Ich kann mich in jeden verlieben, woran kann das liegen?

    Wer Interesse an mir zeigt, den liebe ich früher oder später.


    Das war schon immer so. Glücklicherweise, so muss ich es wohl sehen, haben aber nie besonders viele Menschen Interesse an mir gezeigt.


    Ich führe eine langjährige Beziehung. Ich liebe meinen Freund sehr. Und ich habe Glück, denn er liebt auch mich.


    Trotzdem gibt es seit Beginn an schon immer Menschen, die ich ebenfalls liebe oder in die ich mich verliebe. Manche nur auf geschwisterliche Weise. Aber manche finde ich durchaus auch anziehend. Und dies meist spätestens ab dem Zeitpunkt, ab dem ihr Interesse an mir über das durchschnittliche Interesse meiner Mitmenschen hinaus geht (private Gespräche, gemeinsame Unternehmungen, gemeinsame Projekte...).


    Anfangs hat mir das Angst gemacht. In meiner Ex-Beziehung dachte ich, dass es einfach daran liegt, dass ich in der Beziehung unglücklich bin. Ich habe es gebraucht, dass da einer ist, wegen dem es sich morgens lohnt aufzustehen.


    Als es in meiner jetzigen Beziehung soweit kam, dass ich mich in einen anderen verliebte bzw. diese Gefühle wieder aufkamen, als ich einen alten "Schwarm" wiedersah, kämpfte ich zunächst dagegen an. Ich wollte diese Schmetterlinge exklusiv meinem Partner gegenüber empfinden. Doch irgendwann ließ ich es einfach zu. Die Betroffenen merkten nichts von ihrem "Glück", es blieb stets einseitig und irgendwann verging es meist, wurde platonisch oder man verlor sich aus den Augen.


    Meinem Freund habe ich das nie erzählt, so ausgesprochen würde ihn das wohl verletzen. Aber er sieht mir das Strahlen in den Augen an, wenn ich über diese Menschen spreche. Macht ab und an einen Witz darüber. Ahnt es wohl.


    An sich habe ich mich damit arrangiert. Denn ich weiß, dass es sich immer irgendwie auflöst.


    Was mich aber verwirrt ist, dass ich dabei so wahllos zu sein scheine. Egal, wie dieser Mensch aussieht – sobald eine Grundsympathie vorhanden ist und sobald er dann Interesse an mir und meiner Gesellschaft bekundet, verliebe ich mich.


    Kennt das vielleicht jemand? Hat vielleicht sogar jemand eine Ahnung, woran das liegen könnte?

  • 30 Antworten

    Yucca86

    Zitat

    Kennt das vielleicht jemand? Hat vielleicht sogar jemand eine Ahnung, woran das liegen könnte?

    Ist die Antwort nicht schon hier enthalten:

    Zitat

    Wer Interesse an mir zeigt, den liebe ich früher oder später.

    kleio:


    aber das ist doch eine sehr unbefriedigende antwort... ich verliebe mich doch auch nicht in jeden, der interesse an meiner freundschaft zeigt.


    te:


    vielelicht hast du ein sehr geringes selbstwertgefühl?

    Ich habe oft gehört, wer jeden liebt, lieb niemanden. Oder man hat das Gefühl überwältigender Liebe noch nicht empfunden.


    Oder mit dieser "Liebe" ist eher Dankbarkeit verbunden, weil man sich demjenigen gegenüber verpflichtet fühlt. Ich kenne das von mir nur insofern, weil ich jedem kleinen Zipfel menschlicher Anerkennung hinterher hechte. Ich hatte halt noch nie Glück und da schraubt man seine eigenen Erwartungen nach und nach herunter, in der Hoffnung, dass es irgendwann "klappt". Ich weiß aber nicht, wie ich reagieren würde, wenn mal eine Frau "ja" sagt. Da müsste ich mich dramatisch umstellen, nehme ich an.


    Hattest du vllt. auch so eine Phase, dass du dich nach Anerkennung und Liebe verzehrt hast? Ohne Reaktion? Und jetzt in der Beziehung kannst du nicht aufhören.


    Ich gebe zu, ich bin ein Laie auf dem Gebiet, aber das sind meine Gdanken dazu. Wenn es nichts taugt, vergiss er einfach... ;-D *:) @:)

    Zitat

    Wer Interesse an mir zeigt, den liebe ich früher oder später.


    Das war schon immer so. Glücklicherweise, so muss ich es wohl sehen, haben aber nie besonders viele Menschen Interesse an mir gezeigt.

    Oh mann, bei mir sind beide Punkte exakt gleich.


