Hallo Alias,


    mir gefällt Dein Ansatz. Das wollte ich Dir noch sagen. Wir können hier ganz in Ruhe miteinander reden, weil niemand weiß, worum es konkret geht. Das finde ich gut.


    Deswegen würde ich Dich bitten, uns noch etwas Zeit zu geben, bevor Du eventuell noch konkreter wirst.


    Was mir an der bisherigen Diskussion aufgefallen ist: Es wird als schlecht hingestellt, wenn Mann und Frau unterschiedlich sind. Das sehe ich nicht so. Es gibt auch Eigenschaften, in denen man sich gut ergänzen kann.


    Nur häufig muss man das erstmal erkennen. Also, anstatt zu fragen Ist das "kompatibel"? könnte man auch fragen: Was ist daran gut?


    Außerdem wurden Kompromisse hier weitgehend so hingestellt, als wenn man sie nur zähneknirschend eingehen kann. Auch das halte ich für falsch.


    Wenn die Frau beispielsweise einen Putzfimmel hat und der Mann ein Messie ist, dann könnte ein Kompromiss die beiden heilen.


    Realistisch ist das freilich nicht. Mir ging es darum zu illustrieren: Das Aufeinanderprallen von Unterschieden könnte auch konstruktiv sein und Kompromisse erstrebenswert.

    Dazu habe ich ja schon Vorschläge gemacht. "Radikalere" religiöse Einstellung sollte sich abschwächen lassen. Also statt Protestant gegen Katholik eben Treffen in der Mitte: der Ökumene. Aber vielleicht ist dir das nicht "radikal genug". ;-)

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    - gemeinsam versus getrennt wohnen

    Da geht Zeitmultiplex. Paar Tage zusammen, dann wieder getrennt. So, dass was verlässliches und verbindliches rauskommt, also nach einem Muster.

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    - einer hat ein Haustier und will es behalten, der andere hat dagegen eine Allergie, und beide wollen aber zusammenwohnen

    Erstmal Versuch: Desensibilisierungsbehandlung für den Allergiker. Wenn das nicht klappt: z.B. bei Katzenhaarallergie Wechsel auf einen Hund. Oder auf Fische, da gibt's keine Allergie. Ein schönes großes Aquarium. Oder ein Teich mit Kois. Oder Tiersitter sein für andere: dann hat das Paar selbst keinen Hund, aber gelegentlich schon, der aber kaum zuhause ist und der andere niest halt paar Mal mehr. Auch Hunde vom Tierheim ausführen kann so eine Zwischenlösung sein.

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    - Einigkeit bzgl. gemeinsamem Wohnsitz aber nicht bzgl. Ort (ggf. triftige Ein- oder Ausschlussgründe)

    Zeitmultiplex geht, wer das Geld hat. Hälfte des Jahres zusammen in St. Tropez, die andere Hälfte New York. Oder häufigerer Wechsel, irgendwie muss der Jetset ja seine Vielfliegermeilen zusammenbekommen. ;-) Oder doch die Einigung auf einen 3. Ort. Oder die Einigung auf ein nomadisches Leben wie z.B. Zirkusleute.

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    - inkompatible Einstellungen bzgl. Sexualität

    Ich denke, dass sich auch dort Kompromisse finden lassen, wenn es beide so sehen, dass es nur die letzten 10% betrifft. Auch hier kann Zeitmultiplex ne Lösung sein. Diverses Spielzeug und Hilfsmittel bieten Lösungsmöglichkeiten. Externe Veranstaltungen ebenso. Manchmal kann eine geistige Ebene/Fantasie-Ebene befriedigt werden, die dafür keine physische Ebene/Umsetzung/Realisierung braucht. Und für manche Paare ist es auch ok, wenn der andere 2% von einem nicht weiß.


    Kann dann jeder mit jedem zusammenleben oder eine Beziehung eingehen? Nein, das glaube ich nicht. Im Wollen beider Seite und in der Kreativität der Lösungsfindung zeigt sich, ob es passend gemacht werden kann oder eben gerade nicht.


