Hat jeder eine Grenze?- Handgreiflichkeit in Beziehung

    Hallo,


    Ich bin neu hier und wende mich gleich mit einem Thema an euch das mich sehr beschäftigt. Ich habe einige "Probleme" aus der Kindheit herrührend- bin deswegen auch in Therapie und arbeite daran und es bessert sich auch sehr. Bei mir äußert sich das vor allem durch extreme Verlustängste in der Partnerschaft- getriggert durch bestimmte Situationen. Also meine Beziehung ist eigentlich sehr "normal" und ich bin extrem glücklich- teilweise will ich aber bei Uneinigkeiten alles ausdiskutieren und schaffe es nicht meinem Freund den Freiraum zu geben wenn er ihn braucht. Ich hatte es jetzt längere Zeit recht gut im Griff, allerdings kam es vorige Woche zu einem Vorfall der mich sehr zurückgeworfen hat. Es kam zu einem Streit, er ist dann weggefahren um Abstand zu gewinnen, ich hab ihm geschrieben er möge zurück kommen, ist er dann auch, wollte aber einfach seine Ruhe- ich hab es nicht geschafft es zu akzptieren, bis er sich eingesperrt hat, ich hab an die Tür gehämmert, auf ihn eingeredet etc. bis er mich reingelassen hat & bin dann wohl auf ihn losgegangen. Wenn ich in diese Phase komme kann ich mich rückwirkend nur szenenweise an Dinge erinnern, nicht an alles. Jedenfalls war es so dass er unbedingt den Abstand wollte, ich ihn nicht gelassen hab und es dazu kam, dass er mich mehrfach geohrfeigt und aus dem Haus geworfen hat. Er wollte sich danach auch trennen, weil er gemeint hat, dass er sowas tut ist schrecklich für ihn und er will das nicht. Ich habe ihn "überzeugt" es doch nochmal zu versuchen, nur bin ich jetzt extrem verunsichert. Ich bin froh einen Partner an meiner Seite zu haben, der das mit mir durchmacht und ich arbeite ja auch daran. Andrerseits fühlt es sich furchtbar an, dass er mir wehgetan hat. Ich schaffe es nicht zu sortieren, ob es für ihn noch einen anderen Ausweg gegeben hätte oder nicht. Einerseits ist er mir eine riesen Stütze in dem Prozess, andrerseits ist schon viel passiert zwischen uns und ich weiß nicht wie viel eine Beziehung tragen kann. Wir lieben uns auf jeden Fall beide sehr aber ich weiß nicht ob das in dem Fall reicht :(

    Vl hat ja der eine oder andere eine Meinung dazu..

    Danke!

  • 33 Antworten

    Hallo,


    Dass er dich geschlagen hat ist nicht verzeihlich, auch nicht dadurch dass du ihn so bedrängt hast.


    Bist du in Behandlung?


    Grenzen setzen darf man nicht mit Gewalt. Grenzen haben tut jeder.


    Lg


    Paritu

    Paritu ja ich bin in Behandlung bzw. auch wir beide zusammen. Hatte nur bis jetzt das Gefühl dass er mir in dem ganzen Prozess die größte Stütze ist und habe Angst wie ich jetzt "alleine" damit umgehe.

    Du schreibst, dass du an die Tür gehämmert hast und dann, als er aufgemacht hat, auf ihn losgegangen seist. Was kann man sich darunter vorstellen?


    Und warum glaubst du, dass es gut wäre eine Beziehung fortzuführen, in der offensichtlich beide Partner auf der Eskalationspirale sehr schnell nach oben fahren? Nicht immer bringen Menschen in sich gegenseitig nur die Schokoladenseiten zum Vorschein.


    Welche Maßnahmen habt ihr angedacht, damit sowas niemals wieder passieren wird?

    Graógramán schrieb:

    Du schreibst, dass du an die Tür gehämmert hast und dann, als er aufgemacht hat, auf ihn losgegangen seist. Was kann man sich darunter vorstellen?


    Und warum glaubst du, dass es gut wäre eine Beziehung fortzuführen, in der offensichtlich beide Partner auf der Eskalationspirale sehr schnell nach oben fahren? Nicht immer bringen Menschen in sich gegenseitig nur die Schokoladenseiten zum Vorschein.


    Welche Maßnahmen habt ihr angedacht, damit sowas niemals wieder passieren wird?


    Sandrina1992 schrieb:

    Paritu ja ich bin in Behandlung bzw. auch wir beide zusammen. Hatte nur bis jetzt das Gefühl dass er mir in dem ganzen Prozess die größte Stütze ist und habe Angst wie ich jetzt "alleine" damit umgehe.

    Ups, dass du auch auf ihn losgegangen bist, habe ich wohl überlesen.


    Was ich ganz wichtig finde ist: er hat ja erst schon versucht die Eskalation zu verhindern um runterzukommen.


