So, da bin ich wieder.


    Ich habe mir auch deinen alten Faden nochmal durchgeschaut, den ich ja auch lange begleitet habe. Und mir ist aufgefallen, wie sehr sich Muster bei dir wiederholen. Wie sehr du vom Prinzip Hoffnung lebst, weil du damit die Situation entschärfen möchtest und sie für dich nicht mehr bedrohlich wirkt. Du hattest dich bei deinem Exfreund in vielen Beiträgen auf die positiven Dinge bezogen und dir viel gewünscht. In eurem Urlaub war alles Bombe, und schon einen Monat später hat sich die Situation zugespitzt. Einen weiteren Monat weiter ist deine Beziehung bereits zerbrochen.


    Mit deinem jetztigen Freund wiederholte sich das Schwärmen über den nächsten Kurzurlaub und wie nahe ihr euch gekommen seid.


    Im August hast du folgenden bemerkenswerten Absatz geschrieben:

    Zitat

    Mein Freund ist jemand, der immer ganz genau wissen möchte, was mit mir los ist, er kann aber auch mit ehrlichen Antworten, Kritik oder Anregungen sehr gut umgehen, was er mir wieder leichter macht, das was mich bewegt offen an- und auszusprechen. Auch umgekehrt funktioniert das gut. Hierdurch lernen wir uns einerseits gerade wirklich gut kennen, andererseits hilft der offene Umgang miteinander auch, Unstimmigkeiten immer schnell aus dem Weg zu räumen oder Kompromisse zu finden. Diese Art, miteinander zu sprechen, kannte ich ganz so offen bisher nicht und es ist schön zu merken, dass das auch so funktioniert.

    Was ist seitdem anders? Wer hat sich verändert? Genau das, was du bei ihm vor 1,5 Jahren hervorgehoben hast, scheint aktuell nicht mehr zu bestehen. Du hast gelernt, deine Bedürfnisse mehr zu äußern, was ja nach der Erfahrung im Elternhaus eine durchaus positive Entwicklung ist. Kommt er damit klar - er hatte dich schließlich so kennengelernt, wie du in deiner alten Beziehung und deiner Jugend konditioniert warst.


    Mir ist auch aufgefallen, wie sehr sich das Weinen wie ein roter Faden durch deine Geschichte zieht. Das hat sich bis heute nicht geändert, wohl aber bist du vermutlich fordernder geworden. Was du früher als Leidenschaft bei deinem Freund gelobt hast, ist jetzt ein Knall im Streit. Ihr diskutiert über Nähe und Zärtlichkeit, dabei war er es doch, den du so anziehend fandst, weil er dir diesbezüglich mehr gab als dein Exfreund.


    Bitte sag mir nicht, dass sich die ganze Geschichte jetzt wiederholt :)_ .


    Hast du eine Idee, wo du ansetzen könntest? Kannst du - ohne dir die mühsam die Lichtseiten zusammenzusuchen - differenzieren, welche Defizite durch das Kind (Stress, wenig Zeit ... normal) kommen, und welche Defizite du in der neuen Beziehung vielleicht wusstest, sie aber nicht als solche erkanntest? Nicht selten wird ja eine liebenswerte Eigenschaft der ersten Wochen der spätere Sprengstoff einer Beziehung. Ein Freund von mir hatte nach 10 Jahren mit seiner (etwas leidenschaftslosen) Ex etwas mit einer Metal-Braut angefangen, die das totale Gegenteil war. Er war so froh, alles gefunden zu haben, was er vorher vermisste. Das Ganze hielt nur 5 Monate und war nichts als Sehnsucht, aber eben kein Beziehungskonzept mit Bestand.


    Ihr habt ein Kind, was Änderungen nicht unmöglich, aber schwieriger macht. Und du musst dich dringend mehr prüfen, woher deine Gefühle kommen, die dich so traurig machen. Ich glaube, insgesamt musst du einfach die Augen ein Stück weit mehr aufmachen. Dir mehr Halt unter den Füßen besorgen und mit deinem Freund die Diskussionen ohne Tränen und nicht im emotional roten Bereich führen. Er spricht eine andere Sprache als dein Ex, aber er kann sich nicht nur nach deinen Befindlichkeiten richten, sondern du musst auch ein Stück klarer werden. Ich finde auch, dass Tränen solche Themen sehr erschweren. Gerade weil man niemandem weh tun möchte, aber Dinge trotzdem manchmal gesagt werden müssen. Dass es dann emotional schwierig wird oder sogar knallt, ist jedes mal eine verpasste Chance, weil man genau in dem Moment darüber reden können muss. Ein Neustart 2 Tage später ist immer sehr, sehr schwierig, weil da das Prinzip Hoffnung schon wieder die Oberhand hat.

    Hallo! Bitte entschuldige meinen unangemessen kurzen Einwurf.


    Du hattest eine unerfreuliche Kindheit: Du hattest nichts zu sagen und wenn Du es versucht hast, bekamst Du Schläge. Eine Diskussionskultur / -Verhalten konntest Du so nicht lernen, auch kein Selbstbewusstsein. Das prägt Dich bis heute.


    Alles was ich Dir dazu raten könnte, würde Dich noch mehr in die Rolle der Ja-Sagerin drängen, was ich keinesfalls möchte und Dir auch nicht zur selbstbewussten Frau helfen würde.


    Vielleicht hilft es, wenn Ihr alles was zu klären ist, vorzeitig ansprecht, die Lösung / Entscheidung aber noch offen lasst, sodass sich jeder erst einmal Gedanken machen kann.


    Oder Ihr nehmt ein plötzliches Problem, wie z.B. einen Posteingang erst einmal zur kenntnis, jeder macht sich Gedanken und Ihr besprecht dann das weitere Vorgehen nach 1 - 2 Tagen, so wie oben geschrieben.


    Ob jetzt jemand optimistisch sagt: "schaffen wir schon", oder pessimistisch: "schaffen wir doch nicht", ist egal - entscheidend ist das Ergebnis nach einer Denkpause. Und da gilt der Versuch, das Bestmögliche zu schaffen und zu erreichen. Falls etwas unmöglich ist, sollte man eine erreichbare Alternative suchen.


    Dazu braucht man eigene Gedanken und eine Diskussion - nur "Knallen" darf es dabei nicht.


    Ich wünsche Euch viel Erfolg für ein zusammenleben!

    Zitat

    Ich wünsche mir weniger "Drama" und mehr Sachlichkeit im Gespräch, Fokus auf das Thema statt Ausschweifen

    Redest du da von ihm oder von dir? Ich finde nämlich, dass du hier für Drama und Abschweifungen verantwortlich bist.


    Dass du weinst, finde ich nicht schlimm, aber dass du dann nur noch an dich denkst und ihm Nähe aufzwingen willst ohne seine Bedürfnisse zu respektieren, das schockiert mich:

    Zitat

    In solchen Momenten ist der eigentliche Auslöser der Diskussion oder das, was er zu mir gesagt hat, für mich gar kein Thema mehr, ich finde es eigentlich nur noch schlimm, dass er mich so weinen lässt.

