Inkompatible Persönliche Grenzen

    Hi,


    Mein Freund und ich sind nun seit ca. einem 3/4 Jahr zusammen. Ich hatte schon von Beginn an ein sehr gutes Gefühl bei ihm und je mehr ich ihn kennen gelernt habe, desto mehr hat sich das bestätigt und verstärkt. Wir haben sehr viele gemeinsame Hobbys und Interessen und in allen wichtigen Lebensfragen die gleiche Einstellung. Ich finde wir passen super zusammen und ich kann mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, dass es irgendwo da draußen jemanden geben könnte, der besser zu mir passt. Er sieht das genauso.


    Ich habe schon einige Beziehungen hinter mir und bei ihm denke ich mir ständig, was für ein Glück ich mit ihm habe und wie glücklich ich mit ihm bin.


    Ich würde sagen, wir ähneln uns zu 90%.


    Bei den restlichen 10% liegen wir leider so weit auseinander, wie wir unterschiedlicher nicht sein könnten. Ich oder wir sind ziemlich ratlos. Wir hatten schon viele Gespräche und kommen einfach auf keinen gemeinsamen Nenner. Das liegt daran, dass er mit seinem Verhalten bei mir eine Grenze überschreitet. Würde er meine Grenzen beachten, würde er damit seine Grenze überschreiten / Prinzipien missachten. Wir sind bei diesem Thema offenbar anders sozialisiert und erzogen worden, es gibt da kein richtig oder falsch, wir müssen uns einfach einig werden.


    Einen Kompromiss zu finden ist schwierig,


    schließlich ist "ein bisschen die Grenze überschreiten" immer noch die Grenze überschritten. Ich kann das einfach nicht akzeptieren. Es verletzt mich. Und es wird mich auch in Zukunft verletzen und das ist die Stelle an der ich momentan die ganze Beziehung hinterfrage. Wenn ich doch jetzt schon weiß, dass meine Grenzen in Zukunft immer wieder überschritten werden, mich das immer wieder verletzt und es mir schlecht dabei geht? Ich bin mir sicher, dass sich das sehr negativ auf die Beziehung auswirken wird, der Umgang dadurch nicht mehr so respektvoll und von Wertschätzung geprägt ist.


    Er ist bereits in einigen Dingen auf mich zu gekommen, sagt aber auch ganz klar, dass er sein (bei mir grenzüberschreitendes) Verhalten nicht ändern (können und wollen) wird. Er sieht mich am Zug auf ihn zuzukommen, aber wie oben geschrieben, dieses Thema ist ein Nogo für mich. Er ist allerdings stark an einer Lösung interessiert, weil auch er der Überzeugung ist, dass wir perfekt zu einander passen. "Wenn nicht wir, wer dann."


    :-(


    Ich könnte hier wirklich ein paar Denkanstöße gebrauchen.

  • 184 Antworten

    Ich werde noch genauer schreiben, worum es geht. Ich wollte es nur erstmal allgemein halten, um zu sehen, ob jmd jetzt schon eine Idee oder Erfahrung hat (auch wenn es auf ein ganz anderes Thema bezogen sein mag).


    Jeder hat zu einem Thema so seine eigene Meinung und ich möchte eigentlich nicht, dass für mich oder meinen Freund Partei ergriffen wird oder einem von uns ein Vorwurf gemacht wird. Ich mag es auch gar nicht, wenn es heißt, dass diese oder jene Ansicht unnormal oder ungewöhnlich ist und derjenige dadurch vermittelt bekommt, dass er im Unrecht ist. Ich möchte nicht in meiner Meinung bestärkt werden (auch wenn mir das sehr gut tut), ich möchte in erster Linie einen Lösungsansatz finden. Also würde ich hier noch etwas zuwarten. Wenn ihr euch dann erst später wieder zu Wort meldet, freu ich mich natürlich trotzdem :)

    es ist trotzdem schwierig, ohne ein griffiges beispiel zu sagen, wie ihr damit umgehen könntete - oder eben nicht.


    beispiel 1: einer ist veganer, der andere fleischliebhaber - damit kann man leben, wenn nicht der vegan lebende den "überzeugungsfeldzug startet, weil der partner diese lebensweise teilen soll


    beispiel 2: der eine ist sportler, der andere extreme-coucher - damit kann man leben, wenn man sich gegenseitig lassen will und kann


    beispiel 3: der eine ist choleriker und der andere ruhig-ausdiskutierer - das ist schon sehr viel schwieriger...


    ... es kommt also echt total drauf an ;-)

    Zitat

    Das liegt daran, dass er mit seinem Verhalten bei mir eine Grenze überschreitet. Würde er meine Grenzen beachten, würde er damit seine Grenze überschreiten / Prinzipien missachten

    Dann ist aber einer von euch neben der Spur. Das ist sonst rein logisch gar nicht möglich.