    Ich kann Dir aber nicht sagen woran das liegt.




    Aber es ist gar nicht so schlecht.


    Wieso?


    Ich merke schnell, wenn mein Partner kein Interesse an mir hat und verliere ebenfalls die Lust. Da bleibt man eben nicht in einer unglücklichen Beziehung hängen. Und das ist gut so!


    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das aber kein Hinderungsgrund für eine tiefe und langjährige Beziehung ist.


    Wenn ich in einer aufrichtigen und gesunden Beziehung bin, sind die schnellen "Nebenverliebtheiten" (die ja zum Glück nicht so oft vorkommen) bei näherer Betrachtung doch recht oberflächlich und keine Gefahr für die Beziehung.

    Wenn ich so recht drüber nach denke, habe ich eventuell doch einen Erklärungsversuch.


    Mein allererste Verliebtheit war einseitig, sie wollte nicht mehr von mir als das wir gute Freunde sind.


    Das waren dann auch jahrelang und haben uns sehr tiefgehend über alles unterhalten können.


    Aber ich habe auch sehr unter der Situation gelitten.


    Langsam konnte ich mich von ihr lösen und habe dann auch Frauen kennengelernt, die sich für mich interessieren und habe das sehr genossen.


    Vielleicht hat diese lange unglücklich verliebt sein dazu geführt?

    This Twilight Garden

    Zitat

    aber das ist doch eine sehr unbefriedigende antwort... ich verliebe mich doch auch nicht in jeden, der interesse an meiner freundschaft zeigt.

    Ich sehe da keinen Zusammenhang zwischen Dir und der TE. Sie hat eben geschrieben, dass sie jeden früher oder später liebt, der Interesse an ihr zeigt.

    @ Kleio

    Wie This Twilight Garden schrieb – das ist ja eher das Symptom und nicht die Ursache, nach der ich suche.

    @ This Twilight Garden

    Hmm... wie äußert sich denn geringes Selbstwertgefühl sonst noch?

    @ Schiefläufer

    Zitat

    wer jeden liebt, lieb niemanden. Oder man hat das Gefühl überwältigender Liebe noch nicht empfunden.

    Ich denke schon, dass ich es empfunden habe... aber das kann natürlich auch nur relativ überwältigend gewesen sein :-) Ich weiß nicht, wie ich dieses Gefühl aber sonst definieren sollte... wenn ich glücklich bin, sobald ich den Menschen sehe, ich eine Wärme verspüre, oft oder gar dauernd an ihn denken muss und alles tun würde, damit er glücklich ist. Mir Nähe wünsche und möglichst herbeiführe, in dem mir "erlaubten" Rahmen einer monogamen Beziehung.

    Zitat

    Hattest du vllt. auch so eine Phase, dass du dich nach Anerkennung und Liebe verzehrt hast? Ohne Reaktion?

    Ich hatte zumindest eine Phase, über mehrere Jahre, in der ich einseitig in einen Mitschüler verliebt war und mir nichts anderes wünschte, als dass das auf Gegenseitigkeit beruhen würde. Ich war aber viel zu schüchtern, mein Interesse zu zeigen. Nach über einem Jahr traute ich mich dann, er gab mir einen Korb, aber ich konnte es nicht einfach abstellen und so blieb es, bis er die Schule verließ. Nebenher interessierte ich mich aber auch immer wieder für andere, zumindest nach den ersten Monaten. Die, mit denen ich mehr zu tun hatte, die sich auch mit mir unterhielten... irgendwann fiel mir dann immer auf, wie toll derjenige Mensch war. Ja, vielleicht habe ich auch "nur" meine Erwartungen immer weiter runter geschraubt ;-) aber so weit, dass ich außer Grundsympathie gar keine Ansprüche mehr stelle? Schließlich hab ich ja jetzt auch eine sehr gut funtionierende Beziehung, da könnte ich wenigstens die Ansprüche wieder hochschrauben? :-/ Es scheint aber nicht zu passieren...

    @ Mr Foreskin

    Zitat

    Wenn ich in einer aufrichtigen und gesunden Beziehung bin, sind die schnellen "Nebenverliebtheiten" (die ja zum Glück nicht so oft vorkommen) bei näherer Betrachtung doch recht oberflächlich und keine Gefahr für die Beziehung.

    Inzwischen sehe ich das auch nicht mehr als Gefahr für die Beziehung, weil es immer einseitig bleibt. Da kommt mir der Gedanke.... vielleicht suche ich mir unbewusst nur "aussichtslose Liebe" für diese "Nebenverliebtheiten" aus. Kerle, die sich offensiv, gar irgendwie verzweifelt, an mich ranmachen (was mir während meiner Beziehung aber so ungefähr... zweimal passiert ist) sind mir meist unsympathisch und ich meide sie sofort.

