Häufiger Streit, wenn ich weine ist mein Partner kalt zu mir

    Hallo ihr Lieben,


    ich muss mir nun auch mal wieder was von der Seele schreiben, was mich derzeit belastet.


    Mein Partner und ich sind seit Ende 2015 ein Paar, wir kommen beide aus langen Beziehungen (meine Exbeziehung dauerte über 11 Jahre) und hatten 2015 beide ein sehr turbulentes und emotionales Jahr (dazu gibt es einen sehr langen eigenen Faden). Im Februar 2016 bin ich ungeplant schwanger geworden, unser kleiner Mann ist nun 16 Monate alt. Wir hatten also wenig Zeit, als Paar zu wachsen und so richtig kennengelernt, mit allen Eigenheiten und Macken fernab der rosaroten Wolken, haben wir uns eigentlich erst, als ich schwanger war und wir dann auch direkt zusammengezogen sind. Man kann sagen, wir haben die letzten 2 Jahre wirklich im Schnelldurchlauf erlebt und auch, wenn wir unser Leben als Familie gut meistern, so haben wir größere Probleme mit unserer Streitkultur.


    Es knallt regelmäßig, zum Teil alle paar Tage. Oft sind es Kleinigkeiten, die sich zu Diskussionen hochschaukeln, aber auch größere Themen wie z.B. Nähe und Zärtlichkeit (das wäre aber eher nochmal einen eigenen Faden wert). Oft ist es so, dass er etwas sagt, ich mich angegriffen fühle und dann direkt in die Rechtfertigung gehe. Dies macht ihn wiederum sauer und so schaukelt sich unser Gespräch hoch, bis wir uns richtig streiten. Er ist schnell emotional und drückt m.M.n. Dinge, die ihn belasten, häufig gleich mit einer "extremen" Wortwahl aus. Wir haben dann ein "großes" Problem, etwas belastet ihn "extrem", wir machen "nie" schöne Dinge, wir bekommen das "eh nicht hin", er ist "sehr" unzufrieden, es ist "völlig" verfahren, er ist der "tiefsten Überzeugung", etwas ist ekelhaft, furchtbar, ... Wahrscheinlich empfindet er die Situation in solchen Momenten auch so, aber schon seine Wortwahl empfinde ich bei Diskussionen als anstrengend und sie regt in mir häufig direkt den Wunsch, ihm zu widersprechen und zu sagen "Aber so ist es doch gar nicht!". ":/ Wenn ich versuche, auf ihn und das, was er sich wünscht, einzugehen, sagt er leider auch häufig Dinge wie "Das kann man ja eh vergessen", "das kriegen wir doch sonst auch nie hin" und schwupps - selbst wenn ich die ersten paar Minuten der Diskussion überstanden habe, regt sich in mir spätestens dann der Widerstand und irgendwann sind wir immer an dem Punkt, wo wir überhaupt nicht mehr weiterkommen.


    Wenn ich mich dann angegriffen oder kritisiert fühle, kommen mir schnell die Tränen. Ich versuche daran zu arbeiten, aber es ist leider sehr in mir verwurzelt. Ich wurde als Kind von meiner Mutter oft abgewertet, kritisiert und kleingehalten, mit Worten und auch immer wieder mit Schlägen. Wenn ich geweint habe, hat mich meine Mutter oft ignoriert oder weiter auf mich eingebrüllt, obwohl ich mich schon so hilflos gefühlt habe. Ich weiß, dass ich nicht mehr das verletzte, hilflose Kind von damals bin, aber je nach Wortwahl und Art und Weise des Sprechens fühle ich mich bei Streitigkeiten sehr schnell in die Enge getrieben. Da kommt dann so ein kindliches Gefühl von "Er hat mich nicht mehr lieb/mag mich nicht mehr so, wie ich bin" hoch und ich habe ein starkes Bedürfnis danach, dass ich getröstet und gehalten werde, wenn ich dann anfangen muss zu weinen. Das ist nicht immer so und kommt auch stark auf die Ausprägung des Streits an, aber gerade wenn wir länger diskutieren und ich irgendwann einfach heulen muss, wünsche ich mir, dass er mich auch mal in den Arm nehmen und sagen kann "Hey, wir schaffen das zusammen, wein nicht mehr, wir schauen jetzt mal, wie wir das hinkriegen" oder ähnliches.


