Ich erkenne meinen Freund nicht wieder!

    Hallo ihr lieben Leute da draußen!


    Ich lese hier schon einige Zeit mit und seit Längerem habe ich ein Problem und ich weiß nicht wirklich, ob es eines ist oder ob ich übertreibe.


    Ich bin stolze Mutter von zwei Söhnen (2 Jahre bzw. 5 Monate alt). Mein 5 Monate alter Sohn ist alles andere als leicht zufrieden zu stellen - er schläft nur in der Bauchtrage, er will auch den ganzen Tag nur herumgetragen werden und lässt sich für maximal 5 Minuten hinlegen, dann beginnt fürchterliches Gebrüll, das sich steigert und nicht aufhört. Aber herumtragen zu werden liebt er, er will überall dabei sein und ist zufrieden, wenn er getragen wird.


    Soweit so gut. Ich bin also schon tagsüber sehr gefordert, beide Kinder sind durchgehend bei mir und ich bin alleine, habe keine Hilfe, weil auch niemand Zeit hat.


    Kommt mein Freund abends nach Hause, hilft er mir - aber nur mit dem Großen. Den Kleinen nimmt er nie, denn "er schreit ja nur bei mir". Das ist ein richtiger Teufelskreis geworden - weil er ihn nie nimmt, schreit er natürlich bei ihm, wenn er ihn mal ausnahmsweise nimmt und beruhigen will. Es geht soweit, dass ich behaupten würde, dass der Vater kein Verhältnis zu seinem Sohn hat. Er sagt, das Kind spinne, habe "einen Knall", gehöre zum Arzt, das sei "ja nicht normal". Er meint manchmal, er will sich irgendwelche Medikamente vom Arzt holen, weil das so ja nicht mehr weitergehe. Er hat absolut kein Verständnis für das kleine Wesen und auch beim "Trösten" geht es eher mehr rau als liebevoll zu. Auch lässt er ihn dann einfach im Bett brüllen -"er muss das jetzt lernen!" Trösten besteht aus hauptsächlich "Psscht!!" - Rufen und Flasche-Geben, natürlich versucht er ihn auch zu tragen und schleppt ihn herum! Kommt mein kleiner Sohn zu mir (entweder drückt er ihn mir entnervt in die Hand oder ich hole den kleinen Zwerg, weil ich so leide mit ihm), ist er natürlich sofort still, was meinen Freund noch mehr auf die Palme treibt und ihn zu noch mehr lieblosen Kommentaren treibt.


    Ich erkenne meinen Freund nicht wieder. Bei meinem ersten Sohn hatte er viel mehr Geduld und war um einiges liebevoller. Seinen zweiten Sohn ignoriert er (wenn es gut geht) oder kommentiert alles negativ.


    Auch bin in der Nacht ausschließlich ich für beide Kinder verantwortlich, weil er sie einfach nicht hört und weiterschläft, während sie brüllen. Es ist ziemlich viel Arbeit für mich, ich fühle mich oft sehr allein gelassen, obwohl ich meine Kinder über alles liebe und niemals was anderes wollen würde!


    Wenn ich das Ganze so durchlese, macht mich das alles so traurig. Nicht die Tatsache, dass ich (gefühlt - das ist ja jetzt nur meine Sicht der Dinge!) mit allem, was meinen kleinen Sohn betrifft, alleine bin. Das wäre ja noch verkraftbar. Aber dass er so hässlich über sein Kind redet - er hat es sich ja auch gewünscht! Und wir jedes Mal in einen Riesenstreit geraten, wenn ich das Thema "nimmst du ihn bitte?" anschneide. Das treibt mich so weit, dass ich am liebsten alles hinschmeißen würde.


    Wird das irgendwann mal wieder besser? Wie könnte man ihr Verhältnis aufbauen? Hat schon mal jemand was Ähnliches erlebt? Und überlebt so was eine Beziehung? Im Moment habe ich das Gefühl, hier ist Endstation.


    Ich danke euch fürs Lesen und Zuhören :-) und für eure Antworten!

