Gefühle sind da, aber doch zu unterschiedlich?

    Hallo ihr lieben


    Ich könnte mal die Meinung von aussenstehenden Personen brauchen um das ganze etwas distanzierter zu betrachten. Ich (w, bald 32) habe im Sommer einen Mann (41) kennengelernt. Ganz neumodisch über ein Onlinedatingportal war für uns nach einem Treffen klar dass wir zu verschieden sind, aber uns doch sehr mögen. Wir haben daraufhin immer mal wieder was zusammen unternommen und viel Spass dabei gehabt. Er bringt mich zum Lachen, ist ein herzensguter Mensch nach der Devise "rauhe Schale, weicher Kern".


    Irgendwie ist da jetzt doch mehr zwischen uns geworden, er hat mir gestanden dass er sich doch noch in mich verguckt hat und mir geht es eigentlich gleich. Wir haben daraufhin das letzte WE gemeinsam verbracht (wohnen 1.5 h Autostunden auseinander) und haben es in vollen Zügen genossen. Nur bin ich ein totaler Kopf- und Vernunftsmensch und habe nun Bedenken dass ich mich in etwas verrenne…


    Zum einen wäre da der "Standesunterschied", ich weiss nicht wie ich das eleganter ausdrücken soll… Ich bin Bankkauffrau und habe einen interessanten Job im Backoffice. Er hat sich mit der Schule immer schwergetan, hat eine angefangene Ausbildung zum Maler nicht abgeschlossen da er in der Schule nicht mitgekommen ist. Heute arbeitet er in einem körperlich anstrengenden Job, den ganzen Tag draussen und verdient ziemlich bescheiden, ohne Perspektiven auf was Besseres. Er ist mit seiner beruflichen Situation auch unzufrieden, hat aber auch nie etwas dran geändert. Er raucht dazu noch viel und so hat er Ende Monat nix über, er lebt quasi von der Hand in den Mund, hat kein Erspartes und unerwartete Ausgaben wie eine neue Brille stellen ihn gleich vor ein Problem. Eine Zahnsanierung hätte er ebenfalls nötig, aber kein Geld dafür..


    Mir geht’s finanziell gut, ich verdiene mehr als er und habe auch Ende Monat jeweils was übrig um etwas zu sparen, kann mir im Gegensatz zu ihm auch 1-2x im Jahr Urlaub leisten. Ich hatte das Problem dass ich mehr übrig hab als mein Partner bereits schon einmal mit meinem Ex, und das hat immer wieder zu Spannungen geführt.. Grad auch was das Thema Urlaub betrifft da ich eigentlich nicht drauf verzichten möchte.


    Dazu kommt auch das Thema Familie, er hat Kinderwunsch, ich könnte mir ein Kind auch vorstellen, aber nur wenn die finanzielle Situation dazu auch gegeben ist. Klar muss man mit Familie den Gürtel etwas enger schnallen, damit hab ich auch kein Problem. Aber jeden Cent umdrehen zu müssen, das kommt für mich echt nicht in Frage, so ausgeprägt ist mein Kinderwunsch nicht. Ich befürchte dass es da in dieser Richtung auch Probleme geben könnte… Ich sehe schlichtweg nicht wie er mit seinem Gehalt eine Familie finanzieren sollte und ich möchte schon auch weiter arbeiten auch mit Kind, aber eigentlich in einem Pensum von 40 bis max. 50%.


    Seh ich das zu schwarz? Die Gefühle für ihn sind da, aber meinen Verstand kann und möchte ich nicht einfach so übergehen… Hmm…

  • 26 Antworten

    Ich weiß nicht ob du eine befriedigende Antwort bekommen wirst. Niemand kann dir vorschreiben ob die Weise wie du bestimmte handfeste Argumente und bestimmte Gefühle gewichtest so richtig ist. Weil jeder verschieden gewichtet. Wenn du der Typ Kopfmensch bist würde ich darauf tippen dass sich früher oder später auch der Kopfmensch durchsetzt. Aber so sein muss das nicht.

