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    Ich würde meine berufliche Zukunft auch nicht für meinen Partner hinten anstellen oder gar abbrechen.

    Ich habe es nicht nur für meine Partnerin und meine Kinder getan (und dafür bin ich meiner Frau sehr dankbar, dass sie mich da ein wenig rausgeholt hatte), sondern gerade auch für mich.


    Warum soll ich mich für das goldene Kalb aufopfern? Wem bringt das was?


    Wie geschrieben, wer seine Priorität nur in dem "Ich will reich und erfolgreich sein" sieht kann das tun (wobei die Frage steht, was erfolgreich im Leben bedeutet?)- sollte das dann aber wohl besser alleine erledigen.

    Mit Mitte 20 ist man eben auch in der Blüte was seine berufliche Zukunft angeht. Ich hab dort auch weitaus mehr leisten müssen als jetzt. Jetzt bin ich gefestigt in meinem Beruf und habe mir mehr Freiheit erarbeitet und bin jeden Tag zeitig daheim. Ich habe in dieser Zeit Verständnis. Da muss man sich erst eine gewisse Position erarbeiten.


    Aber sonst gebe ich euch recht. Auf Dauer sollte es eine gesunde Mischung sein. Wer nur immer mehr will und noch mehr erreichen will, ist kein Typ für eine gesunde Beziehung oder gar eine Familie.

    Vielen Dank für eure vielen Antworten! Ich habe dann vorgestern nochmal ziemlich deutlich mit ihm gesprochen, er hat mich damit auch ernst genommen, denke ich. Gestern kam er dann auch bewusst früher von der Arbeit. Zwar saß er von 21 Uhr an wieder am Schreibtisch, aber immerhin. Gleichzeitig war er dann gestern auch schon daheim, als ich noch in der Uni gelernt habe & ich hab ja an mir selbst gemerkt, dass es eher Unmut schürt, wenn man dann für einfaches "Zeitverbringen" eine Aufgabe abbrechen soll, die man gern zu Ende führen würde & hatte mir dann fest vorgenommen, nichts dazu zu sagen & ihn zu unterstützen. Eigentlich haben wir beide stressige Phasen gerade & es macht wohl einfach Sinn, sich gegenseitig Freiraum zu lassen.


    Vielleicht ist das Problem doch eher die Kommunikation des Ganzen, denn so auch heute wieder: Er schreibt mir morgens, ob wir zusammen in die Mensa wollen. Ich war aber schon für eine andere Zeit verabredet, also sind wir verblieben mit: Wir treffen uns auf einen Kaffee am Nachmittag, er meinte noch, er kommt dann früher heim, er müsse um halb vier dann aber wieder weiter.


    Alles in Ordnung, also habe ich so ab halb drei damit gerechnet, dass er jeden Moment in der Tür steht, später hätte sich ja nicht mehr gelohnt. Hab mich ein bisschen frischt gemacht, aber mich zwar wieder an den Schreibtisch gesetzt und weitergelernt. Dennoch rechne ich ja dann unterbewusst mit ihm. Um drei dann der Anruf, er war nur unten & hat das Rad abgestellt, er muss weiter & hat keine Zeit. Das Ding ist, hätte er es nicht vorgeschlagen, hätte ich nicht gewartet, mich auf nichts eingestellt usw. So bin ich nun natürlich enttäuscht, ich bin ja quasi wie bestellt und nicht abgeholt.


    Ich denke, für ihn war das nicht schlimm, da ich ja eh nur zuhause lerne & flexibel bin. Für mich ist es das aber schon. Zum einen leidet dann einfach meine Konzentration, zum anderen hätte ich mich für meine Kaffeepause unter diesen Umständen mit einer Freundin verabredet.


    Er auf der anderen Seite hat das wohl gemacht, um mir entgegenzukommen & es wenigstens zu versuchen & versteht jetzt wahrscheinlich gar nicht, wo genau das Problem ist :-/ Womit er irgendwie recht hat, aber irgendwie auch nicht. Es erwartet keiner von ihm mitten am Tag, dass er sich was freischaufelt, wo es nicht passt, aber er soll sich einfach vorher überlegen, ob er das einhalten kann, zumal es sein Vorschlag war.


