Liebe Alias,


    dann solltest Du Dir überlegen jetzt schon professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Du hast Deinen Freund verloren, Du musst um Deine Gesundheit/Leben fürchten, Deine Wohnung und Deine Arbeit sind weg. Das sind sehr gravierende Dinge. und das alles in so kurzer Zeit.


    Es tut mir so leid, aber das hilft Dir nichts. Wir denken alle an Dich und schicken Dir Kraft!!

    Liebe Alias. Schrecklich wie sich alles entwickelt hat. Vor allem weil du in allem Unschuldig bist.


    Du suchst nach Lösungen? Am besten umziehen. Möglichst weit weg. Eine schnellere oder bessere Lösung sehe ich nicht für dich, leider.

    Zitat

    Wie kann man das verarbeiten gerade weil ich ihn sehr geliebt habe?

    Alias 711589


    es tut mir so leid, was du da durchmachen mußt .


    Das Verarbeiten wird erst später möglich sein, denke ich . Jetzt ist einfach wichtig, dass du dich wieder sicher fühlen kannst .

    Ich glaube du musst dich erstmal in SIcherheit bringen bevor du ans Verarbeiten denken kannst. Das wird jede Menge Kraft brauchen, aber gerade brauchst du die um nicht als Schlagzeile in der BILD zu enden. Ich hoffe das es dir immerhin körperlich gut geht und du nicht schwer verletzt bist wenn du schreibst das er es beinahe geschafft hätte...

    Zitat

    Involviert sind Polizei, Anwaltschaft, alle. Kann nicht mehr an meinen Arbeitsplatz oder meine Wohnung zurück, meine Angst ist zu groß, dass später in ein paar Monaten etwas passiert und es nicht gut aus geht.

    Dann wäre eine der ersten Schutzmaßnahmen, keine Einzelheiten mehr in einem Forum zu beschreiben, da diese Beschreibungen einen hohen Wiedererkennungswert haben. Es gibt sicher bei Dir vor Ort Anlaufstellen für Missbrauchopfer. Die Leute dort kennen sich genauestens mit der Thematik aus und können Dir auf vielen Ebenen behilflich sein und ggf. weitere Anlaufstellen nennen.

    Eindeutig. Nicht mehr als ein Lebenszeichen würde ich mehr von mir geben oder mich vielleicht auch erst wieder melden wenn das Gröbste geklärt ist und ich umgezogen bin, sehr weit weg oder so.

    Vielleicht ist es ne blöde Frage, aber:


    Dass die TE nicht schreibt, was sie genau macht und wo sie genau hingeht/ist, ist ja klar und das hat sie ja auch noch nie gemacht. Warum also gar nicht mehr schreiben?

    Weil viele Leute unterschätzen welche Informationen den interessierten Irren schon auf die Spur führen können. Vorallem weil er ja durch lange Beziehung viel mehr Details von ihr weiß als wir und daher viel schneller winzige Hinweise nutzen kann.

    Ich weiß nicht, ob die Forumsteilnehmer, die mir damals beigestanden und geholfen haben, hier noch aktiv sind. Ich habe mich trotzdem dazu entschieden, zu schreiben, wie die Situation mit meinem Exfreund ausgegangen ist und es mir heute geht.


    Vor allem um Frauen, denen dasselbe oder etwas Ähnliches passiert ist, Mut zu machen, dass man es überstehen kann und wieder auf die Beine kommt auch wenn es einem vorkommt wie ein wahr gewordener Albtraum.


    Mir geht es heute zum Glück wieder gut. Leider nicht so gut wie früher, aber ich bin einen langen Weg gegangen und fühle mich inzwischen wieder wohl und zufrieden. Es gibt noch viel, was ich verarbeiten muss und Probleme, die mich im Alltag begleiten, aber ich bin schon froh, dass es heute so ist wie es ist.


