein gar nichts zu verlieren gibt. So oder so werde ich dieser Sache ein endgültiges Ende bereiten, komme was wolle.


    Soll ich ihr meine Gefühle gestehen? Und wenn ja, wie?


    Oder soll ich einfach versuchen mich ihr zu nähern, und im richtigen Moment ohne ein Wort zu verlieren den Kuss wagen?


    Oder irgendwo dazwischen? Oder ein bisschen was von beidem?


    Wie entsteht überhaupt eine Beziehung? Wo liegt der schmale Grat, an dem zwei Menschen zu einem Paar werden?


    Gefühle gestehen oder mit dem Kopf gegen die Wand rennen und herausfinden, ob ich vielleicht nicht doch stärker bin als die Wand?


    Ich bitte um eure Ratschläge, denn in einem angemessenen Ausmaß diese Angelegenheit besprechen kann ich nur im Internet. Vielen, vielen Dank im Voraus


    P.S. Ich bin männlich und leide unter einer sozialen Angststörung

  • 18 Antworten

    Ich wünsche euch alles Glück der Welt, dass ihr euch findet und Du Deine Angststörung überwindest....


    Du kannst gut schreiben, fast poetisch, ich bin beglückt...


    Alles Gute, ich schaue hier, wie es weitergeht...


    LG


    die

    Zitat

    Sie wollte für sechs Monate ins Ausland, ich für 15 Monate zur Armee

    Deshalb sagt man nicht "Nein" zu jemandem, den man sonst "will".

    Zitat

    Ist es das allgemeine Verlangen nach einer Beziehung? Liegt es vielleicht doch an ihr? Daran, welch ein besonderer Mensch sie in so vielen Belangen ist? Ist es Liebe? Noch so eine lange Geschichte, doch spielt die Frage für mich im Moment keine Rolle.

    Wenn ich mir selbst schon die Frage stelle ob ich vielleicht nur allgemein jemanden suche, tippe ich darauf, dass es nicht an ihr als Person liegt.

    Was ich in meinem Text hätte erwähnen sollen: Dass meine Gefühle für sie erwidert wurden, war mir damals kurze Zeit vor dem "Nein" aus sicherer Quelle bestätigt worden. Viel wichtiger als dieser und noch zahlreiche weitere deutliche Hinweise davor ist allerdings die Tatsache, dass sie mir ihre Gefühle ebenfalls eingestand. Als Antwort auf meine "Liebesoffenbarung".


    Darum spielt es keine Rolle, aus welchen genauen Gründen es damals nicht geklappt hat. Heute weiß ich, dass ich mir nichts vorzuwerfen habe, auch wenn nach wie vor Schuldgefühle, Reue, tiefe Trauer usw. noch irgendwo tief in mir sitzen.


    Damit ich endgültig mit meiner Vergangenheit abschließen kann, und diese Geschichte wäre der wohl letzte Schritt, muss ich diese Sache endgültig klären. Ungeachtet dessen, wie es endet. Ich will nur endgültig damit abschließen. Meine Frage ist nur, wie ich vorgehen soll.

    Wilhelm Tell


    Was du machen sollst, kann ich dir auch nicht sagen. Was du schreibst, ist grundsaetzlich alles sehr nachvollziehbar, auch wenn ich diese "was ist die Natur meiner Gefuehle"-Gedanken nicht nachvollziehen kann. Du fuehlst, was du fuehlst, ich weiss nicht, ob man da eine Erklaerung dieser Art in Worten draufsetzen muss.


    Allerdings habe ich keine Ahnung, ob du Chancen hast. Kann sein, sie hat dich als potenziellen Partner schon ausgeschlossen, egal was du jetzt tust. Sicher ist das nicht. Aber so wie du das schreibst, klingst du pessimistisch; du denkst ueber die Sache mehr nach im Sinne, "was tue ich, um mich daraus zu befreien", als dass du dich zuversichtlich darauf freust. Oft zeigen solche negativen Gefuehle etwas an. Moeglicherweise kommt dein Pessimismus daher, dass du von ihr schon indirekt und nonverbal mitbekommen hast, dass sie nicht will. In welchem Falle ich deinen Ansatz im Grunde richtig finde, dir nochmal eine klare Abfuhr abzuholen, damit du abschliessen kannst. Vermutlich ist es gar nicht so wichtig, wie du es genau machst.


