• Ich bin nicht fähig, einen Menschen zu lieben

    Ich nie geliebt, zumindest keinen anderen Menschen. Ich hatte in meinem Leben 3 Beziehungen, habe aber das Gegenüber nie geliebt. Es ist auch mehr als 20 Jahre her. Ich bin diese Beziehungen nur eingegangen, weil es mit 15 Jahren halt so in ist. Ich fand denn Austausch von Zärtlichkeiten, Küssen etc immer ekelhaft und habe es über mich ergehen lassen.…
  • 97 Antworten

    @ Anna

    Ja den zweiten Test hab ich auch gemacht. Ergebnis sowohl als auch. Aber wie gesagt. Ich glaube ich habe von Diagnostik derzeit die Nase voll. Und Köln ist weit weg. Ausserdem bin ich in psychiatrischer Behandlung.

    @ Twilight

    Kennst du Lisbeth Salander? Dann weisst du in etwa wie ich aussehe ;-D Leider ist sie ja nur Fiktion, aber genau mein Ding, auch wenn ich ganz unabhängig davon meinen Stil habe, der ihr halt sehr ähnelt.

    Es wurden ja noch andere Sachen genannt als Asperger. Muss auch nicht in die schizoide Ecke gehen; könnte auch was ganz anderes sein. Es reicht insofern vielleicht zu wissen, wie du funktionierst und ein Auskommen damit zu finden in deiner Umwelt.

    Ein schwerer Gang. Ich hatte vor ein paar Wochen schon mal einen Faden in "Beziehungen" eröffnet. Da hatte ich das mit dem Alias noch nicht geschnallt. Aber vielleicht erklärt auch dies einiges.


    http://www.med1.de/Forum/Beziehungen/682043/


    Ich habe diese unsägliche Beziehung heute beendet. Nach dem das gleiche mit dem Sohn der Nachbarn oassiert ist und ich das ein oder andere Mal trotz Einladung dann doch weggeschickt wurde, weil ich diese Beziehung wohl gestört habe, zumindest aus der Sicht des Nachbarsohnes. Laut ihrer Sicht war ich nach wie vor ihr ein und alles, nur mich würde sie wirklich lieben,...


    Heute nachmittag wieder, ich kam und er war da. Ich wurde begrüsst mit:"Du der D. möchte mehr Zeit für sich, kannst du so lange nach oben oder nach Hause gehen? Ich rufe dich dann an, wenn er weg ist. Dann kannst du wieder rüber kommen." Nee, Danke. Ich lass mich doch nicht abrufen. Und ich wusste eh, es tut mir nicht gut. Ich habe dann meine Sachen gepackt und gesagt ich gehe jetzt und komme nicht mehr wieder, da ich mich nicht nach belieben hin und her schieben lasse. Sie ist ausgeflippt, obwohl sie mir immer geschworen hat, sie würde es mir nie übel nehmen, wenn ich es beende. Nun ja, jetzt bin ich ein Egoistenschwein, dass sie aber trotzdem liebt. Mit dem Egoschwein kann ich leben. Mir tut es nur leid, dass sie nicht verstanden hat, was es mit mir macht. Ich weiss bis heute nicht, was sie aus dieser Beziehung gezogen hat, aber irgendwie hat sie es auch gebraucht, so aufopferungsvoll wie sie war.


    Ich wusste, man sollte sich einfach nicht einlassen, bringt nix.

    Nein, ich habe keinen Liebeskummer. Ich habe sie nie geliebt in dem Sinne. Ich kann tatsächlich nicht lieben. Ich hab mich abhängig gemacht. Sie hat mir ein Geschenk gemacht, welches schön und grausam tugleich war.


    Ich leide trotzdem und hoffe darüber hinwegzukommen.

    Jemanden zu lieben, kann man lernen.


    Du kannst schon recht viel, und auch mit der ehemaligen Zimmernachbarin hast Du einiges gelernt.


    Du hast Nähe zugelassen und hast Dich geborgen gefühlt.


    Ich weiß nicht, was Dir noch fehlt, um zu lernen, einen Menschen zu lieben. Kannst Du noch ein bisschen was dazu schreiben? Möchtest Du es überhaupt lernen, oder brauchst Du "nur" einen Menschen, der Dich tröstet, weil Du so einsam bist?

    Zitat

    Ich leide trotzdem und hoffe darüber hinwegzukommen.

    :)_


    Ging es Dir darum, Dir das von der Seele zu schreiben? Hast Du noch Fragen, möchtest Du Meinungen oder Ratschläge?

    Ja, ich habe. Nähe und Geborgenheit zugelassen, aber mich damit in eine Abhängigkeit begeben, die mir nicht gut getan hat. Es war von Anfang an eine kranke Beziehung, die nur Schmerz zurücklässt.


    Ich glaube letztlich bin ich nicht fähig wirklich zu lieben. Ich hätte diese Gefühle gerne auf einer anderen Ebene gehabt, denn das ist es, was in meinen Augen letztlich eine Beziehung von Liebe geprägt ausmacht. Mein Kind ist voller Sehsucht. Ich als Erwachsener bin nicht liebesfähig.

