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    Und wenn das Thema Todesstrafe erst nach Monaten auf den Tisch kommt und sonst alles andere passt und du bis dahin super glücklich warst, würdest du ehrlich einfach so die Beziehung beenden können? Wie könnte ein Lösungsansatz aussehen. Muss einer von seiner Meinung abrücken? Irgendwie schon oder?

    Ist zwar eine eher unschöne Lösung, aber man kann ein Reizthema ja auch einfach ausklammern. Schwieriger wird's, wenn es sich um ein allgemeineres Thema handelt, über das man halt auch alltagsbedingt häufiger spricht. Und ob ein Thema Potenzial hat, sich zu konkretisiert. Bsp. Kinder toll/doof finden --> Fortpflanung ja/nein.

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    Und wenn das Thema Todesstrafe erst nach Monaten auf den Tisch kommt und sonst alles andere passt und du bis dahin super glücklich warst, würdest du ehrlich einfach so die Beziehung beenden können?

    Ihr seid ja eingentlich erst seit 3/4 Jahren zusammen. Ist doch noch mitten in der Phase des intensiven Kennenlernens ...

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    Und wenn das Thema Todesstrafe erst nach Monaten auf den Tisch kommt und sonst alles andere passt und du bis dahin super glücklich warst, würdest du ehrlich einfach so die Beziehung beenden können? Wie könnte ein Lösungsansatz aussehen. Muss einer von seiner Meinung abrücken? Irgendwie schon oder?

    Dann hat man ein echtes Problem. Dilemma. Zwei Wege, aber beide sind sch**sse.


    Man könnte z.B: verdrängen und sich in Alkoholismus flüchten.

    Einige Gedankenasätze zur abstrakten Fragestellung:


    Vielleicht hilft eine kreative neue Grenzziehung? Eine Grenze muss keine gerade Linie sein. Vielleicht ist eine Grenze mit vielen Ein- und Ausbuchtungen möglich, die für beide passt und daher nicht überschritten werden muss.


    Genaue Analyse der jeweiligen Grenzen: Woher kommen sie und was sollen die Grenzen schützen oder sichern? Ist die Grenze da, wo es echt zu schmerzen beginnt? Oder hat man sie sicherheitshalber mit Sicherheitsabstand gesetzt? Wenn letzteres zutrifft, ist eine Grenzüberschreitung noch nicht unbedingt ein absolutes NoGo, das niemals vorkommen darf. Hinter der ersten Grenze, die verteidigt wird und deren Einhaltung einem lieb wäre, gibt es noch andere Grenzen, die einem nochmal deutlich wichtiger sind. Nicht jede Grenze ist eine existentielle.


    Wiedergutmachung: Ist eine echte Kompensation und Wiedergutmachung der Grenzüberschreitung möglich? Man sagt 5 positive Interaktionen neutralisieren eine nehative Interaktion. Ist es denkbar, dass trotz gelegentlicher Grenzüberschreitungen (in beide Richtungen oder auch nur in eine) die Summe der positiven Dinge dauerhaft klar überwiegt?


    Spielen Wahrnehmungsfehler oder persönliche Interpretationen eine Rolle? Fühlt sich z.B. eine Seite angegriffen, obwohl es der andere wirklich nicht so meint (und auch ein unbeteiligter Dritter nicht verstehen würde, warum sich dadurch jemand angegriffen fühlt)?


    Kann man die Frage durch Diskussion klären oder verändern? Wenn einer dem anderen neue Aspekte aufzeigen kann, die der andere noch nicht bedacht hat (und einleuchtend findet), können ein Umdenken bewirken.

    Wie oft kommt es zu den Grenzverletzungen? ... Wenn es sowas ist wie eine unterschiedliche Ansicht zum Thema Todesstrafe, könnte man das auch einfach ausklammern aus den gemeinsamen Gesprächen. Wenn die gesamte politische Haltung gegensätzlich ist, wird das schon schwerer. Fände ich jedenfalls.

    Ich habe das Gefühl, ein Teil der inneren Stimme schlägt hinsichtlich der Beziehung Alarm, aber Du, Alias, möchtest das aufgrund der ganzen anderen tollen 90% (sind es wirklich so viele Prozent, wenn man alles entsprechend nach emotionaler Relevanz gewichtet?) nicht wahrhaben und schilderst hier auch nur verklausuliert die Thematik, damit die Antworten nicht gaaaanz so schlimm ausfallen wie befürchtet. Das Thema aber gar nicht erst eröffnen wäre auch keine Option gewesen, da dazu der Leidensdruck doch schon zu hoch ist.


    Soweit mein Eindruck beim Lesen Deiner Beiträge.