    Zitat

    und in allen wichtigen Lebensfragen die gleiche Einstellung.

    Ich würde sagen, du redest dir die Beziehung schön. Denn wenn niemand von euch sich ändern kann/will, weil eine Änderung gegen die jeweiligen Prinzipien verstossen würde, dann habt ihr wohl in einem entscheidenden Punkt nicht die gleiche Einstellung.

    Danke für deine Antwort liebe Seherin,


    Die bringt mich schon mal zum Nachdenken.


    Beispiel 2


    ist in meinem Fall nicht passend, weil der Extremsportler und die Couchpotatoe ganz unterschiedliche Lebensweisen haben bzw. das auch in andere Lebensbereiche reinspielt, bei


    Beispiel 3


    würde ich auch sagen, dass es da ganz grundsätzlich nicht passt, aber


    Beispiel 1


    ließe sich übertragen.


    Dann wäre ich die Veganerin und er der Fleischesser. In diesem Kontext klingt mein Wunsch, dass er kein Fleisch isst, ziemlich absurd... hm. Ich muss darüber nachdenken. Hier würde man wahrscheinlich dem Veganer, der ja schon eher zu einer Randgruppe gehört, sagen, dass er seine Meinung überdenken soll. Also wieso sollte er kein Fleisch essen dürfen, ich kann ja trotzdem vegan bleiben.


    Wie wäre es als Extrem, wenn ich monogam und er polygam wäre (Das ist es NICHT!), würde man dem monogamen auch sagen, sei mal nicht so intolerant, soll halt jeder machen wie er will?


    Das Thema war übrigens zu Anfang nicht offensichtlich und hat sich erst im Laufe der Monate rauskristallisiert bzw. bis wir explizit darüber gesprochen haben. Wenn in meinem Kosmos etwas total normal und selbstverständlich ist, gehe ich davon aus, dass es für andere auch normal ist. Wir kamen beide vorher nicht auf die Idee darüber zu sprechen.

    Zitat

    Ich würde sagen, du redest dir die Beziehung schön. Denn wenn niemand von euch sich ändern kann/will, weil eine Änderung gegen die jeweiligen Prinzipien verstossen würde, dann habt ihr wohl in einem entscheidenden Punkt nicht die gleiche Einstellung.

    Ich habe in der Tat Angst davor, dass es so ist.

    @ lian-Jill:

    Nein, es keine Klogewohnheiten

    Wenn man ein grundsätzliches moralisches Problem mit Fleischkonsum hat, dann ist das durchaus ein schwerwiegendes Problem in der Beziehung, wenn man den anderen dann nicht akzeptieren kann in seiner Meinung.


    Es gibt halt so Dinge, die ein K.O.-Kriterium sein können. Bei mir wäre das z.B. ein Befürworten der Todesstrafe.

    Zitat

    Wie wäre es als Extrem, wenn ich monogam und er polygam wäre (Das ist es NICHT!), würde man dem monogamen auch sagen, sei mal nicht so intolerant, soll halt jeder machen wie er will?

    ein schönes beispiel ;-)


    funktioniert, wenn der monogame sagt: kannst ruhig fremdvögeln, stört mich nicht, aber ich will keine sexuelle aktion mit wem anders


    funktiiniert, wenn der ploygame sagt, dass er rücksicht auf die bedürfnisse des monogamen nimmt, weil ihm die beziehung wichtiger ist


    funktioniert nicht, wenn der monogame sagt, dass er sexuelle exklusivität als grundlage der beziehung braucht/will


    funktioniert nicht, wenn der polygame sagt, dass er sich ohne rücksicht durch die weltgeschichte vögeln will


    ... um das jetzt mal sehr vereinfacht aufzulisten.

    Und wenn das Thema Todesstrafe erst nach Monaten auf den Tisch kommt und sonst alles andere passt und du bis dahin super glücklich warst, würdest du ehrlich einfach so die Beziehung beenden können? Wie könnte ein Lösungsansatz aussehen. Muss einer von seiner Meinung abrücken? Irgendwie schon oder?

    Zitat

    Das liegt daran, dass er mit seinem Verhalten bei mir eine Grenze überschreitet. Würde er meine Grenzen beachten, würde er damit seine Grenze überschreiten / Prinzipien missachten.

    Zitat

    Das Thema war übrigens zu Anfang nicht offensichtlich und hat sich erst im Laufe der Monate rauskristallisiert bzw. bis wir explizit darüber gesprochen haben. Wenn in meinem Kosmos etwas total normal und selbstverständlich ist, gehe ich davon aus, dass es für andere auch normal ist. Wir kamen beide vorher nicht auf die Idee darüber zu sprechen.

    Klingt nach einem der Klassiker: Masturbation in der Partnerschaft. Einer findet's grenzüberschreitend, dass der Partner es während der Beziehung tut, der andere findet's grenzüberschreitend, dass der Partner sich da einmischt.