Gespräche & Beziehungsarbeit - moralische "Pflicht"?

    Guten Morgen,


    Ich habe das Thema mal allgemein formuliert, obwohl sich auf meinen speziellen Fall bezieht.


    Aber irgendwie steckt nach meinem Empfinden doch eine allgemeine Wertevorstellung dahinter.


    Folgendes:


    Mein Partner und ich hatten am Dienstag einen Konflikt, und es besteht absolut noch Klärungsbedarf. Er hat die Situation leider - wie immer - einfach verlassen bzw. das Gespräch ins Leere laufen lassen. Seit dem bitte ich ihn täglich mit mir darüber zu reden, da es mich belastet, und ich seine Position nicht nachvollziehen kann.


    Er verweigert schlicht das (in meinen Augen sehr nötige...) Gespräch, und lässt mich jedes Mal stehen, wenn ich darum bitte. Egal ob mit sanften "Ich-Botschaften", sachlich oder zornig.


    Auch meinen Vorschlag ein moderiertes Gespräch Zu führen hat er abgelehnt.


    Sagt er hätte dafür keine Zeit und Energie.


    Es herrscht unerträgliches Schweigen und dicke Luft, aber an eine - wie ich finde - normale und erwachsene - Lösung, nämlich die des klärenden Gesprächs ist nicht zu denken.


    So läuft das in 9 von 10 Fällen.


    Bis ich dann aufgebe um Klärung zu bitten.


    Ihm scheint das so recht zu sein.


    Mich belastet das so sehr gerade, das könnt ihr Euch nicht vorstellen. :-( %:|


    Er hat mir auch gestern Abend direkt per SMS angekündigt dass auch am Wochenende kein Gespräch geben wird: Keine Energie dafür.


    Ich spreche hier von einem Gespräch von 1-2 Stunden (?), möglicherweise.


    Es ist auch nicht so das die Zeit fehlen würde. Er ist jeden Tag spätestens um 14:00 Uhr zu Hause. Für sein Hobby hat er diese Woche auch bereits zwei mal drei Stunden investiert...




    Zurück zur Überschrift des Fadens:


    In meinen Augen hat man doch eine gewisse (natürlich im Endeffekt) nicht einklagbare, aber doch aus der Natur einer Partnerschaft selbst entstehende, moralische "Pflicht" Konflikte zu klären beziehungsweise für Gespräche und wichtige Klärungsbedürfnisse des Anderen offen zu sein? ":/


    Erwarte ich hier zu viel?

  • 87 Antworten

    Du gibst ihm halt die "macht" über dich.


    Du könntest auch einfach für dich deine Konsequenzen ziehen, da dich diese Verhaltensweise total abfuckt.


    Nur mir scheint...das willst du eben auch nicht.


    Für mich wäre eine Konsequenz zBsp, dass ich auch nicht mehr mit ihm rede, bis das geklärt ist. Er kriegt seine Wäsche nich mehr gewaschen und soll gucken, wie er klar kommt. Ist kindisch, ich weiß. Aber die größere Konsequenz, das Trennen, will man ja auch nicht immer.

    Hallo Xirain,


    vielen Dank für Deine Antwort.


    So ähnlich mache ich das auch. Allerdings kann ich nicht ganz gar nicht mit ihm reden, da wir ein Kind zusammen haben. Das mit der Wäsche funktioniert auch nicht, da wir beide Wäsche waschen.


    Kurz gesagt (ja, ich weiß dass das kindisch ist) habe ich kein "Druckmittel".


    Ihn interessiert/stört so etwas nicht.


    So funktioniert das also leider nicht...

    Was ich jetzt noch getan habe, ist mich an einen gemeinsamen (eigentlich ist es länger sein Freund als meiner) Freund zu wenden, welcher berufsbedingt eine Ausbildung in Gesprächsführung hat.


    Dieser hat mir zugesagt, ihn heute Mittag anzurufen und ihn zu bitten, sich für ein Gespräch zu öffnen.

    Die Sache ist ja die: Du kannst ihn nicht zwingen.


    Es geht einfach nicht. Du kannst ihn ja nicht an einen Stuhl fesseln und sagen "So wir reden jetzt dadrüber".


    Das ist scheiße, weil man selbst es klären will ja, und der andre nicht.


    Bei uns hilft dann meist eben jeder in seinen Raum für 2 Stunden und dann nochmal reden, aber das klappt bei euch ja auch nicht.


    Also im Ernst, ich hab keine Ahnung, obs da noch nen Weg gibt.

    Er verweigert eine Klärung ja nickt nur über Stunden, oder Tage...ja nicht mal Wochen.


    Er verweigert die komplett, und wartet einfach bis ich zur Tagesordnung übergehe.


    Was ich nach einigen Tagen oder Wochen dann auch immer getan habe.


    Weil ich einfach keine Kraft mehr hatte...

    Das ist ja was ich meine.