    Wo ich ernsthafte Differenzen sehe, ist an den Stellen, wo es die Paarkommunikation an sich betrifft und nicht die Sachthemen/Sacheinstellungen, sondern den übergeordneten Aspekt der Paarkommunikation:


    * ein Probleme-Ansprecher und ein Probleme-unter-den-Teppich-kehren-Woller-Heile-Welt-Lächler => sowas wird nix


    * eine Quasselstrippe und ein Schweiger => da steht's auch schlecht


    * ein offener, direkter, forscher Typ und ein verschlossener, vorsichtiger, ängstlicher Typ => auch schwierig


    Aber diese Konstellationen merken das eher nicht erst nach einem 3/4 Jahr oder finden, dass sie 90% Gemeinsamkeiten hätten.

    Soll das ein Test sein, wie kreativ die Schreiber hier sind? Ehrlich, da wird extrem viel Energie verschwendet, zu rätseln, was Dein Problem sein könnte, da werden sich Probleme ausgedacht und dazu Hilfestellung gegeben, obwohl das vermutlich gar nicht zutrifft. Das bringt Dich doch kein Stück weiter. Ohne Dein Problem zu konkretisieren, wirst Du hier vermutlich nur ganz wenig für Dich mitnehmen können.

    Also ich finde es klug, das Problem so abstrakt aufzuwerfen. So kann völlig unbeeinflusst von Meinungen zum inhaltlichen Problem über mögliche Lösungsarten bzw. Lösungszugängen gesprochen werden.


    Aber auch wenn man auf der abstrakten Ebene bleibt, bräuchte es jetzt mal wieder eine Reaktion der TE, welche Gedankenansätze sie interessant und potentiell hilfreich findet... :)D

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    Also ich finde es klug, das Problem so abstrakt aufzuwerfen.

    Mit deinem früheren Beitrag dazu hast du das Optimum der Sinnhaftigkeit einer abstrakten Diskussion über ein konkretes Thema rausgeholt.


    Für mich ist es Ressourcenverschwendung, im Nebulösen herumzuphantasieren, wenn die TE, die ja ein konkretes Problem hat, die Karten nicht aufdeckt. Ich bin schon gespannt auf die Reaktionen, falls die TE das Geheimnis noch lüften sollte ]:D

    Recht gute faire Kompromisse lassen sich auch durch neidfreies Teilen finden: einer teilt auf auf 2 Alternativen. Der andere sucht sich eine aus. Sollte an sich jeder kennen, der eine Schwester/Bruder hat, die sich einen Schokoriegel teilen sollen. Dieses Grundprinzip lässt sich recht universal anwenden, wenn man es bisschen abstrahiert z.B. auf Zeitscheiben in einem Zeitmultiplex.


    Naja, und Zufallslösungen gehen noch für eine Kompromissbildung, die immer wieder neu gefunden wird. Schnick-schnack-schnuck 1 von 1 (gleich das erste entscheidet) ist da beliebt, gern auch Schnick-schnack-schnuck 3 von 5. Das hat auch so eine lustige psychologische Komponente und man braucht keine Hilfsmittel wie einen Würfel oder Münze oder so.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Schere,_Stein,_Papier


    Schnick-schnack-schnuck braucht halt schon ne Schippe Humor und Großzügigkeit auf beiden Seiten, so richtig bierernste, basale Themen (z.B. Kind, Hauskauf, Gesundheit) eignen sich dafür eher nicht. Aber all die Alltags-Streitereien um eigentlich Nichtigkeiten, sowas wie die Fliesenfarbe im Bad oder so. Also da wo persönliche Grenzen nur die persönlichen Grenzen des eigenen Geschmackes sind. Bikini oder Badeanzug. Badehose oder Badeshorts. Heute mal FKK-Strand oder Textilstrand. Sowas halt.


    Bei richtig weltanschaulichen Themen oder existenziellen Sachen wird's ne Ecke schwerer, klar.

