Gehe Beziehungen ein, von denen ich gar nicht überzeugt bin

    Hallo,


    ich fühle mich emotional ziemlich abgestumpft und hoffnungslos. Ich bin 30 und hatte, seit ich 18 bin, mehrere Beziehungen, die alle nur 1-2 Jahre hielten. Meist war es vorher schon abzusehen, dass es nicht passt, nur habe ich mich dummerweise oft rumkriegen lassen und mich auf Beziehungen eingelassen, von denen ich schon von Anfang an nicht überzeugt war. Beispielsweise habe ich bei Affären oder Freundschaften, die für mich eigentlich auf dem Niveau bleiben sollten, irgendwann einer Beziehung zugestimmt, nachdem mir der Mann ganz lang hinterhergelaufen ist.


    Ich schäme mich, dass ich so oft den Partner gewechselt habe. Nur mit einem Partner war ich wirklich aus Überzeugung zusammen und auch richtig verliebt in ihn. Seit Ende dieser Beziehung fing es an, dass ich den Glauben an die große Liebe verloren habe und Beziehungen mit Männern eingegangen bin, in die ich gar nicht wirklich groß verliebt war und sie teilweise sogar abstoßend fand.


    Ich habe Angst, bald wieder so eine Beziehung einzugehen, die ich eigentlich nicht will. Ich weiß nicht, wie und wo ich jemanden finden kann, der wirklich zu mir passt. Ich fühle mich so ausgebrannt in Sachen Beziehung, als hätte ich mich schon zu oft an jemanden "verschwendet", der gar nicht zu mir gepasst hat.


    Ich wünsche mir so sehr eine beständige Beziehung. Jemand, in den ich wirklich echt verliebt bin und der zu mir passt. Aber wie soll das gehen, wenn ich immer nur halbherzige Beziehungen eingehe, die früher oder später zwangsläufig scheitern?


    War jemand in einer ähnlichen Situation oder bin ich die einzige, die sich schon öfter auf Beziehungen eingelassen hat, von denen sie von Anfang an nicht überzeugt war? :(

  • 26 Antworten
    Zitat

    War jemand in einer ähnlichen Situation oder bin ich die einzige, die sich schon öfter auf Beziehungen eingelassen hat, von denen sie von Anfang an nicht überzeugt war?

    Das ist mir auch schon oft passiert.

    Kann es sein, dass Du nicht gut allein sein kannst? Dich nicht gut mit Dir selbst befassen willst und aus den falschen Motiven heraus oder vielleicht auch um der Langeweile/Einsamkeit zu entkommen so halbherzige Bindungen eingehst?


    Habe dieses Verhalten bei einigen Bekannten und Freundeskreis miterlebt. Meist sind dies Persönlichkeitstypen, die kaum bis keine Freunschaften pflegen, wenig eigene Interessen ausgebildeten und es fast als Hobby ansehen ihre "leere" Zeit durch Partnerschaften füllen.


    Meist geht dies mit einem wenig ausgeprägten Selbstbewusstsein einher und dem Gefühl von anderen gebraucht zu werden. Wie es bei Dir aussieht in dem Punkt, kannst nur Du selbst einschätzen. Es kommt fast einem Suchtverhalten gleich, es anderen recht zu machen und die Menschen dieses Persönlichkeitstyps sind extrem anpassungsfähig, kennen meist ihre eigenen Bedürfnisse nicht oder haben sie soweit verdrängt, dass nur darauf geschaut wird das der gerade aktuelle Partner genug Gründe hat in der Beziehung zu verbleiben.


    Fühlst Du Dich ohne Partner wertlos und unvollständig? Wie waren bzw. sind Deine familiären Bindungen? Kennst Du ähnliches Verhalten aus Deiner Herkunftsfamilie? Gab es in Deiner Kindheit viele Mangelzustände, unerfüllte Bedürfnisse nach Nähe, Geborgenheit, instabile Familienstrukturen?


    Ich finde die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit wichtig, weil dieser Prozess ermöglicht die Ursachen aufzudecken, woher dieses nachgiebige Verhalten kommt in eine Partnerschaft zu gehen, von der Du schon vorher erahnst das sie nicht gut gehen wird.


    Beziehungen in denen Du innerich nicht ankommen kannst, weil emotionale und körperliche Anziehung nicht vorhanden sind, bleiben anstrengend für Dich. Dies erklärt, warum Du Dich zunehmend ausgebrannter fühlst und wertloser.