    Du verraetst nicht, was sie damals gesagt hat, warum sie dich damals abgelehnt hat, und auch nicht, worueber ihr euch gestritten habt, und weswegen du Schuldgefuehle hast. Das macht die ganze Sache ziemlich undurchsichtig.


    Wenn du jetzt ueberlegst, ihr deine Gefuehle zu "gestehen"... eigentlich kennt sie die doch schon, oder? Du hast es doch schon mal getan. Was glaubst du, koennte es bei ihr bewirken, wenn du es jetzt wieder tust? Es ist doch eigentlich keine Neuigkeit fuer sie?


    Wenn ich so darueber nachdenke, habe ich den Eindruck, dass die Sache eher unguenstig steht. Denn es scheint bei dir im Vordergrund zu stehen, dass du irgendwie von deinem Bangen erloest werden willst, dass es dich innerlich zerreisst, und dass du dich nicht an der Gegenwart so freuen kannst, wie sie eben ist. Ihr seid (so wie es hier den Anschein macht) nicht locker und unbefangen miteinander. Du strahlst (jedenfalls hier) aus: Es muss anders werden als es jetzt gerade ist. Du willst eine Beziehung entweder erzwingen oder alles explodieren lassen. Kann sein, dass dich diese Anspannung daran hindert, dich ganz einfach an ihr zu freuen. Lieben ist etwas anderes als "auf eine Entscheidung draengen".

    Zitat

    Wie entsteht überhaupt eine Beziehung? Wo liegt der schmale Grat, an dem zwei Menschen zu einem Paar werden?

    Letztlich passiert es, wenn beide es wollen und beide wissen, dass der andere es auch will. Wie es dazu kommt, ist bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich. Manche machen mit Worten fest, dass sie jetzt in einer Beziehung sind, manche spueren es schon vorher so deutlich, dass es keine Zweifel mehr gibt.

    Pessimismus? Nein. Ich will eine Beziehung mit ihr, und ich werde alles in meiner Macht stehende tun, dass es dazu kommt. Allerdings kann ich das nicht erzwingen, wie Lewian mich korrekterweise darauf hingewiesen hat. Ich kann nicht mehr dazu beitragen, als mein Bestes zu geben. Ich darf und will die Hoffnung nicht aufgeben, doch muss ich auch bereit sein eine eventuelle Ablehnung wie ein Mann zu akzeptieren und mein Leben fortzuführen. Habe ich ein andere, ernst zu nehmende Wahl?


    In meinen Augen hat die Angststörung mir mein bisheriges Leben zu großen Teilen zerstört. Die Krankheit endgültig auszulöschen, oder sie zur Bedeutungslosigkeit zu verdammen – dazu gehört auch ein Abschluss mit all den Sachen, die ich erlebt habe, die mich geprägt haben, die die Krankheit hervorgerufen und gestärkt haben. Die hier angesprochene Sache hinter mich zu bringen ist der letzte Schritt.


    Um das Verständnis zu erleichtern scheint es wohl angebracht zu sein, auf das "Nein"-Ereignis näher einzugehen: Am Tag vor der Bekanntgabe der Abiturergebnisse haben wir ein Treffen auf der Wiese unter Sonnenschein vereinbart. Quasi ein Picknick ohne Mahlzeit. Die Zeit war reif, lange genug hatte ich warten lassen. Die Prüfungen waren hinter mir, so dass ich alle Energien auf diese eine Sache lenken konnte. Heute würde ich einen der größten Erfolge meines Lebens feiern. Heute würde sie endlich mein sein.


    "Was ich denke, sollte dich ohnehin nicht sonderlich interessieren. Wir sind ja nicht zusammen, du bist Single und frei. Du bist in der Lage zu tun, was auch immer du möchtest." O-Ton einer Aussage, die meinen Geduldsfaden endgültig zerrissen hat. Es folgte das Gespräch. Ich habe vorgeschlagen, dass wir uns auf eine Bank setzen (in der Zwischenzeit waren wir aufgestanden und hatten uns auf einen kurzen Spaziergang begeben). So wie sie ist, sind ihr solche Gespräche unangenehm. Nein kann sie dennoch schwer sagen. Eine sehr schüchterne Natur, dieser Mensch. Auch in dieser Hinsicht besteht zwischen uns kein Unterschied, wenngleich meine Schüchternheit Ausdruck einer Krankheit, keine Charaktereigenschaft ist.