    Ich bin jetzt 5 Kilo leichter. Morgen kommt eine andere Freundin über Wochenende, um mich aufzupeppeln. Und nein, das ist eine Freundschaft auf gleicher Ebene.


    Ich hatte mit dieser Frau keine Freundschaft, es war von beiden Seiten eine Abhängigkeit, ich wünschte nur, auch sie würde ihren kranken Anteil an dieser Beziehung sehen, um für sich selbst zu gesunden. Aber das tut sie nicht. Das ist es was mich schmerzt.

    Hallo Alias!


    Gerade habe ich deinen Faden entdeckt, komplett gelesen und auch deinen anderen hier verlinkten Faden durchgelesen, weil mir einiges, was du schreibst bekannt vorkommt, da ich ähnlich war wie du und deshalb möchte ich dir nun gerne schreiben, auch wenn ich natürlich leider nicht weiß, ob es dir helfen wird.


    Bei mir gab es auch öfter den Verdacht auf Asperger, aber heute weiß ich, dass dies nicht der Fall ist, sondern dass ich nur ähnliche Verhaltensweisen eines Aspergers hatte, aufgrund von Traumata ??jahrelanger körperlicher und seelischer Missbrauch und Vergewaltigung??.


    Wie du, war ich nicht fähig, jemanden richtig zu lieben, auf sexueller Ebene schon gar nicht und ich habe mich in dieser Welt immer fremd und falsch gefühlt, schon als Kind/Teenager (vieles was du davon geschrieben hast, trifft auch auf mich zu ... fühlte mich als Teenager unter Gleichaltrigen immer fehl am Platz). Viele, viele Jahre Therapie, Psychopharmaka, aber immer wieder heftige Abstürze mit schweren Depressionen, Suizidversuchen, Psychiatrieaufenthalten. Aus dieser Spirale kam ich nicht heraus.


    Ebenfalls wie du (in dem anderen Faden beschreibst), habe ich mich auf emotionale Abhängigkeiten zu älteren Frauen eingelassen, um die Sehnsucht meines Kindes in mir nach Mutterliebe zu stillen, die ich von meiner Mutter nie bekam. Es war für den Moment immer erfüllend und schön, aber das tiefe schwarze Loch lauerte schon immer im Hintergrund ... Denn diese Liebe zwischen Kind und Mutter kann man als Erwachsene einfach nicht nachholen und schon gar nicht mit einer "fremden" Frau, die man sich dazu auserkoren hat. Auf lange Sicht hin kann man da nur verlieren – auf beiden Seiten.


    Ich holte mir diese "Liebe" von meiner langjährigen Therapeutin, die dieses Spiel leider mitmachte. Dass das nicht gut enden konnte, hätte sie wissen müssen, ich vielleicht auch. Manchmal viel Nähe, dann wieder viel Distanz, was mich verletzt und verunsichert hat – ein ewiges hin und her. Das, was du beschreibst, auf "Abruf" bereit stehen und nur dann Nähe, Geborgenheit etc. zu bekommen, wenn dem anderen danach ist und ansonsten im Regen stehen gelassen zu werden – ja, das kenne ich auch alles. Dass deine "Beziehung" zu dieser Frau keine gute war, sondern eine völlig ungesunde Abhängigkeit auf beiden Seiten, ein Stillen einer tiefen unerfüllten Sehnsucht, das ist dir ja (inzwischen) auch klar und es ist gut, dass du diese Geschichte beendet hast, bevor sie dich noch tiefer reingezogen und noch abhängiger gemacht hätte. Denn natürlich empfindet man dann einen kaum auszuhaltenden Abschiedsschmerz, wenn diese "Beziehung" zu Ende geht. Ich kenne das so gut. Ich fühlte mich immer, wie ein Kind, dass in einer fremden Umgebung von seiner Mutter allein zurückgelassen wurde und nun plötzlich alleine zurechtkommen muss. Totaler Verlust!


    Letzten Herbst kam ich dann aufgrund eines körperlichen Zusammenbruchs in eine Klinik, in der mir auf einer anderen Station Therapiegespräche angeboten wurden (war keine Psychiatrie in dem Sinne), die ich zuerst nicht wahrnehmen wollte, aber dann irgendwann doch zusagte und DIESE Gespräche waren mein Befreiungsschlag!


    Die Therapeutin machte mit mir eine intensive Traumatherapie, die ich wohl schon lange gebraucht, aber meine eigentliche Therapeutin anscheinend nie in Erwägung gezogen hatte. Ich habe mit der (neuen) Therapeutin ALLE Traumata aufgearbeitet. Manches wollte natürlich nicht an die Oberfläche, aber mit Hilfe von zusätzlichen Hypnosesitzungen gelang es uns, auch an die ganz tief vergrabenen Dinge zu kommen. Das war alles furchtbar anstrengend und ich war immer völlig fertig, aber es hat sich gelohnt! Nach und nach lösten sich alle Knoten und ich fühlte (fühle mich immer noch) so unglaublich befreit! Da ich mit engeren Verbindungen zu Menschen, mit Nähe, auch so extreme Probleme hatte, haben wir dann noch mit Verhaltenstherapie und Rollenspielen gearbeitet.