    Meine "allgemeine" Antwort auf Deine Frage:


    Ich möchte jeden so nehmen wie er ist, seine Grenzen, seine Freiheit usw. respektieren. Aber das gehört genau da auf, wo ich selbst (ggf. emotional) zu Schaden komme und meine eigenen Grenzen überschritten werden. Dazu braucht es auch keine Begründung, wessen Grenzen angeblich nachvollziehbarer oder mehr gerechtfertigt wären.


    In einer Partnerschaft habe ich den Anspruch, dass der andere meine Persönlichkeit soweit erfassen kann, dass er versteht, wo meine Grenzen sind und warum, und dass er sie achtet. "Kann" er es nicht, dann ist er langfristig eben doch nicht so passend wie in der Phase der Anfangsverliebtheit vermutet. ??habe selbst erst vor relativ kurzer Zeit so eine Situation erlebt, d.h. bei jeglicher "Lösung" wäre die Grenze eines/einer von beiden überschritten gewesen; das Ganze ist daher wieder auseinander gegangen??

    Mir fällt als Beispiel Sauberkeit und Ordnungsliebe ein. Den einen stört es nicht, wenn es nicht so sauber und ordentlich ist. Den anderen schon. Der eine möchte nicht vom anderen zum Putzen verdonnert werden, der andere möchte aber weder im Dreck sitzen noch für den anderen mitputzen. Unlösbar. Oder nur mit zwei Wohnungen.


    Etwas mehr Beschreibung, um welche Problematik es geht, wäre tatsächlich hilfreich, um Dinge wie Wahrnehmungsfehler (wie LolaX5 erwähnt) beispielsweise ausschließen zu können.

    Mir fällt auch vieles ein wie Ordnung, Vorlieben beim Sex, vielleicht flirtet er gerne mit anderen Frauen, vielleicht verbringt er zu viel Zeit mit den Kumpels oder vorm PC usw. Schwierig da was dazu zu sagen wenn man nicht konkret weis um was es geht ":/


    Für manches lässt sich ein Kompromiss finden, für manches wohl leider nicht.

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    Das liegt daran, dass er mit seinem Verhalten bei mir eine Grenze überschreitet. Würde er meine Grenzen beachten, würde er damit seine Grenze überschreiten / Prinzipien missachten

    Dann ist aber einer von euch neben der Spur. Das ist sonst rein logisch gar nicht möglich.

    Es gibt Grenzen / Prinzipien, die einander komplett ausschließen, d.h. es gibt keine gemeinsame Schnittmenge bzw. Kompromiss. Da ist nicht eindeutig ein Part neben der Spur. Beispiele:


    - Kinderwunsch unbedingt / auf keinen Fall


    - gemeinsam versus getrennt wohnen


    - diverse "radikalere" religiöse Einstellungen


    - einer hat ein Haustier und will es behalten, der andere hat dagegen eine Allergie, und beide wollen aber zusammenwohnen


    - Einigkeit bzgl. gemeinsamem Wohnsitz aber nicht bzgl. Ort (ggf. triftige Ein- oder Ausschlussgründe)


    - inkompatible Einstellungen bzgl. Sexualität


    - politisch entgegengesetzte Ansichten / Wertvorstellungen

    Alias 740891

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    Bei den restlichen 10% liegen wir leider so weit auseinander, wie wir unterschiedlicher nicht sein könnten. Ich oder wir sind ziemlich ratlos. Wir hatten schon viele Gespräche und kommen einfach auf keinen gemeinsamen Nenner. Das liegt daran, dass er mit seinem Verhalten bei mir eine Grenze überschreitet. Würde er meine Grenzen beachten, würde er damit seine Grenze überschreiten / Prinzipien missachten. Wir sind bei diesem Thema offenbar anders sozialisiert und erzogen worden, es gibt da kein richtig oder falsch, wir müssen uns einfach einig werden.

    Ich kann mir im Moment nichts vorstellen, was grenzüberschreitend wäre, wenn sich beide so akzeptieren, wie sie sind und eine respektvollen Umgang mit Menschen die Beziehungsebene ist. Alles, was ich mir im Moment vorstellen kann, was ich als grenzüberschreitend auffasse, das hieße, dass wir schlicht eine unterschiedliche Sicht der Dinge haben und so unterschiedlich, dass sie miteinander nicht kompatibel sind. Verletzend empfinde ich allerdings nicht sehr viel. Ich beziehe das Verhalten eines anderen nicht auf mich, sogar wenn es auf mich abgezielt ist.

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    Dann wäre ich die Veganerin und er der Fleischesser. In diesem Kontext klingt mein Wunsch, dass er kein Fleisch isst, ziemlich absurd... hm. Ich muss darüber nachdenken. Hier würde man wahrscheinlich dem Veganer, der ja schon eher zu einer Randgruppe gehört, sagen, dass er seine Meinung überdenken soll. Also wieso sollte er kein Fleisch essen dürfen, ich kann ja trotzdem vegan bleiben.