    "Ich habe Gefühle für dich, ich kenne deine Gefühle für mich und ich möchte mit dir zusammen sein" – "Ich habe Gefühle für dich, doch sollten wir keine Beziehung eingehen. Ich bin mir nicht sicher, ob du dich mit meinen Freunden verstehen würdest. Ich glaube nicht, dass es klappt, wenn ich deine Eltern nicht einmal kennen lernen kann"


    Natürlich habe ich das akzeptiert. Ich war zutiefst geschockt, habe mich aber gelassen gegeben. Wenn tatsächlich jeder eine Todsünde hat, dann ist meine Todsünde mein Stolz. Es ist nahezu lachhaft: Ich bin groß, muskulös, hässlich bin ich keineswegs. Im Zuge von "Erfahrungen" habe ich gelernt, mich als selbstsicher zu geben. Ich werde von Freunden und Bekannten als alles andere als schüchtern beschrieben. Als Person, die auch eine gewisse Autorität ausstrahlt. Jemand, den man nicht dumm anmachen würde. Teilweise herrscht das Gerücht, dass ich regelmäßig One-Night-Stands hätte. Dass ich nicht lache... Mein innerer Zustand in sozialen Situationen jeglicher Art, die mir zum Teil immer noch panische Angst bereiten, wird in keinster Weise nach außen reflektiert. Sogar von professioneller Seite ist mir dies gesagt worden. Warum der Exkurs? Ich weiß es nicht. Es fühlt sich in diesem Moment als angebracht an.


    Einen letzten, ich will nicht sagen: verzweifelten, Versuch gab es dennoch. Nur, um wirklich alles versucht zu haben. Nur damit ich mir sagen kann: Mehr hättest du nun wirklich nicht tun können. Ich habe versucht, sie zu küssen. Auf ihre schüchterne Weise ist sie mit einem "Nein" und einem verlegenen Grinsen ausgewichen. Ich könnte schwören, dass ich noch die Reue in ihren Augen sehen kann.


    So oder so ähnlich ist es abgelaufen. Die Darstellung ist im Großen und Ganzen akkurat, wenn auch sehr kurz. Ob sie noch weitere Gründe genannt hat oder welche es waren weiß ich nicht mehr. Dass sie meine Eltern nicht kennen lernen sollte, das hat bzw. hatte seine kulturellen Hintergründe. In meinem Kulturkreis lernt man den Partner erst kennen, wenn die Beziehung ernste Ausmaße nimmt. Die Eltern denken gleich an Enkelkinder. Eine akribische Erläuterung der Gegebenheiten ist das nicht, aber ich belasse es dabei.


    Nicht viel mehr als eine Woche darauf hat sie mir auf eine direkte Anfrage geschrieben, dass sie keine Gefühle mehr für mich hätte. Aus uns werde leider nichts, und das täte ihr sehr leid. Eine Kugel in die Kniescheibe hätte mich nicht so hart treffen können.


    Den Rest erzähle ich in einem anderen Beitrag, sobald ich wieder die Zeit dafür habe.

    Wilhelm Tell


    Das war aber doch ein sehr deutliches "Nein". Wie kommst du darauf, dass sich daran jetzt etwas geaendert haben koennte? Aus meiner Sicht gilt ihr "Nein", es sei denn, sie hebt es selber auf. Sie weiss ja, was sie dir gesagt hat. Sie muesste wissen, dass falls ihre Absichten sich geaendert haben, sie dir das mitteilen muesste. Ich sehe ehrlich gesagt nicht, auf welcher Grundlage du hoffen koenntest, dass du jetzt irgendwie bessere Aussichten hast. Tut mir leid, dass das hier noch negativer klingt als zuvor...


    Uebrigens, ich wuerde das hier:

    Zitat

    Ich habe Gefühle für dich, doch sollten wir keine Beziehung eingehen.

