Ich hätte die Hand für mich ins Feuer gelegt

    Das dachte ich letztens und musste fast lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Ich war nämlich mal eine treue Seele. 100%ig treu. Ich habe meinen Partner sehr geliebt und wollte nur ihn. Andere haben mich absolut nicht interessiert. Kein Kopfkino von George Clooney oder dem Nachbarn. Nichts. Es gab nur ihn für mich.


    Nach sechs oder sieben Jahren begann es dann zu kriseln. Wir unternahmen immer seltener etwas zusammen. Er hatte keine Lust mehr, war nur noch müde und kaputt. Zuerst blieb ich mit ihm Zuhause - wollte ich doch nur ihn und Hauptsache Zeit mit ihm verbringen. Dann eben gemeinsam auf dem Sofa. Doch er legte letztlich keinen Wert mehr auf meine Gesellschaft, verschwand immer öfter vor den PC. Alle Annäherungsversuche liefen letztlich ins Leere. Wir schliefen nicht mehr miteinander.


    Fünf Jahre habe ich weiter geliebt, gelitten, gehofft und vieles versucht. Reden. Nicht reden. Fragen. Nicht fragen. Aktiv werden. Ihn in Ruhe lassen. Offene Beziehung vorgeschlagen. Nichts. Er sagte, er liebe mich, aber Sex brauche er nicht mehr. Offene Beziehung war aber auch keine Option für ihn. "Dann können wir uns auch gleich trennen". Ja, das hätten wir tun sollen, denke ich heute. Ich bin aber geblieben und irgendwann ist das passiert, was ich nie für möglich gehalten hätte. Ich bin fremd gegangen.


    Inzwischen habe ich reinen Tisch gemacht, wird sind getrennt. Aber ich frage mich nach alldem immer öfter: Wer bin ich (jetzt) eigentlich? Ich habe es fertig gebracht, zu betrügen. Ich habe mit einem anderen Mann ge...., bin nach Hause gegangen und habe mich neben meinen Mann ins Bett gelegt. Ich bin sogar soweit gegangen, es mit dem anderen Mann in unserem Bett zu tun, ohne schlechtes Gewissen. Nie hätte ich das früher für möglich gehalten. Ich kannte mich selbst offenbar nicht. Ich frage mich deshalb: Wozu bin ich wohl noch in der Lage?


    Irgendwie erschreckt mich das.


    In dem jeweiligen Moment hat es sich immer richtig angefühlt, sonst hätte ich es nicht getan.


    Aber...


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  • 14 Antworten

    Die lieben Hormone... Da geht's manchmal wohl doch mit einem durch. Mir ist das einmal passiert und ich habe danach reinen Tisch gemacht, mich getrennt. Mir ging es ähnlich wie dir und ich habe mich auch gefragt, was mit mir los ist. Zumal es bei uns damals etwas anders war. Ich war die, die keine Lust mehr hatte und plötzlich war da auf einem Seminar dieser andere Mann und es hat "Zoom" gemacht. Ich fühlte mich plötzlich wieder wie eine Frau, dass hat mich umgehauen.


    Allerdings hatte ich hinterher natürlich auch arge Gewissensbisse und habe mich sehr über mich selbst erschrocken.


    Mir ist sowas danach (das ist jetzt über 10 Jahre her) nicht wieder passiert und ich hoffe und denke, es wird mir auch nicht mehr passieren.


    Mit meinem letzten Partner war ich 6 Jahre zusammen und irgendwann war hier die Luft raus. Heute weiß ich auch warum, aber das ist ein anderes Thema.


    Jedenfalls konnte ich zu Hause in Dessous herumhüpfen, oder sonst was veranstalten..... es tat sich nichts.


    Ich ertappte mich dabei, wie ich besonders um die Zeit des Eisprungs herum anderen Männern hinterher schaute und mir vorstellte..... Naja denk dir deinen Teil ]:D


    Ich habe das eine Weile beobachtet, zu Hause Gespräche geführt, aber es änderte sich nichts. Über Monate. Der Wunsch nach Sexualität wurde immer größer und so habe ich mich getrennt, bevor ich wieder so einen Blödsinn mache. Und das würde ich heuer auch immer wieder so handhaben. Aus Fehlern kann man ja bekanntlich nur lernen @:)

    Ich bin ganz fest davon überzeugt, dass es viele Menschen auf der Welt gibt, die ähnlich wie Du, liebe TE, von sich selbst dachten. Fremdgenen? Ich? Never ever.