    An dem Punkt müsstest du arbeiten. Wenn er sich so zurückzieht ist das ein Stoppsignal das beachtet werden muss wenn du noch etwas erreichen willst.


    Ansonsten wäre wohl Trennung der einzige Weg.

    Du gehst auf ihn los? Er schlägt dich?

    Wozu soll das führen? Lasst es beide.

    Du musst lernen Grenzen zu akzeptieren (mein Partner wär sowas von weg wenn ich mit der Schiene käme, da ist auch meine PTSD-Kindheit+Heimaufenthalt keine Entschuldigung).

    Graógramán ich hab wohl versucht ihn zu boxen etc., was natürlich keine wirklich Auswirkungen hat da ich viel schwächer bin. Früher bevor ich in Therapie war, stand ich auch schon mal mit dem Messer da und habe angedroht mir was anzutun wenn er mich nicht reinlässt.

    Das Schlimme für mich ist, dass unsere Beziehung tatsächlich perfekt ist bis auf diese Eskalationen und ich 100% weiß, dass sowas niemals passieren würde, wenn ich ihm einfach seinen Raum gebe wenn er ihn braucht. So wie 1000 andere Paare es auch schaffen! Aber es macht dann in meinem Kopf klick, dadurch, dass ich als Kind oft weggesperrt etc. wurde wenn ich über etwas reden wollte.


    Ich will die Beziehung deshalb fortführen weil ich das Gefühl habe mein Freund ist der einzige Mensch der mich 100% kennt, mit alle Problemen und mich trotzdem liebt und akzeptiert. Er will sich auch unbedingt trennen wenn sowas nochmal passiert da es für ihn nicht tragbar ist. Für mich ja eigentlich auch nicht. Ausgemacht haben wir, dass er das nächste Mal wenn so eine Situatien entsteht er sofort meine Eltern oder auch einen psycholgischen Notdient anruft, ohne auf mich Rücksicht zu nehmen, bevor er mich reinlässt und es zu irgendeiner Eskalation kommt..

    Fiorentina2017

    Ich weiß :( ich will mich ja gar nicht rechtfertigen aber in dem Moment bin ich teilweise nicht Herr über mich selbst. ich weiß im Normalzustand 100 Mal dass das Verhalten das schlimmste ist aber in dem Moment schaltet mein Hirn komplett ab..

    Sandrina1992 schrieb:

    was natürlich keine wirklich Auswirkungen hat da ich viel schwächer bin.

    Das klingt für mich wie eine Ausrede. Körperliche Gewalt durch dich ist in Ordnung, weil du schwächer bist? Selbst wenn man jemandem körperlich unterlegen ist, bedeutet das doch nicht im Umkehrschluss, dass man seinem Gegenüber nicht körperlich und zusätzlich psychisch dadurch Schmerzen zufügen könnte!


    Sandrina1992 schrieb:

    Früher bevor ich in Therapie war, stand ich auch schon mal mit dem Messer da und habe angedroht mir was anzutun wenn er mich nicht reinlässt.

    Gut, dass du dir professionelle Unterstützung gesucht hast. Aber ich glaube, selbst wenn solche Eskalationen lange, lange Zeit nicht mehr vorgekommen sind oder nicht mehr vorkommen würden - das hinterlässt immer einen Nachgeschmack, der bleibt.


    Sandrina1992 schrieb:

    Ich will die Beziehung deshalb fortführen weil ich das Gefühl habe mein Freund ist der einzige Mensch der mich 100% kennt, mit alle Problemen und mich trotzdem liebt und akzeptiert.

    Liebe ist eine feine Sache. Leider reicht sie alleine nicht aus um ein tragfähiges Fundament für eine gute Beziehung zu schaffen.


    Zwischen Trennung und einem Weiterführen der Beziehung gäbe es vielleicht auch noch die Möglichkeit vorübergehend auf mehr Distanz zu setzen? Getrennte Wohnungen? Ein Klinikaufenthalt deinerseits?


    Wenn man des Öfteren in Situationen gerät, in denen man nicht mehr Herr seiner Lage ist, ist man vielleicht in dem Moment auch nicht beziehungsfähig?


    Das meine ich nicht als Vorwurf - das Päckchen, das du tragen musst, hast du dir sicher nicht ausgesucht :)_ Wie du damit umgehst und wie du zu verhindern lernst, dass sich das Päckchen in eine Paketbombe verwandelt, das liegt aber durchaus in deinen Händen.

    Puh das ist echt schwierig... In Therapie bist du weiterhin oder? Vielleicht wäre es auch sinnvoll zusammen zur Beratung zu gehen. Dann lernst du vielleicht eher auch seine Grenzen zu akzeptieren. Dass er versucht hat zu Deskalieren ist ja schonmal ein guter Schritt.

    Du brauchst Strategien und den Willen, um dich auch in diesen Situationen kontrollieren zu können. Sonst wird es auf Dauer in jeder Beziehung schwer werden.