    Allerdings muss ich ihm auch ein bisschen zugute halten, dass es natürlich stimmt, dass man manchmal bei Telefonaten, Besprechungen etc. eben nicht genau sagen kann, wie lang es dauert. Die Konsequenz meines Gemeckers wäre ja jetzt, dass er noch weniger versuchen würde, wenn es jedes Mal Gemecker gibt, wenn er es doch nicht garantieren konnte. Schwierig, schwierig. Ich kann uns beide gut verstehen ;-D


    Achso, und: Er sagt, Mitte April würde es weniger werden. Ich will ihm nicht im Weg stehen, zurzeit mache ich aber einfach viel Druck. Mal bin ich ganz entspannt und vernünftig, mal poche ich total darauf, dass er ein bisschen Zeit eben freimachen muss Ich kann mich auch irgendwie selbst nicht so entscheiden, welche Linie ich fahren will, weil ich nicht weiß, wieviel ich einfordern darf. Jemand hier schrieb auch, dass ich ja auch mal Zeiten haben werde, in denen es mir gehen wird wie ihm. Das letzte, das man dann brauchen kann, ist halt ein stressiger Partner, das weiß ich auch. Das macht es so schwer für mich, mich zu entscheiden, wie ich es händeln will.

    Achso, noch zu den Baissachen: Er promoviert noch kein Jahr, angelegt ist es klassisch auf 3 Jahre. Es ist so, dass die Lehrstuhlarbeit, wie hier teiweise schon gesagt wurde, mehr als nach Vertrag ist. Egoistisch ist er sonst eigentlich gar nicht, er war schon drei Jahre im Beruf & ist da nur unserer Beziehung zu Liebe wahnsinnig viel gependelt. Also es ist nicht so, dass er nicht bereit wäre, zu geben. Wir sind im Sommer seit vier Jahren ein Paar.

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    Ich bin gegangen, viel zu spät. Seitdem glaube ich es nicht mehr, wenn mir jemand erzählt, nur noch die Prüfung, denn selbst wenn es nicht so extrem endet wie bei mir, kommt dann nur noch die Promotion, nur noch die Probezeit, das wichtige Projekt, die erste Zeit beim neuen Chef, der neuen Firma, die Selbstständigkeit.... Mal zwei Monate gestresst sein in der Prüfungsphase ok, aber über Jahre...da wäre ich extrem vorsichtig und möchte dir sehr ans Herz legen, auf dein Bauchgefühl zu hören und dir keine Beziehungstandards einreden zu lassen, die nicht zu dir passen. Man kann leicht in so etwas reinrutschen und dann jahrelang "im Wartesaal" leben.

    Genau davor, habe ich Angst. Gerade sagt er, wenn die Versuche erstmal laufen, wird alles besser. Aber irgendwas wird ja immer laufen müssen.

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    wo es nicht passt, aber er soll sich einfach vorher überlegen, ob er das einhalten kann, zumal es sein Vorschlag war.

    Sag ihm das. Das wird jetzt ein bißchen Arbeit. Euer Gespräch war ein guter Anfang, aber schwierig wird es jetzt, das zu verstehen, Routinen zu entwickeln, die für euch funktionieren und regelmäßig umzusetzen. Da werdet ihr beide noch Frust erleben bis ihr eine Balance gefunden habt. Sag ihm noch mal, dass es dir darum geht, Absprachen einzuhalten. Manchen fällt es leichter spontane Absprachen einzuhalten, anderen geplante. Wenn sie wissen, dass sie Freitag pünktlich Feierabend machen sollen, dann erledigen sie ihre Arbeit vorher, ad hoc Anfragen werden abgelehnt. Da muss dein Freund auf sich schauen und herausfinden, unter welchen Bedingungen es ihm leichter fehlt Absprachen einzuhalten.

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    Gerade sagt er, wenn die Versuche erstmal laufen, wird alles besser. Aber irgendwas wird ja immer laufen müssen.

    Er sollte sich überlegen, ob er es so, wie er es macht, richtig macht, oder ob er sich nicht etwas "verhebt".


    Ein Zuviel kann genauso verkehrt sein, wie ein Zuwenig. Am Ende kann beides in die "Hose" gehen.

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    Habe ich schon häufiger mal gemacht. Aber scheinbar hat er es nicht so richtig verstanden oder will es nicht verstehen.

    Die Frage ist, warum er es nicht versteht. Versteht er nicht, worum es dir geht, weil er dein Problem nicht sieht oder weil du nicht die richtigen Worte findest? Sein Versuch mit dem Treffen scheint doch darauf hinzudeuten, dass er dein Problem verstanden hat. Man kann nur nicht erwarten, dass er nach 2 Tagen alles richtig macht. Das meine ich mit Arbeit. Da müsst ihr beide jetzt schauen, was funktioniert und immer wieder aktiv an der Veränderung arbeiten. Setzt euch hin und überlegt, wie ihr zukünftig Absprachen treffen wollt: mag er lieber wöchentliche Wiederholungen oder spontan entscheiden, wann er Zeit für die Mensa hat. Entwickelt Rituale, die euch zusammenbringen: Nehmt euch jeden Sonntag Zeit für ein schönes Frühstück, trinkt morgens zusammen einen Kaffee, geht Freitagabends joggen,... - je nachdem was zu euch passt.