    Auch ich habe das selbst erlebt, indem ich fast zwei Jahre lang(!) eine Partnerin hatte, die ihrem Partner fremdgegangen ist - mit mir. Nun bin ich so gestrickt, dass ich damit ganz gut leben konnte und im Grunde keinerlei Gewissensbisse hatte. Wir haben es auch in deren Bett getrieben, sie hat danach das Bett neu bezogen und die Bettwäsche in die Waschmaschine getan - und dann auf die Rückkehr ihres Partners gewartet, der eben sehr oft interkontinental unterwegs war. Sie hat auch vorher von sich behauptet, ein sehr ehrlicher und treuer Mensch zu sein, aber wir sind in diese Affäre mehr oder weniger schleichend hineingerutscht und es hat sich immer mehr intensiviert. Als dann bei uns die erste, ganz heiße Phase vorbei war, habe ich sie auch mal gefragt, wie sie das eigentlich mit ihrer bisherigen Einstellung zu Treue und Partnerschaft so kann - ihren Partner so derart zu hintergehen.


    Sie antwortete damals so sinngemäß Folgendes:


    "Ich liebe meinen Partner auf eine Art, die Du niemals erreichen kannst. Ich liebe ihn wie einen Bruder, ich kenne ihn in- und auswendig und er gibt mir die Sicherheit, die ich in meinem Leben brauche. Er ist der Golf, zuverlässig, berechenbar, fast ein bißchen langweilig. Du bist der Ferrari, aufregend, schön, aber ein Stück weit unzuverlässig. Das Schönwetter-Auto. Ich weiß genau, was passiert, wenn er nachts schnarcht und wo ich ihn berühren muss, damit das aufhört. Ich weiß, wie er in 20 Jahren sein wird. Bei Dir weiß ich das nicht. Sex haben wir schon Jahre nicht mehr, aber dennoch weiß ich, dass ich mit diesem Mann alt werden möchte. Er ist zum heiraten - und Du zum durchbrennen."


    Nun könnte man fragen, warum ich mir sowas angehört und dennoch weitergemacht habe? Weil sie recht hatte. Wir haben so eine Art Symbiose gefunden, in der jeder gut zurecht gekommen ist. Ich war keineswegs verletzt nach dieser Ansage, sondern eher froh, denn ich bin kein Fan von Verbindlichkeit. Aber diese Affäre war exklusiv - wir haben eigentlich so ziemlich wie ein Paar leben können. Erst, als wir uns entschieden haben, das wir es auch offiziell miteinander probieren, ist die Beziehung gescheitert. Grandios gescheitert. Und ich habe richtig gelitten. Aber das ist ja hier gar nicht das Thema.


    Du hast etwas schmerzlich vermisst - den Sex. Und vielleicht ein Stück weit das Abenteuer, den Nervenkitzel. Aber Gewohntes, Vertrautes aufzugeben, damit tun sich viele schwer. Richtig wäre gewesen, die Beziehung zu beenden und danach mit anderen in die Kiste zu springen. Aber da ist eben die bisherige Beziehung, dieser Rettungsring, den Du einfach noch in greifbarer Nähe behalten wolltest. Viele haben auch Angst vor dem schlichten Alleinsein, das in der Tat oft eine große Hürde darstellt, bevor der finale Schritt gemacht wird.


    Ich verurteile Dich nicht, dass Du es nicht getan hast. Aber ich sehe sowas auch sehr locker. Sei einfach beim nächsten Mal ehrlicher und schlauer, denn das beruhigt das Gewissen. Und da unsere Generation ja nun eher in seriellen Monogamien als in lebenslangen Partnerschaften lebt, stehst Du sicher nochmal vor der Entscheidung. Ich las letztens noch einen ganz guten Spruch zu dem Thema:


    Nothing is forever, forever is a lie.


    All that we have lies between "Hello"


    and "Goodbye". ;-)

    Zitat

    Erst, als wir uns entschieden haben, das wir es auch offiziell miteinander probieren, ist die Beziehung gescheitert. Grandios gescheitert. Und ich habe richtig gelitten. Aber das ist ja hier gar nicht das Thema.

    Mich würde schon interessieren, was da passiert ist. @:) Vor allem aus welchem Grund ihr es nun offiziell probieren wolltet. Und was war dann mit ihrem Freund? ":/ Und warum ist es gescheitert?

    Zitat

    Aber da ist eben die bisherige Beziehung, dieser Rettungsring, den Du einfach noch in greifbarer Nähe behalten wolltest. Viele haben auch Angst vor dem schlichten Alleinsein, das in der Tat oft eine große Hürde darstellt, bevor der finale Schritt gemacht wird.