    ...nicht unbedingt fuer bare Muenze nehmen. Vielleicht wollte sie dich bloss nicht verletzen (und hat dann spaeter gemerkt, dass das ein Fehler war, weil du dir dadurch weiter Hoffnungen machst, und hat es "korrigiert"). Die anderen von ihr genannten Gruende waeren reichlich schwach, wenn sie wirklich in dich verliebt gewesen waere.

    ich schreib dir, weil ich glaube, das ich dich verstehen kann


    hab dein langes eingangsposting gelesen, mehr nicht.


    und ich glaube, dass "alles gut" werden kann.


    bei mir war es damals ähnlich, und nun bin ich fast dreissig (!) jahre mit dieser frau zusammen.


    es hat sich gelohnt!


    ich war damals ohne großes selbstbewusstsein.


    deshalb hab ich auch nie richtig gewagt, sie "aufzureissen", aber sie hat gewusst, dass ich sie sehrsehr mag.


    als sie mir den brief geschrieben hat: ich spür es was du für mich empfindest, aber gute freunde sein wäre besser,


    ist meine welt ein wenig zerbrochen und ich war sehr unglücklich.


    wir sind dennoch in engem kontakt geblieben, aber es war klar, die grenze darf ich nie mehr antesten.


    wir waren viel zusammen, habe viel gemeinsam unternommen


    und ich hab mich wohl gefühlt, trotz allem, mit ihr.


    und dann ist es bei ihr eingeschlagen...

    Lewian, du musst dich für rein gar nichts entschuldigen. Ich bin für jede Antwort, jeden Ratschlag und jede offene und ehrliche Meinung sehr dankbar. Auch ist deine Interpretation der Dinge keineswegs unnachvollziehbar, wenn man die Geschichte und vor allem die betr. Person nur durch meinen Text kennt. Um es allerdings besser begreifen zu können, bedarf es noch wesentlich detaillierterer Beschreibungen, für die mir schlicht die Zeit fehlt. Allein meine bisherigen Beiträge haben mich Zeit gekostet, die ich eigentlich kaum habe.


    Ich kann nur folgendes festhalten:


    1. Ihre damaligen Gefühle für mich stehen außerhalb jeglichen erdenklichen Zweifels. Ich gebe dir mein Wort, dass sie starke Gefühle für mich hatte, wenngleich ich auf keine Details eingehen kann.


    2. Ihre Begründung war sehr unglaubwürdig und stellt bestenfalls nur die Spitze des Eisbergs dar. Sie ist kein "Beziehungs-Mensch", diese Erfahrung hatte ihr Ex-Freund (mein Kumpel) zu Beginn machen müssen; immerhin wollte sie damals auch mit ihm ursprünglich keine Beziehung eingehen, obgleich sie starke Gefühle hatte. Es scheint m.E. deutlich zu sein, dass ihr damals wenige Monate bevorstehender Auslandsaufenthalt sowie mein ursprünglicher Plan nach dem Abitur, im Alter von 20, die Wehrpflicht zu absolvieren – und mit dieser Wehrpflicht ging eine Gefahr für mein Leben einher – zwei der Hauptgründe, wenn nicht sogar die Gründe für das "Nein" waren. Nicht viele würden eine Beziehung eingehen wollen, die nach wenigen Monaten zu einer fast zwei Jahre andauernden Trennung ( – > Fernbeziehung oder Schluss) führt. Vor allem, wenn man eine schwere Trennung hinter sich hat. Doch heute sieht alles anders aus.


    3. Sie hätte weder einen Grund, noch entspricht das ihrer Vorgehensweise, in dieser Hinsicht auf die Gefühle anderer großartig zu achten. Sie hatte mir Wochen/Monate davor gesagt, dass sie leider sehr egoistisch in dieser Hinsicht sei. Andere Erfahrung haben das bestätigt.


    Ohnehin spielt die Vergangenheit in diesem Bezug, d.h. in dieser Diskussion, keine Rolle. Warum ich die Möglichkeit nicht ausschließe, dass sie noch oder wieder Gefühle für mich hat? Es liegen trüftige Gründe vor, von einer solchen Möglichkeit auszugehen. Darauf möchte ich allerdings auch gar nicht eingehen.