    Zitat

    Das wird Dir hier keiner sagen können. Hast Du denn schon einen Therapeuten gefunden?

    Nein – meinst du wegen des anderen Threads? Nein, da zögere ich noch.


    Für dieses Thema, denke ich, wird kein Therapeut nötig sein ;-) Ich dachte, vielleicht finde ich hier Menschen, denen es ähnlich geht, die wissen, woran es bei ihnen liegt, und aus deren Ursachen ich dann die Ursachen bei mir ableiten kann.

    Yucca86

    Zitat

    Für dieses Thema, denke ich, wird kein Therapeut nötig sein Ich dachte, vielleicht finde ich hier Menschen, denen es ähnlich geht, die wissen, woran es bei ihnen liegt, und aus deren Ursachen ich dann die Ursachen bei mir ableiten kann.

    Meiner Meinung nach sind solche Dinge nicht voneinander unabhängig. Es ist eben ganz etwas anderes, wenn jemand ein Trauma hat oder "nur" mal ein Alltagsproblem. Keines Deiner beiden Themen ist ein Alltagsproblem und daher denke ich, dass das durchaus auch im Zusammenhang stehen kann, bzw. durch das andere bestärkt wurde.

    Hallo Yucca, :-)


    ich sehe den Grund vielleicht darin, dass dir irgendetwas an dir selbst fehlen könnte, was du im Außen kompensierst, durch andere Menschen. Meine das nicht negativ.


    Ich kenne einen Mann, bei dem ist es genauso. Er verliebt sich früher oder später in fast alle seine Bekanntschaften, obwohl er in einer Beziehung ist. Es hat bei ihm auch nichts mit seiner Partnerin zu tun, sondern einfach damit, dass er eine gewisse Unsicherheit wett macht. Irgendwie, so sagt er, fühlt er sich dann ganz, besser, wenn er jemand anderem Gefühle entgegen bringen kann. Bei ihm ist das auch harmlos und es verfliegt früher oder später wieder, aber das Verliebtsein, dass ist bei ihm Programm.


    Ich finde ihn selbst recht nett und umgänglich, vielleicht auch selbstbewusst, aber er hat auch einige Unsicherheiten, die, wenn er verliebt ist, mehr in den Hintergrund treten. Vielleicht hilft dir das weiter.

    @ Kleio

    Erst wollte ich dir widersprechen – aber es besteht wahrscheinlich ein Zusammenhang, da hast du wohl recht. Die Beziehung mit meinem Ex, die Abhängigkeit, in die ich dabei rutschte, und alles, was daraus folgte, wäre wohl nicht entstanden, wenn mein "ich verliebe mich in jeden, der Interesse zeigt"-Problem nicht wäre. Seit dieser Beziehung ist dann wohl der Grundsympathie-Aspekt hinzugekommen, wenn ich so recht überlege, der mich vor solchen Menschen schützt.


    Ja... nun... mir aufgrund DIESES Themas einen Therapeuten zu suchen, auf die Idee wäre ich ehrlich nie gekommen :-/ Darüber möchte ich mich einfach nur austauschen, hier, anonym.

    @ Caramala

    Danke für deine Erfahrung :-) Dass ich etwas kompensieren könnte, was mir an mir selbst fehlt... darüber muss ich erstmal nachdenken. Ich bin auch recht unsicher, auch wenn sich das in den letzten Jahren stark gebessert hat. Wenn ich verliebt bin, treten diese Unsicherheiten aber eher in den Vordergrund als in den Hintergrund :-/


    Dein Bekannter geht ganz offen damit um? Ich hätte Angst, es jemandem, vielleicht sogar der betroffenen Person selbst, zu erzählen...

    mir gehts eigentlich ähnlich. Ich denke es liegt daran, dass ich Aufmerksamkeit geniese und keine Ahnung irgendetwas kompensiere ich damit sicher...


    (ach ja mangelndes Selbstbewusstsein ist es bei mir nicht)

    Zitat

    Wenn ich verliebt bin, treten diese Unsicherheiten aber eher in den Vordergrund als in den Hintergrund

    Kann ja auch sein. :-)


    Ist sicher nicht bei jedem gleich. Vielleicht lohnt es sich einmal hinzuschauen, welche Unsicherheiten das sind und ob es eine Verbindung geben könnte zwischen ihnen und dem Verliebtsein. Der Mann drückt es so aus: Er fühlt sich im Leben dann einfach besser. Aber der geliebten Person gegenüber eher unsicherer, egal ob diese es weiß oder nicht.


