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    Danke an alle die sagen, mich trifft keine Schuld. Ich finde das schwer, ich denke ständig daran, an welchen Punkt ich vielleicht noch die Kurve mit ihm kratzen hätte können.

    Das sind normale Gedanken, die du jetzt hast. Weil du die Welt nicht mehr verstehst. Du glaubst, einen Menschen zu kennen, und musst eines Tages feststellen, dass du dich total geirrt hast. Daher kommt die Motivation, die Fehler bei sich selbst zu suchen.


    Eure turbulente Vorgeschichte lief immer in Grenzen, die du akzeptieren konntest. Es war für dich OK, und wäre es dabei geblieben, wäre vermutlich auch weiterhin alles OK gewesen.


    Aber da kam eine ganz neue Seite heraus, die du noch nicht kanntest. Weil er sie vorher noch nie gezeigt hatte. Nicht du hast den Fehler begangen, ihn nicht richtig zu kennen. Sondern er hat gezeigt, dass eure bisherige Streitkultur eben nicht für ihn OK war. Dass er Dominanz mit Gewalt durchsetzen möchte. Niemand weiß, wie lange sich das schon aufgestaut hat, und wie lange es ihn schon ein Dorn im Auge war, dass die ganze Dynamik bei Konflikten auf Augenhöhe ablief. Sein Fehler ist nicht nur, dass er überhaupt diesen Drang hat, dich körperlich und sexuell zu bezwingen. Er hat auch den Fehler gemacht, dem nachzugeben.


    Bei all der schlimmen Geschichte solltest du eins immer beachten: seine Maske wäre irgendwann ohnehin gefallen. Und jetzt weißt du wenigstens Bescheid. Es ist schlimm, wenn man sich in einem geliebten Menschen so irrt. Aber Schuld trifft dich keine.


    Du musst deine Verbündeten unbedingt auch auf die Nachbarn mit engem Kontakt erweitern. Der Nachbar, der deinem Ex den Zugang über den Balkon gewährt hat, muss sich der Brisanz bewusst sein. Vielleicht kannst du auch einen Nachbarn bitten, dass er die nächste Zeit beim Betreten des Hauses wenigstens im Treppenhaus bei dir ist, falls dein Ex nochmal Zugang zum Gebäude bekommt.

    Wut kommt später. Das dauert bis der Schock abklingt und dann kommt meist die kalte, nackte Wut. Was das "sich wehren" angeht: Mach das nur wenn du den Eindruck hast das er dir dann nicht noch mehr weh tut oder wenn du das Gefühl hast das es für dich psychisch wichtig ist es versucht zu haben. Wenn es dir aber nur mehr und mehr das Gefühl gibt ihm total hilflos ausgeliefert zu sein und egal was du tust nicht gegen ihn anzukommen, dann kann es auch eine stärkende Entscheidung sein sich nicht zu wehren. Hauptsache man selbst entscheidet sich bewusst und gewinnt dadurch ein Stück Autonomie zurück.


    Und ausserdem schließt: Leute einweihen und nicht jeden erzählen wo man hin ist sich ja nicht aus. Man kann den Leuten sagen wieso man eine Weile verschwindet ohne zu sagen wohin. Wenn man einen täglichen Kontrollanruf aufs Handy ausmacht, dann muss da auch niemand Angst um einen haben.

    Ich glaube übrigens das diese Suche nach Schuld bei sich selbst ein Schutz der Psyche ist. Ein Schutz davor isch bewusst zu sein das es Sicherheit nicht gibt, das man am Ende vorallem Glück braucht damit einem nichts schlimmes passiert. Um dies latente bedrohliche Gefühl nicht aushalten zu müssen hat der Mensch von jeher Hilfsmittel genutzt, Amulette, Gebete, Zauber. Nun trägt das heute nicht mehr so, anstelle dieses Vertrauens in einer andere Macht ist der Glaube getreten man hätte alles in der eigenen Hand und so sucht man die Schuld dann bei sich. Frei davon wird man erst so einigermaßen wenn man sich der Unsicherheit bewusst wird und sie akzeptiert, als Teil des Lebens. Aber ich glaube das ist ganz akut nicht dein Problem.