  • 17 Antworten
    Zitat

    Bei meinem ersten Sohn hatte er viel mehr Geduld und war um einiges liebevoller. Seinen zweiten Sohn ignoriert er (wenn es gut geht) oder kommentiert alles negativ.

    Merkwürdige Wortwahl. Der pflegeleichte Sohn ist "deiner" und der Schreihals "seiner".

    Hallo, sehr schwierige Situation. Das Kind wollte er aber schon haben?


    Ich werde hier keinesfalls Tipps geben, ich habe selbst keine Kinder deshalb sehe ich einiges evt. anders als eine Mutter aber meine Gedanken dazu:


    Ich frage mich manchmal ob es wirklich gut ist, Kinder ständig rum zu tragen wenn sie weinen, da verstehe ich deinen Freund auch etwas.


    Glaube nicht dass es Schäden verursacht wenn man es wirklich mal weinen lässt.


    Damit meine ich nicht, es stundenlang sich selbst zu überlassen aber wenn ich immer sofort hin renne lernt das Kind doch nie sich selbst zu beruhigen.

    Mir kommt es so vor, als würdet ihr beide mit dem Brüllkind nicht zurecht kommen. Er schiebt seinen Unmut auf dich und du den deinen auf ihn. Brüllkinder sind echt hart. Aber wenn du deinem Schreihals alles durchgehen lässt, dann wird sich nicht viel ändern. Lies doch mal:


    spiegel.de/gesundheit/diagnose/schreikinder-was-eltern-von-schreibabys-tun-koennen-a-920689.html


    Es gibt auch Schrei-Ambulanzen für gestresste Eltern.

    Zitat

    wenn ich immer sofort hin renne lernt das Kind doch nie sich selbst zu beruhigen.

    Ein 5 Monate altes Baby "lernt" nicht. Da wird lediglich Urvertrauen gebildet und das am Besten, wenn man sich des schreienden Babys sofort annimmt.

    Zitat

    Glaube nicht dass es Schäden verursacht wenn man es wirklich mal weinen lässt.

    Falls das Baby aufhört zu weinen, wenn keiner kommt, hat es nicht gelernt, sondern resigniert. = keine gute Basis zum Urvertrauensaufbau.


    Babys brauchen den Körperkontakt, einige mehr, andere weniger. Das Tragen ist eine sehr gute Methode, um ein gutes Gefühl zu vermitteln. Ich würde hier eher mal dem Mann ordentlich die Meinung geigen.

    Oh Menno, lass Dich erst mal drücken :)_


    Erstmal möchte ich Dir sagen, dass ich das sehr gut nachvollziehen kann, wie Du Dich fühlst. Mein Kleiner ist jetzt auch 2 und war als Baby sehr fordernd und hat Stunden lang geweint, ich war auch viel alleine, ich habe auch kaum geschlafen und war chronisch überfordert, müde und extrem gereizt.


    Aus der Ferne betrachtet klingt das Verhalten Deines Babys durchaus normal - es gibt halt Kinder, die so sind und mehr Aufmerksamkeit und Nähe brauchen als andere, manchmal unruhiger sind und mehr weinen.


    Das ist für Deinen Partner neu, weil er das von Eurem Großen so eben nicht kennt. Bei allem Verständnis für dieses kleine Wesen kann einen das viele Weinen auch an die Belastungsgrenze bringen.


    Bei zwei so kleinen Kindern wird die Belastung umso größer - auch für ihn, auch wenn er weniger damit konfrontiert ist, als Du.


    Für mich klingt das Verhalten Deines Freundes nach Überforderung und schlicht Hilflosigkeit, weil er das Gefühl hat, nichts tun zu können.

    Zitat

    Es geht soweit, dass ich behaupten würde, dass der Vater kein Verhältnis zu seinem Sohn hat.

    Weiß ich nicht, ob das so weit gehen muss. Oft ist das so, wenn die Minis noch so klein sind. Da ist die Nähe zur Mama maximal groß, Ihr seid ja quasi eine Einheit, der Kleine will fast körperliche Verschmelzung, da ist es für die Papas oft mega schwer, auch einen Platz zu finden.


