Ich kann verstehen, dass du deinen Gefühlen gerne Luft machen würdest. Trotzdem solltest du bedenken (bzw sollten das auch diejenigen, die dir hier raten ihm alles offen zu sagen), dass er das vielleicht gar nicht will? Der Mensch neigt immer dazu, so zu handeln, wie es einem gerade am wohlsten ist. Dennoch: Der Mann hat eine Familie und ein gefestigtes Leben. Für ihn bist du vielleicht gar nicht mehr, als einfach eine schöne Bekanntschaft von früher, die er jetzt einfach genau so wieder genießt. Ich könnte mir vorstellen, dass er damit ziemlich überfordert sein könnte, wenn du ihn mit so einem Thema konfrontierst, nur weil er das "Pech" hatte, von dir als Ersatzvater auserkoren zu werden. Das soll jetzt gar nicht böse gemeint sein. Ich möchte nur zu bedenken geben, dass man andere Menschen schnell in etwas hineinzieht, was eigentlich gar nicht ihr Anliegen sein sollte.

    Da hast Du Recht, Aqualia. Mein Schatz gibt mir Halt, aber diese unglaubliche Leere die mein Vater hinterlassen hat, kann auch er nicht füllen. Und mit meinem Vater hab ich mich schon zich mal auseinandergesetzt und jedes Mal hat er mich so verletzt und mich völlig mit seinen Ansichten verstör. Er geht mit Frauen um wie mit Gegenständen, und so geht er auch mit mir um. Und Andreas ist das schillernde Gegenteil. Einfühlsam und verständnisvoll. Und seit vielen Jahren mit der selben Frau verheiratet. Beständig... Was mache ich mit dieser Leere? Ständige Angst vor Verletzung. Es quält mich :°(

    Genau so ist es wahrscheinlich Krümel. Und ich weiß es auch... In mir tobt nur gerade der Kampf und der Schmerz, das zu akzeptieren... Das ist wie früher, dem kleinen Kind erklären dass es eben keinen lieben Daddy hat und den auch nie haben kann/darf. Das tut weh und ist verdammt schwer :-(

    Liebe IchbraucheHilfe,


    ich sehe das etwas anders als die anderen hier. Ich würde an diesen Andreas nicht herantreten, mit dem Wunsch: sei Du mein Vater. Aber ich würde ihm sehr wohl sagen, wie es mir mit ihm geht. Das, was Du hast, sind ja keine amourösen Gefühle. Und da er so sehr gefestigt ist, ist er sehr wohl in der Lage zu sagen, wenn er nicht wollen würde, dass Eure Beziehung eine gute, intensive und vielleicht auch väterliche wird.


    Lade ihn doch einfach mal ein und dann sprich das einfach an. Weißt Du: Familie kann man sich nicht aussuchen. Aber Freunde schon. Und manchmal sind die Freunde eben die Familie, die man nie hatte.


    Alles Liebe!

    Danke Alchemilla für den Beitrag... Ich werde auf jeden Fall nochmal mit ihm reden - ich bin zwischen heute und Mittwoch dort, wo er wohnt, meinte es wär toll wenn wir UBS nochmal treffen...


    Mir ist letzte Woche noch etwas eingefallen... Der Grund, weshalb ich mich damals nicht mehr bei ihm gemeldet hab... Ich hatte in der Küche dort beim Hund füttern mal einen Zettel von ihm an seine Frau gefunden, auf dem stand - sinngemäß - dass ich mal wieder den ganzen Flur verschmutzt hatte, weil ich mit den dreckigen Schuhen nicht Acht gegeben hab. Ich war damals sehr schusselig und bei mir Zuhause auf dem braunen Flurteppich hat man keine Flecken gesehen, daher war ich gewohnt mit Schuhen erstmal rein zu laufen... Auf jeden Fall hat das damals alles für mich relativiert... Ich dachte immer, ich sei ihm viel Wert (hat er mir mal gesagt), ab da war ich nur noch der Schmutzfink (in meinem Kopf). Ich hab mich sehr geschämt... Und war enttäuscht...


    Ich hab am Freitag auch mit meinem Therapeuten darüber gesprochen. Der meinte, mein inneres Kind würde diesen Mann als Vaterfigur idealisieren. Er hat mir auch abgeraten ihn direkt zu konfrontieren... Für mich bleibt erstmal offen, wie das Gespräch verlaufen wird. Wenn wir uns wieder "irgendwo" in nem Café treffen werd ich ihm denk ich nichts erzählen. Aber wenn er mich zu sich einläd (das letzte mal waren Handwerker da), dann vielleicht schon... Zumindest die Geschichte mit dem Zettel und dass ich mich deshalb damals emotional von ihm entfernt hab... Und dass er mir die Jahre über gefehlt hat...