    Und als wäre das nicht genug, kommt noch emotionale Erpressung dazu (Ich habe nicht das Gefühl wir sind noch ein Paar) und deine Idealisierung vom Ex (Da war alles soooo viel besser.). :(v


    Daran solltest du dringend arbeiten. Fokussiere dich auf deinen Anteil an diesen Eskaltionen und nicht darauf, was er alles besser machen muss.

    Was gato geschrieben hat, ging mir auch als erstes durch den Kopf. :-o :|N


    Puh. Also, ich muss ja sagen, bei den meisten Menschen ist der Ofen aus bei emotionaler Erpressung, weil das nun einmal für viele in krasses Triggerthema ist.


    Ich kann deinen Partner da gut verstehen und mich in seine Situation hinein versetzen. Auch wenn dir das jetzt nicht weiter hilft. X-
    Wenn jemand vor mir anfängt zu weinen und mir dann sogar noch so unverhohlen signalisiert, dass ich dafür verantwortlich bin und von mir erwartet, dass ich es nun als meine Aufgabe betrachte, etwas dagegen zu tun... sorry, ich wäre weg. Jeder ist für das verantwortlich was er empfindet und es ist meine Ansicht, dass es jedem seine eigene Aufgabe ist, damit fertig zu werden, alles andere empfinde ich als Bedürftigkeit und Abhängigkeit.


    Für mich gestaltet sich das so: 1) Wenn mir die Nähe zu jemandem so viel Stress macht, so viel Konflikpotential hat, dann suche ich nicht die Nähe dieser Person.


    2) Wenn eine Person in mir auslöst, dass ich mich so schlecht fühle, dass ich weinen muss, dann reflektiere ich, was mich dazu bringt und schaue, woran ich arbeiten kann.


    Aber man sollte absolut niemals von jemandem erwarten, dass er sich mit den eigenen Gefühlen auseinander setzt - denn das ist nicht dessen Baustelle, auch wenn der andere der Auslöser ist.


    Ich könnte und wollte jedenfalls nicht in einer Partnerschaft leben, wo Konflikte darauf hinaus laufen, dass ich beschuldigt werde, verantwortlich gemacht werde, Erwartungen an mich gestellt werden und ich im Endeffekt auch noch die Probleme des Partners lösen muss. Dein Verhalten klingt ziemlich anstrengend und ich nehme an, dass du mit deinem Verhalten dafür sorgst, dass dein Partner sich auch ziemlich schlecht und hilflos fühlt.


    Allein das Weinen wäre für mich auch ein großes Problem, weil -egal was du sagt- schon das Weinen selbst ja signalisiert "mach was". Ich wäre damit schlichtweg überfordert und würde mir die nächste Tür suchen, damit ich mir das nicht reinziehen kann. Ich verstehe sowieso nicht, warum Leute so provozierend vor anderen los weinen, denn damit zieht man immer jemanden mit rein, der dann auch damit fertig werden muss und das finde ich eigentlich ziemlich selbstsüchtig und wie ein heischen um Aufmerksamkeit, welches den Gegenpart dazu drängt, etwas zu tun, auch wenn er sich nicht in der Lage dazu sieht.

    Vielen lieben Dank für eure bisherigen Antworten und die Gedankenansätze! Ich wollte nur Bescheid sagen, dass ich heute vermutlich nicht mehr zum Antworten komme - der Kleine schläft noch nicht und wir haben nur einen PC und ich muss noch schauen, wie ich in Ruhe alleine auf alles antworten kann, am Handy ist das etwas langwierig. Ich melde mich aber sobald wie möglich! Vielen Dank schonmal, da war einiges dabei, was mich gerade zum Nachdenken bringt. Bis bald! @:)

    @ Morwena

    Du hast Recht, wenn du sagst, dass wir uns wahrscheinlich im Grunde gar nicht so unähnlich sind. Zu deinen Fragen:


    1.)Wenn er immer weinen würde, würde ich ihn wohl erst einmal direkt trösten, ich kann niemanden weinen sehen. Vielleicht wäre ich aber irgendwann auch ein wenig genervt, wenn ich das Gefühl hätte, ich kann mit ihm über nichts so richtig reden, weil er zu schnell losweint. Danke für diesen generellen Anstoß, ich glaube, wenn ich mich daran erinnere, dass seine Wortwahl auch nur sein Ausdruck für seine Hilflosigkeit ist (so wie bei mir das Weinen) fällt es mir vielleicht leichter, mich nicht in eine Ecke gedrängt und angegriffen zu fühlen, sondern anders damit umzugehen.


    2.)Wir waren dort schon ein paar Mal und gehen auch alle paar Wochen hin. Die letzten Termine hatten aber längere Abstände weil die Beraterin leider nur nochmal einmal pro Woche dort arbeitet. Wir gehen im April wieder zu zweit. Vielleicht können wir die Zeit bis dahin nochmal als "Übungsfeld" nutzen und dann nochmal mit einem konkreten Anliegen vorsprechen. Oft war es vor den Terminen so, dass es gerade dann in den Tagen zuvor recht harmonisch war und dann weiß man manchmal gar nicht mehr so richtig, warum man sich an anderen Tagen eigentlich so in die Wolle bekommt.


    3.)Wir versuchen, nicht vor unserem Kind zu streiten. Kleinere Diskussionen gibt es manchmal schon, aber wenn wir merken, das könnte was Größeres werden, brechen wir ab. Generell diskutieren wir eher am Abend, wenn der Kleine schläft. Aber ich weiß, auch die Diskussionen, die wir schon vor ihm hatten, sind nicht gut und eigentlich zuviel. :-/

    @ Ralph_HH

    Du hast Recht, ich weiß, dass ich daran arbeiten muss, nicht immer gleich zu Weinen und alles persönlich zu nehmen. Ich weiß ja, woher es kommt, dieses Muster zu durchbrechen ist leider echt schwer, auch wenn ich es immer wieder versuche. Ich war vor 10 Jahren schon einmal in einer Therapie wegen einer damaligen Angststörung, da war das auch Thema und auch bei der aktuellen Beratungsstelle war ich eigentlich zuerst (vor 3 Jahren, als bei mir emotionaler Ausnahmezustand herrschte, wir haben aber auch schon über meine Kindheit und daraus resultierende erlernte Verhaltensmuster gesprochen) alleine. Da die Beraterin aber wirklich toll ist und auch Paarberatung anbietet, sind wir nun eben gemeinsam dort. Ich denke, ich muss da meine eigenen Themen nochmal intensiver angehen, in welcher Form auch immer, da muss ich nochmal in mich gehen. Vielleicht genügt es auch, im Rahmen der Beratung nochmal intensiver draufzuschauen. Welchen Weg habt ihr denn für euch gefunden, damit umzugehen, wenn deine Frau vieles auch sehr persönlich nimmt? Du meintest ja, du hast nie so den Weg gefunden, Dinge so zu kommunizieren, dass sie bei deiner Frau ankommen – hast du quasi resigniert, oder arbeitet ihr da noch dran?