    Er kann jedoch mit meinem Weinen teils nur schlecht umgehen. Sobald es um Themen geht, die er beispielsweise anspricht weil sie ihn selbst belasten und ich dann weine, fühlt er sich von mir unter Druck gesetzt. Er ist traurig, spricht etwas an, ich weine und er soll mich dann trösten - das passt für ihn nicht. Ich kann verstehen was er meint, aber ich tue mir sehr schwer damit, dass er es idann manchmal nicht schafft, mich in den Arm zu nehmen, wenn es mir nicht gut geht - ich weine ja nicht absichtlich. Gestern z.B. war ein Abend, an dem es sich leider wieder sehr hochgeschaukelt hat. Ich konnte irgendwann nicht mehr und lag weinend neben ihm im Bett, er hat sich keinen Zentimeter gerührt. Irgendwann saß ich dann in der Küche, er ist aber auch nicht nachgekommen. Danach hab ich mein Bettzeug geholt und bin in's Wohnzimmer, ich konnte es einfach nicht ertragen, direkt neben ihm so traurig zu sein und er sagt, er kann mich nicht in den Arm nehmen, er sei gerade ein Eisklotz (das ist normal nicht meine Art, ich habe bisher noch nie eine Nacht von irgendeinem meiner Partner getrennt verbracht aufgrund von Streit). Selbst als ich auf ihn zukam und ihn darum gebeten habe, konnte er es nicht. Erst nochmal später, als er dann kam um mir anzubieten, dass ich im Schlafzimmer schlafen könne und ich nochmal wie ein Häufchen Elend heulend vor ihm stand und meinte, dass ich so nicht schlafen gehen möchte, hat er mich endlich in den Arm genommen und gedrückt.


    In solchen Momenten ist der eigentliche Auslöser der Diskussion oder das, was er zu mir gesagt hat, für mich gar kein Thema mehr, ich finde es eigentlich nur noch schlimm, dass er mich so weinen lässt. Ich habe dann nicht mehr das Gefühl, dass wir ein Paar sind, was versucht, einen Konflikt gemeinsam zu lösen - nein, wir sind einfach unendlich weit weg voneinander. Mein Exparter war in solchen Momenten ganz anders, er war generell sehr verständnisvoll und einfühlsam und hat mir, wenn es nötig war, immer den Halt und die Stabilität gegeben, welche in diesem Momenten gebraucht habe. Ich hatte immer das Gefühl, dass wir es gemeinsam als Paar hinkriegen werden, er hat mir auch im Streit immer gesagt "Schatz, wir schaffen das, wir bekommen das hin", hat mich gedrückt und getröstet und wir sind nie im Streit ins Bett gegangen. Dass mir das so sehr fehlt, wird mir erst jetzt bewusst, wo mein Partner das nun nicht mehr kann. Er sagt auch, er könne in solchen Momenten nicht sagen "Wir bekommen das hin", weil er davon nicht überzeugt wäre - denn sonst würde er ja ein Problem nicht ansprechen. Aber wenn man nicht davon überzeugt ist, als Paar ein Problem aus der Welt schaffen zu können, wo bleibt dann das Vertrauen in uns, in unsere Fähigkeiten miteinander zu sprechen, Lösungen zu finden..?