    Hat dich dieses Verhalten nicht abgeschreckt?

    Zitat

    Mich würde schon interessieren, was da passiert ist. @:) Vor allem aus welchem Grund ihr es nun offiziell probieren wolltet. Und was war dann mit ihrem Freund? ":/ Und warum ist es gescheitert?

    Kurzversion: Ich ging ins Ausland, habe sie wahnsinnig vermisst und sehr um sie gekämpft, sie hat sich dann getrennt, ist in eine eigene Wohnung gezogen, wir waren zusammen, und kurz darauf hatte ich dann nichts Besseres zu tun, als fremdzugehen. Und sie hat es herausgefunden. Meine Schuld. Vielleicht bin ich einfach unverbesserlich in Sachen Promiskuität.

    Zitat

    Inzwischen habe ich reinen Tisch gemacht, wird sind getrennt. Aber ich frage mich nach alldem immer öfter: Wer bin ich (jetzt) eigentlich? Ich habe es fertig gebracht, zu betrügen. Ich habe mit einem anderen Mann ge...., bin nach Hause gegangen und habe mich neben meinen Mann ins Bett gelegt. Ich bin sogar soweit gegangen, es mit dem anderen Mann in unserem Bett zu tun, ohne schlechtes Gewissen. Nie hätte ich das früher für möglich gehalten. Ich kannte mich selbst offenbar nicht. Ich frage mich deshalb: Wozu bin ich wohl noch in der Lage?


    Irgendwie erschreckt mich das.

    nichts bleibt wie es ist. alles ändert sich. auch menschen. ??auch dein partner hat sich verändert??


    ich finde nicht, dass du dir was vorzuwerfen hast.

    Wir sind zu einigem mehr fähig als wir uns zugestehen wollen - weil wir die Situationen nicht kennen und nur ahnen können wie wir uns verhalten wenn sie eintreten. Ist manchmal schade, aber keine Schande.

    Sich sicher zu sein, dass man treu ist und immer sein wird, ist m.E. immer ein Fehler. Weil es zu Leichtsinn verleitet, wenn man sich diesbezüglich für unfehlbar hält. Wenn einem Treue wirklich wichtig ist, dann sollte (ja fast: muss) man sich m.E. Untreue zutrauen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass man sein Leben lang treu bleibt. Weil man eben einfach vorsichtig bleibt, und weiß dass man nicht einfach so "automatisch" ein Leben lang treu bleibt. Dafür muss man schon etwas tun.


    Wenn man - komme was wolle - treu beiben will, dann muss man m.E. auch bereit sein, konsequent Prinzipientreue über momentane Gefühlslagen (a la "es hat sich in dem Moment richtig angefühlt") zu stellen. Dazu sind beileibe nicht alle Menschen willens.


    Außerdem halte ich folgende Dinge für treuebegünstigend:


    -) Allein sein können


    -) Sex in einer Beziehung wichtig finden


    -) Trennungsbereitschaft, wenn die Beziehung schlecht (geworden) ist


    -) Backup-Prinzipien haben und einhalten: z.B. WENN man fremdgegangen ist zumindest umgehend zu dem stehen, was man getan hat. (Das verhindert zumindest die perfidesten Betrugsgeschichten, in den der Partner Wochen, Monate oder Jahre hintergangen wird)


    -) Nicht zu glauben, dass man auf alles was man schon hat, quasi ein Anrecht erworben hat.


    -) Geringe Anfälligkeit für den Reiz des Neuen


    -) Geringe Anfälligkeit für den Reiz des "Verbotenen"


    -) Treueseinwollen, weil man das selbst so will, nicht weil "es dazugehört" oder "weil es der Partner erwartet".


    Fazit: Wer wirklich treu sein will, kann das m.E. auch umsetzen. Viele manövrieren sich aber in Situationen hinein, in denen sie nicht mehr treu sein wollen. Und Leute, die ureflektiert glauben, dass sie "einfach treu sind", sind besonders gefährdet, sich diesbezüglich negativ selbst zu überraschen.

    Ich finde das Wort Fremdgehen hier falsch angebracht. Es ist etwas anderes, wenn jemand Jahre kämpft für die Beziehung, ständig kommuniziert das etwas nicht mehr läuft und versucht eine Lösung herbeizuführen, oder ob jemand in einer super intakten Beziehung ist und Abends einen ONS hat.