    In diesem Punkt sind mein Partner und ich uns übrigens auch recht ähnlich, auch er nimmt vieles gleich persönlich, reagiert dann aber nicht mit Weinen, sondern wird dann eher wütend. Ihm ist das aber auch bewusst und er arbeitet da auch dran, vielleicht ist er da auch schon ein Stück weiter als ich.

    @ Furios

    Mhm, wenn ich ehrlich bin, erkenne ich im Verhalten deiner Partnerin leider etwas Ähnlichkeit zu mir. Ich bin auch jemand, der recht schnell kritisiert (z.T. sicherlich auch zurecht, wenn es der x-te Klamottenberg im Bad ist und man das Gefühl hat, man redet mit einer Wand, aber häufig müsste ich mich auch mehr zurücknehmen). Darüber, dass mein Weinen in dem Moment nichts damit zu tun hat, dass ich ihn nicht ernst nehme, ihn erpressen möchte oder sonstiges, habe ich schon öfter mit ihm gesprochen und das glaubt er mir auch. Er sagte beim letzten Mal nur, dass manchmal eine Schwelle bei ihm überschritten ist – dann sei er so sauer und enttäuscht, dass er es einfach nicht schaffe, mich zu trösten, weil er denkt, eigentlich müsste ja er getröstet werden und er das in dem Moment dann nicht hinbekommt. Er sagte mir aber auch, dass er weiter versuchen will, dann trotzdem nicht so kalt zu mir zu sein.

    @ sunni

    Tut mir leid, dass du solche Streitsituationen auch kennst. Ich hoffe, ihr findet auch einen guten Weg, da irgendwann besser mit umzugehen. Die Gründe des Weinens habe ich ihm erklärt, ja, siehe oben. Ich bin generell ein eher emotionaler Mensch und ich muss zugeben, auch nicht mehr so "stabil" wie früher – Schlafmangel, Anstrengung etc. tragen da einiges dazu bei. Wir haben ein wirklich sehr forderndes und aktives Kind, Schlechtschläfer dazu (aktuell bessert es sich, die ersten 13 Monate waren grausam, nie länger als 1,5 – 2 Stunden am Stück), dann manage ich Haushalt, Kind und alles Organisatorische… er hilft mir wo er kann und ist auch häufiger am Nachmittag mal da, was super ist, trotzdem bin ich die "Managerin" aller Termine und Erledigungen und… ja, ich bin oft auch gestresst und gereizt, weil es einfach viel ist. Und wenn dann noch unsere Diskussionen hinzukommen, habe ich glaube ich auch oft kein so dickes Fell mehr, gerade, wenn er dann auch mich als "Schuldige" hinstellt oder eben recht "extrem" formuliert...

    @ heute_hier

    Vielleicht sollten wir das mal austesten, ja. Also das Gespräch vertagen wenn ich merke, es geht grad nicht mehr. Wobei das aber auch kontraproduktiv sein könnte, denn dann würden wir ja wieder erst einmal nicht mehr über das reden, was meinen Partner belastet. Auf Dauer muss ich einen Weg finden, nicht zu schnell zu weinen, denke ich.

    @ Comran

    Schön, dass du hier bist :-)


    Danke auch, dass du nochmal in meinem alten Faden gekramt hast…mir war bisher gar nicht so bewusst, dass sich bestimmte Muster tatsächlich so wiederholen.


    Ja, was hat sich verändert? Wir haben damals, als die Situation für uns beide sehr emotional war, sehr viel geredet. Ich war oft noch traurig wegen meines Exfreundes und der großen Veränderungen, die sich dadurch ergeben hatten (Wegbruch von vielen Freundschaften etc.). Er hat mich damals immer ermuntert, alles anzusprechen, hat mich aufgefangen und ebenso habe ich ihn getröstet, wenn er traurig war, weil auch er hatte ja im Zuge der Trennung und unserer Beziehung viel verloren.


    Ich glaube, ein großes Thema, was auch die Art unserer Gespräche verändert hat, war und ist tatsächlich das Thema Nähe und Zärtlichkeit. In der Schwangerschaft durften wir eine Weile keinen Sex mehr haben, späte war häufig der Bauch im Weg und generell hab ich mich irgendwann nicht mehr wirklich toll gefühlt durch diverse Beschwerden, Schlafstörungen etc. Er hat damals ganz oft gesagt, dass er damit nicht richtig klarkommt – quasi von 0 auf 100 (bei unserem Kennenlernen und der Zeit bis zur Schwangerschaft) und wieder zurück… Hatte Angst, ich finde ihn nicht mehr anziehend, Angst wir werden nun immer wenig Sex haben weil ja auch kein Kind viel Stress und wenig Schlaf bedeutet und das war einer unserer Hauptdiskussionspunkte in der Schwangerschaft. Ich hab ihm immer gesagt, dass sich an der Anziehung nichts verändert hat, es waren und sind die äußeren Faktoren, die dazu führen, dass wir eben nicht mehr täglich miteinander schlafen sondern aktuell eher so alle 6 oder 7 Tage. Ich weiß, dass das nicht sehr viel ist, aber oft sind wir abends auch einfach platt und nicht selten sagt auch er um 22 Uhr, er macht jetzt das Licht aus. Wenn der Kleine dann mal wieder erst um 21 Uhr eingeschlafen ist, hält sich dann die gemütliche Zeit zu zweit sehr in Grenzen.


    Ich glaube tatsächlich, seine Laune und Toleranzschwelle bzgl. anderer Themen ist stark von unserem Sexualleben abhängig. Läuft das besser, diskutieren wir weitaus weniger, er ist viel ausgeglichener und sieht auch mal über etwas hinweg. Haben wir weniger Sex, sind auch andere Themen plötzlich viel problematischer für ihn und dann kommt manchmal auch ein kleiner Rundumschlag aller Dinge, die ihn irgendwie nerven. Für mich hängt da aber ein Großteil dieses Themas eben mit dem kleinen Mann zusammen, denn ich finde meinen Partner immer noch ganz genauso toll wie am Anfang, da hat sich nichts geändert. Er hat leider das Gefühl, dem wäre nicht so, denn sonst hätten wir doch immer noch das gleiche Sexualleben. Wenn ich ihm sage, dass ich manchmal abends einfach erschlagen vom Tag bin, dann kann er das nicht so sehen. Er glaubt, wenn man jemanden richtig anziehend findet, bekommt man immer Lust auf den anderen, vor allem wenn man merkt, der andere hat Lust... das ist bei ihm so, bei mir aber nicht. Wenn ich totmüde bin, dann ist es sehr schwer, mich noch für eine spontane Runde Sex zu motivieren, egal, was er tut. ;-) Aber vielleicht ticken da auch Männer und Frauen unterschiedlich. Irgendwie hab ich grad etwas den Faden zum eigentlichen Thema verloren… ":/ ;-D Das ist jedenfalls ein großes Thema bei uns, leider. Wenn ich dann vorschlage, dass wir doch überlegen könnten, wie wir uns ein wenig mehr Freiräume schaffen könnten, dann sagt er, er möchte nichts "planen", entweder die Leidenschaft wäre quasi da oder nicht… und hält mir wieder vor, bei mir wäre sie dann halt vermutlich nicht mehr so da, und warum sich da nochmal was ändern sollte, ein Kind ist ja immer Stress und Arbeit... schwierig irgendwie.