    @ Milchmann76,

    ich glaube ich erhoffe mir eher Erfahrungen und Meinungen dazu. Die Entscheidung muss ich dann selber treffen. Mit meiner Mutter oder besten Freundin kann ich da nicht wirklich drüber reden, da ich deren Meinung schon kenne ohne sie schon gehört zu haben ;-)

    @ Armenius,

    ich mag deutliche Worte, danke ;-)

    Ich kann deine Bedenken nur bedingt nachvollziehen.


    Kommt natürlich auch darauf an was du für ihn empfindest.


    Wenn ihr euch gut versteht und glücklich seid, wenn ihr beieinander seid, dann habt ihr in meinen Augen großes Glück.


    Es nicht zu versuchen wegen unterschiedlicher Einkommen finde ich merkwürdig. Wie wäre es wenn er deutlich mehr Geld als du verdienen würde. Wäre das für dich auch ein Problem?


    Oder ist es dein Frauen- bzw.Männerbild , dass dir Probleme bereitet.


    Ich persönlich finde, dass du den zweiten Schritt vor dem ersten machst. Du musst ja noch nicht über Kinder nachdenken.


    Und wenn doch,dann stellt sich die Frage, ob du denn genug verdienst, um eine Familie zu ernähren. Denkbar wäre schließlich auch, dass er für das mögliche Kind zu Hause bleibt.


    Vielleicht solltest du erstmal abwarten, wie sich deine Gefühle entwickeln.


    Viel Glück

    Hast du diese wirtschaftlichen Dinge denn schon angesprochen, gerade wenn es sich zu einer Liebe entwickeln sollte, sollten diese Themen mit an erster Stelle stehen.


    Ihr seid beide in dem Alter wo eine Planung erforderlich wird.


    Würde er denn noch mal die Schulbank drücken wollen, das Rauchen aufgeben, schon wegen der Finanzen (Gesundheit stelle ich mal hinten an) usw. usf.


    Geld ist nicht alles, doch wichtig zum Leben. :)z

    Herz und Kopf sollten beide zu Wort kommen, insofern solltest Du Dir selber keine Vorwürfe machen, wenn Du Dich als Kopfmensch bezeichnest.


    Es sollte nicht soweit führen, dass das Herz nicht mehr zu Wort kommt, denn dann hat man keinen Spass mehr im Leben. Aber den Kopf ausschalten halte ich für noch schlimmer. Die Leute, die sich bedingungslos ihren Gefühlen hingeben halten später die ganze Familie und Freundeskreise auf Trag mit völlig verkorksten Lebensentwürfen, die einfach nicht funktionieren.


    Partnerschaften funktionieren am besten auf Augenhöhe. Wenn einer den anderen permanent unterstützt machen sich bei dem einen Schuldgefühle breit, beim anderen das Gefühl, ausgenutzt zu werden. Das geht nicht lange gut.

    Was mir nicht so ganz klar ist... Er scheint nicht faul zu sein, aber kommt in der Schule selbst bei der Ausbildung zum Maler nicht mit. Klappt das bei euch mit Gesprächen? Intellektuell sehr unterschiedlich zu ticken kann extrem anstrengend sein, selbst ohne Beziehung.

    Zitat

    Es sollte nicht soweit führen, dass das Herz nicht mehr zu Wort kommt, denn dann hat man keinen Spass mehr im Leben. Aber den Kopf ausschalten halte ich für noch schlimmer. Die Leute, die sich bedingungslos ihren Gefühlen hingeben halten später die ganze Familie und Freundeskreise auf Trag mit völlig verkorksten Lebensentwürfen, die einfach nicht funktionieren.

    Zitat

    Zum Poppen mag das reichen.


    Als Familien-/Wirtschafts- Unternehmen hat das keine Zukunft.