    Übrigens: Lewian, ich und viele andere kennen sie. Sie würde es nie, und wirklich unter keinen Umständen ohne Weiteres zugeben, dass sie Gefühle für mich oder eine andere Person hat. Sie ist ein sehr...sagen wir mal "zerbrechlicher" Mensch, eine äußerst ruhige Person. Sie ist etwas sehr besonderes, ganz anders als alle Frauen, die ich je in meinem Leben gekannt habe – seien es Freunde, seien es "andere" Frauen. Das dürfte einer der wesentlichen Gründe dafür sein, dass ich nicht so einfach über sie hinweg komme.


    Die Frage ist und bleibt: Soll ich ihr meine Gefühle beichten oder soll ich sie ihr zeigen (sie "aufreißen", wie katercharlie es treffend nennt)? Ich weiß, dass eine mögliche Vorgehensweise darin besteht, eine Situation ähnlich der damaligen zu schaffen, im Zuge dessen ihr näher zu kommen, durch Blicke, Berührungen etc. einen Kuss, wenn nicht gar Sex, herbeizuführen. Damals war das unmöglich, weil mir nicht nur die Erfahrung fehlte, sondern vor allem die soziale Phobie wesentlich stärker war, als sie es heute ist. Nur wäre das eine gute Idee? Es ist ja nur eine von vielen Optionen. Für eine werde ich mich so oder so entscheiden, denn ich belasse es nicht dabei. Ich bin nicht jemand, der ohne Weiteres aufgibt. Mein Wille war stark genug, um das Abitur unter Umständen zu bestehen, die eine Ärztin mir gegenüber als "die Hochschulreife praktisch außerhalb jede Hoffnung versetzend" (O-Ton) beschrieben hat.


    Ich habe diese Sache eingehendst mit jemandem besprochen, und dieser Jemand hat mir darin zugestimmt, dass ein Abschluss herbeizuführen ist. Ich würde nur gerne Meinungen dazu hören, wie ich dies am besten gestalten könnte.


    katercharlie, sollte ich deiner Meinung nach einfach nur die Freundschaft fortführen und an dieser arbeiten, auf dass wenigstens eine sehr enge Freundschaft entsteht? Eine Freundschaft, die sowohl sie als auch mich sehr glücklich machen würde? Eine Freundschaft, die evtl. sogar zu einer Beziehung, ja wie in deinem Fall gar zu einer solch langen (Ehe?), führen könnte?


    Hatte sie damals, als sie dir den Brief geschrieben hat, auch Gefühle für dich?


    Es freut mich übrigens sehr zu hören, dass bei dir solch ein freudiges Ergebnis entstanden ist und wünsche euch beiden noch viele, gute Jahre. Ich werde mein bestes tun, um eines Tages das zu haben, was du zu haben scheinst.


    P.S.: Dass mir niemand sagen kann, was ich tun sollte...das versteht sich von selbst. Ohnehin liegt die Entscheidung bei mir, und ich folge nicht blindlings den Ansichten und Vorschlägen anderer. Tipps wären dennoch hilfreich, zumindest in meinem (ich nenne es mal) "Planungsprozess". Darum auch meine eingangs genannte Frage.

    Zitat

    Hatte sie damals, als sie dir den Brief geschrieben hat, auch Gefühle für dich?

    sie fand mich nett und sympatisch. aber sie wollte sich nicht binden,


    denn ich war nicht ihr "traumtyp".


    inzwischen bin ich es geworden, wie sie mir vor kurzem mit einem lachen gestanden hat.

    Wilhelm Tell


    Ich werde dir nicht auszureden versuchen, was du ueber ihre Gefuehle zu wissen glaubst, denn du hast natuerlich recht, du kennst sie und ich nicht. Gewisse Zweifel behalte ich mir dennoch vor, einfach aus Erfahrung – wenn man verliebt ist, hoert man einfach bestimmte Dinge besser als andere...