    Sicherlich gibt es aber auch Eigenschaften, die ich am Anfang toll fand (z.B. seine Begeisterungsfähigkeit) und die dann etwas in den Hintergrund gerückt sind oder wo ich gemerkt habe, im Alltag könnte es dann auch etwas weniger dessen sein (wenn sich Begeisterungsfähigkeit dann z.B. in spontanen Aktionen wie "Ich muss mir jetzt sofort xyz kaufen" ooder ähnlichem äußert, ohne mal 5 Sekunden drüber nachzudenken ;-)). Aber nichts, wo ich jetzt sagen würde, das stört mich total, so ist er halt und ich habe ja auch meine Macken.


    Wirklich vermissen tue ich nur, dass wir eben nicht sehr harmonisch sind – wobei die Harmonie bei meinem Exfreund ehrlicherweise ja auch z.T. darauf beruht hat, dass er mich eben hat machen lassen und selten seine Meinung gesagt hat. Klar waren wir uns auch sehr ähnlich, aber in Diskussionen hab ich ja schon damals ebenso immer schnell geweint, er hat mich dann halt getröstet und zurückgesteckt, aber das war so eigentlich nicht okay… Mein Freund macht das jetzt eben nicht mehr, was mir ja aber auch die Gelegenheit gibt, genau daran zu arbeiten...

    @ onodisep

    Dein Rat gefällt mir, das könnte bei uns funktionieren, weil wir ja beide auf unterschiedliche Art und Weisen recht emotional sind. Das kann man sicherlich nicht immer machen, aber grad bei "größeren" Themen wäre das vielleicht gar kein schlechter Ansatz, zu sagen "Okay, lass uns doch jeder mal überlegen, was wir uns bzgl. Themas xy vom anderen wünschen und dann setzen wir uns heute/morgen Abend, wenn der Kleine schläft, in Ruhe hin und besprechen das". Dann könnte sich jeder schonmal vorsortieren, emotionale Schnellschüsse welche die Diskussion erschweren würden wahrscheinlich verringert werden und jeder kann sich schonmal Gedanken machen und mit dem Thema auseinandersetzen. Das könnte mir auch helfen, weniger emotional zu reagieren. Das werde ich mal vorschlagen, danke. :-)

    @ gato

    Dass ich das Gefühl habe, wir sind dann kein Paar mehr, sage ich nicht zu ihm, ich empfinde es nur in solchen Momenten so. Ich weiß, ich trage natürlich auch meinen Anteil zur Diskussion bei und ich weiß ,dass ich am Weinen arbeiten muss. Es ist aber auch nicht so, als könnte man mit mir nicht weiterreden, wenn ich weine, meistens sprechen wir ja auch trotzdem weiter und oft fange ich mich auch wieder und wir sprechen irgendwann wieder ganz normal, nur wenn es komplett aus dem Ruder läuft, klappt das nicht. Ich bin trotzdem der Meinung, wenn jemand wirklich arg weint (und dass ich so komplett von der Rolle bin ist i.d.R. auch nicht der Fall. Oft kommen mir kurz die Tränen und sann sage ich ihm auch, dass ich eigentlich gar nicht weinen will, es mir leidtut und wir einfach weiterreden können, da erwarte ich auch keinen Trost), dann wäre es schön, wenn man der andere es schaffen würde, zu trösten. Egal wie arg wir streiten würden, wenn mein Partner weinen würde, zum Diskussionszeitpunkt oder danach, ich könnte gar nicht "nichts" tun. Aber da reagiert auch jeder anders und vielleicht muss ich akzeptieren, dass mein Partner mich dann manchmal nicht trösten kann und er in dem Moment dann auch seine Gründe hat.

    @ Theniyn

    Ich weine ja nicht absichtlich provozierend los, kann aber auch verstehen, was du schreibst und dass man das auch so sehen kann. Mir ist bewusst, dass es nicht gut ist, vieles gleich als persönlichen Angriff zu nehmen und zu schnell zu weinen. Ich sehe da meinen Anteil und was ich ändern sollte. Trotzdem gehören zu einer Diskussion immer zwei und auch mein Partner hat seinen Anteil daran, warum unsere Gespräche teils so hochkochen, und das ist nicht nur mein Weinen. Ich erwarte auch kein großes "Tun" von meinem Partner – wie oben geschrieben, oft bitte ich auch darum, dem Weinen jetzt keine zu große Bedeutung beizumessen und wir können kurz darauf weitersprechen. Aber ja, in Situationen wie vor ein paar Tagen hätte ich mir schon gewünscht, dass er mich zumindest mal drückt.


    Oh weh, jetzt ist es sehr, sehr spät und ich sitze hier schon bestimmt 1,5 Stunden. Ich hoffe, es ist nicht zu lange geworden, aber ich wollte auch niemanden übergehen und musste es auch ausnutzen, in Ruhe schreiben zu können, da beide Männer schlafen. Nun wird es für mich aber auch dringend Zeit, in 6 Stunden ist der Kleine vermutlich wieder wach. zzz


    Gute Nacht an alle *:) @:)

    Zitat

    Ich hab ihm immer gesagt, dass sich an der Anziehung nichts verändert hat, es waren und sind die äußeren Faktoren, die dazu führen, dass wir eben nicht mehr täglich miteinander schlafen sondern aktuell eher so alle 6 oder 7 Tage.

    Dein Freund wird aus euren Gesprächen ja wissen, dass du bei deinem Ex ein großes Problem mit der fehlenden Leidenschaft und der Anziehung hattest. Es wundert mich nicht, wenn er jetzt ein bisschen Panik schiebt, wenn du dich sexuell zurückziehst. Natürlich gibt es viele Faktoren, die Lust befördern oder eben ausbremsen. Und keine Lust zu haben, bedeutet nun wirklich nicht zwingend, dass man sich nicht mehr anziehend findet. Aber erklär das mal dem Cortex. Angst lässt sich nicht so leicht durch Objektivierung beseitigen.

    Zitat

    Ich glaube tatsächlich, seine Laune und Toleranzschwelle bzgl. anderer Themen ist stark von unserem Sexualleben abhängig. Läuft das besser, diskutieren wir weitaus weniger, er ist viel ausgeglichener und sieht auch mal über etwas hinweg.