    @ Alias

    Nur kurz, aber um jedes Missverständnis in Bezug auf meine früheren Beiträge auszuräumen.


    Es gibt jetzt absolut nichts mehr zu verharmlosen, zu erklären oder verstehen zu wollen. Und schon gar nicht geht es um Mitschuld – an was auch immer.


    Es ist deinen letzten Beiträgen nicht klar zu entnehmen, ob er dich in der Wohnung am Montag noch einmal vergewaltigt hat oder in welcher Form er dir da Gewalt angetan hat. Egal was, das ist mit nichts mehr zu erklären und man sollte das auch nicht versuchen. Es ist nur noch schrecklich. Natürlich ist diese Wohnung zur Zeit kein Aufenthaltsort für dich. Und später vermutlich auch nicht mehr.


    Zusammen mit der Tatsache, dass der Mann nicht mehr arbeitet und von niemandem gesehen wurde, muss man nun wohl vom schlimmsten Fall ausgehen, dass er sich in einer Art Psychose befindet. Jedenfalls in einem Ausnahmezustand, in dem er völlig unberechenbar ist. Und darum geht es jetzt nur noch um deinen ganz persönlichen Schutz. In dieser Phase kann man ihn nicht mehr verstehen und man sollte es auch auf keinen Fall versuchen. Wozu er jetzt in der Lage sein könnte, mag man sich nicht ausmalen. Es ist nichts mehr auszuschließen.


    Überlass bitte der Polizei ihn zu finden und ihn bestenfalls auch vor sich selber zu schützen. Aber das sollte jetzt mit großem Nachdruck geschehen. Für dich wäre meiner Meinung nach bis dahin ein Frauenhaus die beste Adresse. Leider willst du das ja auf keinen Fall, wie du schreibst. Vielleicht kann dir aber auch die Polizei dabei helfen, vorübergehend einen sicheren Aufenthaltsort zu finden.


    Mehr kann ich dazu nicht mehr sagen.

    Das tut mir sehr leid, Alias. Wichtig ist, dass du dich jetzt erst einmal ganz um dich selbst kümmerst. Du hast die ersten richtigen Schritte bereits eingeleitet. Die andere Seite ist die seelische Seite. Ich vermute, dass ihr in einer Art emotionaler Abhängigkeit voneinander gelebt habt, ohne es zu wissen.


    Meine Erfahrung in diesen Bereichen ist: Es geht meist um Bedürfnisse, die befriedigt werden wollen, sowohl bei dem Täter als auch bei dem Opfer. Bedürfnisse haben erst einmal nichts mit Schuld zu tun, aber man hat psychisch mehrere Möglichkeiten sie sich zu befriedigen und da kann es dann zu starken Grenzüberschreitungen kommen. Für mich gibt es drei Hauptcharaktere im Leben: einmal empathische Menschen, die die Bedürfnisse anderer genauso achten, wie die eigenen und es gibt Machtmenschen und Angstmenschen. Je nach Lebensbereich sind diese einzelnen Charakterzüge auch mischbar, denn selten ist jemand nur das eine oder das andere, aber eine Eigenschaft sticht meist besonders heraus. Machtmenschen können einigermaßen gut durchs Leben kommen und auch solange nett sein, solange sie ihre Bedürfnisse befriedigt bekommen, wofür sie aber auch andere benutzen. Angstmenchen kommen eher weniger gut durchs Leben, sind meist sehr harmoniebedürftig, aber es klappt einigermaßen solange sie ihre Bedürfnisse befriedigt bekommen. Sie brauchen aber auch die Bestätigung und die Unterstützung anderer. Das alles ist weder gut noch schlecht, sondern es sind zu Gewohnheiten gewordene Überlebensstrategien, die oftmals sogar erblich sind. Beide, Macht- und Angstmenschen sind aber gleichermaßen bedürftig. Wenn man dem Machtmenschen Bedürfnisse verweigert, auf die er ein Recht zu haben glaubt, dann ist ihm fast jedes Mittel recht, um daran zu kommen: Gewalt und emotionale Erpressung gehören zu seinen Strategien. Verweigert man hingegen einem Angstmenschen seine Bedürfnisse, dann versucht er es lieber allen Rechtzumachen, er zieht sich auch gerne zurück und er sucht die Schuld gerne bei sich. So etwas wie Schuld, das kennen Machtmenschen kaum, diese suchen sie dann eher im anderen.