    Und weil ich Folgendes von mir kenne möchte ich Dir noch diese Fragen stellen: wenn Dein Freund das Baby hat, lässt Du ihn dann auch mal machen? Oder gehst Du immer dazu mit gut gemeinten Ratschlägen?


    Lässt Du ihn auch mal einfach selbst eine Lösung finden? Oder weißt Du es immer besser als der Papa?


    Was auch immer sein mag - das rechtfertigt natürlich kein gemeines Verhalten Dir oder den Kindern gegenüber. Das solltest Du ihm auch so mitteilen können und dann in der jeweiligen Situation "dazwischen gehen".


    Dass Du Dir die Nächte komplett alleine um die Ohren schlägst, geht auf Dauer nicht. Die Mama ist immer maximal gefordert und braucht auch mal eine Pause, um wieder gut "funktionieren" zu können.


    Idealerweise kannst Du mit Deinem Partner in einer ruhigen Minute darüber sprechen und Ihr könnt eine Lösung finden. Dafür musst Du erklären und dafür einstehen, was Du brauchst und er muss zuhören. Das ist nicht leicht, erst recht nicht, wenn die Nerven blank liegen, aber es ist notwendig und es ist möglich.

    Zitat

    Wird das irgendwann mal wieder besser? Wie könnte man ihr Verhältnis aufbauen? Hat schon mal jemand was Ähnliches erlebt? Und überlebt so was eine Beziehung? Im Moment habe ich das Gefühl, hier ist Endstation.

    Ja, ich habe das so ähnlich erlebt, bei uns wurde es besser und unsere Beziehung ist nicht immer harmonisch, aber sehr stabil. Das steht und fällt aber in meiner ganz persönlichen Erfahrung mit einem ganz zentralen Empfinden: ist mein Partner für mich da? Hilft er mir, wenn es eng wird? Mache ich alles alleine und fühle mich alleine gelassen? Oder sind wir ein gutes Team?


    Ein gutes Team wird man nur in den seltensten Fällen von ganz alleine, da ist ein Stück Arbeit notwendig.


    Dazu ist es notwendig, dass Du Deine Bedürfnisse kommunizierst, er seine und Ihr BEIDE die Bereitschaft habt, eine gute Lösung zu finden.


    Manche schaffen das, manche nicht.


    Sich ganz alleine gelassen zu fühlen kann definitiv ein Beziehungskiller sein.

    Hast du einen guten Kinderarzt? Wenn ja, lass dir mit deinem Mann einen Termin geben, damit ihm der Kinderarzt erklärt, dass euer Sohn nicht krank ist, keine Medikamente benötigt. Dass es eben keinen Knall hat. Dann kann er sich solche Sprüche sparen.


    Dein Mann ist genervt und überfordert. Und vielleicht auch ein Stück weit eifersüchtig, weil sich der Kleine bei dir beruhigt. Ihm muss klar sein, dass sich seine Gereiztheit auf den Kleinen überträgt und er dann erst recht schreit.


    Hast du ihm deutlich gesagt, dass du schon am Ende bist?


    Ihm sollte schon klar sein, dass er mit seinem Verhalten eure Familie und deine Gesundheit aufs Spiel setzt.


    Kannst du dich von deiner oder seiner Mutter stundenweise entlasten lassen oder ist keine Familie in der Nähe?

    Im Alter vom fünf Monaten stellt das Schreien für das Kind die einzige Art dar, Befehle zu erteilen:


    Mutter! Sofort herkommen!


    Mutter! Brust!


    Mutter! Dies!


    Mutter! Das!


    Und Mutter spurt. Immer.


    Alles in bester Ordnung.

    Zitat

    Im Alter vom fünf Monaten stellt das Schreien für das Kind die einzige Art dar, Befehle zu erteilen

    Kann man so sagen....


    Man kann aber auch sagen:


    Im Alter von fünf Monaten stellt das Schreien für das Kind die einzige mögliche Art dar, Bedürfnisse zu kommunizieren.