    Ohje, meine Rechtschreibung heute und die blöde Autokorrektur am Smartphone... Er meinte es wäre toll wenn wir uns heute Treffen.... Das sollte es heißen. Ich schrieb ihm, dass ich da bin, er meinte, ein Treffen wäre toll.

    Zitat

    Zumindest die Geschichte mit dem Zettel und dass ich mich deshalb damals emotional von ihm entfernt hab...

    Die Tatsache, dass Du Dir das mit dem Zettel sooooo sehr zu Herzen genommen hast und heute noch so im Detail weißt bzw. auf den Tisch bringst, legt eine starke emotionale Bindung nahe, das könnte ihn auch überfrachten bzw. ihn indirekt erst recht in eine Vaterrolle drängen, erst recht dieses hier:

    Zitat

    Und dass er mir die Jahre über gefehlt hat...

    Denn das würde man nie zu einem "normalen" Lehrer sagen, selbst wenn es der Lieblingslehrer war.


    Sowas nimmt die Leichtigkeit aus Eurem Kontakt raus, finde ich. Warum solche emotionalen Holzhämmer?


    Warum dieses starke Bedürfnis, als längst Erwachsene eine "Vaterfigur" zu haben?

    @ fiamma

    Der Wunsch als Erwachsene nach einem Vater rührt daher, das mein leiblicher Vater mich als kleines Kind im Stich gelassen hat und seit dem eine Leere da ist. Ich verfalle heute noch oft in die Gefühlslage dieses Kindes, weil ich viele schlimme Dinge von damals lange Jahre in mit verschlossen habe, jetzt kommen sie hoch.


    Eine normale Lehrer-Schüler-Beziehung war es nicht, denn sonst hätte ich dort - von ihm gewollt - nicht Jahrelang jeden Nachmittag verbracht, den Hausschlüssel gehabt usw. Dann hätten wir nicht allein gemeinsam gegrillt, wären nicht allein auf den Weihnachtsmarkt gegangen, hätten nicht Nachmittags zusammen Prosecco getrunken.


    Ich weiß noch/wieder sehr viel aus meiner Kindheit und Jugend, als wäre es gestern gewesen. Ist das so unnormal?

    @ ichbrauchehilfe

    Anrührende Geschichte...


    Ich finde deine Sehnsüchte verständlich und an sich auch nicht problematisch – sofern du einen Weg findest, sie alltagstauglich und sozial verträglich zu integrieren. Das ist der Knackpunkt. Was sie momentan problematisch macht, ist dieses Drängende, Verbissene, Ultimative in dir, denn erstens kann es, wie andere schon sagten, viel kaputt machen, wenn du mit der Tür ins Haus fällst, anstatt den wiederentdeckten und so kostbaren Kontakt sich einfach "organisch" entwickeln zu lassen. Und zweitens scheint es darauf hinzudeuten, dass hier Aufarbeitungsbedarf besteht: eine sehr bedeutende Persönlichkeit aus der Psychologie – ich glaube, es war http://Karen Horney – hat mal sinngemäß gesagt, nicht WAS jemand tut oder wünscht, entscheidet darüber, ob es seelisch gesund oder eher "neurotisch" ist, sondern der Grad an Zwanghaftigkeit, mit der er/sie es verfolgt, ist das entscheidende Kriterium.


    Du scheint so sehr "gefangen" von der Idee, in diesem Lehrer deinen Ersatzvater zu finden, dass es dir schwerzufallen scheint, dies mit der nötigen Gelassenheit anzugehen und dein Verhalten richtig und erfolgversprechend zu dosieren.


    Du scheinst an einem Punkt angelangt, wo sich für dich die Frage stellt: kann ich meine "Bedürftigkeit" bei diesem Mann ausleben, oder muss eine symbolische Aufarbeitung in der Therapie an die Stelle des Auslebens treten?


    Vielleicht muss es gar kein "Entweder-Oder" geben. Vielleicht geht beides bzw. ein Mittelweg. Vielleicht kannst du dir mit Hilfe der offensichtlich eh schon laufenden Therapie die nötige Souveränität und Gelassenheit erarbeiten, so dass dieser Mann irgendwo, jrgendwann doch noch sein reales Plätzchen in deinem Leben bekommen kann, ohne dabei bedrängt und "überfahren" zu werden. Ich bin überzeugt, das würde auch ihn glücklich machen. Denn glaub mir eins: auch an ihm dürfte die Geschichte nicht spurlos vorübergegangen sein.