    Leider idealisiere ich, wenn wir an so einem Punkt sind, dann gedanklich auch sehr meinen Exfreund (der mein allerbester Freund und Seelenverwandter war, und es ist leider einfach so, dass mein Partner und ich uns nie auch nur ansatzweise so ähnlich sein werden - genau diese totale Harmonie hat uns damals aber auch irgendwann das Genick gebrochen) und bin dann auch noch zusätzlich traurig und kann meinen Exfreund (mit dem ich mich nie so gestritten hätte) nicht ausblenden. :-|


    Habt ihr Ideen, wie wir es schaffen könnten, Diskussionen nicht so sehr hochkochen zu lassen? Wie diskutiert man vernünftig? Wir haben, glaube ich, teils so unterschiedliche Denk- und Verhaltensweisen - er kann mich dann nicht verstehen und ich ihn nicht. Ich kann mit seiner Wortwahl und seiner Art mit mir im Streit zu sprechen nur schwer umgehen, er kann mit meinem Weinen (er sagt auch, mein Weinen wäre der Grund, warum die Diskussionen immer so hochkochen, ich wäre quasi schuld) und damit, dass ich mich rechtfertige, nicht umgehen.


    Und gibt es Methoden, sich weniger schnell angegriffen zu fühlen? Ich möchte auch nicht immer gleich weinen. Gleichzeitig wünsche ich mir aber auch, dass er im Streit nicht mehr so kalt zu mir ist. Oder ist das zuviel verlangt?


    Liebe Grüße!


    *:)

  • 65 Antworten

    Es kann sein, dass dein Partner das Weinen unbewusst als strategisch eingesetztes Mittel der emotionalen Erpressung wahrnimmt.


    Von deiner Seite jedoch ist es Hilflosigkeit, eine Art Rückfall in kindliche Muster.


    Vernünftige Diskussionen über Eure Dynamiken machen vermutlich am wenigsten dann Sinn, wenn sie gerade am Laufen sind, sondern eher dann, wenn man gerade einander zugewandt und wohlgesonnen ist.

    Habt ihr schon mal über eure Streitereien in einem ruhigen Moment gesprochen? In so einem Gespräch könnt ihr dem anderen sagen, welche Erwartungen und Wünsche ihr habt und dann gemeinsam festlegen, wie ihr mit solchen Situationen besser umgehen könnt und z.B. Verhaltensregeln aufstellen. Das funktioniert aber nicht von heute auf morgen und erfordert immer wieder, dass ihr alleine und zusammen reflektiert, ob eure Absprachen funktionieren und ihr sie auch einhaltet.

    Ja, ich glaube, er fühlt sich durch das Weinen unter Druck gesetzt. Und ein stückweit in seinem vorgetragenen Problem unverstanden, da der Fokus dann nicht mehr auf dem eigentlichen Thema, sondern darauf, dass ich traurig bin und weine, liegt. Wenn er allerdings, ich sag mal, nicht so allergisch darauf reagieren würde, könnten wir sicher auch trotz des Weinens besser weitersprechen oder ich würde mich schneller wieder sammeln können.


    Wir haben auch schon in ruhigen Momenten darüber gesprochen und waren sogar schon ein paar Mal bei einer Beratungsstelle, um das Problem frühzeitig anzugehen. Im Grunde wissen wir, was der andere sich wünscht, aber irgendwie schaffen wir es nicht, uns im Streit an das zu erinnern, was wir vereinbart haben, oder jedenfalls zu selten.