    Kann es sein, dass der Vater sich von seinem kleinen Kind abgelehnt fühlt? Also so, als hätte das teilweise unzufriedene Verhalten des Kleinen etwas mit ihm zu tun? Das muss er noch nicht mal bewusst so empfinden, aber für mich klingt das so, als würde er vielleicht fühlen: Wenn du mich nicht willst, will ich dich auch nicht.


    Und wenn er das Kind wirklich wollte, glaube ich fast, dass er sich damit nicht wohl fühlt. Wahrscheinlich eben, weil er sich das ganze rosarot und schön ausgemalt hat. Wie beim großen Kind, eben.


    Würde es für deinen Partner in Frage kommen, sich kurzfristig professionelle Unterstützung zu holen? Oft kann ein neutraler Blick von einem Außenstehenden einen ja wieder besser auf den Boden der Tatsachen holen, als es Familie und Freunde könnten.

    Schon mal das Gespräch in Ruhe gesucht? Ohne vorherigen Ärger.


    Erklär ihm das in Ruhe. Er muss einfach verstehen, dass alle Babys unterschiedlich sind und er hat es anscheinend verpasst von Beginn an eine Bezugsperson für den kleinen zu sein.


    Da muss er einfach mal ein paar Tage Geduld beweisen und wenn sich der erste Erfolg einstellt, wird er vermutlich auch entspannter im Umgang.


    Aber wenn er schon mit einer so miesen Einstellung das Baby nimmt, wird das wohl nix.

    Ich kenne die Situation von meinen Kindern. Der große war immer zufrieden, sobald man ihn auf dem Armt hatte. War zwar viel Arbeit, die Schlepperei, aber irgendwie auch schön. Der schlief auf meinem Bauch oder auf meinem Arm, ließ sich betüdeln und verwöhnen. War er allein, gab's Gebrüll, aber man wusste ja, was hilft. Dann kam meine Tochter. Die wollte ihre Ruhe. Wenn die aber mal geschrien habt, dann war die Not groß, denn tragen, in den Arm nehmen, kuscheln, nichts half. Wenn dann das eigene Nervenkostüm durch Schlafmangel eh schon strapaziert ist, dann wird's eng. Man fühlt sich extrem hilflos und wird sauer. Da sind dann auch bei mir mal böse Worte gefallen, die ich später sehr bereut habe. Es wurde besser. Irgendwann war meine Tochter diejenige, die stundenlang auf dem Arm oder auf dem Schoss sein wollte und extrem anhänglich geworden ist.


    Als Paar ist es wichtig, in solchen Situationen zu merken, wer gerade Streß hat, damit man den Partner dann entlasten kann. Das ist natürlich extrem ärgerlich, wenn das nur einseitig klappt. Aber das Wohlwollen Deines Jüngsten gegenüber dem Vater kann man auch nicht erzwingen. Er hat keine Brust, die er dem Kind geben kann, damit hat er verloren. Das gibt sich eigentlich ein Stück weit, wenn er die Flasche geben kann. Klappt das denn zwischen den beiden?

    Zitat

    Auch bin in der Nacht ausschließlich ich für beide Kinder verantwortlich, weil er sie einfach nicht hört und weiterschläft, während sie brüllen.

    Kenn ich. Hat sich bei uns schlagartig geändert, als meine Frau abgestillt hatte. Seitdem hat sie einen Schlaf, den nichts stören kann und ICH bin für alles zuständig. Flasche geben früher und weinendes Kind das Angst hat später. Es wird besser. Die Kinder schlafen irgendwann länger.

    @ :)

    Hallo,


    Habe die Antworten hier kurz überflogen aber möchte doch noch etwas hinzufügen.


    Ich kann dich natürlich sehr gut verstehen und fühle mit dir! So ein Verhalten vom eigenen Mann zu sehen tut weh und überfordert.


    Deine Reaktion, dass du den Kleinen nimmst, um ihn zu beruhigen ist selbstverständlich absolut legitim und verständlich.


    Aber könnte es sein, dass die Sicht deines Mannes dann so sein könnte, dass er sich nur noch unbrauchbarer und unfähiger fühlt als ohnehin schon?!