    So lange Du Deine eigenen Wünsche, Sehnsüchte und Gefühle hinter Dir lässt, Dich einzig darauf konzentrierst, dass es dem Mann gut geht - bleibt Dein unzufriedenes Beziehungsverhalten.


    Hast Du Dir schon Gedanken darüber gemacht, wie Du Dir eine Bindung vorstellst? Nur, weil eine Beziehung in der Du selbst starke Gefühle aufgebaut hast, nicht erhalten geblieben ist heißt es nicht, dass Du es nicht wieder erleben kannst.


    Hast Du für Dich ein inneres Bild, wie ein Partner aussehen sollte und welche Eigenschaften der Mann haben müsste, damit Du Dich ihn beständig verlieben kannst?

    Zitat

    War jemand in einer ähnlichen Situation

    Hi Antonella. Lass dich mal hier von den Wald- und Wiesenpsychologen nicht verunsichern. Irgendwie war doch schon jeder in einer solchen Situation. Das gehört einfach zum Leben dazu. Man lernt in der Regel aus seinen Fehlern. Das hast du ja schon erkannt. Versuch doch einfach mal 'nicht zu suchen'. Ich war schon in solchen Situationen, weil ich einfach nur eine Beziehung wollte. Ich war dann auch wie ausgebrannt. Hab dann eher an mir gearbeitet, was sich als richtig erwiesen hat. Und irgendwann läuft dir der richtige Partner über den Weg.

    Mir geht es ähnlich. Hab auch nur zweimal eine Beziehung gehabt, wo ich wirklich verliebt war. Bei den anderen Geschichten hab ich mich eher drauf eingelassen, weil ich nicht allein sein wollte, mit dem Gedanken dass es ja vielleicht doch klappt.


    Dosismachtdasgift hat es finde ich sehr gut beschrieben, für mich selbst trifft das wohl leider zu. Im Moment habe ich auch eine Beziehung mit jemandem, der zwar sehr lieb ist, mit dem ich aber am liebsten Schluss machen würde, weil es einfach nicht passt. Hab mich sozusagen "überzeugen" lassen. Ich bin mittlerweile aber ziemlich sicher, dass mir das danach nicht wieder passieren wird. Man fühlt sich wirklich immer unzufriedener und hat gleichzeitig ein sehr schlechtes Gewissen dem Partner gegenüber, der ja nichts dafür kann und den man gefühlsmäßig irgendwie belügt. Vielleicht wäre es ja garnicht so schlimm, einfach mal Single zu bleiben und auf den Richtigen zu warten?

    @ antonella

    Die Antwort auf deine Frage ist im Grunde ganz einfach:


    Gehe keine Beziehung mehr ein, wenn du nicht wirklich dahinter stehst und verliebt bist.


    Mehr kann man dazu kaum sagen.


    Wenn du es doch immer wieder tust und dich an irgendwelche Männer verschwendest, dann muß ich sagen, dass ich es so ähnlich wie DieDosismachtdasGift sehe: du scheinst beziehungsabhängig zu sein.

    Zitat

    Irgendwie war doch schon jeder in einer solchen Situation. Das gehört einfach zum Leben dazu

    nein. es war NICHT jeder in einer solchen situation. :|N ich bin noch nie eine beziehung eingegangen, wenn ich nicht überzeugt war. warum sollte ich das auch tun? ":/


    stellt euch mal die frage nach dem "WARUM". ist meist sehr aufschlussreich.

    Zitat

    mehrere Beziehungen, die alle nur 1-2 Jahre hielten

    Das empfinde ich als einen schon verhältnismäßig langen Zeitraum, dafür dass der Partner nicht zu einem passt.


    Im Alter der Jugend passieren solche Dinge schon mal, man weiß es ja dann oft nicht besser; aber wenn sich dieses Verhalten wie ein roter Faden durch das Leben zieht bis man 30 ist, dann stimmt irgendwo was nicht.


    Ist aber nur der Standpunkt eines weiteren Wald- und Wiesenpsychologen.

    Zitat

    Ich finde die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit wichtig, weil dieser Prozess ermöglicht die Ursachen aufzudecken, woher dieses nachgiebige Verhalten kommt in eine Partnerschaft zu gehen, von der Du schon vorher erahnst das sie nicht gut gehen wird.

    :)^ Sehe ich genauso. Gibt es nicht auch Möglichkeiten, dass in einer Therapie zu thematisieren? Eine Therapie ist ja eigentlich nichts Anderes als die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Da könnte man durchaus ansetzen.