    Er wünscht sich von mir, dass ich mich weniger schnell angegriffen fühle, mich nicht immer direkt rechtfertige sondern länger zuhöre und nicht so schnell weine. Er würde gerne Dinge, die ihn belasten, ansprechen, ohne Bedenken haben zu müssen, dass ich mich verletzt fühle, weine und das Thema aus dem Fokus gerät oder wir uns irgendwann nur noch gegenseitig widersprechen. Er sagt, er bemüht sich, sein Anliegen ruhig vorzutragen, mir keine Vorwürfe zu machen und nicht zu hart zu formulieren. Bei mir kommen leider häufig trotzdem Vorwürfe und "übertriebene" Formulierungen an. Ich wünsche mir weniger "Drama" und mehr Sachlichkeit im Gespräch, Fokus auf das Thema statt Ausschweifen (gern werden dann nämlich auch weitere Problemfelder aufgerollt), weniger Negativität ("schaffen wir ja eh nicht"), weniger Vorwürfe ("Ich bin der Überzeugung du bist schuld an Diskussionen, wenn du dich nicht immer gleich angeriffen fühlen würdest..."), mehr Gelassenheit und Empathie wenn ich weinen muss. Es tat ihm im Nachhinein auch leid, er meinte, er war selbst so verletzt und sauer dass er es nicht mehr geschafft hat auf mich zuzugehen. Wir haben auch eigentlich mal vereinbart, bewusst zu stoppen wenn die Diskussion in bekannte Muster abdriftet und zu einem späteren Zeitpunkt nochmal in Ruhe zu sprechen, wenn die Stimmung nicht mehr so emotional aufgeladen ist. Leider rutschen wir in unsere Diskussionen oft so rein und ehe man auch versieht, ist man doch mittendrin. :-/ Ein paar Wochen war es echt gut, aber gerade diskutieren wir wieder häufiger. Wir haben ein seeeehr lebhaftes und aktives Kleinkind hier rumwuseln, wir haben wenig Zeit für uns und auch Zärtlichkeiten bleiben häufiger auf der Strecke, was ihn auch stark belastet und ihn z.T. dann auch viel gereizter sein lässt. Und auch bei dem Thema liegt die Schuldfrage dann eher bei mir, ich finde aber, wir sollten lieber aktiv nach Wegen für Freiräume suchen anstatt dem anderen vorzuwerfen, ihm wäre das Thema ja eh nicht so wichtig... :-/


    Wir sollten uns wahrscheinlich wirklich nochmal hinsetzen, unsere Wünsche und Erwartungen (vielleicht auch schriftlich?) formulieren und daraus nochmal klare Verhaltensregeln ableiten. Auf Dauer kann es so jedenfalls nicht weitergehen, da macht man sich irgendwann kaputt. Wir haben glaub in den letzten 2 Jahren schon weitaus mehr und heftiger diskutiert als ich mit meinem Exfreund in über 11 Jahren...


    Sporty Dragon, welche Art von Ultimatum meinst du? Welche Erfahrungen hast du gemacht?


    Vielen Dank schonmal für eure Antworten! @:)

    Ich glaube, ihr seid euch eigentlich recht ähnlich, aber drückt euch verschieden aus. Und eigentlich weißt du das auch, oder?

    Zitat

    Er ist schnell emotional und drückt m.M.n. Dinge, die ihn belasten, häufig gleich mit einer "extremen" Wortwahl aus.

    Hier schreibst du es doch selbst. Was für dich das Weinen ist, ist für deinen Partner seine extreme Wortwahl. Das ist seine Form, seine Hilflosigkeit auszudrücken, so wie es für dich deine Tränen sind. Im Grunde glaube ich also, dass ihr euch eigentlich ähnlich fühlt. Von daher verstehe ich das Anliegen des Partners, wenn er mit etwas auf dich zukommt und du dann zu weinen anfängst und das Thema dadurch abbrichst und ihn im Grunde zusätzlich auch noch mit deinem Zustand belastest, absolut. Denn das hier:

    Zitat

    Aber wenn man nicht davon überzeugt ist, als Paar ein Problem aus der Welt schaffen zu können, wo bleibt dann das Vertrauen in uns, in unsere Fähigkeiten miteinander zu sprechen, Lösungen zu finden..?

    Das ist wahrscheinlich schwer für ihn zu glauben, wenn er das Gefühl hat, dass er mit dir nicht über die Dinge reden kann, weil du das Thema irgendwann durch deine Tränen immer beendest.


    Fragen:


    1) Würdest du anders reagieren, wenn dein Partner statt seinen extremen Aussagen wirklich weinen würde? Im Grunde ist das, was er ausdrückt - Verzweiflung, kein Licht am Ende des Tunnels sehen, Hilflosigkeit - ja sowohl in seinen Aussagen als auch in hilflosem Weinen zu finden. Wenn du dir das vielleicht klarmachst, dann würdest du dich vielleicht weniger in die Ecke gedrängt fühlen?