    Ich habe mich ja mal mit den Spiegelgesetzen beschäftigt. Könnte sein, dass man anderen das entgegen bringt, was man selbst gerne hätte. Vielleicht Eigenliebe?


    Ist aber alles nur Spekulation. Vielleicht kommt man dahinter, vielleicht nicht. Ist ja immer alles individuell.

    Kannst Du Dich selbst lieben?


    Vor meiner Therapie habe ich genauso empfunden wie Du - bis mir in der Therapie klar wurde, dass ich durch den Zustand des Verliebtseins das fehlende Gefühl, mich selbst zu lieben, kompensiert habe. Bester Nährboden auch für Abhängigkeiten...


    Heute liebe ich mich selbst von ganzem Herzen und brauche die Schmetterlinge nicht mehr. Mit meinem Mann habe ich übrigens intensiv über dieses Thema geredet- aber erst, nachdem mir klar war, was die Ursache war.

    Yucca86


    Ich wäre manchmal froh, wenn Menschen mit sich selbst und anderen mehr Geduld hätten. Es verwundert irgendwie, dass wir uns selbst zu Schablonen machen wollen. Was spricht gegen Vielfalt, selbst in den engen zwischenmenschlichen Beziehungen?


    Warum wollen viele Menschen lieber den Piguinen (Habitus gemäß) gleich empfinden und leben. Warum soll der Mut fehlen, in unterschiedlichen Lebensphasen andere Modelle der Gefühlswelt zu erleben/testen/ausprobieren? Warum Emotionen unterdrücken, die Dich vielleicht (ohne damit zu leiden) positiver motivieren und beflügeln?


    Die Userin Caramala hat einen Aspekt benannt, der Grund sein kann für Deine Empfindungen. Ich verrate Dir, und somit auch anderen hier ein Geheimnis, auch ich schwärme hier für einige Schreiberlingen, deren Beiträge ich zum Teil vielfach lese, weil mir deren Lebenseinstellung und Sichtweisen gefallen, ihre ausgestrahlte Gelassenheit dem Leben gegenüber, der Großzügigkeit Menschen sein zu lassen wie sie sind in ihrer Vielfalt.


    Es gab in all meinen Lebensphasen (guten, schlechten und ganz miesen) Menschen an denen ich mich mental und emotional aufgerichtet habe. Und, wo ist das Problem? Wer oder was entscheidet darüber was für andere Individuen richtig oder falsch ist?


    Ich darf und kann für mein Leben entscheiden, ein Stück weit habe ich das auch in den Baby- und Kinderjahren meiner Kids getan. Aber darüber hinaus? Nein, ich bin selbst so, dass ich mir ungern Dinge vorschreiben lasse. Deswegen kann ich auch respektieren, dass andere Mitmenschen eigene Sichtweisen und Werte haben. Das darf und muss so sein, sonst stirbt die Vielfalt der Menschen. Und das würde ich sehr bedauern.


    Man liebt auch eigene Kinder nicht immer gleich und in derselben Art. Das bedeutet nicht, dass ich Emotionen in Prozente einteile. Aber es gab immer Phasen, in denen mir einer der Jungs näher war - weil sie Charakterseiten und Eigenheiten gezeigt haben, die mir ähnlicher waren. Was vertraut ist, erzeugt Nähe. Das ist ein tiefer menschlicher Wesenszug, ein Teil unseres Soziallebens, dass genau so angelegt ist wie Du es zum Teil lebst.


    Wir sollten nicht alles was anders empfunden wird, in eine pathologische Schiene bringen. Alles in Ursache-Wirkung-Kreisläufe schicken. Völlig unnötig.


    Was zählt ist, wie zufrieden bin ich mit meinem Leben? Wie ausgewogen meine Empfindungen? Wie häufig leben Körper und Seele in Einklang mit sich selbst? Du bist Dir selbst gegenüber verantwortlich für Dein Wohlempfinden zu sorgen. Änderung bedarf es nur, wenn Du spürst das es Dich negativ beeinflusst, Deine emotionale Kreaitvität einschränkt und Du seelisch einen inneren Druck über das empfindest was Du fühlst.


    Wenn dem nicht so ist, freue Dich darüber eine Frau zu sein, die vertraut, die menschenfreudlich fühlt und sich über Zugewandtheit Anderer innerlich freut. Genieße Deine Gefühlswelt statt sie als krankmachend zu werten. @:) ;-)