    Zitat

    Irgendwie war doch schon jeder in einer solchen Situation. Das gehört einfach zum Leben dazu


    nein. es war NICHT jeder in einer solchen situation

    Naja, die Praxen sind voll von Patienten, die 'noch nie ein einer solchen Situation' waren. Wenn man in diese Welt geworfen wird, dann hat man doch schon die ersten Beziehungen, die einen dann später prägen. Das sind auch nicht immer gesunde Beziehungen. Wie gesagt, einer hat geschrieben, wenn sich das mit 30 noch als gleiches Muster hinzieht... Das sehe ich auch so. Deshalb würde ich als TE auch erst einmal von einem Wunsch Abstand nehmen, eine neue Beziehung einzugehen und genauer bei sich selbst hinsehen.

    Zitat

    Wenn man in diese Welt geworfen wird, dann hat man doch schon die ersten Beziehungen, die einen dann später prägen

    hä???


    wir sprechen hier von partnerschaftlichen beziehungen. nicht von rein zwischenmenschlichen. und wen ich als partner (an)nehme, entscheide ich glücklicherweise in deutschland als deutscher bürger selbst. und wenn ich mehrfach beziehungen eingehe, bei denen mir schon vorher klar ist, dass das nichts wird oder nicht passt - dann muss ich mich halt irgendwann mal selbst hinterfragen, WARUM ich das immer wieder tu.

    Sapient. Du hast das alles wunderbar zitiert. Nun solltest du aber auch lesen, was du kopiert hast.

    Zitat

    Wenn man in diese Welt geworfen wird, dann hat man doch schon die ersten Beziehungen, die einen dann später prägen

    In diesen Prägungen liegen doch oft die Verhaltensweisen, die wir als Heranwachsende, oder eben als Erwachsene weit(er)leben.

    ..Mir ist das auch schon passiert. Er war für mich nur ein guter Freund, hat mich dann aber so lang bearbeitet, dass ich aus der falschen Motivation her mit ihm eine Beziehung eingegangen bin. Ist nicht schön geendet. Den darauffolgenden Partner machte vorallem aus, dass er so ganz anders war, als eben dieser Ex. Ich habe mich von ihm dann auch in eine Beziehung drängen lassen. Womöglich war da auch der große Wunsch, dass es nun endlich klappen sollte, der mich weniger genau hinsehen ließ bzw. einiges übersehen ließ. Die Gefühle kamen dann zwar, aber hätte ich mir mehr Zeit genommen, genauer hinzuschauen, wäre mir diese, in der Summe sehr negative, Beziehungserfahrung wohl erspart geblieben.


    Dieses "Problem" trat bei mir auf, als ich sehr viel innerlichen Druck hatte, dass nun der richtige Partner her muss, wegen Familienplanung usw. Also Ende 20 und Anfang 30. Aufgrund dieses Druckes habe ich dann letztendlich aber den Falschen genommen - vorher hatte ich nicht das Problem, da war ich immer sehr verliebt oder konnte auch absagen, wenn dem nicht so war und hatte vorallem auch keine Probleme damit, Single zu sein. Im Gegenteil, ich war's gerne.


    Aus den letzten unklugen Erfahrungen habe ich aber sehr viel gelernt. Zum Beispiel welche Aspekte in einer Beziehung mir besonders wichtig sind und wo ich nicht mehr bereit bin, zurückzustecken oder Kompromisse einzugehen und vorallem: dies auch klar zu kommunizieren und nicht über meine Bedürfnisse drüber trampeln zu lassen. Und eben auch, dass es keinen Sinn macht, wenn meine Gefühlslage nicht stimmt. Aufgrund dieses Wissens fällt es mir nun auch (wieder) leichter, Ansprüche an meinen Partner zu stellen bzw. ihn nach eben diesen auszusuchen und mit nicht weniger zufrieden zu sein, als wirklich hart verliebt zu sein. Und das sind dann wiederum die viel besseren Voraussetzungen für eine erfüllende und langfristige Beziehung.


    Es ist doch schonmal sehr gut, dass Du Dein Muster erkannt hast und zu welchen Problemen es letztendlich führt. Ich denke, das ist ein ganz wichtiger Schritt um dann im Zweifelsfall auch sagen zu können:"ich weiß, das wird nichts, also ist es das auch nicht wert" und "ich bin mir selbst genug wert, mich (und meine Zeit, Gefühle, usw.) nicht zu verschwenden".