    War es nicht bei deinem Ex ähnlich - nur in vertauschten Rollen? Ich vermute, du wärst noch mit ihm zusammen, wenn körperlich alles aktiver und spannender gewesen wäre. Auch du warst ein Mensch, der in einer eigentlich völlig harmonischen Beziehung deine Perspektive gewandelt hat, weil es sexuell fad wurde. Eigentlich müsstest du für die Position deines Freundes jetzt viel Verständnis aufbringen. Die Ursachen sind zwar anders, aber die Reaktionen scheinen ähnlich zu sein (Rückschritte im Bett projizieren sich auf nicht-sexuelle Themen).

    Zitat

    aktuell eher so alle 6 oder 7 Tage. Ich weiß, dass das nicht sehr viel ist

    Ah ja, komm. Mit Kind finde ich das gar nicht übel. Aber das Kind war natürlich eine frühe Bremse eures stürmischen Starts. Nur lässt sich das nicht wegdiskutieren, es ist nun mal da.

    Zitat

    Wenn ich totmüde bin, dann ist es sehr schwer, mich noch für eine spontane Runde Sex zu motivieren, egal, was er tut. ;-) Aber vielleicht ticken da auch Männer und Frauen unterschiedlich.

    Menschen haben generell ein unterschiedliches Energielevel. Also nach 3 Stunden Heckenschnitt könnte sich meine Frau pornös in Dessous und Fickschuhen vor mich legen, ich würde dankend ablehnen. Irgendwann ist für jeden der Punkt erreicht, wo für Lust kein Platz mehr ist. Stress im Kopf finde ich da sogar schlimmer als körperliche Erschöpfung. Der Kopf ist die erogenste Zone, und der muss genügend Platz dafür freimachen. Wenn das Leben stressig ist, muss man dafür Freiräume schaffen. Von Alltagsstress in Vögelmodus umzuschalten geht nicht von jetzt auf gleich, wenn Lust entstehen soll, muss man auch vorher mal runterkommen können. Dafür bist du selbst ein Stück weit verantwortlich, aber natürlich ihr auch als Paar. Vielleicht bist du ja selbst überrascht, dass du dieses Limit jetzt in der neuen Lebenssituation öfter überschreitest? Gewöhn dich dran, und arbeite an Kompensation.

    Zitat

    Wenn ich dann vorschlage, dass wir doch überlegen könnten, wie wir uns ein wenig mehr Freiräume schaffen könnten, dann sagt er, er möchte nichts "planen", entweder die Leidenschaft wäre quasi da oder nicht…

    Das ist ein großer Fehler und passt zu einer "einfachen" Betrachtung der Dinge, die du auch schon im vorherigen Faden angesprochen hast. Hier sehe ich übrigens auch einen großen Sprengstoff, dass er dir irgendwann "zu einfach" ist. Da musst du sehr sensibel vorgehen, ohne ihm das Gefühl zu geben, rückständig zu sein. Aber er kann von deinen Reflektionen lernen. Nicht oberlehrerhaft, sondern beiläufig durch gelebte Praxis. Da kannst du versuchen, manch einfaches Bild von ihm mal im Gespräch zu vertiefen, so dass er neue Anregungen bekommt. Seine Forderung, dass man einfach geil aufeinander sein muss, wenn man sich attraktiv findet, ist in meinen Augen und meiner Erfahrung nach ziemlich platt. Wenn dem so wäre, wäre meine Ehe nach 10 Jahren aus gewesen, als meine Frau eine 3-jährige Sexflaute hatte. Ich muss aber gestehen, dass ich damals - deutlich jünger - ähnliche Bedenken wie dein Freund hatte. Nur haben uns Gespräche durch diesen Lernprozess geholfen und Offenheit füreinander war sehr wichtig. Von diesem Punkt muss dein Partner unbedingt abrücken.

    Zitat

    Wirklich vermissen tue ich nur, dass wir eben nicht sehr harmonisch sind – wobei die Harmonie bei meinem Exfreund ehrlicherweise ja auch z.T. darauf beruht hat, dass er mich eben hat machen lassen und selten seine Meinung gesagt hat.

    Du musst dich mit dieser Entwicklung auseinandersetzen, dass du jetzt selbstbestimmter im Durchsetzen bist. Darin hast du keine Übung bisher, und möglicherweise passiert dies auch hin und wieder ungeschickt (wegen der fehlenden Übung). Dann wirst du ein Teil des Knatsches, der immer wieder zwischen euch ausbricht. Das lernt sich aber. Nur wenn noch Weinen dazu kommt, fühlt sich dein Partner emotional erpresst. Erst willst du was, möglicherweise auch etwas spannungsgeladen formuliert, dann gibt er zur Relativierung Kontra, und irgendwann rollen die Tränen (Signal: du hast mir wehgetan, und ich verschaffe mir jetzt einen Vorteil, weil du bei Tränen schwach werden musst).


    Also:


    1. Verstehe aus deiner eigenen Geschichte, warum körperlicher Rückzug auf ihn bedrohlich wirkt.


    2. Akzeptiere aus deiner eigenen Geschichte, dass ein sexuelles Gefälle in der Partnerschaft oft auch auf die Wahrnehmung in anderen Bereichen ausstrahlt.


    3. Arbeite in einer Vorbildrolle an mehr Selbstreflexion und mehr Tiefgang bei Themen auf seiner Seite.


    4. Lass die Tränen weg und sammel dich kurz, wenn du dich in der Ecke fühlst.


    5. Lass die Tränen weg und sammel dich kurz, wenn du dich in der Ecke fühlst.


    6. Lass die Tränen weg und sammel dich kurz, wenn du dich in der Ecke fühlst.

    Zitat

    Vielleicht wäre ich aber irgendwann auch ein wenig genervt, wenn ich das Gefühl hätte, ich kann mit ihm über nichts so richtig reden, weil er zu schnell losweint.

    Definitiv.

    Zitat

    wie wir uns ein wenig mehr Freiräume schaffen könnten, dann sagt er, er möchte nichts "planen", entweder die Leidenschaft wäre quasi da oder nicht… und hält mir wieder vor, bei mir wäre sie dann halt vermutlich nicht mehr so da, und warum sich da nochmal was ändern sollte, ein Kind ist ja immer Stress und Arbeit...

    Den Zahn würde ich ihm aber schnell ziehen. Gerade wegen eurem Kind solltet ihr euch regelmäßige Freiräume schaffen. Dabei geht es nicht um Sex, denn was ihr in der Zeit macht, ist erstmal nicht so wichtig, aber ihr habt dann zumindest ein festes Zeitfenster, wo ihr etwas ohne Kind machen könnt. Daran werden sich alle Beteiligten schnell gewöhnen und es tut so gut für die Beziehung. Wenn man diese Freiräume nicht plant und schafft, wo sollen sie denn sonst her kommen?