    Zur Frage, was du tun sollst (ich weiss natuerlich, letztlich kannst du tun, was du willst): Aus meiner Sicht ist entscheidend, ob dir wichtiger ist, die Sache schnell zu einem Abschluss zu bringen, oder ob du lieber etwas machen willst, was darauf hinauslaeuft, dass du vielleicht lange warten musst, bis sich die Sache "entscheidet", aber dafuer auch eher dafuer sorgen wird, dass ihr eine gute Zeit haben koennt.


    Ich glaube naemlich, wie vorher im Prinzip schon geschrieben, dass "der Ball in ihrem Feld liegt", weil du ihr ja deine Gefuehle bereits gestanden hast. Und deswegen glaube ich, es gegen ihren erklaerten Willen es nochmal zu versuchen, ist eine Respektlosigkeit und kann von ihr leicht als Bedraengen aufgefasst werden => Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du ein weiteres "Nein" bekommst. Es kann immer noch fuer dich der richtige Weg sein, weil du eventuell eine Reaktion bekommst, die dir erleichtert, mit ihr abzuschliessen innerlich.


    Andererseits jedoch denke ich, wenn du bereit zu einer Freundschaft mit ihr bist, ohne erstmal zu wissen, ob es Chancen fuer mehr gibt, wenn du dir sagst, dass falls sich da irgendetwas noch tut, es ihre Aufgabe waere, dir das zu zeigen/mitzuteilen, dann waere das eine Moeglichkeit, die auf laengere Sicht euch diese Tuer offenhaelt. Natuerlich ohne Garantie. Schwierig daran ist, dass du dich mit einer platonischen Freundschaft erstmal arrangieren muesstest, und dass es eventuell anderen Erfahrungen (andere Frauen kennenlernen...) in deinem Leben im Wege stuende. Und ausserdem musst du aufpassen, dass du dich an der Sache freuen kannst und nicht vor allem darunter leidest.


    Ich habe uebrigens auch eine Liebesgeschichte erlebt, die aus einer langjaehrigen Freundschaft hervorgegangen ist, an deren Anfang eine abgelehnte Liebeserklaerung meinerseits gestanden hat. Allerdings hatte ich damals meine Gefuehle fuer sie zunaechst mal auf Eis gelegt und habe ueberhaupt nicht mehr damit gerechnet, dass daraus noch was werden konnte, und es ist auch erst passiert, nachdem ich mich zwischenzeitlich ungluecklich in eine andere Frau verliebt hatte. Ich hatte also die Freundschaft nicht quasi als "Vehikel" benutzt, um spaeter doch noch eine Beziehung zu bekommen, sondern es ist zu meiner eigenen Ueberraschung passiert.

    Zitat

    Aus meiner Sicht ist entscheidend, ob dir wichtiger ist, die Sache schnell zu einem Abschluss zu bringen, oder ob du lieber etwas machen willst, was darauf hinauslaeuft, dass du vielleicht lange warten musst, bis sich die Sache "entscheidet", aber dafuer auch eher dafuer sorgen wird, dass ihr eine gute Zeit haben koennt.

    tempus fugit...Ich werde voraussichtlich zum nächsten Wintersemester umziehen. Der neue Wohnort ist zwar nicht sehr weit weg, allerdings halte ich es nicht für möglich eine solche Freundschaft zu ihr nach diesem Umzug aufrecht zu erhalten, geschweige denn herzustellen.


    Der Umzug ist durch mein Studium bedingt und kann zwar durchaus verschoben werden, ohne dadurch mein Studium zu gefährden – allerdings wäre eine Beziehung mit ihr der wohl einzige Grund, nicht schon im Oktober umzuziehen. Alle anderen Angelegenheiten in meiner jetzigen Heimatstadt (der Kontakt zu meinem Familien- und Freundeskreis, unverzichtbare Termine mit Ärzten etc.) werden durch den Umzug höchstens minimal beeinträchtigt.

    Zitat

    Ich glaube naemlich, wie vorher im Prinzip schon geschrieben, dass "der Ball in ihrem Feld liegt", weil du ihr ja deine Gefuehle bereits gestanden hast.