    Ich will nicht detailliert darüber sprechen was alles vorgefallen ist, nur so viel: mein Ex war mir gegenüber mehrmals gewalttätig, hat mich verfolgt und ist in meine Wohnung eingedrungen und später auch in das Haus meiner Mutter. Er hat mehrere Familienmitglieder, Freunde, Kollegen, Vorgesetzte belästigt und bedroht, um in Kontakt zu mir zu kommen und hat auf der anderen Seite in meinem privaten und beruflichen Umfeld ganz bizarre und bösartige Lügen verbreitet, die meinen Ruf beinahe ruiniert hätten. Nachdem er trotzdem nicht mehr an mich herankam, begann er das selbe Spiel bei seiner eigenen Familie, lauerte Familienmitgliedern auf, zerstörte Eigentum und wurde gegenüber seiner Schwester schwer gewalttätig vor dem Hintergrund sie würde mich decken und ihn dadurch verraten. Dann, am 14.11. hat er sein Leben durch Suizid beendet.


    Ich weiß nicht, wie es weitergegangen wäre, wenn es anders geendet hätte und wie es mir heute gehen würde. Ich weiß auch nicht, wie es anderen Frauen geht, die Gewalt in ihrer Beziehung erlitten haben.


    Für mich ist meine Gefühlswelt bis heute sehr ambivalent und daran habe ich schwer zu tragen. Es klingt vielleicht übertrieben, aber in dieser Zeit, in der mein Exfreund gewalttätig wurde und mich gestalkt hat, hatte ich Angst um mein Leben und überhaupt kein Sicherheitsgefühl mehr. Er hat mir derart Angst gemacht, dass ich ihm alles zugetraut hätte. Bis heute ist es für mich sehr schwer und auch belastend, das mit der Person zusammenzubekommen, die ich einmal so geliebt habe. Obwohl unsere Beziehung damals schon in einer langen Krise war und mehr oder weniger kurz vor dem Ende stand, war er der wichtigste Mensch für mich und hatte mein vollstes Vertrauen. Nie hätte ich gedacht, dass so etwas passiert und niemand, der uns beide kannte, hätte so etwas gedacht.


    Dass er tot ist, war für mich sehr schlimm und sehr schwer zu verarbeiten durch diese Ambivalenz. Wenn ich an den Mann dachte, vor dem ich Angst hatte, dass er seine Drohungen wahr macht, war ich erleichtert. Es gab auch das Gefühl, dass ich mich anders nicht wieder sicher fühlen hätte können und immer in Angst leben hätte müssen. Aber wenn ich an meinen Exfreund dachte, war ich traurig und hatte auch den Wunsch, dass man ihm besser helfen hätte können in einer Psychiatrie.


    Auch das Thema Vertrauen war für mich sehr schwierig in der Zeit danach. Leider vor allem gegenüber meinen nahestehenden Bezugspersonen wie engen Freundinnen oder Freunden. Komischerweise nicht nur Männern gegenüber. Ich weiß zwar, dass mein Exfreund in dieser Zeit an ganz akuten psychotischen Schüben litt und er einfach krank war, aber trotzdem hatte ich oft das Gefühl, dass ich mich in jedem täuschen kann und es in jedem steckt. Das konnte ich inzwischen gut aufarbeiten und wird hoffentlich auch weiterhin stetig besser, weil mir gerade mein Umfeld sehr viel Kraft gegeben hat in den bald zwei Jahren seitdem das alles begonnen hat.


    Das führt mich auch dazu was ich rückblickend betrachtet anders machen würde und anderen Frauen als Rat weitergeben kann:


    Behaltet es nicht für euch, wenn euer Partner euch Gewalt antut oder auch belästigt und bedroht. Redet mit Vertrauenspersonen darüber. Ich weiß, dass man Hemmungen hat und es sich so anfühlt, als würde man den Partner verraten, wenn man anderen erzählt, was passiert ist. Das stimmt nicht, euer Partner hat euch in dem Moment verraten, als er gewalttätig wurde.


    Ich habe mich sehr schnell einer guten Freundin anvertraut, die mich bei ihr aufgenommen und mir sehr geholfen hat. Trotzdem hätte ich viel eher auch den Rest meines nahen Umfeldes einweihen sollen, um mich und sie besser zu schützen. In der Situation kann man nicht gut abschätzen wie es sich weiterentwickelt und ob noch etwas kommt. Ich hätte nach dem ersten Mal nie damit gerechnet, dass es erst der Anfang ist. Es muss auch nicht zwingend mehr passieren, aber einmal ist einmal zu viel.