    Zitat

    Dass ich das Gefühl habe, wir sind dann kein Paar mehr, sage ich nicht zu ihm, ich empfinde es nur in solchen Momenten so.

    Das mag sein, dennoch beinflussen diese Gedanken, deine Gefühle zu ihm, deine Worte und dein Handeln. Und damit deine Beziehung zu ihm.

    Zitat

    Ich weiß, ich trage natürlich auch meinen Anteil zur Diskussion bei und ich weiß ,dass ich am Weinen arbeiten muss.

    Das war nicht meine Hauptaussage. Meine Aussage war, dass du dringend an deiner Erwartungshaltung arbeiten musst. Ich bin auch sehr emotional und habe früher bei Streits gleich geweint. Das war ein Ventil bei mir, das ich einfach nicht verhindern konnte. Weinen sollte aber den Streit nicht beeinflussen und schon gar nicht habe ich erwartet, dass mein Partner den Streit vergisst/unterbricht um sich um meine Gefühle zu kümmern, nur weil ich nicht verhindern kann zu weinen.

    Zitat

    Ich bin trotzdem der Meinung, wenn jemand wirklich arg weint [...], dann wäre es schön, wenn man der andere es schaffen würde, zu trösten.

    Du kannst andere aber nicht zu einem bestimmten Verhalten zwingen nur weil du ein Problem mit weinen hast. Das ist manipulativ. Und nichts anderes tust du, wenn du sagst, du bist sauer, weil er dich nicht tröstet. Du kannst nicht von dir auf andere schließen. Nur weil du jemanden tröstest, der weint, kannst du das nicht anderen aufzwingen. Mit dieser Erwartungshaltung wird der Streit nur schlimmer, das merkst du doch. Akzeptieren finde ich auch keinen guten Weg, du solltest verstehen, dass Menschen unterschiedlich sind. Du kannst andere Menschen nicht ändern, aber deine Erwartungshaltung.

    Hey das was du denkst ist richtig ein guter Ansatz, mit Ultimatum meinte ich du schaust dir das ganze zwei Wochen an, schaust das ihr liebevolle Kommunikation führt, wenn ihr euch liebt schafft ihr euch auszubremsen, er versucht ruhig zu reden, und dafür bekommt er Zärtlichkeit von dir, im Normalfall müsste dann auch von ihm mehr kommen.


    Wenn es dann immer noch nicht funktioniert.


    Geht erneut in eine Paartherapie, dann sollltet ihr euch eine Frage stellen hat es noch Sinn.


    Zu deiner Frage ich habe gemischte Erfahrungen

    Vielen Dank für eure Antworten, ich werde nochmal der Reihe nach darauf eingehen.

    @ Comran

    Danke dir, deine Beiträge helfen mir immer sehr - du "kennst" mich zwar nur schriftlich, bringst meine Situation, Gefühle und Gedanken aber meist ziemlich gut auf den Punkt, das erstaunt mich immer wieder ;-) :-) Danke dafür!


    Wie du geschrieben hast, mein Freund weiß ja, wie es um die Anziehung und Lust bei meinem Exfreund bestellt war und sagt selbst, dass das bei ihm verständlicherweise auch die Gedanken befeuert, was denn wäre, wenn das bei uns nun ähnlich abläuft. Er sagt auch, er weiß die meiste Zeit, das unsere Situation eine andere ist und auch die Gründe für weniger Intimität woanders liegen und nicht in fehlender Anziehung begründet sind, aber manchmal kämen diese "unrationalen" Gedanken eben doch wieder durch. Toll, dass deine Frau und du die Phase der sexuellen Flaute damals überwunden habt. Ich wünsche mir, dass wir das auch so schaffen.

    Zitat

    War es nicht bei deinem Ex ähnlich - nur in vertauschten Rollen? Ich vermute, du wärst noch mit ihm zusammen, wenn körperlich alles aktiver und spannender gewesen wäre. Auch du warst ein Mensch, der in einer eigentlich völlig harmonischen Beziehung deine Perspektive gewandelt hat, weil es sexuell fad wurde. Eigentlich müsstest du für die Position deines Freundes jetzt viel Verständnis aufbringen. Die Ursachen sind zwar anders, aber die Reaktionen scheinen ähnlich zu sein (Rückschritte im Bett projizieren sich auf nicht-sexuelle Themen).

    Mhm, darüber habe ich noch gar nicht so nachgedacht, aber du hast schon Recht. Wie du sagst, die Ursachen lagen woanders, aber trotz stimmiger Beziehung in allen anderen Bereichen hat sich das bei mir über die Jahre ja auch so massiv ausgewirkt, dass wir letztendlich nun kein Paar mehr sind. Danke für diesen Gedankenansatz, komisch, dass ich da bisher selbst noch nicht dran gedacht habe. ":/


    Das mit den unterschiedlichen Energieleveln hast du schön geschrieben. Ich glaube, mein Freund hat ein sehr hohes Energielevel. ;-D Selbst wenn er total am Ende ist, Sex ginge irgendwie (fast) immer ;-) Aber es ist auch so, dass ich mich mittlerweile selbst ziemlich müde mal noch "aufraffen" (und es ist dann auch schön, keine Pflichtnummer) kann, man gewöhnt sich ja auch an vieles. ;-) Das "runterkommen" muss ich manchmal noch üben. Ich bin jemand, der viel denkt und viel in "To Do's" verhaftet ist und sich schnell Stress macht. Abschalten gelingt mir oft nicht gut, weil in meinem Kopf einfach zuviel Dinge sind, die noch erledigt werden müssten. Aber ich versuche mittlerweile, den Feierabend wirklich auch als Feierabend zu sehen, und wenn ich merke, ich bin total gestresst, lege ich mich erstmal noch eine halbe Stunde in die Badewanne, danach geht es meistens besser.


    Zur "Einfachheit" - ja, die stört mich manchmal tatsächlich. Er kann auch anders, aber manchmal kommt diese emotionale, "einfache" Betrachtungsweise bei ihm durch. Interessanterweise sieht er das selbst und hat auch schon von sich aus gesagt, dass er da von mir lernt, weil ich die Dinge meist sehr differenziert sehe. Während er früher oft eine starre oder vorgefertige Meinung zu etwas hatte oder Leute vorschnell in Schubladen einkategorisiert hat, differenziert er selbst heute schon viel mehr und bemüht sich um ein mehr an Reflexion.


    Danke für deine "Liste" - ich werd mich dran halten! Du hast es damit echt gut getroffen und ich werde da dranbleiben.