    Macht- und Angstmenschen können sich entweder nicht ausstehen, denn beide erkennen ihre eigene Schwäche in dem anderen, oder aber sie gehen Bündnisse ein. Als ängstlicher Mensch schätzt man die Stärke und die Durchsetzungskraft des Machtmenschen, weil man selbst glaubt, dadurch seelisch mehr Sicherheit, mehr Geborgenheit und ein gewisses Versorgtsein zu erfahren. Solange solche Verbindungen in kein Extrem abrutschen, kann das sogar funktionieren. Aber sobald hier Grenzen überschritten werden und die eigenen Bedürfnisse in Gefahr zu sein scheinen, dann wird der Machtmensch sie bei der schwächeren Person durchsetzen wollen und das auch mit seinem gerne benutzten Mittel, der Gewalt, die sich auch auf der sexuellen Ebene zeigen kann. Wenn man sich als ängstlicher Mensch zu einem Machtmenschen hingezogen fühlt, das tun viele Menschen, dann kann man sich fragen, was man sich seelisch davon verspricht und was man von ihm gebraucht hat, was man glaubt, ohne ihn nicht zu besitzen.


    Als ängstlicher Mensch nimmt man hier gerne vieles in Kauf, damit man seine Sicherheit, sein Geborgensein und die Stärke in der Beziehung nicht verliert. Man versucht das auch gerne zu ignorieren, weil es einen schmerzt hier hinzusehen und dann sucht dann den Fehler wieder bei sich, anstatt dass man sich seine Bedürfnisse und seelischen Ängste einmal anschaut.


    Ich wünsche dir viel Kraft Alias und dass du bei dir hinschaust. Wenn du dir selbst einiges bewusst gemacht hast, was du von ihm seelisch gebraucht hast, dann kannst du dich auch innerlich von ihm lösen. Und meist ist es sogar so, dass der andere ohne ein Wort von einem, innerlich weiß, hier hat er keine Macht mehr.

    Es war und bleibt eine Vergewaltigung, egal ob du einen Orgasmus hattest.


    Sex gegen deinen Willen ist nun eine Vergewaltigung, es spielt auch keine Rolle, wieviel Gewalt es war.


    Er kann vorher und hinterher der größte Pazifist der Welt sein, oder Mahatma Gandhi & Mutter Teresa in einer Person.


    Hier hatte er sich nicht im Griff. Im Griff hatte er nur DIR.

    Annika, wie wärs, wenn Du erst einmal den gesamten Faden liest, bevor Du hier Deinen Senf zum besten gibst? :(v


    Es war eben nicht nur eine Vergewaltigung, und von Pazifist kann keine Rede sein.


    Oh Mann...

    Zitat

    Und wie muss ich ihn dann richtig verstehen?

    Das steht doch ziemlich deutlich drin. Hast Du ihn nicht noch mal in Ruhe gelesen?


    Es ging in ihrem Beitrag überhaupt nicht darum, wie oft ein Missbrauch (in Zahlen) stattfand. Annika hat lediglich zum Ausdruck gebracht, dass es für sie ein eindeutiger Missbrauch war - so wie viele andere vor ihr auch - und dass der Ex sonst noch so ein netter Mensch sein kann, in diesem Moment war er es nicht.


    Deckt sich ziemlich mit den meisten Beiträgen hier und ich kann auch nirgendwo einen Anhaltspunkt dafür finden, dass sie hier nicht alle Beiträge gelesen hat.

    Danke Chance007 *:)


    Das mit dem "Pazifist" war leider Pure und Blanke Ironie - oder eher BITTERE!


    Es spielt in dem Falle eben keine Rolle, wie dieser "Mensch" vorher oder nach ist, oder war.


    Mit dieser Vergewaltigung hat er sich Strafbar gemacht.