    An deiner Einstellung wird sich deswegen nicht viel ändern, ich erkenne mich in dir wieder. Denn ich war genauso. Lebte auch sehr lange in einer Beziehung und Ehe. Ich liebte nur diesen einen Mann, für mich gab es nichts anderes, er war mein König und es war auch eine tolle Zeit. Irgendwann fing es dann an wie bei dir, er wollte nicht mehr so richtig, zog sich hinter seinem PC zurück, spielte Spiele den ganzen Tag wenn er frei hatte. Der Sex wurde immer weniger, da konnte ich machen was ich wollte, mit sich selbst hatte er aber durchaus noch Sex. Ich fühlte mich uninteressant, ungesehen, unschön, nicht mehr begehrt. Wir lebten in einer Bruder Schwester Beziehung. Es kam immer mehr ans Licht, dass er Online nach Sexkontakten Ausschau hielt. Das gab mir den Startschuss fürs Aus. Ich weiss nicht ob er letztendlich fremdging, interessiert mich auch im nachhinein nicht. Also trimmte ich mich wieder zurück als Frau, ich wollte wieder ankommen und lernte einen Mann kennen, mit diesem traf ich mich oft, hatte aber keinen Sex. Es entwickelte sich nach und nach eine sehr gute Freundschaft Plus. Ich war wieder eine begehrenswerte Frau, ich machte mich schick für ihn, bekam Komplimente und genoss es. Meinen Mann erteilte ich dann eine Absage, es ist aus. Habe das ganze so 4 Jahre durchgemacht, ohne Sex und alles, mit viel reden usw. aber es änderte sich nichts. Irgendwann hat man begrifffen, hier ist nichts mehr zu machen. Und man geht. Die Zeit die es dauert, dauert es nun einmal. Du hast bewiesen, genau wie ich, dass du diesen Mann sehr geliebt hast und doch sollte es nicht sein. Menschen verändern sich aber ja.Du hast nur dieses eine Leben und darin solltest du glücklich sein.

    Liebe Claraw,


    Dein Faden hat mich aus irgend einem Grund angesprochen, vielleicht wegen dem "aber" am Schluss. Beim Lesen sind mir einige Schlüsselbegriffe durch den Sinn gegangen, die dir vielleicht helfen können, dieses nicht geschgriebene Fragezeichen hinter dem "aber" zu beantworten.


    Die Schlüsselbegriffe sind "Verantwortung", "Mut" und "Treue".


    Ich fang mal mit dem letzten an, Treue. Ich hab das Gefühl, dass dich gerade das Thema ziemlich umtreibt, der Selbstvorwurf, dass Du fähig warst, untreu zu werden und dabei auch noch das Gefühl hattes, dass es sich richtig angefühlt hat im dem Moment. Das hört sich schwer nach paradoxen Gefühlen an. Genauer betrachtet ist das aber überhaupt nicht paradox. Das was Du erlebt hast, das war Untreue aus Treu zu dir selbst. Das war der Konflikt zwischen dem dem Du untreu (den Erwartungen deines Partners und deiner Entsprechung der "öffentlichen Moral") warst, und dem dem Du in dem Moment treu gewesen bist (nämlich dir selbst, deinen körperlich-sinnlichen Bedürfnissen, vor allem aber dem Gefühl ganz Du selbst sein zu dürfen/können/müssen). Der erste Teil, der Untreueteil, fühlt sich schlecht an, weil Du das allgemeine Kommitment verletzt hattest, weil Du den äusseren Stimmen nicht gefolgt bist. Der zweite Teil fühlte sich gut an, weil Du da ganz bei dir selbst warst, weil Du deiner inneren Stimme gefolgt bist.


    Das führt zum zweiten Schlüsselwort, dem Mut. Der Mut hat in diesem Kontext zwei Facetten, Richtungen. Einmal nach innen gerichtet bedeutet Mut, dass man zu dem steht, was einem diese innere Stimme sagt. Zu lange hast Du nicht auf diese Stimme gehört, hast dich immer mehr verhindert, hast verzichtet, hast dich am Ende so sehr selbst vergessen, dass Du dich heute fragst, wer Du eigentlich bist. Zum anderen bedeutet Mut nach aussen gerichtet "Zumutung", nämlich die Zumutung an deinen jeweiligen Partner, das auszuhalten, was dich und deine Bedürfnisse ausmacht. Das bedeutet dann auch, dass Du diese inneren Stimmen deinem Partner zumutest, indem Du sie ihm offenbarst, mit ihm besprichst. Du hast dich deinem Partner nicht so weit zugemutet, dass er sich bemüht hätte, deine Bedürfnisse anzuerkennen und entsprechend konstruktiv damit umzugehen. Womöglich wäre (war) das auch schon früher gescheitert, seit ihr ja heute getrennt, weil er das gar nicht ausgehalten hätte, sich verweigerst hätte (vielleicht auch tatsächlich so hat).