    2) Ihr wart schon bei einer Beratung, das finde ich super! :)^ Könntet ihr euch vorstellen, dass vielleicht regelmäßig in Anspruch zu nehmen (im Sinne von einer richtigen Therapie, wo man wöchentlich bespricht, was so vorgefallen ist)? Ich glaube, ein Mediator, der verhindert, dass die Diskussionen eskalieren, könnte euch beiden sehr helfen. So würdest du weniger ans Weinen kommen und dein Partner könnte vielleicht ein Thema einfach mal zu Ende besprechen, wie er es möchte, ohne das es eskaliert und abgebrochen werden muss.


    3) Wenn das bei euch so oft in letzter Zeit eskaliert: Wieviel bekommt das Kind da mit? :-/ Klar, noch ist es ein Kleinkind, aber Kinder bekommen früh feine Antennen für solche Dinge.

    Ihr habt beide noch keine Streitkultur gefunden, aber das kann ja noch werden. Ich finde es prima, dass ihr schon mal bei einer Beratung ward, eine neutrale Person als Vermittler ist nie verkehrt und eine Psychologin als Beraterin, die ihren Job versteht ist Gold wert.


    Zwei Dinge werdet ihre jeder für Euch lösen müssen. Da kann Dir eventuell eine individuelle Therapie helfen.


    Dein Freund muß aufpassen, dass er nicht jeden Streit zum finalen Endkampf hochstilisiert. Nicht alles ist ein "Großes Problem" und nicht alles ist so schwer, dass man das "NIE" hinbekommt. Mit so einer Wortwahl verbaut man sich selber die Lösung. Er muss also aufpassen, was er sagt, was alles andere als einfach ist.


    Du wiederum solltest ebenso aufpassen, was Du tust. Ein Streit beruht auf einer Meinungsverschiedenheit. Die wird es immer geben. Die gehören ausgeräumt, damit sie in der Beziehung nicht zu einem Problem werden. Aber die Meinungsverschiedenheit ausräumen scheitert, wenn man zu keinem "normalen Streit" fähig ist. Dann sammeln sich die Probleme bis die Beziehung daran erstickt.


    Eine Diskussion über eine Meinungsverschiedenheit muss man annehmen. Du verfällst in kindliche Muster und weinst, in dem Moment scheitert Euer Streit um die Sache. Dass Deinen Freund das auf Dauer wütend macht, ist verständlich, er ist hilflos in dem Moment, weil er nicht mehr weiß, wohin mit seinem Problem.


    Wie das lösbar ist, weiß ich nicht. Meine Frau nimmt auch jede Kritik an einer Sache persönlich und reagiert mit Abwehr, aus ähnlichen Gründen wie Du. Mangelndes Selbstwertgefühl. Leider kann man nicht jede Kritik gänzlich vermeiden. Dies Verhalten ist in einer Beziehung nicht auf Dauer tragbar.


    Vielleicht schafft ihr es, zusammen mit der Paarberatung Kommunikationsmuster zu entwickeln, in denen ihr normal miteinander reden könnt. Vielleicht braucht es für Dich eine Therapie um die Vergangenheit aufzuarbeiten.


    Die Erkenntnis, dass eine sehr sensible Persönlichkeit und eine eher unsensibler Charakter nicht zusammen passen, wäre die allerletzte Konsequenz.

    Ich kann Dir das sehr gut nachfühlen... die Streits mit meiner Partnerin kochen leider auch manchmal unnötig hoch.


    Bei uns ist es so, dass ich generell sehr selten Probleme anspreche, weil ich einfach ein Mensch bin, der über vieles hinwegsehen kann und dessen Toleranzgrenze sehr hoch angesiedelt ist. Soll heissen: WENN ich etwas anspreche, dann habe ich WIRKLICH ein Problem damit und das letzte was ich möchte, ist, dass man es dann nicht ernst nimmt.


    Meine Partnerin ist hingegen jemand, der recht schnell etwas "kritisiert" und anspricht. Da unterscheiden wir uns deutlich.


    Wenn also nun so eine Diskussion am Laufen ist und ich Punkte anspreche, die mich in unserer Beziehung bzw. unserem Alltag stören, dann dreht sie es leider oftmals so hin, als wäre im Endeffekt ich selbst an allem schuld.