    (Hier schreibt einer, der auch schon mal "Ersatzvater" für jemanden war, beiläufig nachzulesen in einem eh für dein Thema sehr lesenswerten http://www.med1.de/Forum/Psychologie/520295/14224277/ älteren Faden]].)

    Sorry, der Link ist doppelt missglückt: ich wollte auf den Anfang des besagten Fadens verlinken und nicht auf einen meiner Beiträge darin.


    Also, hier gehts lang wie eigentlich beabsichtigt:


    http://www.med1.de/Forum/Psychologie/520295/

    Danke Individualist für den Link und Deinen Beitrag. Ich habe alles noch vor dem Treffen mit ihm gestern gelesen. Vor allem hat mir geholfen dass Du mir den Spiegel vorgehalten hast, dass mein Verhalten sehr zwanghaft und vebissen ist.... Ich habe ja die zwanghafte Persönlichkeitsstörung, also kann ich mein Verhalten hier nun besser einordnen. Ich habe bei dem Gespräch nichts von alldem angesprochen, was ich hier vorher geschrieben habe. Wir haben eine Stunde über alles Mögliche geredet, wir haben 2 gemeinsame Hobbies, aber ich glaube ich sehe darin mehr Verbundenheit als er. Ich erwische mich gerade dabei, den Kontakt aus Selbstschutz wieder abzuwerten, da ich einfach merke dass da nicht soviel kommt, wie ich mir vielleicht wünsche. Ich kann es nicht dabei belassen, Wasser das Treffen schön war. Ich muss die "Beziehung" gleich definieren und aber auch eine Stetigkeit spüren, aber das macht hier keinen Sinn... Das selbe "Problem" hab ich oft mit Freunden, dass ich denke, wenn man sich nicht mindestens einmal im Monat sieht, ist man nicht richtig befreundet... Ich habe aber auch andere Freunde, die seh ich wenn's hoch kommt einmal im Jahr, und wenn wir uns sehen ist alles wie "früher". Ich denke das sind echte Freunde... Naja, und mit Andreas... Weiß ich noch nicht wie es weitergeht. Ich habe ihn und seine Frau zu einem klassischen Konzert eingeladen und er hat abgesagt. Diese Einladung war glaub ich auch schon wieder zu viel... Ich fühle mich zurückgestoßen, ganz doof. Er hat mir gestern eine Tankmarke geliehen, damit hab ich mir pro Liter 2 ct gespart. Ich sollte sie ihm heute in den Briefkasten werfen. Hab ich gemacht, aber natürlich musste ich nen Zettel dazu schreiben: "Lieber Andreas, danke dass nach so langer Zeit, in der ich mich nicht gemeldet hab, wieder ein so netter Kontakt möglich ist". Ich glaub das war auch zu viel, oder? :-( Ich denk echt ich bin sozial inkompetent... :-(

    Na, der Zettel ist schon o.k., finde ich.


    Aber was bringt es Dir, diesen Kontakt so festzunageln und zu definieren? Warum das Ganze nicht einfach locker weiterlaufen lassen?


    Der Lehrer kann nichts dafür, dass seine Schülerin, die seinerzeit Hunde gesittet hat und ein wenig Familienanschluss hatte, Probleme mit ihrem Vater hatte und heute ihre Kindheit nachholen möchte, überspitzt formuliert.


    Glaube mir, sehr sehr viele erwachsene Menschen sehen ihre Kindheit kritisch, haben nicht die erwünschte Liebe erfahren etc.


    Aber deswegen kann man trotzdem nicht plötzlich wieder 10 werden und einem anderen Menschen eine verantwortungsvolle Elternrolle aufbürden.


    Du projizierst da was auf diesen Lehrer, das er niemals "leisten" kann.


    Du bist inzwischen in einem Alter, in dem Du selbst Verantwortung für Dein Leben übernehmen kannst und sollst.


    Soziale Kontakte sind wichtig – dazu gehören insbesondere Dein Freund sowie platonische Freundschaften auf Augenhöhe, aber doch kein Vater-Tochter-Verhältnis mit einem Ex-Lehrer, zu dem jahrelang nicht mal Kontakt bestand....


    Bzw. wenn dann müsste sich das entwickeln und der Lehrer aus freien Stücken eine solche Bindung empfinden, erzwingen kannst Du gar nichts.