    Diese Reaktion könnte signalisieren: dein papa kann dich nicht beruhigen, also komm lieber zu mir.


    Vielleicht würde es da mehr bringen, bei ihm zu bleiben, ihn auf Augenhöhe zu unterstützen und den Kleinen "gemeinsam" zu beruhigen. So bekommt der Vater Hilfe, ist nicht alleine aber bekommt das Gefühl, dass er das auch schaffen kann. Die Kleinen sind sehr sensibel und reagieren auf Unsicherheiten und weinen dann.


    Somit bekommt er auch wieder mehr Mut, es alleine machen zu wollen, weil positive Erfahrungen für Kind und Vater geschaffen wurden.


    Andere Frage: käme für dich eine Nanny oder Tagesmutter in frage? Sie könnte dir im Haushalt helfen, sodass du tagsüber nicht ganz allein bist. So verringert sich auch dein Frust, alles könnte stressfreier werden und das überträgt sich auch auf die Kinder.


    Ich arbeite seit vielen Jahren in einer Kita, begleite Eltern und Kinder und habe schon einiges mitbekommen :)


    Das kind alleine schreien zu lassen, halte ich allerdings auch für nicht gut für das Kind, vor allem wenn es noch so Klein ist. Aber es gibt dann viele andere Tipps und Tricks, wie man es lösen könnte.


    Ich habe natürlich keine Emotionale Bindung zu den Kleinen, aber vlt kann genau diese Sicht einer Mutter auch gut mal helfen :)


    Falls du Fragen hast, schreib mir gerne eine PN!


    Alles gute

    Hallo! Vielen herzlichen Dank für das Lesen meiner Geschichte und dafür, dass ihr so viel dazu geschrieben habt :-) ich versuche jetzt mal die meisten Beiträge zu beantworten, später dann mehr...

    Zitat

    Ich frage mich manchmal ob es wirklich gut ist, Kinder ständig rum zu tragen wenn sie weinen, da verstehe ich deinen Freund auch etwas.


    Glaube nicht dass es Schäden verursacht wenn man es wirklich mal weinen lässt.

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    Ja, das ist natürlich ein Punkt! Ich versuche natürlich auch, dass sich der Kleine auch außerhalb der Trage beruhigen kann - Federwiege, Kinderwagen und Co. An manchen Tagen geht es gut, an anderen überhaupt nicht, da braucht er einfach nur das Geschaukel auf mir ;-) Und weinen muss er zwangsläufig auch mal - weil ja auch der große Bruder was braucht und umsorgt werden will, alles kann man dann doch nicht machen...

    JuliaT

    Zitat

    Ein 5 Monate altes Baby "lernt" nicht. Da wird lediglich Urvertrauen gebildet und das am Besten, wenn man sich des schreienden Babys sofort annimmt.

    Zitat

    Ja, diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Ich habe das Gefühl, der Kleine ist eben ein Kind, das sehr viel Körperkontakt braucht und durch sein Schreien einfordert.

    Freudentanz1984

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    Erstmal möchte ich Dir sagen, dass ich das sehr gut nachvollziehen kann, wie Du Dich fühlst. Mein Kleiner ist jetzt auch 2 und war als Baby sehr fordernd und hat Stunden lang geweint, ich war auch viel alleine, ich habe auch kaum geschlafen und war chronisch überfordert, müde und extrem gereizt.

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    Danke dir dafür :-) es geht mir schon um einiges besser, wenn ich das lese und weiß, dass es anderen auch so ging und das das auch mal vorbei geht ... irgendwann ... Wie hast du das überstanden, deine Gereiztheit und Müdigkeit? Vor allem die Gereiztheit macht mir manchmal Sorge, da kann ich schon wegen Kleinigkeiten explodieren...