    Genau so sehe ich das auch. Bin auch ein Kopfmensch, wenn gewisse Dinge nicht gegeben sind, wird das nix. Auf Urlaub verzichten geht z.B. gar nicht. Ein paar Mal kann man ja mit Freunden wegfahren, aber irgendwann möchte man doch auch mit dem Partner was erleben und nicht nur zu Hause sitzen, weil das am billigsten ist :(v


    He nachdem wie dein Naturell ist, kannst du weiter verfahren. Um Gefühlschaos zu vermeiden würde ICH auf Abstand gehen.

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    Ich persönlich finde, dass du den zweiten Schritt vor dem ersten machst. Du musst ja noch nicht über Kinder nachdenken.

    Ganz grundsätzlich denke ich schon, wenn man eine auf Dauer ausgelegte Beziehung eingehen möchte, sollte man sich auch über die Übereinstimmung der Lebensentwürfe austauschen und darüber nachdenken, ob sie miteinander vereinbar sind.


    Nun eine Beziehung einzugehen, von der man jetzt schon weiß, dass manche Dinge unvereinbar sind ...wohin soll das denn führen? Das Ende ist doch früher oder später absehbar.


    Die Frage ist eben - sind diese Dinge so unvereinbar? Hast du ihn mal direkt darauf angesprochen? Wie ist seine Einstellung dazu?

    Gemach, gemach.


    Wenn du JETZT die Entscheidung zwischen einer Lebensgemeinschaft, Familie, Kinder usw. einerseits und einer Trennung andererseits treffen willst, dann wirst du dich vermutlich gegen ihn entscheiden. Denn das wäre dann die besagte Kopfentscheidung. Und du wirst es ebenso vermutlich anschließend bereuen und die schöne beginnende Liebe vermissen.


    Aber wo steht denn, dass du JETZT gleich in Sachen Alles oder Nichts entscheiden musst? Warum willst du deinem Herzen nicht die Chance geben, deinen Kopf entweder zu überzeugen oder sich dem auch unterzuordnen. Das wird vielleicht einige Monate in Anspruch nehmen, aber das ist ja keine verlorene Zeit.


    Lass doch dem, was sich da zwischen euch anbahnt, den nötigen Raum. Horcht beide in euch hinein, wie sich was entwickelt. Wenn die Liebe besteht und auch intensiver wird – über die berühmten 6 Monate Hormonzeit hinaus – dann habt ihr auch Chancen, gemeinsam Ideen zu entwickeln, nach Lösungen zu suchen oder auch herauszufinden, dass Liebe alleine nicht reichen wird. Das braucht Zeit und Aufmerksamkeit, mit der Brechstangen geht das nicht.


    Ich gebe dir und den meisten anderen hier Recht, dass vieles gegen diese Beziehung als Familien- und Lebensgemeinschaft sprechen könnte. Aber das sind doch alles nur Momentaufnahmen vor dem Hintergrund eines höchst eingeschränkten Wissenstandes. Du wirst in den nächsten Wochen und Monaten mehr über dich und euch als Paar herausfinden. Vielleicht stört dich zum Beispiel schon das Rauchen so sehr, dass allein das ein Grund zum Abschied sein könnte. Vielleicht lassen sich andererseits für den finanziellen Rahmen andere Lösungen finden.


    Ich halte nichts von diesen frühen Ausschluss-Entscheidungen nach dem Motto Alles oder Nichts. Viele wunderbare Lebensgemeinschaften wären dann gar nicht erst zustande gekommen. Wenn dann aber das schlechte Gefühl überwiegt, wirst du eh die Sache beenden.

    Alles oder nichts ist ja gar nicht nötig, man kann es wie eine Affäre leben. Allerdings würde ich ihm durchaus sagen, dass Kinder unter diesen finanziellen Umständen nicht in Frage kommen. Ebenso wenig käme (für mich) ein Raucher als Partner mit Zukunft in Frage. Der Beitrag von Armenius hat es ja gut mit einem Satz zusammen gefasst.


    Allerdings musst du für dich entscheiden, wieviel Raum Gefühle bei dir einnehmen. Ich persönlich würde die Sache genießen so lange es gut geht, aber ohne jeglichen Zukunftsaspekt. Auch ohne mich wirklich gebunden zu fühlen. Das ist natürlich nicht jedermanns Sache..

