Lieber MD999,


    gern antworte ich dir. Ich freu mich, wenn du damit etwas anfangen kannst.


    Die Abhängigkeit von dir zu ihr sehe ich in der Verklammerung, mit der ihr euch beide ineinander z. B. über das Essen verschränkt hab. Zusammen in Urlaub zu fahren, betrachte ich nicht als Nicht-loslassen-Können, solange ihr darüber frei entscheidet.


    Es erscheint mir bei euch ganz ähnlich, wie bei dem Ehepaar, das sich in der offen gebliebenen Zahnpastatube verbeißt, oder in den Socken, die einfach auf dem Boden liegenbleiben. Es geht nie um die Tube oder die Socken; das scheint nur so. In Wirklichkeit führen beide einen ebenso heftigen wie aussichtslosen Kampf um das, was für sie wichtig ist. Aussichtslos vor allem deshalb, weil sie das zumeist nicht erkennen und auch nicht erklären können und dann eben die Tube und die Socken herhalten müssen, wie bei euch jetzt das Essen. Es ist so, als ob beide in einer jeweils anderen Fremdsprache versuchen, dem anderen zu erklären, was ihm am Herzen liegt. Der eine "sagt" dem anderen: Bitte, geh doch auf mich ein, zeig mir, dass ich dir wichtig bin, dir etwas bedeute - dass du mich ernst nimmst! Und der andere versteht nur nicht, sondern reagiert sauer oder hilflos oder jedenfalls so, dass die Irritation wechselseitig nich steigt. Eigentlich tragisch, oder?


    Wie bekommt man Entspannung in diese Lage? Wenn du es hinkriegst: indem du die Situationen "ent-dramatisierst". Versuchs ruhig mit ein bisschen Humor zu nehmen, falls das irgendwie geht. Ein friedliches, vielleicht sogar lächelndes "Mama, ich danke dir. Ich weiß, du meinst es gut", ein liebes und freundliches Tätscheln der Hand - und dann tun, was du möchtest, ohne Kampf, ohne weitere Anstrengung. ;-) Sie reagiert auch nur so merkwürdig, weil sie dich nicht versteht, wenn du so verbissen drauf eingehst und ihr praktisch die Faust bietest, denk immer dran.


    Man muss es üben, gelingt vielleicht nicht sofort ... aber WENN es dir mal gelungen ist, die Sache so zu entkrampfen: WOW! Das ist ein tolles Gefühl. (Ich weiß das, weil ich es - zwar anders, aber doch ähnlich - kenne.)


    Gruß, Sviva

    Zitat

    Ich bin mit 19 ausgezogen, weil Sie mich tierisch gestresst hat. Ich telefoniere höchstens 1mal die Woche (sie ruft mich meist an).


    Und besuche sie vielleicht alle 3 Monate mal. Ich habe ihr in den letzten 10 Jahren auch schon 3 Briefe geschrieben, die so alle um die Themenkreise gehen: Zuhören was andere Dir sagen, hör auf mich andauernd erziehen zu wollen, Vereinbarungen sind einzuhalten.

    Wie ist es möglich, dass du bei so wenig Kontakt noch immer das Gefühl hast, dass sie versucht dich zu erziehen?

    Zitat

    jedenfalls so, dass die Irritation wechselseitig nich steigt.

    NOCH steigt, wollte ich natürlich sagen :-X


    Du gibst deiner Mutter die Chance, ihr eigenes Verhalten ändern zu können, wenn du deines veränderst, vorher wird sich nichts tun. Sei du der Klügere, der "nachgibt". Bei euch rastet bei jedem Treffen das alte Muster ein, und du kannst es durchbrechen, sie wird es nicht tun, keine Chance, weil sie es weniger gut erkennen kann als du.


    Weiter würde ich im übrigen nicht versuchen, ihr Verhalten weiter zu interpretieren. Das endet in einem Herumraten und ändert nichts, z. B. ob da noch Machtbestrebungen dahinterstehen u. ä. Solche Erklärungen mögen etwas haben, aber sie verkomplizieren eher. Es geht dir um die Veränderung, denke ich. Mache dir immer wieder bewusst, dass nur du sie in die Hand nehmen kannst.

    Zitat

    Es geht darum dass meine Mutter mich nicht loslassen kann.

    nein!