    Ja, wie gesagt wir sind auch zusammen in Therapie und es hat uns beiden bis jetzt sehr viel geholfen. Das letzte Mal als es eskaliert ist ist auch schon über ein halbes Jahr her..


    Auf Abstand zu gehen wäre sicher eine Option- für mich ist es nur so schwierig da es für mich eine extreme Mehrbelastung wird sobald meine Familie eingeweiht wird, da das sehr vile "gute" Ratschläge kommen.. Bei Freunden könnte ich natürlich unterkomme aber es wäre halt auch keien Dauerlösung.


    Das "Problem" das ja auch gleichzeitig positiv ist, ist dass wir ja nicht ständig streiten sondern, vor allem seit der Therapie, meist viele Monate alles friedlich verläuft. Und dann wiege ich mich wieder in dem Gefühl es "im Griff" zu haben und es passiert wieder sowas, das mich so aus der Bahn wirft. Und ich versteh halt einfach nicht warum ich es nicht schaffe diesen Step zu gehen ihm einfach seinen Freiraum zu geben den er braucht wenn wir streiten. Das würde alles lösen :(


    Und ich hab das Gefühl dieses Mal war so ziemlich das letzte Mal dass wir sowas, wenn überhaupt überstehen, vor allem da es es das erste Mal war dass er so reagiert hat.. Und ich könnte jetzt schwören dass ich ihn in Zukunft lasse wenn er weg will aber ich hab Angst vor diesem "Blackout" bei dem ich für nix mehr garantieren kann:( Aber so kann es ja nicht mein ganzes Leben weitergehen..

    Sandrina1992 schrieb:

    Andrerseits fühlt es sich furchtbar an, dass er mir wehgetan hat.

    Die Gewalt ging doch von dir aus:

    Sandrina1992 schrieb:

    in dem Moment bin ich teilweise nicht Herr über mich selbst.


    Sandrina1992 schrieb:

    ich hab es nicht geschafft es zu akzptieren, bis er sich eingesperrt hat, ich hab an die Tür gehämmert, auf ihn eingeredet etc. bis er mich reingelassen hat & bin dann wohl auf ihn losgegangen.


    Sandrina1992 schrieb:

    ich hab wohl versucht ihn zu boxen etc.,

    Das solltest du nicht runterreden und dich nun nur als Opfer fühlen.

    Mich würde jemand, der sich nicht im Griff hat, auch an die Grenzen bringen, nur dass ich mich von demjenigen nach dem 1. Vorfall ohne weitere Diskussion trennen würde.


    Sandrina1992 schrieb:

    Ausgemacht haben wir, dass er das nächste Mal wenn so eine Situatien entsteht er sofort meine Eltern oder auch einen psycholgischen Notdient anruft, ohne auf mich Rücksicht zu nehmen, bevor er mich reinlässt und es zu irgendeiner Eskalation kommt..

    Das ist mE keine Lösung, zumal:

    Sandrina1992 schrieb:

    es für mich eine extreme Mehrbelastung wird sobald meine Familie eingeweiht wird, da das sehr vile "gute" Ratschläge kommen..

    Wenn ihr zusammenbleiben wollt, sehe ich eine Lösung nur in Therapie + getrenntem Wohnen.

    Zitat

    Mich würde jemand, der sich nicht im Griff hat, auch an die Grenzen bringen, nur dass ich mich von demjenigen nach dem 1. Vorfall ohne weitere Diskussion trennen würde.

    :)^

    Und genau deswegen, ist es durchaus legitim, sich als Opfer zu fühlen.

    Zitat

    Die Gewalt ging doch von dir aus:

    Das darf nicht der Grund dafür sein, dass das Gegenüber auch mit Gewalt reagiert.

    Ich hatte jetzt jedenfalls nicht den Eindruck, dass sich der Freund in Lebensgefahr befand.


    Und bei Gewalt könnte man unter Umständen auch die Polizei alarmieren.

    Naja, wenn es beim Partner aussetzt und der sich in wilder Raserei befindet, sind inadequate Verhaltensweisen durchaus nachvollziehbar. Vielleicht hat sich ihr Partner bedroht gefühlt, ich wüsste auch nicht wie ich in dieser Lage reagieren würde.

    Zitat

    Naja, wenn es beim Partner aussetzt und der sich in wilder Raserei befindet, sind inadequate Verhaltensweisen durchaus nachvollziehbar. Vielleicht hat sich ihr Partner bedroht gefühlt, ich wüsste auch nicht wie ich in dieser Lage reagieren würde.

    Verstehen kann ich die Reaktion auch. Und garantieren würde ich auch für niemand, dass er da genauso reagiert.

    Trotzdem darf Gewalt immer nur das letzte Mittel sein, wenn man sich in Gefahr befindet. Und die TE hat selbst geschrieben, dass sie viel schwächer ist als der Freund. Da erscheinen mir mehrere Ohrfeigen doch schon recht extrem. Immerhin hat er es auch geschafft, sie rauszuwerfen.