If you love something ....

    Liebe Community,


    welche Erfahrungen habt ihr mit der Sache, dass ihr, aus welchen Gründen auch immer, jemanden "liebt", der in einem Moment irgendwie unerreichbar ist oder ihr nichts sagt, weil ihr sicher seid, dass er/sie nicht so empfindet wie ihr.


    Habt ihr die Erfahrung gemacht, dass sich beide doch finden, auch wenn sich keiner von beiden traut etwas zu sagen, gesetzt dem Fall, auf beiden Seiten sind tatsächlich Gefühle? Wenn die äußeren Umstände eben komplex sind, wie auch immer und keiner aus der Reserve kommen kann.


    Bzw. dass es nicht hat sein sollen, weil eben einer nicht so empfindet.


    Wie seht ihr das? Welche Erfahrungen habt ihr, Dinge einfach "laufen" zu lassen... (statt "über"eifrig oder mutig zu sein und etwas "unter Druck" anzubahnen).

  • 26 Antworten

    Na, irgendwann muss schon einer über seinen Schatten springen - es kann mit der Zeit auch bei gegenseitigen extrem zaghaften Signalen "niedrigschwelliger" werden, aber wenn keiner aus dem Quark kommt, wird es eng.


    Ich war über ein halbes Jahr in meinen Kerl verliebt, aber noch mit einem anderen zusammen. Weil ich mich öfter mal ein bisschen verknalle, habe ich abgewartet und erst Schluss gemacht, als ich mir wirklich ganz schön sicher war, dass es nicht einfach wieder verfliegt. Der Kerl war auch in mich verliebt, hat dann aber seinerseits abgewartet, bis er ganz sicher war, dass ich wirklich Schluss gemacht habe und es nicht nur eine momentane Krise ist. Er hat dann den ersten Schritt gemacht - hätte er nicht, dann hätte ich, aber das hätte noch eine Weile gedauert, weil ich es trotz aller Verliebtheit nach zweieinhalb Jahren Beziehung unfassbar berauschend fand, solo zu sein; solo UND verliebt, das habe ich ganz maßlos genossen.


    Meine Oma hatte eine Jugendliebe - er war immer in sie verliebt, hat sich aber nie getraut, und sie war sich nicht ganz sicher. Es ist nichts draus geworden, aber vergessen hat sie ihn nie. Als mein Opa gestorben ist, war sie Anfang 70, und irgendwann hat sie uns von dieser Jugendliebe erzählt. Und dass er wohl nach Hamburg gezogen sei (dort wohnen wir). Wir haben dann im Telefonbuch nachgesehen, ihn gefunden und angerufen, sie haben sich getroffen und waren dann bis zu ihrem Tod zusammen, hatten noch mehrere schöne Jahre zusammen und haben festgestellt, dass es bei ihnen beiden ganz unfassbar gut passt, besser als mit ihren jeweiligen Partnern, mit denen sie ihr Leben verbracht haben. Zum Glück beide nicht der Typ, der über verschüttete Milch weint, und sich auch der Tatsache bewusst, dass man ja nie weiß und dass es dann ihre jeweiligen Kinder nicht gegeben hätte.


    Wenn sich keiner von beiden traut - wie soll es denn dazu kommen, dass etwas draus wird?

    Ich habe Erfahrungen, die ich beisteuern kann:


    Immer wenn ich in jemanden verschossen war, und ich war mir sicher, dass sie so nicht empfindet, und ich habe keine Avancen gemacht, dann ist keine Beziehung entstanden.


    Das Ergebnis bei dieser Konstellation tritt mit extrem hoher Zuverlässigkeit ein!

    Zitat

    Meine Oma hatte eine Jugendliebe - er war immer in sie verliebt, hat sich aber nie getraut, und sie war sich nicht ganz sicher. Es ist nichts draus geworden, aber vergessen hat sie ihn nie. Als mein Opa gestorben ist, war sie Anfang 70, und irgendwann hat sie uns von dieser Jugendliebe erzählt. Und dass er wohl nach Hamburg gezogen sei (dort wohnen wir). Wir haben dann im Telefonbuch nachgesehen, ihn gefunden und angerufen, sie haben sich getroffen und waren dann bis zu ihrem Tod zusammen, hatten noch mehrere schöne Jahre zusammen und haben festgestellt, dass es bei ihnen beiden ganz unfassbar gut passt, besser als mit ihren jeweiligen Partnern, mit denen sie ihr Leben verbracht haben. Zum Glück beide nicht der Typ, der über verschüttete Milch weint, und sich auch der Tatsache bewusst, dass man ja nie weiß und dass es dann ihre jeweiligen Kinder nicht gegeben hätte.