    Das fühlt sich dann manchmal so an, als würde man mir einfach so den Boden unter den Füßen weg ziehen. Ich werde dann innerlich wütend, weil sie "mal wieder" mein Problem überhaupt nicht verstanden zu haben scheint. Es bereitet mir dann große Mühe, einigermaßen kultiviert weiter zu diskutieren.


    Was ich damit sagen möchte... ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass Dein Freund durch Dein Weinen der Meinung ist, dass sein Problem "mal wieder" überhaupt nicht angekommen ist. Er denkt dann vielleicht, dass Du das Momentum auf Deine Seite ziehen möchtest und er dann "wieder" als der Böse da steht.


    Ich kann das aus o. g. Gründen irgendwo verstehen, allerdings finde ich es nicht gut von ihm, dass er Dich dann heulend und schluchzend stehen/liegen lässt und es nicht schafft, Dich in den Arm zu nehmen. Das würde ich beispielsweise so nicht machen...


    Vielleicht sprichst Du nochmals genau das bei ihm an und versicherst ihm, dass Dein Gefühlsausbruch in dem Moment überhaupt nichts damit zu tun hat, dass Du ihn in irgendeiner Weise erpressen, oder die Diskussion in eine andere Richtung lenken möchtest. Evtl. versteht er dann besser, was dahinter steckt.


    Grundsätzlich finde ich es schwierig, wenn ein Partner als "Verlierer" aus einer Diskussion herausgeht. Man müsste es irgendwie schaffen, das Ganze auf Augenhöhe zu führen und dann auch auf Augenhöhe zu beenden.


    Vielleicht wäre dann beim nächsten Streit/Diskussion nicht von vornherein so viel Sprengstoff drin. Wie das geht? Leider keine Ahnung. Wenn da jemand ein Patentrezept hat - immer her damit. ;-D

    Liebe _delilah_


    das was du berichtest kenne ich nur zu gut. Mir geht es mit meinem Partner ähnlich. :)_


    Bei uns knallt es auch oft wegen Kleinigkeiten.


    Ich bin eher ein entspannter Typ. Ich mag meinem Partner, den ich über alles liebe, nicht wegen jedem kleinen Scheiß die Hölle heiß machen. Warum auch...ich bin auch nicht fehlerfrei!


    Leider sieht er die Kleinigkeiten die ihn stören nicht so locker. Dann kritisiert er mich auch schneller und wird dabei teilweise richtig gemein. Er findet einfach nicht die richtigen Worte was er gar nicht so mitbekommt. Wenn ich dann Kontra gebe, das ich das jetzt nicht sehr nett fand, eskaliert es meist noch mehr.


    Er soll das was ihn stört ja auch ansprechen dürfen, aber ordentlich.


    Um mal ein Bespiel zu nennen:


    Wenn mich etwas an ihm stört sage ich meist...Schatzi ich würde mich echt freuen wenn..., ...oder das fand ich jetzt nicht so schön...


    Wenn ihn etwas stört, kommen Sätze wie...wenn DU das nicht auf die Reihe bekommst.. DU bist das doch die hier....


    Und das geht meiner Meinung nach gar nicht :(v :(v :(v


    So was sollte man sich auch nicht gefallen lassen.


    Wenn er oder ich nach einer heftigen Auseinandersetzung versuche, das ganze nochmal im ruhigen zu klären, eskaliert es oft gleich noch mal ...es sei denn ich halte meinen Rand.


    Ich habe auch schon verschiedenes ausprobiert. Ich habe versucht ruhig zu bleiben und ihn labern zu lassen, ich habe geheult oder geschrien...nix.


    Aber bei mir ist jetzt Schluss.. Ich lasse mir das auch nicht mehr bieten. Ich sage was ich denke und wenn er es nicht rafft bin ich kühl und er kann mich mal. fertig.


    Jetzt ist das bei euch etwas verfahrener. Ihr habt ein gemeinsames Kind. Vielleicht wäre es doch besser gewesen ihn vorher besser kennenzulernen, bevor ihr ein Kind zusammen bekommt. Trotzdem solltest du dir so was nicht bieten lassen.