    Eigentlich kannst eher Du sie nicht loslassen. Warum ist es Dir denn überhaupt wichtig, dass Sie Dich versteht? Warum hast Du ständig das Bedürfnis Dich zu rechtfertigen und zu erklären? Sag doch einfach klipp und klar was Sache ist und ansonsten schalte auf Durchzug. Das Bedürfnis danach, verstanden zu werden und eine harmonische Beziehung zu haben, geht von Dir aus und nicht von ihr. Vielleicht solltest Du Dich mal davon verabschieden.

    Also als ich den Anfang des Threads gelesen habe tat sich bei mir die Frage auf warum in aller Welt tut sich der TE den Stress immer wieder an und fährt mit seiner Mutter in Urlaub wenn er doch schon im Vorfeld befürchtet dass es wieder zu unschönen Szenen kommen wird ? Dann habe ich mich auch noch gefragt ob dies wirklich ein 37 jähriger geschrieben hat denn sorry jetzt wegen meiner Formulierung ich empfand es teilweise als etwas kindisch was ich gelesen habe .


    Dann als ich die vielen Beiträge weiter verfolgt habe ( sehr gute übrigens) konnte ich beide Parteien besser verstehen .


    Mir würde zum Beispiel nicht im Traum einfallen mit meinen Kindern jedes Jahr in Urlaub zu fahren auch wenn sie beide mir dies schon angeboten haben .


    Wir haben unterschiedliche Interessen und ich möchte mich in meinem Urlaub erholen und keine Diskussionen führen müssen was man wann und wie tun möchte .


    Und was ich überhaupt nicht verstehe ist dies : wenn ich doch schon vorher weiß wie es ausgeht warum tue ich das gleiche dann wieder aufs neue ?


    Weil " verbessere " ich dadurch das angespannte Verhältnis wirklich ? - Ich glaube nicht denn ich fahre ja dann schon mit dieser Vorahnung dass was passieren wird was ich so nicht will los - sehr kontraproduktiv wie ich meine.


    Ich habe meine Kinder mehr oder weniger alleine großgezogen und sie sind das wichtigste in meinem Leben ich betütele sie auch ganz gerne aber ich würde niemals so weit gehen ihnen etwas " überstülpen " zu wollen denn genau wie ich sowas nicht mag möchte ich es auch keinem geliebten Menschen antun .


    Doch wir sind alle nur Menschen und keine Maschinen und wir machen einfach Fehler über diese kann man dann jedoch aber auch reden ohne Vorwürfe und gegenseitige Schuldzuweisungen .


    Dem TE würde etwas mehr Verständnis für seine Mutter bestimmt helfen mit der nächsten " Krise " besser umzugehen und seiner Mutter würde vielleicht etwas weniger " Übergriffigkeit " im Umgang mit ihrem Sohn helfen das Verhältnis zwischen ihnen zu entspannen


    Empathie ist hier wohl das Schlüsselwort


    Aber natürlich ist klagen leichter als einfühlen

    ich denke, elementar beim reif, souverän und erwachsen-sein ist, es aufzuhören, irgendwelche derartigen Erwartungen ("sie soll mich verstehen") an die eigenen Eltern zu haben (speziell, wenn dies schon jahrzehntelang nicht geklappt hat). Man möge sich unabhängig von deren Urteil machen., sie bei Übergriffkeiten klar in die Grenzen verweisen und ihnen dann, wenn sie uneinsichtig beleidigt abhauen, nicht hinterherjammern.

    Hi Uyulala,


    Nein nichts sorry Roman geschrieben - Dein Beitrag ist super gut und zusammen mit MissMaries :)^ der beste für mich. Ich wusste von Anfang an, dass der Beitrag der mir weiterhelfen wird ohne das Wort Diät auskommen wird - und so war es dann auch. Du hast sehr gut das "Große Ganze" dahinter erkannt. Ich hatte beim Lesen Tränen in den Augen. So kann nur jemand schreiben, der das schon erlebt und den Weg gegangen ist. Ich danke Dir von ganzem Herzen dafür. @:)


    Das Bild mit dem Abstandshalter ist auch sehr eindrücklich, ich habe mal auf Amazon geschaut:


    https://www.amazon.de/Miteinander-reden-Allgemeine-Psychologie-Kommunikation/dp/3499174898/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1501069834&sr=8-1&keywords=Schulz+von+Thun


    welches der Bücher ist da das richtige die haben ja mehrere Bände geschrieben?