    Naja, wenn es um einen Änderungswunsch geht, dann gibt es Kampf. Ich hätte absolut kein Problem mit einem Veganer. Er kann ja essen, was er will, genauso wie ich. Darin sehe ich keine Unvereinbarkeit. Allerdings hängt es davon ab, wie Vereinbarkeit bzw. Lösungsakzeptanz von beiden gesehen werden. Ich kann noch so sehr so vieles als vereinbar sehen und eine Lösungsmöglichkeit sehen, wenn das für den Partner nicht auch eine akzeptable Lösung ist. Umgekehrt gibt es Dinge, die ich schlicht nicht ändern würde, weil ich dann nicht mehr ich wäre. Woran ich aber durchaus etwas ändern kann ist, dass ich hinterfrage, ob ich nicht etwas daran ändern will, mich bei einer gewissen Aussage oder Handlung verletzt zu sein, es also persönlich nehmen. Ich kann lernen etwas sachlich aufzufassen und nicht persönlich. Es hängt natürlich davon ab, ob sich das noch mit meiner Weltsicht vereinbaren lässt. Das Beispiel Todesstrafe wurde gebracht. Wäre für mich kein Problem, auch wenn ich nicht für die Todesstrafe bin. Auch Ordnung/Unordnung ist für mich nie ein KO-Kriterium gewesen, immer nur umgekehrt.

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    Wie wäre es als Extrem, wenn ich monogam und er polygam wäre (Das ist es NICHT!), würde man dem monogamen auch sagen, sei mal nicht so intolerant, soll halt jeder machen wie er will?

    Das gehört für mich zu: in wichtigen Lebensfragen die gleiche Einstellung. Klar werden Weltsichten irgendwo zu Dogmen und dann ist man nicht kompatibel.

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    Und wenn das Thema Todesstrafe erst nach Monaten auf den Tisch kommt und sonst alles andere passt und du bis dahin super glücklich warst, würdest du ehrlich einfach so die Beziehung beenden können? Wie könnte ein Lösungsansatz aussehen. Muss einer von seiner Meinung abrücken? Irgendwie schon oder?

    Wieso soll jemand von seiner Meinung abrücken? Wieso sollte ich mich durch die Meinung eines Gegenübers zu einem Thema verletzt fühlen? Trotzdem kann es natürlich sein, dass uns das unkompatibel macht. Allerdings, sollte mich die Partnerschaft nicht glücklich machen. Das muss schon ich aus mir sein. Der Partner ist dafür nicht verantwortlich. Ich bin ja nicht glücklicher wenn jemand auf eine ganz bestimmte Weise denkt und nicht unglücklicher, wenn er es nicht tut.

    Man kann eine bestehende Beziehung so weit verkomplizieren, dass es einem schier schlecht wird. 'Das was ich will, das krieg ich net, das was ich krieg, das will ich net'. Eine total verkopfte Beziehung ist nervig und stressig. Da sind keine 10%..keine 10% von NIX!


    Das sind meiner Meinung nach 100% anankastische Kriegsspielchen.

    Du machst es einem sehr schwer, dir zu helfen. Da scheinen Schamgrenzen oder Wiedererkennungsgefahren eine Rolle zu spielen.


    Wenn du nur theoretisch fragst, kann man auch nur theoretisch antworten. Also: Ich rate dazu den Bereich, in dem die Grenzüberschreitungen scheinbar unvermeidlich sind, zu "isolieren", ihn also so weit wie möglich aus dem Alltagsgeschehen heraus zu nehmen. Darüber hinaus – wenn es sich tatsächlich um ein Reizthema wie die Todesstrafe oder eine politische Extremposition handeln sollte – muss dieses Thema mit Stoppsignalen belegt werden. "Stop! Dazu werde ich nichts mehr sagen, dazu ist mir unsere Liebe viel zu wichtig!" Das verlangt Aufmerksamkeit, aber auch Toleranz. Niemand hat das Recht, einem anderen eine Meinung aufzuzwingen, es können problemlos zwei völlig unterschiedliche Meinungen nebeneinander bestehen bleiben.


    Ich vermute aber aufgrund deiner Zurückhaltung eher, dass es sich um eine Art Suchtproblem handelt, Drogenkonsum, Alkohol, Internetspiele oder Glücksspiele oder – wie schon angesprochen - Pornosucht können eine Beziehung außerordentlich belasten., dann passt allerdings deine 90 zu 10-Einschätzung nicht mehr. Denn ein solch massives Problem kann schnell zu 90% werden. Es ist mit Toleranz allein nicht zu lösen. Dasselbe gilt für den Fall, dass es sich um Gewaltbereitschaft oder eine andere Form von Unbeherrschtheit handeln sollte. Du siehst, theoretische Hilfen gehen meist am Thema vorbei.