    Oh Gott ist das schön x:) . Ich finde Liebesgeschichten selten schön, aber die ist wunderschön.


    Nicht nur, dass sie sich gefunden haben, nein, auch wie sie akzeptiert haben, dass es zuerst nicht sein sollte. Hach.

    Zitat

    und ich war mir sicher, dass sie so nicht empfindet

    Wenn dein Eindruck richtig war, wäre es doch auf keinen Fall zu irgendwas gekommen?




    Die gute Flower scheint auf der Suche nach Trost in der Hoffnung zu sein, dass es hinterher vielleicht gerade ihr Versagen sein könnte, das zum gewünschten Ziel führt.


    Leider muss ich auch sagen: nö, das gibt nix @:)

    Zitat

    Wie seht ihr das? Welche Erfahrungen habt ihr, Dinge einfach "laufen" zu lassen... (statt "über"eifrig oder mutig zu sein und etwas "unter Druck" anzubahnen).

    Ich dachte einmal in meinem Leben, verliebt gewesen zu sein. Ist knapp 2 Jahre her. Ich hab ihn als schüchtern eingeschätzt, ich bin die reinste Katastrophe ;-D . Wir kamen uns schon näher, er hat mich nach dem Feiern mal nach Hause gebracht, ist über Nacht geblieben. Wie gesagt, ich bin eine Katastrophe, ich drehe komplett durch, wenn mich jemand anfassen will, aber da gings zumindest, dass er mich im Arm hatte. Für mich ein Weltwunder. Irgendwann hab ich dann doch mal vorsichtig versucht herauszufinden, was da sowohl bei mir als auch bei ihm ist. Wie gesagt, ich war noch niemals verliebt und ich weiß immer noch nicht wirklich, wie sich das anfühlt. Vielleicht war ich kurz davor, aber er war nicht schüchtern, der war auf schnelle Nummern aus und dass ich so absolut keine davon bin, ist ihm ziemlich schnell klar geworden. Deshalb war ich dann auch... schnell weg.


    Ich bereue bis heute zutiefst, wie das gelaufen ist. Wir waren vorher ziemlich gut befreundet, aber er wollte dann gar keinen Kontakt mehr zu mir. Das war für mich sehr schlimm, weil da sowieso eine schwere Zeit war und er hier in der neuen Stadt eben sowas wie mein bester Freund war. Letztendlich war ich wahrscheinlich gar nicht wirklich verliebt, ich hegte nur eine riesige Zuneigung auf freundschaftlicher Ebene. Ne, das war mehr, aber auf einer ganz anderen Basis als Verliebtsein. Ich hätte mir niemals eine Beziehung und so richtig Körperkontakt mit ihm vorstellen können, aber er war eben einer der wenigen Menschen, bei dem ich Nähe ertragen und vielleicht sogar genossen habe, weil ich das erste Mal spüren konnte, wie sehr mir das im Leben eigentlich fehlt.


    Seitdem muss ich ehrlich sagen, dass ich, wenn ich wieder so Gefühle hätte, wahrscheinlich jetzt erst recht eine von der Sorte wäre, die Ewigkeiten abwartet. Einfach aus zu viel Angst, wieder eine Freundschaft zu zerstören und dann am Ende wohl noch, weil ich glaube, verliebt zu sein. Ich hatte sehr lange damit zu kämpfen, mittlerweile ist der Kontakt vollständig abgebrochen und mich macht das doch ziemlich traurig, ihn so verschreckt zu haben.

    Zitat

    Oh Gott ist das schön x:) . Ich finde Liebesgeschichten selten schön, aber die ist wunderschön.


    Nicht nur, dass sie sich gefunden haben, nein, auch wie sie akzeptiert haben, dass es zuerst nicht sein sollte. Hach.

    Ja, das war echt richtig doll schön. Und dann ist sie im Schlaf gestorben, ohne irgendeine Krankheit oder Demenzquatsch oder so, und er war ganz im Frieden damit und hat gesagt, jetzt erinnert er sich und denkt an sie, bis er hinterhergeht, und alles ist gut und richtig. Richtig schlimm schön, beide ganz schön gebeutelte Leute mit einem ziemlich harten Leben, aber so einer ganz unverbrüchlichen - hm. Ich finde gerade gar kein Wort dafür. Waren beide nicht nachtragend, keinen Funken bitter, sondern haben sich einfach an allem gefreut, was schön ist, und alles andere war dann halt, wie es war. Schöne, freundliche, liebenswürdige Menschen, alle beide. Ich denke sehr gern an sie.