    Dir auch alles Gute!

    Hi MissMarie,


    Danke für den Top-Beitrag! Ich finde Du verstehst meine Gefühle viel besser als viele hier. Dein Beitrag schildert etwas die "dunkle Seite" hinter dem "Junge iss" da ist schon (auch) ein Machtkampf mit dabei. Da kann ich Deinem Beitrag fast 100%ig zustimmen.

    Ja total! Ich bin was essen angeht eher unkompliziert, esse auch sehr gerne, aber das Gefühl kenne ich sehr gut. Es hat wirklich 5 Jahre gedauert meiner Mutter abzugewöhnen andauern irgendlweche fanatischen Fachvorträge über Bio-Essen zu halten. Ich erinnere mich noch gut an vor ca. 10 Jahren da war meine Exfreundin mit zu Besuch bei meiner Mutter, die war eigentlich eine sehr nette, aber meine Mutter hat die so gnadenlos belabert damit (anders kann man das nicht nennen), die wurde richtig sauer und hat dann meiner Mutter deutlich contra gegeben - was nicht so ihre Art war eigentlich.

    Zitat

    Sie hat dann allerdings immer heimlich Zutaten untergemischt, die ich nicht essen soll.


    NAchdem ich dann so ab und an meine zwei Stunden Spass im Bad hatte meinte sie immer...


    "Keiner kann so viele Allergien haben, das ist psychisch... du musst einfach wieder "normal" essen dann vergeht das auch wieder..."

    Das was Deine Mutter gemacht das geht irgendwie gar nicht!! Das ist für mich schon krank einem Allergiker was unterzujubeln!!


    Aber auch das Gefühl dass die Eltern so zu "Lügnern und Betrügern" werden nur um sich durchzusetzen, kenne ich nur zu gut.


    Als Kind wollte ich nicht 1 Woche alten Orangensaft trinken, es hat mich irgendwie geekelt. Wenn dann noch alter Orangesaft da war und ich kam morgens an den Küchentisch habe ich meine Mutter gefragt, ob sie den alten Saft mit dem neuen vermischt hat im Glas. Meine Mutter hat dann immer gesagt "Nein, Nein das ist nur neuer Saft". Ich habe es dann ganz genau geschmeckt dass da der alter Saft drinne war und habe es gesagt. Meine Mutter hat dann immer weiter gelogen und das abgestritten... Das ist öfters passiert. Das was richtig schlimm für mich ich habe da so das Vertrauen in die Worte meiner Mutter verloren. Die würde auch lügen und betrügen um ihren Willen durchzusetzen.. Das hat sich dann bei anderen Sachen bestätigt, seitdem glaube ich meiner Mutter viele Sachen einfach nicht und liege da meist rchtig.

    Zitat

    Sie will halt die Zeit zurück holen, wo ich sie gebraucht hab... und genau das ist der springende Punkt.


    Sie wollen auch, vor allem vor anderen, beweisen... guck her mein Kind braucht mich noch.


    Und das gibt ihnen die Befriedigung und ein gewisses Machtgefühl.

    Das ist das Gefühl dass ich so die ganze Zeit habe, was viele Poster hier nicht so merken, die da schreiben: "Mensch jung eine Diät im Urlaub lass das doch". Es liegt eigentlich am Elternteil, es fängt immer und immer wieder damit an und bedrängt den anderen damit. Das ist nicht nur die Ebene von "Essen das ist eben gemeinsamer Genuss und entspannen im Urlaub", wenn da einer immer und immer wieder damit anfängt, obwohl der andere ihm deutlich gesagt hat wie sehr in das stört, da steckt auch so Machtkampf dahinter.


    Das ist für mich so die dunkle Seite der "Mutterliebe", über das Kind auch bestimmen zu wollen und die Macht zu genießen. Sch*_egal ob das Kind auf die 40 zugeht.

    Nun bist aber du gefragt.... es muss sich was tun.


    Im MOment finde ich kommen viele alte Konflikte hoch, die nun


    beendet werden wollen.


    Ach noch eine kleine Frage :) Bist du auch ein Einzelkind?


    Wenn ja.... hier hast du halt die geballte Ladung an Mutterliebe.... ;-)


    Machts nicht leichter.


    Also bei meiner Mutter ist es so....