    Ja, das mit dem Konzert war wohl zu viel. Nehme Dich ein wenig zurück, wenn Du vermeiden möchtest, dass er sich irgendwann unangenehm berührt komplett zurückzieht.

    Fiamma,


    Ich kann verstehen dass es nicht leicht ist, sich in jemanden mit einer Persönlichkeitsstörung hineinzuversetzen. Ich versteh mich ja selber oft nicht. Mir erschien das mit der Einladung und mit dem Zettel in den Momenten, wo ich es gemacht hab, so richtig und logisch, dass ich es nicht verstanden hätte wenn mir jemand davon abgeraten hätte. Jetzt, mit einem Zeitabstand und auch einem räumlichen Abstand schüttle ich selbst den Kopf und frage mich "was hast Du wieder angestellt? Musste das denn unbedingt sein??". Das ist die Hauptproblematik dieser Störung, dass man nicht immer man selbst ist und aber auch erst zu spät merkt, dass die Störung wieder voll am Greifen war.


    Ich lass den Kontakt jetzt erstmal so. Aus Scham hab ich bei meinem letzten Beitrag weggelassen, dass ich zu dem Zettel noch Schokonüsse dazugetan hab. Ich wusste schon, dass das zu viel war. Aber als ich das bemerkt hab, war's schon zu spät. Dementsprechend kam auch ne SMS, dass ihm das nicht recht war, weil ich ja beim Tanken sparen sollte. Daraufhin musste ich was erklären, und als ich folgendes geschrieben hab, hab ich das in dem Bewusstsein getan dass ich eh schon alles versaut hab:


    "Das war auch nicht für den Chip. Auch nicht für Tee und Erdbeerschnitte. Sondern einfach ein Ausdruck dass ich mich wahnsinnig über die beiden Treffen gefreut habe und die Zeit mir einfach gut getan hat. Für mich ist das heute einfach viel Wert, da es in diesem Lebensabschnitt damals nicht viel Schönes für mich gab, jetzt aber die Erinnerung an das wenige, was gut war, auch mal aufgefrischt wurde - das ist einfach toll für mich. Sorry falls ich das zu überschwänglich zum Ausdruck gebracht habe und es somit "zuviel" war, ich hab da leider kein Händchen dafür. Es kann einfach so stehen bleiben."


    So, jetzt hab ich den Teil in mir, der das loswerden wollte, auch endlich befriedigt, auf Kosten von meinem Ansehen. Aber ich bin halt was ich bin, ein psychisch krankes Sensibelchen. Ich bin froh dass mich mein Schatz mit all den Macken überhaupt will.


    Als Antwort auf die lange SMS von mir kam von Andreas übrigens "ganz lieb, danke". Ich glaub ich kann froh sein dass überhaupt was kam. Ich werd mich jetzt jedenfalls erstmal nicht mehr melden. Hab genug genervt. Ich hoffe ich bekomme bald Post für die Reha... Denn die hab ich - das weiß ich jetzt - bitter nötig :°(

    Ich glaube ich habe gerade eine ganz wichtige Erkenntnis erlangt. Ich habe mir die Frage gestellt, weshalb ich dem Lehrer jetzt unbedingt so zwanghaft erzählen wollte, dass es mir damals so schlecht ging. Was erhoffte ich mir bzw. der Teil, der das unbedingt wollte? Aufmerksamkeit! Und: Betüttelt werden! "Wenn der sieht, wie schlecht es mir damals ging, vielleicht mag er ja dann mein Papi sein".


    Oh mein Gott!!


    Zur Erklärung: mir gings als Kind immer irgendwie schlecht. Nach der Geburt Gelbfieber, dann massive Probleme mit der Bauchspeicheldrüse, ich wär mit 5 fast gestorben, weil ich nur noch erbrochen hab. Dann hab ich mir den Fuß 2 mal gebrochen... Es war immer irgendwas. Dann die Scheidung meiner Eltern. Und damals gabs natürlich dann immer einen Haufen Aufmerksamkeit und Mitleid und Betüttelt wurde ich auch. Ohje.... Ich glaube darauf ist mein Unterbewusstsein aus... Wie ekelhaft...


    Klar, ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich jemand mit mir abgibt nur weil ich so nett lachen kann oder witzig bin oder so... Ich muss immer in die (arme) Kinderrolle... Nur bei den wenigen Freundschaften die ich langfristig halten kann ist das nicht so...


    Naja... Wieder ein Thema für die nächste Therapiesitzung...