    Zitat

    Die gute Flower scheint auf der Suche nach Trost in der Hoffnung zu sein, dass es hinterher vielleicht gerade ihr Versagen sein könnte, das zum gewünschten Ziel führt.

    Wieso denn "Versagen"? Wenn die Umstände es nicht zulassen oder man in jemanden verliebt ist, der seinerseits nicht verliebt ist, dann ist es doch kein Versagen, den Stier nicht bei den Hörnern zu packen.

    Zitat
    Zitat

    Habt ihr die Erfahrung gemacht, dass sich beide doch finden, auch wenn sich keiner von beiden traut etwas zu sagen

    Ebenfalls nö...

    Wie soll das auch gehen, also so rein, äh, logistisch ? :-D

    Naja, irgendwann hat man vielleicht Glück und dann passiert sowas:

    Zitat

    Wir haben dann im Telefonbuch nachgesehen, ihn gefunden und angerufen, sie haben sich getroffen und waren dann bis zu ihrem Tod zusammen

    ;-) Dann helfen vielleicht einfach die Umstände oder andere Menschen nach?


    Ich glaube aber, dass es so gut wie immer darauf hinauslaufen muss, dass einer den Schritt macht.


    Shojo, das klingt immer schöner. Ich glaube, man hat ganz großes Glück, wenn man diese Liebe im Leben trifft und sie dann auch erkennt - früher oder später - und annehmen kann. Ohne die Umwege zu betrauern.


    Ich finde die Fähigkeit allgemein sehr bemerkenswert, im Hier zu sein und nach vorne zu schauen. Mir fällt es richtig schwer, die Vergangenheit ruhen zu lassen und mich nicht ständig zu fragen, was wohl wäre, wenn ich alles anders gemacht hätte.


    Ich finde das so schön zu lesen und ich glaube, wenn man das miterleben darf, wie sich zwei Menschen dann doch noch finden und einfach den Moment und die vor ihnen liegende Zukunft genießen, dann glaubt man doch irgendwie an das Schöne?


    Ja doch, ich bin gerade wirklich fasziniert (und werde ziemlich gefühlsdusslig bei so einem schönen Ende).

    Zitat

    er war ganz im Frieden damit und hat gesagt, jetzt erinnert er sich und denkt an sie, bis er hinterhergeht, und alles ist gut und richtig.

    Auch das hier. Ich frage mich ganz oft, wie man so einen schweren Verlust ertragen soll... aber vielleicht tatsächlich, indem man dankbar für die Zeit und die Momente ist, die man gemeinsam hatte.


    Wie bittertraurig das gewesen wäre, wenn ihr ihn nicht gesucht und gefunden hättet, so sehr.

    S. mein Faden: "Bauch gegen Kopf", ist zwar nicht dasselbe, aber ich war auch unsicher und wusste nicht, ob ich es wagen soll. Mittlerweile sind wir zusammen und auch wenn die Umstände nicht einfach waren und auch noch eine ganze Weile sein werden, bin ich trotz aller zeitweisen Zweifel glücklich, den Mut aufgebracht zu haben, denn er war es wert.


    Hätte ich nichtden Mut aufgebracht, wäre es vermutlich schief gegangen und ich hätte mich ewig gequält, denn ich weiß


    mittlerweile, dass er mich mochte, aber mehr auch nicht. Erst dadurch, dass ich iInteresse gezeigt habe bin ich ihm auf diese Art aufgefallen. Wir haben dann langsam aber stetig zueinander gefunden. Ich würde es immer wieder tun und empfehle das auch jedem anderen.

    Ich habe Deine Geschichte gelesen. Ich hab oft gehört, dass es länger hält, wenn die Annäherungsphase lang ist.


    Bei Euch sieht das wirklich total gut aus. Herzlichen Glückwunsch für Deine Geduld und Dein behutsames Vorgehen!


    Es sind halt die kleinen Feinheiten, die "subtile" Annäherung. Das muss man beherrschen und dazu muss man bereit sein.