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    wenn die Versuche erstmal laufen, wird alles besser

    ... wenn die Versuche laufen. Was wenn nicht? Und Versuche waren für meine wissenschaftliche Arbeit der zeitlich intensivste Aufwand- inklusive Vorbereitung, Überprüfung und Auswertung (da muss und kann man sich auch viel überlegen). Wenn er da genauso schludrig mit seinem Zeitfond umgeht, dann Gute Nacht. Der Geist braucht Ruhe und Entspannnung- und da kann eine Partnerschaft sehr gut zu beitragen- einfach mal abzuschalten, wenn er qualitativ gut arbeiten soll. Ansonsten wird das Quaddelkram.


    Böse Zungen behaupten, dass jemand, der zuviel Zeit für eine bestimmte Aufgabe benötigt, eher ungeeignet, weil überfordert, ist.


    Leistung ist immer noch Arbeit pro Zeit und nicht Arbeit-sonstwie-lange ...

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    Wenn er da genauso schludrig mit seinem Zeitfond umgeht, dann Gute Nacht. Der Geist braucht Ruhe und Entspannnung- und da kann eine Partnerschaft sehr gut zu beitragen- einfach mal abzuschalten, wenn er qualitativ gut arbeiten soll. Ansonsten wird das Quaddelkram.


    Böse Zungen behaupten, dass jemand, der zuviel Zeit für eine bestimmte Aufgabe benötigt, eher ungeeignet, weil überfordert, ist.

    Ob er ungeeignet ist, kann ich natürlich nicht beurteilen. Er beschwert sich aber häufig über die Leute dort, die dazu neigen, mehr darüber zu reden, was zu machen ist, als es zu machen & dass die Arbeit, die er für den Lehrstuhl erledigen muss, ihn mehr Zeit als nötig kostet, weil der in seinen Augen nicht gut genug organisiert ist. Langfristig würde er gern eine Hälfte der Zeit für die Promotion, die andere für das selbstständige Projekt aufwenden & den Lehrstuhl rauskicken. Deshalb streben sie Gründerförderung an. Aber zurzeit ist die Arbeitsbelastung einfach hoch: Lehrstuhl, der mehr Stunden als vertraglich vereinbart einfordert, Promotion, Selbstständiges Projekt (das in Zusammenhang zur Promotion steht).


    Hilft mir ja aber alles nicht, mit mir und ihm über meinen Umgang damit übereinzukommen, egal wie effizient oder eben ineffizient er ist. Das kann ich ja nicht beeinflussen.

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    a müsst ihr beide jetzt schauen, was funktioniert und immer wieder aktiv an der Veränderung arbeiten. Setzt euch hin und überlegt, wie ihr zukünftig Absprachen treffen wollt: mag er lieber wöchentliche Wiederholungen oder spontan entscheiden, wann er Zeit für die Mensa hat. Entwickelt Rituale, die euch zusammenbringen: Nehmt euch jeden Sonntag Zeit für ein schönes Frühstück, trinkt morgens zusammen einen Kaffee, geht Freitagabends joggen,... - je nachdem was zu euch passt.

    Wir haben ja nicht zum ersten Mal über das Thema gesprochen. Gefühlt ist es immer zwei Tage lang sehr heilsam gewesen, bis sich die alten Bahnen wieder einschleichen. Am Wochenende verbringen wir viel Zeit miteinander, aber im Hintergrund immer: "Nachher muss ich aber noch was machen". Generell ist das Ansprechen auch schwieriger geworden. Ich will immer über alles reden, er ist ohnehin gestresst und dann komme ich damit. Ist ja irgendwie auch klar, die wenige gemeinsame Zeit "verderbe" ich damit, dass ich noch mehr davon will.


    Bei dem selbstständigen Projekt hat er einen erfolgreichen Partner, der unheimlich Tempo vorlegt, da will er mithalten. Das frisst auch die meiste Freizeit.

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    Achso, und: Er sagt, Mitte April würde es weniger werden.

    Hallo Alias,


    es ist schon eine Weile her, aber ich wollte mal nachhören, ob sich eure Hoffnungen bestätigt haben? Hat sich die Situation etwas entspannt?

    Hallo lieber Comran,


    vielen Dank der Nachfrage! Zurzeit ist es tatsächlich besser, vor allem deinem Rat bin ich auch gefolgt und hab begonnen, wenn er manchmal abends doch nochmal am Schreibtisch ist, einfach auch was für die Uni zu erledigen. Das ist ja eigentlich großer Vorteil für uns beide. Gerade gibt es auch genügend Abende ohne Schreibtisch, insofern bin ich ziemlich zufrieden :-)