    Er weiß genau irgendwann brichst du ein. Übrigens ist mir das durchaus nicht unbekannt. In meiner Familie wird das so gehandhabt. Es wird gestritten, geschrieen und am nächsten Tag heile Welt gespielt.


    Ich konnte da erst durch eine Therapie selbst aus dem Verhaltensmuster ausbrechen. Ich kannte Streit ja garnicht anders.

    Außerdem zahnt der Kleine, und hat mich die letzten 4 Nächte alle 2 Stunden geweckt und wach gehalten.


    Mein Partner schläft ja in einem anderen Zimmer ungestört...


    Habe ihn auch gebeten das zu berücksichtigen, also, dass ich die zusätzliche Belastung einer fehlenden Aussprache nur schwer ertrage. Schwerer als sonst immer.


    Hoffe so sehr, dass der gemeinsame Freund zu ihm durchdringt.

    Was ist deine Lösung, wenn nicht? Scheinbar hält er das ja immer so, ich würde also erstmal nicht damit rechnen, dass er sich nun anders verhält. Du musst also für den worst-case, nämlich dass er sich nicht zu einem Gespräch bereit erklärt, eine Lösung an der Hand haben. Darüber würde ich an deiner Stelle eher nachdenken, als darüber, was ist, wenn er plötzlich doch spricht.

    Ganz ehrlich? Zieh das durch, was du dir eh vorgenommen hast: Getrenntes Wohnen. Dann bist du raus aus diesem Kreislauf und ihr könnt euch mal auch als Paar neu sortieren.


    Ich vermute mal, der Konflikt hat sich an sowas aufgezogen?

    Zitat

    In meinen Augen hat man doch eine gewisse (natürlich im Endeffekt) nicht einklagbare, aber doch aus der Natur einer Partnerschaft selbst entstehende, moralische "Pflicht" Konflikte zu klären beziehungsweise für Gespräche und wichtige Klärungsbedürfnisse des Anderen offen zu sein? ":/

    Ich glaube du kommst vom falschen Ende. Wenn ich mir so deine Wortwahl ansehe sprichst du von "Pflicht" quasi als Schuld die man aufbaut, weil der andere ja eine Beziehung mit einem führt, aber das ist ja eher die Sicht auf eine Geschäftsbeziehung als auf eine partnerschaftliche Beziehung.


    Fakt ist, dass eine Beziehung auf Augenhöhe ohne Kommunikation, und dazu gehören auch Streitgespräche, keine realistische Chance auf eine lange Lebensdauer hat. Allenfalls geht das, wenn man weniger eine Partnerschaft als eine Freundschaft+ führt. Dann macht jeder sein eigenes Ding, die Konflikte können so im Raum stehen, weil man die fraglichen Probleme eventuell in anderen Beziehungen kompensieren kann (und in der Regel nicht zusammen lebt). Oder einer von beiden verbiegt sich und passt sich halt komplett an, um den Konflikt aus dem Raum zu räumen Aber Augenhöhe ist das nicht und wird so sicherlich nicht erreicht.


    Die Frage ist also nicht ob er "muss" oder "die Pflicht" hat, sondern ob er eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen wünscht, zu denen solche Gespräche gehören, oder nicht. Und wenn "oder nicht" was du damit machst. Denn dann hast du die Wahl die Beziehung als Paar zu beenden oder dich zu verbiegen.

    Ich kann da danae's Aussagen nur unterschreiben.


    Du solltest dir verinnerlichen: Du kannst nur dich ändern. Nicht die andren Menschen. Auch nicht deinen Partner. Er muss das schon selbst wollen.

    Hatte auch etwas Ähnliches wie danae schreiben wollen - und schließ mich daher an.


    Ich sehe diese Gesprächsbereitschaft auch nicht als "Pflicht" - sondern als etwas, woran einem gelegen sein sollte, wenn man eine Beziehung auf Augenhöhe wünscht bzw. eine mit längerfristiger Perspektive. Diese Bereitschaft nicht zu haben bedeutet, die Beziehung zu riskieren - wozu dann aber auch eni Gegenüber gehört, welches Konsequenzen durchzieht.


    Ohne diese Konsequenzen ist für den Nicht-Redner erstmal alles prima. Gespräch vermieden, Rest läuft auch weiter.


    Somit liegt es leider bei Dir, Konsequenzen durchzuziehen. Betteln bringt nichts, weil Gespräch = unbequem. Und bequem wird es, wenn Du "einknickst". Ist blöd, dass die Verantwortung somit wieder bei Dir liegt - aber ist so. Vielleicht solltest Du beim Argumentieren "pro Gespräch" aber den Aspekt "Beziehungsüberleben langfristig" ins Spiel bringen. Damit ER realisiert, was auf dem Spiel steht (kenne jetzt nicht Deine weitere Hintergrundgeschichte bzgl. getrennt wohnen. Falls ich da was Wichtiges auslasse: Sorry!)