    Das Schlüsselwort Verantwortung zeigt, wie die beiden anderen zusammenwirken. Auch hier gibt es zwei Wirkrichtungen. Einmal die nach innen gerichtete Selbstverantwortung, da sorge ich für mich selbst, dafür, dass ich so in der Beziehung vorkomme, wie es mir entspricht. Das bedeutet aber auch, dass das nicht die Verantwortung des Partners ist, nicht im aktiven Sinne, allenfalls dass er es akzeptiert. Und dann die nach aussen gerichtete Verantwortung für meinen Partner und für die Beziehung. Hier geht es darum, dafür zu sorgen, dass auch mein Partner so vorkommen kann, wie es ihm entspricht, dass ich ihm den Freiraum gebe, den er braucht dafür. Und weiter übernehme ich auch die Verantwortung für die Konsequenzen, die sich einstellen, wenn ich so bin oder sein will, wie es mir entspricht. In letzter Konsequenz kann das dann auch bedeutet, dass ich die Beziehung beenden muss, wenn sie mir nur noch zum entmündigenden Gefängnis wird.


    Es braucht Mut, sich das alles so einzugestehen. Das zu leben braucht Verantwortungsgefühl, dem Partner gegenüber und sich selbst gegenüber. Treu macht erst dann Sinn, wenn man mit dem Leben dieser Treu auch zu sich selbst treu sein kann, wenn man dabei die Selbstverantwortung leben kann. Das ist dann Teu aus Überzeugung und nicht aus Pflichtgefühl oder Erwartungserfüllung.


    Du warst untreu dir selbst gegenüber, als Du die Sexlosigkeit deines Ehepartners akzeptiert hattest. Vor allem aber, als er damit die Ignoranz deiner Bedürfnisse zum Ausdruck brachte, die Respektlosigkeit und Intolleranz. Er hatte dabei die Verantwortung für das, was er dabei bei dir anrichtete, verweigert. Einerseits auf Exklusivität (Monogamie) zu bestehen, und andererseits die Bedürfnisse des Partners dann nicht zu befriedigen (wollen), diese gar zu ignorieren, das heisst den Partner zu ignorieren, das ist im höchsten Maße verantwortungslos. Er hat sich dir dabei so zugemutet, wie er war (ignorant), die Konsequenzen hat er dabei implizit zu akzeptieren. Alles hat seinen Preis.


    Das ist jetzt kein Appell zum Egoismus, ganz im Gegenteil. Es ist ein Appell an die Offenheit und den Mut, sich dem Partner so zu zeigen wie man ist. Das eröffnet dann die Möglichkeit, dass man sich dabei in der Beziehung begegnen kann, ohne moralische Einschränkungen und dem Risiko, diese Moral (und/oder den Partner) verletzen zu müssen.


    Das schlechte Gewissen bekommst Du dadurch in der Zukunft erspart, in dem Du diese Prinzipien offen lebst, sie deinem Partner kommunizierst, dich deinem Partner gegenüber sichtbar machst. Sich dem Partner dabei zuzumuten, das erfordert allerdings schon wieder Mut und Verantwortung. Zu wissen, was man eigentlich von sich kommunizieren soll, das erfordert Selbstverantwortung, zum Beispiel das erst mal herauszufinden. Die drei Prinzipien erfordern sich quasi selbst. Das ist dann auch ein nicht ganz so einfacher Weg, anstrengend und manchmal auch risikobehaftet ob der Konsequenzen.


    Bequemer geht es durch die Orientierung an der öffentlichen Moral. Das ist dann einfacher, es gibt immer jemanden, der genau weiss, was Du inhaltlich zu tun hast, wie Du zu sein, zu denken, zu fühlen, zu ..., hast. Was dabei dir selbst entspricht spielt aber eher keine Rolle. Man hat ggf. dann nur ab und an das Problem mit dem schlechten Gewissen. Das mit den Hormonen übrigens, das wäre der einfachere Weg ... aber ich denke, Du verstehst was ich meine.

    Naja, Claraw, ich finde dein Verhalten schon ok. Wie lange hättest du noch so dahinvegetieren sollen? Du tatest es schon viel zu lange und dein Fremdgehen ist irgendwie kein wirkliches Fremdgehen mehr, sondern es war eine Aktion, die endgültig ein Ende dieser jämmerlichen Beziehung einleitete und ein Neuanfang von etwas anderem.


    Ich halte dich immer noch für eine treue Frau. Du wirst dem Nächsten wieder treu sein. @:)