    Ich persönlich bin der Meinung, die Freiheit des einen hört an den Grenzen des Anderen auf. So wie Du es schilderst klingt es nach einem (im Augenblick) kleinen Problem, das aber im Laufe der Zeit immer größer wird. Wenn Ihr Eure Grenzen fest gesteckt habt und ein es regelmäßig zu harten Grenzüberschreitungen kommt dann werdet Ihr nicht glücklich.


    Es ist ein Kompromiss oder eine Verschiebung der Grenzen erforderlich. Wenn das Thema dies aber nicht zu läßt dann ist nur noch Vermeidung möglich. Ist da auf Dauer tragbar?


    Daumen hoch für Oldie49 und Kleio :)^. Meiner Meinung nach haben sie es gut auf den Punkt gebracht.

    Jede Beziehung lebt in meinen Augen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden.


    Die Gemeinsamkeiten machen das Zusammenleben leicht.


    Um sich an den Unterschieden erfreuen zu können, muss man sich lieben.

    Also ich kann mir (fast) immer auch Kompromisse vorstellen, wenn beide gemeinsam Regeln finden:


    * Fleischesser und Veganer: der Fleischesser sucht sich drei Wochentage aus, auf die er bereit ist, seinen Fleischkonsum einzuschränken, die anderen 4 Tage sind aber verbindlich vegan. Und man einigt sich auf Fisch und Bio-Fleisch.


    * Polygamist und Monogamist: der Polygamist bekommt 4 Wochen im Jahr Fun-Time in seiner/ihrer Auszeit, z.B. in einem Urlaub allein. Über diese 4 Wochen wird nicht geredet. Der Polygamist bekommt so Verbindlichkeit, der Monogamist bekommt Verbindlichkeit für die restlichen 48 Wochen des Jahres.


    * SB in der Beziehung: beide einigen sich darauf: SB ist ok, aber nicht vor dem anderen, weil der das als kränkend empfindet.


    * Atheist und Religiöse Person: ein Jahr so, das andere Jahr so. Oder das Treffen in der Mitte in einer gemäßigten, weniger orthodoxen Auslegung der Religion.


    * Todesstrafe-Befürworter und -ablehner: muss man ja nicht täglich thematisieren.


    * Raucher und Nichtraucher: nur draußen. Und Rauchkonsum auf das mögliche Minimum einschränken. Verbindliche Rauchfrei-Zeiten-und Orte, verbindliche Rauchen-Dürfen-Zeiten und Orte.


    * Kinderwunsch und Nichtkinderwunsch: entweder doch Kind, aber mit viel Freiraum für den Nichtkinderwünscher. Oder kein Kind, aber mit immer wieder Einladungen an andere Kinder: Nichten, Neffen, Cousins, Cousinen, ggf. Pflegekind für Zeitabschnitte. Und auch wenn es komisch klingt: ein Hund kann eine Art Ersatzkind in solchen Beziehungen sein.


    * Grünen-Wähler und AFD-Wähler: schimpfen beide gegen die CDU und SPD. :-D


    * Ungelernter und Professorin: ungelernter mit Weiterbildung nach seinen Interessen und Fähigkeiten, Professorin mit der Erkenntnis, dass sie in vielen Bereichen auch gering gebildet ist


    * versch. Ernährung: jeder macht halt seins oder Zeitmultiplex


    * Prostititionsablehner und Sexarbeiter: einigen auf Dienstleistungsbreite des Sexarbeiters, oder über Zeitmultiplex


    * einer will ne Wohnung, der andere ein Haus: Doppelhaushälfte


    * einer getrennte Schlafzimmer, der andere Ehebett: Zeitmultiplex


    * einer reich, der andere arm: Ausgleichszahlung oder Zeitmultiplex


    * Autowoller und Autoablehner: Carsharing


    * Hippie-Frau und Burschenschaft-Schläger: treffen sich hoffentlich nicht im Leben


    Wenn da nur noch 10% Unterschied sind, dann halte ich die in vielen Fällen für überbrückbar. Ich finde, es braucht auch Unterschiede. Die erzeugen Spannung, Interesse, Neugier, geistige Variabilität.


    "Grenzen überschreiten" ist da echt relativ. Schwierig wird es bei strafbaren Handlungen, die der eine befürwortet oder fordert oder tut. Und der andere ablehnt. Also wo es nicht um moralische oder Meinungsverschiedenheiten geht, sondern um kriminelle Sachen geht. Selbst wenn die in der Vergangenheit liegen. Z.B. sie möchte Kinder, er kommt nach x Jahren aus der Resozialisierung für Pädophile. Oder er hat einen lukrativen Drogenhandel als seine "Nebenbeschäftigung".