    Zitat

    Für mich klingt das Verhalten Deines Freundes nach Überforderung und schlicht Hilflosigkeit, weil er das Gefühl hat, nichts tun zu können

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    Ja, das kann gut sein! Vielleicht hat er wirklich das Gefühl, da machtlos daneben zu stehen. Aber die Sache ist irgendwie, ich musste das auch erst mal langsam "aufbauen". Ich musste herausfinden, was er mag, was er nicht mag, ob er lieber so getragen werden will oder anders. Wie er am liebsten geschaukelt wird, ob es hell oder dunkel sein soll. Angebrüllt wurde ich genau so, es dauerte auch seine Zeit, bis wir uns eingespielt hatten. Nur habe ich jetzt das Gefühl, mein Freund hat da den "Anschluss verloren". Er hat ihn in der Zeit einfach mir überlassen und jetzt ... naja!

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    Da ist die Nähe zur Mama maximal groß, Ihr seid ja quasi eine Einheit, der Kleine will fast körperliche Verschmelzung, da ist es für die Papas oft mega schwer, auch einen Platz zu finden

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    Ja, das ist auch ein guter Punkt und den muss ich immer im Hinterkopf behalten, danke!

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    Lässt Du ihn auch mal einfach selbst eine Lösung finden? Oder weißt Du es immer besser als der Papa?

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    Also wenn er ihn hat und auch zu trösten versucht, ziehe ich mich leise mit Sohn1 zurück und störe die beiden nicht. Ich versuche leise zu reden (damit Sohn2 nicht meine Stimme hört!) und gebe auch keine Ratschläge.


    Aber manchmal ist das sehr schwer - wenn der Kleine auf der Krabbeldecke quengelt und leise zu weinen beginnt, macht mein Freund dann oft Sachen, dass man denkt, der hat zum ersten Mal ein Baby gesehen - er scheppert mit einer lauten Glocke vor seinem Gesicht herum, pustet ihm ins Gesicht oder lässt das Feuerwehrauto von Sohn1 laut tatütata machen, ewig lang. Naja, dass der dann halt noch mehr brüllt... er meint halt, das lenke ihn vom Schreien ab ... er müsste ihn halt aufnehmen, ein wenig "bekuscheln" (finde ich!) aber wenn ich (dezent!) was sage, dann heißt es, ich solle mich da raushalten :-(

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    Idealerweise kannst Du mit Deinem Partner in einer ruhigen Minute darüber sprechen und Ihr könnt eine Lösung finden. Dafür musst Du erklären und dafür einstehen, was Du brauchst und er muss zuhören. Das ist nicht leicht, erst recht nicht, wenn die Nerven blank liegen, aber es ist notwendig und es ist möglich.

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    Danke! Eine ruhige Minute haben wir bis jetzt noch nicht gefunden - aber das muss sich auf jeden Fall ändern! Dass es möglich ist, den Zustand zu ändern, gibt mir Hoffnung...

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    Oder sind wir ein gutes Team?

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    Ja, ein gutes Team! Das waren wir mal ... wie habt ihr das geschafft, wieder zueinander zu finden und wie hast du dir Gehör verschafft?

    Rhelia:

    Gute Idee! Am Freitag hat mein kleiner Sohn einen Impftermin, da könnte mein Mann ja mal seine kruden Theorien präsentieren ... ob er das dann da tatsächlich macht oder daheim nur davon redet, zeigt sich dann ja!

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    Dein Mann ist genervt und überfordert. Und vielleicht auch ein Stück weit eifersüchtig, weil sich der Kleine bei dir beruhigt. Ihm muss klar sein, dass sich seine Gereiztheit auf den Kleinen überträgt und er dann erst recht schreit.

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    Danke dir auch dafür! Ja das klingt sehr logisch!! Eifersucht kann auch dahinter stecken!

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    Hast du ihm deutlich gesagt, dass du schon am Ende bist?

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    Ja, schon! Habe auch schon mal einen Heulanfall bekommen, als das Gebrüll einfach nicht enden wollte. Er sagt dann halt, ihm gehe es auch nicht anders und auf der Arbeit hat er auch schon so einen Stress. Es kommen dann halt einfach so viele Ausreden für sein Verhalten. Das war früher nicht so.

    Zitat

    Kannst du dich von deiner oder seiner Mutter stundenweise entlasten lassen oder ist keine Familie in der Nähe?