    Alias

    Ich frage mich - im Nebel stochernd ;-) - ob das Problem als "Verletzung durch Grenzüberschreitung" richtig gefasst ist. Zunächst ist eine Grenzüberschreitung ein Verhalten, keine Einstellung oder Haltung. Niemand kann die Grenze zu einem anderen überschreiten, indem er einfach ist, wie er ist. Das schließt auch eine Menge an Verhalten aus, das gar nicht grenzüberschreitend sein kann: Würde er das von dir, Alias, als grenzüberschreitend verletzend empfundene Verhalten weiter an den Tag legen, wenn ihr gar nicht mehr zusammen seid? Wenn ja, dann kann das Verhalten keine Grenze zu dir betreffen, denn du wärst gar nicht mehr da.


    Ich empfehle dir also, jene inkompatiblen 10% aufzuteilen in Aspekte, die tatsächlich eine Grenze zwischen euch betreffen, die überschritten werden kann und in Aspekte, die einen "wunden Punkt" in dir berühren und einfach anzeigen, dass da ein Schmerz sitzt, eine alte Verletzung, die mit dem Freund gar nichts zu tun hat - und die auch noch da sein wird, wenn der Freund weg ist. In letzterem Fall ist Rücksichtnahme und Vorsicht kurzfristig entlastend, aber keine Lösung. Z.B. ein Spreißel muss rausgezogen werden, auch wenn es in dem Moment wehtut, insbesondere, wenn es sich bereits entzündet hat. Das Versprechen, nicht dran zu rühren, ist ganz bestimmt kontraproduktiv.


    Eine andere Problemstruktur, die nichts mit Grenzüberschreitung zu tun hat, ist inkompatibles Wollen: Er will (und tut) etwas, von dem du nicht willst, dass er es will. (Beim Tun kommt es darauf an, ob das Tun dich betrifft und dabei eine Grenze überschreitet.) Zwar sind wir (begrenzt) frei, unser Tun zu beeinflussen, aber was wir wollen oder nicht können wir uns nicht aussuchen. Wir empfinden es als Teil von uns und wird unser Wollen abgelehnt, fühlen wir uns selbst abgelehnt. Das ist im Grunde die größtmögliche Verletzung, die uns treffen kann und die meisten von uns wurden irgendwann von den eigenen Eltern oder wichtigen Bezugspersonen auf diese Weise verletzt.


    Zur Beziehungsfähigkeit gehört dazu, einen anderen Menschen in seinem unterschiedlichen Wollen zu respektieren. Nicht nur dann, wenn uns dieses Wollen egal ist, sondern auch, wenn es sich mit dem eigenen Wollen reibt. Es ist praktisch ausgeschlossen, einen Partner zu finden, der ein Wollens-Zwilling/Klon von uns ist. Man kann miteinander reden und auch verhandeln, wie mit diesem unterschiedlichen Wollen umgegangen wird (was wie tun oder nicht tun), aber dazu müssen erst mal beide Seiten anerkennen, was ist: Das unterschiedliche Wollen. Meinetwegen auch zu wollen, dass der andere - in dem fraglichen Punkt - anders will, als er will. Es hilft, sich klarzumachen, dass es sicher auch Punkte gibt, wo es umgekehrt ist - der andere hätte gern, dass wir anders wollen, als wir wollen. Wäre ja sonst ungerecht :-D .


    Ich finde es hoffnungsvoll zu lesen, dass dein Freund selbstbewusst zu seinem Wollen steht (wenn es sich um diese Art Problem handelt). In so einem Fall muss er in der Verwirklichung seines Wollens deine Grenzen respektieren, er darf also (mit dir!) nichts tun, was du nicht willst. Und du musst sein Wollen respektieren als ein Bedürfnis, das zu ihm gehört. Wenn das klar ist, ist die Tür offen, Wege zu finden, wie er sein Bedürfnis leben kann.