    Liebe Alias

    Du hast seit letztem Mittwoch nichts von Dir hören lassen und ehrlich gesagt mache ich mir ein wenig Sorgen. Gleichzeitig kann ich natürlich auch sehr gut verstehen, wenn Du im Moment etwas Abstand vom Geschehenen brauchst und Dir der Sinn nicht danach steht, hier im Forum zu schreiben. Wenn Du hier vorbeischauen solltest, wäre es toll, wenn Du ein kurzes Lebenszeichen dalassen könntest @:)

    @ Annika

    Ok, verstehe, die Ironie habe ich überhaupt nicht wahrgenommen (das altbekannte Forenproblem...) *:)

    Hallo!


    Danke und gleichzeitig sorry, wenn sich jemand Sorgen gemacht hat. Ich bin ok. Naja, nicht wirklich okay, aber es ist zwischen mir und meinem Exfreund zumindest nicht mehr vorgefallen. Es war trotzdem sehr turbulent. Ich bin übers Wochenende mit meiner Freundin etwas weiter weggefahren, in die Ferienwohnung ihrer Eltern. Ich wollte an einen Ort, den er nicht direkt "auf dem Schirm" hat. Es ist dann wieder ein wenig eskaliert, als er gemerkt hat, dass ich nirgendwo in unserer Stadt bin. Nicht zu Hause, nicht bei Freunden oder bei meiner Mutter. Er hat ab da versucht mich zu erreichen und regelrecht "Telefonterror" betrieben. In der Nacht von Samstag auf Sonntag hat er über 20 auf meine Mailbox gesprochen. Mal hat er ganz ruhig gesprochen über unsere Beziehung und was alles gut und schlecht war und fast rational und objektiv versucht zu erklären, was von seiner Seite und von meiner Seite nicht ganz optimal gelaufen ist (damit bezog er sich auf die Zeit vor seinem ersten Ausraster). Dann wiederum die totale Verzweiflung mit weinen und flehen, dann auch wütende Anrufe mit ordinären Beschimpfungen und Aussagen wie "Wenn ich dich nicht haben kann, wird dich keiner haben" Bis jetzt habe ich noch nicht alles angehört, ich konnte einfach nicht.


    Naja, das Ende vom Lied: mittlerweile befindet er sich im Krankenhaus in einer Akutpsychiatrie (? glaube ich). Ich bzw. meine Mutter war die ganze Woche im engen Kontakt mit seinen Eltern, die widerum das ganze Wochenende versucht haben ihn zu erreichen oder in seiner Wohnung anzutreffen, aber er war nie da. Am Sonntag hat es dann aber geklappt, dass sie ihn in seiner Wohnung "erwischen". Ich weiß leider nicht genaueres, weil seine Eltern seitdem Gespräche eher abblocken, aber offenbar wollten sie mit ihm sprechen und ihn zu Vernunft bringen, aber in seiner Rage hat er auch seine Eltern beschimpft und seinen Vater tätlich angegriffen. Wie das alles dann vonstatten ging weiß ich nicht, nur dass er "geschlossen" untergebracht wurde, weil er eine Gefahr darstellt. ICh glaube seine Eltern geben mir die Schuld (indirekt), deswegen möchten sie keine Gespräche mehr führen. Ich möchte aber einfach nur wissen, wie lange er im Krankenhaus bleibt bzw. bleiben muss (?).


    Es kann sich zwar keiner von uns vorstellen aber, was wenn er in einigen Tagen/Wochen entlassen wird und alles geht von vorne los? ich selbst kann es mir auch nicht vorstellen, weil ich glaube und befürchte, dass es ihm sehr schlecht geht und er am Ende jeden Realitätsinn verloren hatte, aber es ist so ein unsicheres Gefühl nichts genaueres zu wissen.


    Mir geht es insgesamt leider sehr schlecht. Seelisch und körperlich. Es waren furchtbare Tagen und Wochen und bis jetzt fühle ich mich nicht wieder sicher, obwohl ich weiß dass er jetzt gerade nichts tun kann und mir nirgendwo auflauert. Es klingt vielleicht übertrieben, weil es nicht mit meiner Wohnung an sich zu tun hat, aber im Moment will ich auch nicht nur kurz hin, um etwas zu holen. Ich bin fertig mit den Nerven, leider.