    Ich bin auch ein Kopfmensch und ich hätte auch mit vielen Dingen, die du ansprichst ein Problem. So ginge es mir nicht um den Job an sich, aber ich reise sehr gerne und wenn ich das nicht mit meinem Partner machen kann, dann habe ich da ein Thema mit.


    Und ich finde es ihm gegenüber nur fair, wenn du ihn mit deinen Zukunftsplänen bzw. dem nicht sicheren Kinderwunsch konfrontierst. Als Affäre würde ich es nicht laufen lassen - ich habe das mal versucht (aus ähnlichen Gründen) und dann habe ich gemerkt, dass da ein emotionales Ungleichgewicht entstand. Ich habe ihn nicht geliebt, während er gefühlsmäßig voll drin hing. Die Trennung war dann umso schlimmer.


    Ein Raucher ginge für mich auch nicht, das ist aber auch eine subjektive Sache.


    Alles in allem glaube ich, dass sich spätestens, wenn die erste Verliebtheit aufhört, eine Unzufriedenheit einschleicht...

    Zitat

    Aber wo steht denn, dass du JETZT gleich in Sachen Alles oder Nichts entscheiden musst?

    Die meisten Entscheidungen hinsichtlich der Eignung eines anderen Menschen als Partner werden in Bruchteilen einer Sekunde getroffen, wenn wir Menschen die wir in der Menge erblicken unbewusst aussortieren, die uns unsympathisch erscheinen, nicht attraktiv oder sonstwas. Beim Flirten sortiert man dann weiter aus, die berühmte Chemie, die nicht stimmt, die Stimme, die einem nicht passt, der Humor, was auch immer. Hier kommt die Erkenntnis nun halt etwas später. Ich halte wenig davon, großartig in eine Liebelei zu investieren, die absehbar nicht funktioniert. Dazu habe ich zu viele Dramen miterlebt, von Leuten, die das wider besseres Wissen unbedingt versuchen mussten.

    Der Beitrag von Oldie49 ist wie immer toll. Ich möchte dem noch eine mögliche Kopfmenschen-Sicht hinzufügen.


    Bei uns Kopfmenschen kann es darum gehen wie sehr es sich lohnt Gefühle zu investieren bzw. ob man für dieses Investment bestraft wird. Man kann das natürlich unmöglich vorher wissen, trotzdem möchte man es möglichst gut einschätzen können.


    Es kann auch darum gehen inwiefern die Zeit der Trennung die vielleicht kommt die guten Gefühle die man vorher hat nicht lohnen könnte. Sozusagen der Trennungsschmerz teurer ist als die Zeit davor Gewinn bringt. Ich weiß das klingt furchtbar, aber Kopfmenschen sind eben nicht völlig frei von Überlegungen solcher Art. Auch wenn man sich vielleicht bewusst ist dass diese Gedanken nicht hilfreich oder blöd sind, da sind sie trotzdem.


    Natürlich kann so eine Beziehung auf gefühlter Schieflage langfristig funktionieren, und es gibt genügend positive Beispiele dafür. Die Schieflage kann flacher werden, Dinge können sich ändern, man kann die Schieflage irgendwann als weniger oder gar nicht mehr schlimm empfinden. Die Schieflage kann sich ausgleichen, weil materielle Nachteile vom Partner durch emotionale Vorteile ausgeglichen werden. Alles Dinge die möglich sind und auch passieren, aber wie sich welche und besonders die eigene Beziehung entwickelt kann man vorher nicht sagen.


    Man kann aber seine Bedenken respektvoll ansprechen und besprechen. Schon mal schauen ob man in dieser Gesprächsbasis-Ebene auf einen Nenner kommt. Wenn nicht hätte ich Bedenken. Falls ja, vielleicht gibt es eine gemeinsame Perspektive die Situation zu verbessern oder annehmen zu lernen...