    @ gato

    Mittlerweile kommt die Oma regelmäßig und nimmt den Kleinen mal für 2-3 Stunden, damit wir etwas für uns machen können. Das findet er dann auch super. Ich glaube, er denkt bei "Planen" auch oft an "geplante Leidenschaft" und das ist für ihn ein absoluter Lustkiller. Ich verstehe darunter eher, z.B. nach einem stressigen Tag gemeinsam ein bisschen runterzukommen indem man sich es einfach im Bett gemütlich macht anstatt noch was rumzuräumen, gemeinsam unter die Dusche steigt oder sonstiges, mal unabhängig davon, wie intim man danach noch weiter wird. Wenn wir drüber reden, verzetteln wir uns aber oft, wobei wir glaube ich gar nicht wirklich sooo unterschiedliche Dinge denken bzw. wollen (ein wenig mehr Zeit für uns und mehr Zeit für Nähe), aber irgendwie drückt sich jeder anders aus.


    Ich verstehe, was du damit meinst, dass ich an meiner Erwartungshaltung arbeiten muss und vermutlich hast du Recht. Ich darf nicht erwarten, dass er genauso reagiert wie ich mir das wünsche oder wie ich das tun würde. Rational gesehen weiß und verstehe ich auch, dass Menschen da unterschiedlich ticken. Im Streit oder wenn ich traurig bin ist es nur manchmal schwer, sich diesen Gedanken wieder beizuholen. Wobei ich auch gar kein "unterbrechen" oder "vergessen" des Streites in diesem Moment erwarten würde. Mir würde es reichen, kurz gedrückt zu werden und natürlich können wir dabei weiter"streiten", sprechen oder was auch immer. Aber das tut er ja auch oft, also so extrem wie beim Streit vor einer Woche war es eigentlich selten. Aber ja, ich muss mir wohl in diesem Momenten noch stärker ins Gedächtnis rufen, dass er eben auch verletzt ist und ich nicht erwarten kann, dass er mich jetzt allumfassend tröstet, sondern auf "erwachsener" Ebene weitersprechen wenn möglich oder mir vielleicht eine kurze Auszeit zum sammeln nehmen und dann weitermachen.

    @ sporty dragon

    Die Beratung werden wir auf jeden Fall weiterhin in Anspruch nehmen, sie tut uns gut. Eine Trennung käme für mich nur in allerallerletzter Konsequenz in Frage. Ich liebe ihn und unsere kleine Familie und ich wollte das auch dem Zwerg nicht antun - natürlich nicht um jeden Preis, aber ich glaube, bei uns ist noch einiges drin. Sicherlich wird es auch Arbeit sein, aber wir hatten einfach einen sehr stürmischen und nicht einfachen Start und ich glaube, da gibt es einfach auch noch ein bisschen was an Themen, die ein wenig (Auf-)arbeit(-ung) bedürfen.

    Zitat

    du "kennst" mich zwar nur schriftlich

    Wer weiß? ]:D


    ;-)

    Zitat

    Wie du sagst, die Ursachen lagen woanders, aber trotz stimmiger Beziehung in allen anderen Bereichen hat sich das bei mir über die Jahre ja auch so massiv ausgewirkt, dass wir letztendlich nun kein Paar mehr sind.

    Med1 sowie die ganze Beziehungs-Forenwelt ist voll von Beispielen, dass wenn es im Bett klemmt, sich Partner mit anderen Augen sehen. Ob das Ursache und Wirkung sind, muss nicht immer zutreffen, aber die Korrelation ist deutlich. Ohne Sex beginnt die Freundschaft - gern eine tiefe, aber die Beziehung wird austauschbarer. Das ist immer ein Risiko, und man muss die Ursachen klar ansprechen. Weil nicht jeder in dieser Situation rational handeln kann, denn das vorrangige Gefühl bei dem "Weggestoßenen" ist Frustration.

    Zitat

    Selbst wenn er total am Ende ist, Sex ginge irgendwie (fast) immer ;-)

    Hmmm, ja, er ist ja noch jung. ;-D


    Wenn ich mich nur hinlegen muss und die Frau sich viel Mühe gibt, klappt das bei mir auch nach einem stressigen Tag, aber das würde ich nicht als "Sex" bezeichnen. Und in meinem Beziehungs-Mikrokosmos ist es auch so, dass die Frau deutlich anspruchsvoller ist, was das Drumherum angeht. Halb groggy einfach mal bisschen begrabbeln lassen und gucken, was passiert, gibt es da nicht.

    Zitat

    Ich bin jemand, der viel denkt und viel in "To Do's" verhaftet ist und sich schnell Stress macht. Abschalten gelingt mir oft nicht gut, weil in meinem Kopf einfach zuviel Dinge sind, die noch erledigt werden müssten.

    Mir hilft da, mich von den To-Do's nicht verrückt machen zu lassen. Ich greife mir ein Tagespensum raus, was bis zu XX Uhr erledigt werden kann und wichtig ist, der Rest ist auch am nächsten Tag da. Kleine Ziele setzen und loslegen, nicht immer nur die große Liste sehen und panisch werden. In unseren Sexflauten-Jahren hat es uns übrigens wirklich geholfen, ausreichende Zeiträume festzumachen, die wir nur für uns da sind. Kein TV, keine Ablenkung. Einfach im Bett liegen und sich spüren. Ohne Erfolgsdruck. Es war tatsächlich so, dass wir dann wieder mehr Sex hatten, als wir uns keinen zum Ziel gesetzt haben.


    Aber auch heute gibt es noch diese Freiräume. Wir haben zwar keine Kinder, sind aber durch Beruf und diverse Verpflichtungen stark eingespannt. Wir haben mindestens 2 Abende pro Woche, die uns heilig sind. Und auch den Sex planen wir gelegentlich auch mal ein, z.B. als Nachtisch nach einem leckeren Essen. Daran ist nichts Schlechtes, wenn man sich die Freiräume aktiv schafft. Immer nur auf den richtigen Moment warten, kann ewig dauern. Man muss ihn sich schaffen.


    Viel Erfolg! :)^

    Tut mir leid, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Wir waren Anfang Juni noch zwei Wochen im Urlaub und da ich es kaum schaffe, mal abends alleine am PC zu sein und das Tippen am Handy immer sehr mühselig ist, habe ich den Faden etwas aus den Augen verloren, sorry. Ehrlich gesagt hat sich bisher noch nicht so viel getan, gerade heute hatten wir wieder ein Gespräch, weil es ihm zu wenig Sex ist. Streiten tun wir mal mehr, mal weniger, das ist immer ein auf und ab. Die Gespräche hinsichtlich unserer Sexualität belasten mich ehrlich gesagt im Moment aber schon, weil ich das Gefühl habe, egal was ich tue, wird es ihm sowieso zu wenig sein. Für ihn zählt alles außer "richtiger" Sex auch nicht so wirklich, also Oralverkehr oder Hand anlegen findet er zwar auch gut, aber er "zählt" den Sex, der im Schnitt immer noch so alle 6 Tage stattfindet. In den letzten gut 3 Wochen seit Beginn meines Zyklus (wobei ich die ersten Tage dann i.d.R. nicht möchte) hatten wir z.B. 3x Sex und 2x OV. Ich muss zugeben, für mich war das okay so, für ihn aber eben nicht.