    Zitat

    Die arbeiten leider alle, sehr viel! Ich werde aber versuchen, mal die Familie mehr einzuspannen!

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    Kann es sein, dass der Vater sich von seinem kleinen Kind abgelehnt fühlt?

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    Das ist auch ein interessanter Gedanke! Quasi das Geschrei wird als "persönlich" empfunden.

    Zitat

    Wahrscheinlich eben, weil er sich das ganze rosarot und schön ausgemalt hat. Wie beim großen Kind, eben.

    Zitat

    Das große Kind war grade zu Beginn auch nicht pflegeleicht! Da gab es auch viiiel Geschrei, da hat der Papa aber viel Enthusiasmus und eine Engelsgeduld gezeigt und sich ewig gekümmert und getragen. Bis Sohn1 erschöpft eingeschlafen ist und er ihn ins Bett legen konnte! Die zwei hatten sogar eine eigene CD, die sie jeden Abend hörten und so hat sich ein super Ritual gebildet. Mit ca 4 Monaten wurde es schließlich besser und leichter... bei Sohn1 hatte ich auch noch das Gefühl, wir sind ein Team! Wir standen alles gemeinsam durch und haben auch miteinander gelacht, wenn wir zum hundertsten Mal Gewand wechseln mussten oder auf Zehenspitzen durch die Wohnung... jetzt ist das alles weg.


    Nun kommt eine mögliche Erklärung für sein Verhalten jetzt - Als ich dann mit Sohn2 schwanger war, sagte er, pah, so schwer wie mit Sohn1 kann es gar nicht mehr sein! Wir sind für alles gewappnet, wir haben alle Tricks auf Lager! War dann halt doch anders als gedacht - Vermutlich hat ihn das jetzt ein bisschen arg überrascht, dass es doch noch mal schlimmer geht? Oder seine Geduld ist aufgebraucht?


    Oft sagt er "das konnte Kind1 damals schon, als er so alt war! Das muss jetzt bei Kind2 auch klappen!" er versteht nicht, dass Kinder unterschiedlich sind, oder will es nicht wahrhaben. Es muss dann ganz einfach funktionieren und wenn es das nicht tut, ist Kind2 eben auch "komisch", hat einen "Pascher", "spinnt"... etc.

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    Würde es für deinen Partner in Frage kommen, sich kurzfristig professionelle Unterstützung zu holen?

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    Das habe ich auch schon öfter mal angesprochen, auch für andere Themen in unserer Beziehung. Er war gar nicht begeistert, dann lenkt er halt kurz wieder ein und nach einer Zeit kommt das alte Verhalten wieder zum Vorschein.

    Zitat

    und er hat es anscheinend verpasst von Beginn an eine Bezugsperson für den kleinen zu sein.

    Zitat

    Ja, genau diese Gefühl habe ich eben auch! Das "Verpasst-Haben"! Nur kommt er jetzt nie von alleine auf den Gedanken, ihn mal selbst zu nehmen, da muss ich ihn schon extra hinhalten und auffordern -"nimm ihn mal!" das finde ich einfach so traurig im Moment - dass sein kleiner Sohn in seiner Wahrnehmung gar nicht zu ihm gehört!


    Also es waren schon wirklich viele tolle Denkanstöße und Ideen für mich dabei! Dankeschön :-) ich werde mir das alles durch den Kopf gehen lassen und schauen, was wir umsetzen können :)^

    TheLifeAquatic man muss sich einfach mal klarmachen, dass Babys von Natur aus Traglinge sind.


    Das hat die Natur so für sie vorgesehen und es ist eher ungewöhnlich, dass sich Babys ablegen lassen.


    Vielleicht zeigst du deinem Mann mal diese Seite:


    http://www.rabeneltern.org/index.php/wissenswertes/tragen-wissenswertes/1190-menschenkinder-sind-traglinge


    Es geht einfach nur darum, die anstrengende Zeit durchzuhalten, bis das Kind anfängt zu krabbeln.


    Ich finde den Vorschlag gut, dass du dir evtl. eine Haushaltshilfe für ein paar Stunden suchst.


    Oder jemanden, der das Kind mal ausfährt.