    @ Hallo Alias

    Analog zum Beispiel Veganer und Allesesser kann man auch das Beispiel Antialkoholiker versus ein Gläschen Rotwein oder eine Flasche Bier gehört zu einem entspannten Feierabend nehmen.


    Meinst du du hättest dich in diesen Menschen überhaupt verliebt, wenn du schon beim Kennenlernen/oder davor von seinem "Verhalten" oder "Anti-Verhalten" gewußt hättest? Wäre er dir dann auch noch so attraktiv erschienen?


    Wie ist es bei ihm? Hätte er eine Beziehung mit dir auch noch angestrebt, wenn er gewusst hätte, dass du laufend seine Grenzen in Frage stellt und übertrittst?

    Kommt eigentlich drauf an wie wichtig einem das Thema ist. ":/


    Man kann ja durchaus unterschiedliche Meinungen haben, wenn es bei dem einem aber eine aktive Lebenseinstellung ist was die andere Seite bekämpft, dann funktioniert es nicht. Also sozusagen eine Art friedliche Koexistenz vs. Krieg.


    Im Zweifel kann man das in alle Themen übertragen... egal wie harmlos oder brisant diese sind.


    Wer Vegan lebt und Fleischesser aktiv bekämpft, wird niemals mit einem zusammenleben.


    Der politisch aktive Linksradikale wird dem eher rechts eingestellten nicht näher kommen können.


    Der... hm, Katzenvergifteraktivist wird keinen Katzenhliebhaber akzeptieren können.


    Der Putzfanatiker wird kaum mit dem Messi zusammenleben. Na und so weiter halt...


    Ich musste meinem Mann über die Jahre deutlich zerrupfen dass ich keine Homosexuellenfeindlichkeit dulde, heute (schon ein paar Jahre) unterlässt er es, weil ihm da die Meinung nicht so wichtig ist (er vorher gar nicht drüber nachdachte). Wäre er jetzt da ein aktiver Schwulenhasser gewesen, wäre das nichts geworden.


    Mit unterschiedlichen Ansichten kann man ja leben.

    Also mit anderen Worten, wer so in seinen Grenzen überschritten wird dass es ein Krieg ist, stellt man sich doch nicht mehr die Frage ob man zusammenbleibt. Da ist doch automatisch die Frage was mir wichtiger ist: die Liebe oder meine Lebenseinstellung/Herzenssache/Lebenskampf.

    LovHus, das fand ich einen tollen Nachdenk-Beitrag! :)^ Und diese Ebenen des Wollens/Werte und Handelns/Tuns zu unterscheiden eine große Bereicherung in der Diskussion. Weil die Ebene des Wollens verdeckt ist, kann sie nur durch Kommunikation geteilt werden. Die Ebene des Handelns hingegen ist sichtbarer. Zwischen Wollen und Handeln stecken noch Motivation/Überzeugung/Kampf, Pflicht- und Ehrgefühle, Disziplin, Großzügigkeit, Duldung, aber auch Gefühle und Rationalität. Punkte, wo sich Menschen kompatibler machen können - oder eben auch nicht und sich gerade bewusst abgrenzen.


    Cleo hat das ja an paar Beispielen genannt, viele Beispiele konträren Handelns motiviert aus einer Art Lebenseinstellung/Herzenssache/Lebenskampf, und mal mit nur Werten/Ansichten, wo sich Unterschiede aushalten lassen.

    Schade, dass sich Alias zurückgezogen hat. Inzwischen sind doch genug Gedankenanstöße zusammengekommen, um die thematische Katze aus dem Sack zu lassen. Jetzt sieht es so aus, als hätte Ristridin den Nagel auf dem Kopf getroffen und danach ward Alias nicht mehr gesehen :=o .

    Ja, ich finde es ebenfalls schade, und Deine Spekulation finde ich nicht überzeugend, weil es genug User gab, die meinten, es gibt keine Verpflichtung, die Katze aus dem Sack zu lassen.


    Man kann das Thema schließlich auch allgemein diskutieren und damit das Risiko für persönliche Angriffe reduzieren.