    Sie wurde von meiner Oma nicht so geliebt wie sie es verdient gehabt hätte.


    Das weiß ich.


    Und nun macht sie genau das Gegenteil weil ihr das selbst gefehlt hat...


    Als ich das verstanden hab, konnte ich mit der Situation ganz anders umgehen.


    Daher frag ich dich nun.... weißt du ob im Leben deiner Mutter etwas in der Richtung passiert ist?


    Was ist mit deinem Vater?

    Hi Sviva,


    vielen Dank auch für Deinen sehr guten Beitrag. Das ist so der ultimative Frieden von dem ich hoffe dass ich das eines Tages erreichen werde, ob ich das jemals schaffen werden weiß ich aber nicht.


    Emotional fühle ich mich gerade mehr nach dem Machtkampf an den MissMarie sehr gut beschrieben hat.


    Du hast übrigens auch genau recht mit Deiner Einschätzung zum Beitraig von rr2017.

    @ rr2017:

    Nein es ist genau umgekehrt. Meine Mutter redet immer davon, dass sie mich gerne "verstehen möchte" und sie macht das ja nur so hartnäckig weil sie es nicht verstehen kann. Der Punkt ist nur: Ich kann es sehr schlüssig 5min erklären oder 10min oder 1h oder 1mal oder 3mal. Sie versteht es nie und macht immer weiter damit.


    Ich will gar nicht, dass sie alles versteht das ist mir egal. Ich will was ganz anderes, dass sie mich AKEZPTIERT und nicht immer und immer wieder damit anfängt (Machtkampf). Das Sie es auch mal gut sein lassen kann.

    Mal eine blöde Frage:

    Zitat

    Wenn dann noch alter Orangesaft da war und ich kam morgens an den Küchentisch habe ich meine Mutter gefragt, ob sie den alten Saft mit dem neuen vermischt hat im Glas. Meine Mutter hat dann immer gesagt "Nein, Nein das ist nur neuer Saft". Ich habe es dann ganz genau geschmeckt dass da der alter Saft drinne war und habe es gesagt. Meine Mutter hat dann immer weiter gelogen und das abgestritten...

    Wie genau schmeckt man das heraus?


    Bei einem eine Woche altem Saft?


    Warst Du da nicht schlicht vorher schon mißtrauisch?


    UND: Warum hast Du Dir den Saft nicht selber eingeschenkt?

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    Das ist öfters passiert. Das was richtig schlimm für mich ich habe da so das Vertrauen in die Worte meiner Mutter verloren. Die würde auch lügen und betrügen um ihren Willen durchzusetzen..

    Welcher "Wille" denn?

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    Das hat sich dann bei anderen Sachen bestätigt, seitdem glaube ich meiner Mutter viele Sachen einfach nicht und liege da meist rchtig.

    Wie hat sich das bestätigt? Woher wußtest Du so genau, dass Deine Mutter gelogen hat? Und wenn sie gelogen hat - warum meinte sie das tun zu müssen?


    Ein dominanter Mensch, der würde sagen "Stell' Dich nicht so an, der Orangensaft ist auch nach einer knappen Woche noch gut, wenn es Dir nicht passt, dann trinke ihn eben nicht". Aber ganz sicher macht ein solcher Mensch nicht extra für Dich einen neuen Saft auf, geschweige denn - wenn es denn so zutrifft- spielt solche Spielchen. Weiterhin bleibe ich dabei, dass ich hier keinen "Willen aufzwingen" sehe, sondern vielmehr Verunsicherung. Offensichtlich schon damals.


    Es ist irgendwie faszinierend, denn ich sehe Dich auch bezüglich Deiner Beschreibungen von "damals" eher als den dominanten typ Mensch, der seinerseits meint, es müsse so laufen wie er es will.

    Das mit der Dominanz nehme ich auch so wahr... könnte ziemlich einschüchternd und verunsichernd wirken. Der Fehler, den ich Deiner Mutter "vorwerfen" würde, wäre die Tatsache, dass sie nicht drastischer Klartext geredet hat.


    Und wenn für Dich schon so eine unendliche Liste mit negativen Situationen existiert mit unendlichen Vorwürfen: Warum tut man sich dann einen gemeinsamen Urlaub an? Das ist schon eine beiderseitige Form von Abhängigkeit. Braucht Ihr diese "Spielchen"?!