    Jedenfalls hat sich während dieser Traumatherapie alles in mir gelöst – als hätte vorher ein dicker Knoten um meine Seele gesessen, der nun offen ist. Die Sehnsucht des Kindes in mir ist weg! Das gestörte Verhältnis zu meiner Mutter hat sich, von meiner Seite, sehr verbessert, Vergangenes ist für mich abgeschlossen und ich kann sie nun so (an-)nehmen, wie sie eben ist. Manchmal ärgert mich noch was, aber mehr als Ärger ist es nicht, kein Verletztsein mehr etc.


    Erst nachdem diese Sehnsucht des Kindes nach Mutterliebe verschwunden ist, merke ich nun, dass da noch andere Liebe, andere Gefühle in mir sind, die ich vorher wohl gar nicht wahrnehmen konnte. Plötzlich empfinde ich große Zuneigung gegenüber Menschen, schaue mir auch mal einen Mann näher an, wenn er mir gefällt, würde sogar fast sagen, dass ich endlich so etwas mache wie "Flirten" und kann mir nun langfristig sogar vorstellen, mal eine Liebesbeziehung einzugehen, eine Partnerschaft zu führen, was noch vor einem Jahr völlig undenkbar schien und ich mir sicher war, für immer einsam und alleine zu bleiben.


    Worauf ich nun hinaus wollte. Könnte es bei dir auch sein, dass irgendwelche Traumata dich dahingehend blockieren, dass du nicht in der Weise leben kannst, wie du es vielleicht gerne würdest und du gar nicht fühlen kannst? Wäre es möglich, denkbar für dich, diese zu versuchen aufzuarbeiten? Ich kann dir nur von mir sagen, dass es ein riesiger Befreiungsschlag war und man manchmal viele Wege gehen muss, bevor man an den richtigen Menschen (Arzt/Therapeut) kommt, der einem endlich helfen kann.


    Ich lebe nun auch fast völlig ohne Psychopharmaka (eines muss noch von 0.5mg weiter herab- und dann ganz abgesetzt werden) und ich habe, seitdem ich den ganzen Kram nicht mehr nehmen muss, endlich das Gefühl, wieder wirklich ich selbst zu sein, zu fühlen und zu (er)leben. An einem richtig normalen Leben hindert mich jetzt nur noch eine körperliche Erkrankung, für die ich nun aber endlich die nötige Kraft habe, sie anzugehen und für Besserung zu kämpfen.


    Insgesamt merke ich, dass ich seit der Aufarbeitung der Traumata ganz anders mit mir und meiner Umelt umgehe, dass ich wieder etwas empfinden und empathisch sein kann, dass ich wieder lachen kann und die Menschen um mich herum auch ganz anders wahrnehme als vorher. Ich fühle mich nicht mehr fremd, sondern dazugehörig und verstanden, ich kann endlich vertrauen und habe alle Ängste verloren.


    Das war jetzt viel, entschuldige. Aber ich habe mich von deinen Beiträgen sehr angesprochen gefühlt und wollte dir auch gerne mit meiner Geschichte zeigen, dass ich dich verstehe und einige deiner Empfindungen gut nachvollziehen kann.


    Ich wünsche dir sehr, dass du auch einen Weg findest, um ein zufriedeneres Leben führen zu können! :)*

    Ach eines noch: Ich hatte auch immer ein unvorstellbares Verlangen nach Trost, wie ein kleines Kind, dass sich verletzt hat und unfassbar traurig ist - auch dieses Verlangen ist völlig weg. Ich brauche keinen Trost mehr, viel mehr wünsche ich mir jetzt jemanden, der mich (auf Augenhöhe) aufrichtig liebt und den auch ich lieben kann.

    Liebe Inselwölfin,


    du hast recht. Ja auch bei mir gibt es Traumata (deiner ähnlich), vieles aber ist verschüttet.


    Eine Traumatherapie ist geplant, ich stehe auf der Warteliste. Allerdings muss ich erst aufgrund der Depressionen stabiler werden. Und ich glaub auch bei mir nicht an Asperger, auch wenn es immer wieder aufkommt.


    Ich finde es für dich schön und für mich tröstlich zu lesen, das du es geschafft hast.


    Danke für deinen Beitrag, er macht mir Hoffnung, zumindest für den Moment.

    Liebe Alias,


    es freut mich unglaublich, wenn ich dir etwas Hoffnung auf Besserung machen konnte und finde es toll, dass du auf einer Warteliste für eine Traumatherapie stehst. Ich wünsche dir sehr, dass du diese in naher Zukunft angehen kannst und sich dann bei dir vielleicht auch solch ein Knoten löst. Bei mir war auch noch einiges verschüttet, nicht alles greifbar, was mir Angst gemacht hat. Das vorsichtige Herantasten klappte dann aber gut und letztlich waren die verschütteten Erinnerungen gut auszuhalten, da sie auch etwas Positives hatten - sie gaben Klarheit.


    Alles Gute! :)* :)* :)*