    Da mir wie gesagt die Zeit fehlt, kann ich (zumindest vorerst) nicht näher auf die jeweiligen Ereignisse eingehen. Jedoch sollte ich in Anstoß an deine Antwort erwähnen: Eine wichtige Aussage meinerseits im erwähnten Streit wenige Wochen nach dem "Nein" war die Behauptung, dass ich keine Gefühle mehr für sie hätte. Dass es sich dabei um eine Lüge gehandelt hat, weiß sie bis dato nicht – könnte allerdings evtl. davon ausgehen.


    Somit habe ich ohnehin nicht zu erwarten, dass sie "den Ball zu mir spielt"...ganz davon abgesehen, dass sie das m.E. unter keinen Umständen wieder tun würde.

    Zitat

    Und deswegen glaube ich, es gegen ihren erklaerten Willen es nochmal zu versuchen, ist eine Respektlosigkeit und kann von ihr leicht als Bedraengen aufgefasst werden => Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du ein weiteres "Nein" bekommst. Es kann immer noch fuer dich der richtige Weg sein, weil du eventuell eine Reaktion bekommst, die dir erleichtert, mit ihr abzuschliessen innerlich.

    Und genau der letzte Satz im obigen Zitat ist das Wesensmerkmal meiner Anfrage, der entscheidende Grund für meine Bitte um Hilfe in diesem Forum: Sobald entweder eine Beziehung zustande gekommen ist oder jegliche Hoffnung auf eine solche Beziehung erloschen ist, kann ich ein für allemal mit dieser Sache abschließen, sie ad acta legen. Damit würde auch eine psychische Entlastung (bei einem "Nein": Nach der Kummerphase) einhergehen, die eine (weitere) "Behinderung" Allem voran meines Studiums und des darin erwünschten Erfolges darstellt.


    Dies ist ein weiterer, sehr wichtiger Grund für einen möglichst schnellen Abschluss und im Notfall ebenso schnellen Kontaktabbruch, weshalb eine von dir vorgeschlagene Freundschaft – so sehr ich mir das auch wünschen würde und so viel Recht ich dir dabei gebe – für mich nicht in Frage kommt. Meine Karriere hatte schon seit der Grundschule (sic!) stets absolute Priorität in allen Angelegenheiten. Natürlich ist die Vernunft nicht immer stärker als das "Herz" und eine soz. Angststörung führt in der übergroßen Mehrheit aller Fälle (und ich spreche hier auch aus langjähriger Erfahrung) u.a. zu teilweise schweren depressiven Episoden, die schulischen oder anderweitigen Erfolg zeitweise (nahezu) unmöglich machen. Ergo: Abschluss – > Verbesserung u.a. der Konzentrationsfähigkeit und Erhöhung der Lernbereitschaft durch eine (erhoffte) bessere "Moral" => Erfolg im Studium


    Das heißt: Vorerst eine Freundschaft aufzubauen wäre auch in meinen Augen prinzipiell die beste Vorgehensweise. Denn sowohl a) ein Arrangement mit einer platonischen Freundschaft, als auch b) das Kennenlernen anderer Frauen unter solchen Bedingungen wäre für mich im Bereich des Machbaren.


    Fazit: Ich sehe mich gezwungen, innerhalb der nächsten Monate (bevorzugterweise Wochen) die Geschichte zu einem Abschluss zu bringen. Die Option "Freundschaft" kommt in meinen Augen auch nicht in Frage, genauso wenig das Abwarten auf ein Vorgehen ihrerseits. Sie könnte ein "aktives Vorgehen" meinerseits als Anmaßung, Respektlosigkeit oder etwas dergleichen auffassen (wird sie allerdings, so wie ich sie kenne, nicht); dennoch stehe ich zu meinem oben genannten Entschluss, ungeachtet des Ausgangs.


    "When a man does his best, what else is there?" – George S. Patton


    P.S.: Außerhalb meines Freundeskreises ist mir vorgeschlagen worden, ihr evtl. einen Brief zu schreiben. Davon halte ich sehr wenig, zumal ich solche Angelegenheit lieber unter vier Augen, wenn nötig per Telefonat bespreche. In diesem Forum dürfte es dazu sicherlich genug Themen geben, und eine neue Diskussion möchte ich deshalb auch nicht eröffnen. Mich würde allerdings auch interessieren, was zum Beispiel du (Lewian) davon hälst – oder andere, die vielleicht das hiesige Thema mitverfolgen.