    Naja, nur zu lange darf es halt nicht dauern. Manchmal ist es schwierig, Signale überhaupt als Signale zu deuten. Und wenn man extrem unsicher ist, vielleicht ist man dann eben auch für eine Verbindung innerlich gar nicht bereit.


    Zu begreifen, dass man dann und dann hätte reagieren können, aber es einfach nicht konnte und zu spüren, dass man dadurch vielleicht etwas irreversibel falsch gemacht haben könnte, ist irgendwie bitter.

    Shojo


    ich bin auch ganz berührt von deiner Geschichte .


    OneFlower

    Zitat

    Zu begreifen, dass man dann und dann hätte reagieren können, aber es einfach nicht konnte und zu spüren, dass man dadurch vielleicht etwas irreversibel falsch gemacht haben könnte, ist irgendwie bitter.

    Das hat meine Mama durchgemacht . Sie hatte eine große, tiefe Liebe und musste darauf verzichten - beide haben einen anderen Partner geheiratet, durch blöde Lebensumstände.


    Sie hat ihn nie vergessen , er ruft einmal im Jahr an ihrem Geburtstag an, das zaubert ihr so ein Glück in ihre Augen .


    Trotz ihrer Demenz, hat sie ihn nicht vergessen . Ich fand das schon als Kind so unglaublich traurig und empfinde es heute nocht so.

    Zitat

    Ich finde die Fähigkeit allgemein sehr bemerkenswert, im Hier zu sein und nach vorne zu schauen. Mir fällt es richtig schwer, die Vergangenheit ruhen zu lassen und mich nicht ständig zu fragen, was wohl wäre, wenn ich alles anders gemacht hätte.

    Dé.liée


    Die "Waswärewennnachdenkfalle" ist ganz fies und klebrig , ich kenne das auch . Irgendwann muß man da einfach raus . Nachdenken, verarbeiten und den Rest in eine Truhe stecken . Sonst hat man ständig rießige Bremsklötze an den Beinen hängen.

    Vorallem kann man die Frage eh nicht beantworten. Was wäre wenn shojos Oma ihre große Liebe vorher geheiratet hätte? Hätte gut laufen können, es hätte aber auch sein können, dass einer von beiden glaubt "boah das kann es ja noch nicht gewesen sein, so jung und die eine" und das alles an einer dummen Unzufriedenheit/midliefecrisis oder so zerbrochen wäre. Oder sie wäre für ihn irgendwohin gefahren und dabei bei einem Verkehrsunfall gestroben, weshalb er sich ewig schuldig gefühlt hätte oder oder oder.


    Weiß keiner, lohnt die Energie echt nicht. Hab ich mal so für mich beschloßen.

    Eigentlich hätte es heißen müssen, if you love someone. Anfangs kann man eigentlich gar nicht wissen, ob es "Liebe" ist. Wahrscheinlich ist es so, je seelisch gesünder, selbstbewusster und liebesfähiger jemand ist, umso einfacher ist es. Je verunsicherter und problembehaftet jemand ist, umso schwerer ist es. Aber vermutlich ist es in gewissen, verfahrenen Fällen gut, die Sache einfach ruhen zu lassen und sich auf andere Dinge zu konzentrieren.


    Am Ende ist es vielleicht nicht so falsch, Dinge auch abhaken zu können. Manchmal hält man noch viel zu lange an einem Gedanken fest, an etwas bereits vergangen oder nie da gewesenem. Manchmal ist auch die Struktur der Konstellation derart komplex, dass man sich vorkommt, wie in einem Labyrinth aus unausgesprochenen Gedanken und Gefühlen. Und aus dieser Situation heraus noch "das richtige" zu machen ...


    Was nicht hat sollen sein, hat halt einfach nicht sollen sein.

    Weist du OneFlower, es geht mit subtiler Annäherung nun mal manchmal nicht. Manchmal muss man konkret werden und einfach was sagen. Ich fand es immer viel schlimmer, Dinge im Kopf zu haben, statt der Realität ins Auge zu blicken. Schief gehdn kann es immer, man bekommt aber vllt eben keine zweite Chance. Zu spät ist es aber auch nie, wie die anderen Geschichten hier zeigen. Also macht man aus subtilem annähern eine konkrete Frage, die eindeutig zeigt, was seine Wünsche sind und dann guckt man, wohin es geht. Selbst wenn es nicht erfolgreich ist, kann das Herz weiter ziehen. Denn wir Menschen haben glücklicherweise die Fähigkeit, mehr als eine Person zu lieben.