    Im Forum haben mir viele dazu geraten und ich wollte es zu dem Zeitpunkt nicht annehmen: wenn ihr Verletzungen habt oder es Spuren an eurem Körper gibt, lasst das aufnehmen. Das muss nicht durch die Polizei geschehen, ihr könnt zu eurem Hausarzt oder Gynäkologen gehen und diese haben auch Schweigepflicht, wenn ihr zu dem Zeitpunkt keine Anzeige machen wollt. Aber es ist eine wichtige Sicherheit für euch, egal was weiter passiert. Im besten Fall passiert nichts und das Protokoll bleibt einfach bei eurem Arzt liegen. Aber es ist da, falls es doch einmal benötigt wird und auch wenn man hofft, dass es nicht so kommt, seid ihr in der Hinsicht abgesichert. Das kann zum Beispiel wichtig sein für eine Unterlassungsverfügung.


    Sucht euch in jedem Fall Unterstützung. Ich war überrascht wie viel Hilfe man bekommt und wie gut das tut, weil man sich aufgefangen fühlt. Ich habe bis heute Unterstützung durch eine Therapeutin, deren Themen Beziehungsgewalt und Stalking sind. Mit ihrer Hilfe habe ich vor allem gelernt, dass ich mir nichts vorwerfen muss was meine Fehler in der Beziehung betrifft und vor allem meine Fehler in diesen Wochen. Denn nichts rechtfertigt Gewalt und diese Form der Gewalt schon gar nicht.


    Ich habe auch gelernt, dass meine Gefühle okay sind und ihre Berechtigung haben auch wenn ich mit dieser Ambivalenz oft zu kämpfen habe. Auch, dass ich anderen schwer vertrauen kann oder nur ein gewisses Maß an Vertrauen geben kann obwohl sie mir nie etwas schlechtes getan haben, ist in meiner Situation berechtigt, obwohl es den anderen gegenüber ungerecht ist.


    An eine Beziehung denke ich derzeit gar nicht. Vielleicht bin ich noch nicht soweit oder es ist einfach nicht mehr Thema für mich. Das weiß ich selbst nicht genau und lasse es einfach auf mich zukommen, ob ich irgendwann wieder den Wunsch nach einer Partnerschaft habe und dann auch bereit dafür bin.


    Auf jeden Fall kann ich euch nur dazu raten: nehmt alles an Hilfe und Unterstützung in Anspruch, was euch angeboten wird. Bleibt nicht alleine! Es gibt ganz, ganz viele Anlaufstellen (man kann sich auch anonym beraten lassen!) oder geht einfach zu eurem Arzt, zu eurer Familie oder zu Freunden.


    Und das wichtigste: ich weiß natürlich nicht, wie es anderen Freuen mit ähnlichen Erlebnissen geht, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es auf jeden Fall bergauf geht. Ich hatte eine sehr, sehr schwere Zeit die ersten Monate oder eher das erste Jahr danach, aber dann fing es an besser und besser zu werden. Schwere Momente kommen trotzdem immer wieder, aber das Gefühl, dass es immer weiter aufwärts gehen wird und ich mit der Zeit die vorbeigeht immer besser damit zurecht kommen werde, gibt mir sehr viel Kraft.


    Deswegen war es auch mein Anliegen noch einmal zu schreiben. Auch weil mir die Hilfe, die ich hier bekommen habe, sehr gut getan hat. Falls ein aktives Mitglied von damals das heute liest: danke!

    Ich habe seinerzeit mitgelesen und auch seither immer mal wieder an Dich gedacht - schön, nun wieder von Dir zu lesen. Ich drücke Dir die Daumen, dass es weiterhin so aufwärts geht und Du das Geschehene gut verarbeiten kannst. Lass Dir Zeit - so lange ist das nun ja noch nicht her! @:)