    Hast du ihm denn mal erklärt warum du weinst? Du hast auch erst vor kurzem ein Kind bekommen auch da ist man emotionaler.


    Eine gemeinsame Streitkultur zu finden kann gelingen, aber daran müsst ihr beide hart arbeiten. Das wird nicht leicht.


    Ihr müsst nach einem Streit darüber sprechen können ohne das sich der andere gleich wieder angegriffen fühlt.


    Wenn er Partus nicht will, könntet ihr euch auch profes. Hilfe suchen. Es gibt auch kostenfreie Beratungsstellen die in einer solchen Situation vermitteln.


    Ich drück die Daumen :)_

    Zitat

    Und gibt es Methoden, sich weniger schnell angegriffen zu fühlen?

    Ein Patentrezept gibt es nicht.


    Viele raten dazu, aus der "Ich-Perspektive" heraus zu formulieren.


    Also nicht "Du machst dies und das ist Mist", sondern "Ich finde dies und das schlecht." Was aber meines Erachtens Kinderkram ist, denn ich finde ja nicht dies und das allgemein schlecht, sondern die Tatsache, dass mein Gegenüber das macht. "Ich würde mir wünschen..." ist eine Möglichkeit, aber die Lösung zu formulieren, bevor das Problem benannt ist, ist m.E. auch nicht sinnvoll.


    Ich kann mich drüber aufregen, dass meine Frau z.B. Gurken schält und die Schalen in der Spüle liegen lässt. Der Bio Mülleimer ist direkt unter der Spüle... Wenn ich sage "Du hast die Schalen in der Spüle gelassen" kommt direkt der Spruch "Und Du lässt Deine Socken im Bad liegen". Da ist NULL Bereitschaft, sich gedanklich mit dem Thema Schalen in der Spüle auseinanderzusetzen, stattdessen fühlt sie sich persönlich angegriffen und es wird direkt in den Kampfmodus geschaltet. Ehrlich, ich hab nie einen Weg gefunden, das so zu kommunizieren, dass es ankommt.


    Mein Tipp wäre: versuch zuzuhören, verstehe die Worte und interpretiere da nichts rein.


    "Ich finde es blöd, dass die Gurkenschalen in der Spüle liegen" heißt genau das. Es heißt nicht "Ich finde Dich blöd".

    Man kann von "Ich-Botschaften" halten, was man will, ich möchte nur kurz erwähnen, dass sie NICHT so zu formulieren sind, wie Ralph das andeutet.


    Es macht ja keinen Unterschied, ob ich sage: Du bist ein Arschloch, oder Ich finde, du bist ein Arschloch :)


    Ich-Botschaften bleiben wirklich bei einem selbst: "Ich wünsche mir, dass du mich in den Arm nimmst." "Ich bin traurig" etcpp. Sie sollen gar keine Aussagen über den anderen machen, weil das dann sowieso nur als Vorwurf gehört wird, egal, wie es formuliert wurde.

    Ich kann einen Diskussionpartner, der die Tränendrüse nicht unter Kontrolle hat, leider nicht ernst nehmen. Das scheint bei dir ja Programm zu sein. Tränen sind wichtig wenn man traurig ist. Es ist auch gesund, zu trauern. In einem sachlichen Gespräch haben sie nichts verloren. Wie soll man sich als Gesprächspartner ernst genommen fühlen?


    Daran könntest du ansetzen. In der Regel merkt man, wenn man langsam die Contenance verliert - also die Tränen fließen nicht von einer Sekunde auf die andere. In dem Moment kann man das genau so benennen und das Gespräch vertagen. Für mich stellt das einen respektvollen Umgang dar, sich nicht einfach gehen zu lassen. Pausen sind bei heftigen Themen immer gut. Es braucht manchmal Abstand um die Dinge klar und sachlich zu sehen.


    Vielleicht stellst du dir einmal die umgekehrte Situation vor. Wie würde es auf dich wirken und wie reagierst du, wenn dein Partner mitten in einem Gespräch in Tränen ausbricht?