    Er selbst hat ein sehr ausgeprägtes Lustempfinden, er könnte jeden Tag Sex haben und er sagt selbst, er könnte ohne Probleme jeden Tag zweimal Hand anlegen. Das kann ich sowieso nicht auffangen. Für ihn wären dreimal Sex pro Woche ideal (also damit wäre er zufrieden), wenn wir zwei Mal Sex pro Woche hätten sollten die aber ausführlich sein und er fände er es gut wenn wir uns dann auch noch zwischendurch gegenseitig so verwöhnen. Ich finde das ja alles auch schön, aber ehrlich gesagt haben wir momentan abends oft nur zwei Stunden, wo Zärtlichkeiten überhaupt möglich wären. Vor 21 Uhr schläft der Kleine momentan in der Regel nicht, ab 23 Uhr ist es eigentlich schon fast zu spät. Und wir haben halt leider immer noch relativ oft unsere Diskussionen, wenn wir dann über Tag schlechte Stimmung hatten schmälert das natürlich auch die Lust auf Zärtlichkeiten am Abend. Manchmal muss er auch noch etwas arbeiten oder wir schauen eine Folge einer Serie, dann ist es aber meist klar, dass wir nicht noch größer kuscheln werden, weil dafür dann einfach die Zeit in Summe nicht reicht. Noch was Essen oder einfach mal in Ruhe ein paar Sätze wechseln oder auf dem Balkon sitzen möchte man vielleicht auch noch. Ich fühle mich mittlerweile einfach schon total unter Druck, weil ich es nicht mehr richtig genießen kann, wenn wir z.B. abends im Bett liegen und eine Serie schauen. Im Hinterkopf habe ich dann immer, wie lange unser letztes mal kuscheln her ist und ob das jetzt für ihn so okay ist. Das ist ja aber auch ein total blöder Zustand, ich will ja auch die Zeit, die wir so miteinander haben, genießen können. Er sagt aber, ihm reicht es so, wie es im Moment ist, nicht. Er kreidet mir auch an, dass ich so wenig Erotik im Alltag ausstrahlen würde, dass ihm die Alltagsflirtereien fehlen würden oder spontaner Sex, z.B. mal in der Küche oder unter der Dusche. Ich finde Alltagsflirtereien eigentlich toll, auch spontanen Sex und bevor der Kleine auf der Welt war, hab ich gerade das mit ihm sehr genossen, weil er da viel offener ist als mein Exfreund. Ich merke aber, dass ich, seitdem ich Mama bin, viel belasteter bin als früher und ich brauche, um Lust zu haben, einfach ein gewisses Maß an Entspannung. Der Kleine ist jetzt 20 Monate und verlangt einem alles ab, er kann keine 3 Sekunden ruhig sitzen und ist ein absoluter Wirbelwind. Und wenn mein Freund sich dann mitten am Tag, wenn ich gerade am Werkeln bin an mich drückt und sexuelle Witze macht und nebenan spielt der Kleine und wird 10 Sekunden später in die Küche laufen - da kann ich mich einfach nicht entspannen. Ich finde auch die Art und Weise, wie er mir zum Teil vermitteln will, dass er Lust auf Sex hat, für mich ehrlich gesagt mittlerweile teils einfach zu plump.

    Das nervt mich eher, als dass es mich anmachen würde und wenn ich in sexuell völlig unerregter Stimmung bin, finde ich das ehrlich gesagt auch irgendwo nicht angebracht. Ihm fehlt da das Feingefühl, zu merken, wann ich in der Stimmung für sowas bin und wann nicht. Er kann auch ganz anders, aber im Moment sind es oft echt so 14-jährigen-Sprüche, die mich total abturnen.😑 Manchmal habe ich das Gefühl, je weniger ich darauf reagiere desto plumper versucht er, mich aus der Reserve zu locken.

    Wenn ich ihm vorschlage, dass wir uns abends einfach ein wenig mehr Zeit für uns nehmen könnten, anstatt z.B. Fernsehen zu schauen einfach auf dem Bett liegen könnten und quatschen, was über Tag ja auch viel zu kurz kommt, sagt er, dass ihm da die Spontanität fehlt wenn das ja dann schon darauf ausgerichtet wäre, dass wir Sex haben könnten. Das belastet mich total, weil ich das Gefühl habe, egal wie, es ist ihm sowieso zu wenig Sex und ich bin ihm sowieso gerade zu unspontan und unerotisch. Das finde ich sehr schade🙁 Ich weiß, das 3x pro Woche aktuell eher unwahrscheinlich sind, 2x wäre bestimmt machbar wenn wir uns eben die Zeit bewusster nehmen würden.

    Ich weiß ehrlich nicht, wie wir da zu einer sinnvollen Lösung kommen können die uns beide zufriedenstellt. Ich bin irgendwo verletzt, wenn ich mir anhören muss, dass ich im Alltag zu wenig Erotik ausstrahle, dass das dann auch seine Lust schmälern würde weil er merken will dass ich will, es kaum erwarten kann etc., er wolle mich nicht immer überzeugen müssen. Das stimmt m.M.n. so aber auch nicht, wenn ich Lust auf Sex habe, dann bin ich genauso dabei wie er und zum Teil auch diejenige, die den Anfang macht. Nur, meine Lust ist weniger ausgeprägt als seine und deshalb will er mich öfter "überzeugen" und das klappt nicht immer, weil ich manchmal wirklich einfach nicht mag. Wir haben ein kleines Kind, mit dem wir total gefordert sind, ich tue mein Bestes um hier alles zu managen, kümmere mich um die komplette Haushaltsorganisation inklusive Organisation aller Dinge, die den Kleinen betreffen und bin vielleicht im Moment keine wilde, spontane Sexbombe wo der Mann nur einen erigierten Penis zeigen muss und dann springt sie ihn an. Nicht falsch verstehen, er macht auch sehr viel und kümmert sich fantastisch um den Kleinen, aber er hat es nicht so mit der Orga, er ist eher ausführender Part. ;-)

    Ich weiß nicht, ob ich das zu übertrieben sehe und ich will natürlich auch nicht wegreden, dass es ihn belastet, weil er mehr Lust hat als ich, trotzdem frage ich mich manchmal, ob er da nicht auch zu viel von mir erwartet. Ich weiß es nicht. Er sagt auch, er hätte immer sexuell aktive Partnerinnen gehabt und so wenig Sex wie momentan hätte es bei ihm noch nie gegeben. Vielleicht passen auch unsere Vorstellungen diesbezüglich im Moment einfach nicht zusammen. Wir hatten halt einen stürmischen Start mit täglichem Sex und das macht es jetzt, seit wir den Kleinen haben, natürlich nicht einfacher. Ich bin einfach etwas ratlos, wie wir beide wieder zufriedener diesbezüglich werden können...